{"id":23865,"date":"2018-10-15T00:03:05","date_gmt":"2018-10-14T23:03:05","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23865"},"modified":"2019-02-18T08:34:34","modified_gmt":"2019-02-18T07:34:34","slug":"6-wuerzburger-ordnungstag-1-die-handelspolitik-des-donald-trump-angriff-auf-die-multilaterale-ordnung-oder-zocken-bis-der-arzt-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23865","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>6. W\u00fcrzburger Ordnungstag (1) <\/font><br\/>Die Handelspolitik des Donald Trump <br\/><font size=3; color=grey>Angriff auf die multilaterale Ordnung oder zocken bis der Arzt kommt?<\/font>"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Trump\u2019s approach to foreign policy is the opposite of President Theodore Roosevelt\u2019s famous early-twentieth-century dictum: &#8218;Speak softly and carry a big stick.&#8216; Trump\u2019s modus operandi could be described instead as, &#8218;Shout loudly and carry a white flag.'&#8220;<\/em> (Anatole Kaletsky)<\/p>\n<p>Die Welt ist handelspolitisch im Umbruch. Der Multilateralismus br\u00f6ckelt. Die WTO ist gel\u00e4hmt. Seit dem Scheitern der Doha-Runde vor fast zwei Jahrzehnten ist sie handlungsunf\u00e4hig. Neue handelspolitische Impulse fehlen. Sie sind auch nicht zu erwarten. Regionale Integrationsr\u00e4ume, wie Zollunionen und Freihandelszonen, beherrschen weltweit die handelspolitische Szene. Diese Entwicklung ist nicht neu. Sie beschleunigte sich seit dem unr\u00fchmlichen Ende der Doha-Runde. Aber auch bilaterale Vereinbarungen graben der multilateralen Handelsordnung das Wasser ab. Donald Trump forciert diese Entwicklung. Er agiert als multilaterale handelspolitische Abrissbirne. Allerdings ist die WTO den USA nicht erst seit Donald Trump ein Dorn im Auge. Der \u201eschrumpfende Gigant\u201c (Jagdish Bhagwati) hat schon l\u00e4nger nur wenig Interesse an multilateralen Vereinbarungen. Der China-Schock verst\u00e4rkt das Desinteresse. Die USA setzen st\u00e4rker auf bilaterale handelspolitische Vereinbarungen. Was sind die Argumente, die Donald Trump f\u00fcr seine \u201eneue\u201c Handelspolitik vorbringt? Sind Handelskriege tats\u00e4chlich leicht zu gewinnen? Helfen sie den USA, den Strukturwandel abzumildern? Oder unterliegt Donald Trump einem handelspolitischen Trugschluss? Was sind die Risiken und Nebenwirkungen von Handelskriegen? Wie sollte die Nicht-USA handelspolitisch reagieren?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Diffuse Symptome<\/strong><\/p>\n<p>In den USA l\u00e4uft es gegenw\u00e4rtig wirtschaftlich rund. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 3,9 % auf einem 18j\u00e4hrigen Tief, die Inflationsrate wird f\u00fcr 2018 auf 2,5 % gesch\u00e4tzt, das reale wirtschaftliche Wachstum hat sich auf knapp unter 3 % erh\u00f6ht. Warum zettelt Donald Trump in dieser blendenden wirtschaftlichen Situation einen Handelskrieg gegen Freund und Feind an? Eine Erkl\u00e4rung ist die regionale wirtschaftliche Heterogenit\u00e4t in den USA. Die wirtschaftliche Lage, vor allem auf den regionalen Arbeitsm\u00e4rkten, ist nicht \u00fcberall gleich gut. Vor allem die Gegenden, in denen der industrielle Sektor eine wichtige Rolle spielt, sind nach wie vor auf der Verliererstra\u00dfe. Auch im \u201eRostg\u00fcrtel\u201c der USA gehen die Arbeitslosenraten zwar auch (langsam) zur\u00fcck. Sie sind aber noch immer hoch. Davon betroffen ist vor allem die (wei\u00dfe) m\u00e4nnliche Mittelschicht. Das ist aber eine wichtige W\u00e4hlerklientel des Donald Trump. Ihr hat er im Wahlkampf nachhaltige Hilfe zugesagt. Allerdings ist der Strukturwandel im Industriesektor schon weit fortgeschritten. Die USA haben seit Anfang des Jahrtausends \u00fcber ein Drittel der Arbeitspl\u00e4tze in diesem Bereich verloren. Tats\u00e4chlich ist der Kampf um industrielle Arbeitspl\u00e4tze l\u00e4ngst verloren. Er lohnt nicht mehr.<\/p>\n<p>Die Verluste an Arbeitspl\u00e4tze im industriellen Sektor ist aber nur die eine Seite der Medaille des strukturellen Wandels. Der wachsende Dienstleistungssektor ist die andere. Er ist schon heute der eigentliche Wachstumsmotor. Diese Entwicklung wird sich noch verst\u00e4rken. Dort werden die Arbeitspl\u00e4tze der Zukunft geschaffen, dort entsteht der Wohlstand. Weltweit ist der Kampf um Marktanteile im Wissenssektor l\u00e4ngst in vollem Gange. Bisher sind die USA der gr\u00f6\u00dfte Profiteur dieser sektoralen Entwicklung. Sie haben im weltweiten Handel mit Dienstleistungen die Nase vorn. Den amerikanischen Unternehmen ist es bisher gelungen, mit den innovativsten Produkten und Dienstleistungen zu punkten. Das ist die wichtigste Quelle f\u00fcr die hohe Wertsch\u00f6pfung, nicht der Industriesektor. Mit China kommt nun aber ein ernstzunehmender Konkurrent auf die Weltm\u00e4rkte. Es ist zwar noch lange nicht so weit wie die USA. Mit einer aggressiven \u201eIndustriepolitik\u201c (&#8222;Made in China 2025&#8220;) versucht China aber, die Zukunftstechnologien nicht allein den Amerikanern und Europ\u00e4ern zu \u00fcberlassen. Sie wollen nicht l\u00e4nger nur die Werkbank der Weltwirtschaft sein. Den USA und Donald Trump geht es deshalb wohl auch darum, China in die Schranken zu weisen und amerikanische High-Tech-Giganten zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident sieht doppelten strukturpolitischen Handlungsbedarf. Zum einen geht es um schon verlorene Arbeitspl\u00e4tzen im industriellen Sektor, zum anderen um k\u00fcnftige, gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze im Wissenssektor, die in gro\u00dfer Zahl entstehen werden. In beiden F\u00e4llen sieht er die Schuldigen im Ausland. Sie w\u00fcrden den Amerikanern jede Menge an Arbeitspl\u00e4tzen mit unlauteren Mitteln stehlen. Die Schlimmsten seien die Chinesen. Allerdings w\u00e4ren die Europ\u00e4er nicht viel besser, nur kleiner. Diesen strukturpolitischen Herausforderungen will Donald Trump mit handelspolitischen Ma\u00dfnahmen begegnen. Er w\u00e4hlt das archaischste Mittel der Handelspolitik, Z\u00f6lle auf Importe ausl\u00e4ndischer G\u00fcter. Das soll der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit notleidender Unternehmen des industriellen Sektors wieder auf die Beine helfen. Es soll aber auch die Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse der Europ\u00e4er, vor allem aber der Chinesen schrumpfen. Den Chinesen sollen damit die finanziellen Mittel gek\u00fcrzt werden, mit denen sie weltweit auf Einkaufstour f\u00fcr neue Technologien und hoch innovative Unternehmen gehen k\u00f6nnen. Die wirtschaftliche St\u00e4rke der USA w\u00fcrde ausreichen, ausl\u00e4ndische Konkurrenten in die Knie zu zwingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Umstrittene Diagnose<\/strong><\/p>\n<p>Die USA haben mit zwei Entwicklungen zu k\u00e4mpfen, einem heftigen Strukturwandel und einer defizit\u00e4ren Leistungsbilanz. Aus beiden Gr\u00f6\u00dfen strickt Donald Trump eine waghalsige Theorie. Die geht so: Die Defizite in der amerikanischen Leistungsbilanz sind ein wichtiger Treiber des strukturellen Wandels. Das Ausland \u201estiehlt\u201c amerikanische Arbeitspl\u00e4tze. Gelingt es diese Defizite zu verringern, rostet der industrielle G\u00fcrtel in den USA weniger. Die Leistungsbilanzdefizite entstehen, weil ausl\u00e4ndische Staaten den internationalen Wettbewerb zu Gunsten ihrer Unternehmen verzerren. Leidtragende sind amerikanische Unternehmen und arbeitslos gewordene inl\u00e4ndische Arbeitnehmer. Es sei deshalb h\u00f6chste Zeit, den ausl\u00e4ndischen Staaten, vor allem China und der EU, handelspolitisch auf die Finger zu klopfen. Mit tarif\u00e4ren Handelshemmnissen sollen sie gef\u00fcgig gemacht werden, ihre protektionistischen Aktivit\u00e4ten \u2013 tarif\u00e4re und nicht-tarif\u00e4re \u2013 zu unterlassen. (Noch) reiche die wirtschaftliche Macht der USA aus, einen solchen Handelskrieg leicht zu gewinnen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die amerikanischen Defizite in der Leistungsbilanz kleiner ausfallen und die gestohlenen amerikanischen Arbeitspl\u00e4tze wieder heimkehren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch mit dieser Theorie ist es wie mit vielen Trump\u2019schen Thesen. Er hat einige Punkte, die Richtung ist aber falsch. Es ist eine Binsenweisheit, der strukturelle Wandel wird angebotsseitig von der Produktivit\u00e4t getrieben. Der technische Fortschritt dominiert. Ver\u00e4nderte individuelle Pr\u00e4ferenzen beeinflussen nachfrageseitig den Prozess. Treibende Kraft ist der wachsende Wohlstand. Beide Faktoren lenken den Strukturwandel in den Dienstleistungssektor. International handelbare G\u00fcter spielen empirisch eher eine untergeordnete Rolle (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20537\">hier<\/a>). Den Strukturwandel mit handelspolitischen Aktivit\u00e4ten zu bek\u00e4mpfen, ist deshalb wie Akupunktur mit der Gabel. Dennoch hat Donald Trump einen (chinesischen) Punkt. Die H\u00e4lfte der Defizite in der amerikanischen Leistungsbilanz kommt durch den Handel mit China zustande. Tats\u00e4chlich setzte der massenhafte Import chinesischer G\u00fcter amerikanischen Unternehmen zu, die G\u00fcter mit viel einfacher Arbeit produzierten (<a href=\"https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/141507\/1\/dp9748.pdf\">hier<\/a>). Es ist sicher auch nicht falsch, dass China die \u00dcbersch\u00fcsse, die es \u00fcber die Leistungsbilanz erwirtschaftet, nicht nur nutzt, um amerikanische Staatsanleihen zu kaufen. Die finanziellen Mittel werden von (Staats-)Unternehmen auch eingesetzt, um weltweit an Know-how zu kommen.<\/p>\n<p>Donald Trump leidet nicht nur unter einem China-Syndrom. Auch europ\u00e4ische (deutsche) Autos sind ihm seit langem ein Gr\u00e4uel. Tats\u00e4chlich weist allerdings die amerikanische Leistungsbilanz gegen\u00fcber der EU keine Defizite sondern \u00dcbersch\u00fcsse auf. Der M\u00fcnchner \u00d6konom Gabriel Felbermeyer hat sich die Daten des Bureau of Economic Analysis n\u00e4her angeschaut (<a href=\"https:\/\/www.cesifo-group.de\/DocDL\/sd-2018-09-felbermayr-beobachtungen-us-leistungsbilanz-2018-05-09.pdf\">hier<\/a>). Dabei hat er festgestellt, dass die USA zwar ein Defizit mit der EU im Handel mit G\u00fctern hat. Es belief sich im Jahr 2017 auf 153 Mrd. Dollar. Dem standen allerdings \u00dcbersch\u00fcsse in der Dienstleistungsbilanz von 51 Mrd. Dollar, beim Prim\u00e4reinkommen (Verm\u00f6genseink\u00fcnfte) von 106 Mrd. und beim Sekund\u00e4reinkommen von 10 Mrd. Dollar gegen\u00fcber. Summa summarum wies die Leistungsbilanz der USA einen \u00dcberschuss von 14 Mrd. Dollar gegen\u00fcber der EU aus. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Es ist aber seit der Finanzkrise 2007 durchgehend der Fall. Gegen\u00fcber Deutschland verh\u00e4lt es sich allerdings etwas anders. Die amerikanische Leistungsbilanz ist defizit\u00e4r. Allerdings bel\u00e4uft sich der Betrag im Jahr 2017 nur auf schlappe 64 Mrd. Dollar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/wu1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/wu1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Auch die zweite These, wonach die amerikanischen Defizite in der Leistungsbilanz auf unfaire Handelspraktiken des Auslandes zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, steht auf wackligen Beinen. Es ist unbestritten, alle L\u00e4nder arbeiten mit \u2013 tarif\u00e4ren und nicht-tarif\u00e4ren \u2013 Handelshemmnissen, die einen mehr, andere weniger. Alle haben handelspolitisch Dreck am Stecken, Freih\u00e4ndler sind sie alle nicht. Die Europ\u00e4er treiben es bei den Agrarprodukten am wildesten, die Amerikaner bei Dienstleistungen und die Chinesen beim geistigen Eigentum. Ob sich in der WTO im Laufe der Zeit ein handelspolitisches Ungleichgewicht zu Lasten der USA herausgebildet hat, ist umstritten. Sicher ist allerdings, die Defizite in der amerikanischen Leistungsbilanz sind zu einem erheblichen Teil hausgemacht. Die USA leben seit langem \u00fcber ihre Verh\u00e4ltnisse. Es wird privat und staatlich zu wenig gespart. Die Sparl\u00fccke und die Haushaltsdefizite sind ein wesentlicher Grund f\u00fcr die hohen Defizite in der amerikanischen Leistungsbilanz. Sie werden durch Zufl\u00fcsse von ausl\u00e4ndischem Kapital gedeckt, auch durch chinesisches. Es ist ein schlechter Witz, wenn Donald Trump wegen der Leistungsbilanzdefizite einen Handelskrieg beginnt, gleichzeitig aber mit einer kreditfinanzierten Steuerreform zur konjunkturellen Unzeit die amerikanischen Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Falsche Therapie<\/strong><\/p>\n<p>Der Strukturwandel ist in vollem Gang. Er l\u00e4sst sich nicht aufhalten. Der Einfluss des internationalen Handels ist begrenzt. Die Politik m\u00fcsste eigentlich alles tun, den strukturellen Wandel nicht zu behindern. Es geht nicht um traditionelle (konservierende) Strukturpolitik, sondern um eine Politik f\u00fcr den Strukturwandel. Zweierlei ist notwendig: Zum einen m\u00fcssen die M\u00e4rkte offen bleiben, zum anderen muss den Verlierer des Wandels geholfen werden. Das erste gelingt nicht, wenn man wie Donald Trump mit Handelshemmnissen operiert. Das behindert nur den unvermeidlichen Strukturwandel. Ressourcen werden in ineffizienten Produktionsstrukturen gefangen gehalten. Ein leichterer, kontinuierlicherer \u00dcbergang in neue sektorale Bereiche wird blockiert. Das zweite, die Hilfe f\u00fcr die Verlierer, ist schwer zu bewerkstelligen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, im Dienstleistungssektor werden zwar mehr Arbeitspl\u00e4tze geschaffen als im Industriesektor verloren gehen. Es kann also keine Rede davon sein, dass uns die Arbeit ausgeht. Oft passen allerdings Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot regional, sektoral und qualifikatorisch nicht zusammen. Diesen Mismatch gilt es zu verringern. Die traditionelle aktive Arbeitsmarktpolitik hat sich nicht als gro\u00dfe Hilfe erwiesen, ganz im Gegenteil. Tats\u00e4chlich reduziert meist erst der Generationenwechsel den Mismatch.<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident huldigt einem Fetisch: Der Leistungsbilanz. Er ist der Meinung, internationaler Handel sei ein Nullsummenspiel. Was die einen gewinnen, verlieren andere. Die Leistungsbilanz ist f\u00fcr ihn die G+V-Rechnung eines Landes. Amerikanische Leistungsbilanzdefizite signalisieren ihm, dem genialen privaten Unternehmer aus dem Nichts, dass die USA seit langem vom Ausland \u00fcber den Tisch gezogen werden. Das will er als erfolgreicher Dealmaker in merkantilistischer Manier \u00e4ndern. In Handelshemmnissen sieht er ein erfolgversprechendes Mittel, die amerikanische Schmach einer defizit\u00e4ren Leistungsbilanz zu tilgen. Das alles ist &#8222;fake news&#8220;. Internationaler Handel ist ein Positiv-Summenspiel. Millionen von Haushalten, Unternehmen und W\u00e4hler entscheiden weltweit freiwillig, wie sie ihre knappen Ressourcen einsetzen. Das geschieht \u00fcber \u00f6konomische und politische M\u00e4rkte. Die Salden in der Leistungs- und Kapitalbilanz sind das Ergebnis. Eine staatliche Korrektur w\u00e4re nur angemessen, wenn die individuellen Entscheidungen verzerrt w\u00e4ren und die Politik w\u00fcsste, was die \u201ewahren\u201c Pr\u00e4ferenzen der Menschen sind. Das wissen aber nur paternalistische (gr\u00fcne) Politiker. Donald Trump ist sicher keiner von ihnen. Die Aufgabe des Staates besteht deshalb darin, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass die \u00f6konomischen und politischen M\u00e4rkte offen bleiben.<\/p>\n<p>Mit seiner handelspolitischen Obsession erreicht Donald Trump keines seiner lauthals verk\u00fcndeten wirtschaftspolitischen Ziele. Er holt weder \u201egestohlene\u201c industrielle Arbeitspl\u00e4tze dauerhaft heim in die USA, noch trocknet er die finanziellen Quellen der Chinesen f\u00fcr ihre weltweite Einkaufstour von unternehmerischem Know-how aus. Tats\u00e4chlich sch\u00e4digt er nicht nur ausl\u00e4ndische Unternehmen, auch amerikanische leiden, von den Konsumenten ganz zu schweigen. Die Zeiten, in denen man mit plumpem Protektionismus international weniger verflochtene heimische Unternehmen (tempor\u00e4r) beg\u00fcnstigen und ausl\u00e4ndische (vor\u00fcbergehend) sch\u00e4digen konnte, sind l\u00e4ngst vorbei. Heute optimieren international agierende Unternehmen ihre Wertsch\u00f6pfungsketten weltweit. Protektionistische Ma\u00dfnahmen sch\u00e4digen sofort alle, in- und ausl\u00e4ndische Akteure. Kommt es zu wechselseitiger Vergeltung nehmen Fremd- und Eigensch\u00e4digung weiter zu. Die Eigendynamik der Vergeltung tr\u00e4gt dazu bei, dass sich der Protektionismus wie ein \u00d6lfleck ausbreitet. Der Handelskrieg l\u00e4uft Gefahr, einen W\u00e4hrungskrieg zu entfachen. Die Gro\u00dfe Depression zeigte, wie (\u00f6konomisch und politisch) verheerend die Wirkungen sein k\u00f6nnen, wenn kombinierte Handels- und W\u00e4hrungskriege die weltweite Arbeitsteilung beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Protektionistische Epidemie?<\/strong><\/p>\n<p>Der von Donald Trump entfachte Handelskrieg hat das Zeug, die multilaterale Handelsordnung endg\u00fcltig zu zerst\u00f6ren. Das ist auch ein Ziel amerikanischer Handelspolitik. Donald Trump ist kein amerikanischer handelspolitischer Solit\u00e4r. Er steht in einer (schlechten) alten Tradition. Nur haben fr\u00fchere Pr\u00e4sidenten ihren handelspolitischen Furor nicht \u00fcber Twitter der Welt kundgetan. \u00a0Die USA stehen schon lange mit der WTO auf Kriegsfu\u00df. Sp\u00e4testens seit der gescheiterten Doha-Runde sabotieren die USA sie. Donald Trump verst\u00e4rkt mit seinem Leistungsbilanz-Fetisch diese Entwicklung. Mit bilateralen Vereinbarungen will er f\u00fcr die USA g\u00fcnstigere Handelsvertr\u00e4ge unter Dach und Fach bringen. Damit balkanisiert er die internationale Handelspolitik. Die USA nutzen dabei ihre wirtschaftliche St\u00e4rke in den Verhandlungen skrupellos. Einen Vorgeschmack liefern die Vereinbarungen, die Donald Trump mit S\u00fcdkorea und Mexiko getroffen hat. S\u00fcdkorea begrenzte ihre Stahlimporte in die USA nachdem Trump mit Stahlz\u00f6llen gedroht hatte. Mexiko musste h\u00f6heren Durchschnittsl\u00f6hnen pro Stunde f\u00fcr die Automobilindustrie zustimmen. Das schm\u00e4lert die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Wie soll nun aber die EU auf die aggressive Trump\u2019sche Handelspolitik reagieren? Die Meinung gehen auseinander. Eine gro\u00dfe Mehrheit der \u00d6konomen vertritt die Ansicht, dass nur eine \u201eTit-for-tat-Strategie\u201c Aussicht auf Erfolg verspricht. Mit handelspolitischer Vergeltung werden die Kosten f\u00fcr die USA in die H\u00f6he getrieben, m\u00f6gliche Ertr\u00e4ge reduziert. Die Anreize f\u00fcr Donald Trump nehmen zu, handelspolitisch abzur\u00fcsten. Bei dieser Strategie ist allerdings nicht auszuschlie\u00dfen, dass der handelspolitische R\u00fcstungswettlauf eine Eigendynamik entwickelt. Die desastr\u00f6sen Erfahrungen in der Gro\u00dfen Depression sind warnendes Beispiel. Eine liberale Minderheit der \u00d6konomen ist der Meinung, dass nur unilaterale handelspolitische Abr\u00fcstung zum Erfolg f\u00fchren kann. Eine unilaterale Abr\u00fcstung h\u00e4tte zwei Vorteile: Sie w\u00fcrde die \u00f6konomische Effizienz erh\u00f6hen und Donald Trump unter Druck setzen, seine Handelspolitik zu \u00fcberdenken. Realistisch ist das aber nicht. Die protektionistisch gesch\u00fctzten Branchen in der EU, wie der Agrarsektor, werden Himmel und H\u00f6lle in Bewegung setzen, dass die europ\u00e4ischen Zollmauern nicht eingerissen werden.<\/p>\n<p>Die Zeichen f\u00fcr eine vern\u00fcnftige weltweite Handelspolitik stehen gegenw\u00e4rtig nicht gut. Es w\u00e4re verheerend, wenn es Donald Trump schaffen w\u00fcrde, die (unvollkommene) multilaterale Ordnung zur Strecke zu bringen. Unbestritten ist, es steht nicht gut um die gegenw\u00e4rtige WTO. Sie ist seit Ende der gescheiterten Doha-Runde gel\u00e4hmt. Das verwundert nicht. Der \u201ealte\u201c Handel in Containern verliert an Bedeutung. Immer mehr \u201eneue\u201c Dienstleistungen und Ideen werden international handelbar. Z\u00f6lle, Kontingente, local content-Regeln und Antidumping spielen eine geringere Rolle. Der Schutz geistigen Eigentums wird wichtiger. Die WTO muss runderneuert werden und diese Entwicklungen aufgreifen. Einige bef\u00fcrchten, dass sie dazu nicht in der Lage sein wird. Sie sei zu gro\u00df, zu komplex und zu m\u00fcde (Gabriel Felbermayr). Kein Wunder, dass der handelspolitische Weg schon seit einiger Zeit in eine andere Richtung f\u00fchrt. Es werden immer mehr Freihandelsabkommen installiert. Der Konflikt von Handelsschaffung im Innern und Handelsablenkung nach au\u00dfen ist damit aber nicht gel\u00f6st. Paul Krugman hat schon vor langer Zeit darauf hingewiesen, dass dies kein wirklich erfolgversprechender Weg zu einer multilateralen Handelsordnung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die breitbeinige Trump\u2019sche Handelspolitik gibt R\u00e4tsel auf. Hat es Donald Trump wirklich darauf abgesehen, die alles andere als vollkommene multilaterale Handelsordnung endg\u00fcltig zu zerst\u00f6ren? Vieles deutet darauf hin: Sein irrationaler Leistungsbilanz-Fetisch, seine Meinung das Ausland \u201estehle\u201c heimische Arbeitspl\u00e4tze und die amerikanische Abneigung gegen die WTO. Die heftigen verbalen Attacken des amerikanischen Pr\u00e4sidenten j\u00fcngst vor der UN-Vollversammlung gegen multilaterale Vereinbarungen versprechen nichts Gutes. Wenn es so ist, wird die EU den amerikanischen Angriff auf den Multilateralismus nicht verhindern k\u00f6nnen. Das w\u00fcrde der Globalisierung nicht gut tun. Vor allem Deutschland w\u00fcrde leiden. Aber vielleicht ist ja alles ganz anders. Vielleicht will Donald Trump der WTO neues Leben einhauchen. Er zockt nur. Weder die USA noch die EU und China k\u00f6nnen ein Interesse an einem Zusammenbruch der WTO haben. Mit der Drohung auszusteigen, bauen die USA ein Szenario der \u201ekalkulierten Eskalation\u201c auf. Niemand will, dass die Amerikaner aussteigen. Das k\u00f6nnten die USA nutzen, um die Schwellenl\u00e4nder zu Zugest\u00e4ndnissen bei den Z\u00f6llen, die Europ\u00e4er zum Abbau der Agrarprotektion und die Chinesen zu weiteren Markt\u00f6ffnungen, Zugest\u00e4ndnissen beim Schutz geistigen Eigentums und Korrekturen bei der \u201eIndustriepolitik\u201c zu bewegen. Das w\u00e4re, wie Martin Braml und Gabriel Felbermayr es ausgedr\u00fcckt haben, \u201eSpieltheorie at its best!\u201c (<a href=\"https:\/\/www.cesifo-group.de\/DocDL\/sd-2018-11-braml-felbermayr-wto-2018-06-14.pdf\">hier<\/a>). Deutschland, das auf weltweit offene M\u00e4rkte angewiesen ist, h\u00e4tte eine Sorge weniger. Ich glaube es nicht! <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/d8760613beb0478d9df7f1b40f0414fe\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Das ist die schriftliche Fassung eines Vortrages auf dem 6. W\u00fcrzburger Ordnungstag am 10. Oktober 2018 in Frankfurt.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Trump\u2019s approach to foreign policy is the opposite of President Theodore Roosevelt\u2019s famous early-twentieth-century dictum: &#8218;Speak softly and carry a big stick.&#8216; Trump\u2019s modus operandi &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23865\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>6. 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