{"id":25172,"date":"2019-05-04T00:01:55","date_gmt":"2019-05-03T23:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25172"},"modified":"2019-05-13T17:43:02","modified_gmt":"2019-05-13T16:43:02","slug":"tiefer-als-die-oekonomie-zerbroeseln-die-fundamente-der-sozialen-marktwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25172","title":{"rendered":"Tiefer als die \u00d6konomie <br\/><font size=3; color=grey>Zerbr\u00f6seln die Fundamente der Sozialen Marktwirtschaft?<\/font>"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;The inherent vice of capitalism is the unequal sharing of blessings; the inherent virtue of socialism is the equal sharing of miseries.\u201d<\/em> (Winston Churchill)<\/p>\n<p>Trotz ihrer Erfolge wird die Soziale Marktwirtschaft heftig attackiert. Sie wird als Neoliberalismus verunglimpft und f\u00fcr alle \u00dcbel dieser Welt verantwortlich gemacht. Das ist erstaunlich. Noch Anfang der 90er Jahre war dies anders. Die marktwirtschaftliche Ordnung hatte sich gegen alle anderen realen Wirtschaftsmodelle weltweit durchgesetzt. Manche Politologen sahen \u00f6konomisch sogar das Ende der (\u00f6konomischen) Geschichte gekommen. Mit der Globalisierung schien der Boden f\u00fcr einen weltweit h\u00f6heren Wohlstand f\u00fcr alle bereitet. Davon ist schon seit einiger Zeit keine Rede mehr. Die Soziale Marktwirtschaft steht in der Kritik, allokativ und distributiv. Das verwundert nicht. Die Fundamente der marktwirtschaftlichen Ordnung werden untersp\u00fclt. Der rechtliche Rahmen der Wirtschaftsverfassung mit Institutionen und Rechtsregeln erodiert, die informellen Institutionen des Sozialkapitals, das Vertrauen schafft und erh\u00e4lt, zeigen Risse, die stabilisierende Kraft des \u201eSozialen\u201c ger\u00e4t unter die R\u00e4der des politischen Opportunismus.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Die Marktwirtschaft lebt allokativ von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen kann<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die marktwirtschaftliche Ordnung entsteht nicht von selbst. Sie funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Notwendig ist einerseits ein formeller, rechtlicher Rahmen. Die Garantie von privatem Eigentum, die private Vertragsfreiheit und der freie Zu- und Abgang zu und von den M\u00e4rkten sind die wichtigsten Elemente einer solchen effizienten Ordnung. Werden sie richtig installiert, sind effiziente Ergebnisse m\u00f6glich. Handlung und Haftung fallen nicht auseinander. Auf den M\u00e4rkten herrscht funktionsf\u00e4higer Wettbewerb. Die individuellen Pl\u00e4ne werden \u00fcber relative Preise koordiniert. Ein solches Ergebnis ist aber schwierig zu erzielen. Der ad\u00e4quate ordnungspolitische Rahmen entsteht in der Regel nicht aus dem Markt heraus. Er wird von der Politik entworfen und installiert. Die Politik ist allerdings nicht prim\u00e4r an \u00f6konomischer Effizienz orientiert. Sie will mit ihren parteipolitischen Aktivit\u00e4ten zuerst m\u00f6glichst viele W\u00e4hler f\u00fcr sich gewinnen. Politisch ertragreiche und \u00f6konomisch effiziente L\u00f6sungen sind deshalb oft zwei Paar Schuhe.<\/p>\n<p>Funktionsf\u00e4hige M\u00e4rkte brauchen allerdings mehr, viel mehr. Ohne einen informellen, nicht-rechtlichen Unterbau geht es nicht. Wirtschaftliches Zusammenleben funktioniert nicht, wenn sich wirtschaftliche Akteure nicht vertrauen. Solches Vertrauen entsteht durch Bindungen der Menschen untereinander, organisiert oder spontan. Daraus entwickeln sich Normen, also Regeln und Verhaltensmuster, die helfen die Bindungen zu stabilisieren. Individuelle Bindungen, gesellschaftliche Normen und gegenseitiges Vertrauen sind die wichtigsten Elemente des Sozialkapitals einer Gesellschaft. Ohne sie lie\u00dfen sich die formellen, rechtlichen Bindungen nicht oder nur unter hohen (Transaktions-)Kosten aufrechterhalten. Die marktwirtschaftliche Ordnung w\u00fcrde kaum reibungslos funktionieren. Allerdings entstehen diese komplexen Netzwerke, die als \u201esozialen Kitt\u201c eine Gesellschaft zusammenhalten, nicht allein aus dem Markt heraus. Nicht-Markt-Institutionen, wie Familien, Kommunen, Vereine, Kirchen und viele andere mehr sind pr\u00e4gend.<\/p>\n<p>Eine funktionierende Marktwirtschaft lebt von Voraussetzungen &#8211; rechtlicher und nicht-rechtlicher Rahmen &#8211; die sie selbst weder schaffen noch garantieren kann. Bei den formalen, rechtlichen Institutionen ist sie auf die Hilfe der Politik angewiesen. Unvollkommene politische M\u00e4rkte verhindern allerdings oft, dass ein effizienter ordnungspolitischer Rahmen installiert wird. Ineffiziente Ergebnisse sind unvermeidlich. Auch beim informellen, nicht-rechtlichen Rahmen ist die Marktwirtschaft auf die Hilfe anderer angewiesen. Allerdings ist auch die Politik nicht in der Lage, den \u201esozialen Kitt\u201c gesellschaftspolitisch direkt herzustellen. Er entsteht vor allem durch viele Nicht-Markt-Institutionen, die auf freiwilligen Entscheidungen der B\u00fcrger basieren. Erst sie erm\u00f6glichen vertrauensvolle Beziehungen in und zwischen gro\u00dfen Gruppen von Individuen (&#8222;bonding&#8220; und &#8222;bridging&#8220;). Die Politik kann mit dazu beitragen, diese Institutionen zu f\u00f6rdern. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass sich gegenseitiges Vertrauen leichter in homogeneren als in heterogeneren Gesellschaften einstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Die marktwirtschaftliche Ordnung braucht staatliche distributive Hilfe<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine marktwirtschaftliche Ordnung ist ein fragiles Gebilde. Sie lebt nicht nur allokativ von Voraussetzungen, die sie selbst weder schaffen noch nachhaltig garantieren kann. Auch distributiv ist sie auf externe (staatliche) Hilfe angewiesen, um nicht instabil zu werden. Trotz aller M\u00e4ngel ist die Marktwirtschaft das effizienteste Wirtschaftsmodell, das die Welt kennt. Sie ist am ehesten in der Lage, knappe Ressourcen in die besten Verwendungsarten zu bringen. Das geht allerdings meist nicht ohne Reibungsverluste ab, f\u00fcr Arbeit und Kapital. Altes verschwindet, neues kommt. In einer \u201eSozialen\u201c Marktwirtschaft versucht der (Sozial-)Staat, einen Teil der Kosten der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung f\u00fcr die vom strukturellen Wandel betroffenen Arbeitnehmer auf die Allgemeinheit umzulegen. Das geschieht meist in den Systemen der Sozialen Sicherung, vor allem \u00fcber die Arbeitslosenversicherung. Arbeitslosigkeit ist ein schwer versicherbares Risiko. Effiziente marktliche Versicherungsl\u00f6sungen sind nicht m\u00f6glich. Zumindest ein organisatorischer staatlicher Rahmen f\u00fcr die Arbeitslosenversicherung ist deshalb unverzichtbar.<\/p>\n<p>Aller struktureller Wandel geht immer auch mit distributiven Verwerfungen einher. Das bedeutet nicht nur (tempor\u00e4re) Armut f\u00fcr einige, vor allem gering qualifizierte Individuen. Auch die Einkommen und Verm\u00f6gen verteilen sich ungleich in der Gesellschaft. Am oberen Ende der Verteilung wachsen die Einkommen und Verm\u00f6gen wesentlich schneller als am unteren. Wenn es dumm l\u00e4uft, verliert die Mitte. Die Antwort auf die Frage, wie mit diesen distributiven Entwicklungen in einer \u201eSozialen\u201c Marktwirtschaft umzugehen ist, ist eine werturteilsbeladene. Die Meinungen dar\u00fcber, was gerecht oder ungerecht ist, gehen in der Gesellschaft weit auseinander. Es ist keine \u00f6konomische, es ist eine philosophische Frage. Trotz aller individuell unterschiedlichen Werturteile existiert allerdings in den zivilisierten westlichen Gesellschaften ein allgemein akzeptiertes Werturteil. Es besteht \u00dcbereinstimmung, dass alle Individuen einen Anspruch auf ein sozio-kulturelles Existenzminimum haben sollten. Wie es allerdings konkret auszugestalten ist, dar\u00fcber gehen die Meinungen auseinander.<\/p>\n<p>Es ist zwar grunds\u00e4tzlich denkbar, dass der Markt auch umverteilende Arrangements f\u00fcr ungleich verteilte Einkommen findet. Mit einer freiwilligen Umverteilung von Einkommen k\u00f6nnten reichere Individuen gezielt armen B\u00fcrgern finanziell unter die Arme greifen. Tats\u00e4chlich werden viele Individuen philanthropisch aktiv, wenn auch von Land zu Land unterschiedlich. Diese Aktivit\u00e4ten der N\u00e4chstenliebe und Menschenfreundlichkeit reichen allerdings in der Regel nicht aus, materielle Armut wirksam zu bek\u00e4mpfen. Der individuelle Anreiz, im Kampf gegen die Armut, Trittbrett zu fahren, ist f\u00fcr die meisten Individuen zu gro\u00df, um es nicht zu tun. Auf freiwilliger Basis wird zu wenig umverteilt. Die Hilfe des Staates ist notwendig. Er muss ein sozio-kulturelles Existenzminimum garantieren. Wie er die Umverteilung organisiert, h\u00e4ngt von vielem ab. Eine wichtige Rolle spielt die Effizienz. Die bedarfsorientierte Umverteilung ist so zu gestalten, dass Ertr\u00e4ge und Kosten einigerma\u00dfen ausbalanciert sind. Das stabilisiert die \u201eSoziale\u201c Marktwirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Zerst\u00f6rt die marktwirtschaftliche Ordnung ihr eigenes (Werte)Fundament?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Marktwirtschaft l\u00e4uft Gefahr, dass ihre Fundamente untersp\u00fclt werden. Der formelle, rechtliche Ordnungsrahmen wird als Neoliberalismus verunglimpft. Private Eigentumsrechte erodieren, wie die Enteignungsdiskussionen in Berlin und anderswo zeigen. Die individuelle Vertragsfreiheit wird ausgehebelt, wie die zahlreichen Kollektivvertr\u00e4ge auf den Arbeitsm\u00e4rkten belegen. Der freie Zugang zu den M\u00e4rkten ger\u00e4t in Gefahr, wie die ministerielle industriepolitische Forderung nach nationalen und europ\u00e4ischen Champions zeigt. Aber auch der informelle, nicht-rechtliche Rahmen zerbr\u00f6selt. Die Bindungen zwischen den Menschen geraten in Zeiten wirtschaftlich globaler Entwicklungen und hoher Mobilit\u00e4t ins Wanken. Damit kommen auch Normen, die sich aus pers\u00f6nlichen Bindungen entwickeln und diese stabilisieren, immer \u00f6fter unter die R\u00e4der. Das alles besch\u00e4digt das f\u00fcr eine Marktwirtschaft wichtige gegenseitige Vertrauen. Die Normen und pers\u00f6nlichen Bindungen kommen ins Rutschen. Der formelle und informelle Ordnungsrahmen erodieren. Die marktwirtschaftliche Ordnung ger\u00e4t ins Wanken.<\/p>\n<p>Auch wachsende materielle Ungleichheiten drohen, die Fundamente marktwirtschaftlicher Ordnungen zu erodieren. Welt- und europaweit offenere M\u00e4rkte sind nicht nur wirtschaftlich dynamisch. Sie wirbeln auch die Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen durcheinander. Eine marktwirtschaftliche Ordnung wird instabil, wenn die Armut sp\u00fcrbar w\u00e4chst und die Ungleichheit stark zunimmt. Der Staat ist gefordert, diese Entwicklung zu stoppen. Er tut dies traditionell mit inter-personeller Umverteilung. Dieser Weg st\u00f6\u00dft aber an Grenzen. Staatliche Umverteilung ist nicht kostenlos. Sie kostet \u00f6konomische Effizienz. \u00dcbertreibt es die Politik umverteilungspolitisch, gef\u00e4hrden die Effizienzverluste den wirtschaftlichen Wohlstand. Und noch etwas begrenzt. Weltweit offene M\u00e4rkte erh\u00f6hen die Kosten staatlicher Umverteilung. Wer ineffizient inter-personell umverteilt, l\u00e4uft Gefahr, international an Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu verlieren. Die Politik muss deshalb nach Instrumenten suchen, die den Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gleichheit verringern.<\/p>\n<p>Die Kritik an weltweit offenen M\u00e4rkten allerdings, dass staatliche Umverteilung unm\u00f6glich wird, weil es zu einem \u201erace to the bottom\u201c kommt, ist ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Umverteilung ist auch in Zeiten der Globalisierung weiter m\u00f6glich. So mobil sind die Ressourcen international nicht, schon gar nicht die Arbeit, damit nationale Umverteilung unm\u00f6glich wird. Weltweit offenere M\u00e4rkte versehen allerdings die Instrumente der Umverteilung mit Preisschildern. Wenn eine Gesellschaft mehr staatliche Umverteilung will, m\u00fcssen die B\u00fcrger bereit sein, daf\u00fcr mit h\u00f6heren Steuern und Abgaben, niedrigeren L\u00f6hnen oder h\u00f6herer Produktivit\u00e4t zu bezahlen. Ein Blick in die Empirie zeigt allerdings, dass von einem Schrumpfen staatlicher Umverteilung keine Rede sein kann. Der Sozialetat in reichen L\u00e4ndern w\u00e4chst stetig. Unvollkommene politische M\u00e4rkte sorgen daf\u00fcr. Umverteilung ist ein wichtiges Instrument im politischen Wettbewerb der Parteien. Es geht im politischen Prozess oft weniger darum, Einkommen gerechter zu verteilen als W\u00e4hlerstimmen zu maximieren. Ziel der Begierde ist die politisch ertragreiche Mittelklasse. Sie wird beg\u00fcnstigt und muss zahlen. Umverteilt wird oft von den nicht ganz Reichen zu den nicht ganz Armen. Umverteilung und Gerechtigkeit sind in einer Demokratie zwei Paar Schuhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Was k\u00f6nnte die Pfeiler marktwirtschaftlicher Ordnungen stabilisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Die Fundamente der Sozialen Marktwirtschaft erodieren. Der formale, rechtliche Rahmen (Eigentumsrecht, Vertragsfreiheit, Marktzugang) wird von der Politik besch\u00e4digt. Die informellen, nicht-rechtlichen Institutionen (Beziehungen, Normen, Vertrauen) sind vom Verfall bedroht. Der Politik gelingt es oft nicht, die offene distributive Flanke systemkonform zu schlie\u00dfen. Alle drei Fundamente der marktwirtschaftlichen Ordnung gilt es zu stabilisieren. Der rechtliche Rahmen, der die Spielregeln f\u00fcr die wirtschaftlichen Akteure festlegt, wird von der Politik gestaltet. Er ist wenig effizient, weil politische M\u00e4rkte unvollkommen sind. Rationales Unwissen, Paketl\u00f6sungen und Kurzfristdenken sind nur einige der vielen Defizite. Reformen der politischen M\u00e4rkte sind schwierig. Viel w\u00e4re schon gewonnen, wenn es gel\u00e4nge, die W\u00e4hler im politischen Prozess zu st\u00e4rken (mehr direkte Demokratie), die Macht von Interessengruppen zu beschr\u00e4nken (mehr Transparenz) und weniger Trittbrettfahrer-Verhalten der W\u00e4hler zuzulassen (mehr Langfristdenken).<\/p>\n<p>Das sozialkapitalistische Fundament der Sozialen Marktwirtschaft zerbr\u00f6selt. Es erodiert, weil die Bindungen der Menschen untereinander lockerer werden, den Normen und Regeln damit der Boden individueller und gruppenspezifischer Kontakte entzogen wird. Damit schwindet das Vertrauen der Menschen, dass Regeln eingehalten werden. Das wirtschaftliche Gesch\u00e4ft wird (transaktions-)kostenintensiver, die marktwirtschaftliche Ordnung bekommt Risse. Ein erster Schritt der Umkehr w\u00e4re getan, wenn es gel\u00e4nge, den Zentralisierungstrend zu brechen. Dezentrale L\u00f6sungen sind zentralen oft \u00fcberlegen. Auf regionaler und kommunaler Ebene sind die Bindungen der Menschen st\u00e4rker. Es ist auch leichter m\u00f6glich, unterschiedliche Einstellungen zu Werten zu entsch\u00e4rfen. Das ist wichtig, weil mehr Mobilit\u00e4t die Homogenit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung aufbricht. Die Zuwanderung vergr\u00f6\u00dfert die Heterogenit\u00e4t noch. Ohne Integration wird der informelle Rahmen weiter erodieren. Der beste Weg der Integration ist die Besch\u00e4ftigung. Flexible Arbeitsm\u00e4rkte sind ein wichtiges Element, die Erosion von Bindungen, Normen und Vertrauen zu verlangsamen.<\/p>\n<p>Die marktwirtschaftlichen Ordnungen sind auf Sand gebaut, wenn die Armut sp\u00fcrbar steigt und die Ungleichheit zunimmt. Der Politik gelingt es mit den traditionellen Instrumenten der Umverteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen immer weniger, die destabilisierende Wirkung der Ungleichheit in den Griff zu bekommen. Die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen zeigt, viele Menschen sind dem nicht abgeneigt. Noch immer ist eine Mehrheit allerdings der Meinung, dass die Leistungen der Grundsicherung eine Hilfe zur Selbsthilfe sind. Von den Transferempf\u00e4ngern wird eine Gegenleistung erwartet. Die Diskussion um Hartz IV zeigt, die traditionelle Umverteilung st\u00f6\u00dft an Grenzen. Sie muss um neue Instrumente erg\u00e4nzt werden. Die Grundsicherung st\u00fcnde weniger in der Kritik, wenn es gel\u00e4nge die soziale Mobilit\u00e4t zu erh\u00f6hen. Wer gute Chancen hat, sozial aufzusteigen, den k\u00fcmmert die Ungleichheit weniger. Eine h\u00f6here soziale Mobilit\u00e4t ist nur denkbar, wenn die Familien stabiler, die Schulen besser und die Arbeitsm\u00e4rkte flexibler sind. Hier liegen die Ansatzpunkte, damit die Ungleichheit die Marktwirtschaft nicht weiter destabilisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es ist paradox. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Erfolgsmodell, weltweit. Kein anderes (reales) Wirtschaftsmodell kann ihr das Wasser reichen. Dennoch steht sie heftiger als je zuvor in der Kritik. Sie verliert an Strahlkraft, weil sie allokativ und distributiv schw\u00e4chelt. Das hat einen Grund: Die tragenden Fundamente der marktwirtschaftlichen Ordnung werden untersp\u00fclt. Der formelle, rechtliche Rahmen der freiheitlichen Wirtschaftsverfassung mit ad\u00e4quaten Institutionen und effizienten Rechtsregeln erodiert. Die informellen, nicht-rechtlichen Institutionen des Sozialkapitals, das Vertrauen schafft und erh\u00e4lt, bekommen immer gr\u00f6\u00dfere Risse. Die stabilisierende Kraft des \u201eSozialen\u201c ger\u00e4t unter die R\u00e4der des Opportunismus machtbewusster Politiker. Dagegen anzugehen, ist schwer. Die unvollkommenen politischen M\u00e4rkte m\u00fcssen reformiert, das Prinzip der Subsidiarit\u00e4t muss gest\u00e4rkt und die offene distributive Flanke muss effizienter geschlossen werden. Das alles zeigt ein grunds\u00e4tzliches Manko marktwirtschaftlicher Ordnungen: Sie leben von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen und auch nicht garantieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;The inherent vice of capitalism is the unequal sharing of blessings; the inherent virtue of socialism is the equal sharing of miseries.\u201d (Winston Churchill) Trotz &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25172\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTiefer als die \u00d6konomie <br \/><font size=3; color=grey>Zerbr\u00f6seln die Fundamente der Sozialen Marktwirtschaft?<\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":25174,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,2371,2646,4,3131,23],"tags":[556,3133,849,3132],"class_list":["post-25172","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-distributives","category-eigentumsrechtliches","category-marktwirtschaftliches","category-soziales","category-sozialkapitalistisches","category-wettbewerbliches","tag-berthold","tag-marktwirtschaftliche-ordnung","tag-soziale-marktwirtschaft","tag-sozialkapital"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Tiefer als die \u00d6konomie Zerbr\u00f6seln die Fundamente der Sozialen Marktwirtschaft? 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