{"id":23463,"date":"2018-08-09T06:32:53","date_gmt":"2018-08-09T05:32:53","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23463"},"modified":"2018-08-10T14:16:08","modified_gmt":"2018-08-10T13:16:08","slug":"target-2-2die-deutschen-target-forderungen-ein-hausgemachtes-schein-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23463","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Target 2 (2)<\/font><br>Die deutschen TARGET-Forderungen <br\/><font size=3; color=grey>Ein hausgemachtes (Schein-)Problem?<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Target-Forderungen n\u00e4hern sich \u2013 wie Abbildung 1 veranschaulicht \u2013 unaufhaltsam der Marke von 1000 Mrd. Euro. Von den Ende Juni bestehenden Gesamtforderungen in H\u00f6he von 1350 Mrd. Euro entfallen damit rund 70 Prozent auf Deutschland. Die restlichen 30 Prozent verteilen sich insbesondere auf die Niederlande und Luxemburg. Die beiden L\u00e4nder mit den (absolut) h\u00f6chsten Target-Verbindlichkeiten sind Italien (481 Mrd. Euro) und Spanien (398 Mrd. Euro). Aber auch die franz\u00f6sischen Target-Verbindlichkeiten sind j\u00fcngst deutlich auf 65 Mrd. Euro angestiegen. Im Zuge dieser Entwicklung ist es erneut zu einer heftigen Debatte dar\u00fcber gekommen, ob \u00fcberhaupt Probleme mit den Target-Forderungen f\u00fcr Deutschland verbundenen sind<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> und ob diese nicht gegebenenfalls selbst geschaffen wurden.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/d1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/d1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das Target-System, bei dem es sich um ein elektronisches System handelt, mit dessen Hilfe die EZB sowie die nationalen Zentralbanken der Eurozone grenz\u00fcberschreitende \u00dcberweisungen abwickeln, wurde parallel zur W\u00e4hrungsunion eingef\u00fchrt. Bis zur Finanzkrise, in Europa insbesondere durch die Lehman-Pleite im September 2008 ausgel\u00f6st, waren die Salden der beteiligten Notenbanken nahezu ausgeglichen. Erst danach entstanden \u2013 wie Abbildung 1 zeigt \u2013 zunehmend h\u00f6here Salden. Wie es zu dieser Entwicklung kam und welche Bedeutung die Target-Salden insbesondere f\u00fcr Deutschland haben, soll im Folgenden erl\u00e4utert werden. Dabei bilden einige allgemeine Zusammenh\u00e4nge bez\u00fcglich der Zahlungsbilanz und zur Funktionsweise alternativer W\u00e4hrungssysteme den Ausgangspunkt der folgenden \u00dcberlegungen.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Abbildung 2 zeigt zun\u00e4chst die Zahlungsbilanz eines Landes \u2013 in diesem Falle nicht in Konten- sondern in Gleichungsform \u2013 in einer etwas vereinfachten Form. Da die Zahlungsbilanz im statistischen Sinne stets ausgeglichen sein muss, ergibt sich daraus, dass der Leistungsbilanzsaldo, hier verk\u00fcrzt auf den Handelsbilanzsaldo, bestehend aus den Warenexporten (Ex) und den Warenimporten (Im), einem Kapitalbilanzsaldo in gleicher H\u00f6he aber mit umgekehrtem Vorzeichen gegen\u00fcberstehen muss. Der Kapitalbilanzsaldo ergibt sich wiederum aus den privaten Kapitalex- (KEx) und Kapitalimporten (KIm) sowie aus der Ver\u00e4nderung der Devisenreserven (<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/latex.codecogs.com\/gif.latex?\\fn_jvn&amp;space;\\large&amp;space;\\Delta\" alt=\"\\fn_jvn \\large \\Delta\" align=\"absmiddle\" \/>R). Bei einem reinen System flexibler Wechselkurse, aber auch innerhalb einer W\u00e4hrungsunion mit einheitlicher W\u00e4hrung, nimmt <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/latex.codecogs.com\/gif.latex?\\fn_jvn&amp;space;\\large&amp;space;\\Delta\" alt=\"\\fn_jvn \\large \\Delta\" align=\"absmiddle\" \/>R dabei den Wert null an. Einem Defizit in der Handelsbilanz (Ex &lt; Im) muss daher unter diesen Rahmenbedingungen stets ein \u00dcberschuss in der (privaten) Kapitalbilanz (KIm &gt; KEx) gegen\u00fcberstehen, und umgekehrt. Befindet man sich hingegen in einem Festkurssystem, so k\u00f6nnen bzw. m\u00fcssen Ungleichgewichte in der Handelsbilanz, die nicht (komplett) durch private Kapitalbewegungen ausgeglichen werden, auch durch den An- oder Verkauf von Devisen und damit eine \u00f6ffentliche Finanzierung kompensiert werden.<\/p>\n<p>Betrachtet man vor diesem Hintergrund die au\u00dfenwirtschaftliche Entwicklung in den sp\u00e4teren Krisenl\u00e4ndern der EWU in der Zeit bis 2008, so ergibt sich folgendes Bild: Niedrige \u2013 zum Teil negative \u2013 Realzinsen f\u00fchrten zu einer steigenden (kreditfinanzierten) Nachfrage mit der Folge hoher realer Wachstumsraten aber auch steigender Inflationsraten. Im Gegensatz dazu f\u00fchrten vergleichsweise hohe Realzinsen in Deutschland dazu, dass es zur umgekehrten Entwicklung kam \u2013 Deutschland wurde zum \u201ekranken Mann\u201c Europas. Das hohe realwirtschaftliche Wachstum sowie die steigenden Inflationsraten und der damit verbundene Verlust an internationaler Preiswettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fchrten in den Peripheriel\u00e4ndern aber gleichzeitig dazu, dass auch die Handelsbilanzen immer st\u00e4rker ins Defizit gerieten. Dem standen zunehmende Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse in Deutschland gegen\u00fcber. Bis zur Lehman-Pleite im Herbst 2008 standen den Defiziten in der Handelsbilanz aber \u2013 angelockt u.a. durch das hohe realwirtschaftliche Wachstum \u2013 private Kapitalzufl\u00fcsse gegen\u00fcber, die die Finanzierung sicherstellten. Erst die Finanzkrise f\u00fchrte dazu, dass \u2013 bedingt durch die hohe Unsicherheit bez\u00fcglich der weiteren Entwicklung \u2013 die privaten Kapitalzufl\u00fcsse ausblieben und damit ein Finanzierungsproblem auftrat. Im Rahmen eines Festkurssystems h\u00e4tte das dadurch entstandene Ungleichgewicht am Devisenmarkt zu Interventionsverpflichtungen gef\u00fchrt, in deren Rahmen die betroffenen L\u00e4nder heimische W\u00e4hrung h\u00e4tten ankaufen und Devisen verkaufen m\u00fcssen. Dies entspricht wiederum einem restriktiven monet\u00e4ren Impuls, der entsprechende interne Anpassungsprozesse ausgel\u00f6st h\u00e4tte.\u00a0 Ein solches Ungleichgewicht h\u00e4tte sich jedoch nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten lassen, weil der notwendige Verkauf von Devisen \u00fcber kurz oder lang deren Bestand auf null reduziert und zu einem zwangsweisen Austritt aus dem Festkurssystem gef\u00fchrt h\u00e4tte, um bei flexiblen Wechselkursen keinen weiteren Interventionsverpflichtungen mehr zu unterliegen. Diese Zusammenh\u00e4nge zeigen ferner, dass der Anpassungsdruck auf Defizitl\u00e4nder im Rahmen eines Festkurssystems deutlich h\u00f6her ist als auf \u00dcberschussl\u00e4nder, deren Bestand an Devisenreserven im Gegensatz dazu stetig ansteigt und daher keiner (nat\u00fcrlichen) Grenze unterliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/d3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/d3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Da es in einer W\u00e4hrungsunion mit einheitlicher W\u00e4hrung im Innenverh\u00e4ltnis allerdings keine W\u00e4hrungsreserven im Sinne von Abbildung 2 gibt, w\u00e4re folglich in den Defizitl\u00e4ndern nur die interne Anpassung oder der Austritt aus der W\u00e4hrungsunion \u2013 analog zum oben erl\u00e4uterten \u00dcbergang zu flexiblen Wechselkursen \u2013 geblieben. Diese Situation spiegeln auch die Target-Salden wider, die sich damit vergleichbar den W\u00e4hrungsreserven in einem Festkurssystem entwickeln. Da sie in der Kapitalbilanz als \u201eSonstiger Kapitalverkehr\u201c verbucht werden, bilden sie den bilanziellen Gegenposten zu Ungleichgewichten in der Leistungsbilanz und den privaten Kapitalbewegungen. Im Gegensatz zu den W\u00e4hrungsreserven haben die Target-Salden jedoch den (vermeintlichen) Vorteil, dass sie von der H\u00f6he und Verf\u00fcgbarkeit her keinen Beschr\u00e4nkungen unterliegen. In den USA, wo ein vergleichbares System existiert, m\u00fcssen die Salden hingegen am Ende eines jeden Jahres \u2013 wenn auch nicht zwingend rechtlich vorgeschrieben \u2013 glatt gestellt werden<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>Deutlich zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang aber zwischen der einzel- und der gesamtwirtschaftlichen Ebene. So f\u00fchrt zum Beispiel der Import einer Maschine auf der einzelwirtschaftlichen Ebene zu einem (m\u00f6glicherweise kreditfinanzierten) Zahlungsausgang beim Importeur und einem entsprechenden Zahlungseingang beim Exporteur, so dass dessen Anspr\u00fcche beglichen sind. Die grenz\u00fcberschreitende Zahlung wird aber nur dadurch m\u00f6glich, dass die Zentralbank des Importeurs \u2013 auf eigene Initiative \u2013 eine Verbindlichkeit gegen\u00fcber der Zentralbank des Exporteurs eingeht und dadurch Geld im Inland vernichtet, w\u00e4hrend die Zentralbank des Exporteurs (automatisch) eine Forderung gegen\u00fcber der Zentralbank des Importeurs erwirbt und dadurch Geld im eigenen Land schafft. Erst am Ende des Tages werden die Salden bei der EZB konsolidiert (Novation), so dass (Netto-)Forderungen bzw. -Verbindlichkeiten letztlich nur zwischen den jeweiligen nationalen Zentralbanken und der EZB bestehen<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> \u2013 nicht hingegen gegen\u00fcber privaten Wirtschaftssubjekten.<\/p>\n<p>Die Target-Salden alleine h\u00e4tten die Defizitl\u00e4nder zwar \u2013 aufgrund der unbegrenzten R\u00fcckgriffsm\u00f6glichkeit \u2013 vor einem Austritt aus der W\u00e4hrungsunion sch\u00fctzen k\u00f6nnen, allerdings nicht vor den notwendigen (restriktiven) Anpassungsprozessen. Dies wurde erst dadurch m\u00f6glich, dass die EZB im Rahmen ihrer Krisenpolitik seit 2008 die folgenden Ma\u00dfnahmen ergriffen hat<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Vollzuteilung bei Refinanzierungskrediten, die es den Gesch\u00e4ftsbanken erlaubt, unbegrenzt Kredite bei der eigenen Notenbank aufzunehmen.<\/li>\n<li>Die notwendige Mindestqualit\u00e4t der dabei zu hinterlegenden Sicherheiten wurde im Laufe der Zeit immer weiter herabgesetzt, so dass entsprechende Papiere in ausreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung standen.<\/li>\n<li>Die Bereitstellung von Ela-Notfallkrediten f\u00fcr tempor\u00e4r illiquide Banken.<\/li>\n<li>Die M\u00f6glichkeit f\u00fcr nationale Zentralbanken im Rahmen des Anfa-Abkommens Wertpapiere zu kaufen und damit \u2013 an der EZB vorbei \u2013 eigenst\u00e4ndig Geld zu schaffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auf diese Weise wurde es den Krisenl\u00e4ndern m\u00f6glich, die auch im Rahmen des Target-Systems notwendigen Anpassungsprozesse zu umgehen, indem sie die restriktiven geldpolitischen Impulse aus dem au\u00dfenwirtschaftlichen Bereich durch expansive geldpolitische Impulse im nationalen Bereich \u00fcber die oben genannten Kan\u00e4le neutralisierten. W\u00e4hrend eine solche Neutralisierungspolitik bei einem Festkurssystem aufgrund der endlichen Devisenreserven nur zeitlich begrenzt m\u00f6glich w\u00e4re, setzt das Target-System einem solchen Vorgehen keinerlei Grenzen \u2013 was seinen Ausdruck wiederum in stetig steigenden Salden findet.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund schlugen sich in der ersten Phase der Finanzkrise zun\u00e4chst die verbliebenen Handelsbilanzdefizite in steigenden Target-Verbindlichkeiten nieder. Mit dem Beginn der Staatsschuldenkrise im April 2010 bildeten sich zwar \u2013 insbesondere in den Programml\u00e4ndern aufgrund der an die Hilfskredite gekn\u00fcpften Auflagen \u2013 die Handelsbilanzdefizite zur\u00fcck, daf\u00fcr kam es aufgrund der hohen Unsicherheit zu einer erheblichen Kapitalflucht (privater Nettokapitalexport), die dann in st\u00e4ndig steigenden Target-Salden zum Ausdruck kam (siehe Abbildung 2). Dies f\u00fchrte ferner dazu, dass die Target-Salden als Krisen-Indikator genutzt wurden. Diese Entwicklung kehrte sich erst \u2013 wie Abbildung 1 veranschaulicht \u2013 im Jahre 2012 um, als der Pr\u00e4sident der EZB, Mario Draghi, in seiner ber\u00fchmt gewordenen Rede verk\u00fcndete, alles tun zu wollen, um den Euro zu retten \u2013 koste es, was es wolle. Seit 2015 steigen die Target-Salden allerdings erneut deutlich und nachhaltig an. Neben der wieder aufflammenden Krise in Griechenland 2015 wird der aktuelle Anstieg der Salden aber in erster Linie auf das Anleihekaufprogramm (quantitative Lockerung) der EZB zur\u00fcckgef\u00fchrt<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a>, das im Januar 2015 angek\u00fcndigt wurde und ab M\u00e4rz 2015 in Kraft trat. Nicht auszuschlie\u00dfen ist allerdings, dass in der j\u00fcngeren Vergangenheit auch wieder Kapitalflucht insbesondere aus Italien aufgrund der dortigen aktuellen politischen Entwicklungen als Ursache hinzugekommen ist.<\/p>\n<p>Das Anleihekaufprogramm der EZB wirkt dabei auf die Target-Salden, weil bei einem Erwerb von Staatsschuldpapieren etwa eines s\u00fcdeurop\u00e4ischen Landes durch dessen Zentralbank die Abwicklung h\u00e4ufig \u00fcber die Deutsche Bundesbank erfolgt, wenn der Besitzer der Anleihe au\u00dferhalb der W\u00e4hrungsunion angesiedelt ist, aber \u00fcber ein Konto bei der Deutschen Bundesbank verf\u00fcgt, das den Zugang zum Target-System er\u00f6ffnet. Im Zuge einer solchen Transaktion kauft dann die Deutsche Bundesbank zun\u00e4chst die Anleihe aus dem EWU-Ausland, um sie anschlie\u00dfend an die Zentralbank des entsprechenden s\u00fcdeurop\u00e4ischen Landes weiter zu ver\u00e4u\u00dfern. In diesem Rahmen schafft die Bundesbank Geld und erwirbt eine Target-Forderung, w\u00e4hrend die Zentralbank des s\u00fcdeurop\u00e4ischen Landes \u2013 bezogen allein auf diese Transaktion \u2013 Geld vernichtet und eine Target-Verbindlichkeit eingeht. Es erstaunt allerdings in diesem Zusammenhang, dass im Rahmen der Staatsschuldenkrise vielfach darauf verwiesen wurde, dass die Staatsanleihen gerade der s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder in gro\u00dfem Umfang von den heimischen Banken gehalten w\u00fcrden, w\u00e4hrend sie nun scheinbar alle aus dem Ausland angekauft werden m\u00fcssen. Das Beispiel Griechenland spricht hingegen daf\u00fcr, dass das Anleihekaufprogramm zumindest f\u00fcr einen (erheblichen) Teil des gegenw\u00e4rtigen Anstiegs der Target-Salden verantwortlich ist. Da griechische Anleihen aufgrund des schlechten Ratings nicht von der EZB angekauft werden durften, erkl\u00e4rt dies m\u00f6glicherweise den tendenziellen R\u00fcckgang der Target-Verbindlichkeiten nach den kapitalfluchtbedingten Maxima 2012 und 2015, die zu den jeweiligen H\u00f6hepunkten der Krise zustande kamen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Zusammenh\u00e4nge wird schnell deutlich, dass es sich bei den Target-Forderungen der Deutschen Bundesbank gegen\u00fcber der EZB keineswegs um ein hausgemachtes Problem handelt \u2013 ausgel\u00f6st etwa durch die Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse Deutschlands. Der eigentliche Grund f\u00fcr das immer st\u00e4rkere Ansteigen der Salden ist im Kern darin zu sehen, dass die EZB es den nationalen Bankensystemen einschlie\u00dflich der nationalen Zentralbanken seit 2008 in immer gr\u00f6\u00dferem Umfang erm\u00f6glicht hat, die auch im Target-System letztlich notwendigen (restriktiven) Anpassungen in den Defizitl\u00e4ndern zu umgehen. Auf diese Entwicklung haben Deutschland und die Deutsche Bundesbank aber bestenfalls einen Einfluss im Rahmen ihres Stimmrechts im EZB-Rat gehabt. Der Verweis auf die Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse Deutschlands z\u00e4umt das Pferd hingegen von hinten auf und verstellt den Blick f\u00fcr die eigentliche Ursache \u2013 die unbegrenzte Finanzierungsm\u00f6glichkeit der Defizitl\u00e4nder auf deren eigene Initiative hin, \u00a0gegen die sich die \u00dcberschussl\u00e4nder nicht wehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch wenn das Problem der deutschen Target-Forderungen nicht hausgemacht ist, bleibt die Frage nach den Konsequenzen. Die bisherigen \u00dcberlegungen haben gezeigt, dass das Zustandekommen der Target-Salden durchaus mit den Mechanismen verglichen werden kann, die in einem Festkurssystem wirken. Risiken manifestieren sich hingegen insbesondere dann, wenn ein Land seine Target-Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen kann oder will. Sei es, dass ein Land aus der W\u00e4hrungsunion austritt oder sei es, dass es zum Staatskonkurs in einem der Mitgliedsl\u00e4nder kommt. In diesen F\u00e4llen sind aber nicht die Forderungen einer einzelnen Zentralbank wie etwa der Deutschen Bundesbank relevant, sondern der Forderungsausfall bei der EZB, f\u00fcr den die Deutsche Bundesbank dann unter Ber\u00fccksichtigung ihres Kapitalanteils<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> haften m\u00fcsste. Das gr\u00f6\u00dfte anzunehmende Risiko besteht demnach in einem kompletten Zusammenbruch der Eurozone, der wohl einen Totalausfall\u00a0 der Target-Forderungen der EZB in H\u00f6he von gegenw\u00e4rtig 1,35 Billion Euro nach sich ziehen w\u00fcrde und den die Deutsche Bundesbank dann in H\u00f6he der eigenen Target-Forderungen tragen m\u00fcsste \u2013 doch wer glaubt wirklich an ein solches Krisenszenario? Unmittelbare Forderungen gegen\u00fcber den nationalen Zentralbanken der Defizitl\u00e4nder hat die Deutsche Bundesbank hingegen keine!<\/p>\n<p>Gleichwohl sollte man diesen Gefahren f\u00fcr die Deutsche Bundesbank und gegebenenfalls f\u00fcr den deutschen Steuerzahler begegnen, indem die Ursachen der Salden beseitigt werden. Dazu geh\u00f6ren \u2013 wie zuvor erl\u00e4utert \u2013 insbesondere die geldpolitischen Sonderma\u00dfnahmen der EZB, die zu einer asymmetrischen Anpassung zugunsten der Defizitl\u00e4nder f\u00fchren. Alternativ dazu k\u00f6nnte man einen regelm\u00e4\u00dfigen (j\u00e4hrlichen) Ausgleich der Salden wie in den USA vorsehen. Auf diese Weise w\u00fcrden zwar die Defizitl\u00e4nder gezwungen, Zentralbankgeld zu vernichten und damit den notwendigen restriktiven geldpolitischen Impuls auszul\u00f6sen, allerdings m\u00fcsste die Deutsche Bundesbank aber auch neues Zentralbankgeld bereitstellen und auf diese Weise einen expansiven geldpolitischen Impuls \u2013 mit einer l\u00e4ngerfristig steigenden Inflationsrate<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> \u2013 initiieren. Diese Entwicklung lie\u00dfe sich dann gegebenenfalls als weiterer Beitrag Deutschlands zur \u00dcberwindung der Staatsschuldenkrise und zur R\u00fcckgewinnung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit in den Defizitl\u00e4ndern interpretieren. Die zuvor erl\u00e4uterten Anpassungsprozesse entsprechen aber wiederum der Wirkungsweise eines Festkurssystems. Ein solcher Ausgleich oder auch nur eine Begrenzung der Salden wird sich in den Defizitl\u00e4ndern aufgrund der damit verbundenen Konsequenzen jedoch auf absehbare Zeit kaum durchsetzen lassen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Damit bleibt abschlie\u00dfend wohl nur die Hoffnung, dass das Vertrauen in die EWU und in deren Mitgliedsl\u00e4nder wieder zunimmt sowie die EZB ihre krisenbedingte Geldpolitik m\u00f6glichst bald beendet, um auf diese Weise die Target-Salden im Laufe der Zeit zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a>\u00a0 Vgl. hierzu etwa die aktuellen \u00a0Beitr\u00e4ge von Hans-Werner Sinn<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.hanswernersinn.de\/de\/FAZ_17072018\">http:\/\/www.hanswernersinn.de\/de\/FAZ_17072018<\/a>\u00a0 und<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/sinn-ueber-target-salden-irrefuehrende-verharmlosung-15723567.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/sinn-ueber-target-salden-irrefuehrende-verharmlosung-15723567.html<\/a> ),<\/p>\n<p>Martin Hellwig (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/finanzmarkt\/unberechtigte-panik-vor-italien-austritt-fuer-eurowaehrung-15712671.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/finanzmarkt\/unberechtigte-panik-vor-italien-austritt-fuer-eurowaehrung-15712671.html<\/a>),<\/p>\n<p>Hans-Olaf Henkel (<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/experten\/hans-olaf-henkel-italien-in-schuldenkrise-der-euro-raum-braucht-ein-target-3-system_id_9354528.html\">https:\/\/www.focus.de\/politik\/experten\/hans-olaf-henkel-italien-in-schuldenkrise-der-euro-raum-braucht-ein-target-3-system_id_9354528.html)<\/a><\/p>\n<p>sowie Thomas Mayer\u00a0 (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/target-2-und-bundesbank-ein-enormes-risiko-15691158.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/target-2-und-bundesbank-ein-enormes-risiko-15691158.html<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a>\u00a0 Vgl. : Italiens \u00d6konomen sehen Target-Salden als deutsches Problem, FAZ vom 21. Juli 2018, S. 24.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a>\u00a0 Vgl. zu \u00e4hnlichen au\u00dfenwirtschaftlichen Analogien Spahn, Peter: David Hume und die Target-Salden, in: Jahrb\u00fccher f\u00fcr National\u00f6konomie und Statistik, Bd. 232\/4 (2012). Online abrufbar unter:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wipol.uni-hohenheim.de\/fileadmin\/einrichtungen\/wipol\/Publikationen_Spahn\/target2.pdf\">https:\/\/wipol.uni-hohenheim.de\/fileadmin\/einrichtungen\/wipol\/Publikationen_Spahn\/target2.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a>\u00a0 So wurde der Ausgleich zum Beispiel w\u00e4hrend der Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2010 ausgesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a>\u00a0 Vgl. hierzu<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Aufgaben\/Unbarer_Zahlungsverkehr\/Target2\/2017_12_mb_target2_saldo.pdf?__blob=publicationFile\">https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Aufgaben\/Unbarer_Zahlungsverkehr\/Target2\/2017_12_mb_target2_saldo.pdf?__blob=publicationFile<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a>\u00a0 Vgl. Hans-Werner Sinn\u00a0 (<a href=\"http:\/\/www.hanswernersinn.de\/de\/FAZ_17072018\">http:\/\/www.hanswernersinn.de\/de\/FAZ_17072018<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a>\u00a0 Vgl. zu den einzelnen Krisenphasen etwa<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Aufgaben\/Unbarer_Zahlungsverkehr\/Target2\/2017_12_mb_target2_saldo.pdf?__blob=publicationFile\">https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Aufgaben\/Unbarer_Zahlungsverkehr\/Target2\/2017_12_mb_target2_saldo.pdf?__blob=publicationFile<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a>\u00a0 Der Anteil der Deutschen Bundesbank am voll eingezahlten Kapital der EZB betr\u00e4gt gegenw\u00e4rtig etwa 25,6 Prozent. Der Haftungsanteil erh\u00f6ht sich jedoch in Abh\u00e4ngigkeit davon, wie gro\u00df das Gewicht des austretenden Landes ist, da dessen Kapitalanteil wegf\u00e4llt. Im Falle eines Austritts Italiens w\u00fcrde der Haftungsanteil der Deutschen Bundesbank vor diesem Hintergrund auf etwa 30 Prozent ansteigen. Dies entspricht wiederum einem maximalen Haftungsbetrag in H\u00f6he von ca. 145 Mrd. Euro.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a>\u00a0 Dies setzt allerdings voraus, dass das zus\u00e4tzlich geschaffene Zentralbankgeld nicht (ganz oder teilweise) als Anlagen der Gesch\u00e4ftsbanken wieder an die EZB zur\u00fcckflie\u00dft, wie dies zum Teil in der Vergangenheit zu beobachten war.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a>\u00a0 Siehe hierzu auch Mayer, Thomas: (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/target-2-und-bundesbank-ein-enormes-risiko-15691158.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/target-2-und-bundesbank-ein-enormes-risiko-15691158.html<\/a>)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Target-Forderungen n\u00e4hern sich \u2013 wie Abbildung 1 veranschaulicht \u2013 unaufhaltsam der Marke von 1000 Mrd. 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