{"id":24465,"date":"2019-01-04T08:14:35","date_gmt":"2019-01-04T07:14:35","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=24465"},"modified":"2019-01-04T08:26:03","modified_gmt":"2019-01-04T07:26:03","slug":"wie-soll-die-eu-mit-china-umgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=24465","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Wie soll die EU mit China umgehen?"},"content":{"rendered":"<p><em>Chinas Aufschwung st\u00f6\u00dft offenbar an Grenzen und sein Angebot f\u00fcr eine vertiefte Zusammenarbeit mit Europa ist vergiftet. Nicht nur deswegen sollte die EU sich auf keinen Fall dem Regime in Peking zu F\u00fc\u00dfen werfen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>China bekommt von Europa endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. Einerseits ist es eine alte Kulturnation mit \u00fcber einer Milliarde Bewohnern, die schon deshalb interessant f\u00fcr uns ist. \u00dcberdies ist die Wirtschaft des Landes schnell gewachsen und stellt einen gro\u00dfen Markt f\u00fcr europ\u00e4ische Investitions- und Konsumg\u00fcter dar.<\/p>\n<p>Andererseits ist das Wettbewerbsverhalten der chinesischen Firmen auf den Weltm\u00e4rkten oftmals sehr r\u00fcde und unfair, geistige Eigentumsrechte z\u00e4hlen nicht viel, und der chinesische Staat subventioniert seine Betriebe zum Teil massiv. Hinzu kommen zahlreiche und immer h\u00e4ufiger werdende Menschenrechtsverletzungen und Aggressionen den Nachbarn gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich droht das Verhalten chinesischer Investoren in Afrika und die sogenannte \u201eBelt and Road Initiative\u201c, also ein gro\u00dfes Infrastruktur-Investitionsprogramm mit chinesischen Krediten an Entwicklungsl\u00e4nder in Asien und Afrika, das \u2013 anders als von China propagiert \u2013 die betroffenen L\u00e4nder in starke und einseitige Abh\u00e4ngigkeiten gegen\u00fcber dem Reich der Mitte zu bringen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich f\u00e4llt auf, dass der wirtschaftliche Aufschwung offenbar an eine Grenze st\u00f6\u00dft. Zwar w\u00e4chst die chinesische Volkswirtschaft weiterhin, aber die totale Faktorproduktivit\u00e4t ist zwischen 2007 und 2012, den letzten Jahren mit verf\u00fcgbaren Daten, um durchschnittlich etwas \u00fcber ein Prozent pro Jahr gefallen. Inwieweit dies mit der offenbar wieder st\u00e4rkeren Einflussnahme des Staates beziehungsweise der Kommunistischen Partei in die Wirtschaftsabl\u00e4ufe zu tun hat, kann nur gemutma\u00dft werden. Der Handelskrieg mit der USA d\u00fcrfte die Wachstumsaussichten aber nicht verbessern.<\/p>\n<p>All dies sollte europ\u00e4ischen Entscheidungstr\u00e4gern und Analysten schon Anlass genug sein, einmal genauer hinzuschauen. In dieser Woche gab es \u00fcberdies zwei deutliche Signale aus China. Erst hielt Pr\u00e4sident Xi Jinping eine Rede zum vierzigsten Jahrestag der Reformen Deng Xiapings, in der er die Partei in den Mittelpunkt stellt und westlichen Politikstil als mehr oder weniger unvereinbar mit chinesischen Werten erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Die chinesische Regierung hat am selben Tag au\u00dferdem ein Strategiepapier zur Zukunft der chinesisch-europ\u00e4ischen Beziehungen ver\u00f6ffentlicht. Damit wird der Europ\u00e4ischen Union (EU) eine ganze Reihe von Vorschl\u00e4gen und Angeboten unterbreitet, die sich erst einmal sehr gut anh\u00f6ren, aber mit einigen Haken versehen sind.<\/p>\n<p>In f\u00fcnf Teilen werden die chinesischen Vorstellungen ausgebreitet. Es geht im zentralen Teil 1 um gemeinsame Interessen und die Leitprinzipien, also gegenseitigen Respekt, Offenheit, Fairness, Austausch und Dialog. China sei an einer stabilen EU interessiert und m\u00f6chte helfen, den Brexit so organisiert und geregelt wie m\u00f6glich durchzuf\u00fchren. Die chinesische \u201eBelt and Road Initiative\u201c wird als Erfolgsrezept beworben. Danach folgen einige deutlich formulierte Verhaltensregeln f\u00fcr die EU, die Taiwan nicht als eigenen Staat anerkennen, Hongkong als Teil Chinas akzeptieren und sich unter anderem aus den Konflikten Chinas mit Tibet und den Uiguren heraushalten soll. Dass diese Regel gegenseitigen Respekt ausdr\u00fcckt, kann bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Teil 2 befasst sich mit sicherheitspolitischen Fragestellungen und zielt auf verbesserte Kommunikation und Koordination in dieser Hinsicht ab; die Vereinten Nationen seien gemeinsam zu reformieren. Es wird ein Ende des europ\u00e4ischen Waffenembargos China gegen\u00fcber gefordert.<\/p>\n<p>In Teil 3 geht es um wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die EU wird aufgefordert, Marktzugang f\u00fcr chinesische Waren und Investitionen in Europa zu erweitern \u2013 direkt wird die Kritik an subventionierten Staatsunternehmen nicht zur\u00fcckgewiesen, aber zwischen den Zeilen kann man die Unzufriedenheit damit erkennen. Auch in diesem Feld wird der Multilateralismus beschworen; die Reform der Welthandelsorganisation wird in Aussicht gestellt, wie auch gesteigerte Importe europ\u00e4ischer G\u00fcter.<\/p>\n<p>Die abschlie\u00dfenden Teile 4 und 5 sind dem wissenschaftlichen, sozialen und kulturellen Austausch sowie gemeinsamen Aktivit\u00e4ten im Klimaschutz und der Entwicklungszusammenarbeit gewidmet. Auch hier findet man Forderungen, eventuelle Barrieren f\u00fcr chinesische Akteure in Europa abzubauen, hier jedoch nicht so deutlich wie in Teil 1.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung des Strategiepapiers ist einerseits gut gew\u00e4hlt, weil Europa gerade erfahren muss, dass die transatlantischen Beziehungen nicht so stark sind wie immer angenommen. Pr\u00e4sident Trump lehnt zudem multilaterale Regeln ab und setzt auf das Recht des St\u00e4rkeren und glaubt offenbar, die USA br\u00e4uchten sich nicht an globale Regeln \u2013 ob im Handel, im Klimaschutz oder in der R\u00fcstungskontrolle \u2013 gebunden f\u00fchlen. Zwar sind auf der Arbeitsebene die Beziehungen \u00fcber den Atlantik noch intakt, dennoch muss man bef\u00fcrchten, dass einige Sch\u00e4den nur schwer und langsam zu reparieren sind. Da k\u00f6nnte eine Initiative eines anderen gro\u00dfen Landes, die multilateralen Beziehungen gemeinsam weiterzuentwickeln und Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr europ\u00e4ische Firmen zu vergr\u00f6\u00dfern, gerade recht kommen.<\/p>\n<p>Andererseits scheint die zeitliche N\u00e4he zur wenig ermutigenden Rede des chinesischen Pr\u00e4sidenten nicht sehr klug zu sein, macht doch die Verbindung beider Ver\u00f6ffentlichungen jedem klar, dass China nicht bereit ist, \u00fcber westliche Werte zu verhandeln. Das d\u00fcrften die chinesischen Strategen nat\u00fcrlich wissen und einbezogen haben. Man k\u00f6nnte es so interpretieren: Wer in China Gesch\u00e4fte machen will, soll gef\u00e4lligst nach chinesischen Regeln spielen, und dies auf allen Feldern.<\/p>\n<p>Insofern ist das Angebot einer vertieften chinesisch-europ\u00e4ischen Zusammenarbeit ein vergiftetes. Die Europ\u00e4er sollten auf keinen Fall vorschnell reagieren; das ist ja bisher auch noch nicht passiert. Sie sollten sich ihrer wirtschaftlichen St\u00e4rke durchaus bewusst sein und sich nicht im Konflikt der USA und China aufreiben lassen. Europ\u00e4ische G\u00fcter und der Marktzugang nach Europa sind attraktiv und sollten nicht verschleudert werden. Ein wesentlicher Treiber des europ\u00e4ischen Erfolges ist die Existenz von Werten wie Menschenrechte und Nicht-Diskriminierung. Man muss nicht bei jedem Besuch in China oder eines chinesischen Gastes darauf hinweisen. Aber man darf auch nicht davon abr\u00fccken, nur weil ein Markt lockt.<\/p>\n<p>Die Feinde Chinas zu eigenen Feinden zu erkl\u00e4ren, geht auf jeden Fall viel zu weit.<\/p>\n<p>Anders gewendet: Bitte kein Kotau!<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Der Beitrag erschien am <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/handel\/freytags-frage-wie-soll-die-eu-mit-china-umgehen\/23782420.html\">21. Dezember 2018<\/a> in der Online Ausgabe der Wirtschaftswoche.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chinas Aufschwung st\u00f6\u00dft offenbar an Grenzen und sein Angebot f\u00fcr eine vertiefte Zusammenarbeit mit Europa ist vergiftet. 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