{"id":23008,"date":"2018-05-30T09:44:16","date_gmt":"2018-05-30T08:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23008"},"modified":"2018-11-21T17:22:37","modified_gmt":"2018-11-21T16:22:37","slug":"200-jahre-karl-marx-3manchesterkapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23008","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>200 Jahre Karl Marx (3)<\/font><br\/>Manchesterkapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Der historische Kern des Kommunismus (\u00e0\u00a0 la Marx)<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Apolte hat j\u00fcngst in diesem Blog einen brillanten Kommentar zu den Huldigungswellen geschrieben, die sich anl\u00e4sslich des 200. Geburtstag von Karl Marx posthum \u00fcber den deutschen Stammvater des Kommunismus ergie\u00dfen (vgl. <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22984\">hier<\/a>). Selbst er hat aber die Motive f\u00fcr sozialistische\/kommunistische Weltanschauungen (jenseits von Marx, aber das spielt f\u00fcr das hier Folgende keine Rolle) im 19. Jahrhundert offensichtlich zustimmend so beschrieben:<\/p>\n<p><em>\u201eSie alle einte die Abscheu gegen\u00fcber dem Elend der Arbeiter, deren Lebens- und Arbeitsverh\u00e4ltnissen, gegen\u00fcber deren Gesundheitszustand und deren Lebenserwartung, und gegen\u00fcber der r\u00fccksichtslosen Ausbeutung von Kinderarbeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese Sicht wird seit langem zumeist f\u00fcr kapitalismuskritische Thesen unter der \u00dcberschrift \u201eManchesterkapitalismus\u201c in Diskussionen eingebracht und so wenig in Frage gestellt, dass man ihre Richtigkeit schon beinahe als Allgemeingut ansehen muss. Nun waren unbeschadet der folgenden Zeilen die Verh\u00e4ltnisse vieler Menschen zur Zeit der ersten industriellen Revolution in England in England geradezu unbeschreiblich schlecht \u2013 wenn man die heutigen Verh\u00e4ltnisse in den Industrienationen als Vergleichsma\u00dfstab heranzieht. F\u00fcr eine n\u00fcchterne Analyse, sofern eine solche bei diesem Thema in der \u00d6ffentlichkeit derzeit \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, erscheint indessen der Blick auf die damaligen Verh\u00e4ltnisse geboten bzw. die Frage, ob der Industriekapitalismus in England tats\u00e4chlich zu einer Verelendung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung f\u00fchrte und damit der Abscheu so mancher Zeitgenossen nicht nur aus heutiger Sicht \u00fcberaus nachvollziehbar, sondern auch grunds\u00e4tzlich wohlbegr\u00fcndet war.<\/p>\n<p>Dass die Datenlage bei auch nur etwas genauerem Hinsehen nicht so eindeutig ist, zeigen mitunter selbst ansonsten dem Mainstream verhaftete zeitgen\u00f6ssische Kurz\u00fcberblicke wie etwa bei Wikipedia (https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manchesterkapitalismus):<\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em>Die Lebensverh\u00e4ltnisse der Arbeiter waren nicht konstant schlecht. Im Durchschnitt stieg der Wohlstand zwischen 1750 und 1914 an, beispielsweise hatte die Sterblichkeit in England 1740 einen Wert von 38,4 pro Tausend, bis zum Jahr 1800 sank sie auf 27,1 pro Tausend, w\u00e4hrend das Durchschnittseinkommen wuchs.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ok, geht da gegebenenfalls noch mehr?<\/p>\n<p><strong>2. Friedrich Engels versus Bruno Hildebrand<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Apoltes beschriebene (Nicht)W\u00fcrdigung des Manchesterkapitalismus, mag auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass der entscheidende literarische Niederschlag in diesem Bereich nicht von Karl Marx selbst, sondern von dessen Freund, F\u00f6rderer, Koautor etc. Friedrich Engels stammt. Der hatte \u2013 wiederum unbeschadet von Vor-, Gleich- oder\/und Nachl\u00e4ufern \u2013 mit seinem Buch \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Lage_der_arbeitenden_Klasse_in_England\">Die Lage der arbeitenden Klasse in England<\/a>\u201c\u009d 1845 den Klassiker auf diesem Gebiet schlechthin geschrieben.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Diese Schrift ist bis heute im Umlauf und erfreut sich einer persistenten und mit dem Marx-Jubil\u00e4um nochmals steigenden Nachfrage.<\/p>\n<p>Weniger bekannt ist dagegen eine Fundamentalopposition von Bruno Hildebrand, einem der Gr\u00fcnder der historischen Schule der Volkswirtschaftslehre. Dieser hatte bereits 1848 seine Sicht der Dinge im Rahmen seines Werks \u201eDie National\u00f6konomie der Gegenwart und Zukunft\u201c dargelegt und dabei die damaligen M\u00f6glichkeiten \u00f6ffentlicher Statistik in bemerkenswerter Weise verwendet.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Hildebrand sah die \u201edurchgreifenden M\u00e4ngel\u201c von Engels Buch bzw. von dessen Vorgehen<\/p>\n<p>\u201e1. In den falschen allgemeinen historischen und statistischen Voraussetzungen, von denen er bei Beurteilung der Zust\u00e4nde der Gegenwart ausgeht,<\/p>\n<p>2. in den vielen Auslassungen wesentlicher faktischer Verh\u00e4ltnisse und der damit verbundenen Generalisierung einzelner Tatsachen, endlich<\/p>\n<p>3. in den Trugschl\u00fcssen, welche er aus den Faktis gezogen hat.\u201c (S. 171 f.)<\/p>\n<p>und begann seine Auseinandersetzung mit einem aus Sicht des von Engels adressierten Landes \u00fcberaus naheliegendem Vergleich:<\/p>\n<p>\u201eSchon das einfache Faktum, da\u00df das Ackerbauproletariat in Irland, wo eine gro\u00dfe Fabrikindustrie nicht existiert, notorisch ungleich gr\u00f6\u00dferem Elend preisgegeben ist als jede Gattung von Proletariern in England, und da\u00df die Auswanderung aus Irland notorisch bei weitem st\u00e4rker ist als aus irgendeinem anderen Teile Gro\u00dfbritanniens, h\u00e4tte Bedenken erregen m\u00fcssen, das englische Proletariat lediglich der technischen Industrie zuzuschreiben und die blo\u00df ackerbauende und handwerktreibende Bev\u00f6lkerung fr\u00fcherer Jahrhunderte gl\u00fccklicher zu preisen.\u201c (S. 172 f., m.w.N.)<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Nun war diese Argumentation f\u00fcr ein auf Deutsch von einem Deutschen und tendenziell f\u00fcr Deutsche geschriebenes Buch damals noch kein besonders leserattrahierendes Ph\u00e4nomen. Deshalb fuhr er einige Seiten darauf in einem Vergleich mit der kurhessischen Provinz Oberhessen fort<\/p>\n<p>\u201e\u2026 in teuren Zeiten, wie im Winter 1846 bis 1847, erreichte die Not eine H\u00f6he, die in den Schilderungen der irischen Armut Epoche machen w\u00fcrde. \u2026 In anderen kurhessischen Gegenden, welche keine Fabriken besitzen, war die Not nicht geringer. In Schmalkalden, Schl\u00fcchtern, Fulda und H\u00fcnfeld schlug man die Zahl der v\u00f6llig Verarmten auf ein Drittel der Bev\u00f6lkerung an \u2026\u201c (S. 183 f., m.w.N.)<\/p>\n<p>und kam sp\u00e4ter zu den bereits oben angesprochenen M\u00f6glichkeiten der damaligen Statistik:<\/p>\n<p>\u201eMit dem Beginn des Friedens im Jahre 1815 stand der Tagelohn in England auf 2 Schill., und seither ist er, wenn man von den einzelnen Handelskrisen absieht, durchschnittlich auf 3 Schill. gestiegen, w\u00e4hrend umgekehrt der Fruchtpreis ist fast stetiger Progression gefallen ist und im letzten Dezennium von 1835 bis 1845 durchschnittlich 57 Schill. 6 P. pro Quarter Weizen betrug. Hiernach verdient gegenw\u00e4rtig der englische Arbeiter bei dem niedrigsten Lohnsatz von 2 Schill. In 28\u00c2\u00be Tagen und bei einem gew\u00f6hnlichen Lohnsatz von 3 Schill. Pro Tag in 19 Tagen, also durchschnittlich wenigstens in 24 Tagen einen Quarter Weizen und man kann mit Bestimmtheit annehmen, da\u00df der Arbeitslohn in England seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts im Durchschnitt auf das Doppelte gestiegen ist.\u201c (S. 189, m.w.N.)<\/p>\n<p>Von alledem h\u00f6rt man heute so gut wie nichts mehr, wenn in der \u00d6ffentlichkeit von \u201eManchesterkapitalismus\u201c die Rede ist \u2013 halten diese Befunde neueren Erkenntnissen etwa nicht mehr stand?<\/p>\n<p><strong>3. Das \u201ever\u00e4nderte Schlachtfeld\u201c in der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wurde ein so publizit\u00e4tstr\u00e4chtiges Feld wie der Manchesterkapitalismus in der Folge immer wieder erforscht. Bedauerlicherweise \u00fcberschritten dabei weniger zeitgeistkonforme Befunde kaum die eher engen Grenzen des Fachpublikums und blieben entsprechend ohne nennenswerten Einfluss in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion, obwohl das erste historische Bild eines Raubtierkapitalismus bei W\u00fcrdigung dieser Befunde viele neue Pinselstriche braucht.<\/p>\n<p>Wie dieses Bild nach einer perfekten \u00dcberarbeitung aussieht, ist schon von daher unklar, als bereits die Abgrenzung des Manchesterkapitalismus umstritten ist. Liegt sein Beginn laut dem eingangs zitierten Wikipedia-Beitrag bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts, so findet man als Alternativen bspw. auch das Ende des amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskriegs und der napoleonischen Kriege, jeweils plus\/minus ein paar Jahre. Ein relativ stabiler Einstieg d\u00fcrfte der Wechsel vom 18. auf das 19. Jahrhundert darstellen, auch weil das Ende l\u00e4ngerer Kriegshandlungen nat\u00fcrlich eine statistisch g\u00fcnstige Basis f\u00fcr nachfolgende Verbesserungen bietet. Das Ende dieser Epoche wird regelm\u00e4\u00dfig um die Mitte des 19. Jahrhunderts datiert.<\/p>\n<p>All dies er\u00f6ffnet Spielr\u00e4ume in Deskription und Kommentierung, doch bleiben f\u00fcr Gegner der Verelendungsthese viele belastbare Befunde, von denen nunmehr einige angef\u00fchrt werden sollen. So haben nicht zuletzt die Wirtschaftshistoriker Peter H. Lindert und Jeffrey G. Williamson auf diesem Gebiet eine Reihe von wichtigen Forschungen ver\u00f6ffentlicht, wobei nachfolgend eine Konzentration auf ihren Beitrag \u201eEnglish Workers\u00c2\u00b4 Living Standards During the Industrial Revolution: A New Look\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Bezug genommen wird. Beispielsweise findet man dort eine langfristige Reallohnentwicklung auf S. 14 tabellarisch entwickelt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/knoll1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/knoll1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>So ganz Unrecht hatte Bruno Hildebrand mit seiner zitierten Berechnung also nicht, oder? \u201eMag schon sein\u201c, wird da mancher Verelendungsfanatiker sagen, \u201eaber Geld ist nicht alles und die Lebensumst\u00e4nde an sich waren damals einfach menschenunw\u00fcrdig!\u201c Unver\u00e4ndert klingt das aus unserer Perspektive sympathisch, aber ebenso unver\u00e4ndert ist das tertium comparationis nicht die sozio-\u00f6konomische Realit\u00e4t des Jahres 2018.<\/p>\n<p>Lindert\/Williamson haben sich daher um Relativierung ihrer Befunde bem\u00fcht \u2013 sowohl, was die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Reallohnentwicklung angeht, als auch hinsichtlich nicht (prim\u00e4r) pekuni\u00e4rer Aspekte. Die Ergebnisse findet man in ihrer Tabelle 7 auf S. 24.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/knoll2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/knoll2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Nun, da gibt es Einiges, aber es bleibt eine stabile Verbesserung des Lebensstandards w\u00e4hrend der Kapitalismus in Manchester und Umgebung seine viel geschm\u00e4hte \u201eh\u00e4ssliche Fratze\u201c zeigte:<\/p>\n<p>\u201eYet the results presented here suggest that nineteenth-century environmental influences on health \u2013 such as crowding, infection, and pollution \u2013 could hardly have lowered average quality of life over time.\u201c\u009d (ebd.)<\/p>\n<p>Generell gilt als Befund der absoluten Gr\u00f6\u00dfen:<\/p>\n<p>\u201eThe hardship faced by workers at the end of the Industrial Revolution cannot have been nearly as great as those of their grandparents.\u201c\u009d (ebd.)<\/p>\n<p>Spielraum f\u00fcr Diskussionen bleibt dann an einer hinsichtlich des Manchesterkapitalismus eher nachrangig diskutierten Stelle: Die Einkommensverteilung, die sich in dieser Zeit bei gleichzeitiger allgemeiner Verbesserung des absoluten Lebensstandards auch f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung deutlich gespreizt hat:<\/p>\n<p>\u201eThese issues (Verteilungsaspekte, LK), not trends in absolute living standards, are likely to mark the future battleground between optimists and pessimists about how workers fared under nineteenth-century British capitalism.\u201c\u009d (S. 25)<\/p>\n<p>Wie gesagt: Irgendwie sind diese Befunde nicht so richtig in der \u00f6ffentlichen Diskussion jenseits der wirtschaftshistorischen Fachkreise angekommen.<\/p>\n<p><strong>4. Zwei deutsche Nachspiele<\/strong><\/p>\n<p>War Manchester mit diesen Befunden ein historisches Unikat oder eher eine Blaupause f\u00fcr die in anderen Nationen mit mehr oder weniger gro\u00dfer Versp\u00e4tung einsetzende Industrialisierung?<\/p>\n<p>Schaut man auf Deutschland, so ergeben sich ungef\u00e4hr ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter \u00e4hnliche Befunde. Erschwerend f\u00fcr die Datenlage ist dabei die staatliche Zersplitterung bis zur Gr\u00fcndung des deutschen Reichs 1871, die allenfalls f\u00fcr Reall\u00f6hne R\u00fcckrechnungen nahelegt. Danach einsetzende Zahlenreihen zeigen ein Muster, das mit den Befunden aus der Hochzeit der industriellen Revolution in England vergleichbar ist:<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/knoll3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/knoll3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Soweit zum ersten deutschen Nachspiel. Was ist das zweite? Nun, wenn man das Fazit des letzten Abschnitts betrachtet, wird man unversehens an die aktuelle Verteilungsdiskussion erinnert. Niemand, der die Zeit seit den sechziger Jahren durchlebt hat, wird ernsthaft daran zweifeln, dass hierzulande ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung mit einer ebenso breiten Verbesserung der absoluten Zahlen f\u00fcr den Lebensstandard stattgefunden hat. In Analogie an das vorletzte Lindert\/Williamson-Zitat k\u00f6nnte man formulieren, dass die heutigen Geringverdiener wirtschaftlich wesentlich besser dastehen als der normale deutsche Arbeitnehmer nach dem weltbekannten Wirtschaftswunder, das die Phase des Wiederaufbaus nach Weltkrieg und W\u00e4hrungsreform bis zum Ende der f\u00fcnfziger Jahre beschreibt.<\/p>\n<p>Das alles hat diverse und in den letzten Jahren immer st\u00e4rker werdende Verteilungsdiskussionen nicht verhindert. Das kann man m\u00f6gen, muss es aber nicht, worin mir Thomas Apolte sicher zustimmen wird. Immerhin ist eine solche Diskussion nicht so kontrafaktisch wie die auch in diesen Tagen immer wieder bem\u00fchte Verelendungsthese zum Manchesterkapitalismus, die nicht zuletzt Anh\u00e4nger von Karl Marx kritikimmunisierend als kommunistischen Heiligenschein der eigenen Wurzeln missbrauchen. Mag man daf\u00fcr noch menschliches Verst\u00e4ndnis aufbringen, h\u00f6rt dies endg\u00fcltig auf, wenn angeblich neutrale Berichterstatter\/Moderatoren diese Thesen in medienwirksamen Interviews oder Diskussionen unwidersprochen zur Verunglimpfung marktwirtschaftlicher Ordnungsprinzipien durchdeklinieren lassen. Das hat mit \u201em\u00f6gen m\u00fcssen\u201c rein gar nichts mehr zu tun und hinterl\u00e4sst nur die traurige Frage: Ist das eher intellektuell armselig oder gesellschaftlich sch\u00e4dlich?<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Friedrich Engels, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Lage_der_arbeitenden_Klasse_in_England\">Die Lage der arbeitenden Klasse in England<\/a>, Erstausgabe Leipzig 1845<em>.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bruno Hildebrand (1848): Die National\u00f6konomie der Gegenwart und Zukunft; wiederabgedruckt in: Waentig, H. (Hrsg.): Sammlung sozialwissenschaftlicher Meister, Band 22, Jena 1922 (die Seitenangaben erfolgen gem\u00e4\u00df Originalverweisen).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Nur als anekdotischer Beleg f\u00fcr die Oberfl\u00e4chlichkeit, mit der popul\u00e4rwissenschaftliche Quellen heute mit diesem Ph\u00e4nomen umgehen, sei an dieser Stelle der folgende Satz wiedergegeben, der an den bereits zitierten Satz aus dem Wikipedia-Beitrag anschlie\u00dft: \u201eArmut unter den Arbeitern war dennoch sehr verbreitet, besonders bei den Fabrikarbeitern, sodass es in Gro\u00dfbritannien (inkl. Irland) von 1815 bis 1914 zu 17 Millionen Auswanderern, also einer Massenauswanderung kam.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> The Economic History Review, Vol. 36 (1983), S. 1-25.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Quelle: Kolb, C., Der deutsche Industriearbeiter im 19. Jahrhundert, unver\u00f6ff. Diplomarbeit W\u00fcrzburg 1990, S. 109. Die der Abbildung zugrundeliegenden Werte wurden unter Verwendung von Angaben in Desai, A.V., Real Wages in Germany, Oxford 1968; Hoffmann, W., Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, Berlin-Heidelberg 1965; Kuczynski, j., Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis zur Gegenwart, Berlin 1961 (Bd. 1), 1962 (Bd. 2), 1967 (Bd. 3); Meinert, R., Die Entwicklung der Arbeitszeit in der deutschen Industrie, M\u00fcnster 1958; sowie Schr\u00f6der, W.H., Arbeitergeschichte und Arbeiterbewegung. Industriearbeit und Organisationsverhalten im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert, Frankfurt\/M. 1978, berechnet.<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Apolte: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22984\">Karl Marx<\/a><\/p>\n<p>Andreas Freytag: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=22865\">M\u00fcssen wir Marx heute wirklich noch feiern?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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