{"id":27186,"date":"2020-05-01T00:01:01","date_gmt":"2020-04-30T23:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27186"},"modified":"2020-05-01T13:30:25","modified_gmt":"2020-05-01T12:30:25","slug":"warum-der-wirtschaftliche-einbruch-durch-die-covid-19-pandemie-in-deutschland-viel-deutlicher-als-bisher-angenommen-ausfallen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27186","title":{"rendered":"Warum der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19 Pandemie in Deutschland viel deutlicher als bisher angenommen ausfallen kann"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Die COVID-19 Pandemie ist die in Friedenszeiten schwerste Belastung der Welt seit 90 Jahren, d.h. seit der Gro\u00dfen Depression von 1930\/31. Noch nie waren die Menschen letztlich so eingeschr\u00e4nkt in ihrer Bewegungsfreiheit und die Grenzen noch nie so geschlossen. Noch nie haben Staaten die Schlie\u00dfung so vieler Bereiche der Wirtschaft angeordnet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die jetzige Krise ist eine dreifache Krise. Sie ist<\/p>\n<ul>\n<li>eine medizinische Krise,<\/li>\n<li>eine \u00f6konomische Krise und<\/li>\n<li>eine soziale Krise.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Anfang nahm die Krise im medizinischen Bereich mit einer wuchtigen und rasanten Verbreitung des Coronavirus \u00fcber die ganze Welt. Die medizinische Krise kam allerdings nicht nur zuerst, sie wird vermutlich auch die erste der drei Krisen sein, die \u00fcberwunden sein wird. Die \u00f6konomische Krise umfasst die Verluste von Produktion, Einkommen, Besch\u00e4ftigung, Verm\u00f6genswerten, Konsumm\u00f6glichkeiten und Ausbildung, deren Folgen deutlich l\u00e4nger zu sp\u00fcren sein werden und mit hohen Kosten verbunden sein wird. Die soziale Krise ist in ihrer Dimension am schwierigsten abzusch\u00e4tzen, weil sie mit dem aus den Einschr\u00e4nkungen des Lebens verbundenen Verhaltens\u00e4nderungen der Menschen und den daraus folgenden gesellschaftlichen und politischen Wirkungen verbunden ist. Diese werden sich erst mit Verz\u00f6gerung hinsichtlich ihres Ausma\u00dfes und ihrer Nachhaltigkeit beurteilen lassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Volkswirtschaften steht derzeit die Frage im Mittelpunkt, wie stark der Einbruch von Produktion und Besch\u00e4ftigung als Folge der COVID-19 Pandemie und wie schnell die anschlie\u00dfende Erholung sein wird. Die Sch\u00e4tzungen f\u00fcr Deutschland, die Ende M\u00e4rz 2020 vom Sachverst\u00e4ndigenrat, Anfang April 2020 von der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (GD) und Mitte April 2020 vom Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) ver\u00f6ffentlicht wurden, rechnen mit einem R\u00fcckgang von 4,2% (GD) bis 7,0% (IWF) im Jahr 2020 und in den meisten Szenarios mit einer relativ schnellen Erholung im Jahr 2021.<\/p>\n<p>Die genannten BIP- bzw. Wachstumsprognosen f\u00fcr Deutschland erscheinen optimistischer zu sein als die Prognosen zum Ende der medizinischen Krise. W\u00e4hrend noch kein Ende der medizinischen Krise zu erkennen ist, diese aber von den meisten Experten auf das Jahr 2021 datiert wird, implizieren die aufgef\u00fchrten BIP- Prognosen ein Ende der \u00f6konomischen Krise in wenigen Monaten. Wenn aber angenommen werden darf, dass die \u00f6konomische Krise keinesfalls vor Beendigung der medizinischen Krise zu Ende gehen wird, w\u00e4re bei den BIP-Prognosen st\u00e4rker auf eine Konsistenz zwischen den Entwicklungen der medizinischen und der \u00f6konomischen Krise zu achten. Die nachfolgenden Berechnungen verschiedener BIP-Szenarien dienen genau diesem Ziel.<\/p>\n<p><strong>2. Grundlagen der Prognosen<\/strong><\/p>\n<p>Zur Sch\u00e4tzung der mit der COVID-19 Pandemie verbundenen Wirkungen auf das Wachstum in Deutschland gehen wir von einer Grobgliederung der Produktionsbereiche in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung aus. Hierbei werden zehn Wirtschaftsbereiche unterschieden. Tabelle 1 zeigt den Beitrag der einzelnen Wirtschaftsbereiche zur Bruttowertsch\u00f6pfung. Die Daten zeigen, dass die drei gr\u00f6\u00dften Bereiche in Deutschland das produzierende Gewerbe (ohne Bau), die \u00f6ffentlichen Dienstleistungen inklusive Erziehung und Gesundheit sowie das Handels- Verkehrs- und Gastgewerbe sind. Zusammen machen sie ungef\u00e4hr 60 Prozent der gesamten deutschen Bruttowertsch\u00f6pfung aus. Im Gegensatz dazu betr\u00e4gt der Anteil der drei kleinsten Wirtschaftsbereiche (Land- und Forstwirtschaft, Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie sonstigen Dienstleister) lediglich neun Prozent.<\/p>\n<p>Aufgrund des staatlich angeordneten Shutdown Mitte M\u00e4rz, dessen Ziel eine Eind\u00e4mmung bzw. Verlangsamung der Ausbreitung des COVID-19 Virus war, musste die Produktion in vielen Wirtschaftsbereiche zwangsl\u00e4ufig reduziert werden. Zur Absch\u00e4tzung der Wirkungen auf die Gesamtproduktion und letztlich zur Herleitung einer Wachstumsprognose f\u00fcr Deutschland sind drei Fragen von zentraler Bedeutung:<\/p>\n<p>1. In welchem Umfang wurde die Produktion der einzelnen Wirtschaftsbereiche durch den \u00dcbergang zum Shutdown getroffen? Hieraus kann dann abgesch\u00e4tzt werden, wie stark die Gesamtproduktion in Deutschland w\u00e4hrend des Shutdown eingeschr\u00e4nkt wurde.<\/p>\n<p>2. Wie lange wird der umfangreiche Shutdown, d.h. vor einer signifikanten Lockerung, anhalten?<\/p>\n<p>3. Wie schnell wird die Produktion zu den alten Strukturen zur\u00fcckfinden?<\/p>\n<p>In den nachfolgenden Abschnitten werden diese drei Fragen er\u00f6rtert und hieraus die Wachstumsprognosen hergeleitet.<\/p>\n<p><strong>3. R\u00fcckgang der Produktion w\u00e4hrend des Shutdown<\/strong><\/p>\n<p>In Bezug auf die erste der im voranstehenden Abschnitt genannten Fragen zeigt Tabelle 1 die unseren sp\u00e4teren Prognosen zugrundeliegenden Annahmen zur Wirkung des Shutdown auf die verschiedenen Wirtschaftsbereiche. Konkret sind die Anteile der erhaltenen Produktion w\u00e4hrend des Shutdown in den jeweiligen Wirtschaftsbereichen aufgef\u00fchrt. Unseren Einsch\u00e4tzungen zufolge waren lediglich die Bereiche der Land- und Forstwirtschaft, der Telekommunikation sowie der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen inklusive Erziehung und Gesundheit nicht oder nicht signifikant vom Shutdown betroffen und konnten daher ihr urspr\u00fcngliches Produktionsniveau aufrechterhalten.<\/p>\n<p>Dem ifo Gesch\u00e4ftsklimaindex zufolge antizipierte die deutsche Wirtschaft schon Ende M\u00e4rz die Auswirkungen der implementierten Restriktionen, was sich in schlechteren Gesch\u00e4ftserwartungen und einer pessimistischeren Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage widerspiegelte. Mit Blick auf die Konjunkturumfragen erwarteten der Dienstleistungssektor sowie der Handel den st\u00e4rksten Gesch\u00e4ftseinbruch. Aufgrund dieser Information sch\u00e4tzten wir die H\u00f6he der erhaltenen Produktion der Unternehmensdienstleistungen und der sonstigen Dienstleistungen auf 50 bzw. 15 Prozent und die des Handels- Verkehrs- und Gastgewerbe sowie des produzierenden Gewerbes (ohne Bau) auf jeweils 50 Prozent ein. Im Baugewerbe deuten die Umfragewerte auf eine nur moderate Verminderung der Leistungen hin. Auf dieser Basis sch\u00e4tzen wir die H\u00f6he der aufrechterhaltenen Produktion w\u00e4hrend des Shutdown auf 80 Prozent.<\/p>\n<p>Nach diesen Einsch\u00e4tzungen betr\u00e4gt die H\u00f6he der w\u00e4hrend des maximalen Shutdown aufrecht erhaltenen Produktion insgesamt 65,5 Prozent. Dies geht mit einer sehr unterschiedlichen Auslastung des privaten und des \u00f6ffentlichen Sektors einher. Da die BIP-Anteile des \u00f6ffentlichen Sektors die Herstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter umfasst und diese in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung jeweils mit den Herstellungskosten in die Berechnung des BIP eingehen, ist der Beitrag des \u00f6ffentlichen Sektors zum BIP praktisch nicht vom Shutdown betroffen. Seine Auslastung betr\u00e4gt 100 Prozent. Der Produktionsr\u00fcckgang im privaten Sektor betr\u00e4gt dagegen rd. 50 Prozent. Aufgrund der unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfe von \u00f6ffentlichem und privatem Sektor ergibt sich die in Tabelle 1 ausgewiesene Auslastung f\u00fcr die deutsche Gesamtwirtschaft. In den weiteren Berechnungen verwenden wir eine Auslastung w\u00e4hrend des Shutdown von gerundet 65 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/332.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/332.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Tabelle klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><strong>4. L\u00e4nge des Shutdown und Dauer des Aufholprozesses<\/strong><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Frage, wie lange der Shutdown vor einer ersten signifikanten Lockerung anh\u00e4lt, setzen wir den Zeitpunkt des Einsetzens des Produktionsr\u00fcckgangs auf Mitte M\u00e4rz 2020 fest. Hinsichtlich der Dauer des Shutdown lassen sich noch keine Aussagen machen, so dass wir im Folgenden mit verschiedenen Szenarien rechnen. Dies erscheint auch deshalb sinnvoll, weil hiermit die Sensitivit\u00e4t des wirtschaftlichen R\u00fcckgangs von der L\u00e4nge des maximalen Shutdown ermittelt werden kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr die L\u00e4nge des im M\u00e4rz\/April 2020 eingef\u00fchrten Shutdown bis zu einer signifikanten Lockerung nehmen wir vier alternative Zeitpunkte an. Im Szenario des k\u00fcrzesten maximalen Shutdown gehen wir davon aus, dass eine signifikante Lockerung Ende April 2020 erfolgt. Alternativ erstellen wir Szenarien f\u00fcr eine signifikante Lockerung des Shutdown Ende Juni, Ende August und Ende Oktober. Anschlie\u00dfend wird sich die Volkswirtschaft erholen und die verschiedenen Wirtschaftsbereiche werden die Unterauslastung reduzieren k\u00f6nnen. Dem derzeit teilweise zu h\u00f6rende Argument, dass die Konsum- und Produktionsstrukturen nach der Bew\u00e4ltigung der Pandemie andere sein k\u00f6nnten, gehen wir hier aus Vereinfachungsgr\u00fcnden und der Unklarheit, welche Sektoren in welcher Weise betroffen werden, nicht nach. Wir unterstellen stattdessen eine Anpassung an die Strukturen des BIP auf der Entstehungsseite, wie sie vor Beginn der Pandemie galten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den zu erwarteten Verlauf des BIP ist neben dem Zeitpunkt einer signifikanten Lockerung entscheidend, wie schnell die Auslastung aus der Zeit vor Beginn des Shutdown wiederhergestellt wird. Unrealistisch w\u00e4re eine Unterstellung, dass die Produktion mit Beendigung des im April 2020 durchgef\u00fchrten Shutdown unmittelbar wieder auf das Niveau springt, das ohne Shutdown zu beobachten gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es sind vielerlei Gr\u00fcnde vorstellbar, warum die Anpassung der Produktion an den Verlauf, der frei ist vom Einfluss der Pandemie, einige Monate in Anspruch nehmen wird. Von diesen Gr\u00fcnden scheinen die folgenden vier besonders bedeutend:<\/p>\n<p>a. Der Shutdown wird nicht f\u00fcr alle Wirtschaftsbereiche gleichzeitig und in vollem Umfang aufgehoben, sondern wird \u00fcber verschiedene Monate hin gestaffelt erfolgen.<\/p>\n<p>b. Unternehmen, die besonders stark vom Shutdown betroffen wurden, werden nicht unmittelbar ihre Produktion in vollem Umfang aufnehmen k\u00f6nnen. Vielmehr sind hierf\u00fcr vom Unternehmenstyp abh\u00e4ngig Vorbereitungsarbeiten erforderlich.<\/p>\n<p>c. Die Wiederherstellung unterbrochener Lieferketten wird ebenfalls einen gewissen Zeitraum in Anspruch nehmen. Dies erscheint insbesondere f\u00fcr die internationalen Lieferketten relevant, also f\u00fcr entsprechende Verflechtungen mit dem Ausland.<\/p>\n<p>d. Vermutlich werden auch Konsumenten nicht sofort wieder ihre fr\u00fcheren Konsumgewohnheiten wiederherstellen, sondern sich z.B. wegen der Angst vor einer weiteren Infektionswelle nur graduell an ihre fr\u00fcheren Konsumstrukturen anpassen.<\/p>\n<p>Derzeit kann kaum abgesch\u00e4tzt werden, wie lange der Anpassungsprozess vom Shutdown zur vollst\u00e4ndigen Anpassung an die Vor-Corona-Strukturen dauern wird. Um die wirtschaftlichen Folgen der Anpassungsdauer zu quantifizieren und den Verlauf alternativer Anpassungsl\u00e4ngen zu simulieren, verwenden wir auch hier alternative Annahmen. Als k\u00fcrzeste Anpassungsdauer unterstellen wir zwei Monate. Alternativ verwenden wir eine Anpassungsdauer von vier, acht, 12 und 16 Monaten. Aus Vereinfachungsgr\u00fcnden unterstellen wir, dass die Anpassung zur erwarteten Anpassung linear erfolgt.<\/p>\n<p><strong>5. Prognose des BIP-Einbruchs 2020 und der anschlie\u00dfenden Erholungsphase<\/strong><\/p>\n<p>Wir wenden uns nun den Prognosen der Wachstumsraten des BIP f\u00fcr die Jahre 2020 und 2021 zu. Aus den alternativen Annahmen \u00fcber das Ende des Shutdown und die Geschwindigkeit der anschlie\u00dfenden Anpassung zur urspr\u00fcnglichen Produktionsstruktur lassen sich verschiedene Wachstumswirkungen berechnen. Sie dienen auch dazu, die Sensitivit\u00e4t der Ergebnisse bzgl. der verschiedenen Annahmen aufzuzeigen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 wiedergegeben. Die aufgef\u00fchrten Ver\u00e4nderungsraten stellen jeweils Abweichungen der Jahresproduktion gegen\u00fcber dem Vorjahr dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/333.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/333.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Tabelle klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass bereits ein Ende des Shutdown nach 1,5 Monaten \u2013 d.h. im April 2020 \u2013 und eine Anpassung \u00fcber nur zwei Monate eine Ver\u00e4nderung des BIP in H\u00f6he von -5,3 Prozent f\u00fcr 2020 impliziert. Diese prognostizierte Ver\u00e4nderungsrate f\u00fcr 2020 liegt nahe an den Prognosen des Sachverst\u00e4ndigenrats (-3,1 bis -5,7 Prozent, je nach Szenario) und der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (-4,2 Prozent). Es kann allerdings als \u00e4u\u00dferst optimistisches Szenario angesehen werden. Geht man aber davon aus, dass die \u00f6konomische Krise nicht vor der medizinischen Krise endet und letztere erst mit der Erfindung, Produktion und Anwendung eines Impfstoffes, d.h. vermutlich fr\u00fchestens in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2021 erfolgt, so ist von langsameren Lockerungen und Anpassungen zu rechnen. Die Produktionsver\u00e4nderung w\u00fcrde nach unseren Berechnungen dann bei mindestens -14 Prozent bis -20 Prozent liegen. Schon dies bedeutet, dass es in Deutschland zu einer sehr starken Rezession kommt. Im Szenario 2 (Shutdown dauert im Wesentlichen bis Ende Juni) kommt es selbst in unserer schnellsten Anpassungsvarianten zu einem deutlich zweistelligen Produktionsr\u00fcckgang in 2020. Erfolgt eine signifikante Beendigung des Shutdown erst in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2020, w\u00e4re mit noch deutlich st\u00e4rkeren Einbu\u00dfen beim BIP zu rechnen. Die Wachstumsrate k\u00f6nnte im Extremfall von Tabelle 2 (Shutdown endet Ende Oktober 2020 und die Anpassung dauert 16 Monate) -26,8% betragen.<\/p>\n<p>In allen Szenarien folgt auf den Produktionsr\u00fcckgang eine deutliche Erholung im Jahr 2021. Bis auf den l\u00e4ngsten Anpassungsprozess im 4. Szenario (Shutdown endet Ende Oktober 2020) ist damit zu rechnen, dass ein Ende der Rezession bis Ende 2021 erfolgt. Sofern der Anpassungsprozess nicht noch l\u00e4nger als 16 Monate dauert, kann mit einer R\u00fcckkehr zur normalen Auslastung bis Ende 2021 gerechnet werden.<\/p>\n<p>Abbildung 1 illustriert den Verlauf der monatlichen Produktion f\u00fcr den Fall des Endes des Shutdown im April 2020. Die Abbildung zeigt neben dem Verlauf des wirtschaftlichen Einbruchs und der anschlie\u00dfenden Erholung ein Szenario, das den Verlauf widerspiegelt, wie er vom IWF vor dem Auftreten der COVID-19 Pandemie prognostiziert wurde. Der IWF hatte vor Auftreten der Pandemie ein Wachstum f\u00fcr Deutschland in H\u00f6he von 1,1 Prozent f\u00fcr 2020 und 1,4 Prozent f\u00fcr 2021 prognostiziert Abbildung 1 verdeutlicht, dass die Pandemie zu einem schnellen Einbruch f\u00fchrt, aber auch von einer schnellen und starken Erholung gefolgt wird. Selbst wenn die Anpassung nach Aufhebung des Shutdown l\u00e4nger dauert, k\u00e4me es jeweils zu einer V-Rezession.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/334.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/334.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Abbildung 2 illustriert die Entwicklung der monatlichen Entwicklung f\u00fcr den Fall, dass eine signifikante Aufhebung des Shutdown erst Ende Juni 2020 erfolgt (Szenario 2). Im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Entwicklungen, wie sie in Abbildung 1 dargestellt sind, ergibt sich in diesem Falle jeweils eine U-Rezession. \u00c4hnlich \u2013 doch noch ausgepr\u00e4gter \u2013 verlaufen die Entwicklungspfade f\u00fcr die Szenarien 3 und 4 (aus Platzgr\u00fcnden hier nicht dargestellt).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/335.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/335.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Insgesamt zeigen die in Tabelle 2 enthaltenen Sch\u00e4tzungen sowie die Illustrierung der Wirtschaftsentwicklung in den Abbildungen 1 und 2, dass mit einem deutlich st\u00e4rkeren Einbruch des BIP in Deutschland zu rechnen ist, wenn die L\u00e4nge der \u00f6konomischen Krise an die prognostizierte L\u00e4nge der medizinischen Krise angelehnt wird. Ein nur einstelliger R\u00fcckgang des BIP ist praktisch nur unter Annahme von Bedingungen zu erwarten, die als \u00fcber-optimistisch bezeichnet werden k\u00f6nnen. Es ist daher mit einer schweren Rezession in Deutschland zu rechnen.<\/p>\n<p>Man mag einwenden, dass die hier vorgestellten Prognosen auf einer Auslastung der Produktionskapazit\u00e4ten w\u00e4hrend des Shutdown beruhen, die mit 65 Prozent als unrealistisch angesehen werden. Alternative Annahmen \u00e4ndern an der Grundaussage einer sehr starken Rezession f\u00fcr Deutschland allerdings nichts. Nimmt man alternativ z.B. eine Auslastung im Shutdown von 60 Prozent (pessimistischere Variante) oder 70 Prozent (optimistischere Variante) an, so ergeben sich Wachstumsraten, die um lediglich 2 bis 3 Prozentpunkte von den hier aufgezeigten abweichen.<\/p>\n<p><strong>\u00a06. <\/strong><strong>Schlussfolgerungen <\/strong><\/p>\n<p>Die in diesem Beitrag aufgezeigten Berechnungen zeigen, dass der wirtschaftliche Einbruch durch die COVID-19 Pandemie in Deutschland deutlicher st\u00e4rker ausfallen wird als bisher angenommen wurde. Nach unseren Prognosen wird der Aufschwung zwar anschlie\u00dfend z\u00fcgig eintreten, zuvor wird es aber zu einer sehr starken Rezession in Deutschland kommen. Der prozentuale R\u00fcckgang des BIP wird mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit zweistellig sein. Dies ergibt sich fast zwingend, wenn man in den Prognosen eine Konsistenz zwischen den Annahmen zur Dauer der medizinischen Krise und dem Anhalten der \u00f6konomischen Auswirkungen herstellt. Die hier vorgestellten Prognosen implizieren, dass die z.B. vom Sachverst\u00e4ndigenrat und der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose ver\u00f6ffentlichten Prognosen zu optimistisch sind und die L\u00e4nge der Auswirkungen auf die \u00f6konomischen untersch\u00e4tzen. Wenn dies zutrifft, wird sich dies bereits in naher Zukunft bemerkbar machen.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>International Monetary Fund (2020). \u201e<em>World Economic Outlook: The Great Lockdown<\/em>\u201c. Washington, D.C., International Monetary Fund.<\/p>\n<p>Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2020). \u201e<em>Wirtschaft unter Schock \u2013 Finanzpolitik h\u00e4lt dagegen<\/em>\u201c. M\u00fcnchen, Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose.<\/p>\n<p>Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2020). \u201e<em>Die Gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona Pandemie \u2013 Sondergutachten<\/em>\u201c. Wiesbaden, Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung<\/p>\n<p>ifo Institut (2020). \u201e<em>Ifo Gesch\u00e4ftsklima in Deutschland \u2013 Endg\u00fcltige Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im M\u00e4rz 2020<\/em>\u201c. M\u00fcnchen, ifo Institut.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Hintergrund Die COVID-19 Pandemie ist die in Friedenszeiten schwerste Belastung der Welt seit 90 Jahren, d.h. seit der Gro\u00dfen Depression von 1930\/31. 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