{"id":21683,"date":"2017-10-24T05:15:31","date_gmt":"2017-10-24T04:15:31","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21683"},"modified":"2021-01-03T10:28:37","modified_gmt":"2021-01-03T09:28:37","slug":"bitcoins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21683","title":{"rendered":"Bitcoins"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBitcoin ist Betrug.\u201c So zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 13. September 2017 Jamie Dimon, den CEO der amerikanischen Gro\u00dfbank JPMorgan. Die W\u00e4hrung w\u00fcrde in einem Crash enden, und sollte ein Mitarbeiter von JPMorgan mit Bitcoin handeln, so koste ihn das den Arbeitsplatz. Ganz anders sieht dies eine weitere amerikanische Gro\u00dfbank, Goldman Sachs, die derzeit den Einstieg in den Handel mit Bitcoins und anderen Kryptow\u00e4hrungen pr\u00fcft. James Morgan, CEO von Morgan-Stanley, sieht im Bitcoin zumindest mehr als eine Modeerscheinung. Die Einsch\u00e4tzungen weichen also dramatisch voneinander ab. Um zu einer eigenen Einsch\u00e4tzung zu gelangen, werden im Folgenden einige Eigenschaften des Bitcoins und m\u00f6gliche Folgen f\u00fcr die Volkswirtschaft herausgearbeitet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Die Kryptow\u00e4hrung Bitcoin<\/strong><\/p>\n<p>Der Bitcoin als W\u00e4hrung wurde begr\u00fcndet durch eine Publikation unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto (2008) sowie einer damit einhergehenden Open-Source-Software. Der Bitcoin (offizielle Abk\u00fcrzungen sind BTC und XBT) ist die derzeit bedeutendste Kryptow\u00e4hrung, die aktuell vorrangig f\u00fcr Zahlungen im Internet verwendet wird. Der BTC verf\u00fcgt sogar \u00fcber ein eigenes Zeichen im Unicode-Zeichensatz (U+20BF).<\/p>\n<p>Im Wesentlichen stellt der BTC eine virtuelle W\u00e4hrung dar: sie ist weder greif- noch sichtbar. Gleichwohl existiert sie und \u00fcbt eine messbare Wirkung aus. Ein einzelner Bitcoin (bzw. ein Anteil davon) ist \u2013 wenn man so will \u2013 wie eine kleine Computerdatei, auf die \u2013 mittels einer hochwertigen Verschl\u00fcsselung \u2013 nur eine Person Zugriff hat. Eine herausstechende Besonderheit der W\u00e4hrung Bitcoin besteht darin, dass sie eine unab\u00e4nderliche Obergrenze von 21 Millionen Einheiten aufweist. Ein BTC wird geteilt in 100 Bitcent, 1000 mBTC oder 100.000.000 Satoshi. Am 19. Oktober wies der BTC einen Wechselkurs von ca. 4750 EUR\/BTC auf. Damit entsprechen etwa 21.000 Satoshi einem Euro.<\/p>\n<p>Der BTC stellt noch kein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel dar. Bekannte Einrichtungen, die den Bitcoin als Zahlungsmedium schon jetzt akzeptieren sind Dell, Expedia, Microsoft, WordPress, Reddit und WikiLeaks. W\u00e4hrend es im Gro\u00dfraum Berlin laut coinmap.org immerhin 63 Einrichtungen gibt, die Bitcoins akzeptieren, sind es im Raum Hannover nur 50, in Braunschweig gar nur 3 und im Landkreis Goslar, zu dem auch die TU Clausthal geh\u00f6rt, nicht eine einzige.<\/p>\n<p>Wer Bitcoins als W\u00e4hrung nutzen m\u00f6chte, kann dies nur \u00fcber eine Anwendung, die sogenannte \u201eWallet\u201c (englisch f\u00fcr Geldb\u00f6rse), die es sowohl f\u00fcr PCs als auch f\u00fcr Mobiltelefone und Tablets gibt. Die Wallet wird dann Bestandteil des Bitcoin-Zahlungsuniversums. Nur \u00fcber die Wallet ist es m\u00f6glich Bitcoinzahlungen zu empfangen oder zu leisten. Jede Wallet hat eine kryptische Adresse (z.B. 1KGe NiDW zH5N \u2026), die unabh\u00e4ngig vom Eigent\u00fcmer der Wallet ist und die es nicht erm\u00f6glicht, auf dessen Identit\u00e4t zu schlie\u00dfen. Als Besitzer einer Wallet kann man Bitcoins durch normalen Zahlungsempfang, durch Erwerb an einer BTC-Wechselstube gegen Euro (z.B. bitcoin.de) oder an BTC-Geldautomaten auf seine Wallet laden lassen.<\/p>\n<p>Ein hohes Ma\u00df an Sicherheit bei BTC-Transaktionen wird dadurch erreicht, dass jede vom Zahler veranlasste \u00dcberweisung vor der endg\u00fcltigen Wirksamkeit durch ein System von \u201eMiners\u201c (englisch f\u00fcr Bergmann, Goldgr\u00e4ber) auf Rechtm\u00e4\u00dfigkeit \u00fcberpr\u00fcft wird. Dies ist dadurch m\u00f6glich, dass ausnahmslos alle Bitcoin-Transaktionen in einem Grundbuch (\u201eJournal\u201c) verewigt und dokumentiert werden. Eine gro\u00dfe Zahl von solchen Transaktionen wird dabei (zeitlich gereiht)\u00c2\u00a0 in sogenannten Bl\u00f6cken zusammengefasst. Die Bl\u00f6cke wiederum werden zu einer Blockkette (Blockchain) miteinander verbunden und \u00fcber eine Vielzahl von Rechnern \u00fcberz\u00e4hlig gespeichert. Jeder Block weist dabei eine aus einem Algorithmus abgeleitete Kennzahl auf, die Eigenschaften der im Block durchgef\u00fchrten Transaktionen verarbeitet und sicherstellt, dass der Block nicht manipuliert werden kann. Jede Transaktion wiederum enth\u00e4lt die kryptischen Adressen von Sender und Empf\u00e4nger, sodass es grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist, diese verketteten Zahlungsvorg\u00e4nge r\u00fcckw\u00e4rts zu rekonstruieren. Die dahinterstehenden Personen k\u00f6nnen allerdings erst dann identifiziert werden, wenn die Adresse auf einem Endger\u00e4t gefunden und mit dem Eigent\u00fcmer des Ger\u00e4ts in Verbindung gebracht werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Eigenschaften der Nutzung von Bitcoins<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Perspektive der Nutzer weisen Bitcoin-Transaktionen folgende Besonderheiten auf: (1) Die Zahlung erfolgt fast verz\u00f6gerungsfrei. Nur die \u00dcberpr\u00fcfung der Zahlung beansprucht eine gewisse Zeit, im Allgemeinen etwa 10 Minuten. Anschlie\u00dfend wird die Zahlung sofort wirksam. Dies gilt f\u00fcr weltweite Transfers sieben Tage (und N\u00e4chte) die Woche.<\/p>\n<p>(2) Es fallen keine oder nur geringe Geb\u00fchren an. Transfers, die nur an wenige Adressaten erfolgen, sind zumeist kostenlos. Bei einer gro\u00dfen Anzahl von Empf\u00e4ngern (und damit einem aufw\u00e4ndigen Datenvolumen) wird eine Transaktionsgeb\u00fchr von mindestens 0,0005 BTC (am 19.10.2017 etwa 2,40 EUR) erwartet. Durch h\u00f6here Zahlung kann man eine bevorzugte, das hei\u00dft schnellere Bearbeitung erwarten. Alle gezahlten Geb\u00fchren gehen an den \u201eMiner\u201c, der die f\u00fcr die Transaktions\u00fcberpr\u00fcfung erforderliche Rechenleistung zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p>(3) Wie bei Barzahlungen sind die Transaktionen, wenn sie einmal akzeptiert wurden, unumkehrbar. (4) Nur der Zahler kann \u00fcber seine Wallet eine Zahlung veranlassen. (5) Die Zahlungen erfolgen ohne Angabe privater Informationen. (6) Zahlungsvorg\u00e4nge sind damit fast anonym (pseudonym).<\/p>\n<p>(6) Bitcoins, die zu einer verlorenen oder zerst\u00f6rten Wallet geh\u00f6ren sind \u2013 wie verlorenes Bargeld \u2013 endg\u00fcltig und unwiderruflich verloren. Zwar existieren die Bitcoins noch im virtuellen Raum, doch kann niemand mehr auf sie zugreifen. (7) Eine sichere Verschl\u00fcsselung soll Missbrauch und Manipulation verhindern. (8) Der Bitcoin unterliegt extremen Wertschwankung (siehe unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Das Wesen des Bitcoins<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Der Bitcoin ist eine wirksame, nur in Bits und Bytes manifestierte Idee eines Zahlungsmittels!<\/em><\/strong> In diesem Sinn sind Bitcoins also virtuelles Geld, das durch keine gegenst\u00e4ndlichen Werte (z.B. Gold) gest\u00fctzt wird. Das ist auch der Ansatzpunkt f\u00fcr viele Kritiker. Gleichwohl gilt es zu ber\u00fccksichtigen, dass dies auch f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der traditionellen Zahlungsmittel gilt. Wenn heute Zahlungen \u00fcber Sichteinlagen (Girokonten) erfolgen, handelt es sich dabei zu einem gro\u00dfen Teil um von den Gesch\u00e4ftsbanken geschaffenes Giralgeld, dem nicht einmal eine Forderung bei der Zentralbank gegen\u00fcbersteht. Betrachten wir dazu die engste Definition der volkswirtschaftlichen Geldmenge, das Geldmengenaggregat M1, das sich aus dem bei Nichtbanken umlaufenden Bargeld und den Sichteinlagen zusammensetzt. Im Juli 2017 betrug M1 in der Eurozone 7.580.599 Mio EUR. Dem steht jedoch nur ein Betrag von 2.900.841 EUR an Zentralbankgeld, also dem Geld, das die Zentralbank der Wirtschaft bereitstellt, gegen\u00fcber. Die Sichteinlagen bei den Gesch\u00e4ftsbanken betrugen dabei 6.475.579 Mio EUR, das umlaufende Bargeld betrug 1.105.020 Mio EUR. Die Differenz zwischen Geldmenge M1 und der Zentralbankgeldmenge (Geldbasis) entspricht dem von den Gesch\u00e4ftsbanken kreierten Geld. Dieses Gesch\u00e4ftsbankengeld basiert auf keiner Wertgrundlage, nicht einmal einer Forderung gegen\u00fcber der Zentralbank. Dar\u00fcber hinaus basiert auch das Zentralbankgeld nur auf einem Wertversprechen durch die Zentralbank, eine Einl\u00f6sung in Gold oder Sachwerte wird nicht gew\u00e4hrleistet!<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen wird deutlich, dass die Virtualit\u00e4t des Bitcoins somit gar nichts Neues darstellt. Wenn wir \u00fcber unsere Girokonten t\u00e4glich \u00dcberweisungen vornehmen, verwenden wir ein vergleichbares virtuelles Medium!<\/p>\n<p><strong><em>Jeglicher Wert eines Bitcoins f\u00fcr seinen Eigent\u00fcmer basiert ausschlie\u00dflich auf dem Vertrauen, dass die anderen Nutzer von Bitcoins in dessen Wert legen! <\/em><\/strong>Ein Vertrauenseinbruch kann zu einer sofortigen Wertlosigkeit des Bitcoins f\u00fchren. Das gilt jedoch gleicherma\u00dfen f\u00fcr die gesetzlichen Zahlungsmittel wie den Euro.<\/p>\n<p>Das Vertrauen in den Bitcoin wird gef\u00f6rdert durch seine unab\u00e4nderliche mengenm\u00e4\u00dfige Obergrenze von 21 Mio BTC. Dar\u00fcber hinaus ist es hilfreich, dass politische Entscheidungstr\u00e4ger keine M\u00f6glichkeit haben, direkt in das Bitcoin-System einzugreifen. Die Politik kann allenfalls die rechtlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr den Bitcoin ver\u00e4ndern, eine willk\u00fcrliche Aneignung des Systems oder dessen Reorganisation ist hingegen ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Nachteilig f\u00fcr den Bitcoin ist, dass (a) kein Wertversprechen durch den Staat vorliegt, dass es (b) im Allgemeinen keine gesetzliche Annahmepflicht gibt und dass (c) \u00fcblicherweise Steuern nicht in Bitcoins gezahlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Vertrauen in den Bitcoin ist bislang stark steigend, jedoch mit erheblichen Schwankungen belastet. Abbildung 1 zeigt den Euro-BTC-Kurs seit Mitte 2011. Zu Beginn dieses Zeitfensters schwankt der Kurs zwischen 1,80 EUR\/BTC und 7,50 EUR\/BTC. Seitdem hat sich der Kurs mehr als verzweitausendf\u00fcnfhundertfacht! F\u00fcr August 2010 berichtet 99bitcoins.com (<a href=\"https:\/\/99bitcoins.com\/price-chart-history\/\">https:\/\/99bitcoins.com\/price-chart-history\/<\/a>) einen Wechselkurs von weniger als 10 ct\/BTC. H\u00e4tte man damals 100 EUR in BTC angelegt und sie heute verkauft, w\u00e4re der Wert auf etwa 50 Mio EUR gestiegen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/erlei1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/erlei1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Andererseits h\u00e4tte man in bestimmten Zeitfenstern auch massive Verm\u00f6gensverluste erleiden k\u00f6nnen: Von August 2011 bis Anfang Dezember 2011 ist der Kurs von 7,5 auf etwa 2 EUR\/BTC gefallen, also auf etwas mehr als ein Viertel des Ausgangswertes. In den folgenden zw\u00f6lf Monaten hat er sich dann wieder auf etwa 10 EUR\/BTC verf\u00fcnffacht und weitere vier Monate sp\u00e4ter wies er das 50-fache des Kurses vom Dezember 2011 (ca. 100 EUR\/BTC) auf.<\/p>\n<p>Nach einem Zwischenhoch im November 2013 (850 EUR\/BTC) verbot im Dezember die chinesische Zentralbank den inl\u00e4ndischen Finanzinstitutionen den Gebrauch von Bitcoins, was einen Absturz auf ca. 500 EUR\/BTC zur Folge hatte. Dies wurde im Februar 2014 durch die Insolvenz der Bitcoin-B\u00f6rse Mt. Gox (Japan) weiter verst\u00e4rkt, sodass der Kurs weiter fiel (bis auf etwas mehr als 300 EUR\/BTC).<\/p>\n<p>Das Jahr 2017 zeigt die nicht leicht zu verstehende Dynamik des Bitcoinmarktes besonders deutlich. Zum Jahresbeginn lag der Kurs bei etwa 1000 EUR\/BTC. Im Mai wurde die 2000 EUR\/BTC-Schranke durchbrochen, im August dann die 3000er und die 4000er H\u00fcrde. Auf Druck der chinesischen Regierung k\u00fcndigte die BTC China am 14. September an, den Bitcoinhandel zum Monatsende einzustellen. Noch am selben Tag brach der Kurs von 3315 auf 2710 EUR\/BTC ein, und viele Medien sahen das Ende des Bitcoins voraus. Dies erwies sich jedoch als voreilig. Schon am n\u00e4chsten Tag erholte sich der Kurs wieder und ist seitdem auf fast 5000 EUR\/BTC gestiegen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die jeweiligen Kurseinbr\u00fcche recht gut zu verstehen sind, ist der dramatisch Anstieg der Wechselkurse seit 2011 alles andere als leicht zu erkl\u00e4ren. Warum also nimmt die Nachfrage in Bitcoins so stark zu?<\/p>\n<p>Ein erster Erkl\u00e4rungsansatz besteht im Misstrauen wichtiger Anleger in die Geldpolitik wichtiger Zentralbanken und deren m\u00f6gliche Auswirkungen auf den Wert der traditionellen W\u00e4hrungen. Die extrem expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre, die mit ihren neuen Instrumenten eine kaum verh\u00fcllte Finanzierung von Staatsdefiziten verfolgt und m\u00f6glicherweise Blasen an den Finanzm\u00e4rkten erzeugt, gef\u00e4hrdet unter Umst\u00e4nden den langfristigen Wert der W\u00e4hrungen. Dieses Misstrauen wird noch dazu verst\u00e4rkt durch Diskussionen \u00fcber die Abschaffung des Bargeldes, das durch die Kryptow\u00e4hrungen gegebenenfalls ersetzt werden k\u00f6nnte!<\/p>\n<p>Eine andere Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte darin bestehen, dass mehr und mehr Finanzakteure die \u00dcberzeugung gewinnen, dass Kryptow\u00e4hrungen auf Grund ihrer geringen Kosten die Zahlungsmittel der Zukunft sind. Die Unm\u00f6glichkeit die Bitcoinmenge \u00fcber den Wert von 21 Mio Einheiten auszudehnen, dient als Garantie f\u00fcr eine dauerhafte Wertbest\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Drittens wird der Bitcoin h\u00e4ufig als Zahlungsmedium bei Initial Coin Offerings (ICOs) verwendet, also bei der Einf\u00fchrung neuer Kryptow\u00e4hrungen an den B\u00f6rsen. Inzwischen gibt es mehr als 100 solcher digitalen W\u00e4hrungen mit dem Bitcoin als Vorbild.<\/p>\n<p>Last but not least ist es nicht auszuschlie\u00dfen, dass die mehr als bemerkenswerten Kurssteigerungen der vergangenen zw\u00f6lf Monate das Ergebnis einer sich selbst verst\u00e4rkenden spekulativen Blase sein k\u00f6nnten. Die Blasenthese weist jedoch selbst erhebliche spekulative Elemente auf, da letztendlich niemand genau wei\u00df, wie hoch der \u201ewahre Wert\u201c des Bitcoins ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Politische Kontroversen um den Bitcoin<\/strong><\/p>\n<p>(1) Viele Gegner des Bitcoins bef\u00fcrchten, dass der BTC dazu beitragen k\u00f6nnte, rechtliche Normen auszuh\u00f6hlen. Bitcoinzahlungen k\u00f6nnten der Steuer vorenthalten werden oder zu kriminellen Gesch\u00e4ften verwendet werden (\u201eDark Net\u201c-Gesch\u00e4fte). Beides ist grunds\u00e4tzlich nicht auszuschlie\u00dfen, doch sollte man nicht vergessen, dass die entsprechenden Gesch\u00e4fte auch mit anderen W\u00e4hrungen, insbesondere bei Verwendung von Bargeld, realisiert werden k\u00f6nnen. Letztendlich sind Bitcoinzahlungen nur pseudonym und lassen die R\u00fcckf\u00fchrung auf einen Rechtsbrecher durchaus zu \u2013 zumindest, wenn man in den Besitz der entsprechenden Wallet gelangt. Nur Bares ist wahrhaft anonym. Wenn man \u2013 wie der Verfasser dieses Blog-Beitrags \u2013 der Auffassung ist, dass die kriminelle Nutzung von traditionellem Bargeld (oder auch von Sachgegenst\u00e4nden wie z.B. Automobilen) nicht dessen Verbot rechtfertigt, so gilt das Argument ebenso f\u00fcr den Bitcoin.<\/p>\n<p>(2) Kritiker argumentieren, dass der Bitcoin ein unseri\u00f6ses Ponzi-Schema (Schneeballsystem) sei. Es erzeuge bei den ersten Nutzern nur dadurch hohe Gewinne (Nutzen), dass immer neue Nutzer in den Markt kommen. Irgendwann wird dieses Wachstum jedoch zu einem Ende kommen und das Ponzi-System letztlich zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Das Argument hat insofern seine Berechtigung, als die Erstbesitzer der Bitcoins eine Seigniorage (M\u00fcnzgewinn) einstreichen k\u00f6nnen, ohne einen greifbaren, realen Wertgegenstand erzeugt zu haben. Ungl\u00fccklicherweise gilt das jedoch auch f\u00fcr die traditionellen W\u00e4hrungen, nur dass die Seigniorage von staatlichen Einrichtungen eingenommen wird! Genau dieser Umstand hat in der Menschheitsgeschichte nicht selten dazu gef\u00fchrt, dass Kriege finanziert und sp\u00e4tere Inflationen verursacht wurden. Wenn jedoch die Existenz einer Seigniorage nicht ausreicht, um traditionelle Formen des Geldes abzulehnen, so sollte diese Abw\u00e4gung auch f\u00fcr die Kryptow\u00e4hrungen gelten.<\/p>\n<p>(3) Des Weiteren wird vor dem Bitcoin als einer Hochrisikoanlage gewarnt. M.E. wird aus den obigen Ausf\u00fchrungen deutlich, dass das Volatilit\u00e4t des Bitcoins bislang tats\u00e4chlich au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch ist. Gleichzeitig gilt jedoch, dass die Wertzunahme bis heute noch deutlich gr\u00f6\u00dfer ist. Es ist zudem keineswegs sinnvoll, Handelsgesch\u00e4fte nur deshalb zu untersagen, weil sie mit einem Verlustrisiko verbunden sind. Wichtig ist allerdings, dass vor dem Einstieg in den Handel mit Bitcoins eine hinreichende Aufkl\u00e4rung erfolgt.<\/p>\n<p>(4) Die Nutzung von Bitcoins k\u00f6nnte auch die Wirksamkeit der Geldpolitik beeintr\u00e4chtigen. Je mehr Zahlungen in Bitcoins vorgenommen werden, desto geringer ist die Bedeutung der traditionellen W\u00e4hrungen. Bei Bargeldverboten k\u00f6nnten Ausweichreaktionen zum Bitcoin erfolgen. Man kann jedoch auch genau umgekehrt argumentieren: Die M\u00f6glichkeit, auf eine Kryptow\u00e4hrung ausweichen zu k\u00f6nnen, kann als Schutzschild gegen inflation\u00e4re Ma\u00dfnahmen staatlicher Entscheidungstr\u00e4ger, wie z.B. die Finanzierung von Haushaltsdefiziten durch das Drucken von Geld, angesehen werden. Dar\u00fcber hinaus ist zweifelhaft, ob der Bedarf von Kryptow\u00e4hrungen bei einer stabilit\u00e4tsorientierten Geldpolitik allzu gro\u00df sein wird. Eine Gef\u00e4hrdung der alten W\u00e4hrungen d\u00fcrfte somit nur dann vorliegen, wenn eine schlechte Geldpolitik betrieben wird.<\/p>\n<p>(5) Mitunter wird die These aufgestellt, der Bitcoin k\u00f6nnte deflation\u00e4re Tendenzen ausl\u00f6sen. Ursache daf\u00fcr ist die quantitative Obergrenze von 21 Mio BTC-Einheiten. Wird diese erreicht, dann m\u00fcsste bei weiterem Wirtschaftswachstum eine gr\u00f6\u00dfere Menge von Transaktionen mit einem gleichen Geldvolumen abgewickelt werden. Dies k\u00f6nnte zu sinkenden Preisen f\u00fchren, da damit der Geldwert der Transaktionen auf den Bitcoinbestand angepasst werden kann.<\/p>\n<p>Dieses Argument gilt nur dann, wenn ausschlie\u00dflich Zahlungen mit einer einzigen Kryptow\u00e4hrung \u2013 also dem Bitcoin \u2013 vorgenommen werden. Solange jedoch weiterhin das nach oben unbeschr\u00e4nkte Zentralbank- und Giralgeld verwendet wird, besteht diese Gefahr nicht. Das vermeintliche Problem entf\u00e4llt auch dann, wenn neben dem Bitcoin, ganz nach Bedarf, weitere Kryptow\u00e4hrungen (mit entsprechenden Mengenobergrenzen) angeboten werden.<\/p>\n<p>(6) Auch das Gegenteil von (5) wird als Kritik am Bitcoin angef\u00fchrt: Durch die Einf\u00fchrung immer neuer Kryptow\u00e4hrungen k\u00f6nnte die Volkswirtschaft mit Liquidit\u00e4t \u00fcberflutet werden, und Inflation k\u00f6nnte die Folge sein. Dies w\u00e4re dann zutreffend, wenn die B\u00fcrger zur Verwendung dieser W\u00e4hrungen gezwungen w\u00fcrden oder sie immer neuen W\u00e4hrungen blindlings vertrauten. Beides d\u00fcrfte jedoch nicht der Fall sein, sodass es neue W\u00e4hrungsanbieter sehr schwer haben d\u00fcrften, ihre W\u00e4hrung in die Wirtschaft zu verkaufen, wenn die Geldnachfrage durch die vorhandenen W\u00e4hrungen gedeckt wird. Neue W\u00e4hrungen w\u00fcrden schlichtweg nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden und wertlos sein!<\/p>\n<p>(7) Nach all dieser Kritik nun ein gewichtiges Argument f\u00fcr die neuen Kryptow\u00e4hrungen: In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts stellte Friedrich August von Hayek (1977) seine Idee des W\u00e4hrungswettbewerbs vor. Die Idee privater, konkurrierender W\u00e4hrungsanbieter schien damals schlicht zahlungstechnisch unvorstellbar. Wer h\u00e4tte schon stets die vielen Wechselkurse im Kopf um Preisvergleiche vorzunehmen? Wie kann der Missbrauch des \u00fcberm\u00e4\u00dfigen (heimlichen) Druckens von Geld vermieden werden? Die urspr\u00fcnglich utopische Idee hat in der modernen Zeit mit Mobiltelefonen, die eine Rechenleistung von Gro\u00dfcomputern der siebziger Jahre aufweisen, und der Idee der Kryptow\u00e4hrung seinen utopischen Charakter verloren und ist \u2013 zugegebenerma\u00dfen in geringem Umfang \u2013 Realit\u00e4t geworden! Wie Hayek jedoch theoretisch argumentiert hat, k\u00f6nnte ein solcher W\u00e4hrungswettbewerb der Kryptow\u00e4hrungen ein bestm\u00f6glicher Schutz gegen den Missbrauch der geldpolitischen Instrumente sein. Die aktuellen Entwicklungen stellen somit ein nat\u00fcrliches Feldexperiment zur alten Hayekschen Theorie dar und sollten die M\u00f6glichkeit zur Bew\u00e4hrung erhalten. Niemand kann heute wirklich absch\u00e4tzen, welche Auswirkungen die neuen Zahlungsmittel aufweisen werden.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es mehr als 100 Kryptow\u00e4hrungen \u2013 die bekanntesten neben dem Bitcoin sind vermutlich Ethereum, Ripple, Bitcoin Cash und Litecoin \u2013, f\u00fcr Wettbewerb ist somit in jedem Fall gesorgt!<\/p>\n<p>Der Bitcoin wurde schon oft totgesagt. Doch nach jedem R\u00fcckschlag hat sich die W\u00e4hrung schnell erholt. Seit dem 1. April 2017 ist sie sogar offizielles, legales Zahlungsmittel in Japan! Dies ist ein gro\u00dfer Schritt nach vorn und l\u00e4sst vermuten, dass der Bitcoin tats\u00e4chlich keine reine Modererscheinung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>5. Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Bitcoin stellt ein innovatives virtuelles Zahlungsmittel mit gro\u00dfen Wertschwankungen und bislang noch gr\u00f6\u00dferen Wertzuw\u00e4chsen dar. Da der Bitcoin das Potential hat, den Handlungsspielraum politischer Entscheidungstr\u00e4ger einzuschr\u00e4nken, st\u00f6\u00dft er in der Politik auf wenig Sympathie. Obwohl seine volkswirtschaftliche Bedeutung m\u00e4\u00dfig bis (sehr) gering ist, finden sich immer wieder Versuche, die vermeintliche Gefahr im Keim zu ersticken. Dies ist jedoch derzeit nicht w\u00fcnschenswert. Wir erleben hier die Verwirklichung der Hayekschen Idee des W\u00e4hrungswettbewerbs und es gibt gute Gr\u00fcnde zu glauben, dass die neuen Kryptow\u00e4hrungen einen sp\u00fcrbaren positiven Nutzen aufweisen. Die traditionellen gesetzlichen Zahlungsmittel wird der Bitcoin wohl nicht ersetzen, zumindest solange nicht, wie eine halbwegs stabilit\u00e4tsorientierte Geldpolitik verfolgt wird und der Geldwert erhalten bleibt.<\/p>\n<p>Die Zukunft des Bitcoins (und der anderen Kryptow\u00e4hrungen) ist gleichwohl ungewiss. Seinem gro\u00dfen und derzeit sicher noch lange nicht ausgesch\u00f6pften Potential stehen zwei grundlegende Unsicherheiten entgegen: (a) das Vertrauen in die neuen W\u00e4hrungen l\u00e4sst sich nicht verl\u00e4sslich steuern, und mit einem m\u00f6glichen, unvorhersehbaren Vertrauensverlust droht auch der entsprechende Wertverlust; (b) wie immer verf\u00fcgen die Gesetzgeber \u00fcber die M\u00f6glichkeit, die Rahmenbedingungen zur Nutzung des Bitcoins zu verschlechtern. Das Beispiel Chinas zeigt dies \u00fcberdeutlich. Hoffen wir also darauf, dass die Politik in den anderen wichtigen Handelsnationen dem Bitcoin die Chance geben, Hayeks Idee des W\u00e4hrungswettbewerbs einem fairen Praxistest zu unterziehen.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August von (1977): <em>Entnationalisierung des Geldes. Eine Analyse der Theorie und Praxis konkurrierender Umlaufsmittel<\/em>, T\u00fcbingen: Mohr.<\/p>\n<p>Nakamoto, Satoshi (2008), <em>Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System<\/em>, <a href=\"https:\/\/bitcoin.org\/bitcoin.pdf\">https:\/\/bitcoin.org\/bitcoin.pdf<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBitcoin ist Betrug.\u201c So zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 13. September 2017 Jamie Dimon, den CEO der amerikanischen Gro\u00dfbank JPMorgan. 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