{"id":27572,"date":"2020-06-25T00:01:46","date_gmt":"2020-06-24T23:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27572"},"modified":"2020-06-25T07:03:29","modified_gmt":"2020-06-25T06:03:29","slug":"kostet-uns-die-digitalisierung-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27572","title":{"rendered":"Kostet uns die Digitalisierung Arbeitspl\u00e4tze?"},"content":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung ver\u00e4ndert die deutsche Arbeitswelt. Die verst\u00e4rkt genutzten Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sorgen f\u00fcr eine steigende direkte Verf\u00fcgbarkeit von Informationen am Arbeitsplatz. Diese kann und soll die Arbeitsprozesse bei der Durchf\u00fchrung vieler Aufgaben erleichtern. Die sch\u00f6pferische Kraft des digitalen Wandels gilt daher als Antriebsfeder zur Steigerung der globalen Produktivit\u00e4t und damit auch der weltweiten Wertsch\u00f6pfung. Der Austausch von Daten beeinflusst das Bruttoinlandsprodukt und die Produktivit\u00e4t nachweislich positiv (Manyika et al., 2016, S.73 ff.). Ideen k\u00f6nnen dank der Digitalisierung sofort und ohne Beachtung r\u00e4umlicher Distanz weltweit ausgetauscht werden. Innovationen und Imitationen werden hierdurch erleichtert, tempor\u00e4re Wettbewerbsvorspr\u00fcnge durch Innovation erodieren schneller. Die Marktmacht von Unternehmen wird verringert, weil der Wettbewerb intensiver wird. Dies zwingt die Unternehmen wiederum zur Realisierung aller m\u00f6glichen Effizienzpotenziale.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Arbeitskr\u00e4fte sollten in diesem Prozess der vermehrten Zusammenarbeit mit IKT produktiver werden, und diese h\u00f6here Produktivit\u00e4t verspricht eine Ausdehnung der Arbeitsnachfrage und steigende Reall\u00f6hne. Viel ist von einem solchen Produktivit\u00e4tsanstieg bisher in Deutschland allerdings nicht zu bemerken: Der digitale Wandel habe zu <strong>keiner kr\u00e4ftigen Erh\u00f6hung der Arbeitsproduktivit\u00e4t<\/strong> in Deutschland gef\u00fchrt, f\u00fchrte der Sachverst\u00e4ndigenrat noch 2015 aus (SVR, 2015, Ziffern 545 ff. und 641 ff.). In nominalen Gr\u00f6\u00dfen gemessen sei der Anteil der Investitionen in IKT an der Bruttowertsch\u00f6pfung laut der ifo-Investorenrechnung, auf die sich der Sachverst\u00e4ndigenrat hier bezieht, seit dem Jahr 2000 im Trend r\u00fcckl\u00e4ufig! Vor allem f\u00fcr die IKT-intensiven Wirtschaftsbereiche ist die zu beobachtende Totale Faktorproduktivit\u00e4t im internationalen Vergleich bescheiden geblieben. In den Vereinigten Staaten wurden durch IKT viele Innovationen in den Unternehmen, die IKT intensiv nutzen, angesto\u00dfen, was dann einen Anstieg der Totalen Faktorproduktivit\u00e4t und damit technologischen Fortschritt zur Folge hat. Dies ist in Deutschland wenig erkennbar. Gerade im Dienstleistungssektor ist eine Auswirkung von IKT auf die Produktivit\u00e4t der Besch\u00e4ftigten bisher kaum zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Der Wandel vollzieht sich hierzulande offenbar nicht abrupt vom einen Tag auf den anderen, sondern schleichend und langsam. Doch der Wandel kann am einzelnen Arbeitsplatz trotzdem \u00fcber Nacht zu einschneidenden Ver\u00e4nderungen an die Anforderungen des T\u00e4tigkeitsprofils f\u00fchren, wenn das Unternehmen sich dann doch f\u00fcr den Einsatz einer neuen Technologie entscheidet. Was insgesamt als langwieriger Prozess zu betrachten ist, kann im Einzelfall die gewohnten T\u00e4tigkeitsfelder im jeweiligen Unternehmen abrupt ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>IKT erm\u00f6glichen aber auch die Automatisierung von Arbeitsschritten. Diese reduziert die Abh\u00e4ngigkeit der Prozesse sowohl von der menschlichen Arbeitskraft als auch von den Qualifikationen der Besch\u00e4ftigten. Hierf\u00fcr ist insbesondere die Weiterentwicklung von Robotik und Sensortechnik gefragt. In Deutschland werden Roboter mittlerweile f\u00fcr zahlreiche T\u00e4tigkeiten eingesetzt, wie zum Beispiel f\u00fcr das Montieren, Verpacken und Transportieren von Gegenst\u00e4nden. Hier wird menschliche Arbeitskraft substituiert, und hier verschwinden damit Jobs. Die Automatisierung reduziert auf diesen T\u00e4tigkeitsfeldern das insgesamt verf\u00fcgbare Volumen von Arbeitspl\u00e4tzen, so dass nicht nur aktuell Besch\u00e4ftigte, sondern auch Jobsuchende es schwerer haben. Aus kurzfristiger Sicht wird von manchen Autoren aufgrund dieser Entwicklung mit Freisetzungseffekten von Arbeitskr\u00e4ften gerechnet, die auch auf langfristige Sicht nicht durch neue Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten kompensiert werden k\u00f6nnen (Brynjolfsson und McAffee, 2014, S.177 ff.; Hirsch-Kreinsen, 2015, S.6). Trifft dies tats\u00e4chlich zu, so kann Automatisierung zu einer insgesamt verringerten Arbeitsnachfrage der Unternehmen f\u00fchren. Den einzelnen Besch\u00e4ftigten kann diese Automatisierung recht pl\u00f6tzlich treffen.<\/p>\n<p>Daher kommt mit diesem Wandel die Angst um die Zukunft des eigenen Arbeitsplatzes auf. Denn lassen sich nicht viele T\u00e4tigkeiten, die wir heute am Arbeitsplatz verrichten, auch von Maschinen durchf\u00fchren? Sind wir Menschen durch die Maschinen ersetzbar?<\/p>\n<p>Frey und Osborne (2013) gelten als die Apologeten des Wegfalls von Arbeitspl\u00e4tzen durch die Digitalisierung. Aus ihren Berechnungen ergibt sich, dass in Deutschland 42 Prozent der Jobs durch die Automatisierung gef\u00e4hrdet seien. Diese Berechnung setzt allerdings voraus, dass alles, was theoretisch automatisiert werden kann, auch wirklich automatisiert wird und dass alle T\u00e4tigkeiten, die in bestimmten Berufen verlangt werden, automatisierbar sind. Denn sonst verschwindet nicht der komplette Beruf, sondern es verlagern sich nur die T\u00e4tigkeiten innerhalb des Berufs.<\/p>\n<p>Nun bemerken die meisten Menschen schnell selbst, ob ihre T\u00e4tigkeiten auch von Maschinen \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen. Die Erwartungen und \u00c4ngste sind unter den Besch\u00e4ftigten daher stark unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. Inwiefern haben sie Sorge, dass ihre Aufgaben in der Zukunft nahezu vollst\u00e4ndig von Maschinen \u00fcbernommen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/409.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/409.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die in Abbildung 1 illustrierten Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2019 geben hier\u00fcber Aufschluss. Auf den ersten Blick haben die deutschen Besch\u00e4ftigten eher keine Angst vor einem Arbeitsplatzverlust durch die Digitalisierung. Betrachtet man die Antworten nach Art der Schulabschl\u00fcsse n\u00e4her, l\u00e4sst sich allerdings feststellen, dass Personen mit Abitur mit 80% deutlich weniger Furcht davor haben, ihre Arbeitspl\u00e4tze aufgrund der neuen digitalen Technologien zu verlieren als Hauptschulabsolventen und -absolventinnen, die mit 62% aber auch \u00fcberwiegend keine Furcht vor Arbeitsplatzabbau empfinden. Blickt man auf den Besch\u00e4ftigungsstatus, sind auch hier Unterschiede in den Antworten zu erkennen. F\u00fchrungskr\u00e4fte und Beamte f\u00fchlen sich mit 81%, die keine Furcht haben, noch sicherer als Arbeiter und Arbeiterinnen, die mit 69% sich nicht um ihre Arbeitspl\u00e4tze sorgen.<\/p>\n<p>Der IAB-Forschungsbericht von Dengler und Matthes (2015) geht der grobgestrickten ersten Kalkulation von Frey und Osborne (2013) f\u00fcr den deutschen Arbeitsmarkt genauer auf den Grund: Auf der Basis von Berufsdaten aus der Expertendatenbank BERUFENET der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit werden von Dengler und Matthes Substituierbarkeitspotenziale f\u00fcr die Berufe berechnet. Ihr Ergebnis ist, dass bisher vorwiegend nicht gleich ganze Berufe durch eine Automatisierung ersetzt werden k\u00f6nnen, sondern nur T\u00e4tigkeiten innerhalb eines Berufes. Die H\u00f6he der Substituierbarkeitspotenziale wird von ihnen dann nach der Kategorisierung von Frey und Osborne (2013) bewertet: Wenn maximal 30 Prozent der T\u00e4tigkeiten durch Computer ersetzt werden k\u00f6nnen, liegt bei Dengler und Matthes (2015) ein geringes und zwischen 30 und 70 Prozent ein mittleres Substituierbarkeitspotenzial vor. K\u00f6nnen mehr als 70 Prozent der T\u00e4tigkeiten ersetzt werden, so sprechen sie von einem hohen Substituierbarkeitspotenzial. Daraus l\u00e4sst sich nun das Substituierbarkeitspotenzial kalkulieren \u2013 und dies l\u00e4sst sich im IAB-Bericht detailliert f\u00fcr unterschiedliche Berufssegmente und Anforderungsprofile der Berufe nachlesen. In den Ergebnissen des IAB-Berichts wird deutlich best\u00e4tigt, dass die fortschreitende Digitalisierung weitreichende Auswirkungen auf die zuk\u00fcnftige Arbeitswelt haben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/407.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/407.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In der Abbildung 2 werden vier verschiedene Anforderungsstufen f\u00fcr Berufe unterschieden. Anforderungsniveau 1 entspricht den Helferberufen, Anforderungsniveau 2 den Fachkraftberufen (also Berufen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung). Spezialisten-Berufe (mit Meister- oder Technikerausbildung oder einem weiterf\u00fchrenden Fachschul- oder Bachelorabschluss) finden sich im Anforderungsniveau 3. Die Expertenberufe, f\u00fcr die man in der Regel ein mindestens vierj\u00e4hriges abgeschlossenes Hochschulstudium ben\u00f6tigt (also in der Regel ab einem Master-Abschluss an der Hochschule), sind in Anforderungsniveau 4 zusammengefasst.<\/p>\n<p>Das Substituierbarkeitspotenzial bei Helfern und Fachkr\u00e4ften ist ungef\u00e4hr gleicherma\u00dfen hoch. Helferberufe weisen also keineswegs ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohes Substituierbarkeitsrisiko auf. Das liegt daran, dass auch Helferberufe vielfach T\u00e4tigkeiten inkludieren, die nicht so einfach von Computern ersetzt werden k\u00f6nnen und somit nicht so stark von der Digitalisierung betroffen sind. Helfer wie zum Beispiel Reinigungskr\u00e4fte erledigen n\u00e4mlich viele Nicht-Routine-T\u00e4tigkeiten, die kaum automatisiert werden k\u00f6nnen. Routine ist jedoch ein wesentliches Kriterium f\u00fcr die M\u00f6glichkeit einer Automatisierung. Spezialisten und Experten hingegen absolvieren T\u00e4tigkeiten, die oft besser in programmierte Algorithmen zerlegt werden k\u00f6nnen und sind deswegen leichter durch Computer ersetzbar. Aufgrund des Komplexit\u00e4tsgrades dieser Routinen weisen sie ein zwar geringeres, aber aufgrund der vorhandenen Routinen trotzdem nicht unerheblich hohes Potenzial auf, einer Automatisierung ebenfalls zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>In Hinblick auf die Bedrohung von Berufen ist jedoch nicht nur das Substituierbarkeitspotenzial interessant. Dieses besagt ja nur, welche T\u00e4tigkeiten automatisiert und mit Hilfe von Technik ersetzt werden <em>k\u00f6nnen<\/em>. F\u00fcr die faktische Entscheidung im Unternehmen, den Mensch durch eine Maschine zu ersetzen, spielen auch der Vergleich von Anschaffungskosten und Instandhaltungskosten der Maschine zu den Arbeitskosten und die Verf\u00fcgbarkeit eine Rolle. Denn auch Automatisierungen verursachen Kosten, und sie werden nur dann durchgef\u00fchrt, wenn sie sich auch rentieren. Sind Arbeitskr\u00e4fte wie Helfer aber g\u00fcnstig und reichlich vorhanden, so lohnt sich eine m\u00f6gliche Automatisierung nicht. Nur wenn die Arbeitskr\u00e4fte teuer und knapp sind, ist eine Automatisierung \u00f6konomisch sinnvoll. Weltweit sind nun Arbeitskr\u00e4fte gerade mit geringen Qualifikationen keine Mangelware. Auch in Deutschland sind sie reichlich vorhanden, wie ein Blick in die qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten sofort verr\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/408.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/408.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Abbildung 3 zeigt, dass die h\u00f6chste Arbeitslosenquote mit knapp 20 Prozent bei Erwerbspersonen ohne Berufsausbildung (und Hochschulzugangsberechtigung) vorkommt. Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung liegen \u00fcber die Jahre hinweg mir ihrer Arbeitslosigkeitsquote immer unter 10 Prozent, seit 10 Jahren sogar unter 5 Prozent mit weiterhin fallender Tendenz. Universit\u00e4ts- und Fachhochschulabsolventen liegen konstant bei circa 4 Prozent Arbeitslosenquote. Geringqualifizierte sind am Arbeitsmarkt also vergleichsweise reichlich vorhanden, sie sind auch nicht so teuer wie Fachkr\u00e4fte und Spezialisten. Fachkr\u00e4fte hingegen sind in vielen Berufen jetzt schon knapp; hier sind insofern eher betr\u00e4chtliche Automatisierungsspr\u00fcnge zu erwarten. Lassen sich n\u00e4mlich Jobs nicht vergeben und Stellen nicht besetzen, dann muss in den Unternehmen automatisiert werden, wenn dies technisch m\u00f6glich ist. Dies wird die Automatisierung beschleunigen, so dass zu vermuten ist, dass das Substituierbarkeitspotenzial bei jenen Berufen mit Berufsausbildung, auf deren Arbeitsm\u00e4rkten eine extreme Knappheit herrscht, zuerst ausgesch\u00f6pft werden wird. Fachkr\u00e4ftemangel wird zu Automatisierungsprozessen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigungseffekte, die durch die Technologien insgesamt entstehen, sind in der Wissenschaft noch sehr umstritten. Durch die stetige Weiterentwicklung der Roboter sind immer neue Anwendungsfelder zu erwarten, die auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine st\u00e4rken. Durch diese neuen Technologien wird die Kommunikation und Kooperation zwischen vielen Beteiligten, zum Beispiel zwischen den Besch\u00e4ftigten, aber auch die Kommunikation mit den Kunden und sogar jene zwischen den Anlagen selbst enger miteinander vernetzt werden (Arntz et al., 2016). Der Mensch bedient sich der neuen Maschinen, er wird also nicht unbedingt durch sie substituiert. Seine T\u00e4tigkeiten ver\u00e4ndern sich jedoch.<\/p>\n<p>Tat\u00ads\u00e4chlich werden deshalb wohl meistens nur einzelne konkrete T\u00e4tigkeiten und nicht zwingend ganze Berufe automatisiert. Ber\u00fccksichtigt man dies, arbei\u00adten nach den Sch\u00e4tzungen von Bonin et al. (2015, S. 14) heute vielleicht 12 Prozent der Besch\u00e4ftigten in Deutschland in Jobs, die stark automatisierungsgef\u00e4hrdet sind. Das Aufgabenspektrum menschlicher Arbeit werde sich jedoch st\u00e4rker auf komplexe, nicht automatisierbare Aufgaben mit h\u00f6heren Qualifikationsanforderungen verschieben (Bonin et al., 2015, S. 20). Die Bef\u00fcrchtung, dass mit der Digitalisierung massiv existierende Jobs wegfallen, gilt als weitgehend unbegr\u00fcndet. Auch wenn in den kommenden 10-20 Jahren sch\u00e4tzungsweise 12% der Jobs durch Automatisierungen wegfallen, werden daf\u00fcr im Gegenzug doch auch neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen (Elstner et al., 2016, S. 297).<\/p>\n<p>Wie sich das Verh\u00e4ltnis von Mensch zu Maschine ver\u00e4ndern wird, ist indes keineswegs durch den technischen Fortschritt vorgegeben. Zu den entscheidenden Aspekten, wie moderne Technologien eines Unternehmens weiterentwickelt werden, geh\u00f6ren n\u00e4mlich unter anderem<\/p>\n<ul>\n<li>die Investitionskosten der Technologien,<\/li>\n<li>die rechtlichen Rahmenbedingungen und<\/li>\n<li>die Betriebskultur sowie die<\/li>\n<li>Erwartungen bez\u00fcglich der Steigerung der Arbeitsproduktivit\u00e4t oder der<\/li>\n<li>Entwicklung der Arbeitskosten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erst im Zusammenspiel dieser Aspekte entscheiden sich Unternehmen, ob sie lieber arbeitssparende Technologien oder produktivit\u00e4tssteigernde Technologien entwickeln wollen. Viele dieser Aspekte der Arbeitswelt werden durch unsere gesellschaftlichen Regeln und Gesetze, aber auch durch unsere Bildungsbestrebungen und Berufsentscheidungen gepr\u00e4gt. Dies wird langfristig entscheiden, ob wir begr\u00fcndet oder unbegr\u00fcndet Sorgen um die Zukunft unserer Arbeitspl\u00e4tze haben.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Arntz, M. \/ Gregory, T.\/ Lehmer, F.\/ Matthes, B. und Zierahn, U. (2016): Arbeitswelt 4.0 \u2013 Der Stand der Digitalisierung in Deutschland: Dienstleister haben die Nase vorn, IAB-Kurzbericht Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2016, Nr. 22, N\u00fcrnberg.<\/p>\n<p>Bildungsbericht \u2013 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2018): Bildung in Deutschland 2018, https:\/\/www.bildungsbericht.de\/de\/bildungsberichte-seit-2006\/bildungsbericht-2018\/pdf-bildungsbericht-2018\/bildungsbericht-2018.pdf, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>Bonin, H.\/ Gregory, T. und Zierahn, U. (2015): \u00dcbertragung der Studie von Frey\/Osborne (2013) auf Deutschland, Endbericht, https:\/\/www.econstor.eu\/bitstream\/10419\/123310\/1\/82873271X.pdf, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>Brynjolfsson, E. und McAffee, A. (2014): The Second Machine Age: Work, Progress and Prosperity in a Time of Brilliant Technologies, New York City.<\/p>\n<p>Dengler, K. und Matthes, B. (2015): Folgen der Digitalisierung f\u00fcr die Arbeitswelt \u2013 Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland, http:\/\/doku.iab.de\/forschungsbericht\/2015\/fb1115.pdf, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>Elstner, S.\/ Feld, L. P. und Schmidt, C.M. (2016): Bedingt abwehrbereit: Deutschland im digitalen Wandel, Wirtschaftspolitische Bl\u00e4tter, 2\/2016, S. 287-308.<\/p>\n<p>Frey, C. B. und Osborne, M.A. (2013): The future of employment: How susceptible are jobs to computerization?, https:\/\/www.oxfordmartin.ox.ac.uk\/downloads\/academic\/The_Future_of_Employment.pdf, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>Friedrich-Ebert-Stiftung (2019): Umfrage: Digitalisierung in Deutschland \u2013 Vorbereitung auf digitale Technologien nach Alter und Berufsbildung, https:\/\/www.fes.de\/umfrage-digitalisierung-in-deutschland, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>Hirsch-Kreinsen, H. (2015): Digitalisierung von Arbeit: Folgen, Grenzen und Perspektiven, Soziologisches Arbeitspapier, 2015, Nr. 43.<\/p>\n<p>Manyika, J.\/ Lund, S.\/ Bughin, J.\/ Woetzel, J.\/ Stamenov, K. und Dhingra, D. (2016): Digital Globalization \u2013 The new era of global flows, https:\/\/www.mckinsey.com\/~\/media\/McKinsey\/Business%20Functions\/McKinsey%20Digital\/Our%20Insights\/Digital%20globalization%20The%20new%20era%20of%20global%20flows\/MGI-Digital-globalization-Full-report.ashx, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<p>SVR &#8211; Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2015): Zukunftsf\u00e4higkeit in den Mittelpunkt, https:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/gutachten\/jg201516\/wirtschafts-gutachten\/jg15_ges.pdf, letzter Zugriff: 26.05.2020.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung ver\u00e4ndert die deutsche Arbeitswelt. 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