{"id":25526,"date":"2019-07-22T00:01:18","date_gmt":"2019-07-21T23:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25526"},"modified":"2019-07-22T17:25:37","modified_gmt":"2019-07-22T16:25:37","slug":"die-ezb-und-die-regulierung-treiben-die-konzentration-im-banken-und-unternehmenssektor-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25526","title":{"rendered":"Die EZB und die Regulierung treiben die Konzentration im Banken- und Unternehmenssektor voran"},"content":{"rendered":"<p>10 Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise zeichnet sich eine wachsende Konzentration im Wirtschaftsleben ab (DeLoecker und Eeckhout 2017, Guti\u00e9rrez und Philippon 2017). Der Nobelpreistr\u00e4ger <a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/united-states-economy-rising-market-power-by-joseph-e-stiglitz-2019-03?barrier=accesspaylog\">Joseph Stiglitz<\/a> hat kommentiert, dass in den USA die Marktmacht steige, wo man hinsehe. Gleichzeitig signalisieren die Zentralbanken mit Blick auf die nahende Rezession weitere Zinssenkungen und neue Ank\u00e4ufe von Verm\u00f6genswerten. Auch die Regulierung nimmt zu, obwohl beide Faktoren ein wichtiger Treiber f\u00fcr die Monopolisierung sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Finanzsektor haben die Leitzinsensenkungen der gro\u00dfen Zentralbanken in Reaktion auf das Platzen der Dotcom-Blase (2000) Exzesse beg\u00fcnstigt, die ab 2007 in die europ\u00e4ische und globale Finanzkrise f\u00fchrten. Seither schadet die Krisenpolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) und der Regulierungsbeh\u00f6rden den Banken (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=24652#more-24652\">Schnabl und Stratmann 2019<\/a>). Einerseits wurden umfangreiche kostspielige Regulierungen und h\u00f6here Eigenkapitalanforderungen auf den Weg gebracht, die mit h\u00f6heren Kosten verbunden sind. Umfangreichere Berichtspflichten belasten insbesondere kleine Banken. Zudem hat die Regulierung den Eigenhandel der Banken eingeschr\u00e4nkt, der bei weiterhin steigenden Verm\u00f6genspreisen lukrativ w\u00e4re.<\/p>\n<p>Andererseits hat die EZB mit Zinssenkungen gegen null und negativen Zinsen auf die hohen Einlagen der Banken bei der EZB die Zinsmargen \u2013 z.B. die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinsen \u2013schmerzlich gedr\u00fcckt. Die Banken k\u00f6nnen das mit h\u00f6heren Ertr\u00e4gen im weiterhin boomenden Investment- und Beratungsgesch\u00e4ft kompensieren. Doch dort haben, nicht zuletzt aufgrund der strengeren Regulierung, die gro\u00dfen (US-)Investmentbanken die Nase vorn. Die Banken sehen sich gezwungen, Filialen zu schlie\u00dfen und zu fusionieren. Damit beschleunigt die EZB zusammen mit der nationalen und europ\u00e4ischen Finanzaufsicht den Konzentrationsprozess im Finanzsektor, der durch die Digitalisierung angesto\u00dfen wurde.<\/p>\n<p>Die Konzentration im Unternehmenssektor basiert auf dem negativen Einfluss der Geldpolitik auf die Produktivit\u00e4tsgewinne. Die Euroeinf\u00fchrung hat 1999 f\u00fcr damals 44% der deutschen Exporte den bis dahin \u00fcblichen Aufwertungsdruck, der von den schwachen W\u00e4hrungen im S\u00fcden Europas ausging, beseitigt. Die Hartz-Reformen, die auch gemacht wurden, um die Euro-Maastricht-Kriterien einzuhalten, haben eine anhaltende Lohnzur\u00fcckhaltung eingeleitet. Das hat die Lohnkosten der Unternehmen deutlich reduziert. Die EZB hat die durchschnittlichen Kreditzinsen f\u00fcr deutsche Unternehmen von 5,5% (1999) auf 2,0% (2019) gedr\u00fcckt und seit 2012 den Euro gegen\u00fcber dem Dollar um ca. 30% abgewertet. Diese leichten Windfallprofite haben die Unternehmen dazu verf\u00fchrt, beim Streben nach Effizienzgewinnen nachzulassen. Damit sind die gesamtwirtschaftlichen Produktivit\u00e4tsgewinne deutlich zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Da Produktivit\u00e4tsgewinne aber die Grundlage f\u00fcr reale Lohnerh\u00f6hungen sind, sind die L\u00f6hne trotz des leichten Anstiegs in der Hochkonjunktur der letzten Jahre unter Druck. Die Kunden sind stetig auf der Suche nach den g\u00fcnstigsten Angeboten. Im Einzelhandel haben Rewe, Edeka, Schwarz und Aldi zusammen einen Marktanteil von 70% erreicht, was es ihnen erleichtert den Kostendruck der Konsumenten an die Unternehmen weiterzugeben. Dies hat kleine Unternehmen st\u00e4rker getroffen, da deren Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit auf das Inland ausgerichtet ist. Die gro\u00dfen Unternehmen konnten hingegen die stagnierende Kaufkraft im Inland durch mehr Exporte kompensieren. Die Nachfrage im Ausland nach deutschen G\u00fctern wurde gest\u00e4rkt, weil seit Einf\u00fchrung des Euros aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB (kombiniert mit einer restriktiven Lohn- und Finanzpolitik) fast 3000 Milliarden Euro ins Ausland abgeflossen sind.<\/p>\n<p>Trotz geringer Effizienzgewinne sind die Aktienpreise der gro\u00dfen Unternehmen gestiegen, weil die lockere Geldpolitik der EZB die genannten Kostensenkungen und eine Flucht in Sachwerte ausgel\u00f6st hat. Der Aktienboom hat gro\u00dfe Unternehmen wie Linde ermutigt, durch Fusionen (mit Praxair) ihre Marktmacht zu erh\u00f6hen. Da die Kreditzinsen stetig gefallen sind, wurden zudem kreditfinanzierte \u00dcbernahmen beg\u00fcnstigt. Gro\u00dfe Unternehmen k\u00f6nnen \u00fcber die Ausgabe eigener Wertpapiere eine Kriegskasse f\u00fcllen, um ihre Marktmacht auszubauen. Bayer und Infineon haben mit Hilfe von Krediten Monsanto bzw. Cypress \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Marktmacht steigt nicht nur gegen\u00fcber Konsumenten, sondern auch gegen\u00fcber den eigenen Mitarbeitern bei Lohnverhandlungen bzw. gegen\u00fcber den Zulieferern bei der Verhandlung der Inputpreise. Wer nicht fusioniert, will \u00fcber strategische Allianzen Kosten sparen. Daimler und BMW kooperieren zum Beispiel bei Carsharing und autonomen Fahren. Die Mittelst\u00e4ndler Zollern und Miba wollen mit Ministererlaubnis ein Monopol bei Gleitlagern schaffen.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Politiker thematisieren die konzentrationsf\u00f6rdernde Wirkung der Geld- und Regulierungspolitik nicht. Sie bahnen lieber Fusionen den Weg, wie Olaf Scholz bei Deutscher Bank und Commerzbank. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat f\u00fcr seine Vision einer strategischen Industriepolitik nationale Champions wie Siemens und VW gek\u00fcrt. Die fr\u00fchere Wirtschaftsministerin Zypries frohlockte nach der Pleite von Air Berlin \u00fcber Lufthansa als nationalem Champion. Der Versuch von Monopolbeh\u00f6rden, den Konzentrationsprozess aufzuhalten, wird von der Politik behindert. Der EU-Parlamentarier Manfred Weber hat das Verbot der Fusion von Siemens und Alstrom durch Margrethe Vestager angeprangert.<\/p>\n<p>Das ist alles ist nicht im Sinne einer Marktwirtschaft, die eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Konkurrenz zwischen den Unternehmen voraussetzt. Der Vater der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhard wusste bereits, dass Kartelle zu Lasten des Mittelstandes gehen, der nicht kartellf\u00e4hig ist (Schnabl 2018). Kartelle werden nach Erhard immer von den B\u00fcrgern mit einem geringeren Lebensstandard bezahlt: Die Preise steigen, die Qualit\u00e4t der G\u00fcter und Dienstleistungen sinkt, oder die L\u00f6hne kommen unter Druck. Kartelle und billige Kredite sind nach Erhard auch kein Mittel zur \u00dcberwindung von Krisen, weil die organische Aufl\u00f6sung von Krisen verhindert wird. Die Krise werde vielmehr versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Die geld- und wirtschaftspolitischen Entscheidungstr\u00e4ger sowie die Regulierer sollten deshalb ihre Politik dahingehend \u00e4ndern, dass die Zinsen erh\u00f6ht und Regulierung zur\u00fcckgefahren werden. Nur so kann dem schleichenden Monopolisierungsprozess Einhalt geboten werden.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>De Loecker, Jan \/ Jan Eeckhout, Jan 2017: The Rise of Market Power and the Macroeconomic Implications. <em>NBER Working Paper<\/em> 23687.<\/p>\n<p>Guti\u00e9rrez, Germ\u00e1n \/ Philippon Thomas (2017): Declining Competition and Investment in the U.S. <em>NBER Working Paper<\/em> 23583.<\/p>\n<p>Schnabl, Gunther \/ Stratmann, Thomas 2019: Die EZB l\u00e4sst die Banken des Eurogebiets unvorbereitet f\u00fcr den Abschwung. <em>Wirtschaftliche Freiheit<\/em>, 22.2.2019.<\/p>\n<p>Schnabl, Gunther (2018): Die Europ\u00e4ische Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion im Lichte der deutschen W\u00e4hrungs- und Wirtschaftsreform des Jahres 1948. <em><a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3251401\">Austrian Institute Paper 22.<\/a><\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10 Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise zeichnet sich eine wachsende Konzentration im Wirtschaftsleben ab (DeLoecker und Eeckhout 2017, Guti\u00e9rrez und Philippon 2017). 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