{"id":26345,"date":"2019-11-29T00:39:37","date_gmt":"2019-11-28T23:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26345"},"modified":"2019-11-29T09:41:22","modified_gmt":"2019-11-29T08:41:22","slug":"gastbeitrag-wird-compact-with-africa-ein-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26345","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Wird \u201eCompact with Africa\u201c ein Erfolg?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Bild: Pixabay<\/p>\n<p><em>Die Kampagne Compact with Africa soll deutschen Unternehmen den Einstieg in Afrika erleichtern. Doch die Kritik daran ist vielf\u00e4ltig und kommt aus allen politischen Lagern. Was ist dran an den vier h\u00e4ufigsten Vorw\u00fcrfen?<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen afrikanische L\u00e4nder Investitionen aus den G20-L\u00e4ndern an Land ziehen? Wie kommen Interessierte in Kontakt, wie kann man auch Mittelst\u00e4ndlern den Einstieg in afrikanische L\u00e4nder erreichen? Unter diesem Motto stand der dritte G20-Investitionsgipfel, zu dem Staatschefs oder hohe Regierungsvertreter aus den zw\u00f6lf am \u201eCompact with Africa\u201c (CwA) beteiligten afrikanischen L\u00e4ndern in Berlin eintrafen. Sie sollten jeweils mit der Gruppe der 20 Industrie- und Schwellenl\u00e4nder (G20) sowie den wichtigsten internationalen Organisationen gemeinsam wirtschaftliche und politische Reformen erarbeiten.<\/p>\n<p>Der CwA besteht auf afrikanischer Seite aus \u00c4thiopien, \u00c4gypten, Benin, Burkina Faso, Elfenbeink\u00fcste, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien. Diese L\u00e4nder gelten als gut regiert. Der CwA wurde im Sommer 2017 von der Bundesregierung vorgeschlagen und seitdem gemeinsam umgesetzt. Im vergangenen Jahr lobte Deutschland einen Betrag von einer Milliarde Euro f\u00fcr drei Initiativen aus: F\u00fcr AfricaConnect, das 400 Millionen Euro f\u00fcr deutsche und europ\u00e4ische Mittelst\u00e4ndler vorsieht. AfricaGrow soll kleine und mittlere afrikanische Unternehmen mit ebenfalls 400 Millionen Euro f\u00f6rdern. 200 Millionen Euro sollen im Zuge des Wirtschaftsnetzwerks Afrika in die Beratung deutscher Unternehmen in Afrika flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gab im Vorfeld des Investitions-Gipfel am 19. November bekannt, dass bereits 220 Antr\u00e4ge auf F\u00f6rderung eingegangen und einige interessante Vorhaben, die mehrere tausend Arbeitspl\u00e4tze schaffen sollen, umgesetzt worden seien. Hinzu kommen Reformpartnerschaften mit den drei CwA-L\u00e4ndern Elfenbeink\u00fcste, Ghana und Tunesien. Bundesentwicklungsminister Gerd M\u00fcller (CSU) unterzeichnete ein Abkommen mit Senegal. Nun sei die Wirtschaft am Zug, es g\u00e4be keinen Grund mehr zur Zur\u00fcckhaltung, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Doch das sehen nicht alle so: Die Kritik ist vielf\u00e4ltig und sie kommt aus allen politischen Lagern. Nichtregierungsorganisationen etwa kritisieren, dass das Geld vor allem an deutsche Firmen gehe und sich der ganze Prozess an den Interessen der G20 ausrichte.<\/p>\n<p>Das stimmt in gewisser Weise, stellt aber kein Problem dar. Denn Investitionen kommen nur zustande, wenn der Investor eine realistische Chance auf Erfolg sieht. Das muss auch im Interesse der afrikanischen Partner sein, die sich l\u00e4ngst nicht mehr als Hilfeempf\u00e4nger ansehen. Spricht man mit afrikanischen Gesch\u00e4ftsleuten und Politikern, fallen regelm\u00e4\u00dfig Begriffe wie \u201eGewinn\u201c, \u201eReturn-on-Investment\u201c oder \u201eAugenh\u00f6he\u201c. Es ist mit Sicherheit eine Frage der afrikanischen W\u00fcrde, ob eine europ\u00e4ische Initiative nur karitativ daherkommt oder ob sie die Partner insofern ernst nimmt, dass beide Seiten gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein zweiter Kritikpunkt ist durchaus vergleichbar: Muss die afrikanische Seite mit der Reformpartnerschaft wieder nur als Empf\u00e4nger segensreicher Initiativen aus dem gutmeinenden Norden herhalten? Von Paternalismus ist die Rede.<\/p>\n<p>Es scheint meiner Auffassung nach aber so zu sein, als ob sich die Bundesregierung wirklich M\u00fche gibt, den Begriff Partnerschaft zu leben. Zudem geht es nicht darum, irgendwelche Rei\u00dfbrettideen in allen afrikanischen L\u00e4ndern durchzusetzen. Vielmehr wird gezielt mit Blick auf landesspezifische Probleme gearbeitet. Und in der Tat ist es afrikanischen Regierungen oft unm\u00f6glich, ohne Hilfe von au\u00dfen Reformprojekte, die sie selbst f\u00fcr richtig befinden, durchzusetzen. Vor diesem Hintergrund ist die Kritik im Prinzip nachvollziehbar, aber im Abgleich mit der Realit\u00e4t scheint sie \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>Drittens wird kritisiert, dass die deutsche Afrikapolitik und Afrikastrategie zersplittert seien. Damit steige der b\u00fcrokratische Aufwand in Deutschland und Afrika gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Diese Kritik ist berechtigt, denn die F\u00f6rderung der Aktivit\u00e4ten deutscher Unternehmen liegt nicht in einer Hand, sondern ist aufgeteilt auf das BMZ, das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Technologie (BMWi), das Bundesfinanzministerium (BMF), das Ausw\u00e4rtige Amt (AA) und das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). Das Kanzleramt spielt ebenfalls eine Rolle. Das macht es gerade f\u00fcr Mittelst\u00e4ndler recht schwierig, die notwendige F\u00f6rderung zu bekommen, und wirkt im Ausland auch nicht vertrauenerweckend. Es wirkt auch ein wenig so, als w\u00fcrden die Ressorts sehr genau darauf achten, dass niemand in ihre Zust\u00e4ndigkeiten eingreift. Besser w\u00e4re es, die Afrikastrategie an einer Stelle zu b\u00fcndeln und Synergien zu nutzen. In einer modernen demokratischen Gesellschaft sollten solche Probleme eigentlich der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Viertens klagt die deutsche Wirtschaft \u00fcber unzureichende F\u00f6rderung. Die Investitionsgarantien des Bundes decken zwar das politische Risiko ab und die Bundesregierung hat hier in den letzten Jahren zugelegt. Dennoch scheint es nicht genug zu sein, denn das wirtschaftliche Risiko bleibt; viele Unternehmen scheinen es in Afrika als sehr hoch einzusch\u00e4tzen. In einer Marktwirtschaft sollte das unternehmerische Risiko zwar nicht vom Staat gedeckt werden, doch angesichts der Konkurrenz aus China \u2013 zumeist Staatsunternehmen \u2013 und der Bedeutung, die die Bundesregierung dem afrikanischen Kontinent aus vielerlei Gr\u00fcnden zubilligt, sollte man hier auf die Wirtschaft eingehen und neue Wege der Unterst\u00fctzung suchen. Aus Sicht afrikanischer Standorte sollte eine Investition deutscher Unternehmen denen chinesischer Unternehmen vorzuziehen sein. Und zwar aus mehreren Gr\u00fcnden, die da beispielsweise w\u00e4ren: Qualit\u00e4t der Produkte, Durchsetzung von Menschenrechten und soziale Erw\u00e4gungen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich scheint es so zu sein, dass Deutschland im CwA ziemlich allein dasteht. So sagten Delegationen aus Frankreich und der Europ\u00e4ischen Union ihre Teilnahme kurzfristig ab. Damit wird aus einer internationalen Initiative beinahe eine nationale. F\u00fcr die Reforml\u00e4nder in Afrika w\u00e4re eine konzertierte Aktion vermutlich besser.<\/p>\n<p>Hei\u00dft dies alles, dass der Compact with Africa ein Misserfolg wird? Keineswegs, denn die afrikanischen Partner waren offenbar sehr zufrieden, auch wenn nicht alle Ziele, so zum Beispiel eine Partnerschaft mit Marokko, erreicht wurden. Die Bundesregierung hat aber ihr ernsthaftes Interesse am afrikanischen Kontinent bekr\u00e4ftigt und deutlich gemacht, dass ihr sehr am Erfolg afrikanischer Reformbem\u00fchungen gelegen ist. Der Fokus auf Investitionen deutscher Unternehmen in Afrika ist richtig \u2013 immerhin sind andere Nationen wie zum Beispiel Frankreich wesentlich st\u00e4rker in Afrika engagiert. Deutschland hat etwas aufzuholen, da kann Exklusivit\u00e4t nicht schaden. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung dran bleibt und ihre Afrikastrategie weiter sch\u00e4rft. Dann kann das Engagement gelingen, egal wie es genannt wird und wer au\u00dfer Deutschland noch mitmacht.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Der Beitrag erschien am <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/freytags-frage-wird-compact-with-africa-ein-erfolg\/25256902.html\">22. November 2019<\/a> in Wirtschaftswoche Online.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Pixabay Die Kampagne Compact with Africa soll deutschen Unternehmen den Einstieg in Afrika erleichtern. 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