{"id":22779,"date":"2018-05-09T00:01:55","date_gmt":"2018-05-08T23:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22779"},"modified":"2018-05-09T07:10:34","modified_gmt":"2018-05-09T06:10:34","slug":"robust-ist-nicht-immun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22779","title":{"rendered":"Robust ist nicht immun<br\/><font size=3; color=grey>Risiken f\u00fcr den wirtschaftlichen Aufschwung<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Anfang 2013 in einem robusten Aufschwung. Durch ein st\u00e4rkeres Anspringen der Ausr\u00fcstungsinvestitionen hat sich die bislang vorwiegend vom privaten und \u00f6ffentlichen Konsum sowie von den Bauinvestitionen getragene Aufw\u00e4rtsbewegung im vergangenen Jahr weiter verbreitert. Diese breite binnenwirtschaftliche Fundierung des Aufschwungs st\u00e4rkt derzeit die Resilienz gegen eine Reihe von sich abzeichnenden konkreten und relevanten Risiken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie im Jahr 2017 st\u00fctzt auch weiterhin eine h\u00f6here Dynamik der weltwirtschaftlichen Entwicklung die deutschen Exporte. Weltwirtschaft und Welthandel wachsen seit dem vergangenen Jahr wieder etwas st\u00e4rker als in der Phase zwischen 2012 und 2016. Getragen wird diese h\u00f6here Dynamik gleicherma\u00dfen von den Industrie- und Schwellenl\u00e4ndern. Damit einher geht auch eine wieder kr\u00e4ftiger werdende globale Investitionst\u00e4tigkeit. Teilweise stehen dahinter allerdings staatliche Fiskalprogramme, deren Nachhaltigkeit sich mittelfristig erst noch erweisen muss.<\/p>\n<p>Aller Voraussicht nach bleibt die wirtschaftliche Dynamik auch im n\u00e4chsten Jahr hoch und die deutsche Wirtschaft wird \u2013 nach gut 2 Prozent in 2018 \u2013 nochmals um rund 2 Prozent zulegen. Eine konjunkturelle Wende ist gem\u00e4\u00df der Fr\u00fchjahresprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft derzeit nicht in Sicht. Im Basisszenario kommt es nur zu eng begrenzten Auswirkungen der aktuellen protektionistischen Ma\u00dfnahmen auf die deutsche Wirtschaft. Die Sorgen vor einem Handelskrieg gehen aber auch im Basisszenario nicht spurlos an der Konjunktur vorbei, sie wirken sich leicht d\u00e4mpfend auf das Investitionsklima und die in Gang kommende Investitionsdynamik aus. Der gegenw\u00e4rtige Protektionismus hat Opportunit\u00e4tskosten. Es wird in der aktuellen Fr\u00fchjahrsprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft davon ausgegangen, dass sich konkrete und relevante Risiken f\u00fcr die globale und deutsche Wirtschaftsentwicklung im Prognosezeitraum nicht materialisieren. Diese Risiken bestehen aber gleichwohl:<\/p>\n<ol>\n<li>Der <strong>Protektionismus<\/strong> des US-Pr\u00e4sidenten hat das Potenzial, einen Handelskrieg auszul\u00f6sen und die Rolle der WTO als H\u00fcterin der Welthandelsregeln zu untergraben. Die Europ\u00e4ische Union und auch andere Staaten k\u00f6nnen Vergeltungsma\u00dfnahmen gegen US-Strafz\u00f6lle auf Stahl und Aluminium ergreifen. In Reaktion darauf hat Donald Trump angek\u00fcndigt, h\u00f6here Z\u00f6lle auch auf die Einfuhr von Autos aus der EU zu erheben. Noch mehr droht im Handel der USA mit China eine protektionistische Eskalation. Das Szenario eines Handelskrieges ist damit sowohl greifbar als auch potenziell gravierend in seinen wirtschaftlichen Folgewirkungen.<\/li>\n<li>Es kann im Zuge einer schnelleren und st\u00e4rkeren Zinswende zu erneuten <strong>Bankenkrisen<\/strong> Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) wird zwar erst fr\u00fchestens im Jahr 2019 beginnen, die sehr niedrigen kurzfristigen Zinsen zu erh\u00f6hen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Finanzm\u00e4rkte die langfristigen Marktzinsen schneller in die H\u00f6he treiben, als von der EZB erw\u00fcnscht. Verschiedene Ursachen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren: Es mag der EZB nicht gelingen, die Zinswende ad\u00e4quat zu kommunizieren. Die Wirtschaftsdynamik im Euroraum k\u00f6nnte sich so stark verbessern, dass schneller als gedacht die Inflationsraten stark ansteigen. Die absehbaren Zinsanstiege in den USA f\u00fchren \u00fcber Arbitrage-Effekte zu h\u00f6heren Marktzinsen im Euroraum. Eine \u00dcberreaktion der Finanzm\u00e4rkte (zum Beispiel ausgel\u00f6ste durch eine Verkaufswelle am Anleihenmarkt) mag den Zinsanstieg noch weiter versch\u00e4rfen. In einer solchen Situation drohen Solvenzprobleme f\u00fcr Banken und andere Finanzmarktakteure, die sich kurzfristig finanzieren, aber langfristige Kredite zu sehr niedrigen Zinsen vergeben haben. Dieses Risiko betrifft in Deutschland auch kleinere Banken. Auch andere Assetpreise k\u00f6nnten unter Druck geraten. Die gesamtwirtschaftliche Investitionst\u00e4tigkeit w\u00fcrde dadurch in Mitleidenschaft gezogen.<\/li>\n<li>Es kann zu einer neuen <strong>Schuldenkrise in Italien<\/strong> kommen, die die dortige Wirtschaft in eine tiefe Krise st\u00fcrzt und auch die \u00f6konomische Entwicklung im Euroraum bremst. Ein solcher Fall k\u00f6nnte eintreten, falls die Zinsen rascher steigen als erwartet, eine populistisch orientierte Regierung die gro\u00dfz\u00fcgigen Wahlversprechen realisiert und deutlich gegen die europ\u00e4ischen Fiskalregeln verst\u00f6\u00dft. Mit einer Staatsverschuldung von rund 130 Prozent des BIP ist Italien anf\u00e4llig f\u00fcr eine Schuldenkrise. Versch\u00e4rfend d\u00fcrfte bei einer Eskalation wirken, dass die neu geschaffenen Krisenmechanismen im Euroraum mit der Gr\u00f6\u00dfe Italien \u00fcberfordert w\u00e4ren. Dies w\u00e4re relevant f\u00fcr die deutsche Wirtschaft, da Italien mit gut 5 Prozent der sechstwichtigste Exportpartner im Warenhandel ist.<\/li>\n<li>Auch die zunehmende private und staatliche <strong>Verschuldung in China<\/strong> birgt das Risiko einer Finanz- und Wirtschaftskrise. Aufgrund der gro\u00dfen Relevanz Chinas f\u00fcr die weltwirtschaftliche Entwicklung und f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenhandel (Warenexportanteil. 6,7 Prozent) w\u00fcrde eine Realisierung dieses schwer kalkulierbaren Risikos nennenswerte R\u00fcckwirkungen auf die deutsche Konjunktur haben.<\/li>\n<li>Derzeit weniger wahrscheinlich erscheint ein <strong>Scheitern der Brexit-Verhandlungen<\/strong>. Ein No-Deal-Szenario ist aber angesichts der Unstimmigkeiten innerhalb der britischen Regierung auch nicht auszuschlie\u00dfen. Im Fall eines ungeregelten Austritts ohne \u00dcbergangsphase und Abkommen \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten K\u00f6nigreich drohen vor\u00fcbergehend chaotische Verh\u00e4ltnisse im bilateralen Handel, weil ein rechtliches Vakuum entstehen w\u00fcrde. Zudem d\u00fcrfte es zu einer weiteren deutlichen Abwertung des britischen Pfund gegen\u00fcber dem Euro kommen, was die deutschen Warenexporte erneut belasten w\u00fcrde. Nach der Etablierung verl\u00e4sslicher neuer Handelsregeln k\u00e4me es schon im Jahr 2019 zu h\u00f6heren Handelskosten, weil Zollabwicklungsverfahren, Z\u00f6lle und nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse relevant w\u00fcrden. Sollte sich dieses Risiko realisieren, w\u00e4re es relevant f\u00fcr die deutsche Wirtschaft, da das UK der f\u00fcnftwichtigste Exportpartner im Warenhandel ist und im vergangenen Jahr 6,6 Prozent der deutschen Warenexporte dort abgesetzt wurden. Im Zuge eines No-Deal-Szenarios beim Brexit \u2013 und in Kombination mit einer Schuldenkrise in Italien \u2013 k\u00f6nnten neben den erw\u00e4hnten direkten realwirtschaftlichen Effekten auch Finanzmarktturbulenzen entstehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die j\u00fcngere Vergangenheit hat zwar gezeigt, dass der anhaltende Aufschwung in Deutschland relativ resistent gegen zahlreiche durchaus nennenswerte Risiken im Umfeld war. Auch ein Gew\u00f6hnungseffekt mag bei den Unternehmen eine Rolle spielen, wenn sich Risiken letztlich doch nicht realisieren oder ihre Effekte nur begrenzt bleiben. Gleichwohl sind einige der aufgezeigten Risiken konkret und sie k\u00f6nnen auch relevante Wirkungen entfalten. Das gr\u00f6\u00dfte Risiko besteht im Protektionismus der Trump-Administration. Zudem kann dieses Risiko zum Brandbeschleuniger f\u00fcr einige der anderen aufgef\u00fchrten Gefahrenherde werden. Eine versch\u00e4rfte Gangart gegen\u00fcber China kann dort zu einem Ausbruch einer Finanzkrise und zu einem Wachstumseinbruch f\u00fchren, der sich auch durch staatliche Eingriffe nur teilweise abfedern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Neben dem angedrohten Protektionismus kann auch die avisierte expansive Fiskalpolitik in den USA zu einer Versch\u00e4rfung der globalen Risikolage beitragen. Gem\u00e4\u00df Consensus Forecast wird die Kombination von Steuersenkungen und Ausgabensteigerungen zu einem starken Anstieg des Defizits des US-Bundeshaushaltes auf mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar f\u00fchren. Eine solche Gr\u00f6\u00dfenordnung wurde im historischen Kontext nur im Gefolge der Finanzmarktkrise von vor einer Dekade erreicht. Das entspricht rund 5 Prozent des BIP. Zum einen k\u00f6nnen diese expansiven Fiskalimpulse eine konjunkturelle \u00dcberhitzung provozieren \u2013 mit dann h\u00f6heren Inflationserwartungen und st\u00e4rker ansteigenden l\u00e4ngerfristigen Marktzinsen. Angesichts der insgesamt regen Investitionst\u00e4tigkeit ist auch ein Crowding out von privaten Investitionen denkbar. Ein deutlicher Zinsanstieg in den USA kann wie erl\u00e4utert \u00fcber Arbitrage-Effekte auch im Euroraum zu st\u00e4rker steigenden l\u00e4ngerfristigen Marktzinsen f\u00fchren. Dies st\u00e4rkt die Gefahren von Bankenproblemen in Europa und vor einem Wiederaufflammen der Staatsschuldenkrise. Vor allem aber muss die USA zur Finanzierung des \u00f6ffentlichen Haushaltsdefizits auf Kapital aus anderen L\u00e4ndern zur\u00fcckgreifen. Der hohe Bedarf an Kapitalimporten treibt den US-Kapitalbilanz\u00fcberschuss in die H\u00f6he \u2013 und spiegelbildlich das US-Leistungsbilanzdefizit. Die Fiskalpolitik der US-Administration n\u00e4hrt damit ihren eigenen Protektionismus.<\/p>\n<p>Was hie\u00dfe das f\u00fcr die deutsche Wirtschaft? Der \u00dcbertragungsweg w\u00e4re eine Verschlechterung der Aussichten f\u00fcr Exporte und Ausr\u00fcstungsinvestitionen. Die Investitionen w\u00fcrden dar\u00fcber hinaus durch Bankenprobleme und eine damit verbundene Einschr\u00e4nkung der Kreditverf\u00fcgbarkeit gemindert wie durch eine allgemein h\u00f6here Unsicherheit, die mit krisenhaften Entwicklungen an den Finanzm\u00e4rkten einherginge. Die wirtschaftliche Dynamik in Europa w\u00fcrde nachlassen. Alles in allem sackt dann die BIP-Wachstumsrate f\u00fcr 2019 in Deutschland um bis zu einen Prozentpunkt ab. Ohne Dynamik ginge es dann weiter in das Jahr 2020.<\/p>\n<p><strong>Quelle:<\/strong><\/p>\n<p>IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2018, Hohe Zuversicht der Unternehmen \u2013 hohe Risiken durch Protektionismus. IW-Konjunkturprognose Fr\u00fchjahr 2018, in: IW-Trends. Online-Sonderausgabe Nr. 1.2018.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Anfang 2013 in einem robusten Aufschwung. 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