{"id":22206,"date":"2018-02-02T06:46:20","date_gmt":"2018-02-02T05:46:20","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22206"},"modified":"2018-02-02T06:58:41","modified_gmt":"2018-02-02T05:58:41","slug":"mythen-und-fakten-zur-einkommenskonzentration-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22206","title":{"rendered":"Mythen und Fakten zur Einkommenskonzentration in der Schweiz*"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte zur Einkommensverteilung ist definitiv auch in der Schweiz angekommen. Die NZZ am Sonntag berichtet von einer zur\u00fcckfallenden Mittelschicht, einer sich \u00f6ffnenden Einkommensschere und Einkommenszuw\u00e4chsen vor allem bei den obersten Einkommen. Das World Economic Forum WEF fordert unter dem Stichwort inklusives Wachstum, dass sich die Einkommenszuw\u00e4chse auch in der Schweiz breiter \u00fcber die Einkommensschichten verteilen. Hat die Schweiz tats\u00e4chlich ein Verteilungsproblem? Sind wir mit einer zunehmenden Einkommenskonzentration an der Spitze konfrontiert? Partizipiert die Breite der Bev\u00f6lkerung nicht an den Einkommenszuw\u00e4chsen der Volkswirtschaft? Sollte der Staat die Einkommensverteilung st\u00e4rker korrigieren?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Einkommenskonzentration \u2013 wie messen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich objektiv bestimmen, welchen Verlauf die hohen und h\u00f6chsten Einkommen in einem Land genommen haben? Einen entscheidenden Beitrag zur Beantwortung dieser Frage wurde von Piketty (2001) geliefert. Er nutzte wie zuvor Kuznets (1953) Daten der offiziellen Einkommensteuerstatistik und kombinierte diese mit gesch\u00e4tzten Bev\u00f6lkerungszahlen und dem gesch\u00e4tzten Gesamteinkommen aller Privathaushalte, um die obersten Einkommensanteile zu ermitteln. H\u00e4ufig liegen jedoch Einkommensteuerstatistiken nicht als Individualdaten vor, sondern nur die Zahl der Steuerpflichtigen und deren kumuliertes Einkommen f\u00fcr die einzelnen Einkommensklassen \u2013 meistens in unregelm\u00e4ssigen Intervallen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Somit kann nicht direkt auf die gesuchten Einkommensanteile geschlossen werden. Eine h\u00e4ufig in der Literatur verwendete Methode zur Sch\u00e4tzung der h\u00f6chsten Einkommen geht auf den Lausanner \u00d6konom Vilfredo Pareto (1886, 1896-1897) zur\u00fcck. Dabei werden die entsprechenden Einkommensanteile durch Unterstellung einer Pareto-Verteilung der Einkommen und durch Interpolation zwischen den Einkommensklassen gesch\u00e4tzt. Gegenw\u00e4rtig gibt es 50 L\u00e4nderanalysen, welche dieses Vorgehen nutzen, um die Entwicklung der Einkommenskonzentration \u00fcber das 20. Jahrhundert abzubilden (vgl. die Datenbank <a href=\"http:\/\/wid.world\/\">http:\/\/wid.world\/<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zunehmende Einkommenskonzentration: kein generelles Ph\u00e4nomen<\/strong><\/p>\n<p>In Grafik 1 wird die Einkommenskonzentration f\u00fcr die obersten 1% der Einkommensbezieher f\u00fcr angels\u00e4chsische L\u00e4nder wie die USA, Grossbritannien, Kanada und f\u00fcr L\u00e4nder wie Frankreich, Deutschland, Japan und Italien \u00fcber das 20. Jahrhundert dargestellt. Die angels\u00e4chsischen L\u00e4nder kannten eine hohe Einkommenskonzentration zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis Ende der 1970er Jahre nahm die Einkommenskonzentration stark ab, w\u00e4hrend ab den 1980er Jahren und insbesondere ab den 1990er Jahren die Einkommenszuw\u00e4chse der hohen und h\u00f6chsten Einkommen weit st\u00e4rker ausfielen. F\u00fcr die angels\u00e4chsischen L\u00e4nder l\u00e4sst sich demnach ein U-f\u00f6rmiger Verlauf feststellen. Interessant ist, dass dies ab der Jahrtausendschwelle auch f\u00fcr Deutschland beobachtet werden kann. Werden die L\u00e4nder Frankreich, Italien oder Japan betrachtet, wird ein L-f\u00f6rmiger Verlauf \u00fcber das 20. Jahrhundert deutlich. Im Unterschied zu den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern erholten sich die Spitzeneinkommen in den letzten Jahren weit weniger, so dass von einer relativ stabilen Entwicklung der Einkommenskonzentration seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts gesprochen werden kann. Die Schweiz folgt eher dem Trend von Frankreich, Japan oder Italien als den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schalt1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schalt1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Technologischer Wandel, Globalisierung, Alterung und ver\u00e4nderte Haushaltsstrukturen <\/strong><\/p>\n<p>Die OECD identifiziert einen generellen Trend in Industriestaaten zu h\u00f6herer Ungleichheit. Als wichtige Erkl\u00e4rungsfaktoren identifiziert wird etwa der technologische Fortschritt <em>(skill biased technological change<\/em>), die Globalisierung<em> (global market for talents<\/em>), die Alterung der Gesellschaft (zunehmende Einkommensunterschiede mit dem Alter) sowie Ver\u00e4nderungen in den Haushaltsstrukturen (mehr Alleinstehende und mehr Doppelverdiener-Paare, ver\u00e4ndertes Heiratsverhalten). <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Diese grundlegenden Trends wirken in vergleichbarer Weise auf alle Industriestaaten. Trotzdem lassen sich hinsichtlich der Entwicklung der Einkommensverteilung beachtliche Unterschiede feststellen. Wie l\u00e4sst sich diese Heterogenit\u00e4t erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Die relative Verarmung der obersten Einkommensbezieher in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts l\u00e4sst sich mit den zwei Weltkriegen und der damit einhergehenden direkten Zerst\u00f6rung von physischem Kapital begr\u00fcnden. Piketty (2003) stellt f\u00fcr Frankreich fest, dass w\u00e4hrend dem Ersten Weltkrieg ein Drittel und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs \u00fcber zwei Drittel an physischem Kapital zerst\u00f6rt wurden. Zudem trug auch die Vernichtung von Finanzkapital durch die hohe Inflation in den Zwischenkriegsjahren zur Reduktion der Einkommen bei. Ein naheliegender weiterer Einfluss auf die Einkommenskonzentration wird in der Steuerpolitik \u2013 speziell in der progressiven Einkommensbesteuerung gesehen. War die Besteuerung von Spitzeneinkommen vor dem Ersten Weltkrieg noch vergleichsweise gering, \u00e4nderte sich dies nach dem Zweiten Weltkrieg. Anfang der 1980er Jahre lag die Grenzsteuerbelastung in L\u00e4ndern wie Frankreich, Grossbritannien und den USA zwischen 60 und 70 Prozent.<\/p>\n<p>Evidenz f\u00fcr den Einfluss von Steuern auf die Einkommenskonzentration wurde f\u00fcr Schweden von Roine und Waldenstr\u00f6m (2008) und f\u00fcr die Schweiz von Frey, Gorgas und Schaltegger (2017) untersucht. Sie kommen zum Schluss, dass die progressive Besteuerung ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung der h\u00f6chsten Einkommen in Schweden und der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg ist. Atkinson und Leigh (2010) k\u00f6nnen mittels \u00f6konometrischer Panel-Analyse f\u00fcr f\u00fcnf angels\u00e4chsische L\u00e4nder (Australien, Kanada, Neu Seeland, Grossbritannien und die USA) zeigen, dass eine Reduzierung der Steuers\u00e4tze bis zur H\u00e4lfte des Anstiegs der Einkommenskonzentration bei den obersten 1% der Einkommensbezieher erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr das erhebliche Ansteigen der Einkommenskonzentration im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts besonders in den USA l\u00e4sst sich nach Piketty und Saez (2006), nicht allein mit einem Wiedererstarken von Kapitaleinkommen erkl\u00e4ren. Vielmehr hat eine erhebliche Zunahme der Lohneinkommen und der Kapitalgewinne dazu gef\u00fchrt, dass die Spitzeneinkommen wieder gestiegen sind. Zus\u00e4tzlich sind im angels\u00e4chsischen Raum die Globalisierung des Arbeitsmarktes und die Verringerung der Gewerkschaftsmacht verantwortlich f\u00fcr den Anstieg der Einkommenskonzentration.<\/p>\n<p>F\u00fcr Japan, Italien, Kanada und Frankreich zeigt sich ein \u00e4hnlicher Verlauf der Kapitaleinkommen \u00fcber das 20. Jahrhundert. Schweden zeigt ein differenzierteres Bild. Waren die Kapitaleinkommen in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts weniger wichtig f\u00fcr die h\u00f6chsten Einkommen, \u00e4nderte sich dies ab den 1970er Jahren (Roine und Waldenstr\u00f6m, 2008). Allerdings gilt ganz allgemein, dass Kapitaleinkommen, Kapitalgewinne und Gewinne aus unternehmerischer T\u00e4tigkeit mit zunehmenden Einkommen an Bedeutung gewinnen. Stellt im obersten Dezil noch das Lohneinkommen die wichtigste Einkommensquelle dar, sinkt dieser Anteil in den h\u00f6heren Einkommensklassen.<\/p>\n<p>Neuere empirische Untersuchungen zeigen, dass auch die generelle Staatsaktivit\u00e4t, das generelle Wirtschaftswachstum sowie die Entwicklung des Finanzmarktes wichtige Determinanten bei der Entwicklung der Einkommenskonzentration sind. Konkret d\u00e4mpft eine Ausdehnung der Staatsausgaben die Einkommensanteile der oberen Mittelschicht (untersten 9% der obersten 10% der Einkommensbezieher), w\u00e4hrend aber die Anteile f\u00fcr die obersten 1% der Einkommensbezieher unbeeinflusst bleiben (Roine, Vlachos und Waldenstr\u00f6m, 2009). Interessant ist weiter, dass am generellen Wirtschaftswachstum die obersten Einkommen \u00fcberproportional partizipieren. Dies gilt insbesondere auch f\u00fcr die Entwicklung des Finanzmarkts, der eine signifikante Hebelwirkung f\u00fcr die oberen Einkommen entfaltet. Einen entgegen gesetzten Einfluss \u00fcben Finanzkrisen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Stabile oberste Einkommen in der Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>Wie sieht die Entwicklung der hohen Einkommen in der Schweiz im Detail aus? Grafik 2 macht deutlich, dass die Einkommenskonzentration in der Schweiz von 1933 bis 2014 im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern erstaunlich konstant verlief. Weder wird ein deutlicher Einbruch der Einkommenskonzentration w\u00e4hrend und nach den Kriegsjahren ersichtlich, noch ist ein starkes Anschwellen der Einkommenskonzentration im 20. Jahrhundert zu beobachten. Dies gilt f\u00fcr die obersten 1% der Einkommensbezieher als auch f\u00fcr die obersten 0,5%, 0,1% oder 0,01%. Daraus resultiert, dass sich die Schweiz relativ stark von den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern unterscheidet, aber auch von Deutschland, Italien, Frankreich oder Japan. Die Einkommenszuw\u00e4chse verteilen sich in der Schweiz relativ gleichm\u00e4ssig und kommen auch in den letzten Jahren nicht nur den obersten Einkommen zu Gute.<\/p>\n<p>Was ist eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr diesen stabilen Verlauf? Ein nicht unwesentlicher Punkt ist darin zu finden, dass die Schweiz in den letzten 90 Jahren von keinem Krieg direkt betroffen war. Das heisst, es kam zu keiner direkten Zerst\u00f6rung von physischem Kapital. Die Schweiz konnte somit auf ihre Produktionsst\u00e4tten zur\u00fcckgreifen, was dazu f\u00fchrte, dass die Wirtschaftsgeschichte eine auff\u00e4llige Konstanz ausweist. Ebenso haben sich aber auch die exportorientierten Branchen, die Industrieproduktion und die Finanzdienstleistungen \u00fcber das 20. Jahrhundert als sehr anpassungsf\u00e4hig erwiesen. Dies umso mehr, wenn ber\u00fccksichtigt wird, dass die Schweiz ein ressourcenarmes Land ist. Entscheidend f\u00fcr die konstante Entwicklung der Einkommenskonzentration d\u00fcrfte nicht zuletzt ganz wesentlich die politische und wirtschaftliche Stabilit\u00e4t in der Schweiz sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schalt2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schalt2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Bisher haben wir wie international \u00fcblich die Einkommenskonzentration vor Steuern betrachtet. Der Staat greift allerdings in vielf\u00e4ltiger Weise in die Verteilung der Markeinkommen ein. Steuern haben nicht nur fiskalischen Charakter zur Finanzierung \u00f6ffentlicher Leistungen, sondern verfolgen auch verteilungspolitische Ziele. Auf Ebene des Bundes kennen wir eine stark progressiv wirkende Einkommensteuer und in den Kantonen werden die Einkommen ebenfalls besteuert. Es ist also zu vermuten, dass sich die Einkommenskonzentration der verf\u00fcgbaren Einkommen nach Steuern wesentlich von der Konzentration der Markteinkommen unterscheiden. Tats\u00e4chlich zeigen die Daten, dass sich in der Schweiz nicht nur eine aussergew\u00f6hnlich hohe Stabilit\u00e4t der Einkommenskonzentration vor Steuern, sondern auch der tats\u00e4chlichen Progressionswirkung und damit der Einkommenskonzentration nach Steuern feststellen l\u00e4sst (Grafik 3).<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schalt3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schalt3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Unterschiedliche Entwicklung in den Kantonen <\/strong><\/p>\n<p>Der f\u00f6deralistische Staatsaufbau der Schweiz l\u00e4sst zu, dass sich die Einkommenskonzentration auf Ebene der 26 Kantone stark unterscheiden. Dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Steuerbelastung unter den Kantonen stark variiert. Betrachtet man Grafik 4 wird offenkundig, dass zwischen den Kantonen im Niveau als auch in der Entwicklung der obersten Einkommen Unterschiede bestehen. Ein direkter Vergleich der Einkommensjahre 1971\/72 und 2013 zeigt, dass die Einkommensanteile der obersten 1% der Einkommensbezieher, ausgehend von einem unterschiedlichen Niveau, in der knappen Mehrzahl der Kantone eher gefallen als gestiegen ist. Das Schlusslicht im Jahr 2013 bildet dabei der Kanton Uri. Ausgehend von einem Einkommensanteil von knapp 17% hat das oberste 1% der Einkommensbezieher knapp 11 Prozentpunkte verloren. Eine eher konstante Entwicklung vollzog sich im bev\u00f6lkerungsreichen Kanton Luzern mit einer stabilen Einkommenskonzentration von etwa 10% f\u00fcr die obersten 1% der Einkommensbezieher. Zu den gr\u00f6ssten Gewinnern z\u00e4hlen die Einkommensbezieher in den Kantonen Schwyz, Zug und Obwalden, wo die durchschnittlichen Spitzeneinkommen in diesem Zeitraum am st\u00e4rksten angestiegen sind. So ist der Einkommensanteil der obersten Einkommensbezieher im Kanton Schwyz zwischen 1971\/72 und 2013 um \u00fcber 12 Prozentpunkte gestiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schalt4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schalt4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz zeichnet sich im Gegensatz zu anderen L\u00e4ndern durch eine bemerkenswert stabile Entwicklung der h\u00f6chsten Einkommen und damit auch der Einkommenskonzentration \u00fcber das 20. Jahrhundert aus. Im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern gab es w\u00e4hrend den Weltkriegen keine Zerst\u00f6rung von physischem Kapital. Zudem zeichnet sich die Schweiz \u2013 damals wie heute \u2013 durch eine robuste und anpassungsf\u00e4hige Wirtschaft aus. Die langfristige moderate Entwicklung der Spitzeneinkommen best\u00e4tigt damit den Einfluss der hohen wirtschaftlichen und politischen Stabilit\u00e4t in der Schweiz. Im Unterschied insbesondere zu den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern, kommen die Einkommenszuw\u00e4chse in der Schweiz nicht immer st\u00e4rker den obersten Einkommen zu Gute. Wesentliche Gr\u00fcnde daf\u00fcr d\u00fcrften der flexible Arbeitsmarkt mit einer sehr hohen Erwerbsquote sowie das fein austarierte f\u00f6derale System in der Schweiz sein, das eine hohe fiskalpolitische Autonomie bei den Kantonen, mit einigen zentralstaatlichen Elementen der Umverteilung vereinigt. Die sich zunehmende Einkommensschere in der Schweiz ist also ein Mythos. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Die Entwicklung deutet nicht auf verteilungspolitischen Handlungsbedarf.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p><em>Atkinson, A. B. <\/em>2007. The Distribution of Top Incomes in the United Kingdom 1908-2000. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 4.<\/p>\n<p><em>Alvaredo, F., A. B. Atkinson, Th. Piketty und E. Saez<\/em>, The World Top Incomes Database, <a href=\"http:\/\/g-mond.parisschoolofeconomics.eu\/topincomes\">http:\/\/g-mond.parisschoolofeconomics.eu\/topincomes<\/a>, 14.10.2012.<\/p>\n<p><em>Atkinson, A. B., und Leigh, A. <\/em>2010<em>.<\/em> The Distribution of Top Incomes in Five Anglo-Saxon Countries over the Twentieth Century, IZA Discussion Paper No. 4937, May 2010.<\/p>\n<p><em>Atkinson, A. B., Piketty, T. und Saez, E.<\/em> 2011. Top Incomes in the Long Run of History, Journal of Economic Literature, 49(1): 3-71.<\/p>\n<p><em>Cowell, F. <\/em>2009<em>.<\/em> Measuring Inequality. London: Oxford University Press.<\/p>\n<p><em>Dell, F. <\/em>2007. Top Incomes in Germany Throughout the Twentieth Century 1891-1998. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 9.<\/p>\n<p><em>Frey, C., Gorgas, C. und Schaltegger, C.A.<\/em> 2017, The long run effect of taxes on the distribution of top income shares: an empirical investigation, <em>Review of Income and Wealth 63, <\/em>792-820,<\/p>\n<p><em>Frey, C. und Schaltegger, C.A.<\/em> 2016, Progressive taxes and top income shares: A historical perspective on pre- and post-tax income concentration in Switzerland, <em>Economics Letters <\/em>148, 5\u20139.<\/p>\n<p><em>Kuznets, S.<\/em> 1953. Shares of Upper Income Groups in Income and Savings. New York: National Bureau of Economic Research.<\/p>\n<p><em>Moriguchi, C., und Saez, E. <\/em>2008<em>.<\/em> The Evolution of Income Concentration in Japan, 1885-2005: Evidence from Income Tax Statistics, Review of Economics and Statistics 90 (4), 713-734.<\/p>\n<p><em>OECD, 2011<\/em>. Divided We Stand Why Inequality Keeps Rising: Why Inequality Keeps Rising. OECD Publishing<\/p>\n<p><em>Pareto, V. <\/em>1896<em>.<\/em> La courbe de la repartition de la richesse, \u00c3\u2030crits sur la courbe de la repartition de la richesse, Hrsg. G. Busino, Librairie Droz, 1965, 1\u201315.<\/p>\n<p><em>Pareto, V. <\/em>1896-1897<em>.<\/em> Cours d\u2019Economie Politique (2 B\u00e4nde), Hrsg. G. Busino, Librairie Droz, 1964.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. <\/em>2001<em>.<\/em> Les Hauts Revenus en France au 20\u00c3\u00a8me Si\u00c3\u00a8cle. Paris: Grasset.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. <\/em>2003<em>.<\/em> Income Inequality in France, 1901-1998, Journal of Political Economy 111 (5), 1004-42.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. und Saez, E. 2003.<\/em> Income Inequality in the United States, 1913-1998, Quarterly Journal of Economics 118 (1), 1-39.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. und Saez, E. <\/em>2006<em>. <\/em>The Evolution of Top Incomes: A Historical and International Perspective, American Economic Review, Papers and Proceedings, 96(2), 200-205.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. <\/em>2007<em>.<\/em> Income, Wage and Wealth Inequality in France 1901-1998. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 3; Aktualisiert in Landais, C. 2007. Les Hauts Revenus en France 1998-2006. Une Explosion des In\u00c3\u00a9galit\u00c3\u00a9s? Paris School of Economics Working Paper.<\/p>\n<p><em>Piketty, T. und Saez, E.<\/em> 2007. Income and Wage Inequality in the United States 1913-2002. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 5.<\/p>\n<p><em>Roine, J., Vlachos J. und Waldentr\u00f6m, D.<\/em> 2009. The Long-Run Determinants of Inequality: What Can We Learn from Top Income Data? Journal of Public Economics, 93, 974\u2013988.<\/p>\n<p><em>Roine, J., und Waldenstr\u00f6m, D. <\/em>2008<em>.<\/em> The evolution of top incomes in an egalitarian society: Sweden, 1903\u20132004, Journal of Public Economics 92(1-2), 366-87.<\/p>\n<p><em>Roine, J. und Waldenstr\u00f6m, D.<\/em> 2010. Top Incomes in Sweden over the Twentieth Century. In Atkinson, A. B. and Piketty, T. Top Incomes: A Global Perspective, Oxford University Press, Kapitel 7.<\/p>\n<p><em>Saez, E. und Veall, M. <\/em>2007. The Evolution of High Incomes in Canada 1920-2000. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 6.<\/p>\n<p><em>Salverda, W. und Atkinson, A. B.<\/em> 2007. Top Incomes in the Netherlands over the Twentieth Century. In Atkinson, A. B. und Piketty, T. Top Incomes over the Twentieth Century. A Contrast Between Continental European and English-Speaking Countries, Oxford University Press, Kapitel 10.<\/p>\n<p><em>Schaltegger, C. A. und Gorgas, Ch. <\/em>2011<em>.<\/em> The Evolution of Top Incomes in Switzerland over the 20<sup>th<\/sup> Century, Swiss Journal of Economics and Statistics 147 (4), 479-519.<\/p>\n<p><em>Schaltegger, C. A. und Gorgas, Ch. <\/em>2012. Zur Entwicklung der Spitzeneinkommen, Volkswirtschaft 12\/12, 54-57.<\/p>\n<p><strong><em>&#8211;<\/em><\/strong><strong>&#8212; &#8212; &#8212;<\/strong><\/p>\n<p>*Der Beitrag basiert auf Schaltegger und Gorgas (2012) mit aktualisierten und erweiterten Daten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ein Vorteil von Einkommensteuerstatistiken gegen\u00fcber Umfragedaten liegt in der langen Verf\u00fcgbarkeit der Daten. So reichen zum Beispiel offizielle Einkommensteuerstatistiken in Norwegen bis ins Jahr 1875 und in Japan bis ins Jahr 1886 zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe OECD, 2011. Divided We Stand Why Inequality Keeps Rising: Why Inequality Keeps Rising. OECD Publishing; Norbert Berthold und Klaus Gr\u00fcndler, 2017. <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Ungleichheit-soziale-Mobilit%C3%A4t-Umverteilung-Berthold\/dp\/3170315528\">Ungleichheit, soziale Mobilit\u00e4t und Umverteilung<\/a>. Stuttgart: Kohlhammer<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Frey, C. und Schaltegger, C.A. (2016), Progressive taxes and top income shares: A historical perspective on pre- and post-tax income concentration in Switzerland. Economics Letters, 148, 5-9.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte zur Einkommensverteilung ist definitiv auch in der Schweiz angekommen. 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