{"id":24652,"date":"2019-02-22T00:01:14","date_gmt":"2019-02-21T23:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=24652"},"modified":"2019-02-22T07:28:47","modified_gmt":"2019-02-22T06:28:47","slug":"die-ezb-laesst-die-banken-des-eurogebietes-unvorbereitet-fuer-den-abschwung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=24652","title":{"rendered":"Die EZB l\u00e4sst die Banken des Eurogebietes unvorbereitet f\u00fcr den Abschwung"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise haben sich die Banken im Eurogebiet nicht erholt. Der Euro Stoxx Financials liegt weit unter dem Vorkrisenniveau (Abb. 1). Viele Banken, einschlie\u00dflich Deutsche Bank, stehen am Abgrund. Hingegen ist in den USA der S&amp;P-Financials um 320% angestiegen.\u00a0 Das liegt an einer verfehlten Geld- und Regulierungspolitik der EZB, wie der Vergleich mit US-amerikanischen Fed deutlich macht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sch1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sch1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Fed senkte den Leitzins schneller als die EZB und hat die Bilanz schneller durch den Ankauf von Wertpapieren (quantitative Lockerung) ausgeweitet. Das hat den US-Finanzsektor in der Krise schnell stabilisiert. Aber auch der Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik kam fr\u00fcher. Seit Ende 2015 hebt die Fed langsam die Leitzinsen wieder an, zuletzt auf 2,3% (Abb. 2). Das Bilanzvolumen wird vorsichtig reduziert, sodass auch die langfristigen Zinsen wieder gestiegen sind. Zudem verzinst die Fed seit 2008 die durch die Wertpapierk\u00e4ufe entstandenen hohen Einlagen der Banken bei der Fed, so dass diese seit 2008 den US-amerikanischen Banken 95 Mrd. Dollar \u00fcberwiesen hat.<\/p>\n<p>Mit all diesen Ma\u00dfnahmen hat die Fed verhindert, dass die Geldpolitik auf Dauer die US-Finanzinstitute durch schrumpfende Zinsmargen geschw\u00e4cht hat. Zuletzt ist beispielsweise beim gr\u00f6\u00dften US-Institut, J.P. Morgan, die Nettozinsmarge auf 2,55% geklettert. Die Nettozinsertr\u00e4ge sind im letzten Schlussquartal um 10% auf 14,4 Mrd. Dollar angestiegen.<\/p>\n<p>Hingegen hat die EZB die Leitzinsen z\u00f6gerlich gegen null gesenkt. Die Nullgrenze wurde 2015 erreicht. Der umfangreiche Ankauf von Wertpapieren (2600 Mrd. Euro) setzte erst im M\u00e4rz 2015 ein. \u00a0H\u00f6here Leitzinsen und der Abbau der riesigen Best\u00e4nde an Staatsanleihen sind nicht in Sicht. F\u00fcr die Einlagen der Banken bei der EZB werden -0,4% berechnet.<\/p>\n<p>Im Ergebnis ist bei den deutschen Banken die Kreditmarge \u2013 die Differenz von Kredit- und Einlagezinsen \u2013 von ca. 3,0% im M\u00e4rz 2009 auf 1,8% gesunken. Die Transformationsmarge zwischen den Renditen 10j\u00e4hriger deutscher Staatsanleihen und Tagesgeldern wurde von 2,8% (2009) auf heute ca. 0,7% gedr\u00fcckt. Seit 2014 hat die EZB den deutschen Banken 20 Mrd. Euro f\u00fcr \u00dcberschussreserven berechnet. Der Zins\u00fcberschuss deutscher Banken ist damit von 66 Mrd. Euro im Jahr 2008 auf 28 Mrd. Euro (2018) geschrumpft. Eine Erholung ist nicht in Sicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sch2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sch2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Fed hat im Gegensatz zur EZB die Banken entgiftet. Die Anleihek\u00e4ufe der Fed umfassten mit ca. 50% des Ankaufvolumens riskante verbriefte Hypothekenkredite. Das US-Finanzministerium kaufte zudem im Rahmen des \u201cTroubled Asset Relief Program\u201d (2009-2012) verbriefte Hypothekenkredite und Bankaktien im Wert von mehr als 400 Mrd. Dollar. Die Banken wurden dadurch zwangsrekapitalisiert. Die EZB erwarb hingegen \u00fcberwiegend Staatsanleihen (zuletzt 2 Billionen Euro), sodass die Banken des Eurogebiets mit den faulen Verm\u00f6genswerten allein gelassen wurden. Das Anleihekaufprogramm der EZB von M\u00e4rz 2015 bis Dezember 2018 tr\u00e4gt damit mehr den Charakter eines Hilfsprogramms f\u00fcr Staaten als f\u00fcr Banken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sch3.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sch3.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Basel III erh\u00f6hte die Eigenkapitalanforderungen in den USA und Europa. In den USA straffte der Dodd-Frank Act die regulatorischen Anforderungen, die Volcker Regel beschr\u00e4nkte den lukrativen Eigenhandel. J\u00fcngst wurden die Meldepflichten f\u00fcr fast alle US-Finanzinstitute jedoch wieder gelockert. Eigenhandel ist f\u00fcr gro\u00dfe Institute indirekt als Market Maker noch m\u00f6glich. In der EU \u00fcberwacht seit 2014 der Einheitliche Aufsichtsmechanismus der EZB die rund 130 gr\u00f6\u00dften Finanzinstitute des Euroraums, die bis 2023 einen Bankenrettungsfonds mit 60 Mrd. Euro bef\u00fcllen m\u00fcssen. Die EU hat den Eigenhandel stark eigenschr\u00e4nkt, so dass Banken wie der Deutschen Dank das Gesch\u00e4ftsmodell verloren gegangen ist.<\/p>\n<p>H\u00e4ufige Stresstests der EZB sind f\u00fcr die Banken des Eurogebiets eine Belastung, ohne dass die Risiken bei Dexia, BBVA\/Garanti, Carige oder der Banca Monte dei Paschi rechtzeitig erkannt wurden. Wackelige Banken \u00fcberleben, weil sie mit nationalen Steuermitteln, europ\u00e4ischen Rettungsprogrammen oder von der EZB \u00fcber Wasser gehalten werden. Es ist ein undurchsichtiges Netz von Rettungsmechanismen (ESM, ELA, ANFA, etc.) entstanden. Das TARGET2-Zahlungssystem der EZB hat sich als quasi bedingungsloses, zinsloses Kreditsystem entpuppt: Rund 1000 Mrd. Euro wurden an s\u00fcdeurop\u00e4ische Banken ausgereicht, wobei die Anforderungen an die Sicherheiten sukzessive reduziert wurden.<\/p>\n<p>Vor allem dank TARGET meldet der \u201eFailed Bank Tracker\u201c seit 2008 f\u00fcr die gesamte Eurozone nur 52 Konkurse, verglichen mit 541 in den USA. Der Nachteil ist, dass faule Kredite unbereinigt bleiben, so dass deren Volumen bei 650 bis 1.000 Mrd. Euro liegt. 2017 betrug der offiziell gemeldete Anteil der notleidenden Kredite bei 47% in Griechenland, 18% in Portugal und 12% in Italien (1,3% in den USA). Insbesondere im s\u00fcdlichen Euroraum halten von den Zentralbanken alimentierte Zombiebanken eine wachsende Anzahl von Zombieunternehmen am Leben (siehe Herok und Schnabl 2018).<\/p>\n<p>Die ungel\u00f6sten Probleme bei den Banken, die schleichende europ\u00e4ische Staatsschuldenkrise, der Austerit\u00e4tsdruck aus Br\u00fcssel sowie und die ultra-lockere Geldpolitik der EZB haben schlie\u00dflich viel Kapital aus dem Euroraum gedr\u00e4ngt (rund zwei Billionen Euro seit 2012) und damit die Banken und Unternehmen weiter geschw\u00e4cht. Da die Fed eine koh\u00e4rentere Strategie sch\u00e4rferer Regulierung und der indirekten Rekapitalisierung solider US-Banken verfolgt und die Zinsen angehoben hat, wurde dieses Kapital zu gro\u00dfen Teilen von den USA angezogen. Das hat dort das Wachstum und damit auch die Qualit\u00e4t der Kreditportfolios gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Viele europ\u00e4ische Banken bleiben hingegen mit giftigen Verm\u00f6genswerten und notleidenden Krediten konfrontiert, w\u00e4hrend die Geld- und Regulierungspolitik der EZB ihre Gewinne schm\u00e4lert. Am Anfang des Abschwungs zeigt sich damit eine hohe Fragilit\u00e4t des Euro-Bankensystems, der die Politik mit Fusionsutopien und Kapitalspritzen zu begegnen sucht. Weil aus zwei Kranken kein Gesunder wird und die Steuermittel begrenzt sind, d\u00fcrften bald neue Anleihek\u00e4ufe der EZB folgen. Die Bankensektor des Eurogebiet w\u00fcrde weiter zombifiziert.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3193917\">Herok, David \/ Schnabl, Gunther 2018: Europ\u00e4ische Geldpolitik, Zombifizierung und Wachstum in Europa. <em>Wirtschaftspolitische Bl\u00e4tter <\/em>18, 463-478<em>.<\/em><\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise haben sich die Banken im Eurogebiet nicht erholt. 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