{"id":26952,"date":"2020-03-16T00:01:41","date_gmt":"2020-03-15T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26952"},"modified":"2020-03-18T09:48:07","modified_gmt":"2020-03-18T08:48:07","slug":"die-corona-pandemie-und-ihre-oekonomischen-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26952","title":{"rendered":"Die Corona-Pandemie und ihre (\u00f6konomischen) Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Jahreswende 2019\/20 verbreitet sich das Coronavirus (Covid-19) in immer schnellerem Ma\u00dfe auf der ganzen Welt. Mittlerweile wird das t\u00e4gliche Leben in vielen L\u00e4ndern nicht nur Europas fast ausschlie\u00dflich durch den Versuch bestimmt, Ansteckungsketten zu unterbrechen, um so die Zahl der neuinfizierten Menschen so klein wie m\u00f6glich zu halten und einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Solidarit\u00e4t besteht mittlerweile darin, Sozialkontakte zu minimieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Zahl der weltweit (best\u00e4tigt) mit dem Coronavirus infizierten Menschen liegt gegenw\u00e4rtig bei 198.178 \u2013 mit deutlich steigender Tendenz. Zugleich wurden 7954 Todesf\u00e4lle registriert \u00a0(Stand: 18.03.2020, 8:13 Uhr). Gegenw\u00e4rtig sind \u2013 wie \u00dcbersicht 1 zeigt \u2013 China, wo die Pandemie ihren Ausgangspunkt hatte, und Italien sowohl bez\u00fcglich der best\u00e4tigten Infizierten als auch bez\u00fcglich der Zahl der Todesopfer am st\u00e4rksten betroffen. Die stets aktuelle Entwicklung kann man auf folgender Seite<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> der Johns Hopkins Universit\u00e4t verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/299.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/299.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die entsprechende Entwicklung in Deutschland zeigt Abbildung 1.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/300.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/300.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Abbildung 2 zeigt aber auch, dass die Zahl der Neuinfizierten pro Tag in China \u2013 bei aller m\u00f6glichen Skepsis gegen\u00fcber diesen offiziellen Angaben \u2013 mittlerweile deutlich zur\u00fcckgeht, w\u00e4hrend die entsprechende Zahl im Rest der Welt exponentiell zunimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/301.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/301.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Diese dramatische Entwicklung, die mittlerweile 155 L\u00e4nder betrifft und daher von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als weltweite Epidemie (= Pandemie) eingestuft wurde, hat zu zahlreichen und weitreichenden Eingriffen in das \u00f6ffentliche und private Leben gef\u00fchrt, wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Dazu geh\u00f6ren die Abschottung ganzer Regionen und L\u00e4nder, die Absage fast aller Sport- und kulturellen Veranstaltungen sowie Messen, die (vor\u00fcbergehende) Schlie\u00dfung von Universit\u00e4ten, Schulen und Kindertagesst\u00e4tten sowie ein Besuchsverbot in Krankenh\u00e4usern und Altenheimen bis hin zu allgemeinen Ausgeh- und Versammlungsverboten. Ob mit diesen Ma\u00dfnahmen die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen oder gar zu stoppen ist, um dem Gesundheitssystem und insbesondere den Krankenh\u00e4usern Zeit zu \u201ekaufen\u201c, m\u00fcssen Virologen und nicht \u00d6konomen beantworten.<\/p>\n<p>\u00d6konomen k\u00f6nnen sich allerdings zu den wirtschaftlichen Folgen und m\u00f6glichen (staatlichen) Reaktionen \u00e4u\u00dfern. Beginnt man in diesem Zusammenhang zun\u00e4chst einmal mit der \u00f6konomischen Diagnose, so stellt man fest, dass der durch das Coronavirus ausgel\u00f6ste Schock sowohl die Angebotsseite als auch die Nachfrageseite betrifft.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Auf der Angebotsseite kann es zur Unterbrechung von Lieferketten kommen, die zu einer erzwungenen Produktionseinschr\u00e4nkung f\u00fchren kann. Ferner k\u00f6nnte es zu einem Ausfall an Arbeitskr\u00e4ften kommen, da sie krankheitsbedingt oder aufgrund von Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen zu Hause bleiben m\u00fcssen \u2013 mit vergleichbaren Folgen. Weit gravierender sind allerdings mittlerweile die negativen Wirkungen auf der Nachfrageseite, die zu einem erheblichen Teil durch staatliche Empfehlungen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Epidemie in einzelnen L\u00e4ndern zustande kommen. Auf der einen Seite f\u00fchrt etwa die Absage von (Sport-)Veranstaltungen und Messen dazu, dass das potenzielle Angebot nicht in Anspruch genommen werden kann. Diese negativen Effekte betreffen dann allerdings auch nicht nur die unmittelbar betroffenen Branchen, sondern auch Zulieferer und verbundene Dienstleister. Durch die weltweite Ausbreitung des Virus und die dadurch bedingte Abschottung von L\u00e4ndern sowie die Absage von Dienst- und Urlaubsreisen und die Schlie\u00dfung von Schulen sind insbesondere auch der Tourismusmusbereich sowie Unternehmen des Luft-, Bahn- und Busverkehrs durch den Nachfrageausfall betroffen. In zunehmendem Ma\u00dfe f\u00fchren aber auch private Vorsicht bis hin zu staatlichen Eingriffen dazu, dass auch der Gastronomiebereich im weitesten Sinne erhebliche Nachfrageausf\u00e4lle zu sp\u00fcren bekommt. Verst\u00e4rkt wird die ganze Entwicklung noch durch die allgemeine Verunsicherung bez\u00fcglich der weiteren Entwicklung und der m\u00f6glichen staatlichen Reaktionen. Auf der anderen Seite kommt es auf Grund dieser Verunsicherung aber auch in einzelnen Bereichen zu einem (tempor\u00e4ren) Nachfrageanstieg in Form von Hamsterk\u00e4ufen. Leergekaufte Regale, in denen zum Beispiel fr\u00fcher Nudeln und Toilettenpapier lagerten, bilden ein beredtes Beispiel.<\/p>\n<p>Umsatzausf\u00e4lle sowie die zunehmende Unsicherheit f\u00fchren bisher bereits zu deutlichen Verlusten an den internationalen Aktienm\u00e4rkten. Die aktuelle Entwicklung in den USA und Deutschland zeigt Abbildung 3. Der j\u00fcngste Wochen-Verlust des DAX ist dabei der zweith\u00f6chste Verlust nach den Einbu\u00dfen in der Finanzkrise 2008\/9.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/302.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/302.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die bisherige Entwicklung sowie die ergriffenen (gesundheitspolitischen) Ma\u00dfnahmen haben ferner dazu gef\u00fchrt, dass das Institut f\u00fcr Weltwirtschaft in Kiel die im Dezember f\u00fcr dieses Jahr prognostizierte Wachstumsrate f\u00fcr Deutschland in H\u00f6he von 1,1 Prozent bereits auf einen Wert von -0,1 Prozent gesenkt hat. \u00a0Die Aussichten f\u00fcr die gesamte EU werden noch deutlich schlechter eingesch\u00e4tzt. Und auch f\u00fcr Deutschland besteht wohl angesichts der aktuellen Entwicklung die Gefahr eines deutlich heftigeren Abschwungs.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund werden zum Teil bereits Parallelen zur Bankenkrise im Jahre 2008 und der anschlie\u00dfenden weltweiten Rezession 2009 gezogen. Dies mag zwar f\u00fcr die Symptome (wirtschaftlicher Abschwung), nicht allerdings f\u00fcr die Ursachen und damit auch nicht f\u00fcr die ad\u00e4quate Therapie gelten. Eine gewisse Parallele l\u00e4sst sich allerdings zu den Problemen in L\u00e4ndern wie Irland und Spanien w\u00e4hrend der Staatsschuldenkrise erkennen. Dort kam es \u2013 neben anderen Einflussfaktoren \u2013 als Folge der weltweiten Rezession im Jahre 2009 zun\u00e4chst zu Problemen im privaten Sektor, der aufgrund des vorausgegangenen Immobilienbooms in diesen L\u00e4ndern hoch verschuldet war. Zunehmende Schwierigkeiten, den Schuldendienst zu leisten, f\u00fchrten dazu, dass immer mehr Banken aufgrund von Kreditausf\u00e4llen in Schwierigkeiten gerieten. Erst als sich die entsprechenden Staaten entschieden, die Banken zu retten oder abzuwickeln, kam es zu einer krisenhaften Zuspitzung der Staatsverschuldung in diesen L\u00e4ndern und der Notwendigkeit, supranationale Hilfskredite in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p>Eine vergleichbare Situation k\u00f6nnte auch im Rahmen der aktuellen Krise entstehen. Abh\u00e4ngig von der Dauer der ergriffenen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnte es durch die (drohende) Pleite von Unternehmen zu massiven Kreditausf\u00e4llen bei den Banken kommen. Im Gegensatz zur Staatsschuldenkrise handelt es sich im aktuellen Fall allerdings nicht um einen endogenen sondern um einen exogenen Schock. W\u00e4hrend in der Staatsschuldenkrise die prim\u00e4ren strukturellen \u00dcbertreibungen insbesondere im Immobiliensektor durch Insolvenzen bereinigt wurden und \u201enur\u201c die sekund\u00e4ren Wirkungen im Bankensystem staatlich abgefedert wurden, liegen nun keine grundlegenden strukturellen Fehlentwicklungen vor, so dass (auch) Hilfen f\u00fcr die prim\u00e4r betroffenen Unternehmen gerechtfertigt erscheinen. Dabei geht es (zun\u00e4chst) insbesondere darum, drohende Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse zu \u00fcberwinden, die dadurch entstehen, dass Einnahmen ausfallen, w\u00e4hrend die (fixen) Kosten weiterhin anfallen und beglichen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung in den letzten Tagen (im Eilverfahren) folgende Ma\u00dfnahmen beschlossen und in Kraft gesetzt<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a>:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Zugang zum Kurzarbeitergeld wird deutlich erleichtert. Die Neuregelung soll Kurzarbeit bereits dann erm\u00f6glichen, wenn zehn Prozent der Belegschaft betroffen sind \u2013 bisher galt daf\u00fcr ein Drittel. Den Unternehmen sollen ferner die Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge bis Ende 2021 voll erstattet werden. Au\u00dferdem wird der Bezug von Kurzarbeitergeld auch f\u00fcr Leiharbeitnehmer erm\u00f6glicht. Diese Ma\u00dfnahme wurde bereits in der Bankenkrise und der anschlie\u00dfenden Rezession mit gro\u00dfem Erfolg ergriffen.<\/li>\n<li>Steuerliche Liquidit\u00e4tshilfen werden f\u00fcr Unternehmen bereitgestellt. In diesem Rahmen wird die Gew\u00e4hrung von Stundungen erleichtert, Vorauszahlungen k\u00f6nnen leichter angepasst werden und auf Vollstreckungsma\u00dfnahmen beziehungsweise S\u00e4umniszuschl\u00e4ge wird bis zum 31. Dezember 2020 verzichtet \u2013 solange der Schuldner einer f\u00e4lligen Steuerzahlung unmittelbar von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen ist.<\/li>\n<li>Mit neuen und im Volumen unbegrenzten Ma\u00dfnahmen zur Liquidit\u00e4tsausstattung sollen Unternehmen und Besch\u00e4ftigte gesch\u00fctzt werden. Die entsprechenden Kredite werden \u00fcber das Bankensystem vergeben und von der bundeseigenen Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) refinanziert. Bei den Banken werden die Anfragen wie gew\u00f6hnlich gepr\u00fcft, die KfW \u2013 also letztlich der Bund \u2013 \u00fcbernimmt dann 80 Prozent des Ausfallrisikos, 20 Prozent des Risikos verbleibt bei den Banken. Auf diese Weise sollen Banken auf der einen Seite von einem Gro\u00dfteil des Kreditrisikos entlastet werden, auf der anderen Seite will man aber auch verhindern, dass die Institute jeden Kreditantrag bewilligen und der Staat am Ende durch hohe Ausf\u00e4lle belastet wird. Die Inanspruchnahme wird \u2013 wie sich schon in der Bankenkrise gezeigt hat \u2013 in starkem Ma\u00dfe von den Konditionen dieser Kredite abh\u00e4ngen.<\/li>\n<li>Ein allgemeines nachfrageorientiertes Konjunkturprogramm wird f\u00fcr einen sp\u00e4teren Zeitpunkt in Aussicht gestellt. Ein solcher Aufschub ist durchaus sinnvoll, da \u2013 wie zuvor erl\u00e4utert \u2013 die Nachfrage gegenw\u00e4rtig weder angekurbelt werden kann noch angekurbelt werden soll.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung begr\u00fc\u00dft dar\u00fcber hinaus die Idee der Europ\u00e4ischen Kommission, f\u00fcr eine &#8222;Corona Response Initiative&#8220; mit einem Volumen von 37 Milliarden Euro. Au\u00dferdem sollen die im Rahmen des Stabilit\u00e4tspaktes festgelegten Begrenzungen der Staatsverschuldung ausgesetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Finanziert werden sollen und m\u00fcssen die von der Bundesregierung ergriffenen Ma\u00dfnahmen aus dem Staatshaushalt, der daf\u00fcr ausreichend Raum l\u00e4sst. Sowohl bei nationalen Ma\u00dfnahmen als auch bei dem von der EU ins Auge gefassten Programm kann es hingegen keine (unmittelbare) Finanzierung durch die EZB geben. Dem steht Artikel 123 AEUV entgegen, der \u201e\u00dcberziehungs- oder andere Kreditfazilit\u00e4ten bei der Europ\u00e4ischen Zentralbank oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (im Folgenden als \u201anationale Zentralbanken\u2018 bezeichnet) f\u00fcr Organe, Einrichtungen oder sonstige Stellen der Union, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietsk\u00f6rperschaften oder andere \u00f6ffentlich-rechtliche K\u00f6rperschaften, sonstige Einrichtungen des \u00f6ffentlichen Rechts oder \u00f6ffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten ebenso verbietet wie den unmittelbaren Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die Europ\u00e4ische Zentralbank oder die nationalen Zentralbanken.\u201c Denkbar w\u00e4re hingegen eine Finanzierung \u00fcber die European Investment Bank und die European Bank for Reconstruction and Development.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Bundesfinanzminister Scholz hat zusammen mit Wirtschaftsminister Altmaier in diesem Zusammenhang verk\u00fcndet, dass \u201edie Bundesregierung alles M\u00f6gliche tun wird, um daf\u00fcr zu sorgen, dass wir diese Krise meistern k\u00f6nnen.\u201c Das erinnert schon stark an die Rede von Mario Draghi im Juli 2012, in der er ank\u00fcndigte, den Euro zu retten \u2013 koste es was es wolle. Damit soll Unsicherheit bei den Unternehmen und B\u00fcrgern abgebaut werden. Im Gegensatz zur Finanz- und Staatsschuldenkrise kann der Staat nun allerdings mit dem Einsatz von finanziellen Mitteln nicht garantieren, dass jeder Einzelne gut und ausreichend medizinisch versorgt werden kann. Lediglich die \u00f6konomischen Folgen k\u00f6nnen finanziell abgefedert werden. Je schneller sich das Virus verbreitet, desto wahrscheinlicher werden Engp\u00e4sse im Gesundheitsbereich in Form fehlender Intensivversorgung oder fehlendem medizinischen Personals.<\/p>\n<p>Daher hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn parallel zu diesen Ma\u00dfnahmen an die Krankenh\u00e4user appelliert, zus\u00e4tzliches Personal zu rekrutieren. Er verwies auf den Beschluss der Bundesregierung und der Ministerpr\u00e4sidenten vom Donnerstagabend, grunds\u00e4tzlich alle planbaren Operationen und Eingriffe ab Montag auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Damit soll erreicht werden, dass in den Kliniken m\u00f6glichst viele Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Behandlung von Corona-Patienten bereitstehen. Spahn stellte den Krankenh\u00e4usern eine finanzielle Kompensation f\u00fcr die Einnahmen in Aussicht, die ihnen wegen abgesagter Operationen entgehen k\u00f6nnten. Zudem soll es einen Bonus f\u00fcr jedes zus\u00e4tzliche Intensivbett geben, das ein Krankenhaus bereitstellt.<\/p>\n<p>Weniger eindeutig sind hingegen die Ma\u00dfnahmen zu beurteilen, die die EZB \u2013 wie auch andere Notenbanken \u2013 am letzten Donnerstag ergriffen hat. Dazu geh\u00f6ren insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Aufstockung der Anleihenk\u00e4ufe um zus\u00e4tzlich 120 Milliarden Euro bis zum Ende dieses Jahres. Die K\u00e4ufe sollen sich auf den privaten Sektor, also auf Unternehmensanleihen, konzentrieren.<\/li>\n<li>Zudem will die Notenbank mit Hilfe besonders g\u00fcnstiger Langfristkredite Banken dazu bewegen, vor allem kleine und mittelgro\u00dfe Firmen mit Geld zu versorgen.<\/li>\n<li>Der f\u00fcr dieses Jahr geplante Bankenstresstest wird ausgesetzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sowohl der zus\u00e4tzliche Kauf von Unternehmensanleihen als auch eine beg\u00fcnstigte Refinanzierung von langfristigen Unternehmenskrediten durch Banken zielt letztlich darauf ab, krisenbedingte Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse bei Unternehmen direkt oder indirekt abzufedern. Der Kauf von Anleihen solcher Unternehmen, die besonders stark unter der Corona-Krise leiden, w\u00fcrde eine Abkehr vom gegenw\u00e4rtigen Vorgehen der EZB bedeuten, das sich an ihrem l\u00e4nderbezogenen Kapitelschl\u00fcssel orientiert. Die EZB w\u00fcrde auf diese Weise Strukturpolitik betreiben, wozu sie in keiner Weise befugt ist. Orientiert man sich bei den Ank\u00e4ufen hingegen weiterhin am Kapitalschl\u00fcssel, w\u00e4re die Ma\u00dfnahme kaum zielf\u00fchrend. Auch die Verg\u00fcnstigung der Refinanzierung von Banken f\u00fcr den Fall, dass sie vermehrt Kredite an Unternehmen vergeben, ist kaum zielf\u00fchrend. Auch jetzt steht den Gesch\u00e4ftsbanken bereits in gro\u00dfem Umfang Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung, um Kredite zu vergeben. Viel bedeutender f\u00fcr deren Kreditvergabe wird es hingegen sein, dass das Risiko eines Kreditausfalls deutlich gestiegen ist und bankenaufsichtsrechtliche Vorschriften eher gegen eine Kreditvergabe in der aktuellen Situation sprechen. Vor diesem Hintergrund ist eine (teilweise) Risiko\u00fcbernahme durch die KfW \u2013 wie von der Bundesregierung beschlossen \u2013 ein deutlich wirksameres Instrument.<\/p>\n<p>Da geldpolitische Ma\u00dfnahmen typischerweise \u2013 \u00fcber Zins\u00e4nderungen oder liquidit\u00e4tsbeeinflussende Instrumente \u2013 an der Nachfrage des privaten Sektors ansetzen, ist in der akuten Situation keine signifikante Wirkung zu erwarten. Es mangelt den privaten Nachfragern n\u00e4mlich nicht an g\u00fcnstigen Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, sondern an der M\u00f6glichkeit, auch aufgrund staatlicher Vorgaben, \u00fcberhaupt Nachfrage entfalten zu k\u00f6nnen oder an dem Wunsch, bestimmte Waren und Dienstleistungen \u2013 aufgrund der bef\u00fcrchteten gesundheitlichen Konsequenzen \u2013 zu konsumieren. Daran wird sich auch bei g\u00fcnstigen Kreditkonditionen nichts \u00e4ndern. Die Ma\u00dfnahmen der EZB k\u00f6nnen daher bestenfalls im Rahmen eines wieder einsetzenden Aufschwungs nach der Krise unterst\u00fctzend wirken.<\/p>\n<p>Neben der Einzelkritik an den Ma\u00dfnahmen wiegt aber weit schwerer, dass es nicht die Aufgabe einer vom Staat unabh\u00e4ngigen Zentralbank wie der EZB ist, Unternehmen in einer Krise zu unterst\u00fctzen \u2013 auch wenn sie unverschuldet in diese Lage geraten sind<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>. Anders k\u00f6nnte die Beurteilung nur dann ausfallen, wenn es \u2013 wie oben beschrieben \u2013 um die St\u00fctzung des Bankensystems zur Erhaltung der Finanzmarktstabilit\u00e4t ginge. Dann m\u00fcsste man von Seiten der EZB allerdings andere als die am letzten Donnertag ergriffenen Ma\u00dfnahmen einsetzen.<\/p>\n<p>Die von Virologen empfohlenen und von den jeweiligen Regierungen umgesetzten Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie sind wohl in diesem Falle wirklich alternativlos. Daher kann die sonst \u00fcbliche Abw\u00e4gung zwischen den Grenzkosten und Grenznutzen von eingesetzten Instrumenten hier nur zu einer absoluten Priorit\u00e4t der gesundheitspolitischen Ma\u00dfnahmen f\u00fchren. Es gilt allerdings gleichzeitig, die damit einhergehenden \u00f6konomischen Kosten so niedrig wie m\u00f6glich zu halten. Die dabei zum Einsatz kommenden Ma\u00dfnahmen und Instrumente sollten gleichwohl stets auf ihre Effizienz und Anreizkompatibili\u00e4t hin untersucht werden.\u00a0 Die bisher ergriffenen Ma\u00dfnahmen der Bundesregierung erf\u00fcllen im Gro\u00dfen und Ganzen diese Kriterien. Gleichwohl ist zu bef\u00fcrchten, dass das Wirtschaftswachstum nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere auch in Europa zumindest in diesem Jahr stark einbrechen wird. Das trifft au\u00dfenhandelsabh\u00e4ngige L\u00e4nder wie Deutschland \u2013 wie schon in der Krise 2009 zu sehen war \u2013 in der Regel besonders heftig. Ob der Rezession dann ein ebenso starker Aufschwung folgt (V-Form), wird in erster Linie davon abh\u00e4ngen, wie lange die drastischen \u2013 m\u00f6glicherweise noch zu versch\u00e4rfenden \u2013 Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie aufrecht erhalten bleiben m\u00fcssen, um Wirkung zu zeigen. Unabh\u00e4ngig von den kurz- und mittelfristigen (\u00f6konomischen) Wirkungen wird es nach der \u00dcberwindung der aktuellen Krise sicherlich zu einer Diskussion um die nationale Versorgungssicherheit mit Medikamenten, Schutzausr\u00fcstung und Krankenhausbetten kommen.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/gisanddata.maps.arcgis.com\/apps\/opsdashboard\/index.html#\/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6\">https:\/\/gisanddata.maps.arcgis.com\/apps\/opsdashboard\/index.html#\/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26900\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26900<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/de\/publikationen\/kieler-konjunkturberichte\/2020\/deutsche-wirtschaft-im-zeichen-des-corona-virus-0\/\">https:\/\/www.ifw-kiel.de\/de\/publikationen\/kieler-konjunkturberichte\/2020\/deutsche-wirtschaft-im-zeichen-des-corona-virus-0\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a>\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/themen\/coronavirus\/milliardenhilfen-wegen-corono-1730386\">https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/themen\/coronavirus\/milliardenhilfen-wegen-corono-1730386<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/safe-frankfurt.de\/policy-center\/policy-publications\/policy-publ-detailsview\/publicationname\/the-coronavirus-and-financial-stability.html\">https:\/\/safe-frankfurt.de\/policy-center\/policy-publications\/policy-publ-detailsview\/publicationname\/the-coronavirus-and-financial-stability.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a>\u00a0 <a href=\"https:\/\/zeitung.faz.net\/faz\/wirtschaft\/2020-03-12\/e9013cd91ec9b67fb7a5a7ca619b4005\/\">https:\/\/zeitung.faz.net\/faz\/wirtschaft\/2020-03-12\/e9013cd91ec9b67fb7a5a7ca619b4005\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Marco Wagner: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26938\">Italien tief in der Corona-Krise<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26900\">Seuchen, Stagflation und Staatswirtschaft. <\/a><span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Wirtschaftspolitik in Zeiten von Corona <\/span><\/p>\n<p>Michael Gr\u00f6mling: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26875\">Corona mutiert zum Globalisierungsschock<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Jahreswende 2019\/20 verbreitet sich das Coronavirus (Covid-19) in immer schnellerem Ma\u00dfe auf der ganzen Welt. Mittlerweile wird das t\u00e4gliche Leben in vielen L\u00e4ndern &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26952\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Corona-Pandemie und ihre (\u00f6konomischen) Folgen\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":89,"featured_media":26956,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3358,3411],"tags":[3418,121,3425,3426,1748],"class_list":["post-26952","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-coronavirus","category-infektioeses","tag-corona","tag-ezb","tag-kurzarbeitergeld","tag-liquiditaetshilfen","tag-smeets"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Corona-Pandemie und ihre (\u00f6konomischen) Folgen - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26952\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Corona-Pandemie und ihre (\u00f6konomischen) Folgen - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Seit der Jahreswende 2019\/20 verbreitet sich das Coronavirus (Covid-19) in immer schnellerem Ma\u00dfe auf der ganzen Welt. 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