{"id":28005,"date":"2020-09-28T00:01:45","date_gmt":"2020-09-27T23:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28005"},"modified":"2020-11-13T08:27:16","modified_gmt":"2020-11-13T07:27:16","slug":"ueberlebt-das-geschaeftsmodell-deutschland-die-seuche-struktureller-wandel-private-unternehmer-und-sueddeutscher-rostguertel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28005","title":{"rendered":"\u00dcberlebt das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c die Seuche? <br\/><font size=3; color=grey>Struktureller Wandel, s\u00fcddeutscher Rostg\u00fcrtel und private Unternehmer <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>&#8222;Wenn wir die Industrie aus Deutschland vertreiben, wird die weltweite CO2-Bilanz nicht besser, aber unser Sozialstaat kleiner&#8220;<\/em> (Christoph M\u00fcnzer)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Welt beneidet Deutschland. Es scheint gegen Schocks gut gewappnet. Der Corona-Einbruch ist wirtschaftlich zwar gewaltig. Gegen massenhaft steigende Arbeitslosigkeit scheint Deutschland aber immun. Der positive Eindruck k\u00f6nnte allerdings t\u00e4uschen. Unter der Oberfl\u00e4che brodelt es. Das Herz der deutschen Wirtschaft, der industrielle Sektor, ger\u00e4t aus dem Takt. Tag f\u00fcr Tag kommen aus industriellen Vorzeigebranchen, wie der Autoindustrie und seinen Zulieferern aber auch aus dem Maschinen- und Anlagebau, neue Hiobsbotschaften. Viele Unternehmen planen trotz verl\u00e4ngertem Kurzarbeitergeld, enormen finanziellen Hilfen des Staates und ausgesetzter Insolvenzanmeldepflicht massenhafte Entlassungen. Das alles hat aber weniger mit dem Corona-Schock zu tun. Er ist nur der Ausl\u00f6ser. Der Strukturwandel, der sich seit langem aufgestaut hat, bricht auf. Deutschland steht vor einem multiplen strukturellen Wandel, inter-sektoral, intra-sektoral und inter-personell. Es ist denkbar, dass sich mit dem Corona-Schock auch das Muster des sektoralen Strukturwandels \u00e4ndert. Einzelne Branchen personenbezogener Dienstleistungen, sektorale Hoffnungstr\u00e4ger des strukturellen Wandels, k\u00f6nnten darunter leiden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Strukturwandel treibt Wachstum<\/strong><\/p>\n<p>Ohne st\u00e4ndigen strukturellen Wandel ist nachhaltiges Wachstum und materieller Wohlstand nicht m\u00f6glich. Es ist vor allem die Produktivit\u00e4t, die das Wachstum treibt. Sie steigt, wenn Dinge auf eine neue Art angepackt werden. Dazu braucht es neue Ideen. Wenn es gut l\u00e4uft, sind neue Produkte, neue Prozesse, neue Organisationen und neue M\u00e4rkte das Ergebnis. Neues Wissen entsteht allerdings nicht aus dem individuellen Nichts. Es braucht Forscher, die Neues erfinden, Arbeitnehmer, die neue F\u00e4higkeiten entwickeln und Unternehmer, die das Neue auf den M\u00e4rkten umsetzen. Wirken alle zusammen, entsteht oft Neues, radikales und \u201ekleineres\u201c. Ein Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c kommt in Gang. Altes verschwindet, Neues entsteht. Ein oft schmerzhafter struktureller Wandel ist unvermeidlich. Alte Unternehmen und Arbeitspl\u00e4tze werden obsolet, neue treten an ihre Stelle. Produktionsfaktoren werden neu kombiniert. Kapital, Arbeit und Wissen wandern in neue, effizientere Verwendungsarten. Das Ergebnis dieses strukturellen Wandels ist eine h\u00f6here Produktivit\u00e4t und ein h\u00f6heres wirtschaftliches Wachstum. Der Strukturwandel ist das \u201eDienstm\u00e4dchen\u201c des wirtschaftlichen Wachstums (Joseph A. Schumpeter).<\/p>\n<p>Die treibende Kraft des strukturellen Wandels sind private Unternehmen. Sie sind immer auf der Suche nach neuen M\u00f6glichkeiten, Gewinne zu erzielen. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr haben, was k\u00fcnftig nachgefragt wird. Sie sind die Tr\u00fcffelschweine der Marktwirtschaft (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5774\">hier<\/a>). F\u00fcndig werden sie, wenn es ihnen gelingt, \u00fcberzeugende Antworten auf neue Probleme zu finden. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie die knappen Ressourcen effizienter kombinieren. Damit verringern sie die wirtschaftliche Unsicherheit (\u201eunknown unknowns\u201c). Sie transformieren unkalkulierbare Unsicherheiten in kalkulierbare, wirtschaftspolitisch eher beherrschbare Risiken (&#8222;known unknowns&#8220;). Das wird auch in Zeiten von Corona der Fall sein.\u00a0 Innovationen bei Impfstoffen und Medikamenten sind nur die Spitze des Eisberges. Viele kleinere Verbesserungen im Umgang mit der Seuche werden der Gesellschaft helfen, besser mit dem infekti\u00f6sen Virus zu leben. Privates Unternehmertum kann aber nur gedeihen, wenn die wirtschaftliche Freiheit bl\u00fcht. Es ist Aufgabe des Staates, den Ordnungsrahmen so zu setzen, dass private Unternehmer ihre komparativen Vorteile als \u201eSpezialisten f\u00fcr die Zukunft\u201c auch wirklich ausspielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Instabiles \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das Herz der deutschen Wirtschaft schl\u00e4gt weiter im industriellen Sektor. Deutschland profitiert noch immer \u00fcberm\u00e4\u00dfig stark von seinen \u201ealten\u201c Industrien. Daran hat sich nichts ge\u00e4ndert. Ver\u00e4ndert hat sich allerdings das wirtschaftliche Umfeld. In einem Blog-Beitrag vor \u00fcber zwei Jahren schrieb ich: \u201eEinen wichtigen Impuls f\u00fcr diese positive Entwicklung setzt der industrielle Sektor. Er ist auf den Weltm\u00e4rkten sehr erfolgreich, schafft gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze, ist ausgesprochen innovativ, treibt das wirtschaftliche Wachstum und ist eine wichtige Quelle des Wohlstandes f\u00fcr alle. Damit k\u00f6nnte es aber bald ein Ende haben. Der Aufschwung ist ein Boom auf Messers Schneide. \u00dcber allem schwebt das Damoklesschwert des strukturellen Wandels. Deutschland hinkt strukturell erheblich hinterher. Schon der \u201cFl\u00fcgelschlag eines Schmetterlings\u201d k\u00f6nnte chaotische Zust\u00e4nde im Strukturwandel ausl\u00f6sen.\u201c (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=23133\">hier<\/a>) Das scheint jetzt der Fall zu sein. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass der Corona-Schock diesen folgenschweren Impuls ausgel\u00f6st hat. Der industrielle Sektor zeigt bisher nicht gekannte Schw\u00e4chen. Das lange erfolgreiche \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c wankt.<\/p>\n<p>Es kommt von mehreren Seiten unter Druck. Ver\u00e4ndertes Ausgabenverhalten von Haushalten und Unternehmen und internationale Spezialisierung setzen dem industriellen Sektor zu (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20537\">hier<\/a>). Zum einen fragen private Haushalte mit steigendem Wohlstand vermehrt personenbezogene Dienstleistungen nach. Das ver\u00e4nderte Erwerbsverhalten der Frauen verst\u00e4rkt diese Entwicklung. Die Haushaltsproduktion geht zur\u00fcck. Private personenbezogene Dienstleistung treten an ihre Stelle. Zum anderen \u00e4ndern auch Unternehmen ihr Ausgabenverhalten. Immer mehr Vorprodukte sind unternehmensbezogene Dienstleistungen. Produktnahe Dienste aber auch Software-Dienstleistungen tragen dazu bei, dass Industrieprodukte dienstleistungsintensiver werden. Schlie\u00dflich beschleunigen weltweit offenere M\u00e4rkte den Prozess der Spezialisierung. Das gilt auch f\u00fcr den Industriesektor. Reiche L\u00e4nder konzentrieren sich auf das Spezialit\u00e4tengesch\u00e4ft der High-Tech-, \u00e4rmere L\u00e4nder auf das Massengesch\u00e4ft der Low-Tech-Produkte. In wohlhabenden L\u00e4ndern geht der industrielle Beitrag zur Wertsch\u00f6pfung, vor allem aber der Besch\u00e4ftigung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der Prozess der schleichenden De-Industrialisierung, der aus individuellen Entscheidungen der Haushalte und Unternehmen resultiert, l\u00e4sst sich nicht aufhalten. Anders ist es bei politischen Entscheidungen. Es ist erstaunlich, dass die deutsche Politik vieles tut, das eigene Gesch\u00e4ftsmodell zu zerst\u00f6ren. Einen ersten Schritt geht sie mit einem expandierenden Sozialstaat. Immer mehr wenig zielkonforme Umverteilung (Rente mit 63, Aufstockung der Grundsicherung, h\u00f6heres Kindergeld etc.) \u00f6ffnet die Steuer- und Abgabenschere weiter. Das tut der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit deutscher Unternehmen nicht gut. Vielf\u00e4ltige sozialpolitisch motivierte regulierende Eingriffe in die Arbeitsm\u00e4rkte setzen den Unternehmen weiter zu, oft ohne den \u201eBeg\u00fcnstigten\u201c wirklich zu helfen. Wirklich weh tun allerdings viele andere standort- und wettbewerbsfeindliche Aktivit\u00e4ten. Die Politik hat es geschafft, die Atomindustrie zu vertreiben, die Gentechnik aus Deutschland zu verbannen und der Chemieindustrie das Leben schwer zu machen. Den h\u00e4rtesten Schlag gegen die eigenen Unternehmen f\u00fchrt sie in der Umweltpolitik. Mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung aus Br\u00fcssel betreibt sie eine Klimapolitik, die sich am \u201eHass auf die Verbrenner\u201c orientiert. Eine Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emmissionen um 55 % bis 2030 wird vor allem der deutschen Autoindustrie nicht bekommen. Mit der klimapolitischen Peitsche treibt die Politik den strukturellen Wandel weiter an. Dem klimapolitischen Wahn werden zehntausende gut bezahlter Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland zum Opfer fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ver\u00e4nderter Strukturwandel nach Corona?<\/strong><\/p>\n<p>Der Corona-Schock scheint den Charakter des strukturellen Wandels zu ver\u00e4ndern. Er ist ein origin\u00e4rer Angebotsschock, der Branchen und Unternehmen unterschiedlich zusetzt. Auf den ersten Blick folgt er nicht dem traditionellen Muster des inter-sektoralen Strukturwandels. Unter der Seuche haben beide zu leiden, Industrie- und Dienstleistungssektor. Grunds\u00e4tzlich gilt: Sektoren, die r\u00e4umliche N\u00e4he brauchen, verlieren; Sektoren, die r\u00e4umliche Distanz erm\u00f6glichen, gewinnen. Die Verlierer sind vor allem im Dienstleistungssektor zu finden. Touristik, Hotellerie und Gastgewerbe z\u00e4hlen dazu. Wie schwer sie von Corona getroffen werden, zeigt auch der hohe Anteil der genutzten Kurzarbeit im Dienstleistungssektor und deren Branchen. Wesentlich mehr Kurzarbeit wird allerdings vom Verarbeitenden Gewerbe in Anspruch genommen. Die Automobilwirtschaft, die Metallindustrie und der Maschinenbau fragen sie am st\u00e4rksten nach. Diese Bereiche leiden aber weniger, weil sie r\u00e4umliche N\u00e4he br\u00e4uchten. Sie waren zu Beginn der Krise in Schwierigkeiten, weil ihre weltweiten Lieferketten rissen. Die sind allerdings inzwischen weitgehend repariert. Es spricht vieles daf\u00fcr, dass die Probleme des Verarbeitenden Gewerbes eher weniger Corona-bedingt sind.<\/p>\n<p>Der Corona-Schock hat aber auch Gewinner produziert, absolute und relative. Gewonnen haben vor allem Branchen, die es geschafft haben, Anbieter und Nachfrager r\u00e4umlich zu distanzieren. Dazu z\u00e4hlen etwa der Online-Handel und E-Commerce. Biotech und die Medizintechnik gewannen, weil die Nachfrage nach Gesundheitsg\u00fcter in der Corona-Krise stieg und sich die Angst verbreitete, sie k\u00f6nnte l\u00e4nger anhalten. Ein Blick auf die Kurzarbeitstatistik best\u00e4tigt diese Vermutung. Gewinner sind sowohl Dienstleister als auch Industriebetriebe. Dabei hat die fortschreitende Digitalisierung eine gewisse Rolle gespielt. \u00dcberall wo es gelingt, den Produktionsprozess st\u00e4rker zu digitalisieren (z.B. Home-Office), k\u00f6nnen die negativen Wirkungen des Virus einged\u00e4mmt werden. Das bleibt allerdings nicht ohne Folgen f\u00fcr den Strukturwandel. Micheal Spence, der amerikanische Nobelpreistr\u00e4ger, hat darauf hingewiesen, dass Branchen mit viel intangiblem Kapital in Zeiten von Corona eindeutig im Vorteil seien (<a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/pandemic-economy-is-good-for-intangibles-bad-for-labor-by-michael-spence-2020-08\">hier<\/a>). Ob sie vorwiegend im Industrie- oder im Dienstleistungssektor residieren, ist allerdings unklar. Zweierlei liegt aber auf der Hand: Intra-sektoral gewinnen die Unternehmen mit viel intangiblem Kapital. Der laufende Konzentrationsprozess wird sich weiter fortsetzen. Aber auch inter-personell wird der Prozess der Digitalisierung sichtbar Spuren hinterlassen. Qualifizierte Arbeit wird weiter gewinnen, einfache Arbeit noch mehr verlieren.<\/p>\n<p>Wie der Corona-Schock den Strukturwandel ver\u00e4ndert, ist in vielen Punkten noch unklar. Sollte er nur tempor\u00e4r sein, \u00e4ndert der strukturelle Wandel seinen Charakter kaum. Medizinischer Fortschritt, \u00f6konomische Innovationen und effizienterer Umgang mit dem Virus gehen in diese Richtung. Das w\u00fcrde allerdings die Probleme des industriellen Sektors hierzulande nicht aus der Welt schaffen. Der aufgestaute inter-sektorale Strukturwandel wird sich Bahn brechen, so oder so. Teilen des Verarbeitenden Gewerbes w\u00fcrde es allerdings schwerer fallen, das gegenw\u00e4rtige \u201erent seeking\u201c fortzusetzen. Verliert das Virus \u00fcber l\u00e4ngere Zeit hinweg seinen Schrecken nicht, weil weder Impfstoffe noch Medikamente es wirksam eind\u00e4mmen, k\u00f6nnte sich das Muster des Strukturwandels \u00e4ndern. Vor allem Teile des (personenbezogenen) Dienstleistungssektors k\u00e4men in Schwierigkeiten. Ob neue Technologien hier Abhilfe schaffen und Angebot und Nachfrage r\u00e4umlich distanzieren k\u00f6nnen, steht in den Sternen. Andere Segmente der (unternehmensbezogenen) Dienstleistungen k\u00f6nnten dagegen weiter gewinnen. Alles in allem: Vieles ist noch unklar. Klar ist aber: Der Niedergang des industriellen Sektors wird sich fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Politik f\u00fcr den Strukturwandel<\/strong><\/p>\n<p>Erfolgreich ist der Strukturwandel nur, wenn knappe Ressourcen aus \u00fcberkommenen Verwendungsarten in effizientere neue transformiert werden. Das gelingt am ehesten, wenn Arbeit, Kapital und Wissen mobil sind. M\u00f6glich ist das nur, wenn G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte offen sind. Eine erfolgreiche Strukturpolitik ist deshalb vor allem eine Politik der De-Regulierung. Das reicht aber nicht. Die knappen Ressourcen m\u00fcssen auch in effizientere Verwendungsarten kommen. Dazu muss man allerdings wissen, welche Bereiche zukunftstr\u00e4chtig sind. Dieses Wissensproblem ist nur schwer l\u00f6sbar. Es l\u00e4sst sich am ehesten verringern, wenn die Politik die \u201eSpezialisten f\u00fcr die Zukunft\u201c, die privaten Unternehmen, ranl\u00e4sst. Die Politik muss daf\u00fcr sorgen, dass der Staat private Unternehmen unternehmen l\u00e4sst, Unternehmen unternehmen k\u00f6nnen und Unternehmen auch unternehmen wollen (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5774\">hier<\/a>). Alles in allem: Eine Strukturpolitik hat \u00fcberhaupt nur eine Chance, einigerma\u00dfen erfolgreich zu sein, wenn sie Hemmnisse und Hindernisse auf den M\u00e4rkten abbaut und privates Unternehmertum f\u00f6rdert. Von allem anderen sollte die Politik die Finger lassen.<\/p>\n<p>So l\u00e4uft es aber in der Realit\u00e4t nicht ab. Die Politik betreibt weiter traditionelle Strukturpolitik aber nur wenig Politik f\u00fcr den Strukturwandel. Noch immer steht f\u00fcr sie der industrielle Sektor im Zentrum ihres wirtschaftspolitischen Handelns. Alte Strukturen werden mit Subventionen gep\u00e4ppelt, staatliche Protektion beg\u00fcnstigt. Damit wird viel Geld verbrannt, M\u00e4rkte werden abgeschlossen. Industrielle Arbeitspl\u00e4tze verschwinden trotzdem, die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit der Arbeitnehmer leidet weiter. Mit einer konzentrierten Industriepolitik, die vor allem Cluster-Politik ist (<u><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10084\">hier<\/a><\/u>), setzt die Politik auf \u201ezukunftstr\u00e4chtige\u201c Technologien, Unternehmen und Regionen. Der Staat ma\u00dft sich ein Wissen an, das er nicht hat. Erfolgreich ist er in den seltensten F\u00e4llen. Cluster-Politik leidet unter dem \u201eMITI-Syndrom\u201c: Entweder ist sie irrelevant oder kontraproduktiv. Fehlanreize sind programmiert, der Wettbewerb wird verzerrt, Strukturen werden konserviert. Und der Kampf um die Fleischt\u00f6pfe der Clusterf\u00f6rderung verst\u00e4rkt \u201erent seeking\u201c. Die Gefahr ist gro\u00df, dass die Politik zu Ausgaben neigt, die keinen volkswirtschaftlichen Nutzen stiften.<\/p>\n<p>Das alles gilt f\u00fcr den \u201ealten\u201c sektoralen Strukturwandel. Dort dominiert noch immer Strukturerhaltungspolitik. Mit dem \u201eneuen\u201c Strukturwandel steht die Politik vor einem weiteren Problem. Es ist ungewiss, wie lange der Corona-Schock dauert. Ist er nur tempor\u00e4r, ist nicht mit einem pandemiegetriebenen strukturellen Wandel zu rechnen. Es gibt allenfalls marginale Verhaltens\u00e4nderungen, wie etwa eine schnellere Digitalisierung. Sie beeinflussen, wie schnell der Strukturwandel abl\u00e4uft. \u201eAlte\u201c Strukturpolitik ist bei pandemiegetriebenem, tempor\u00e4rem Strukturwandel kontraproduktiv. Au\u00dfer Spesen (\u201erent seeking\u201c) nichts gewesen. Sollte der Corona-Schock dauerhaft sein, wird es f\u00fcr manche Branchen, wie der Touristik und dem Luftverkehr, schwer. Ein heftiger Strukturwandel ist unvermeidlich. Staatliche Rettungspakete sind fehl am Platz. Sie konservieren nicht \u00fcberlebensf\u00e4hige Strukturen. Es kommt allerdings der Zeitpunkt, wo sich trotz staatlicher Konservierung die strukturellen Spannungen abrupt entladen (Ketchup-Effekt). Unternehmen gehen massenhaft pleite, die Arbeitslosigkeit explodiert. Niemand kann allerdings wissen, ob der Corona-Schock tempor\u00e4r oder dauerhaft ist. Es spricht deshalb vieles daf\u00fcr, die Strukturpolitik darauf auszurichten, Hemmnisse und Hindernisse im Strukturwandel zu beseitigen und privates Unternehmertum zu f\u00f6rdern. Zumindest sollte ihm aber keine Steine in den Weg gelegt werden. Das w\u00e4re die ad\u00e4quate Antwort auf den unvermeidlichen \u201ealten\u201c und den m\u00f6glichen \u201eneuen\u201c Strukturwandel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Staatliche Hilfen im Strukturwandel<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaftlicher Strukturwandel ist immer und \u00fcberall \u201esch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung\u201c. Altes verschwindet, Neues entsteht. Die Frage ist, ob der Staat die Verlierer im Regen stehen lassen soll. Verlierer sind Unternehmen, die im Strukturwandel auf der Strecke bleiben. Verlierer sind aber auch Arbeitnehmer, die arbeitslos werden. Im Strukturwandel \u201ealten\u201c Musters, gibt es keinen Grund, dass der Staat den Unternehmen hilft. Das eingesetzte Kapital ist verloren, ganz oder teilweise. Scheitern f\u00e4llt unter das unternehmerische Risiko. Das ist bei Arbeitnehmern anders. Der Staat greift ihnen unter die Arme. Arbeitnehmer verlieren zwar mit dem Arbeitsplatz ihr Humankapital, die einen mehr, andere weniger. Sie haben aber die Chance, nach dem Erwerb neuen marktf\u00e4higen Humankapitals in anderen produktiveren Verwendungsarten eingesetzt zu werden. Die Aufgabe des Staates besteht darin, arbeitslos gewordenen Arbeitnehmer in diesem Prozess der Reallokation zu helfen. Das kann \u00fcber monet\u00e4re Hilfen geschehen, wie dem Arbeitslosengeld oder der Grundsicherung, die im g\u00fcnstigsten Fall als kurzfristige finanzielle St\u00fctzen bis zum neuen Arbeitsplatz angelegt sind. Der Staat hilft aber auch mit aktiver Arbeitsmarktpolitik, wie Beratung, Vermittlung und Qualifizierung, Arbeitslose wieder in den regul\u00e4ren Arbeitsprozess einzugliedern. Viel zu erwarten ist davon allerdings nicht. Die leidvolle Erfahrung zeigt, erst der Generationenwechsel entspannt die humankapitaldefizit\u00e4re Lage auf den Arbeitsm\u00e4rkten nachhaltig.<\/p>\n<p>In Zeiten von Corona k\u00f6nnte sich das Muster des Strukturwandels \u00e4ndern. Bleibt die Seuche dauerhaft, ist ein pandemiegetriebener struktureller Wandel unvermeidlich. Einige Branchen haben in der alten Form keine Zukunft mehr, andere verschwinden ganz. Die Sektorstrukturen ver\u00e4ndern sich dauerhaft. Der Grundsatz des \u201ealten\u201c Strukturwandels bleibt aber: Hilfe f\u00fcr Arbeitslose, keine Rettung von Arbeitspl\u00e4tzen. Passive und aktive Arbeitsmarktpolitiken sind wirtschaftspolitische Antworten der Reallokation. Es kann aber auch ganz anders kommen. Und daf\u00fcr spricht viel. \u00dcber kurz oder lang verliert die Seuche ihren Schrecken. Die Medizin macht Fortschritte. Individuen lernen mit dem Virus zu leben. Archaische Lockdowns spielen keine Rolle mehr. Auf lokale Ausbr\u00fcche wird selektiv und flexibel reagiert. Die Angebotsschocks sind nur tempor\u00e4r. Gro\u00df angelegte Rettungsaktionen sind reine Geldverschwendung, von der vor allem Rentenj\u00e4ger profitieren. Die Politik besinnt sich auf eine Reform der Arbeitsmarktpolitik und gestaltet die Grundsicherung (Hartz IV) anreizvertr\u00e4glich. Und die Tarifpartner springen \u00fcber ihren organisationspolitischen Schatten und beschleunigen den Prozess der betrieblichen Lohn- und Tarifpolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Finanzkrise konnte man den Eindruck haben, Deutschland sei gegen negative Schocks immun. Der Corona-Schock zeigt, das ist nicht so. Der Lockdown hat Branchen des (personenbezogenen) Dienstleistungssektors ins Mark getroffen. Damit ist ein Hoffnungstr\u00e4ger des inter-sektoralen Strukturwandels ernsthaft in Schwierigkeiten, zumindest tempor\u00e4r. Gleichzeitig ist der industrielle Sektor, das Herz der deutschen Wirtschaft, schwer unter Druck. Das Undenkbare wird denkbar. Ein \u201es\u00fcddeutscher Rostg\u00fcrtel\u201c ist m\u00f6glich. Der Niedergang des industriellen Sektors hat aber wenig mit Corona zu tun. Wichtiger ist: In Deutschland hat sich seit langem der inter-sektorale Strukturwandel aufgestaut. Der bricht nun auf. Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c steht auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen. Ver\u00e4ndertes Ausgabenverhalten von Haushalten und Unternehmen und die internationale Spezialisierung sind die treibenden Kr\u00e4fte der Erosion. Aber auch die heimische Politik hat ihren Anteil. Sie zerst\u00f6rt das eigene Gesch\u00e4ftsmodell: Der umverteilende und regulierende Sozialstaat wuchert, die Politik k\u00e4mpft mit vielen Mitteln gegen die Industrie, nicht nur klimapolitischen. Seit dem Ausbruch der Seuche versucht die Politik, mit gigantischen Rettungsschirmen industriepolitisch zu retten, was nicht zu retten ist. Gefragt ist keine \u201ealte\u201c Strukturpolitik, die \u00fcberkommene Strukturen konserviert und Rentenj\u00e4ger beg\u00fcnstigt. Notwendig ist eine \u201eneue\u201c Politik f\u00fcr den Strukturwandel, \u201ealt\u201c oder pandemiegetrieben. Offene G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte, ein leistungsorientierter Wettbewerb, mehr privates Unternehmertum, eine betriebliche Lohn- und Tarifpolitik, eine effiziente Arbeitsmarktpolitik und eine anreizkompatible Grundsicherung sind wichtige Zutaten.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wenn wir die Industrie aus Deutschland vertreiben, wird die weltweite CO2-Bilanz nicht besser, aber unser Sozialstaat kleiner&#8220; (Christoph M\u00fcnzer) Die Welt beneidet Deutschland. 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