{"id":21849,"date":"2017-12-08T00:01:14","date_gmt":"2017-12-07T23:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21849"},"modified":"2017-12-08T10:01:13","modified_gmt":"2017-12-08T09:01:13","slug":"freier-wohnungsmarkt-zur-fluechtlingsunterbringung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21849","title":{"rendered":"Freier Wohnungsmarkt zur Fl\u00fcchtlingsunterbringung"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahl der Fl\u00fcchtlinge, die bis Jahresende 2017 nach Deutschland kommen, wird voraussichtlich unter 200.000 liegen. Das liegt weniger am Fl\u00fcchtlingsabkommen mit der T\u00fcrkei als daran, dass die Balkanroute verl\u00e4sslich gesperrt wurde. Aufgrund der Grenzschlie\u00dfungen verlegten sich die Fluchtrouten wieder mehr \u00fcber das Mittelmeer. Durch gezielte Polizeima\u00dfnahmen und die Kooperation mit afrikanischen Mittelmeerstaaten ist auch diese Route in den letzten Wochen tendenziell zum Erliegen gekommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Problematik weiterer Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me vorerst gebannt scheint, ist die mittelfristige Unterbringung derer, die hier angekommen sind, ein Thema von zunehmender Bedeutung. Europaweite L\u00f6sungen w\u00e4ren dabei aus Sicht einiger L\u00e4nder w\u00fcnschenswert, andere blockieren solche Vorhaben gezielt. Schon allein der Versuch 160.000 Fl\u00fcchtlinge bis zum 1. September 2017 aus Italien und Griechenland auf die europ\u00e4ische Gemeinschaft umzuverteilen, kann als gescheitert angesehen werden. Trotz enormem Druck der EU und einiger ihrer Mitgliedsstaaten wurden bis jetzt knapp 28.000 umverteilt. Deutschland allein h\u00e4tte zus\u00e4tzlich etwa 28.000 Asylbewerber aufnehmen m\u00fcssen, hat aber weniger als 8.000 davon realisiert. Ungarn und Polen haben keine aufgenommen, gegen die EU-Quote geklagt, und vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof verloren. Unabh\u00e4ngig vom Gerichtsurteil ist\u00c2\u00a0 mittlerweile vielen klar, dass eine europ\u00e4ische L\u00f6sung nur durch einen echten gemeinsamen Ausgleich erreicht werden k\u00f6nnte. Dieser ist nicht in Sicht, sind doch die Unterschiede in den Pr\u00e4ferenzen der B\u00fcrger verschiedener EU-L\u00e4nder zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist es nun, nationale L\u00f6sungen zu finden. Obwohl die Zahl neuer Fl\u00fcchtlinge derzeit gering ist, sind die Belegzahlen in den bestehenden Unterk\u00fcnften weiterhin hoch. Grund daf\u00fcr ist sowohl der mangelnde Wohnraum in den deutschen Ballungszentren als auch \u00c2\u00a0staatliches Eigenverschulden. Im Grunde w\u00e4ren Asylbewerber, alsbald ihr Asylantrag genehmigt ist, selbst daf\u00fcr verantwortlich, sich eine Wohnung zu suchen. Dabei werden sie jedoch, aufgrund gesetzlicher Wohnsitzregelungen, unn\u00f6tig eingeschr\u00e4nkt. Stark vereinfacht sehen die derzeit g\u00fcltigen Regelungen vor, dass auch anerkannte Asylbewerber drei Jahre in einem festgelegten Zust\u00e4ndigkeitsbereich in jenem Bundesland wohnen bleiben m\u00fcssen, in dem sie ihr Asylverfahren durchlaufen haben. Nach typisch b\u00fcrokratisch, komplexer Herangehensweise an Probleme, gibt es von dieser Regelung nat\u00fcrlich Ausnahmen, etwa wenn Asylbewerber ein Studium aufnehmen. Insgesamt schr\u00e4nken solche Wohnsitzregelungen die Wohnraumsuche von anerkannten Asylbewerbern unn\u00f6tigerweise ein, was zu \u00fcberf\u00fcllten Unterk\u00fcnften f\u00fchrt. Viele Landkreise dulden daher die Fl\u00fcchtlinge weiterhin in den Erstaufnahmezentren als sogenannte \u201eFehlbeleger\u201c. Gleichzeitig ist die staatliche Unterbringung teuer, f\u00fchrt zu einer Konzentration der Fl\u00fcchtlinge und verhindert Integrationsbestrebungen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Wohnraum in Gro\u00dfst\u00e4dten und in S\u00fcddeutschland f\u00fcr Deutsche, Ausl\u00e4nder und \u00c2\u00a0Migranten ja allgemein knapp ist, gibt es in anderen Gebieten des Landes und auch im l\u00e4ndlichen Raum mehr leer stehenden Wohnraum zu vergleichsweise g\u00fcnstigeren Mieten. Leider kann dieser Raum oft aufgrund der von Beh\u00f6rden festgelegten Residenzpflicht und Wohnsitzauflage f\u00fcr anerkannte Fl\u00fcchtlinge nur eingeschr\u00e4nkt an diese vermietet werden. Hier wird ein bestehender Markt k\u00fcnstlich und unn\u00f6tigerweise zum Schaden aller Beteiligten rationalisiert.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch sinnvoller w\u00e4re eine Freigabe des Wohnungsmarktes f\u00fcr anerkannte Asylbewerber. Eine Freigabe k\u00f6nnte mit einem Geldtransfer an die Fl\u00fcchtlinge zur Selbstfinanzierung von Wohnraum verbunden werden. Ein solcher Transfer sollte in etwa der H\u00f6he der Unterbringungskosten in den staatlichen Aufnahmezentren entsprechen. Ein freier Wohnungsmarkt f\u00fcr anerkannte Asylbewerber w\u00fcrde schnell dazu f\u00fchren, dass die hohe Konzentration von Fl\u00fcchtlingen in Aufnahmezentren reduziert wird, denn sie w\u00fcrden dort Wohnraum suchen, wo er relativ g\u00fcnstig f\u00fcr sie erh\u00e4ltlich ist. Gleichzeitig w\u00fcrden die Ballungszentren dadurch etwas entlastet.<\/p>\n<p>Gegen diesen Vorschlag k\u00f6nnte vorgebracht werden, dass Vermieter m\u00f6glicherweise gar nicht an Migranten vermieten m\u00f6chten. Dies ist falsch, denn es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich von der veranschlagten Miete ab, an wen Vermieter am Ende ihre Wohnungen abgeben werden. Viele Vermieter, die schon l\u00e4nger leer stehende Wohnungen haben, d\u00fcrften diese wohl gerne auch durch Migranten belegt sehen. Mancher Vermieter wird abw\u00e4gen, ob er eine Altbauwohnung eher an eine Studierenden-WG oder an eine Fl\u00fcchtlingsfamilie vermietet. So oder so, bietet sich die Chance, dass Fl\u00fcchtlinge aus den Erstaufnahmelagern kommen und selbst\u00e4ndig agieren.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde nicht zu einer relevanten Gettoisierung kommen. Die Konzentration der Gefl\u00fcchteten ist derzeit in den staatlichen Aufnahmelagern besonders hoch. Dar\u00fcber hinaus ist der Wohnraum in l\u00e4ndlicheren Gebieten auch geographisch breiter verteilt und die sozialen Schichten sind besser durchmischt als in st\u00e4dtischen Gebieten. Migranten sind selbst heterogen, nicht nur nach ihren Herkunftsl\u00e4ndern, sondern auch bez\u00fcglich ihrer Bildung, ihren finanziellen Mitteln und ihrer Bleibeperspektive. Daher w\u00fcrden sie auch in verschiedenen Gebieten wohnen wollen. Diese Selbstselektion erlaubt gutes Zusammenleben, wo sie m\u00f6glich ist und entlastet die Auffanglager. Eine eigenst\u00e4ndige Wohnraumsuche und -belegung w\u00fcrde beobachtbare Spannungen zwischen Fl\u00fcchtlingsgruppen in Erstaufnahmezentren abbauen.<\/p>\n<p>Auch ist es nicht glaubw\u00fcrdig, dass Fl\u00fcchtlinge aufgrund fehlender Informationen und Sprachkenntnisse keine Unterk\u00fcnfte finden k\u00f6nnten. Immerhin haben sie die Flucht durch mehrere sichere und unsichere L\u00e4nder nach Deutschland geschafft. Eine Unterkunft zur Miete zu finden, sollte dagegen fast einfach sein. Man kann sich sogar gut vorstellen, dass sich gewisse Immobilienmakler auf Migranten spezialisieren, um ihnen spezifisch passende Angebote zukommen zu lasen. Und selbst wenn manche trotzdem noch Schwierigkeiten haben sollten, gibt es immer noch einige \u00fcbrig gebliebene Vertreter der Willkommenskultur, die bei einer Wohnungssuche behilflich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer aus paternalistischen Gr\u00fcnden die anerkannten Asylbewerber dann immer noch lieber scheinbar \u201ewohlwollend\u201c und \u201erichtig\u201c unterbringen will, kann den Geldtransfer zur Wohnungssuche an Bedingungen kn\u00fcpfen. Eine Bedingung f\u00fcr die Auszahlung k\u00f6nnte dann etwa sein, dass der Wohnsitz nur in einem bestimmten Gebiet bezogen werden kann: Somit w\u00fcrde der Zwang der Wohnsitzauflage zu einem positiven Anreiz zur Wohnsitzwahl. Selbst Qualit\u00e4ts- und Belegungskriterien f\u00fcr eine Wohnung k\u00f6nnten als Bedingung an die Auszahlung des Geldtransfers gekn\u00fcpft werden. Interessanter w\u00e4re es aber sicher, die Bedingungen f\u00fcr die Auszahlung so zu gestalten, dass beispielsweise die H\u00e4lfte der Mietpreisersparnis den Fl\u00fcchtlingen als Vorteil zugutekommt, wenn sie eine kosteng\u00fcnstigere Unterbringung finden als jene in den staatlichen Aufnahmezentren: Sprich, wer g\u00fcnstiger mietet als die Kosten der staatlichen Unterkunft, hat einen Vorteil. Dadurch kann n\u00e4mlich leer stehender Wohnraum effizienter bewirtschaftet werden, der Staat spart an Kosten, die Probleme in den derzeitigen Unterbringungszentren werden entsch\u00e4rft. Weniger B\u00fcrokratie und ein freier Wohnungsmarkt f\u00fcr Fl\u00fcchtling, das w\u00e4re eine Bereicherung f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><strong>Korrespondenzadresse: <\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. David Stadelmann, Universit\u00e4t Bayreuth, Universit\u00e4tsstra\u00dfe 30, 95440 Bayreuth, +49 (0) 9 21 &#8211; 55 60 77<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl der Fl\u00fcchtlinge, die bis Jahresende 2017 nach Deutschland kommen, wird voraussichtlich unter 200.000 liegen. 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