{"id":26355,"date":"2019-12-05T07:51:54","date_gmt":"2019-12-05T06:51:54","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26355"},"modified":"2019-12-05T07:51:54","modified_gmt":"2019-12-05T06:51:54","slug":"zu-den-klagen-mancher-sportarten-ueber-ihre-marginalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26355","title":{"rendered":"Zu den Klagen mancher Sportarten \u00fcber ihre Marginalisierung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Bild: Pixabay<\/p>\n<p>In der Sportszene wird h\u00e4ufig geklagt, da\u00df auf der einen Seite in manchen Sportarten extreme Einnahmen generiert w\u00fcrden und diese Sportarten sich zunehmend professionalisierten. Auf der anderen Seite existierten dagegen Sportarten, die darben und in denen nur geringe Einnahmen erzielt w\u00fcrden. In diesen Sportarten k\u00f6nnten die Spitzenathleten nicht von ihrem Einkommen aus dem Sport leben, sondern seien oftmals gezwungen, noch einer anderen Erwerbst\u00e4tigkeit nachzugehen. Tats\u00e4chlich stellt der sich der bezeichnete Sachverhalt in der Realit\u00e4t so dar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht sind in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen interessant:<\/p>\n<p>1. Warum gibt es derartige Einnahmengef\u00e4lle zwischen den Sportarten?<\/p>\n<p>2. Ist hier staatlicher Handlungsbedarf angezeigt?<\/p>\n<p>Ad 1)<\/p>\n<p>Bei der Nachfrage nach Sport kann die Nachfrage nach aktivem Sporttreiben von der Nachfrage nach passivem Beiwohnen an Sportereignissen unterschieden werden. Folglich l\u00e4\u00dft sich der Markt f\u00fcr den aktiven Konsum von Sport (Sportlermarkt) vom Markt f\u00fcr den passiven Konsum von Sport (Zuschauermarkt) abgrenzen (siehe Abb. 1). Beide M\u00e4rkte sind jedoch stark interdependent. Erst wenn auf dem Sportlermarkt durch aktives Sporttreiben Leistungen generiert werden, k\u00f6nnen diese auf dem Zuschauermarkt angeboten werden. So ist es das Ziel der Anbieter auf dem Zuschauermarkt, diese Leistungen zu vermarkten und dem Konsumenten anzubieten. Die Anbieter auf dem Sportlermarkt schaffen indes die M\u00f6glichkeit zur aktiven sportlichen Bet\u00e4tigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/sport1111.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/sport1111.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Um diese Leistungsgenerierung und -vermarktung zu gew\u00e4hrleisten, sind weitere Akteure auf dem Gesamtsportmarkt vertreten, so da\u00df sich weitere Teilm\u00e4rkte unterscheiden lassen. Neben den M\u00e4rkten f\u00fcr die Sportinfrastruktur und f\u00fcr Sportartikel sind von besonderer Bedeutung die vom Zuschauermarkt abh\u00e4ngigen M\u00e4rkte f\u00fcr TV-Rechte, Werberechte, Sponsoringrechte und Lizenzrechte.<\/p>\n<p>Nun zeigt sich, da\u00df die Einnahmengenerierung ma\u00dfgeblich vom Zuschauer und dessen Zahlungsbereitschaft abh\u00e4ngt: Interessiert sich eine gro\u00dfe Anzahl von Zuschauern mit einer hohen Zahlungsbereitschaft f\u00fcr einen sportlichen Wettkampf oder eine bestimmte Sportart, dann lassen sich durch den Veranstalter hohe Einnahmen \u00fcber Ticketing und auch \u00fcber die Ver\u00e4u\u00dferung der TV-Rechte erzielen. Zudem versprechen viele Zuschauer auch verbesserte M\u00f6glichkeiten des Sponsorings und der Ver\u00e4u\u00dferung von Merchandisingartikeln. Hohe Einnahmen der Veranstalter initiieren auch den Wettbewerb auf den Beschaffungsm\u00e4rkten: Die Nachfrage nach Spielern \u2013 eine aus den Absatzm\u00e4rkten der Veranstalter abgeleitete Nachfrage \u2013 steigt an, wodurch sich h\u00f6here Verg\u00fctungen der Spieler realisieren lassen und die Sportart sich sukzessive professionalisiert.<\/p>\n<p>Ist das Interesse der Zuschauer an einem sportlichen Wettkampf gering, dann erl\u00f6st der Veranstalter lediglich geringe Einnahmen und die Nachfrage nach den zur Produktion dieser Unterhaltungsdienstleistung notwendigen Inputfaktoren f\u00e4llt verhalten aus: Mitunter wird den beteiligten Sportlern nicht einmal ein Entgelt gezahlt. Auf diese Weise steuern die Zuschauer indirekt die Faktorm\u00e4rkte (hier insbesondere den Spielermarkt und damit die Verdienstm\u00f6glichkeiten der involvierten Sportler): Sportarten, die aus Sicht der Zuschauer uninteressant sind, verzeichnen geringe Einnahmen und Sportarten, die den Zuschauer interessieren, k\u00f6nnen sich \u00fcber einen entsprechenden finanziellen Zuflu\u00df freuen. Gleichwohl besitzen Sportarten mit geringem Zuschauerinteresse die M\u00f6glichkeit, durch Innovationen die Zuschauer anzulocken. So wurde etwa im Tischtennis versucht, durch einen gr\u00f6\u00dferen Ball die Telegenit\u00e4t dieser sehr schnellen Sportart (der Ball ist auf dem Bildschirm oftmals nicht zu sehen) zu erh\u00f6hen. Das Einnahmengef\u00e4lle zwischen den Sportarten ist damit letztlich ein Ergebnis des Zuschauerinteresses.<\/p>\n<p>Ad 2):<\/p>\n<p>Ein Einnahmengef\u00e4lle zwischen den Sportarten unabh\u00e4ngig auf welcher Ebene (Verband, Club, Sportler) kann f\u00fcr sich allein genommen keine Rechtfertigung f\u00fcr eine staatliche Intervention darstellen, vielmehr ist ein derartiger Unterschied eben gerade charakteristisch f\u00fcr ein marktwirtschaftliches System.<\/p>\n<p>Eine staatliche Intervention aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht setzt das Vorliegen eines Marktversagens voraus (Grossekettler 1987). Im Bereich des Spitzensports handelt es sich im wesentlichen um die Produktion einer Unterhaltungsdienstleistung. Hierbei liegen weder nennenswerte externen Effekte vor, noch l\u00e4\u00dft sich auf Anbieterseite ein nat\u00fcrliches Monopol identifizieren. Lediglich eine Art Kollektivgut lie\u00dfe sich konstruieren, da\u00df von internationalen Siegen deutscher Athleten ausginge. Nun zeigt sich aber, da\u00df das Zuschauerinteresse an einer bestimmten Sportart auch ein guter Pr\u00e4ferenzaufdeckungsmechanismus bei einschl\u00e4gigen Kollektivg\u00fctern ist. Mit anderen Worten: Ein Titelgewinn der deutschen Mannschaft bei einer Fu\u00dfballweltmeisterschaft l\u00f6st ein erhebliches Gef\u00fchl der Identifikation aus; eine gro\u00dfe Anzahl von Zuschauern w\u00e4re bereit, f\u00fcr die Produktion dieses Kollektivguts gr\u00f6\u00dfere finanzielle Summen bereitzustellen. Hingegen w\u00fcrde ein vergleichbarer Sieg im Curling vermutlich ohne gr\u00f6\u00dfere Kenntnisnahme der Bev\u00f6lkerung verpuffen. Den Gedankengang fortgef\u00fchrt bedeutet das, da\u00df zur Produktion der Kollektivg\u00fcter, an denen eine Vielzahl von Zuschauern ein gro\u00dfes Interesse haben, bereits erhebliche finanzielle Mittel aus komplement\u00e4ren Sportveranstaltungen generiert werden. In Sportarten mit geringem Zuschauerinteresse besteht auch folgerichtig nur ein untergeordnetes Interesse an der Produktion eines dazugeh\u00f6rigen Kollektivgutes auf internationaler Ebene. Demzufolge gibt es aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht auch keine Notwendigkeit, mittels staatlicher Einflu\u00dfnahme die bestehenden Einnahmendifferenzen zwischen den Sportarten zu \u00e4ndern. Sie sind einfach ein Ergebnis des marktlichen Zusammenspiels.<\/p>\n<p><u>Literatur<\/u><\/p>\n<p>Daumann, F. (2019), Grundlagen der Sport\u00f6konomie. 3., \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Daumann, F., Langer, M. &amp; Altmann, A. (2007), Zusammenarbeit zwischen den Olympiast\u00fctzpunkten und der Wirtschaft, Entwicklung einer empirisch-basierten Vermarktungsstrategie, K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Grossekettler, H. (1987), Der Beitrag der Freiburger Schule zur Theorie der Gestaltung von Wirtschaftssystemen, M\u00fcnster.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Pixabay In der Sportszene wird h\u00e4ufig geklagt, da\u00df auf der einen Seite in manchen Sportarten extreme Einnahmen generiert w\u00fcrden und diese Sportarten sich zunehmend &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26355\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eZu den Klagen mancher Sportarten \u00fcber ihre Marginalisierung\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":26359,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1747,3301,3302,3303],"class_list":["post-26355","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sportliches","tag-daumann","tag-randsportarten","tag-sportlermarkt","tag-zuschauermarkt"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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