{"id":22022,"date":"2018-01-12T00:01:12","date_gmt":"2018-01-11T23:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22022"},"modified":"2018-01-11T17:21:35","modified_gmt":"2018-01-11T16:21:35","slug":"wie-man-mit-hayek-den-zusammenhang-zwischen-ultra-lockerer-geldpolitik-und-politischer-instabilitaet-erklaeren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22022","title":{"rendered":"Wie man mit Hayek den Zusammenhang zwischen ultra-lockerer Geldpolitik und politischer Instabilit\u00e4t erkl\u00e4ren kann"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank wird das Gesamtvolumen ihres Anleihekaufprogramms bis September 2018 auf 2.550.000.000.000 Euro erh\u00f6hen. Der Hauptrefinanzierungssatz wird bei null bleiben. Mario Draghi hat betont, dass diese Politik fortgesetzt werden wird, bis die Inflation nachhaltig ansteigt. Da mehr Inflation unwahrscheinlich ist, d\u00fcrfte sich die gewaltige Geldschwemme in Europa auf absehbare Zeit fortsetzen. Das wird zunehmend gesellschaftliche und politische Instabilit\u00e4t nach sich ziehen. Das Werk Friedrich August von Hayek (1929, 1944, 1976) erkl\u00e4rt warum.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hayeks (1929) \u201e<em>Geldtheorie und Konjunkturtheorie<\/em>\u201c erkl\u00e4rt Konjunkturzyklen, also Aufschwung und Krise, mit Zentralbankfehlern. W\u00e4hrend des Aufschwungs h\u00e4lt die Zentralbank den Zinssatz zu niedrig. Es werden Investitionsprojekte mit vergleichsweise geringen Renditen angesto\u00dfen, die durch Kreditsch\u00f6pfung der Banken finanziert werden. Die Aktienkurse steigen, weil sich die Gewinnchancen von Unternehmen und Banken verbessern, w\u00e4hrend die Einlagenzinsen niedrig sind. Die L\u00f6hne steigen nicht, solange ungenutzte Kapazit\u00e4ten auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind. Sobald die L\u00f6hne steigen, erh\u00f6hen die Unternehmen die Preise. Wenn die Zentralbank schlie\u00dflich den Zinssatz anhebt, um die Inflation einzud\u00e4mmen, m\u00fcssen Investitionsprojekte mit geringer Rendite abgebrochen werden. Der Boom m\u00fcndet in die Krise. In Hayeks Theorie versch\u00e4rft die Zentralbank die Rezession, weil sie den Zinssatz zu hoch h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Um die wirtschaftliche Entwicklung der Industriel\u00e4nder seit Mitte der 1980er Jahre zu verstehen, muss Hayeks (1929) Konjunkturtheorie in zwei Punkten neu \u00fcberdacht werden: Im Einklang mit Hayek (1929) haben die Zentralbanken auf der ganzen Welt die Zinsen in Aufschwung-Phasen tendenziell zu niedrig gehalten, was zu nicht nachhaltigen Boom-Phasen auf den Finanzm\u00e4rkten (z.B. dem US-Hypothekenmarktboom oder den Boom-Phasen in den heutigen EU-Krisenl\u00e4ndern vor 2007) gef\u00fchrt hat. Im Gegensatz zu Hayek (1929) haben die Zentralbanken aber \u2013 erstens \u2013 die Zinss\u00e4tze in Krisen schnell gesenkt, um schmerzhaften Rezessionen entgegenzuwirken. Zweitens haben sich die zunehmend expansiven Geldpolitiken statt bei den G\u00fcterpreisen bei den Verm\u00f6genspreisen (z.B. von Aktien und Immobilien) niedergeschlagen (siehe Abbildung), so dass sich die Zentralbanken bei nachhaltig niedriger Inflation nicht zu Zinserh\u00f6hungen gezwungen sahen. Die Zinss\u00e4tze konnten so gegen null sinken und die Zentralbankbilanzen konnten quasi ohne Limit aufgebl\u00e4ht werden, ohne dass die Inflation angestiegen ist.<\/p>\n<p>Die zunehmend expansiven Geldpolitiken haben jedoch zwei schwerwiegende Nebeneffekte. Erstens wurden die Produktivit\u00e4tssteigerungen gel\u00e4hmt, da w\u00e4hrend der Booms Investitionen mit niedrigen Renditen bef\u00f6rdert wurden, die in den Krisen mit geringen Zinsen am Leben erhalten wurden und werden. Zombie-Banken, die auf die kosteng\u00fcnstige Liquidit\u00e4tsversorgung der Zentralbanken angewiesen sind, verl\u00e4ngern Kredite an unrentable Zombie-Unternehmen, damit keine faulen Kredite in ihren Bilanzen erscheinen. Die negativen Auswirkungen einer solchen versteckten Verstaatlichung von Banken und Unternehmen auf Produktivit\u00e4tsgewinne und Wachstum sind in Hayeks (1944) \u201e<em>Weg zur Knechtschaft<\/em>\u201c ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schnabl4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schnabl4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Zweitens hat das billige Geld gesellschaftlich unerw\u00fcnschte Verteilungseffekte (Schnabl 2017). Da die von den Zentralbanken neu geschaffene Liquidit\u00e4t zun\u00e4chst an Finanzinstitute \u00fcbertragen wird, k\u00f6nnen die Finanzinstitute als erste vom wachsenden Kreditvolumina und steigenden Verm\u00f6genspreisen profitieren. Auch das Verm\u00f6gen der Reichen w\u00e4chst, da diese den gr\u00f6\u00dften Anteil an Aktien und Immobilien halten. Im Gegensatz dazu wird der Zinssatz f\u00fcr die Bankeinlagen gegen null gesenkt. Diese werden \u00fcberwiegend von der Mittelschicht gehalten, die damit einen wichtigen Teil der Lasten der geldpolitischen Rettungskationen tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die ultra-lockere Geldpolitik beg\u00fcnstigt vor allem gro\u00dfe Finanzinstitute und Unternehmen. Da die ultra-expansive Geldpolitik die Spanne zwischen Kredit- und Einlagezinsen dr\u00fcckt, wird das traditionelle Kreditgesch\u00e4ft der Gesch\u00e4ftsbanken unterminiert. Banken sind gezwungen, ihr Gesch\u00e4ft in Richtung Investmentbanking zu verlagern. Gro\u00dfe Institute haben dort einen Vorteil, weil der Zugang zu den internationalen Finanzm\u00e4rkten teuer und gro\u00dfe Transaktionen billiger sind. Dar\u00fcber hinaus ist mehr Regulierung in Reaktion auf Finanzkrisen von gro\u00dfen Finanzinstituten besser zu verkraften als von kleinen.<\/p>\n<p>Kleine und mittlere Banken geraten in finanzielle Schwierigkeiten und fusionieren. Da die kleinen und mittleren Banken wegen der geringen Rentabilit\u00e4t gezwungen sind, ihr Kreditvolumen einzuschr\u00e4nken, verschlechtern sich die Finanzierungsbedingungen f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen. Im Gegensatz dazu haben gro\u00dfe Unternehmen direkten Zugang zu den Kapitalm\u00e4rkten, wo sie Kapital zu historisch niedrigen Zinsen aufnehmen k\u00f6nnen. Oft werden billige Kredite dazu verwendet, kleinere Wettbewerber zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Wenn die gro\u00dfen Unternehmen und Finanzinstitute in bestimmten Regionen konzentriert sind, konzentriert sich auch die regionale Wirtschaftst\u00e4tigkeit. Regionen mit nur kleinen und mittleren Unternehmen schrumpfen. Junge Menschen in der wirtschaftlichen Peripherie werden gezwungen, in die Wirtschaftszentren abzuwandern, die weiter wachsen. Dort finden sie im Vergleich zu fr\u00fcheren Generationen nur schlechter bezahlte Arbeitsverh\u00e4ltnisse, da die nachlassenden Produktivit\u00e4tsgewinne die Grundlage f\u00fcr Reallohnsteigerungen untergraben haben. Ein Haus f\u00fcr ihre Familien ist in weite Ferne ger\u00fcckt, weil die Zentralbanken die Immobilienpreise immer weiter nach oben treiben.<\/p>\n<p>Hayek (1976) hat in \u201e<em>Recht, Gesetzgebung und Freiheit<\/em>\u201c argumentiert, dass die Gew\u00e4hrung von Privilegien f\u00fcr bestimmte Gruppen von den B\u00fcrgern als ungerecht angesehen wird. Dies ist insbesondere der Fall, wenn ein geringes Wachstum die Kompensation der benachteiligten Gruppen verhindert. Zwar versucht der Staat durch Umverteilung und neue Regulierung \u2013 z.B. in Form von Mietpreisbremsen und Mindestl\u00f6hnen \u2013 den Verteilungseffekten der Geldpolitik entgegenzuwirken. Da die etablierten Parteien aber nur die Symptome und nicht die Ursachen des Problems angehen, setzt sich der Umverteilungsprozess \u2013 wenn auch leicht gebremst \u2013 fort. Die Frustration der Menschen w\u00e4chst, so dass sich diese vermehrt von den etablierten Partien abwenden. Die politische Instabilit\u00e4t in ganz Europa (und dar\u00fcber hinaus) w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Weil die W\u00fcrde der Mittelschicht und der jungen Menschen sowie die politische Stabilit\u00e4t kostbare G\u00fcter sind, sollten Zentralbanken auf der ganzen Welt die ultra-lockeren Geldpolitiken heute besser als morgen beenden. Die US-amerikanische Fed und die Bank of England haben bereits den Anfang gemacht. Die Europ\u00e4ische Zentralbank und die Bank von Japan sollten zeitnah folgen.<\/p>\n<p><strong>Referenzen:<\/strong><\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August von (1931): <em>Prices and Production. <\/em>New York: August M. Kelly.<\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August von (1944): <em>The Road to Serfdom. <\/em>Chicago: University of Chicago Press.<\/p>\n<p>Hayek, Friedrich August von (1976): <em>Law, Legislation and Liberty: The Mirage of Social Justice<\/em> <em>Volume 2<\/em>. Chicago, Ill. University of Chicago Press.<\/p>\n<p>Schnabl. Gunther (2017): <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3089589\">Die Verteilungseffekte der Geldpolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank destabilisieren Europas Demokratien. <em>Austrian Institute Paper 18.<\/em><\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Zentralbank wird das Gesamtvolumen ihres Anleihekaufprogramms bis September 2018 auf 2.550.000.000.000 Euro erh\u00f6hen. Der Hauptrefinanzierungssatz wird bei null bleiben. 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