{"id":2206,"date":"2009-12-18T01:14:21","date_gmt":"2009-12-18T00:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=2206"},"modified":"2009-12-18T06:59:19","modified_gmt":"2009-12-18T05:59:19","slug":"standortvorteile-durch-fe-kooperationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=2206","title":{"rendered":"Standortvorteile durch F&#038;E-Kooperationen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit dominieren in wirtschaftspolitischen ebenso wie in unternehmenspolitischen Diskussionen eher kurzfristig orientierte Themen. Konjunktur und Kreditklemme stehen im Vordergrund. Doch mit der Aufhellung der wirtschaftlichen Perspektiven ist es an der Zeit, wieder langfristige und strukturelle Weichenstellungen in das Blickfeld zu nehmen, zum Beispiel den Innovationsstandort Deutschland und seine Bedeutung f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische Unternehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Innovationsf\u00e4higkeit <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird der Gesamtindikator f\u00fcr die Innovationsf\u00e4higkeit von Volkswirtschaften herangezogen, den das DIW Berlin im Auftrag der Deutschen Telekom Stiftung und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie nun zum f\u00fcnften Mal erstellt hat, liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Das Ranking der siebzehn weltweit f\u00fchrenden Industriel\u00e4nder wird von USA, der Schweiz und Schweden angef\u00fchrt. Deutschland liegt auf dem neunten Platz. Der Innovationsindikator setzt sich aus mehreren Subindikatoren zusammen, die das Innovationssystem sowie das Innovationsklima abbilden sollen. F\u00fcr unser Thema ist interessant, dass Deutschland trotz seines insgesamt durchschnittlichen Abschneidens spezifische St\u00e4rken aufzuweisen scheint: Es ist besonders erfolgreich bei der Vernetzung von Unternehmen, die Innovationen schaffen (Platz 3) sowie auf den internationalen M\u00e4rkten der Hochtechnologiebranchen wie Maschinenbau, chemische Industrie, Automobilbau und Medizintechnik. Deutschland weist offensichtlich eine hohe Vernetzungskompetenz bei Unternehmensaktivit\u00e4ten auf, die zu Innovationen f\u00fchren. Dies deutet auf die Zusammenarbeit von Unternehmen bei ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten hin: F&amp;E-Kooperationen, Innovationsnetzwerke sowie Technologiecluster. Kooperative Strategien bei Forschung und Entwicklung haben tats\u00e4chlich deutlich zugenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Open Innovation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Open Innovation (der Begriff wurde von Henry Chesbrough 2003 gepr\u00e4gt) kann als Fundament einer kooperativen Innovationspolitik von Unternehmen interpretiert werden. In die unternehmerischen F&amp;E-Aktivit\u00e4ten werden Zulieferer, Abnehmer, Wettbewerber, Kunden und externe Forschungsorganisationen einbezogen. Noch am Beginn des 20. Jahrhunderts fanden etwa 20% der F&amp;E-Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb einzelner Unternehmen statt, bevor sie dann zunehmend in die Unternehmen integriert wurden und beginnend mit den 1960er Jahren Kooperationen Bedeutung gewannen. Sie werden in manchen Industrien, etwa in der Pharma-Industrie derzeit als der wichtigste Trend \u00fcberhaupt eingesch\u00e4tzt. Befragungen der Unternehmen in OECD-Mitgliedsl\u00e4ndern zeigen, dass zwischen 20 und 60% der gro\u00dfen Unternehmen und zwischen 3 und 20% der mittelst\u00e4ndischen Unternehmen bei ihren F&amp;E-Aktivit\u00e4ten kooperieren, entweder auf Projektbasis oder dauerhaft. So weisen die skandinavischen \u00d6konomien hohe Kooperationsquoten aus, w\u00e4hrend Deutschland mit 35% (gro\u00dfe Unternehmen) und 8% (mittelst\u00e4ndische Unternehmen) im Mittelfeld liegt. F&amp;E-Kooperationen sind am st\u00e4rksten bei High-Tech-Innovationsprojekten angesiedelt. F&amp;E-Kooperationen sind gr\u00f6\u00dfenabh\u00e4ngig. So kooperieren in Deutschland 24% der Unternehmen mit 1-19 Besch\u00e4ftigten, 34% der Unternehmen mit 20-99 Besch\u00e4ftigten, 52% der Unternehmen mit 100-249 Besch\u00e4ftigten, 51% der Unternehmen mit 250-499 Besch\u00e4ftigten und 69% der Unternehmen mit \u00fcber 500 Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Partner und Institutionalisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wichtigsten Partner in F&amp;E-Kooperationen deutscher mittelst\u00e4ndischer Unternehmen sind ihre Zulieferer (knapp \u00fcber 50%), gefolgt von Hochschulen und Forschungseinrichtungen (44%) sowie Kunden (43%). \u00dcber 30% der Partner sind Unternehmen der gleichen Wertsch\u00f6pfungsstufe. Diese Werte stammen aus der BDI-Mittelstandsbefragung von 2005, in der nach den Partnern beim derzeit wichtigsten F&amp;E-Kooperationsprojekt gefragt wurde. Aus einer internationalen Erhebung der OECD nach der Zusammenarbeit von Unternehmen mit Universit\u00e4ten und \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen geht hervor, dass knapp 20% der gr\u00f6sseren und 5% der mittelst\u00e4ndischen deutschen Unternehmen bei Innovationsaktivit\u00e4ten mit Universit\u00e4ten zusammenarbeiten. Deutsche Unternehmen liegen dabei im internationalen Vergleich im obersten Drittel. Die entsprechenden Werte f\u00fcr die Zusammenarbeit mit anderen \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen liegen bei 10% und 2%. F&amp;E-Kooperationen reichen von formlosen Vereinbarungen bis zur Gr\u00fcndung gemeinsamer Unternehmen. So geht aus einer Untersuchung von F&amp;E-Kooperationen von Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen (BioRegio STERN Management und Capgemini Deutschland) hervor, dass projektbezogene Vertr\u00e4ge und langfristige Kooperationsvertr\u00e4ge dominieren. Dann folgen formlose Vereinbarungen vor vollst\u00e4ndigen Verschmelzungen und Akquisitionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Motive und Ziele<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit stellt sich nun die Frage nach den Motiven und Zielen von Unternehmen, die sich in F&amp;E-Kooperationen engagieren. Grunds\u00e4tzlich muss es m\u00f6glich sein, eine Kooperationsrente zu erwirtschaften, die die Kosten der Koordination und von Abh\u00e4ngigkeit \u00fcbersteigt. Konkret sind es die folgenden Motive, die den meisten Kooperationen zugrunde liegen: Das Internalisierungsmotiv wird in den Vordergrund treten, wenn Patente nicht ausreichen, die F&amp;E-Ergebnisse zu sch\u00fctzen. Eine Kooperation der potenziellen Nutznie\u00dfer kann dann die F&amp;E-Spillovers internalisieren. Zugang zu den Ressourcen, dem Wissen und der Kompetenzen der Kooperationspartner zu erlangen ist ein weiteres wichtiges Motiv. Das Kostenteilungsmotiv tr\u00e4gt gestiegenen F&amp;E-Kosten Rechnung und soll eine Kostenduplizierung, Parallelforschung und \u201eNeuentdeckungen\u201c vermeiden helfen. Die F&amp;E-Kosten haben auch im Zusammenhang mit einer Verk\u00fcrzung der Produktlebenszyklen zunehmendes Gewicht erhalten. Dies gilt auch f\u00fcr die F&amp;E-Risken nicht erfolgreicher Projekte. Das Risikoreduktionsmotiv korrespondiert mit der Aufteilung des Risikos auf die einzelnen Partner und kann es so f\u00fcr die einzelnen Unternehmen tragbarer machen. Auch das Wettbewerbsmotiv scheint eine Rolle zu spielen. In einer Kooperation sind Informationen \u00fcber die F&amp;E-Aktivit\u00e4ten und \u2013Ausgaben von Konkurrenten und Gesch\u00e4ftspartner zu erlangen, freilich unter der Preisgabe der eigenen Informationen. Schlie\u00dflich ist das Standardsetzungsmotiv zu ber\u00fccksichtigen. Gemeinsame F&amp;E-Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnen schneller und kosteng\u00fcnstiger grundlegende Standards entwickeln, f\u00fcr die eine bestimmte Mindestmarktgr\u00f6\u00dfe schnell erreicht werden muss. Auf der Basis eines gemeinsamen Standards k\u00f6nnen dann wieder kompetitive Strategien umgesetzt werden. Zusammengefasst geht es im Wesentlichen darum, durch F&amp;E-Kooperationen die Geschwindigkeit und die Anzahl von Innovationen zu erh\u00f6hen und die daf\u00fcr anzusetzenden Kosten f\u00fcr die einzelnen Partner zu senken. Aus Befragungen von Unternehmen bez\u00fcglich ihrer Kooperationsziele geht branchenunabh\u00e4ngig hervor, dass die Erlangung von Technologie-Know-how, die Verbreiterung des Marktzugangs, die Risikoteilung sowie die Kostenteilung die Rangfolgen dominieren. Selbstverst\u00e4ndlich bergen F&amp;E-Kooperationen auch Gefahren. So k\u00f6nnen sie unklare Patentsituationen mit sich bringen, falls im Vorfeld keine klaren Regelungen getroffen wurden. H\u00e4ufig wird der Verlust der Kontrolle \u00fcber den Innovationsprozess sowie der Verlust eines Wissens- oder Technologievorsprungs beklagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wirtschaftspolitische Dimensionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nicht nur die Kalk\u00fcle der einzelnen Unternehmen gilt es zu hinterfragen, sondern auch die wirtschaftspolitischen Dimensionen dieser Entwicklung sollten ber\u00fccksichtigt werden, was bisher weitgehend vernachl\u00e4ssigt wurde. Unternehmen nutzen offensichtlich unter Ber\u00fccksichtigung der wettbewerbsrechtlichen Restriktionen ihre wirtschaftliche Freiheit zur Zusammenarbeit im Rahmen ihrer Innovationspolitik. Eine gestiegene unternehmerische Innovationsf\u00e4higkeit beeinflusst jedoch auch die Wachstums- und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten von Standorten, Regionen und Volkswirtschaften. Dies wird in einem Prozess wichtig, in dem manch global t\u00e4tige Unternehmen, die ihre Wertsch\u00f6pfungsketten weltweit organisieren, ihre F&amp;E-Aktivit\u00e4ten in Europa zusammenlegen. F&amp;E-Kooperationen weisen also unmittelbare Bez\u00fcge zur Standort-, zur Regional und zur Integrationspolitik und nicht zuletzt zur Ordnungspolitik auf. Es geht dann darum, in einem n\u00e4chsten Schritt die Determinanten der Vernetzungskompetenz von Standorten auszuloten. Wird in diese von den Unternehmen investiert oder von der Politik?<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit dominieren in wirtschaftspolitischen ebenso wie in unternehmenspolitischen Diskussionen eher kurzfristig orientierte Themen. Konjunktur und Kreditklemme stehen im Vordergrund. 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