{"id":22332,"date":"2018-02-24T00:01:41","date_gmt":"2018-02-23T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22332"},"modified":"2018-02-25T17:12:07","modified_gmt":"2018-02-25T16:12:07","slug":"superreiche-demographie-und-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22332","title":{"rendered":"Superreiche, Demographie und Rente"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich war der Schatzmeister eines Ortsverbands der Partei DIE LINKE von einem Interview des WDR-Fernsehens derart aufgebracht, dass er eine erboste E-Mail an die Redaktion schrieb. Anlass war der Hinweis, dass die GroKo-Rentenpl\u00e4ne die Lasten der demographischen Ver\u00e4nderungen allein auf die junge Generation schiebt. Eine solche Argumentation sei \u201ed\u00fcmmlich und falsch\u201c, so der Schatzmeister. Dass sie sich dennoch jemand zu eigen macht, war f\u00fcr ihn offenbar nur so zu erkl\u00e4ren: Der Interviewte \u201eist (sic!) ein Lobbyist der Wirtschaft\u201c. Darauf hinzuweisen habe der WDR unterlassen und es daher \u201evers\u00e4umt [\u2026], seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen.\u201c Stattdessen falle er herein auf das \u201ewiderw\u00e4rtige Vorgehen der Wirtschaft (und Politik), Jung gegen Alt auszuspielen um die Privilegierten, Wohlhabenden und (Super-)Reichen zu sch\u00fctzen.\u201c Aus den grundlegenden Einsicht der \u201eMackenroth-These\u201c folge n\u00e4mlich, dass das Finanzierungsproblem der Rentenversicherung im Wesentlichen nichts mit Demographie zu tun habe, sondern der \u201eungerechte[n] Verm\u00f6gens(zuwachs)verteilung in unserem Land\u201c geschuldet sei. Abschlie\u00dfend riet er den gescholtenen Journalisten ebenso wie dem \u201eim Dienste der Kapitaleigent\u00fcmer stehenden\u201c Interviewten, \u00fcber die Mackenroth-These nachzudenken \u2013 \u201ewenn es nicht zu anstrengend ist.\u201c<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Strengen wir uns also an. Gerhard Mackenroth hatte 1952 darauf hingewiesen, dass jeder Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode stammen muss. Aber was hat das mit der Verm\u00f6gensverteilung zu tun? Stellen wir diese Frage f\u00fcr einen Moment zur\u00fcck und widmen uns zun\u00e4chst der Frage, ob sich das Demographieproblem der umlagefinanzierten Rente tats\u00e4chlich in Luft aufl\u00f6st, sofern wir uns zu einer geeigneten Umverteilung des Verm\u00f6gens durchringen. Eine der dazu geh\u00f6renden Einsichten ist zun\u00e4chst diese: Wenn eine Generation f\u00fcr ihren Ruhestand vorsorgen m\u00f6chte, dann muss sie in der aktiven Zeit entweder f\u00fcr eine hinreichend hohe Zahl an Nachkommen sorgen, aus deren Einkommen sie dann einen Teil f\u00fcr ihre Rente abzweigen kann; oder sie muss einen hinreichend hohen Bestand an Realverm\u00f6gen aufbauen, um sich im Alter aus dessen Rendite zu bedienen. Haben wir also ein Demographieproblem, wonach es ja aussieht, dann fehlt es an Nachkommen, und daher muss man entweder auf Alterseinkommen verzichten oder das Alterseinkommen aus der Rendite eines Verm\u00f6gens beziehen. Hat man selbst keins, dann kann man rein rechnerisch auch das Verm\u00f6gen anderer nehmen. Ob man das dann gerecht oder ungerecht findet, steht auf einem anderen Blatt und kann man mit wissenschaftlichen Methoden nicht bestimmen.<\/p>\n<p>Nehmen wir zum Beispiel an, zwei Menschen h\u00e4tten ein je gleiches Einkommen bezogen und einer davon h\u00e4tte brav einen Teil zum Verm\u00f6gensaufbau zur\u00fcckgelegt, w\u00e4hrend der andere nach dem Motto des englischen Fu\u00dfballhelden George Best gelebt habe, der res\u00fcmierte: \u201eIch habe viel Geld f\u00fcr Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.\u201c Nehmen wir alternativ an, dass ein m\u00e4chtiger Kapitalist seinen Arbeitnehmer r\u00fccksichtslos ausgebeutet und gerade davon sein Verm\u00f6gen aufgebaut habe, w\u00e4hrend der Arbeitnehmer von der Hand in den Mund leben musste und nie auch nur einen Cent zum Ansparen \u00fcbriggehabt hatte. Zur Verrentung verlangt nun der jeweils Verm\u00f6genslose vom Verm\u00f6genden einen Anteil am angesparten Verm\u00f6gen, damit auch der letztere etwas f\u00fcr die Alterssicherung zur Verf\u00fcgung hat. Auch wenn jeder dieser klischeehaft zugespitzten F\u00e4lle ein recht eindeutiges Urteil nahelegt, so wird es doch niemals ein objektives Urteil sein, weil wir uns so oder so im Bereich der Wertungen befinden. Die Realit\u00e4t wird aber ohnehin \u2013 wie so oft \u2013 irgendwo zwischen den skizzierten Extremen liegen, und das wird noch eine Rolle spielen. Lassen wir aber auch das f\u00fcr sp\u00e4ter und wenden uns zun\u00e4chst der These des erbosten Linkspartei-Schatzmeisters zu, dass grunds\u00e4tzlich gen\u00fcgend Verm\u00f6gen da sei, um damit das Problem der fehlenden Nachkommen zu kompensieren \u2013 womit es kein Problem mehr w\u00e4re. Stellen wir hierzu eine kleine \u00dcberschlagsrechnung an, so finden wir: Der Mann hat Recht.<\/p>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst nur die Altersrenten, und zwar bis zum Jahre 2050. Ende 2016 hatten wir 18,13 Mio. Altersrentner. Wenn wir diese Zahl f\u00fcr die Zwecke unseres groben \u00dcberschlags mit der Prognose \u00fcber die Entwicklung der Altersgruppe der \u00fcber 67-j\u00e4hrigen fortschreiben, dann bekommen wir f\u00fcr den Zeitraum bis 2050 eine durchschnittliche j\u00e4hrliche Wachstumsrate von 1,6 Prozent. Damit l\u00e4ge die Zahl der Altersrentner im Jahre 2050 bei 26,54 Mio. Legen wir f\u00fcr das Jahr 2018 die durchschnittliche Altersrente von 850 \u20ac zugrunde und multiplizieren diese mit der jeweils prognostizierten Zahl an Rentnern, dann finden wir f\u00fcr jedes Jahr von 2018 bis 2050 die Ausgaben des Rentensystems, die n\u00f6tig w\u00e4ren, um die durchschnittliche Rente von 850 \u20ac \u00fcber den gesamten Zeitraum stabil zu halten. F\u00fcr das Jahr 2018 finden wir auf diese Weise 154 Mrd. \u20ac, und f\u00fcr 2050 finden wir 207 Mrd. \u20ac. Nun sollen die Rentner nat\u00fcrlich an der Einkommensentwicklung beteiligt werden. Nehmen wir dazu der Einfachheit halber an, dass die Erwerbseinkommen pro Jahr um zwei Prozent steigen. Dann m\u00fcssen wir die Renten pro Jahr ebenfalls um zwei Prozent steigen lassen, ausgehend von 850 \u20ac im Jahre 2018. Im Ergebnis wird man 2050 nicht 207 Mrd. \u20ac f\u00fcr die Altersrenten ausgeben m\u00fcssen, sondern 360 Mrd. \u20ac. So weit w\u00e4re das kein Problem, denn der Anteil an den Erwerbseinkommen bliebe immer gleich, wenn die demographische Struktur ebenfalls gleichbliebe. Bleibt sie aber nicht. Und genau das m\u00fcssen wir nun mit Hilfe einer geeigneten Verm\u00f6gensumverteilung ausgleichen.<\/p>\n<p>Wir brauchen hierzu nur noch den R\u00fcckgang der Zahl der Beitragszahler zu ber\u00fccksichtigen, denn den Zuwachs an Rentnern haben wir ja schon. Den R\u00fcckgang der Zahl der Beitragszahler sch\u00e4tzen wir aus der Entwicklung der Gr\u00f6\u00dfe der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter, also zwischen 15 und 67. Aus dem Verh\u00e4ltnis der Zahl der Rentner und der Zahl der Beitragszahler finden wir f\u00fcr jedes Jahr einen demographischen Faktor. Nun nehmen wir die anf\u00e4nglichen 850 \u20ac und lassen sie mit zwei Prozent pro Jahr f\u00fcr die Rentenanpassung wachsen. So finden wir f\u00fcr jedes Jahr einen Auszahlungsbetrag. Dann multiplizieren wir diesen mit dem demographischen Faktor und erhalten einen zweiten Betrag. Ziehen wir den zweiten Betrag vom ersten ab, dann finden wir einen j\u00e4hrlichen Fehlbetrag, der anf\u00e4nglich null ist und bis zum Jahre 2050 auf 160 Mrd. \u20ac ansteigt.<\/p>\n<p>Nun wollen wir ja einen Verm\u00f6genswert finden, den wir von den Reichen und Superreichen an das Rentensystem umverteilen m\u00fcssen, um die Fehlbetr\u00e4ge auszugleichen. Hierzu m\u00fcssen wir alle k\u00fcnftigen Fehlbetr\u00e4ge von 2018 bis 2050 abzinsen und addieren. Aber welchen Diskontsatz soll man da nehmen? Wenn wir uns der \u201egoldenen Regel der Kapitalakkumulation\u201c bedienen, dann m\u00fcsste der Marktzinssatz dem Wirtschaftswachstum entsprechen. Wenn das wiederum dem Wachstum der Erwerbseinkommen gliche und wir keinen Grund s\u00e4hen, als Diskontsatz etwas Anderes zu nehmen als den Marktzinssatz, dann m\u00fcssten wir einen Diskontsatz von zwei Prozent ansetzen. Tun wir das, dann liegt der Barwert aller Fehlbetr\u00e4ge bis 2050 bei 1.529 Mrd. oder knapp 1,53 Bio. \u20ac. Doch d\u00fcrfte der Diskontsatz von zwei Prozent schon aus verschiedenen Gr\u00fcnden zu niedrig gew\u00e4hlt sein. Den Marktzinssatz k\u00f6nnen wir als Alternative schon deshalb nicht nehmen, weil er im Moment noch einmal niedriger liegt. Wollten wir dagegen eine Realkapitalrendite zugrunde legen, dann m\u00fcssten wir einen deutlich h\u00f6heren Satz w\u00e4hlen. Nehmen wir also einmal 5 Prozent. Dann betr\u00e4gt unser Fehlbetrag 851 Mrd. \u20ac. Bleiben wir also dabei.<\/p>\n<p>Sollte es also m\u00f6glich sein, einen Betrag in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung von den Reichen und Superreichen zu den Rentnern umzuverteilen, dann k\u00f6nnten wir das durchschnittliche Rentenniveau von 850 \u20ac pro Altersrentner bis 2050 halten, ohne dass die Beitragszahler auch nur einen Cent mehr einzahlen m\u00fcssten. Mehr geht allerdings nicht. Denn die Grundrente, die M\u00fctterrente II, die Renten, die nicht Altersrenten sind, sowie weitere Kostentreiber der j\u00fcngsten Rentenreformen haben wir noch nicht ber\u00fccksichtigt; ganz zu schweigen von den Demographieproblemen der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie der allgemein als v\u00f6llig unzureichend befundenen Pflegeversicherung und schlie\u00dflich auch deren Demographieanf\u00e4lligkeit. Rechnen wir f\u00fcr alle diese Dinge noch einmal einen Pauschalbetrag von anf\u00e4nglich 400 \u20ac pro Rentner hinzu. Damit w\u00e4re dann praktisch alles einmal abgegolten, was es an demographierelevanten Ausgaben der Sozialversicherungen f\u00fcr Rentner k\u00fcnftig geben wird, womit jeder Rentner zwischen 2018 und 2050 versorgt w\u00e4re \u2013 allerdings auch keine weiteren Anspr\u00fcche mehr h\u00e4tte. Dann kommen wir zu einem barwertigen Fehlbetrag von rund 3 Bio. \u20ac, den es auszugleichen gilt.<\/p>\n<p>Kann uns das gelingen? Nach der optimistischsten Variante der j\u00fcngsten DIW-Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Verm\u00f6gensverteilung<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> in Deutschland betrug das Nettoverm\u00f6gen der Deutschen Haushalte im Jahre 2014 knapp 9,5 Bio. \u20ac, also etwas mehr als das Dreifache dessen, was wir brauchen; allerdings bereits mehr als das Achtfache des Gesamtverm\u00f6gens der 200 reichsten Familien Deutschlands, gemessen an der Liste des Manager-Magazins, nach der jede dieser Familien im Durchschnitt ein Verm\u00f6gen von 1,91 Mrd. \u20ac hat,<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> was sich zu 382 Mrd. \u20ac summiert. Allein damit kommen wir also nicht hin. Nehmen wir stattdessen das oberste Verm\u00f6gensdezil, also die reichsten zehn Prozent aller Haushalte, dann kommen wir nach der DIW-Studie auf 6 Bio. \u20ac, so dass allein die H\u00e4lfte davon schon ausreichen w\u00fcrde. Das oberste Verm\u00f6gensdezil umfasst rund 4,1 Mio. Haushalte, so dass jeder von ihnen im Durchschnitt ein Verm\u00f6gen von 1,47 Mio. \u20ac hat. Das ist nat\u00fcrlich nicht wenig. Andererseits: So viel, dass wir sie als Superreiche bezeichnen m\u00fcssten, ist es nun auch wieder nicht. Nat\u00fcrlich kann man sehr zurecht einwenden, dass es innerhalb dieser Gruppe Haushalte mit deutlich mehr als das gibt, zum Beispiel die Superreichen aus der 200er Liste des Manager-Magazins, die ja auch dazu geh\u00f6ren. Aber daf\u00fcr gibt es auch andere, die immer noch zu den reichsten zehn Prozent geh\u00f6ren und doch deutlich weniger haben als 1,47 Mio. \u20ac. F\u00fcr diejenigen, die im unteren Bereich des obersten Verm\u00f6gensdezils liegen, wird in manchen Gegenden Deutschlands gerade noch ein Reihenhaus bleiben, wenn man ihnen die H\u00e4lfte ihres Verm\u00f6gens wegnimmt. Rein rechnerisch kann man das nat\u00fcrlich trotzdem machen. Klar ist nur, dass man damit l\u00e4ngst nicht mehr nur die Superbonzen trifft.<\/p>\n<p>Schrecken wir davor zur\u00fcck und bleiben bei den obersten f\u00fcnf Prozent der Einkommen, so kommen wir auf immerhin noch 4,8 Bio. \u20ac, die uns zur Verf\u00fcgung stehen. Dennoch m\u00fcssten wir ihnen schon knapp zwei Drittel wegnehmen, damit wir die 3 Bio. \u20ac zusammenbekommen, die wir brauchen. In dieser Gruppe h\u00e4tte jeder Haushalt nach der DIW-Sch\u00e4tzung im Durchschnitt 2,36 Mio. \u20ac. Nehmen wir einem durchschnittlichen Mitglied dieser Gruppe zwei Drittel weg, dann bleiben einem solchen Haushalt noch 787.000 \u20ac. Haushalten unterhalb des Durchschnitts bliebe entsprechend weniger. \u00dcbrigens sind hier viele Selbstst\u00e4ndige und Freiberufler dabei, die keine Gesetzliche Rente beziehen werden und daher ganz allein auf ihr Verm\u00f6gen angewiesen sind. Bedenken wir, dass die 787.000 \u20ac unter den von uns getroffenen Annahmen in etwa dem Barwert der Pension eines Gymnasiallehrers entspricht. Die ist zwar zweifellos gro\u00dfz\u00fcgig, macht den Lehrer aber auch noch nicht zu einem Superreichen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten wir die Enteignungsquoten auch staffeln, keine Frage. Dann m\u00fcssten wir aber sehr z\u00fcgig zu sehr hohen Enteignungsquoten \u00fcbergehen, weil wir ja im Durchschnitt der oberen 5 Prozent schon eine Quote von zwei Dritteln brauchen. Kann man aber alles machen, rein rechnerisch.<\/p>\n<p>Halten wir also fest: Erstens stimmt es, dass das Nettohaushaltsverm\u00f6gen der Deutschen hinreichen w\u00fcrde, um die anstehenden L\u00f6cher zu stopfen, die das demographische Problem rei\u00dft. Zweitens aber m\u00fcsste man doch ziemlich drastisch zugreifen, um dieses Verm\u00f6gen zu diesem Zweck nutzbar zu machen. Dabei gilt: Je h\u00f6her das Verm\u00f6gen ist, ab dem wir ansetzen, desto drastischer muss man enteignen. Und je niedriger man ansetzt, desto st\u00e4rker greift man Verm\u00f6gen an, die so dramatisch hoch gar nicht sind. Was man damit an Anreizproblemen f\u00fcr diejenigen schafft, die sich f\u00fcr die Zukunft daranmachen, ein Verm\u00f6gen aufzubauen, haben wir dabei noch nicht einmal in Erw\u00e4gung gezogen; und was unsere Verfassung dazu sagt, auch nicht. Wir haben nur ein bisschen gerechnet.<\/p>\n<p>Aber abgesehen davon k\u00f6nnen wir feststellen, dass es wohl reichen w\u00fcrde. Genau genommen funktioniert die Enteignung der Verm\u00f6genden sogar pr\u00e4zise so wie eine private Altersvorsorge nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Wir erinnern uns: Bei der privaten Altersvorsorge verzichtet ein junger Mensch \u00fcber Jahrzehnte auf den Konsum eines bestimmten Teils seines Einkommens. Mit diesem Verzicht bildet er jenes Verm\u00f6gen, von dem er dann im Alter lebt. Bei der Enteignung der Reichen geht das ganz \u00e4hnlich, abgesehen davon, dass wir zun\u00e4chst zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern unterscheiden m\u00fcssen. Tun wir das, dann k\u00f6nnen wir das folgende Szenario entwerfen: Die Ausgebeuteten werden \u00fcber Jahrzehnte zum Verzicht auf einen Teil des ihnen eigentlich zustehenden Lohns gezwungen \u2013 den Marx\u2019schen Mehrwert, wie Eingeweihte wissen. Mit diesem Verzicht bilden die Ausbeuter ein Verm\u00f6gen, und von diesem Verm\u00f6gen leben dann die Ausgebeuteten im Alter; freilich erst, nachdem sie die Ausbeuter enteignet haben. Die Systeme funktionieren also auf exakt die gleiche Weise. So gesehen ist die Marx\u2019sche \u201eExpropriation der Expropriateure\u201c nichts Anderes als die in die Begrifflichkeit des historischen Materialismus \u00fcbersetzte Version einer Kapitallebensversicherung. Wer h\u00e4tte das gedacht?<\/p>\n<p>Wenn das aber stimmt, dann stimmt auch das Folgende: Sofern die Mackenroth-These ein \u00fcberzeugender Einwand gegen die private Altersvorsorge ist, wie es unser erboster E-Mail-Autor von den LINKEN nahelegt, dann gilt sie auch f\u00fcr die \u201eExpropriation der Expropriateure\u201c. So ein \u00c4rger. Aber wor\u00fcber \u00e4rgern wir uns? Gerhard Mackenroth wollte mit seiner These sagen, dass es nicht hilft, Verm\u00f6gen aufzubauen, um damit Renten zu finanzieren, wenn zugleich die Bev\u00f6lkerung schrumpft. Und warum? Na, weil doch jeder Sozialaufwand eines Jahres aus dem Volkseinkommen desselben Jahres getragen werden muss und weil daher f\u00fcr das real konsumierbare Einkommen der laufend produzierte G\u00fcterstrom z\u00e4hlt und nicht der Bestand an Verm\u00f6genswerten. Was aber bedeutet das praktisch? Nun: Das Verm\u00f6gen der Reichen liegt nicht auf irgendwelchen Girokonten und kann daher nicht einfach auf das Konto von Rentnern \u00fcberwiesen werden. Vielmehr besteht es \u2013 etwas klischeehaft ausgedr\u00fcckt \u2013 aus Villen und sonstigen Immobilien, Jachten, Lear-Jets, schnellen Autos mit vielen Zylindern sowie aus zahlreichen anderen Dingen mehr; und nat\u00fcrlich aus Wertpapieren aller Art. Wie macht man daraus Altersrenten?<\/p>\n<p>Nehmen wir wie Gerhard Mackenroth einmal an, wir lebten alle in einer geschlossenen Volkswirtschaft. Eine ziemlich drastische M\u00f6glichkeit w\u00e4re nun, das gesamte Verm\u00f6gen zu konfiszieren, um es zu verkaufen und den Erl\u00f6s sodann an die Rentner auszuzahlen. Das w\u00e4ren in unserem Beispiel laut DIW Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde und Wertpapiere im Wert von knapp 9,5 Bio. \u20ac. Haben wir das alles einmal enteignet, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer soll das kaufen? Und wovon, nachdem wir doch die 9,5 Bio. \u20ac eingezogen hatten? Das geht also nicht. Was aber geht, ist dies: Wir k\u00f6nnten einfach 9,5 Bio. \u20ac drucken und es auf das Konto der Rentner \u00fcberweisen. Die k\u00f6nnten davon nun die Jachten und Villen vom Staat kaufen, der sie zuvor enteignet hatte. Kann man machen, kein Problem. Aber die meisten Rentner br\u00e4uchten ja gar keine Jacht und keine Villa, sondern im Wesentlichen Lebensmittel und andere Dinge des t\u00e4glichen Bedarfs. Nur: Wo sollten die auf einmal herkommen, wenn sie nicht auch ohne die enteigneten Villen und Jachten schon da gewesen w\u00e4ren? Wenn sie umgekehrt auch ohne die enteigneten Villen und Jachten schon da gewesen w\u00e4ren, und wenn wir die 9,5 Bio. \u20ac ohnehin drucken k\u00f6nnen, wozu soll es dann \u00fcberhaupt gut sein, die Villen und Jachten zu konfiszieren? Aus Prinzip, k\u00f6nnten wir verlangen, aber wem hilft das?<\/p>\n<p>Mit dieser Frage haben wir abschlie\u00dfend alles beisammen, was die Problematik der Mackenroth-These ausmacht, \u00fcber die nachzudenken uns der Schatzmeister der lokalen LINKEN so vehement angeraten hatte; und zwar in der folgenden Form: Die Dinge, die die Leute brauchen, sind nicht die Villen und Jachten, sondern es sind Dinge, die \u201eaus dem laufenden Volkseinkommen\u201c st\u00e4ndig neu erzeugt werden m\u00fcssen. Was n\u00fctzt es aber, die Villen und Jachten zu konfiszieren, wenn aus demographischen Gr\u00fcnden keiner mehr da ist, der jene Dinge produziert, die die Rentner brauchen?<\/p>\n<p>Richtig, es n\u00fctzt nichts. Allerdings nur so lange, wie die Mackenroth-These wahr und bedeutsam ist. Gl\u00fccklicherweise ist sie zwar immer wahr, aber nicht immer bedeutsam. Denn eine Volkswirtschaft in der Realit\u00e4t einer bedeutsamen Welt ist nicht geschlossen, wie es die Mackenroth-These annimmt. In der f\u00fcr die Realit\u00e4t bedeutsamen Welt kann man das Eigentumsrecht an einer Villa oder einer Jacht nach China oder in die USA oder wohin auch immer verkaufen. Daf\u00fcr bekommt man dann internationales Geld, also Devisen; und f\u00fcr die kann man dies und das importieren, was man zum t\u00e4glichen Leben so braucht. Ist das also alles Quatsch mit der Mackenroth-These? Nicht ganz, denn erstens kann man l\u00e4ngst nicht alles importieren, vor allem ausgerechnet viele jener Dienstleistungen nicht, auf die \u00c4ltere besonders angewiesen sind. Und zweitens h\u00e4tte es R\u00fcckwirkungen auf den Marktwert der Verm\u00f6gensg\u00fcter, wenn ein Land Verm\u00f6gen im Werte von mehreren tausend Milliarden Euro am Weltmarkt zu verkaufen versuchte. Und schlie\u00dflich: 2050 ist nicht das Ende der Welt. Jedenfalls wollen wir das doch hoffen. Danach gibt es die demographischen Probleme aber immer noch; das Verm\u00f6gen ist aber irgendwann alle.<\/p>\n<p>Also ist das mit dem Konfiszieren eine ebenso radikale wie unsinnige L\u00f6sung. Dass sie schon verfassungsrechtlich nicht zul\u00e4ssig ist, mag ein Freund der Linkspartei \u201elegalistisch\u201c finden und sei deshalb nur am Rande vermerkt. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re es nat\u00fcrlich, das Verm\u00f6gen nicht zu enteignen, sondern seine Ertr\u00e4ge zu besteuern. Das h\u00e4tte den Vorteil, dass man es nicht verkaufen muss und dass es in einem gewissen Rahmen auch vereinbar mit der Verfassung und sogar mit marktwirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen ist. Allerdings tun wir das l\u00e4ngst. Zumindest grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es also nichts Neues. Wenn wir beispielsweise ein Verm\u00f6gen von einer Mio. \u20ac nicht zur H\u00e4lfte einfach konfiszieren wollen, und wenn dieses Verm\u00f6gen einen Ertrag von 10 Prozent br\u00e4chte, dann br\u00e4chte eine Steuer von 50 Prozent j\u00e4hrliche Einnahmen von 50 Tsd. \u20ac, die wir f\u00fcr die Rentenkasse verwenden k\u00f6nnten. Auf die ganz lange Sicht haben die 50 Tsd. \u20ac bei einem Ertragssatz von 10 Prozent wiederum einen Barwert von einer halben Mio. \u20ac, so dass die Steuer exakt einer Enteignung von 50 Prozent des Verm\u00f6gens entspricht. Das wir damit allein schon bei den oberen zehn Prozent der verm\u00f6gensreichen Haushalte ungef\u00e4hr hinkommen, hatten wir schon gesagt.<\/p>\n<p>Aber wie gesagt werden solche Ertr\u00e4ge bereits besteuert. Man mag es ja mit dem LINKEN-Schatzmeister beklagen, dass sie zu wenig besteuert w\u00fcrden; und dass sich vor allem auch nicht ganz wenige einer Besteuerung g\u00e4nzlich entziehen. Dar\u00fcber kann man ja reden \u2013 und streiten. Aber die 50 Prozent, von denen hier die Rede ist, kommen auf jeden Fall noch hinzu zu dem, was im Durchschnitt auch jetzt schon gezahlt wird. Und wenn das dann alles wirklich eingefordert wird, dann kommen wir doch leicht wieder in einen Bereich, der konfiskatorisch wirkt \u2013 und zwar nicht nur bei den Superreichen, sondern auch bei solchen Haushalten, die so schrecklich viel dann auch wieder nicht haben. Die werden wir n\u00e4mlich alle mit einbeziehen m\u00fcssen, damit es \u00fcberhaupt passt. Und wie gesagt, finanzieren nicht wenige allein daraus ihre eigene Altersvorsorge.<\/p>\n<p>Gar so einfach liegen die Dinge mit der Einbeziehung der Reichen und Superreichen also doch nicht. Man muss kein Lobbyist im Dienste der Kapitaleigner sein, um das zu sehen. Es hilft aber vielleicht, ein Populist sein, wenn man es nicht sehen will.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Bach, S.; A. Thiemann; A. Zucco (2018), Looking for the Missing Rich: Tracing the Top tail of the Wealth Distribution, Berlin: Deutsches Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung, S. 21.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Ebenda, S. 8.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich war der Schatzmeister eines Ortsverbands der Partei DIE LINKE von einem Interview des WDR-Fernsehens derart aufgebracht, dass er eine erboste E-Mail an die Redaktion &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22332\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eSuperreiche, Demographie und Rente\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":22335,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,25,1900],"tags":[1717,173,560,2744,913],"class_list":["post-22332","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-demographisches","category-distributives","category-rentenpolitisches","tag-apolte","tag-demographie","tag-rentenversicherung","tag-superreiche","tag-vermogensverteilung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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