{"id":27154,"date":"2020-04-25T00:07:01","date_gmt":"2020-04-24T23:07:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27154"},"modified":"2020-04-25T06:38:41","modified_gmt":"2020-04-25T05:38:41","slug":"gastbeitrag-wie-robust-ist-deutschland-erkenntnisse-aus-der-corona-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27154","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Wie robust ist Deutschland <br\/><font size=3; color=grey>Erkenntnisse aus der Corona-Krise <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag wird das Konzept des \u201erobusten Staats\u201c skizziert (siehe ausf\u00fchrlicher Glei\u00dfner, 2020) und diskutiert, inwieweit Deutschland sich in der Corona-Krise als robuster Staat erwiesen hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h1>1 Das Konzept des robusten Staats<\/h1>\n<p>Die Gesamtheit der Lebensrisiken der Menschen ist global seit \u00fcber 100 Jahren stetig gesunken, wie die steigende Lebenserwartung belegt. Aber es bleiben gravierende Risiken, denen ein Einzelner wenig entgegen setzen kann. Die Zielsetzung einer \u201erobusten Institution\u201c, z.B. Staat oder Unternehmen, besteht darin, die eigenen F\u00e4higkeiten und Strukturen so auszurichten, dass sie in einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Anzahl risikobedingt m\u00f6glicher Zukunftsszenarien zumindest \u00fcberlebt<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u2013 und m\u00f6glichst ambitioniertere Sicherheitsziele erreichen kann. Risikobew\u00e4ltigung und Krisenpr\u00e4vention zielen dabei nicht prim\u00e4r auf Einzelrisiken, sondern den Aufbau von F\u00e4higkeiten und Strukturen, mit m\u00f6glichst umfassender Wirksamkeit gegen eine m\u00f6glichst breite Klasse von Risikofeldern.<\/p>\n<p>Das Spektrum solcher Krisen mit erheblichen makro\u00f6konomischen Auswirkungen und potenziell katastrophalen Folgen ist dabei vielf\u00e4ltig: Es reicht von Inflationskrisen \u00fcber Staatsschulden- und W\u00e4hrungskrisen und Kriegen bis hin zu schweren Naturkatastrophen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und sogenannten Versorgungskrisen, die eine Einschr\u00e4nkung der Produktionsm\u00f6glichkeiten darstellen. Zur Gruppe der Versorgungskrisen geh\u00f6rt die \u00d6lkrise der 1970er Jahre ebenso wie die aktuelle Corona-Pandemie 2020, deren Bew\u00e4ltigung zu Produktionsausf\u00e4llen f\u00fchrt (Shutdown).<\/p>\n<h1>2 Die Prinzipien und Leitlinien f\u00fcr einen \u201erobusten Staat\u201c<\/h1>\n<p>Nachfolgend skizziert werden die grundlegenden Prinzipien f\u00fcr einen \u201erobusten Staat\u201c, der in der Lage ist seine B\u00fcrger und Unternehmen gegen ein breites Spektrum zuk\u00fcnftig denkbarer Risiken ad\u00e4quat abzusichern. Ein solcher Staat weist eine hohe Resilienz auf.<\/p>\n<p><strong>1. \u00d6konomische St\u00e4rke und Attraktivit\u00e4t des Staats f\u00fcr Unternehmen und Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Leistungsf\u00e4higkeit der Wirtschaft ist die wichtigste Basis f\u00fcr einen robusten Staat, da die Wirtschaft die Wertsch\u00f6pfung generiert, die der Staat, z.B. f\u00fcr Krisenpr\u00e4vention, nutzen kann. Voraussetzung f\u00fcr diese ist, dass der Staat gesicherte Rahmenbedingungen anbietet, die ihn attraktiv machen f\u00fcr Unternehmen und auch hoch qualifizierte Menschen. Diese Voraussetzungen erf\u00fcllt eine markt\u00adwirtschaftlich-kapitalistische Wirtschafts\u00adordnung mit klaren Anreizen f\u00fcr wirtschaftliches Handeln und einer Koordination bevorzugt \u00fcber M\u00e4rkte \u2013 wie die empirische Evidenz seit Jahrzehnten belegt. Zentrale Elemente sind z.B. gesicherte Eigentumsrechte, Gewerbe- und Vertragsfreiheit, freier Wettbewerb<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, gut ausgebildete Einwohner sowie die F\u00f6rderung von Innovationen und technischem Fortschritt, der Wirtschaftswachstum und steigende Lebenserwartung erm\u00f6glicht.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p><strong>2. Reduzierung vermeidbarer kritischer Abh\u00e4ngigkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Krisen entstehen oft, weil f\u00fcr den normalen Alltag essentielle Faktoren (G\u00fcter, Ressourcen etc.) ganz oder teilweise wegfallen, also kritische Abh\u00e4ngigkeiten bestehen (z.B. von Strom, Internet, Regen etc.). Besonders zu beachten sind Abh\u00e4ngigkeiten von Produkten, die im Ausland hergestellt werden. Globale und nationale Arbeitsteilung ist wohlstandssteigernd. Abh\u00e4ngigkeiten, die dadurch entstehen, sollten jedoch systematisch analysiert und \u2013 wo m\u00f6glich \u2013 reduziert. Kritisch ist insbesondere eine Abh\u00e4ngigkeit, wenn diese zu gr\u00f6\u00dferen Risiken f\u00fchrt, weil f\u00fcr die eigene Wirtschaft und die B\u00fcrger wesentliche G\u00fcter von nur einem oder sehr wenigen, nicht substituierbaren Anbietern bereitgestellt werden (z.B. ein einziges Werk f\u00fcr einen Arzneimittelwirkstoff in einem Land wie China). Kritische Abh\u00e4ngigkeiten k\u00f6nnen dabei nicht nur im Bereich Ern\u00e4hrung (Landwirtschaft) und Energieversorgung entstehen, sondern bei einer Vielzahl weiterer materieller G\u00fcter (von \u00d6l und Gas \u00fcber Kupfer, Lithium und Neodym bis hin zu Phosphaten und Antibiotika).<\/p>\n<p>Bedrohung durch kritische Abh\u00e4ngigkeiten sind vielf\u00e4ltig und gehen vom Handelsembargo eines Lieferanten, \u00fcber Cyber-Attacken bis hin zur materiellen Zerst\u00f6rung der f\u00fcr die Energieversorgung wichtigen Infrastruktur (z.B. Wasserwerke, Kraftwerke oder Teilen des Hochspannungs\u00fcbertragungsnetzes).<\/p>\n<p>Auch finanzielle Abh\u00e4ngigkeiten sind hier zu betrachten, z.B. von ausl\u00e4ndischen Mehrheitsaktion\u00e4ren in Schl\u00fcsselunternehmen Kreditgebern oder einer \u201efremden\u201c W\u00e4hrung. Ein gro\u00dfer Vorteil f\u00fcr ein Land besteht darin, wenn es in der Lage ist sich in seiner eigenen, von ihm alleine kontrollierten W\u00e4hrung zu verschulden, und auch ausl\u00e4ndische Investoren diese W\u00e4hrung akzeptieren (was heute f\u00fcr die USA zutrifft).<\/p>\n<p><strong>3. Bereitstellen universell einsetzbarer Ressourcen der Krisenbew\u00e4ltigung<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6glichst flexibel und universell einsetzbare Ressourcen, d.h. Personen und zugeh\u00f6riges Material, sind geeignet eine Vielzahl im Einzelnen z.T. nicht einmal vorhersehbarer Risiken und daraus resultierende Krisen besser zu bew\u00e4ltigen. Ein Beispiel f\u00fcr solche Ressourcen sind die Streitkr\u00e4fte eines Landes. Sie dienen nicht nur der Landesverteidigung. Die Streitkr\u00e4fte haben dar\u00fcber hinaus bei vielen Krisen wichtige Transportkapazit\u00e4t, medizinische Einrichtungen, Ersatzteile und Vorr\u00e4te, technische Instandhaltungskapazit\u00e4t und personelle Ressourcen, um z.B. bei Naturkatastrophen aushelfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>4. Aufbau von Ressourcenreserven und Redundanzen <\/strong><\/p>\n<p>Da der Bedarf an vielen Ressourcen in der Krise zunimmt, sind angemessene \u201eMobilisierungsreserven\u201c sinnvoll (inklusive Personal).<\/p>\n<p>Die redundante Auslegung kritischer Ressourcen und Systeme ist erg\u00e4nzend geeignet, um dem m\u00f6glichen Ausfall eines Systems zu begegnen (was auch der Reduzierung kritischer Abh\u00e4ngigkeiten dient, siehe 2.).<\/p>\n<p><strong>5. Ausreichende Vorr\u00e4te an wichtigen G\u00fctern<\/strong><\/p>\n<p>Der Bedarf an manchen wichtigen G\u00fctern steigt in einer Krise massiv an und zugleich kann das Angebot sinken. Vorr\u00e4te schaffen Zeit, um bei einem Versorgungsengpass eine alternative Versorgungsquelle zu finden oder ausgefallene Produktionskapazit\u00e4ten wieder zu errichten.<\/p>\n<p><strong>6. Hohe finanzielle Flexibilit\u00e4t und Bonit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der Einsatz von Ressourcen, G\u00fctern und Geld in einer Krise, z.B. die Beschaffung notwendiger G\u00fcter, die wirtschaftliche Stabilisierung von Banken oder anderen Unternehmen und die wirtschaftliche Absicherung von B\u00fcrgern<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> erfordert Finanzmittel, die die laufenden Steuereinnahmen meist weit \u00fcberschreiten. Um diese in einer Krise aufbringen zu k\u00f6nnen, ist ein ad\u00e4quater finanzieller Spielraum erforderlich. Die Verschuldung des Staates sollte ein kritisches Level bezogen auf das Volkseinkommen nicht \u00fcberschreiten. Das Rating eines Unternehmens ist ein Ma\u00df f\u00fcr diese \u201efinanzielle Robustheit\u201c.<\/p>\n<p><strong>7. Aufbau von Brandmauern<\/strong><\/p>\n<p>Ein robuster Staat muss in der Lage sein, seine Au\u00dfengrenze \u2013 auch an Flugh\u00e4fen \u2013 gegen\u00fcber unwillkommenen, unbefugten eindringenden Personen zu sch\u00fctzen. Bei manchen Krisen ist es zudem notwendig, auch im Inneren des Staates \u201eBrandmauern\u201c errichten und sichern zu k\u00f6nnen, um z.B. bei Epidemien bestimmte bereits infizierte Regionen \u201eisolieren\u201c zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>8. Robuste Rechtsordnung und Krisen-Governance <\/strong><\/p>\n<p>Krisen sind Situationen, in denen unter hohem Zeitdruck und mit unvollst\u00e4ndigen Informationen schnell \u00fcber oft harte Ma\u00dfnahmen entschieden werden muss. In einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat ist es hier erforderlich, vor einer Krise pr\u00e4zise zu regeln, wie in einer Krisensituation eine Konzentration von Entscheidungsbefugnis, mit einer Reduzierung von Abstimmungsschleifen, vonstattengeht. Ein robuster Staat muss die Verfassung so formulieren, dass ein Machtmissbrauch durch Einzelne oder Gruppen oder gar eine Umwandlung in eine Diktatur m\u00f6glichst unwahrscheinlich ist.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><strong>9. Stabile B\u00fcndnisse und Partnerschaft<\/strong><\/p>\n<p>Kooperation und B\u00fcndnisse mit anderen Staaten, auf die man sich in einer Krise (weitgehend) verlassen kann, helfen potenziell die Robustheit zu verbessern. Die Wirksamkeit solcher Partnerschaften ist hoch, wenn nicht all Partnerstaaten von einer Krise gleichzeitig betroffen sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer gravierenden Krisensituation kann aber nicht einfach davon ausgegangen werden, dass sich andere relevante Institutionen, speziell andere Staaten, so verhalten w\u00fcrden, als g\u00e4be es keine Krise.<\/p>\n<p><strong>10. Vermeidung gr\u00f6\u00dferer B\u00fcrgschaften und Haftungsverbunde<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit zwischen Staaten, speziell Staatenb\u00fcndnisse, sind vorteilhaft f\u00fcr die Robustheit (vgl. 9.) \u2013 sofern sie auch in einer Krise als belastbar angesehen werden. Die Robustheit eines Staates leidet jedoch, wenn hierdurch kritische Abh\u00e4ngigkeiten entstehen, insbesondere durch Risiko- oder Haftungsverbunde. Entsprechend sollte die Haftung f\u00fcr Schulden Dritter, insbesondere anderer Staaten oder deren Institutionen (wie Kreditinstitute), ebenso wie die Haftung f\u00fcr gemeinsame Schulden vermieden werden. Insbesondere Schulden- und Finanzmarktkrisen anderer Staaten werden sonst leicht zu einem Problem f\u00fcr das eigene Land. Aus der politischen \u00d6konomie ist zudem bekannt, dass die Bereitschaft eines Schuldners seine Schulden zu erh\u00f6hen, zunimmt, wenn dieser davon ausgehen kann, dass ein Dritter diese zumindest teilweise \u00fcbernimmt und daf\u00fcr haftet (\u201eMoral Hazard\u201c).<\/p>\n<p><strong>11. Krisenvorbereitung durch Risikoanalysen, Krisenpl\u00e4ne und Krisen\u00fcbungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Risikolage eines Staates und seiner B\u00fcrger ist komplex und \u00e4ndert sich zudem im Zeitverlauf. Notwendig ist eine fundierte strukturierte, und priorisierte (quantitative), nationale Risikoanalyse<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> und eine darauf aufbauende Risikobew\u00e4ltigungsstrategie mit Krisenpl\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>12. Flexibilit\u00e4t und ad\u00e4quate Krisenkommunikation<\/strong><\/p>\n<p>Hohe Flexibilit\u00e4t ist in einer Krise vorteilhaft, weil Krisen eine hohe Dynamik und unvorhergesehen Entwicklungen aufweisen werden. Es bedeutet auch, dass Vorschriften, wie z.B. Arbeitszeitregelungen oder Sicherheitsstandards tempor\u00e4r aufgehoben oder zumindest modifiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h1>3 Wie \u201erobust\u201c hat sich Deutschland in der Corona-Krise gezeigt?<\/h1>\n<p>Auch wenn Deutschland mit manchen Eind\u00e4mmungsma\u00dfnahmen recht sp\u00e4t begonnen hat, waren die initiierten Ma\u00dfnahmen, wie der partielle Shutdown der Wirtschaft verkn\u00fcpft mit gro\u00dfz\u00fcgigem Kurzarbeitergeld und finanzielle Unterst\u00fctzung der Unternehmen, \u00f6konomisch sinnvoll. Dennoch hat sich der Staat insgesamt nicht durchweg als \u201erobust\u201c herausgestellt.<\/p>\n<p>Als erstes Manko ist festzuhalten, dass eine umfassende \u201enationale Risikoanalyse\u201c mit einem darauf aufbauenden Krisenpr\u00e4ventions- und Bew\u00e4ltigungskonzept nicht existiert. Selbst eine vorhandene Studie \u00fcber die gravierende Bedrohung durch eine Pandemie wurde ignoriert. Eine Studie aus 2012 f\u00fcr die Bundesregierung hat gezeigt, welche katastrophalen Auswirkungen eine Corona-Epidemie haben k\u00f6nnte (Bundesdrucksacke, 17\/12051). Wegen der in der Studie angenommenen h\u00f6heren Letalit\u00e4t des Virus prognostizierte die Studie 7,5 Millionen Tote in Deutschland oder unter Beachtung der angenommenen Wahrscheinlichkeit von 0,1% bis 1% ca. 37.000 Todesopfer im Durchschnitt pro Jahr. Die Bundesregierung hat darauf quasi nicht reagiert und selbst simple und kosteng\u00fcnstige Absicherungsma\u00dfnahmen, wie die Bereitstellung von Atemschutz, wurden nicht durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>An sich leicht vermeidbare kritische Abh\u00e4ngigkeiten wurden ignoriert (und erst in der Krise \u00fcber eine \u201eNotproduktionskapazit\u00e4t\u201c diskutiert). Universell nutzbare Ressourcen des Krisen- und Katastrophenmanagements, inklusive derjenigen bei den Streitkr\u00e4ften, wurden seit \u00fcber 30 Jahren abgebaut (wenngleich das Gesundheitswesen im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern noch \u00fcber vergleichsweise hohe Reserven verf\u00fcgt).<\/p>\n<p>Der Abbau der Verschuldung des Staates in den letzten Jahren und die hohe Bonit\u00e4t erm\u00f6glichen es aber die in einer Krisensituation notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Die zweifelsohne weiterhin leistungsf\u00e4hige deutsche Wirtschaft, die ein ad\u00e4quates Investment in die Verbesserung der Robustheit des Staates erm\u00f6glicht, ist sicherlich ein weiterer Pluspunkt, allerdings sind diverse \u201eReformstaus\u201c in den letzten Jahren erkennbar.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend der Krise wurde (bisher) keine \u201eechte\u201c quantitative Risikoanalyse erstellt, die realistische Bandbreiten der Entwicklung von Infizierten-Zahl bis BIP-Entwicklung aufzeigt, so dass eine unn\u00f6tig hohe Unsicherheit auch \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Ma\u00dfnahmen des Staates besteht. Die M\u00e4ngel in der Risikoanalyse lassen sogar bef\u00fcrchten, dass durch die Krise manche Risiken Deutschlands erh\u00f6ht werden k\u00f6nnten (z.B. bei \u00dcbernahme von Risiken aus Staatsschulden anderer EU-L\u00e4nder).<\/p>\n<h1>4 Fazit und Implikationen<\/h1>\n<p>Leider muss man erkennen, dass zu wenig getan wurde. Die politische \u00d6konomie (Public Choice) zeigt, dass Ma\u00dfnahmen zur Steigerung der Robustheit eines Staates in einer Demokratie nicht unbedingt mehr W\u00e4hlerstimmen bringen. Viele bedeutende Risiken sowie potenzielle Krisen und Katastrophen, die Anf\u00e4lligkeit kritischer Infrastruktur oder Pandemien, werden systematisch untersch\u00e4tzt. Wie oben gezeigt, hat die Corona-Krise gravierende Defizite Deutschlands bei einigen der in diesem Beitrag erl\u00e4uterten Kriterien aufgedeckt. Es ist \u201eGl\u00fcck im Ungl\u00fcck\u201c, dass die Krisenauswirkung \u2013 die Letalit\u00e4t des Virus \u2013 am unteren Rand der Erwartungen liegt.<\/p>\n<p>Man kann die aktuelle Corona-Krise als Chance auffassen, aus dieser Erfahrung zu lernen und die Robustheit des Staates danach konsequent zu verbessern.<a name=\"_Toc84759998\"><\/a> Die hier skizzierten Prinzipien zeigen, was zur Verbesserung der Robustheit eines Staates \u2013 auf dem Weg zum Angebot einer ad\u00e4quaten Sicherheit f\u00fcr seine B\u00fcrger \u2013 zu durchdenken ist. Notwendig ist daf\u00fcr zun\u00e4chst eine \u201enationale Risikoanalyse\u201c, die die verschiedenen an sich bekannten \u201eExtremrisiken\u201c, denen Deutschland weiterhin ausgesetzt ist, quantitativ beurteilt.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Blum, U. (2020): Wirtschaftskrieg \u2013 Rivalit\u00e4t \u00f6konomisch zu Ende denken, Springer Gabler, Wiesbaden 2020<\/p>\n<p>Diamond, J. (2006): Kollaps \u2013 Warum Gesellschaften \u00fcberleben oder untergehen, 8. Aufl., Fischer, Frankfurt\/Main 2006<\/p>\n<p>Eucken, W. (1952): Grunds\u00e4tze der Wirtschaftspolitik, UTB, Stuttgart 1952<\/p>\n<p>Glei\u00dfner, W. (2017): Grundlagen des Risikomanagements, 3. Auflage, Verlag Franz Vahlen, M\u00fcnchen 2017<\/p>\n<p>Glei\u00dfner, W. (2018): Risiko, Volkswirtschaft und Wohlstand, in: Growitsch, C. \/ Loose, S. \/ Wehrspohn, R. B. (Hrsg.): Beitr\u00e4ge zu Wirtschaftspolitik und -forschung \u2013 Festschrift anl\u00e4sslich der Emeritierung von Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Blum, Center for Economics of Materials CEM, Halle (Saale) 2018, S. 55 \u2013 68<\/p>\n<p>Glei\u00dfner, W. (2020): Wie riskant ist die Welt? Zur Risikolage der Wirtschaft, der Menschen und der Menschheit, 2020, Ver\u00f6ffentlichung in K\u00fcrze <em>(Pr\u00e4sentation aus\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad Vortrag bei Risk Management Association e.V., 2019: http:\/\/www.futurevalue.de\/download\/RMA-Jako-2019_Gleissner_Kurzversion2.pdf)<\/em><\/p>\n<p>Renn, O. (2014): Das Risikoparadox \u2013 Warum wir uns vor dem Falschen f\u00fcrchten, Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2014<\/p>\n<p>Rosling, H. (2018): Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist, Ullstein, Berlin 2018<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Siehe zur Ursache f\u00fcr einen Staatskollaps auch Diamond (2006).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Meist Erdbeben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. weiterf\u00fchrend die Prinzipien von Eucken (1952).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Auf eventuelle \u00f6kologische Sch\u00e4den, z.B. durch Umweltverschmutzung und CO2-Emission, sowie z.T. diskutierte, aber nicht zwingend relevante Wachstumsgrenzen sei nur hingewiesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Durch Kurzarbeitsgeld oder Sozialhilfeleistungen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Das breite Themenfeld kann hier nur angerissen werden. Es sei auf die Notwendigkeit einer \u201ewehrhaften Demokratie\u201c verwiesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0 Unter Beachtung der komplexen Beziehungs- und Wirkungsnetze.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag wird das Konzept des \u201erobusten Staats\u201c skizziert (siehe ausf\u00fchrlicher Glei\u00dfner, 2020) und diskutiert, inwieweit Deutschland sich in der Corona-Krise als robuster Staat &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27154\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br \/>Wie robust ist Deutschland <br \/><font size=3; color=grey>Erkenntnisse aus der Corona-Krise <\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":345,"featured_media":27183,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3411,3055],"tags":[3466,3464,1192,3463,3465],"class_list":["post-27154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-infektioeses","category-riskantes","tag-corona-krise","tag-gleissner","tag-krisen","tag-risikoanalyse","tag-robuster-staat"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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