{"id":23749,"date":"2018-10-31T00:01:19","date_gmt":"2018-10-30T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23749"},"modified":"2018-10-31T08:51:55","modified_gmt":"2018-10-31T07:51:55","slug":"junge-autorenwas-machen-eigentlich-banken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23749","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Junge Autoren<\/font><br\/>Was machen eigentlich Banken?"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Juni dieses Jahres gab Mario Draghi, Chef der EZB, bekannt, dass das monatliche Volumen des Anleihekaufprogrammes ab Oktober auf 15 Milliarden reduziert und ab Dezember dieses Jahres ganz beendet werde. Der Leitzins bliebe voraussichtlich bis Ende 2019 unver\u00e4ndert bei null Prozent. In den g\u00e4ngigen Lehrb\u00fcchern der \u00d6konomie sind Finanzintermedi\u00e4re wie Banken und Investmentgesellschaften Organisationen, die \u201edie Ersparnis einer Volkswirtschaft mit den Realinvestitionen in Einklang bringen\u201c: Ihre Aufgabe besteht darin, \u201eEinlagen von denjenigen anzunehmen, die sparen wollen, und diese Einlagen zur Kreditvergabe an diejenigen zu verwenden, die Geld aufnehmen m\u00f6chten.\u201c Diese Auffassung bez\u00fcglich des real existierenden Geldsystems ist jedoch im Gro\u00dfen und Ganzen unzutreffend. Trotz der unz\u00e4hligen Ver\u00f6ffentlichungen und Analysen erscheint die Funktionsweise des Geld- und Zentralbankwesens noch immer als ein gro\u00dfes R\u00e4tsel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Banken als Fabriken f\u00fcr Geld<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt eine lange Liste von \u00d6konomen, darunter Joseph Schumpeter, Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Walter Eucken, die die Kernfunktion der Banken nicht darin sahen, die Mittel der Sparer an Schuldner zu verleihen, sondern darin, dass Banken Geld schaffen, indem sie Kredite zur Investitionsfinanzierung vergeben oder Wertpapiere kaufen. So schrieb Schumpeter schon 1912 in seinem Werk <em>Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung<\/em>:<\/p>\n<p><em>&#8222;[\u2026] Nat\u00fcrlich sammelt der Bankier tats\u00e4chlich auch die vorhandenen freien Geldsummen und ist insoweit nur ein Zwischenh\u00e4ndler, aber das ist zum gr\u00f6\u00dften Teile erst eine Folgeerscheinung vorhandener Entwicklung. G\u00e4be es diese nicht, so w\u00e4re er nicht Zwischenh\u00e4ndler, sondern Produzent von Kredit, d.h. er w\u00fcrde die Kaufkraft, die er dem Unternehmer leiht, selbst schaffen, er w\u00fcrde dem Unternehmer gleichsam jene Bescheinigungen und Anteilscheine ausstellen \u2013 freilich nicht \u00fcber den ganzen Betrag des k\u00fcnftigen Erl\u00f6ses, sondern nur \u00fcber jenen Teil desselben, dessen der Unternehmer zur Lohn- und Rentenzahlung bedarf.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Dass Kreditinstitute bei der Kreditvergabe auf keinerlei Ersparnis angewiesen seien und Geld per Kreditvergabe schafften, konnte auch von dem deutschen \u00d6konomen Richard Werner in einer empirischen Feldstudie best\u00e4tigt werden, in der er zeigte, dass Giralgeld aus einem einfachen Buchungssatz entsteht und nicht dadurch, dass Banken den Investoren Kredit auf Basis von Einlagen gew\u00e4hren.<\/p>\n<p><strong>Geld und monet\u00e4re Aggregate<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Analyse des Geldsystems stellt sich zuallererst die Frage, was Geld \u00fcberhaupt ist. Eine allgemeing\u00fcltige Definition w\u00e4re diejenige von Joseph Huber:<\/p>\n<p><em>&#8222;Geld ist Zahlungsmittel. Etwas genauer: offizielles und allgemein gebr\u00e4uchliches Zahlungsmittel in der W\u00e4hrung, die im Hoheitsgebiet eines Staates gilt. Das Geld in einer solchen W\u00e4hrung wird benutzt in Form von Bargeld oder Giralgeld. Bargeld besteht aus M\u00fcnzen und Banknoten. Giralgeld sind die Guthaben auf dem Girokonto bei der Bank [\u2026]. Giroguthaben hei\u00dfen auch Sichteinlagen oder Sichtdepositen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Bildung monet\u00e4rer Aggregate kommt wegen des Zusammenhangs zwischen Geldmenge und vielen volkswirtschaftlichen Gr\u00f6\u00dfen eine besondere Bedeutung zu. Daher hat das Eurosystem drei bzw. vier Geldmengenaggregate definiert.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"37\"><strong>M0<\/strong><\/td>\n<td width=\"567\">Bargeldumlauf (Banknoten, M\u00fcnzen) plus Sichteinlagen der Gesch\u00e4ftsbanken auf ihren Bankbetriebskonten bei der Zentralbank (Mindestreserven plus \u00dcberschussreserven).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"37\"><strong>M1<\/strong><\/td>\n<td width=\"567\">Bargeldumlauf plus Sichteinlagen der Nicht-Banken.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"37\"><strong>M2<\/strong><\/td>\n<td width=\"567\">M1 plus Spareinlagen mit einer vereinbarten K\u00fcndigungsfrist von bis zu drei Monaten plus Termineinlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"37\"><strong>M3<\/strong><\/td>\n<td width=\"567\">M2 plus Repogesch\u00e4fte plus Geldmarktfondsanteile plus Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Die Entstehung von Giralgeld<\/strong><\/p>\n<p>Banken schaffen im Wege der Darlehensvergabe (Giral-)geld. Dazu ben\u00f6tigen sie weder die Ersparnisse der Einleger noch Zentralbankgeld, denn erst im Anschluss an die Kreditvergabe fragen sie dieses in H\u00f6he eines prozentualen Anteils (Mindestreservesatz) des Kreditbetrages nach. Die Kreditvergabe erfolgt also per einfachem Buchungssatz und f\u00fchrt zu einer Bilanzverl\u00e4ngerung. Dies impliziert, dass bei Tilgung des Kredits Geld \u201ezerst\u00f6rt\u201c wird. Diese Prozesse kann man anhand einer vereinfachten Bilanz einer Gesch\u00e4ftsbank besser verstehen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Kassenbestand<\/p>\n<p>Guthaben bei der Zentralbank<\/p>\n<p>Kredite<\/p>\n<p>Wertpapiere<\/p>\n<p>Nettoauslandsforderungen<\/td>\n<td width=\"302\">Eigenkapital<\/p>\n<p>Sichteinlagen<\/p>\n<p>Termin- und Spareinlagen<\/p>\n<p>Langfristige Anleihen<\/p>\n<p>Refinanzierungskredit der Zentralbank<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Aktivseite stellt Forderungen dar und setzt sich aus Bargeld bzw. Kassenbestand, Mindest- und \u00dcberschussreserven bzw. Guthaben bei der Zentralbank, Nettoauslandsforderungen, also Darlehen an das Ausland mit den Einlagen ausl\u00e4ndischer Bankkunden, eigene Wertpapiere und Krediten an den inl\u00e4ndischen Nichtbankensektor zusammen, die den gr\u00f6\u00dften Bilanzposten darstellen. Die Passivseite stellt Verbindlichkeiten dar und besteht aus Eigenkapital, also der Summe aus dem Wert des Aktienkapitals und nicht-ausgesch\u00fctteten Gewinnen, Sichteinlagen sowie Spar- und Termineinlagen der Bankkunden, Verbindlichkeiten aus Refinanzierungskrediten der Zentralbanken und langfristigen Anleihen. Stets entspricht der Wert der Aktivseite dem Wert der Passivseite. Vergibt die Bank nun einen Kredit von beispielsweise 1.000 \u20ac, kommt es zu folgender Buchung:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">+ Kredit 1.000 \u20ac<\/td>\n<td width=\"302\">+ Sichteinlage 1.000 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Bank gew\u00e4hrt ein Darlehen einfach, indem sie diesen auf der Aktivseite ihrer Bilanz und eine Sichteinlage in gleicher H\u00f6he auf der Passivseite verbucht. Daraus resultiert eine Geldmengenerh\u00f6hung im Sinne von M1. Die Forderung besteht darin, dass der Kreditnehmer den Kreditbetrag zuz\u00fcglich darauf anfallender Zinsen an die Bank zur\u00fcckzahlen muss. Die Verbindlichkeit ist darin zu sehen, dass die Bank dem Kreditnehmer den Betrag ggf. auszahlen oder eine \u00dcberweisung in seinem Auftrag t\u00e4tigen muss. Ein Kreditinstitut gesteht also bilanziell gesehen ein, etwas zur\u00fcckzufordern, das sie selbst noch schuldig ist.<\/p>\n<p>Geld kann allerdings auch durch den Ankauf von Verm\u00f6genswerten (Assets) wie Wertpapieren geschaffen werden. Kauft eine Gesch\u00e4ftsbank beispielsweise eine Staatsanleihe, kann sie dieses durch neu gesch\u00f6pftes Geld bezahlen. Folgende Buchung wird vollzogen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">+ Wertpapier oder anderes Asset 1.000 \u20ac<\/td>\n<td width=\"302\">+ Sichteinlage 1.000 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Rolle von Gesch\u00e4ftsbanken als Geldproduzenten scheint so simpel, dass es oft schwer f\u00e4llt, dies zu erkennen. Dies fiel Schumpeter ebenfalls auf:<\/p>\n<p><em>\u201e[\u2026] It proved extraordinarily difficult for economists to recognize that bank loans and bank investment do create deposits. In fact, throughout the period under survey they refused with practical unanimity to do so.\u201d<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Rolle der Zentralbank innerhalb des Geldsystems<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Gesch\u00e4ftsbanken also Geld sch\u00f6pfen, indem sie Forderungen und Verbindlichkeiten verbuchen oder Aktiva erwerben, stellt sich die Frage, welche Rolle die Notenbank im Geldsystem hat. Deren Einfluss auf die Geldsch\u00f6pfung ist darin zu sehen, dass Gesch\u00e4ftsbanken wegen der Kreditvergabe zus\u00e4tzliches Zentralbankgeld auf ihren Bankbetriebskonten halten bzw. halten m\u00fcssen. Dies liegt daran, dass Nicht-Banken Bargeld nutzen, Gesch\u00e4ftsbanken verpflichtet sind, Mindestreserven \u00fcber einen gewissen Zeitraum hinweg zu halten und Banken Reserven f\u00fcr die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ben\u00f6tigen. Zwar k\u00f6nnen sich einzelne Banken das ben\u00f6tigte Zentralbankgeld auch \u00fcber den Geldmarkt besorgen, indem sie einen Kredit bei einer anderen Bank aufnehmen. Allerdings ist das Bankensystem als Ganzes bei steigender Kreditvergabe auf die Liquidit\u00e4tsbereitstellung seitens der Zentralbank angewiesen.<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt m\u00fcssen Gesch\u00e4ftsbanken sog. <em>Mindestreserven<\/em> halten. Darunter versteht man Pflichteinlagen der Gesch\u00e4ftsbanken bei der Notenbank, deren H\u00f6he von der monet\u00e4ren Autorit\u00e4t als Prozentsatz der Einlagen der Kunden bei der betreffenden Bank bestimmt wird. Derzeit betr\u00e4gt sie f\u00fcr die Eurozone ein Prozent. Die Mindestreservepflicht gilt jedoch nicht t\u00e4glich, sondern \u00fcber die Mindestreserveperiode hinweg. Diese liegt bei sechs oder sieben Wochen und ihr Beginn orientiert sich an den geldpolitischen Sitzungen des EZB-Rats. Die zu erf\u00fcllende Mindestreservehaltung wird mit dem Leitzins verzinst. Ist der Reservebestand zu gro\u00df, wird der \u00dcberschuss nicht verzinst. Ist er zu gering, verlang die Notenbank darauf einen Strafzins.<\/p>\n<p><strong>Die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld<\/strong><\/p>\n<p>Um den Bedarf an Zentralbankgeld zu decken, agiert EZB mit verschiedenen geldpolitischen Instrumenten. Im Gegenzug zur Versorgung mit Zentralbankgeld m\u00fcssen diese w\u00e4hrend der Kreditlaufzeit refinanzierungsf\u00e4hige Sicherheiten von gleichem Wert, beispielweise Staatsanleihen, in einem Depot hinterlegen. Deren Mindestqualit\u00e4t wird vom EZB-Rat definiert.<\/p>\n<p>Die geldpolitischen Instrumente teilen sich neben der Mindestreserveanforderung in <em>Offenmarktgesch\u00e4fte<\/em> und <em>St\u00e4ndige Fazilit\u00e4ten <\/em>auf. Erstere umfassen haupts\u00e4chlich Refinanzierungskredite mit einer Laufzeit von einer Woche (<em>Hauptrefinanzierungsgesch\u00e4fte<\/em>)\u00a0 und drei Jahren (<em>L\u00e4ngerfristige Refinanzierungsgesch\u00e4fte<\/em>) sowie <em>Outright- <\/em>und<em> Repogesch\u00e4fte <\/em>zum An- und Verkauf von Wertpapieren. St\u00e4ndige Fazilit\u00e4ten umfassen die sog. <em>Spitzenrefinanzierungsfazilit\u00e4t, <\/em>also ein eint\u00e4giger Kredit, und die <em>Einlagenfazilit\u00e4t<\/em>, also eine Art Sparkonto, auf welches die Gesch\u00e4ftsbanken Reserven, die weder f\u00fcr die Mindestreserve noch f\u00fcr Kredite an andere Banken ben\u00f6tigt werden, \u00fcberweisen k\u00f6nnen. Auf die Spitzenrefinanzierungsfazilit\u00e4t wird ein Zins von derzeit 0,25 % verlangt und die Einlagenfazilit\u00e4t mit -0,4 % \u201everg\u00fctet\u201c. Der Zinssatz f\u00fcr Hauptrefinanzierungsgesch\u00e4fte, der sog. <em>Leitzins<\/em>, betr\u00e4gt derzeit 0 %. Der Unterschied zwischen St\u00e4ndigen Fazilit\u00e4ten und Offenmarktgesch\u00e4ften ist, dass die Initiative der Inanspruchnahme bei letzteren von den Gesch\u00e4ftsbanken ausgeht. Das Volumen ist dabei nur durch die zu hinterlegenden Sicherheiten unbegrenzt.<\/p>\n<p>Um sich vor Ausfallrisiken und damit verbundenen Verlusten zu sch\u00fctzen, kann die EZB im Vorfeld einen Bewertungsabschlag auf den Marktpreis der Sicherheiten vornehmen, Liquidit\u00e4t bereitstellen, die dem Betrag des Refinanzierungskredits nicht 1:1 entspricht oder eine Bandbreite definieren, innerhalb derer die Kurse der Sicherheiten schwanken d\u00fcrfen. Sind die Verluste zu hoch, muss die Bank zus\u00e4tzliche Sicherheiten nachreichen.<\/p>\n<p>Aus dem gesagten wird auch klar, dass Banken theoretisch unbegrenzt Geld sch\u00f6pfen k\u00f6nnen, denn es wird zu jeden Zeitpunkt unbegrenzt Liquidit\u00e4t durch die Notenbank bereitgestellt. Wichtig ist die Wirkungskette: Das Bankensystem vergibt Kredite und fragen davon abgeleitet eine gewisse Menge Zentralbankgeld nach. Die Kreditvergabe wird dabei v.a. durch folgende Faktoren begrenzt:<\/p>\n<ul>\n<li>Bonit\u00e4t der Kreditnehmer und Kreditnehmerinnen.<\/li>\n<li>Regulatorische Vorschriften, z. B. Eigenkapitalanforderungen, Finanzierung eines Teils des Kreditbetrags durch Eigenkapital der Kreditnehmer.<\/li>\n<li>Qualit\u00e4t der zu hinterlegenden Sicherheiten.<\/li>\n<li>Verschuldungsneigung der Nicht-Banken.<\/li>\n<li>Kosten der Verschuldung bei der Notenbank.<\/li>\n<li>Pflicht der Gesch\u00e4ftsbanken, einen gewissen Anteil der Kredite mit langfristigen Anleihen zu refinanzieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der Prozess der Kreditvergabe: Die Interaktion von Gesch\u00e4ftsbanken und Zentralbank<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Vorangegangenen ergibt sich nun die Frage, wie der Prozess der Kreditvergabe und die Interkation der Notenbanken mit den Gesch\u00e4ftsbanken zeitlich abl\u00e4uft. Dazu ist es wichtig, den Aufbau der Zentralbankbilanz zu kennen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Refinanzierungskredite an Gesch\u00e4ftsbank<\/p>\n<p>Kredite an den Staat<\/p>\n<p>Wertpapiere<\/p>\n<p>W\u00e4hrungsreserven<\/td>\n<td width=\"302\">Bargeldumlauf<\/p>\n<p>Guthaben der Gesch\u00e4ftsbanken<\/p>\n<p>Sonstige Passiva<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Aktivseite besteht aus Forderungen gegen\u00fcber den Banken, Krediten an den Staat, Wertpapieren und W\u00e4hrungsreserven. Die Passivseite setzt sich aus dem Bargeldumlauf, den Guthaben der Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank und sonstigen Passiva zusammen, die die R\u00fcckstellungen und das vom Staat bzw. von den Staaten eingezahlte Grundkapital zusammen. Wieder gilt, dass der Wert der Aktiva dem Wert der Passiva entspricht. Der Kreditvergabeprozess und die damit einhergehende Entstehung von Geld verlaufen im Zeitablauf wie folgt. Dabei sei unterstellt, dass die Mindestreserveanforderung ein Prozent betrage. Eine stark vereinfachte Bankbilanz sehe in einem Zahlenbeispiel vor der Kreditvergabe wie folgt aus:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Kredite 990<\/p>\n<p>Guthaben bei Zentralbank 9,5 (= 0,01\u2022950)<\/td>\n<td width=\"302\">\u00a0Einlagen 950<\/p>\n<p>Refinanzierungskredit bei Zentralbank 9,5<\/p>\n<p>Eigenkapitel 40<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Zentralbankbilanz vor Kreditvergabe s\u00e4he so aus:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Refinanzierungskredit 9,5<\/td>\n<td width=\"302\">\u00a0Guthaben der Gesch\u00e4ftsbanken 9,5<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Bank vergebe nun einen Kredit von 100 Einheiten, die dem Girokonto eines Kunden als Sichteinlage gutgeschrieben werden. Somit folgt f\u00fcr die Bankbilanz bei Kreditvergabe:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Kredite 990<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>+ Kredite 100<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Guthaben bei Zentralbank 9,5 (= 0,01\u2022950)<\/td>\n<td width=\"302\">\u00a0Einlagen 950<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><strong>+ Einlagen 100<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Refinanzierungskredit bei Zentralbank 9,5<\/p>\n<p>Eigenkapitel 40<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Angenommen, dass Bankensystem werde durch die einzelne Bank repr\u00e4sentiert, resultiert daraus, dass die Bank Zentralbankgeld ben\u00f6tigt. Dies ist darin begr\u00fcndet, dass die Gesch\u00e4ftsbank ein Prozent der Einlagen als Guthaben bei der Notenbank halten muss. Da sie durch die Kreditvergabe jedoch nun ein Bestand von 950 + 100 = 1050 Einheiten an Einlagen aufweist, m\u00fcsste sie 0,01\u20221050 Einheiten = 10,5 Einheiten an Zentralbankgeld halten, was mehr als derzeit 9,5 Einheiten sind. Den fehlenden Guthabenbetrag, also 1 Einheit Zentralbankgeld bzw. Guthaben bei der Zentralbank, muss sich die Bank also durch einen Kredit bei der Notenbank besorgen und deponiert diesen auf dem Bankbetriebskonto bei der Zentralbank. Die Bankbilanz nach abgeschlossener Darlehensgew\u00e4hrung sieht daher wie folgt aus:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Kredite 1090<\/p>\n<p>Guthaben bei Zentralbank 10,5<\/td>\n<td width=\"302\">\u00a0Einlagen 1050<\/p>\n<p>Refinanzierungskredit bei Zentralbank 10,5<\/p>\n<p>Eigenkapitel 40<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die vereinfachte Zentralbankbilanz sieht nach Abschluss der Kreditvergabe somit folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"302\"><strong>Aktiva<\/strong><\/td>\n<td width=\"302\"><strong>Passiva<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"302\">Refinanzierungskredit 10,5<\/td>\n<td width=\"302\">\u00a0Guthaben der Gesch\u00e4ftsbanken 10,5<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Bilanzsumme der Gesch\u00e4ftsbank hat sich durch die Kreditvergabe von 999,5 auf 1100,5 Einheiten erh\u00f6ht. Die Zentralbankbilanzsumme ist von 9,5 auf 10,5 Einheiten angestiegen. Insgesamt ist Giralgeld in H\u00f6he von 100 Einheiten aus dem Nichts geschaffen worden und die Zentralbankgeldmenge hat sich um 1 Einheit erh\u00f6ht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Geld wird also geschaffen, indem Banken (fast ohne Begrenzung) Kredite vergeben k\u00f6nnen. Davon abgeleitet wird Notenbankgeld nachgefragt bzw. geschaffen. Dass dies zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen, Konjunkturzyklen und Verm\u00f6genspreisblasen f\u00fchren kann, wurde unter anderem theoretisch im Rahmen der \u00d6sterreichischen Konjunkturtheorie beispielsweise von Jesus Huerta de Soto oder Friedrich August von Hayek dargelegt und praktisch im Rahmen der Finanzkrise ab 2007 gezeigt. Es w\u00e4re gut, wenn diesen Prozessen in der \u00d6ffentlichkeit und wissenschaftlichen Debatte mehr Beachtung geschenkt w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Deutsche Bundesbank (2014). <em>Geld und Geldpolitik<\/em>. Frankfurt am Main: Verlag der Deutschen Bundesbank.<\/p>\n<p>European Central Bank (2011). <em>The monetary policy of the ECB<\/em>. Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Huber, J. (2010). <em>Monet\u00e4re Modernisierung. Zur Zukunft der Geldordnung <\/em>(1. Auflage). Marburg: metropolis.<\/p>\n<p>Macleod, H. D. (1891). <em>The theory of credit. <\/em>Vol. 2, No.2, Longmans, Green, and Company.<\/p>\n<p>Mayer, T. (2015). <em>Die neue Ordnung des Geldes. Warum wir eine Geldreform brauchen <\/em>(3., aktualisierte Auflage). M\u00fcnchen: FinanzBuch-Verlag.<\/p>\n<p>Schumpeter, J. A. (1954). <em>History of Economic Analysis<\/em>. New York: Oxford University Press.<\/p>\n<p>Schumpeter (1912). <em>Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.<\/em><\/p>\n<p>Werner, R. (2014). <em>Can banks individually create money out of nothing? The theories and the empirical evidence.<\/em> International Review of Financial Analysis, No. 36, S. 1-19.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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