{"id":21983,"date":"2018-01-02T00:01:13","date_gmt":"2018-01-01T23:01:13","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21983"},"modified":"2020-11-08T08:39:40","modified_gmt":"2020-11-08T07:39:40","slug":"nplwohin-mit-den-problemkrediten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21983","title":{"rendered":"NPL <br\/><font size=3; color=grey>Wohin mit den Problemkrediten?<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit zwischen den Jahren ist nicht zuletzt durch das Bilanzieren der Vergangenheit und gute Vors\u00e4tze f\u00fcr die Zukunft gepr\u00e4gt. Geschieht so etwas schon vorher, verdeutlicht dies oft die Dringlichkeit des betreffenden Sachverhalts.<\/p>\n<p>Ein schlagendes Beispiel hierf\u00fcr sind \u201eNPL&#8220; (Non-Performing Loans), also Problemkredite, die sich in den Bilanzen vieler gr\u00f6\u00dferer Banken in unerfreulicher Gr\u00f6\u00dfenordnung finden. Als in der ersten Novemberdekade PwC Strategy&amp;, eine Beratungstochter der Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, ihre Studie zu diesem Themenkomplex ver\u00f6ffentlichte (<a href=\"https:\/\/www.strategyand.pwc.com\/reports\/1trillion-challenge-european-banking\">hier<\/a>), dauerte es nicht einmal eine Woche, bis sich die Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Sabine Lautenschl\u00e4ger in gleicher Sache ebenfalls zu Wort meldete (<a href=\"https:\/\/www.bankingsupervision.europa.eu\/press\/speeches\/date\/2017\/html\/ssm.sp171114_1.en.html\">hier<\/a>). Kurz vor Weihnachten wurde die Bedeutung dann nochmals betont, als die EZB in der Liste ihrer Aufsichtspriorit\u00e4ten f\u00fcr 2018 ausdr\u00fccklich die NPL adressierte. Man sieht schon daraus deutlich, dass es um viel gehen muss, wenn sowohl privatwirtschaftliche als auch \u00f6ffentlich-rechtliche \u2013 noch dazu supranationale \u2013 Institutionen sich dieses Themas annehmen. Tats\u00e4chlich geht es um mindestens Hunderte von Millionen Euro und schon bei dieser wenig bestimmten Bestimmung gehen die Probleme an.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dass ein Kredit nicht vertragsgem\u00e4\u00df bedient wird bzw. dieser Sachverhalt droht, kann viele Ursachen haben, und selbst der Vertragsversto\u00df an sich ist unterschiedlich zu goutieren \u2013 er kann rein formaler Natur sein oder Ausdruck der dauerhaft fehlenden Zahlungsf\u00e4higkeit des Schuldners. Damit beginnt eine Reihe von Problemen in der W\u00fcrdigung der Zahlen, die hier nur rudiment\u00e4r erw\u00e4hnt werden sollen:<\/p>\n<ol>\n<li>Wann wird ein NPL identifiziert?<\/li>\n<li>Wie ist dieser jeweils in der Bilanz verarbeitet?<\/li>\n<li>Welche Deckungsmassen stehen dem NPL-Volumen vor allem \u00fcber das Eigenkapital der Banken gegen\u00fcber?<\/li>\n<li>Auf welche Gr\u00f6\u00dfe wird der entsprechende Betrag statistisch bezogen?<\/li>\n<li>Welche Entwicklung ist dabei jeweils auszumachen?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dazu einige wenige Anmerkungen:<\/p>\n<p>Notleidende Kredite sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Banken mussten schon immer Kredite in ihrem Wert berichtigen und im Extremfall ganz abschreiben \u2013 und schon immer stellten sich vergleichbare Fragen wie heute. Indessen wurden mit dem Ausbruch der Finanzkrise rund um Lehman in absoluten wie in relativen Gr\u00f6\u00dfen Dimensionen erreicht, die bei allen Unsch\u00e4rfen bedenklich erscheinen. So spricht PwC Strategy&amp; mit Verweis auf das European Systemic Risk Board (ESRB) von einer Billion Euro f\u00fcr die europ\u00e4ischen Banken und die EZB von 795 Millionen Euro f\u00fcr die Banken im Euroraum. In Probleml\u00e4ndern wie Griechenland und Zypern liegt der Anteil der NPL am gesamten Kreditportfolio nicht weit unterhalb von f\u00fcnfzig Prozent. Interessanterweise haben aber gerade diese beiden Sorgenkinder nach Daten der EBA, die PwC Strategy&amp; in ihrer Studie aufbereitet, eine starke bilanzielle Ber\u00fccksichtigung. Jeder, der schon einmal eine Bankbilanz gesehen hat, kann sich vorstellen, dass dies nur in sehr bescheidenem Umfang funktionieren kann, denn die Wertberechtigungen k\u00fcrzen die Aktivseite und reduzieren damit das als Deckungsmasse zur Verf\u00fcgung stehende Eigenkapital.<\/p>\n<p>Wenn beinahe die H\u00e4lfte des Kreditvolumens wertberichtigt ist, m\u00fcssen sehr optimistische Erwartungen hinsichtlich der zu erzielenden Bedienungsquote \u2013 neuhochdeutsch Recovery Rate \u2013 bestehen, sonst w\u00e4re das Eigenkapital regelm\u00e4\u00dfig bereits verbraucht. Dieser Optimismus mag an werthaltigen Sicherheiten oder anderen Gr\u00fcnden liegen, nur sagt die Erfahrung, dass in einem durch derartige Verwerfungen gekennzeichneten Umfeld auch viele Absicherungsmechanismen deutlich in ihrer Wirkung schwinden. Umgekehrt ist die relativ hohe Quote nicht wertberichtigter NPL gerade in Deutschland m\u00f6glicherweise in vielen F\u00e4llen durch die wiedererstarkte Wirtschaft samt ihren Folgen zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Bleibt noch die Entwicklung der NPL im Zeitverlauf zu betrachten. Einerseits zeigen sowohl PwC Strategy&amp; als auch die EZB letztlich einen deutlichen R\u00fcckgang, letztere um fast 200 Millionen Euro seit 2015, doch mahnen beide auch sehr eindringlich zu einer Intensivierung der Bem\u00fchungen, die EZB durch einen im M\u00e4rz erschienen und nunmehr bereits wieder erg\u00e4nzten Leitfaden (vgl. https:\/\/www.bankingsupervision.europa.eu\/press\/pr\/date\/2017\/html\/ssm.pr171004.de.html). Die jeweiligen Motive sind klar: W\u00e4hrend PwC Strategy&amp; hier auch in eigener Sache ein hochinteressantes Gesch\u00e4ftsfeld sieht, dr\u00fccken die NPL f\u00fcr die EZB und die gesamte Eurozone auf alle drei Gro\u00dfprojekte der Bankenunion: <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Hinsichtlich der Aufsicht der systemrelevanten Banken durch die EZB selbst, also den \u201eSSM\u201c (Single Supervisory Mechanism\u201c), ist er einer der wesentlichen negativen Hebel, die im Zweifel<\/li>\n<li>die Gefahr einer existenziellen Krise und damit der Notwendigkeit einer Bankabwicklung heraufbeschw\u00f6ren k\u00f6nnen, die in Zukunft bei Bedarf einheitlich unter dem \u201eSRM\u201c (Single Resolution Mechanism) durchgef\u00fchrt werden soll.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich kommt die Installation der europ\u00e4ischen Einlagensicherung \u201eEDIS\u201c (European Deposit Insurance System) auch deshalb nicht vom Fleck, weil sich die beteiligten L\u00e4nder nicht nur hinsichtlich der bereits bestehenden Systeme, sondern auch der in ihren Banken gehaltenen NPL deutlich unterscheiden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei allem Verst\u00e4ndnis, die betroffenen Banken entsprechend anzuspornen, bleibt indessen ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an Skepsis angezeigt, ob sich NPL tats\u00e4chlich in den Jahren 2018 ff. schnell weiter reduzieren lassen, bleiben doch am Ende solcher Verwertungsaktivit\u00e4ten meist diejenigen Assets h\u00e4ngen, die am schlechtesten bzw. nur mit den gr\u00f6\u00dften Wertabschl\u00e4gen zu vermarkten sind. Die zur Verf\u00fcgung stehenden Alternativen wurden in den letzten Jahren ausgiebig eingesetzt und der einzige Fortschritt gegen\u00fcber dieser Zeit ist die durch die zwischenzeitliche wirtschaftliche Erholung gr\u00f6\u00dfere F\u00e4higkeit, bilanziell das nachzuvollziehen, was real ohnehin gegeben war bzw. ist \u2013 sei es, weil manche Assets jetzt doch wieder \u201e\u00fcber Wasser\u201c kommen (s.o.), sei es, weil gebotene Wertberichtigungen wegen anderweitiger Ertr\u00e4ge nicht sofort zu verheerenden Verlusten f\u00fchren. Umbuchungen in andere institutionelle Einheiten erscheinen dagegen bei allem Respekt vor organisatorischen Verbesserungen eher unter Etikettierungsaspekten interessant, denn das zugrunde liegende wirtschaftliche Problem bleibt und dieses Problem sollten doch die Institution am besten kennen, die den Kredit vergeben und seither begleitet hat.<\/p>\n<p>Richtig gef\u00e4hrlich werden solche Umschichtungen allerdings erst, wenn sie explizit oder implizit mit dem Griff in fremde Taschen einhergehen. Prominentestes Beispiel ist hier wohl der Anfang 2017 durch Andrea Enria, Chairman der \u201eEBA\u201c (European Banking Authority), lancierte Vorschlag einer europaweiten Verwertungsgesellschaft f\u00fcr NPL, welche die Liquidit\u00e4t f\u00fcr solche Assets deutlich erh\u00f6hen und damit ihren Verkauf erleichtern soll. So weit, so gut, nur beantwortet das auch ansonsten oft zu h\u00f6rende Betonen der Notwendigkeit eines liquiden Markts f\u00fcr NPL nicht elementare Fragen wie etwa, zu welchen Konditionen man die eigenen Probleme final auf eine neue Institution verlagern kann, die von Dritten, im Zweifel den Steuerzahlern, finanziert wird. Eine solche finale L\u00f6sung ist indessen geboten, wenn schnell die Bereinigung der Situation herbeigef\u00fchrt und der Weg f\u00fcr die Ausreichung neuer \u2013 hoffentlich nicht bald wieder notleidender \u2013 Kredite geebnet werden soll.<\/p>\n<p>In letzter Konsequenz streiten hier wie auch an vielen anderen Stellen der Bankenunion zwei elementare Positionen: Die \u201eVereinheitlicher\u201c propagieren Vorteile einer gemeinsamen Probleml\u00f6sung, w\u00e4hrend die \u201eMahner\u201c das dramatische Ungleichgewicht in der dabei entstehenden Kosten-Nutzen-Relation betonen, das sich f\u00fcr die beteiligten L\u00e4nder aufgrund unterschiedlicher eigener Betroffenheit ergibt. Bei der Einf\u00fchrung des Euro hat man die Bedeutung der Heterogenit\u00e4t fraglos untersch\u00e4tzt. Seither ist die Skepsis gegen\u00fcber Vergemeinschaftungen mit Recht deutlich gestiegen, wie nicht zuletzt die Entwicklung von EDIS zeigt. Im Moment sieht es allerdings so aus, als w\u00fcrden die verbliebenen Kandidaten in der H\u00e4ngepartie der deutschen Regierungsbildung den europ\u00e4ischen Sozialisierungsbestrebungen von Emmanuel Macron im Zweifel nachgeben, zumal das britische EU-Korrektiv seinem Verfallsdatum zustrebt.<\/p>\n<p>Zumindest aus deutscher Sicht w\u00e4ren NPL sicher ein schlechtes Exerzierfeld f\u00fcr eine \u201eGemeinschaftsl\u00f6sung\u201c: Was auch immer als Erfolg angepriesen w\u00fcrde, d\u00fcrfte vermutlich ohne hinreichende Ber\u00fccksichtigung teutonischer Zusch\u00fcsse berechnet werden. Anders formuliert: Im Zusammenspiel mit EDIS droht uns ein \u201eregulatorischer Raub\u00fcberfall\u201c (Theresia Theurl).<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Alle drei Aspekte wurden auch in verschiedenen Beitr\u00e4gen von Wirtschaftliche Freiheit aufgegriffen \u2013 am deutlichsten sicher betreffend EDIS, vgl. bspw. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21229\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=21229<\/a>, m.w.N.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit zwischen den Jahren ist nicht zuletzt durch das Bilanzieren der Vergangenheit und gute Vors\u00e4tze f\u00fcr die Zukunft gepr\u00e4gt. 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