{"id":23907,"date":"2018-10-13T00:01:32","date_gmt":"2018-10-12T23:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23907"},"modified":"2018-10-13T06:16:50","modified_gmt":"2018-10-13T05:16:50","slug":"gastbeitrag-ist-der-euro-wirklich-stabiler-als-es-die-d-mark-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23907","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Ist der Euro wirklich stabiler als es die D-Mark war?"},"content":{"rendered":"<p>Die EZB und Unterst\u00fctzer ihrer expansiven Geldpolitik weisen oft darauf hin, dass es &#8211; entgegen vieler Vorhersagen &#8211; bisher nicht zu nennenswerter Inflation im Euroraum gekommen sei. Gemessen an der Entwicklung der Verbraucherpreise sei der Euro bisher sogar stabiler als die D-Mark gewesen. Tats\u00e4chlich sind die deutschen Verbraucherpreise seit Einf\u00fchrung des Euro im Durchschnitt weniger stark gestiegen als zu D-Mark-Zeiten.\u00a0 Allerdings ist das allein nicht das entscheidende Kriterium. Vielmehr muss man aus Sicht der Sparer fragen, wie sich der reale Wert ihres Geldverm\u00f6gens unter der jeweiligen W\u00e4hrung entwickelt hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Denn unter dem Euro ist nicht nur die Inflationsrate niedriger gewesen als zu D-Mark-Zeiten, sondern auch die Zinsen. Wenn man daher wissen will, in welcher Zeit die Geldverm\u00f6gen wertstabiler gewesen sind, muss man beides ber\u00fccksichtigen, die niedrigere Geldentwertung, aber auch den niedrigeren Geldertrag. Dann aber erlebt man eine \u00dcberraschung: Selbst wenn man die \u00fcbliche Inflationsberechnung zugrunde legt, hat der Euro in puncto Geldverm\u00f6genserhaltung deutlich schlechter abgeschnitten als die D-Mark.<\/p>\n<p>Im Folgenden vergleiche ich die 16 Jahre nach Einf\u00fchrung des Euro (2002 \u2013 2018) mit den letzten 16 Jahren vor seiner Einf\u00fchrung, als es in Deutschland noch die D-Mark gab (1986-2002). Als Ma\u00df f\u00fcr die Inflation bzw. f\u00fcr die Realrenditen wird jeweils der deutsche Verbraucherpreisindex herangezogen, wobei f\u00fcr 2018 die bisherige Zins- und Inflationsentwicklung auf das gesamte Jahr hochgerechnet wurde. Alle Zahlen stammen von der deutschen Bundesbank<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und sind von mir nur durch einfache Mittelung auf Jahresdurchschnittswerte umgerechnet worden. Die Frage lautet: Wie haben sich 100 DM bzw. 100 \u20ac in den 16 Jahren vor bzw. nach der W\u00e4hrungsunion f\u00fcr einen deutschen Sparer in ihrem realen Wert entwickelt, in welchem Zeitraum ist m.a.W. sein Geldverm\u00f6gen mehr gewachsen bzw. ggfs. geschrumpft?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/su1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/su1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst die reine Geldentwertung, dann hat die EZB offenbar recht. Die deutschen Verbraucherpreise sind in den 16 Euro-Jahren seit 2002 um insgesamt 25,5% gestiegen, w\u00e4hrend sie in den letzten 16 Jahren der D-Mark um 37,5% gestiegen waren. 100 Euro, die in den 16 Eurojahren bar unter der Matratze gehalten wurden, h\u00e4tten daher \u201enur\u201c 20,3% an Wert verloren, w\u00e4hrend 100 DM im davorliegenden 16-Jahres-Zeitraum in ihrem realen Wert um 27,3% geschrumpft w\u00e4ren. Punkt also f\u00fcr den Euro? Wohl nur aus der Sicht von Bankr\u00e4ubern, Erpressern und einigen \u00e4lteren Menschen, denn wer sonst w\u00fcrde 16 Jahre lang sein Geld in bar in irgendeinem Versteck lagern? Der Euro gewinnt hier also eine Disziplin, die f\u00fcr normale Sparer v\u00f6llig irrelevant ist. Daran \u00e4ndert auch die Tatsache nichts, dass tats\u00e4chlich ein gro\u00dfer Teil der Geldmenge in Form von Bargeld oder auf unverzinslichen Girokonten gehalten wird. Denn diese Best\u00e4nde werden st\u00e4ndig umgeschlagen und im Normalfall eben nicht auf Dauer dort geparkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/su2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/su2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Betrachten wir nun die Geldanlage auf einem normalen Sparbuch mit dreimonatiger K\u00fcndigungsfrist. Auch daf\u00fcr sind 16 Jahre eine lange Zeit, aber immerhin ist das f\u00fcr kleine Leute oft die einzige oder zumindest wichtigste Art, ihr Geld auch l\u00e4ngerfristig anzulegen. Bei diesem Vergleich schneidet der Euro schon nicht mehr besser ab als seinerzeit die D-Mark. In beiden F\u00e4llen h\u00e4tte der Sparer real am Ende etwa ein halbes Prozent Verlust in dem jeweiligen 16-Jahreszeitraums, also sein Verm\u00f6gen mit M\u00fche und Not erhalten. Dabei ist die Wertentwicklung der 100 Euro in den ersten neun Jahren zun\u00e4chst positiv gewesen und hat sich dann ab 2012 umso negativer entwickelt. Dazu muss man wissen, dass die EZB erst ab Mitte 2008 mit ihrer extrem expansiven Geldpolitik begonnen hat. Schon zu D-Mark-Zeiten rechnete man mit einer knapp dreij\u00e4hrigen Zeitverz\u00f6gerung vom Beginn einer solchen Geldschwemme und ihren Folgen auf den Geldwert. Das scheint sich auch hier wieder zu best\u00e4tigen, wobei allerdings diesmal mehr der Zinsverfall und weniger der Preisanstieg die Geldverm\u00f6gen schmelzen lie\u00df. F\u00fcr die Sparer macht dies allerdings am Ende keinen Unterschied.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/su3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/su3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Betrachten wir nun noch die Geldwertentwicklung f\u00fcr etwas verm\u00f6gendere B\u00fcrger, die \u00fcber bessere Anlagealternativen verf\u00fcgen. Konkret w\u00e4hlen wir eine Festgeldanlage f\u00fcr jeweils ein Jahr und Betr\u00e4ge von mindestens 50.000 \u20ac bis maximal 500.000 \u20ac, wof\u00fcr es ebenfalls durchschnittliche Realzinsangaben der Bundesbank gibt. Hier nun schneidet der Euro deutlich schlechter ab als seinerzeit die D-Mark: W\u00e4hrend aus 100 DM zwischen 1986 und 2002 immerhin 143,50 DM in realem Wert wurden, musste sich der Eigent\u00fcmer von 100 \u20ac im gleichlangen Zeitraum von 2002 bis 2018 mit gerade mal einem Prozent Wertzuwachs begn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Noch deutlicher wird der Verm\u00f6genserhaltungsvorsprung der D-Mark, wenn man nicht die Verbraucherpreise, sondern die Immobilienpreise zugrunde legt. Diese sind in D-Mark-Zeiten n\u00e4mlich nur um gut 27% gestiegen, w\u00e4hrend sie seit Einf\u00fchrung des Euro um 34,5% kletterten. Der dabei zugrunde gelegte Immobilienpreisindex HPI der OECD ist zum einen umfassend und rechnet zum anderen auch Qualit\u00e4tsunterschiede der Immobilien im Zeitvergleich heraus.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Er gibt also recht gut an, wie sich die Kosten f\u00fcr den Erwerb einer Immobilie gegebener Qualit\u00e4t in den beiden 16-Jahres-Zeitr\u00e4umen entwickelt haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr jemanden, der auf eine Immobilie spart, hat sich der Euro demnach geradezu verheerend auf seine Kalkulation ausgewirkt. Denn die oben berechneten Realwertentwicklungen der Ersparnisse beruhten ja auf einem 12 Prozentpunkte betragenden Vorsprung des Euro bei der reinen Inflationsentwicklung und fielen dennoch wegen der niedrigeren Zinsen schon zu seinem Nachteil aus. Die Immobilienpreise wiederum haben sich aber in Eurozeiten um 34,4% und damit um rd. Sieben Prozentpunkte st\u00e4rker erh\u00f6ht als in dem entsprechenden D-Mark-Zeitraum, in dem sie nur um gut 27% zunahmen. Tauscht man also in der Realwertberechnung die Verbraucherpreise gegen die Immobilienpreise aus, so verliert dadurch der Euro nochmals deutlich gegen\u00fcber der D-Mark im Realwertvergleich. Bei allen drei Geldhaltungsformen h\u00e4tten sich die Sparer mit der D-Mark dann weitaus besser gestanden als mit dem Euro, dessen Zinsniveau in keinem Fall mehr ausreichte, um den Anstieg der Immobilienpreise aufzufangen (vgl. die Abbildungen unten).<\/p>\n<p>Damit ergibt sich zusammenfassend folgender Vergleich der Geldverm\u00f6gensstabilit\u00e4t f\u00fcr die drei verschiedenen Geldhaltungsalternativen und die beiden alternativen Sparziele:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/su4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/su4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/su5.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/su5.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Nur in dem praktisch irrelevanten Fall, dass jemand seine Ersparnisse 16 Jahre lang in bar h\u00e4lt, h\u00e4tte er in D-Mark-Zeiten etwas (rd. 7 Prozentpunkte) mehr verloren als im Euro, und das auch nur wenn sein Sparziel keine Immobilie gewesen w\u00e4re. Auf dem Sparbuch w\u00e4re in beiden Zeitr\u00e4umen sein Verm\u00f6gen knapp erhalten geblieben, allerdings wiederum nur beim Sparen auf normale Konsumg\u00fcter. In allen anderen F\u00e4llen schneidet die D-Mark deutlich besser als der Euro ab.<\/p>\n<p>Ein Sparbuchsparer auf Immobilienerwerb h\u00e4tte z.B. mit der D-Mark immerhin einen realen Verm\u00f6genszuwachs von 7,5% erzielt. Zu Eurozeiten h\u00e4tte er dagegen gemessen an der Immobilienpreisentwicklung 7,3% verloren.<\/p>\n<p>Am drastischsten ist der Verm\u00f6genserhaltungsvorteil der D-Mark f\u00fcr jemanden, der h\u00f6here Geldbetr\u00e4ge auf einem Festgeldkonto spart: Mit dem Euro h\u00e4tten seine Zinsertr\u00e4ge selbst mit den normalen Konsumg\u00fcterpreisen nur ganz knapp mithalten k\u00f6nnen, und gemessen an den Immobilienpreisen h\u00e4tte er trotz Zinsen sogar fast 6% real verloren. Ganz anders dagegen zu Zeiten der D-Mark, wo er ein reales Plus von 43,5% beim Konsumg\u00fctersparziel und von 55% beim Sparziel Immobilie erzielt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Darf man \u00fcberhaupt zwei W\u00e4hrungen miteinander vergleichen, die in ganz unterschiedlichen Zeitr\u00e4umen bestanden haben? Diese Frage scheint berechtigt. Denn sowohl die Preise als auch die Zinsen h\u00e4ngen ja nicht nur von der jeweiligen Geldpolitik, sondern auch von vielen anderen Faktoren wie den \u00d6lpreisen, dem globalem Wettbewerb sowie Angebot und Nachfrage auf den Kapitalm\u00e4rkten ab. Allerdings sind gerade die Niedrigzinsen, die das schlechte Abschneiden des Euro bei der Geldverm\u00f6genserhaltung bewirkt haben, zweifellos ma\u00dfgeblich durch die ultra-expansive Geldpolitik der EZB verursacht worden. Zudem gilt der Einwand unterschiedlicher Vergleichszeitr\u00e4ume auch gegen\u00fcber denjenigen, die nur die jeweiligen Inflationsraten von Euro und D-Mark als Stabilit\u00e4tsvergleich heranziehen. Wie auch immer man die globalen und nicht-monet\u00e4ren Einfl\u00fcsse auf Inflation und Zinsen bewertet: Ein reiner Vergleich der Inflationsraten greift in jedem Fall zu kurz, wenn man eine Bilanz der jeweiligen W\u00e4hrung aus der Sicht der Sparer ziehen will. Wie wir gesehen haben, sind diese unter dem Strich zu D-Mark-Zeiten besser gefahren als bisher mit dem Euro . Dar\u00fcber, inwieweit dies der Geldpolitik oder anderen Faktoren geschuldet ist und welche Vor- und Nachteile der \u00dcbergang zum Euro dar\u00fcber hinaus noch hatte, mag man durchaus unterschiedlicher Auffassung sein. Die Tatsache als solche scheint jedoch evident und verdient nach Auffassung des Verfassers Beachtung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Standardartikel\/Statistiken\/realzinssaetze_auf_bankeinlagen.html\">https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Standardartikel\/Statistiken\/realzinssaetze_auf_bankeinlagen.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <u><a href=\"http:\/\/www.dallasfed.org\/institute\/houseprice\/index.cfm\">http:\/\/www.dallasfed.org\/institute\/houseprice\/index.cfm <\/a><\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EZB und Unterst\u00fctzer ihrer expansiven Geldpolitik weisen oft darauf hin, dass es &#8211; entgegen vieler Vorhersagen &#8211; bisher nicht zu nennenswerter Inflation im Euroraum &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23907\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br \/>Ist der Euro wirklich stabiler als es die D-Mark war?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":155,"featured_media":23909,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1705,12],"tags":[2940,147,2941,141,2873,652],"class_list":["post-23907","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-inflationaeres","category-monetares","tag-d-mark","tag-euro","tag-geldvermoegen","tag-inflation","tag-van-suntum","tag-zinsen"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gastbeitrag Ist der Euro wirklich stabiler als es die D-Mark war? 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