{"id":25821,"date":"2019-09-27T00:41:59","date_gmt":"2019-09-26T23:41:59","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25821"},"modified":"2024-05-01T06:59:00","modified_gmt":"2024-05-01T05:59:00","slug":"die-polarisierung-des-arbeitsmarktes-und-die-bedeutung-von-gewerkschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=25821","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>K\u00f6lner Impuls zur Wirtschaftspolitik <\/font><br\/>Die Polarisierung des Arbeitsmarktes und die Bedeutung von Gewerkschaften"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahrzehnten waren Arbeitsm\u00e4rkte weltweit von gravierenden Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gt. Besonders hervorzuheben sind dabei zwei Entwicklungen. Erstens die Polarisierung des Arbeitsmarktes: Der Anteil mittlerer Lohngruppen an den Besch\u00e4ftigten schrumpft, w\u00e4hrend die Besch\u00e4ftigungsanteile am unteren und oberen Ende der Lohnverteilung wachsen. Zweitens l\u00e4sst sich in vielen Industrienationen ein R\u00fcckgang des Anteils der Gewerkschaftsmitglieder an der Zahl der Besch\u00e4ftigten beobachten. Beide Ph\u00e4nomene haben Auswirkungen auf die Lohnentwicklung. In einer aktuellen Studie argumentieren F\u00f6ll und Hartmann (2019) nun, dass die beiden Ph\u00e4nomene nicht unabh\u00e4ngig voneinander betrachtet werden sollten. Sie zeigen f\u00fcr den Arbeitsmarkt in den USA, dass die Polarisierung des Arbeitsmarktes und der Bedeutungsverlust von Gewerkschaften eine gemeinsame Ursache im technologischen Wandel haben. In Deutschland ist der Anteil der Mittelschicht traditionell besonders hoch<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, weshalb es sich lohnt zu pr\u00fcfen, ob \u00e4hnliche Mechanismen wirken, die die Mittelschicht schw\u00e4chen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Polarisierung als Folge technologischen Wandels<\/strong><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich des Ausl\u00f6sers der Polarisierung der Arbeitsm\u00e4rkte herrscht weitgehende Einigkeit im wissenschaftlichen Diskurs: Sie wird ma\u00dfgeblich auf den technologischen Wandel und die damit einhergehende Automatisierung von Produktionsprozessen zur\u00fcckgef\u00fchrt. Computer werden immer g\u00fcnstiger und leistungsf\u00e4higer und eignen sich somit zunehmend dazu, Arbeitskr\u00e4fte zu ersetzen. Allerdings sind Arbeitskr\u00e4fte unterschiedlich gut durch Maschinen substituierbar. Die auf Autor, Levy und Murnane\u00a0 (2003)\u00a0 zur\u00fcckgehende\u00a0 Theorie\u00a0 des \u201eroutine-biased technological change\u201c baut auf der Beobachtung auf, dass der technologische Fortschritt in den letzten Jahrzehnten insbesondere daf\u00fcr gesorgt hat, dass Computer einfache Routineaufgaben \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Im Unterschied dazu k\u00f6nnen zum Beispiel T\u00e4tigkeiten, die zwischenmenschliche Interaktion oder Kreativit\u00e4t erfordern, weniger leicht von Computern \u00fcbernommen werden. Computer konkurrieren also vor allem mit Menschen, die Berufe mit einem hohen Anteil routineintensiver T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben, wie sie zum Beispiel in der Buchhaltung oder der G\u00fcterproduktion h\u00e4ufig zu finden sind. Solche Berufe werden \u00fcberwiegend von Besch\u00e4ftigten mit mittleren Qualifikationen ausge\u00fcbt und befinden sich meist im mittleren Lohnsegment. Berufe am unteren Ende der Lohnverteilung, wozu insbesondere viele Dienstleistungsberufe z\u00e4hlen, und Berufe am oberen Ende der Lohnverteilung, zum Beispiel der einer Managerin bzw. eines Managers, k\u00f6nnen hingegen meist (noch) nicht von Computern \u00fcbernommen werden. F\u00fcr Berufe am oberen Ende der Lohnverteilung wirken Computer sogar oft komplement\u00e4r und erh\u00f6hen somit die Produktivit\u00e4t von und damit die Nachfrage nach Besch\u00e4ftigten in diesem Bereich. Die sinkende relative Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften, die routineintensive T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben, hat Auswirkungen auf die Lohnentwicklung. Zu erwarten ist, dass die L\u00f6hne der zunehmend substituierbaren Arbeitskr\u00e4fte im mittleren Lohnbereich relativ sinken. Analog wirkt\u00a0 sich die h\u00f6here Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften, die Nicht-Routine-T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben, grunds\u00e4tzlich\u00a0 positiv\u00a0 auf\u00a0 deren\u00a0 Lohnentwicklung\u00a0 aus.<\/p>\n<p>Gleichzeitig muss jedoch die Angebotsseite beachtet werden: Arbeitskr\u00e4fte, die Berufe im mittleren Lohnbereich ausge\u00fcbt haben und von Computern ersetzt wurden, suchen vermehrt in den weniger routineintensiven Berufen Besch\u00e4ftigung und erweitern dort das verf\u00fcgbare Arbeitsangebot.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Das wirkt der positiven Lohnentwicklung in diesen Berufen entgegen. Wie sich die L\u00f6hne entwickeln, h\u00e4ngt letztlich davon ab, ob der Arbeitsnachfrage- oder\u00a0\u00a0 der\u00a0\u00a0 Arbeitsangebotseffekt\u00a0\u00a0 \u00fcberwiegt.<\/p>\n<p><strong>Der Zusammenhang zwischen Polarisierung und Tarifbindung im L\u00e4ndervergleich<\/strong><\/p>\n<p>Empirisch l\u00e4sst sich ein eindeutiger Zusammen- hang zwischen der Polarisierung eines Arbeitsmarkts und der Abdeckung durch Tarifvertr\u00e4ge aufzeigen. In Grafik 1 sind der von Duclos, Esteban und Ray (2004) entwickelte Polarisierungsindikator und der Anteil der von Tarifvertr\u00e4gen abgedeckten Arbeitsvertr\u00e4ge f\u00fcr 25 OECD-Staaten abgebildet. Der Polarisierungsindikator misst den Grad der Polarisierung in einem Land, wobei eine gr\u00f6\u00dfere Distanz und eine st\u00e4rkere Abgrenzung einzelner Einkommensgruppen mit einem h\u00f6heren Wert einhergehen. Zwischen dem Grad der Polarisierung in einem Land und dem Anteil der Tarifbindung besteht ein statistisch signifikanter, negativer Zusammenhang: L\u00e4nder mit einem relativ hohen Grad an Polarisierung weisen einen relativ geringen Anteil von durch Tarifvertr\u00e4ge abgedeckte Arbeitsvertr\u00e4ge auf. Die Auswirkungen des technologischen Wandels auf gewerkschaftliche Organisation h\u00e4ngen von marktlichen und institutionellen Faktoren ab, die sich zwischen verschiedenen L\u00e4ndern zum Teil deutlich unterscheiden. Die USA und Deutschland werden deshalb im Folgenden getrennt voneinander n\u00e4her betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/108.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/108.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><strong>Die Rolle der Gewerkschaften in den USA<\/strong><\/p>\n<p>Gewerkschaften spielen in den USA traditionell eine geringere Rolle als in vielen anderen L\u00e4ndern. In vielen Branchen sind sie jedoch ma\u00dfgeblich an der Aushandlung der L\u00f6hne beteiligt. In der Regel f\u00fchrt eine gewerkschaftliche Lohnpolitik innerhalb von Branchengewerkschaften zu einer Angleichung der L\u00f6hne von Geringverdienenden und H\u00f6herverdienenden im Vergleich zur Marktlohnverteilung, die sich ohne gewerkschaftliche Beteiligung ergeben w\u00fcrde. Man kann also von einer Lohnkompression sprechen. Vor allem Besch\u00e4ftigte im unteren Lohnsegment haben dann einen\u00a0 Anreiz, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren.<\/p>\n<p>Die Verhandlungsposition von Branchengewerkschaften, deren Anspruch es ist, Besch\u00e4ftigte eines ganzen Industriezweigs zu vertreten, wird durch den technologischen Wandel einerseits gest\u00e4rkt und andererseits geschw\u00e4cht: Die relativ h\u00f6here Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften im unteren Lohnsegment erh\u00f6ht ihre Verhandlungsmacht, die\u00a0 relativ\u00a0 geringere Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften im mittleren Lohnsegment\u00a0\u00a0 verringert\u00a0\u00a0 ihre\u00a0\u00a0 Verhandlungsmacht. Technologischer Wandel bremst also innerhalb von Branchengewerkschaften das Lohnwachstum von Besch\u00e4ftigten im unteren Lohnsegment, sofern Gewerkschaften ihre Lohnpolitik nicht an die ver\u00e4nderte Nachfragestruktur anpassen. Zwar w\u00e4re zu erwarten, dass Branchengewerkschaften versuchen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem sie sich st\u00e4rker f\u00fcr Besch\u00e4ftigte im unteren Lohnsegment einsetzen, jedoch zeigen Studien von Checci, Visser und van de Werfhorst (2010) und Bryson, Dale-Olson und Nergard (2016), dass Gewerkschaften nur langsam auf aktuelle Ver\u00e4nderungen am Arbeitsmarkt reagieren. Dies wird unter anderem durch rigide Gewerkschaftsstrukturen und Sorge um den Verlust von hochqualifizierten Gewerkschaftsmitgliedern erkl\u00e4rt. Entsprechend profitieren Besch\u00e4ftigte im unteren Lohnsegment innerhalb einer Branchengewerkschaft kaum von ihrer \u00fcber die letzten Jahrzehnte immer besser gewordenen Verhandlungsposition, was gewerkschaftliche Organisation f\u00fcr diese Arbeitnehmerinnen\u00a0 und\u00a0 Arbeitnehmer\u00a0 unattraktiver\u00a0 macht.<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigte in der Mitte der Lohnverteilung haben weiterhin einen Anreiz, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Im Vergleich zu Besch\u00e4ftigten am Rande der Lohnverteilung werden diese aber im Zuge der Besch\u00e4ftigungspolarisierung relativ weniger. Beide Entwicklungen k\u00f6nnten ma\u00dfgeblich zu dem in den USA besonders starken R\u00fcckgang der Gewerkschaftsorganisation beigetragen haben: Gem\u00e4\u00df OECD-Daten ist der Anteil der von Tarifvertr\u00e4gen abgedeckten Arbeitsvertr\u00e4ge zwischen 1980 und 2005 in den USA um fast 50 % von 25 % auf 13.7 % gefallen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><strong>Situation in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland sind die durchschnittlichen Reall\u00f6hne \u00e4hnlich wie in den USA in den letzten Jahren meist leicht gewachsen. Bei n\u00e4herer Betrachtung unterscheidet sich jedoch die relative Lohnentwicklung der verschiedenen Gruppen deutlich: Im Gegensatz zu der Entwicklung in den USA, wo das Lohnwachstum im mittleren Einkommenssegment zwischen 1980 und 2005 am schw\u00e4chsten war, sind in Deutschland die L\u00f6hne am unteren Ende der Einkommensverteilung seit 1980 deutlich weniger stark gewachsen als im mittleren Lohnsegment. Eine Polarisierung des Lohnwachstums ist also anders als in den USA nicht zu beobachten. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im unteren Lohnsegment haben, aufgrund des im Vergleich zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im mittleren Lohnsegment relativ geringeren Anstiegs ihrer potentiellen Marktl\u00f6hne, weiterhin einen Anreiz, sich gewerkschaftlich zu organisieren.<\/p>\n<p>Nichtsdestoweniger ist auch in Deutschland ein R\u00fcckgang der tariflichen Abdeckung von Arbeitsvertr\u00e4gen zu verzeichnen. Dies k\u00f6nnte ebenfalls auf die Besch\u00e4ftigungspolarisierung zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Empirische Studien zeigen, dass sich der Grad der tariflichen Abdeckung nach Qualifikationsniveau unterscheidet: im mittleren Qualifikationsbereich ist die Abdeckung am h\u00f6chsten, bei Niedrigqualifizierten und Hochqualifizierten niedriger. Die geringere Abdeckung bei Niedrigqualifizierten k\u00f6nnte dadurch zu erkl\u00e4ren sein, dass diese Besch\u00e4ftigten eher eine Anstellung in Betrieben ohne Tarifbindung finden.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Bei Hochqualifizierten ist die Abdeckung niedriger, weil diese oft au\u00dfertariflich h\u00f6her bezahlt werden. Durch den technologischen Wandel schwindet nun der Anteil des mittleren Qualifikationsbereichs und solche mit einer traditionell niedrigeren tariflichen Abdeckung werden bedeutsamer.<\/p>\n<p>Dies k\u00f6nnte zum einen den zu beobachtenden R\u00fcckgang der gewerkschaftlichen Organisation in Deutschland erkl\u00e4ren, und zum anderen, dass dieser deutlich weniger dramatisch ausf\u00e4llt als in den USA: zwischen 1980 und 2005 ist der Anteil der von Tarifvertr\u00e4gen abgedeckten Arbeitsvertr\u00e4ge in Deutschland von 85 % auf 65 % gefallen.<\/p>\n<p>Die in F\u00f6ll und Hartmann (2019) als Erkl\u00e4rung f\u00fcr den R\u00fcckgang der Bedeutung von Gewerkschaften angebotene Theorie impliziert, dass der technologische Wandel es vor allem Branchengewerkschaften erschwert, sich f\u00fcr die Interessen ihrer Mitglieder einzusetzen. Bisher konnten sich Gewerkschaften vor allem auf die W\u00fcnsche der mittelqualifizierten Besch\u00e4ftigten konzentrieren, da diese einen \u00fcberwiegenden Teil der Mitgliedschaft ausmachten. Dies \u00e4ndert sich durch den Bedeutungszuwachs der Niedrigqualifizierten. Berufsgewerkschaften, deren Mitglieder homogener sind, sollten von dieser Entwicklung nicht oder deutlich weniger stark betroffen sein. Diese Argumentation st\u00fctzend l\u00e4sst sich f\u00fcr Deutschland beobachten, dass die Mitgliedszahlen der meisten Branchengewerkschaften fallen, w\u00e4hrend Berufsgewerkschaften stabile oder sogar wachsende\u00a0 Mitgliedszahlen\u00a0 vorweisen\u00a0 k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Zu beachten ist auch, dass sich die institutionellen Rahmenbedingungen der gewerkschaftlichen Organisation zwischen den USA und Deutschland stark unterscheiden. So k\u00f6nnen in Deutschland beispielsweise Tarifvertr\u00e4ge f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4rt werden. Sie gelten dann nicht nur f\u00fcr die an der Aushandlung beteiligten Tarifparteien, sondern fl\u00e4chendeckend f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten eines Tarifbereichs, w\u00e4hrend in den USA fast alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die tariflich entlohnt werden, Gewerkschaftsmitglieder sind. Auch dieser Unterschied kann einem st\u00e4rkeren Bedeutungsverlust von Gewerkschaften auf Grund der Polarisierung entgegenwirken.<\/p>\n<p><strong>Weitere relevante Besch\u00e4ftigungstrends<\/strong><\/p>\n<p>Der technologische Wandel f\u00fchrt nicht nur dazu, dass bestimmte Berufe wichtiger und andere unwichtiger werden, sondern er bringt auch die Entstehung neuer Besch\u00e4ftigungsformen mit sich. Ein vielbeachtetes neues Besch\u00e4ftigungsph\u00e4nomen ist das so genannte Crowdworking, bei dem Unternehmen oder Privatpersonen Arbeitsleistungen \u00fcber digitale Plattformen nachfragen. Unternehmen kaufen beispielsweise einfache Datenkategorisierungen \u00fcber solche Plattformen ein. Oft handelt es sich dabei um niedrigentlohnte T\u00e4tigkeiten. Momentan ist die Verbreitung von Crowdworking in Deutschland noch recht gering, aber die bisherige Entwicklung deutet darauf hin, dass die Bedeutung deutlich zunehmen k\u00f6nnte. Die meisten Crowdworker sind rechtlich als Selbstst\u00e4ndige anzusehen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Eine klassische gewerkschaftliche Organisation kommt f\u00fcr solche Crowdworker naturgem\u00e4\u00df nicht in Frage. Der technologische Wandel k\u00f6nnte also auch \u00fcber die Entstehung neuer selbstst\u00e4ndiger Besch\u00e4ftigungsformen zu einer Schw\u00e4chung der\u00a0 gewerkschaftlichen\u00a0 Strukturen\u00a0 f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>In einer aktuellen Studie zeigen Bryson, Dale-Olson und Nergard (2016), dass der R\u00fcckgang der Gewerkschaften mit deren fehlender Fortschrittlichkeit \u2013 gemessen anhand der Geschwindigkeit, mit der auf aktuelle Probleme reagiert wird \u2013 zusammenh\u00e4ngt. \u00dcbereinstimmend mit Waddington (2005) argumentieren sie, dass Gewerkschaften aufgrund von rigiden Strukturen \u00fcber die letzten Jahrzehnte hinweg immer weniger repr\u00e4sentativ f\u00fcr die heutige Zusammensetzung der Besch\u00e4ftigten geworden sind. Das l\u00e4sst vermuten, dass es vor allem Branchengewerkschaften schwerf\u00e4llt, alternative Lohnpolitiken zu verfolgen, die es f\u00fcr Personen aus allen Einkommensgruppen wieder attraktiver machen w\u00fcrden, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Daten des Bureau of Labor Statistics zeigen zudem, dass Gewerkschaftsmitgliedszahlen in den USA aufgrund von weniger neuen Mitgliedern, vor allem neuen Mitgliedern unter 34 Jahren, fallen. Die zuk\u00fcnftige Bedeutung von Gewerkschaften und ihr Einfluss auf die Lohnsetzung h\u00e4ngen entsprechend insbesondere auch davon ab, ob es ihnen gelingen wird, unter jungen Besch\u00e4ftigten neue Mitglieder zu finden, die sich gewerkschaftlich engagieren.<\/p>\n<p><strong>Referenzen <\/strong><\/p>\n<p>Autor, D.H., Levy, F., Murnane, R.J., 2003. The skill content of recent technological change: an empirical exploration. Quarterly Journal of Economics 118, 1279 &#8211; 1333.<\/p>\n<p>Bryson, A., Dale-Olsen, H., Nergard, K., 2016. Gender differences in the union membership wage premium? a comparative case study. IZA Discussion Paper Series No. 10435.<\/p>\n<p>Checchi, D., Visser, J., van de Werfhorst, H.G., 2010. Inequality and union membership: The influence of relative earnings and inequality attitudes. British Journal of Industrial Relations 48, 84 &#8211; 108.<\/p>\n<p>Duclos, J.Y., Esteban, J., Ray, D., 2004. Polarization: Concepts, measurement, estimation. Econometrica 72, 1737 &#8211; 1772.<\/p>\n<p>F\u00f6ll, T., Hartmann, A., 2019. A joint theory of polarization and deunionization. Working paper.<\/p>\n<p>Esslinger, D., 2017. Eine halb geheime Macht. S\u00fcddeutsche Zeitung, 10.02.2017, S. 6.<\/p>\n<p>Niehues, J., 2018. Arm und Reich ist auch eine Frage des Ma\u00dfstabs. IW-Kurzbericht Nr. 8.<\/p>\n<p>Henssler, M., Pickenhahn, C., Rehm, R., Roth, S., Wewetzer, J., 2019. Formen von Erwerbst\u00e4tigkeit und Anpassungsbedarf des Arbeitnehmer- und Betriebsbegriffs unter arbeitsrechtlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten, Gutachten im Auftrag der vom Landtag Nord- rhein-Westfalen eingesetzten Enquete-Kommission \u201eDigitale Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen\u201d.<\/p>\n<p>Schneider, H., Vogel, S., 2018. Tarifbindung der Besch\u00e4ftigten in Deutschland, Eine Auswertung des Sozio\u00f6konomischen Panels. IW-Report 15\/2018.<\/p>\n<p>Smith, C.L., 2013. The dynamics of labor market polarization. Finance and Economics Discussion Series 2013-57, Board of Governors of the Federal Reserve System (U.S.).<\/p>\n<p>Waddington, J., 2005. Trade union membership in Europe: The extent of the problem and ran- ge of union responses. Host publication.<\/p>\n<p>Visser, ICTWSS Database. version 6.0. Amsterdam: Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies (AIAS), University of Amsterdam. June 2019.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Es gibt keine eindeutige Abgrenzung der Mittelschicht. Unabh\u00e4ngig von den gew\u00e4hlten Grenzen ist ihr Anteil in Deutschland jedoch vergleichsweise hoch. Siehe zum Beispiel Niehues (2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe zum Beispiel Smith (2013) f\u00fcr eine detaillierte Analyse der Besch\u00e4ftigungsstr\u00f6me in den USA.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> OECD und J. Visser, ICTWSS Data base, Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies (AIAS), University of Amsterdam: http:\/\/www.uva-aias.net\/en\/ictwss\/.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Schneider und Vogel (2018), S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Siehe zum Beispiel S\u00fcddeutsche Zeitung vom 09.02.2017: Eine halb geheime Macht: https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/gewerkschaften-eine-halb-geheime-macht-1.3372144.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe zum Beispiel Henssler et al. (2019).<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20807\">Der Klassenkampf ist abgesagt!? <span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Gewerkschaften im Umbruch<\/span><\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahrzehnten waren Arbeitsm\u00e4rkte weltweit von gravierenden Ver\u00e4nderungen gepr\u00e4gt. 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