{"id":25807,"date":"2019-09-04T17:06:16","date_gmt":"2019-09-04T16:06:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25807"},"modified":"2019-09-21T06:12:33","modified_gmt":"2019-09-21T05:12:33","slug":"klima-wieviel-panik-ist-vernuenftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25807","title":{"rendered":"Klima: Wieviel Panik ist vern\u00fcnftig?"},"content":{"rendered":"<p>Als Alt-Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck in einem Fernsehinterview gefragt wurde, wie er die Idee findet, Greta Thunberg den Friedensnobelpreis zu verleihen, antwortete er beziehungsreich l\u00e4chelnd mit nur einem einzigen Wort: \u201eOriginell.\u201c Was immer er damit im Schilde f\u00fchrte, so bleibt doch klar: Greta Thunberg ist zur Kult-Figur avanciert, mit allem, was dazu geh\u00f6rt. Sie hat einen Nerv bei einer gro\u00dfen Zahl ihrer Altersgenossen getroffen, und es ist deren gutes Recht, sich entsprechend zu artikulieren \u2013 auch schrill und laut. Und es ist ihr gutes Recht, mit spektakul\u00e4ren Aktionen auf sich aufmerksam zu machen \u2013 auch mit dem Vorwurf, k\u00fcnftigen Generationen die Zukunft zu verbauen. Es ist ja nicht das erste Mal. In den 1980er Jahren hat ein Teil einer Generation schon einmal behauptet, keine Zukunft mehr zu haben. \u201e<em>No future<\/em>!\u201c, wurde seinerzeit gerufen, und man begr\u00fcndete den Slogan unter anderem mit den Folgen von Atomkraft, Waldsterben und atomarer R\u00fcstung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Inzwischen sieht die<em> No-Future-Generation<\/em> ihrer nahenden Pensionierung entgegen. Zugleich sieht sie sich nun ihrerseits dem Vorwurf ausgesetzt, die Zukunft ihrer Nachfolgegeneration zu zerst\u00f6ren \u2013 diesmal aber nicht seitens einer <em>No-Future-Bewegung, <\/em>sondern seitens der <em>Fridays-for-Future-Bewegung<\/em>. Wie sich die Dinge \u00e4hneln! W\u00e4hrend die erstere ihre \u201e<em>die-ins<\/em>\u201c seinerzeit im Angesicht neuer atomarer Mittelstreckenraketen im Zuge des damaligen NATO-Doppelbeschlusses und in der Bef\u00fcrchtung veranstaltete, in einem baldigen Atomkrieg pulverisiert zu werden, organisiert die letztere sie in der Bef\u00fcrchtung, mit dem Klimawandel bald auf einer unbewohnbaren Erde darben zu m\u00fcssen. Dass die Gro\u00dfm\u00e4chte derweil wieder munter neue Mittelstreckenraketen entwickeln und die Erde damit wom\u00f6glich irgendwann tats\u00e4chlich in Schutt und Asche legen, interessiert im Moment niemanden. Vor bald vier Jahrzehnten hat es allein in West-Deutschland Millionen auf die Stra\u00dfe getrieben. Offenbar kann man sich stets nur auf einen Weltuntergang konzentrieren. Da muss der andere dann mal warten.<\/p>\n<p>Bisher ist aber alles noch gut gegangen, und die <em>No-Future-Generation<\/em> hat, wie wir heute wissen, eine gl\u00e4nzende Zukunft gehabt: Einkommen, Lebenserwartung, medizinische Versorgung und was sonst noch alles zur Lebensqualit\u00e4t geh\u00f6rt, haben sich als historisch unerreicht herausgestellt. Und in vielerlei Hinsicht ist auch die Umwelt deutlich besser geworden. So mancher \u201e<em>Die-in-Aktivist<\/em>\u201c von damals parkt heute sein lackgl\u00e4nzendes SUV vor dem freistehenden Eigenheim. So gesehen, war das damalige <em>no future<\/em> zumindest im Nachhinein betrachtet eine gravierende Fehleinsch\u00e4tzung. Freilich muss sich das f\u00fcr die <em>Fridays-for-Future-Bewegung<\/em> nicht wiederholen. Wir sollten es hoffen, aber wir wissen es nicht. Was wir allerdings wissen, ist dies: Der Anlass dieser Bewegung ist der Klimawandel, und der ist zweifellos und nicht anders als die nach wie vor ungebremste atomare R\u00fcstung ein gravierendes Problem der Menschheit \u2013 ein besorgniserregendes und vielleicht sogar ein existenzielles Problem.<\/p>\n<p>Die jungen Leute weisen also zurecht darauf hin, und zurecht tun sie das mit gro\u00dfem Nachdruck. Nicht zuletzt deshalb sollte man nachsichtig mit der Art sein, mit der sie das tun: wenn zum Beispiel die Segelyacht\u00fcberfahrt von Greta Thunberg am Ende nicht wirklich, sondern nur symbolisch eine gute Klimabilanz vorweisen kann. Und man sollte auch nicht gleich mit der ganz gro\u00dfen Keule zuschlagen, wenn Sch\u00fcler in diesem Zusammenhang einmal ihrer Schulpflicht nicht nachkommen und dabei ein wenig von der Luft der Illegalit\u00e4t schnuppern. Schlie\u00dflich sollten wir noch in einer letzten Hinsicht nachsichtig sein: gegen\u00fcber weniger schlauen \u00c4u\u00dferungen n\u00e4mlich, wie zum Beispiel dem ber\u00fchmt gewordenen Satz von Greta Thunberg, der da lautete: \u201eI want you to panic!\u201c<\/p>\n<p>Aber: Nachsichtig zu sein, bedeutet nicht, sich dem Trubel in all seinen Irrationalit\u00e4ten anzuschlie\u00dfen, wie jemand, der nicht gemerkt hat, dass er in die Jahre gekommen ist und sich nun auf Partys jungen Leuten anbiedert, indem er vergeblich deren Slang nach\u00e4fft. Genauso wirkt es, wenn derzeit wieder und wieder dieser v\u00f6llig irrationale Satz \u201eI want you to panic!\u201c ehrfurchtsvoll zitiert wird, als handele es sich um eine tiefsch\u00fcrfende Einsicht. Greta Thunberg ist gewiss ein Ph\u00e4nomen, und sie hat sprichw\u00f6rtlich und durchaus im guten Sinne viel bewegt. Aber eine Philosophin, an deren Lippen wir fortan alle h\u00e4ngen sollten, ist sie damit noch nicht. Und bessere Rezepte zur L\u00f6sung des Problems hat sie deshalb auch noch nicht.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb auch wirkt es anbiedernd, wenn Lehrer und Rektoren die Schulpflichtverletzungen ihrer Sch\u00fcler zum Anlass nehmen, dem Ruf der Prophetin ebenfalls zu folgen und mitzumarschieren, oder wenn sie die anf\u00e4nglich noch wunderbar ordnungswidrigen Aktionen der Sch\u00fcler zu Schulveranstaltungen machen! Den protestierenden Sch\u00fclern erweisen sie damit jedenfalls einen B\u00e4rendienst. Denn wo bleibt die Auflehnung gegen die Erwachsenen, wenn die vorneweg marschieren, bevor sie nach Abschluss der Proteste mit ihrem Mittelklassewagen nach Hause in ihr Eigenheim fahren?<\/p>\n<p>Auch in den 80ern waren Richter unter der Hand nachsichtig, als sich junge Leute n\u00e4mlich an Gleise gekettet hatten, um Atomtransporte zu behindern. Diese Nachsicht war richtig so. Aber es war auch richtig, formell darauf zu bestehen, dass solche Aktionen den Tatbestand der N\u00f6tigung erf\u00fcllen und damit illegal sind, egal wie bedeutend der Anlass ist. Von einer solchen Haltung sollte man auch heute nicht abr\u00fccken. Die Schulpflicht ist eine bindende gesetzliche Regel, und wer meint, zu einem h\u00f6heren Zweck gegen diese Regel versto\u00dfen zu m\u00fcssen, der soll das tun und die daraus folgenden Konsequenzen tragen. Offenbar waren die Sch\u00fcler ja bereit dazu.<\/p>\n<p>Die stattdessen zu beobachtende Anbiederei ist nicht nur nervig, sondern vor allem sch\u00e4dlich. Statt die Rolle der protestierenden Jugendlichen nachzu\u00e4ffen, sollten die \u201eErwachsenen\u201c \u2013 also die Politiker, die Journalisten, die Lehrer und wer sonst noch Verantwortung tr\u00e4gt \u2013 jene Rolle einnehmen, die ihnen zusteht. Und die besteht darin, einerseits das Anliegen der jungen Leute anzuerkennen, die Debatte andererseits aber in rationale Bahnen zu lenken. Dass man ihnen das als Besch\u00f6nigung vorwerfen wird, wird man aushalten m\u00fcssen und k\u00f6nnen. Rationalit\u00e4t hat oft einen schlechten Ruf, gerade wenn es um emotional aufgeladene Probleme geht; und doch haben wir der Rationalit\u00e4t die L\u00f6sung fast aller dieser Probleme zu verdanken. Rationalit\u00e4t steckt hinter praktisch allen Errungenschaften, die uns heute wichtig sind, darunter vor allem: Toleranz, Menschenrechte, Demokratie und Wohlstand. Und auch das Klimaproblem werden wir nur mit ihrer Hilfe l\u00f6sen, oder wir werden es gar nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ungeachtet dieser Einsicht wurde das Sommerloch gef\u00fcllt mit sinnlosen Vorschl\u00e4gen und gegenseitigen Anschuldigungen, bei denen bisweilen alles durcheinanderging: vor allem die Reduktion von Plastikm\u00fcll und das Klimaproblem. Alles landete in einem gro\u00dfen Topf und n\u00e4hrte die Illusion, alles werde besser, wenn die Menschen nur endlich das moralisch Richtige t\u00e4ten, ihr Naturell \u00e4nderten und grundlegend abkehrten von ihrem schrecklichen westlichen Lebensstil. In missionarischem Eifer wurden die SUV-Fahrer, die Ferienflieger, die Fleischesser und sogar die Strohhalmtrinker als Schuldige f\u00fcr das Klimaproblem identifiziert und zwischendurch gar die Gr\u00fcnen-W\u00e4hler, weil die n\u00e4mlich statistisch eine schlechtere CO<sub>2<\/sub>-Bilanz aufweisen als andere. H\u00e4tte man letzteres seri\u00f6s gepr\u00fcft und den Einfluss der Einkommensh\u00f6he ber\u00fccksichtigt, w\u00e4re von diesem Befund vermutlich nichts \u00fcbriggeblieben. Aber egal, es werden Schuldige gebraucht, und gern zeigt man mit H\u00e4me auf sie, gerade so, als ob mit einer solcherma\u00dfen geschaffenen Denunziationsatmosph\u00e4re das Weltklima zu retten w\u00e4re! Als Gipfel dieses ganzen Irrsinns wurde schlie\u00dflich das uns\u00e4gliche Wort \u201eFlugscham\u201c geboren. Jetzt, so musste eigentlich jeder Beobachter von au\u00dfen denken, jetzt sind die Deutschen mal wieder \u00fcbergeschnappt!<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu dieser schlechten Realsatire geh\u00f6rt es zu einer rationalen Er\u00f6rterung der Probleme, zun\u00e4chst einmal ein paar Einsichten zur Kenntnis zu nehmen. Hierzu geh\u00f6ren solche, die im Sinne der \u201ePanik-Philosophie\u201c so etwas wie <em>no goes<\/em> sind, vor allem diese: Die deutsche Klimapolitik kann daf\u00fcr sorgen, die von Deutschland ausgehenden CO<sub>2<\/sub>-Emissionen zu verringern. Es gibt auch gute Gr\u00fcnde, das zu tun, wie wir gleich sehen werden. Aber eines werden wir damit sicher nicht erreichen k\u00f6nnen. Wir werden damit den Klimawandel nicht aufhalten k\u00f6nnen, das ist schlicht nicht m\u00f6glich. Denn wir tragen lediglich zwei Prozent zu den weltweiten Klimaemissionen bei. Wenn wir also ab morgen unsere CO<sub>2<\/sub>-Emissionen schlagartig halbieren w\u00fcrden, dann s\u00e4nken die weltweiten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen auf 99 Prozent ihres jetzigen Niveaus. Obwohl dies ein schlichtes Faktum ist, das alle kennen, die sich jemals auch nur fl\u00fcchtig mit dem Thema besch\u00e4ftigt haben, kommt es einem Tabubruch nahe, es auszusprechen.<\/p>\n<p>Obwohl man damit gar nichts besch\u00f6nigt. Denn rationale Politik kennt keine Tabus und kehrt solche unangenehmen Tatsachen nicht in der Bef\u00fcrchtung unter den Tisch, sie k\u00f6nnten das Klimabewusstsein unterwandern. Denn es ist irrational, dies zu tun. Vielmehr stellt sich rationale Politik den Tatsachen, verschweigt sie nicht, sondern spricht sie offen und \u00f6ffentlich aus und nimmt sie in ihr Kalk\u00fcl auf. Im Anschluss fragt sie, was man angesichts dessen trotzdem tun kann. Hierzu m\u00fcssen wir weiterbohren und zum Beispiel dies feststellen: G\u00e4be es eine Weltregierung und h\u00e4tte diese Weltregierung die Legitimit\u00e4t, ein weltweit verbindliches Maximum an CO<sub>2<\/sub>-Emissionen festzuschreiben; h\u00e4tte diese Weltregierung schlie\u00dflich die politischen und administrativen Kapazit\u00e4ten, um dieses Maximum \u2013 beispielsweise auf dem Weg eines weltweiten Emissionshandelssystems \u2013 durchzusetzen, dann w\u00e4re das Problem gel\u00f6st. Ganz ohne Denunziationskultur und ganz ohne im Detail nachzuschn\u00fcffeln, wer wo was getan hat, was dem Klima vielleicht schaden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Allerdings haben wir keine Weltregierung und wir haben nicht einmal globale Institutionen, welche \u00fcber hinreichende Legitimit\u00e4t sowie effektive politische und administrative Kapazit\u00e4ten verf\u00fcgen. Daher scheidet diese L\u00f6sung aus. Was ebenso ausscheidet, sind nationale Alleing\u00e4nge, welche nicht eingebettet sind in internationale Abkommen, deren Einhaltung selbsterzwingend und damit im Interesse aller Regierungen sind. Fehlt es daran, so ruiniert ein einzelnes Land, welches einen solchen Alleingang dennoch durchzieht, seinen Wohlstand und erreicht f\u00fcr das Klima nichts. Dieser Umstand wird immer wieder geleugnet, und es ist ja verst\u00e4ndlich, dass man ihn nicht gern zur Kenntnis nimmt. Nur ist es eben irrational. Und so wird klar, was einen Klimaleugner im Ergebnis von jemandem unterscheidet, der die Sinnlosigkeit ungeeigneter Klimapolitik leugnet. Sie sind sich n\u00e4her, als ihnen beiden lieb ist! Denn sie handeln beide irrational, und sie tragen beide jeweils zur L\u00f6sung des Klimaproblems genau nichts bei. Nicht einmal in dem sch\u00f6nen Gef\u00fchl der moralischen \u00dcberlegenheit unterscheiden sie sich, denn auch das haben sie vermutlich beide.<\/p>\n<p>Um sich der Frage zu n\u00e4hern, was man tun kann, gilt es, ein weiteres wichtiges Faktum zur Kenntnis zu nehmen. Zwar ist Deutschland als Emissionsland unbedeutend, nicht ganz so unbedeutend ist es aber als politischer Spieler. Das gilt zumindest im europ\u00e4ischen Ma\u00dfstab, indirekt damit aber auch global. Wenn Deutschland also etwas beitragen kann, dann hier und nur hier. Denn es gibt nur eine L\u00f6sung des Problems. Man wird (weitere) globale Abkommen abschlie\u00dfen m\u00fcssen, in welchen sich m\u00f6glichst viele L\u00e4nder auf eine Reduktion von CO<sub>2<\/sub> verpflichten. Damit steht uns die Dimension des Problems vor Augen. Denn ohne solche Abkommen werden wir den Klimawandel nicht aufhalten, das ist schon technisch ausgeschlossen. Um hierzu etwas beizutragen, ist es aber zwingend erforderlich, dass wir uns selbst genauestens an alle Verpflichtungen halten, die wir im Zuge der Abkommen eingegangen sind oder k\u00fcnftig eingehen werden. Der damit verbundene Glaubw\u00fcrdigkeitseffekt ist der einzige Grund, warum wir trotz unseres unbedeutenden Anteils an den Weltemissionen am Abbau der eigenen Emissionen arbeiten sollten. Aber der ist so bedeutend, dass wir darauf nicht verzichten d\u00fcrfen. Erst darauf kann dann ein Innovationsprozess aufsetzen, der (hoffentlich) jene neuen Technologien hervorbringen wird, die zun\u00e4chst von uns und sp\u00e4ter vielleicht auch von anderen genutzt werden k\u00f6nnen, um die Klimaziele erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Umso mehr gilt dann aber: Wir m\u00fcssen unsere Verpflichtungen so kostensparend wie m\u00f6glich erreichen. Hierzu sind die vielen vorgeschlagenen Detailregelungen, mit denen das Sommerloch gef\u00fcllt wurde, nicht hilfreich, sondern im Gegenteil sch\u00e4dlich. Schon jetzt leisten wir uns eine Klimapolitik, die enorme finanzielle Belastungen f\u00fcr die Haushalte erzeugt und zugleich sehr wenig bis gar nichts an CO<sub>2<\/sub>-Reduktion bringt. Es m\u00fcsste doch verst\u00e4ndlich zu machen sein, dass eine Tonne CO<sub>2<\/sub> eine Tonne CO<sub>2<\/sub> ist, egal, ob sie von einem SUV, einem Flugzeug, einem Gartengrill oder der Stromquelle eines Elektroautos stammt. Daher kommt es darauf an, dass jeder einzelne von uns mit dieser Ressource, der Menge an CO<sub>2<\/sub>, die durch sein pers\u00f6nliches Verhalten emittiert werden darf, sparsam umgeht. Das kann er aber nur, wenn sich die Knappheit der erlaubten Emissionsmengen in deren Preis niederschl\u00e4gt, denn dann und nur dann kann jeder sinnvoll f\u00fcr sich abw\u00e4gen, zu welchem Zweck er bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Das geht entweder \u00fcber eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer oder \u00fcber ein l\u00fcckenloses System des Emissionshandels \u2013 aber immer nur eines von beiden. Wenn das funktioniert, spielt es f\u00fcr die Gesellschaft keine Rolle mehr, wof\u00fcr eine Tonne CO<sub>2<\/sub>-Emission am Ende verwendet wird. Daher muss dies ein zun\u00e4chst offenes Ergebnis der CO<sub>2<\/sub>-Reduktion sein und nicht deren Anfang. Deshalb ist es sinnlos, alles gleichzeitig zu machen: eine l\u00fcckenlose CO<sub>2<\/sub>-Steuer einzuf\u00fchren, den Emissionshandel in der EU auszubauen, das Erneuerbare Energien Gesetz in Kraft zu lassen und dann noch eine Vielzahl dar\u00fcberhinausgehender Detailregelungen f\u00fcr Autos, Flugzeuge, Kraftwerke, Eigenheimheizungen, Viehz\u00fcchter oder was auch immer einzuf\u00fchren \u2013 und das Ganze dann auf Landesebene und auf kommunaler Ebene noch einmal mit weiteren Ma\u00dfnahmen anzureichern. Denn so ein Chaos verursacht vor allem eines: Kosten, die die B\u00fcrger ohne jeden klimapolitischen Sinn tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zugleich sollte damit klarwerden, wie sinnlos eine Denunziationskultur ist, in der jeder jeden anderen f\u00fcr dies und jenes anschw\u00e4rzt, was angeblich oder tats\u00e4chlich klimasch\u00e4dlich ist \u2013 sei es in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen, Soja-Burger zu grillen, Auto zu fahren oder was auch immer. Wer will da den \u00dcberblick behalten? Ein Inlandsflug von Hamburg nach M\u00fcnchen? Mit rechnerisch sechs bis acht Litern Kerosin (im Grunde also Diesel) pro Kopf und hundert Kilometer? Das geht gar nicht! Nach Amsterdam aber schon, denn das ist ja kein Inlandsflug. Also stattdessen eine Autofahrt von Hamburg nach M\u00fcnchen, mit ebenfalls sechs bis acht Litern Benzin oder Diesel? Oder mit dem ICE mit \u2013 wieviel eigentlich? Oder spielt das hier keine Rolle? Oder mit dem Elektroauto \u201elokal\u201c emissionsfrei, was immer das f\u00fcr den globalen Klimawandel bedeuten kann? Oder stattdessen die Veranstaltung nach Innsbruck verlagern, damit die deutschen Teilnehmer keinen ge\u00e4chteten Inlandsflug machen m\u00fcssen, dann aber noch weiter anreisen werden? Das dann \u00f6ffentlich machen und die b\u00f6sen Schummler an den Pranger stellen? Wollen wir das alles wirklich? Wir sollten uns diesen unseligen Unsinn besser sparen, wenn wir zur L\u00f6sung des weltweiten Klimaproblems den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Beitrag leisten und dabei die Grundlagen von Wohlstand, Freiheit und Toleranz bewahren wollen.<\/p>\n<p>Stattdessen sollten wir uns klarmachen: In einer Demokratie sind wir stets darauf angewiesen, bei allem, was wir tun, die Bev\u00f6lkerung mitzunehmen. Das gilt auch f\u00fcr die Klimapolitik. Wer das nicht akzeptiert, sollte sich eingestehen, dass er im Ergebnis f\u00fcr ein autokratisches System optiert \u2013 mit der wahrscheinlichen Folge, dass dieses System erst Recht nichts zur Probleml\u00f6sung beitr\u00e4gt. Wer aber akzeptiert, dass wir die Bev\u00f6lkerung in unserer Demokratie mitnehmen m\u00fcssen, der sollte auch dies zur Kenntnis nehmen: Gewiss stehen viele Sch\u00fcler wegen des Klimaproblems immer wieder auf der Stra\u00dfe. Aber auch in dieser Altersgruppe ist das immer noch keine Mehrheit; und auch in dieser Altersgruppe werden die meisten eine begrenzte Bereitschaft zeigen, von ihrem Wohlstand Abstriche zu machen. Ist diese Grenze \u00fcberschritten, geht gar nichts mehr. Und dann werden wir auch international nichts mehr erreichen \u2013 auf der europ\u00e4ischen B\u00fchne nicht und schon gar nicht auf der globalen. Wir sollten daher sorgf\u00e4ltig darauf achten, die Grenze nicht zu \u00fcberschreiten. Das geht nur mit einer rationalen Klimapolitik und gewiss nicht, indem wir daran mitwirken, eine Panik- und Denunziationsgesellschaft zu kultivieren.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Alt-Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck in einem Fernsehinterview gefragt wurde, wie er die Idee findet, Greta Thunberg den Friedensnobelpreis zu verleihen, antwortete er beziehungsreich l\u00e4chelnd mit &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25807\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKlima: Wieviel Panik ist vern\u00fcnftig?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":25809,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1717,3191,3222,3221,626],"class_list":["post-25807","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klimatisches","tag-apolte","tag-co2-preis","tag-fridays-for-future","tag-greta-thunberg","tag-klimapolitik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Klima: Wieviel Panik ist vern\u00fcnftig? 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