{"id":28297,"date":"2020-11-24T00:04:11","date_gmt":"2020-11-23T23:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28297"},"modified":"2020-11-25T10:02:58","modified_gmt":"2020-11-25T09:02:58","slug":"rationale-entscheidungen-in-zeiten-von-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28297","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Rationale Entscheidungen in Zeiten von Corona"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eNichts ist schwerer als der R\u00fcckzug aus einer unhaltbaren Position.\u201c <\/em>(Carl von Clausewitz, 1780 \u2013 1831)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wird Corona als die schlimmste Gesundheitsgefahr seit der Spanischen Grippe oder als die gr\u00f6\u00dfte Massenhysterie seit den 1930er Jahren in die Geschichte eingehen? Noch wissen wir es nicht. Wir sind jedoch gerade dabei, eine Wirtschaftskrise zu provozieren, wie sie die Welt seit fast hundert Jahren nicht mehr gesehen hat. Wir befinden uns in einer Situation, dass wichtige Grundrechte eingeschr\u00e4nkt werden \u2013 Grundrechte, die nicht zuletzt Grundrechte hei\u00dfen, weil davon auszugehen ist, dass sie auch und gerade in Krisenzeiten universell Geltung haben. Wir nehmen eine Destabilisierung unserer Gesellschaft in Kauf, deren Folgen wir zum heutigen Zeitpunkt noch kaum absch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Mit alldem f\u00fcgen wir nicht nur uns, sondern auch k\u00fcnftigen Generationen schweren Schaden zu. Die richtigen Rezepte zur Bek\u00e4mpfung von Corona im engen Sinne zu finden, obliegt in erster Linie den Medizinern. In anderen Feldern k\u00f6nnen Volkswirte und mit den Prinzipien des Krisenmanagements vertraute Betriebswirte durchaus einen Beitrag leisten. Dies betrifft neben der Prognose der wirtschaftlichen Sch\u00e4den sowie einer Bewertung verf\u00fcgbarer Optionen zur Seuchenbek\u00e4mpfung nicht zuletzt die Frage der Entscheidungsfindung in Sachen Corona und deren kritische W\u00fcrdigung.<\/p>\n<p>Werden also die Entscheidungen, die so gewaltig in das Leben so vieler Menschen eingreifen, zumindest den Kriterien rationaler Entscheidungsfindung gerecht?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong><em>G\u00fcterabw\u00e4gung und das \u00f6konomische Prinzip<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00d6konomen haben bereits vor zweihundert Jahren herausgefunden, dass der Preis (die Kosten) einer jeden Sache das ist, auf was man verzichten muss, um sie zu bekommen (Opportunit\u00e4tskosten). Das \u00d6konomische Prinzip besagt, umgangssprachlich ausgedr\u00fcckt, dass aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen \u2013 und sei es nur die menschliche Lebenszeit \u2013 ein jedes Ding seinen Preis hat \/ nichts umsonst ist. Daraus k\u00f6nnen wir ableiten, dass es sicherlich nicht rational ist, alles einem einzigen Ziel unterzuordnen. Abgesehen vom juristischen Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, ist auch aus \u00f6konomischer Sicht das einzig rationale Entscheidungsprinzip \u2013die G\u00fcterabw\u00e4gung. Es ist nicht rational, alles einem einzigen Ziel unterzuordnen, alles \u201eMachbare\u201c oder gar \u201eMenschenm\u00f6gliche\u201c zu tun. Die Medizin darf nicht gef\u00e4hrlicher sein als die Krankheit!<\/p>\n<p>Mit Blick auf Corona betrifft dies vor allem zwei Fragen: Die Frage nach den wirtschaftlichen Kosten der Corona-Bek\u00e4mpfung und die Frage nach der Relation mit Blick auf andere Krankheiten. Es gilt abzuw\u00e4gen: Wieviel an wirtschaftlichen und anderen Kollateralsch\u00e4den darf einem die Seuchenbek\u00e4mpfung wert sein? Und: Kommen nicht auf lange Sicht mehr Menschen durch die Ma\u00dfnahmen der Corona-Bek\u00e4mpfung zu Schaden als durch Corona selbst? (Bereits im April wurde publik, dass die Anzahl der in den Notaufnahmen vorsprechenden Verdachtsf\u00e4lle auf Herzinfarkt und Schlaganfall \u2013 wohl aufgrund der abschreckenden Wirkung der Corona-Ma\u00dfnahmen \u2013 um ein Drittel zur\u00fcckgegangen ist. Dies bedeutet, grob \u00fcberschlagen, ca. 10.000 unentdeckte Schlaganf\u00e4lle pro Monat. Insgesamt wird uns die Bek\u00e4mpfung von Corona allein hier h\u00f6chstwahrscheinlich mehr Tote kosten als Corona selbst.) Und letztlich: Wenn Sie, lieber Leser, nahezu unbegrenzte Mittel zu Ihrer Verf\u00fcgung h\u00e4tten, welche der Geiseln der Menschheit w\u00fcrden Sie damit bek\u00e4mpfen? Aids, Malaria, Hepatitis? Multiresistente Keime? Krebs? Kindersterblichkeit oder Mangelern\u00e4hrung? \u2013 Nun, die Menschheit hat sich wohl f\u00fcr Covid-19 entschieden\u2026<\/p>\n<p><strong><em>Effizienz, Effektivit\u00e4t und das Marginalkalk\u00fcl<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Kern jeder rationalen Entscheidung ist, geeignete Ma\u00dfnahmen f\u00fcr ein definiertes Problem zu finden und die beste davon auszuw\u00e4hlen. Eine Ma\u00dfnahme, die geeignet ist, ein Problem zu l\u00f6sen, ist effektiv. Eine Ma\u00dfnahme, die nicht nur geeignet ist, sondern noch dazu kosteng\u00fcnstig und die m\u00f6glichst geringe unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen aufweist, ist effizient.<\/p>\n<p>Die drakonischen Ma\u00dfnahmen, die zu Beginn der Corona-Krise ergriffen wurden \u2013 und jetzt wieder werden, waren, wenn \u00fcberhaupt, in ihrer Undifferenziertheit nur als unmittelbare Sofortma\u00dfnahme akzeptabel. Denn neben wirksamen Ma\u00dfnahmen enthalten die beschlossenen Ma\u00dfnahmenpakete ganz unbestritten eine gro\u00dfe Menge solcher, die jeden positiven Beitrags entbehren, die Kosten der Corona-Bek\u00e4mpfung dagegen ins Unermessliche treiben. Dazu geh\u00f6rten im Fr\u00fchjahr zum Beispiel Grenzschlie\u00dfungen zwischen Nordpolen (0 Infektionen) und Mecklenburg-Vorpommern (0 Infektionen) und heute sicherlich das Verbot von Theaterveranstaltungen und vielen Sportarten, bei denen sich bis heute noch niemand nachweislich infiziert hat.<\/p>\n<p>Folglich muss die Frage lauten: Welche der noch immer geltenden oder neu vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen sind \u00fcberhaupt (nachweisbar) geeignet, also effektiv? Welche Ma\u00dfnahmen sind auch nach Aufwands-\/Nutzensma\u00dfst\u00e4ben noch akzeptabel, also effizient?<\/p>\n<p>In der Welt der rationalen Entscheidungsfindung muss jede Einzelma\u00dfnahme ihre N\u00fctzlichkeit beweisen. Tut sie dies nicht, ist sie unn\u00f6tig, nicht effektiv. Ma\u00dfnahmen wie der gezielte Schutz von Risikogruppen sind relativ g\u00fcnstig \u2013 ohne gro\u00dfe Nebenwirkungen zu haben. W\u00e4hrenddessen sind Lockdowns sicher wirksam, verursachen jedoch riesige Sch\u00e4den, sind also nicht effizient. Es gilt dringend, die Kanonenkugel jetzt durch das Florett zu ersetzen, besser w\u00e4re noch: das Skalpell, um gro\u00dfen Schaden von diesem Land zu wenden.<\/p>\n<p>\u00d6konomische Entscheidungen finden zudem auf der Grundlage des Marginalkalk\u00fcls statt. Die Frage ist hier also: Was schadet eine einzelne Ma\u00dfnahme weniger? Was bringt eine einzelne Ma\u00dfnahme mehr? W\u00fcrde man all jene (Teil-)Ma\u00dfnahmen gezielt und systematisch streichen, f\u00fcr die kein wesentlicher Nutzen nachweisbar ist, w\u00e4re man der rationalen Entscheidungsfindung in Sachen Corona schon ein gutes St\u00fcck weit n\u00e4her.<\/p>\n<p><strong><em>Differenzierung zwischen Sofortma\u00dfnahmen und Ma\u00dfnahmen der Krisenbek\u00e4mpfung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle sei ein kurzer Exkurs in die Welt der Betriebswirtschaftslehre erlaubt, konkret in das Feld des Krisenmanagements: Dort wird bewusst zwischen Sofortma\u00dfnahmen \u2013 deren Ziel: die Schadensbegrenzung und die Sicherung von Potenzialen \u2013 und Ma\u00dfnahmen der Krisenbew\u00e4ltigung unterschieden. Erstere ziehen die \u201eBrandmauer\u201c. Doch in den seltensten F\u00e4llen liegt die L\u00f6sung des Problems in der Fortschreibung der Sofortma\u00dfnahmen. Was wohl w\u00fcrde mit einem Krisenmanager in der Freien Wirtschaft geschehen, wenn ihm auch noch Wochen nach dem Ausbruch eines Werkbrands nichts besseres einfiele, als die ganze Produktion oder gro\u00dfe Teile derselben gestoppt zu halten?<\/p>\n<p>Wie allgemein bekannt ist, wurden sinnvolle Sofortma\u00dfnahmen \u2013 Einstellung von Fl\u00fcgen aus China \u2013 viel zu sp\u00e4t ergriffen. Die L\u00f6sung des Gesundheitsproblems Corona liegt wiederum wohl kaum in einem linearen Hoch- und Herunterfahren von Sofortma\u00dfnahmen, wie der Einstellung des \u00f6ffentlichen Lebens.<\/p>\n<p><strong><em>Sparsamkeitsprinzip und objektive Bewertungsma\u00dfst\u00e4be \u2013 es geht um Fragen der Optimierung!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Einer der wichtigsten Grunds\u00e4tze bei der Corona-Bek\u00e4mpfung muss lauten: Wir m\u00fcssen zum Sparsamkeitsprinzip zur\u00fcck. Soll hei\u00dfen, dass zur Bek\u00e4mpfung der Epidemie diejenigen Ma\u00dfnahmen eingesetzt werden (und zwar nur noch diejenigen Ma\u00dfnahmen), die zur Bek\u00e4mpfung der Epidemie zwingend notwendig sind. Viele verantwortliche Politiker \u00e4u\u00dfern sich jedoch nach wie vor dahingehend, dass sie gerne \u201eauf der sicheren Seite\u201c sein m\u00f6chten. Doch es gibt in dieser Situation keine sichere Seite, auf beiden Seiten ist der Abgrund!<\/p>\n<p>Beachtet man diese Gegebenheit, so w\u00e4re die rationale Entscheidungsfindung in Sachen Corona eine Frage der Optimierung: Wir haben es mit einer \u201ehump-shaped\u201c, also buckeligen, Nutzensfunktion zu tun. Betrachtet man die potenziell durch die Corona-Ma\u00dfnahmen abgewendeten Sch\u00e4den (Sch\u00e4den durch Corona) ebenso wie diejenigen Sch\u00e4den, die durch eben diese Ma\u00dfnahmen verursacht werden (Sch\u00e4den durch Corona-Ma\u00dfnahmen), so steigt mit einer zunehmenden Anzahl an getroffenen Ma\u00dfnahmen zun\u00e4chst der Nutzen \u2013 da diese die Krankheit eind\u00e4mmen, erreicht ein Maximum und f\u00e4llt dann wohl relativ schnell steil ab \u2013 in dem Ma\u00dfe, in dem nun die Folgen der Corona-Bek\u00e4mpfung zu Buche schlagen. Der Abgrund der einen Seite ist ein unkontrolliertes Umsichgreifen der Epidemie, der Abgrund der anderen die verheerenden Folgen einer Weltwirtschaftskrise, unbehandelter anderer Krankheiten, aufgeschobener Operationen etc., bis hin zu den unabsehbaren Folgen politischer Destabilisierung.<\/p>\n<p>Inhalt einer rationalen Entscheidung in Sachen Corona ist es also, diesen schmalen Grad m\u00f6glichst genau zu finden. Denn die durch die \u2013 sehr kruden \u2013 Ma\u00dfnahmen der Corona-Bek\u00e4mpfung ausgel\u00f6sten Folgen sind nicht weniger schlimm \u2013 nicht einmal vom Standpunkt der Medizin \u2013 als die Folgen einer um sich greifenden Epidemie.<\/p>\n<p><strong><em>Definierte Ziele &amp; objektive Bewertungsma\u00dfst\u00e4be<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine Entscheidung f\u00fcr effektive und effiziente Ma\u00dfnahmen setzt allerdings eine klare Zieldefinition voraus. Es muss klar sein, was man erreichen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Nach der wissenschaftlichen Entscheidungstheorie ist eine Entscheidung unter anderem dann rational, wenn ein Entscheider i) konsequent im Einklang mit seinem <em>Zielsystem<\/em> agiert, ii) die ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen korrekt verarbeitet (<em>Informationsverarbeitung<\/em>) sowie weitere Informationen unter Abw\u00e4gung von Kosten und Nutzen beschafft. Die wissenschaftliche Entscheidungstheorie geht weiterhin davon aus, dass sich ein Entscheider iii) vor eine <em>Anzahl von Handlungsalternativen<\/em> gestellt sieht, von denen er iv) eine <em>gem\u00e4\u00df seiner Pr\u00e4ferenzfunktion ausw\u00e4hlt<\/em>. Eine rationale Entscheidung erfolgt dann v) auf Grundlage der <em>Erwartungsnutzentheorie<\/em> (Bernoulli-Prinzip) unter Ber\u00fccksichtigung der <em>Axiome rationalen Entscheidens<\/em>.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Corona-Situation, so ist bereits die Definition eines klaren Zielsystems nach wie vor nicht gegeben: Wurde zun\u00e4chst eine Vermeidung der \u00dcberlastung der Intensivkapazit\u00e4ten als Ziel kommuniziert (bei einer Verdopplungszeit von etwa 10 Tagen), \u201eFlatten the Curve\u201c also, so wurde es sp\u00e4ter die Reproduktionszahl. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ging dann bereits seit Anfang April zur\u00fcck. Die Verdopplungszeit von 10 Tagen war bereits am 6.4. erreicht. Die Reproduktionszahl in Deutschland lag Monate lang unter oder um die Eins. Gegenw\u00e4rtig steigt die Zahl der Infektionen (zumindest der gemessenen Infektionen), jedoch ohne eine Steigung der Mortalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Definition eines klaren Ziels ist deswegen von gro\u00dfer Wichtigkeit, weil es hier schlie\u00dflich um einiges geht: Der sicherlich w\u00fcnschenswerten Eind\u00e4mmung des Corona-Virus gegen\u00fcber steht u.a. das Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit sowie eine ganze Reihe an Rechten und Freiheiten. Welchem Ziel wurden und werden diese geopfert? Und ist dies auch ein realistisches Ziel? Denn schlie\u00dflich muss ein Ziel ja auch erreichbar sein. Nicht umsonst war eine der ersten Fragen des emeritierten Infektiologen Bhakdi in seinem Offenen Brief an die Kanzlerin: Welches Ziel soll erreicht werden?<\/p>\n<p>Ein sinnvolles Ziel mag sicherlich sein, die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Krankheit zu verlangsamen, die Anzahl der schweren F\u00e4lle unter Risikogruppen oder die T\u00f6dlichkeit des Virus zu reduzieren. Um wieviel, ist von den Entscheidungstr\u00e4gern zu definieren. Auf Null ist sicherlich unrealistisch.<\/p>\n<p><strong><em>Multidimensionale und intertemporale Optimierung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Frage der Zielsetzung ist in Sachen Corona keine einfache, denn die Gesellschaft verfolgt mehr als nur ein Ziel. Es gibt nach wie vor andere Krankheiten, nach wie vor andere Ziele der Politik! Technisch gesehen ist also die Entscheidungssituation hinsichtlich Corona eine Frage mehrdimensionaler Optimierung. Nicht die beste L\u00f6sung in Sachen Corona ist zu verfolgen, sondern das beste Politikb\u00fcndel, wovon Corona nur einen Aspekt darstellt, oder das beste Politikb\u00fcndel ist zu verfolgen unter der Einschr\u00e4nkung einer als ausreichend erachteten Corona-Unterdr\u00fcckung als limitierendem Faktor.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft dies konkret? Es w\u00fcrde bedeuten, dass in einer solchen mehrdimensionalen Entscheidungssituation die Bek\u00e4mpfung von Corona nicht mehr Gewicht finden d\u00fcrfte als die Bek\u00e4mpfung anderer Krankheiten. Dass, angefangen von Fragen der Verkehrsinfrastruktur, von Kunst, Kultur, Lebensqualit\u00e4t bis zur sozialen Sicherheit zuk\u00fcnftiger Generationen alle gesellschaftlichen Ziele wieder in ein angemessenes Gleichgewicht mit Corona finden m\u00fcssen \u2013 und dies m\u00f6glichst schnell.<\/p>\n<p>Die richtigen \u2013 und das hei\u00dft: angemessenen \u2013 Ma\u00dfnahmen gegen Corona zu treffen, ist zudem auch ein Problem intertemporaler Optimierung. Eine wichtige Rolle spielt hier der Diskontfaktor, mit dem das sehr reale Risiko schwerster wirtschaftlicher und politischer Verwerfungen in den n\u00e4chsten 5 bis 10 Jahren gegen\u00fcber dem gegenw\u00e4rtigen gesundheitspolitischen (Grenz-)Nutzen des Ma\u00dfnahmenpakets abgezinst wird. Sehr wahrscheinlich, dass hier deutlich \u00fcber das Ziel hinausgeschossen wurde. Wollen wir auch in Zukunft ein Gesundheitssystem, so kostet das Geld. Die Neuverschuldung belastet zuk\u00fcnftige Generationen erheblich. Die unweigerliche Inflation, gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit, stellt ein explosives Gemisch dar. Noch nie in der j\u00fcngeren Geschichte ging diese Kombination ohne schwerste politische Verwerfungen \u2013 sprich: gut \u2013 aus. Der gegenw\u00e4rtige Nutzen st\u00fcnde dann mit den zuk\u00fcnftigen Kosten der Ma\u00dfnahmenpakete in keiner g\u00fcnstigen Relation.<\/p>\n<p>Doch wir brauchen gar nicht so weit gehen \u2013 die rationale Entscheidungsfindung in Sachen Corona scheitert bereits an etwas ganz anderem: Der Datengrundlage!<\/p>\n<p><strong><em>Zahlen, Daten, Fakten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Circa 80 Millionen Menschen leben in Deutschland. Eine unbekannte Zahl davon ist derzeit mit dem Corona-Virus infiziert. Wieviele das sind, wissen wir nicht. Wir k\u00f6nnen es nicht wissen, es sei denn, wir testen alle Deutschen \u2013 was wir nicht k\u00f6nnen. W\u00fcrden wir eine repr\u00e4sentative Stichprobe aus diesen 80 Millionen Menschen ziehen, k\u00f6nnten wir diese Zahl hochrechnen. Die vom Robert Koch Institut regelm\u00e4\u00dfig publizierte Zahl der gemeldeten Infizierten besagt \u2013 nichts. Denn es handelt sich, statistisch gesehen, um eine nicht-repr\u00e4sentative Stichprobe. Ob die Zahl der gemeldeten Infizierten somit steigt oder f\u00e4llt, ergibt sich u.a. aus der Anzahl der durchgef\u00fchrten Tests. (Bedeutet nun eine Verdoppelung der gemeldeten Infektionszahlen bei gleichzeitiger Verdreifachung der Tests, dass es mehr oder weniger Infizierte gibt? H\u00f6chst wahrscheinlich wird hier nur mehr von der Dunkelziffer gemessen \u2013 welche, u.a. nach der Heinsberg-Studie, wohl beim 7- bis 10-fachen der gemeldeten Infektionen liegt.) Ebenso ergibt sie sich aus der Frage, wer sich hat testen lassen \u2013 viele \u00c4rzte und Pflegepersonal, zum Beispiel, die teils bis zu ein Mal pro Woche getestet werden, und auch den Risiken viel st\u00e4rker ausgesetzt sind als andere, Reiser\u00fcckkehrer, Menschen, die der Quarant\u00e4ne entgehen wollen oder sich krank f\u00fchlen \u2013 kurz: Es ist kein repr\u00e4sentativer Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung. Hier wird also unzul\u00e4ssig von einer nicht-repr\u00e4sentativen Stichprobe (zunehmende Anzahl Infizierter unter einer variablen Anzahl getesteten Menschen) auf eine Grundgesamtheit (Infizierte in der Bev\u00f6lkerung) geschlossen. Dennoch wurden soeben im Bundestag gekoppelt an diese Zahl die tiefgreifendsten Grundrechtseinschr\u00e4nkungen in der Geschichte der Bundesrepublik verabschiedet!<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften und offensichtlichsten Schwachstellen mit Blick auf die Corona-Entscheidungsfindung: Um die zu rationaler Entscheidungsfindung notwendige Datenlage steht es bis heute nicht zum besten. Drei Faktoren erscheinen hierf\u00fcr bestimmend: Die schlechte Qualit\u00e4t der Daten und ein zu beobachtender Mangel an Initiative, die vorhandenen Wissensl\u00fccken schnell zu schlie\u00dfen sowie eine mangelnde Anpassung der Entscheidungen an einen neuen Erkenntnisstand.<\/p>\n<p>Dass zu Beginn einer sich neu ausbreitenden Epidemie die Informationslage naturgem\u00e4\u00df \u201afuzzy\u2018 ist, Entscheidungen mithin auf Einsch\u00e4tzungen beruhen m\u00fcssen, ist nichts anderem als der Sache geschuldet. Doch wurden diese Entscheidungen denn auch unter Einbeziehung einer m\u00f6glichst breiten Basis an Einsch\u00e4tzungen und aller verf\u00fcgbaren Informationen getroffen? Dies erscheint angesichts der doch sehr starken zu beobachtenden Dominanz einer sehr kleinen Gruppe von Experten \u2013 rund um Robert Koch Institut und Charit\u00e9 \u2013 zumindest fragw\u00fcrdig. Doch irgendwann sind Einsch\u00e4tzungen durch Fakten zu ersetzen. Hoch problematisch, dass vielfach kaum nennenswerte Versuche unternommen wurden, Kenntnisl\u00fccken z\u00fcgig zu schlie\u00dfen: Die oft zitierte Heinsberg-Studie ging auf die Eigeninitiative des Bonner Virologen Streeck zur\u00fcck. Es folgte die M\u00fcnchner Studie. Doch auch sie, mit Blick auf den Informationsbedarf, ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Ber\u00fccksichtigt man die Milliardensummen, die zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie mobilisiert werden, ein paar Tausend Euro f\u00fcr eine wissenschaftliche Studie mehr \u2013 dies w\u00e4re sicherlich verkraftbar gewesen. \u00a0Mittlerweile ist auch bekannt, dass das Robert Koch Institut von der Obduktion von Corona-Toten abgeraten, und damit wichtigen Erkenntnisgewinn verhindert hat.<\/p>\n<p>Veraltete Zahlen aus Italien, mangelnde Unterscheidung zwischen Infizierten und Kranken, Hochrechnung einer Lethalit\u00e4t aus gemeldeten Fallzahlen ohne Ber\u00fccksichtigung von Dunkelziffern, Durcheinanderwerfen von Stichprobe und Grundgesamtheit und \u2013 sicherlich am denkw\u00fcrdigsten ! \u2013 die noch immer nicht erfolgte Differenzierung zwischen Tod an und Tod mit Corona: Wie sind auf dieser Grundlage rationale Entscheidungen \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/p>\n<p>\u201e\u00c4ndern sich die Fakten, \u00e4ndere ich meine Meinung\u201c, sagte einst John Maynard Keynes. Am Anfang wusste man nicht, was da auf uns zukommt. Die ersten Bilder und Zahlen aus Italien lie\u00dfen bekanntlich bef\u00fcrchten, dass es sich um ein \u00e4u\u00dferst aggressives Virus mit einer Sterblichkeit von zwischen 5 und 10% handeln k\u00f6nnte. Mittlerweile liegen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse vor, dass das Virus \u2013 auch wenn es nat\u00fcrlich nicht zu untersch\u00e4tzen ist \u2013 doch deutlich weniger gef\u00e4hrlich ist, als urspr\u00fcnglich angenommen. Es wird zudem auch mehr \u00fcber m\u00f6gliche Therapien bekannt. Dem muss jetzt aber auch unbedingt Rechnung getragen werden. Selbst wenn die drakonischen Ma\u00dfnahmen in der ersten Stunde unter Ber\u00fccksichtigung der zum damaligen Zeitpunkt vorliegenden Erkenntnisse angemessen gewesen sein sollten, sind sie es nach dem jetzigen Kenntnisstand sicherlich nicht mehr. Ein Ph\u00e4nomen der zu beobachtenden Entscheidungsfindung in Sachen Corona ist eine ausgepr\u00e4gte Z\u00f6gerlichkeit, Entscheidungen einer sich ver\u00e4ndernden Erkenntnislage anzupassen.<\/p>\n<p><strong><em>Der Umgang mit dem \u201estochastischen Element\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun ist es nat\u00fcrlich so, dass die wenigsten Zahlen in Sachen Corona Kriterien der Sicherheit oder Endg\u00fcltigkeit erf\u00fcllen. Auch haben unterschiedliche Menschen unterschiedliche Pr\u00e4ferenzen, gerade was den Grad der Unsicherheit angeht, den sie bereit sind zu tragen. Dennoch ist es auch unter diesen Umst\u00e4nden m\u00f6glich, Bandbreiten einzusch\u00e4tzen. Die Aussage \u201eWir wissen es nicht.\u201c entbindet nicht von der Pflicht, auf Basis einer Einsch\u00e4tzung und Erwartungswerten eine rationale Entscheidung zu treffen.<\/p>\n<p>In Interviews mit Medizinern wird immer wieder entlang der Linie argumentiert: Man wisse noch zu wenig \u00fcber die Krankheit, potenzielle Langzeitwirkungen etc. So werden \u00e4u\u00dferst drastische Ma\u00dfnahmen begr\u00fcndet. Gerade wenn man jedoch zu wenig wei\u00df, darf nicht davon ausgegangen werden, dass das schlimmstm\u00f6gliche Szenario zu 100% genau so eintrifft. Das Horrorszenario m\u00fcsste \u2013 um rational damit umzugehen \u2013 mit einem Faktor, der seine Eintrittswahrscheinlichkeit abbildet, gewichtet, und somit relativiert werden.<\/p>\n<p><strong><em>Handlungsalternativen als Grundlage f\u00fcr eine rationale Entscheidung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Definition von Handlungsalternativen ist unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr eine rationale Entscheidung. Eine rationale Entscheidungsfindung w\u00fcrde beinhalten, dass unter einer Vielzahl m\u00f6glicher Ma\u00dfnahmenpakete dasjenige ausgew\u00e4hlt wird, welches ein erforderliches Ergebnis (i.S. einer definierten maximalen Ansteckungsrate und \/ oder H\u00e4ufigkeit schwerer Verl\u00e4ufe bzw. Sterblichkeit) zu den geringstm\u00f6glichen Kosten (Kollateralsch\u00e4den) erbringt. Der Begriff der \u201eAlternativlosigkeit\u201c ist im Kontext von Corona noch unpassender als er ohnehin jemals war. Vielmehr geht es darum, schnellstm\u00f6glich unterschiedliche Handlungsalternativen zu identifizieren und die am wenigsten sch\u00e4dliche auszuw\u00e4hlen. Besser noch: diejenige mit der besten Relation zwischen erwartetem Nutzen und den erwarteten (in Form von Kollateralsch\u00e4den anfallenden) Kosten. Zweifel sind angebracht, ob eine solche Analyse jemals bewusst unternommen wurde. (Siehe dazu u.a. die im Fr\u00fchsommer lancierte Anfrage von 5 Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen an die Fraktionen des Deutschen Bundestags.) W\u00fcrde man dies tun, w\u00fcrde man auch hoffentlich zu intelligenteren L\u00f6sungen kommen als zu einer Seuchenbek\u00e4mpfung, die im Wesentlichen der des Mittelalters entspricht. Wenig Interesse an der Diskussion von Alternativen signalisieren nat\u00fcrlich Begrifflichkeiten wie \u201e\u00d6ffnungsdiskussionsorgien\u201c. Zu warnen ist zudem vor dem rhetorischen Stilmittel der \u201efalschen Alternative\u201c: Wenn einem Kritiker der Corona-Ma\u00dfnahmen die Frage gestellt wird: \u201eJa m\u00f6chten Sie denn dann lieber alle alten Leute sterben lassen?\u201c, so ist dies eine wohlbekannte rhetorische \u00dcberspitzung, auf die zur\u00fcckzugreifen in Talkshows legitim sein mag. F\u00fcr die Entscheidungsfindung ist sie nicht hilfreich. \u00dcber die mediale Dauerbeschallung hat diese Art der Argumentation jedoch Einzug in viele Alltagsgespr\u00e4che gehalten.<\/p>\n<p>Gezielte L\u00f6sungen sind immer weniger sch\u00e4dlich als fl\u00e4chendeckende. Folglich ist eine gezielte L\u00f6sung immer die bessere Alternative.<\/p>\n<p><strong><em>Die Axiome rationalen Entscheidens<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bei Entscheidungen unter Unsicherheit ist auf Basis des erwarteten Nutzens zu entscheiden, indem diejenige Alternative gew\u00e4hlt wird, die den h\u00f6chsten Erwartungsnutzen aufweist (Bernoulli; von Neumann und Morgenstern). Eine (so getroffene) Entscheidung ist dann rational, wenn sie die von von Neumann und Morgenstern definierten <em>Axiome rationalen Entscheidens<\/em> einh\u00e4lt. Es sind dies <em>Ordnungsaxiom<\/em>, <em>Transitivit\u00e4tsaxiom<\/em>, <em>Stetigkeitsaxiom<\/em>, <em>Unabh\u00e4ngigkeitsaxiom<\/em>, <em>Reduktions-<\/em> und <em>Monotonieaxiom<\/em>. Luce und Raiffa setzen an die Stelle des Unabh\u00e4ngigkeitsaxioms das <em>Substitutionsaxiom<\/em>. Herstein und Milnor haben gezeigt, dass <em>Ordnung<\/em>, <em>Transitivit\u00e4t<\/em>, <em>Stetigkeit<\/em> und <em>Unabh\u00e4ngigkeit<\/em> ausreichen.<\/p>\n<p>Das Ordnungsaxiom sieht vor, dass der Entscheider stets in der Lage ist, zwei Ergebnisse oder Alternativen A und B miteinander zu vergleichen und anzugeben, ob er A oder B vorzieht, respektive indifferent zwischen den beiden Varianten ist. Das Transitivit\u00e4tsaxiom ist die Annahme, dass der Entscheider eine widerspruchsfreie Pr\u00e4ferenzrelation bilden kann. Das bedeutet: Zieht der Entscheider Alternative A der Alternative B und B wiederum der Alternative C vor, so muss er auch A der Alternative C vorziehen.<\/p>\n<p>Dies ist nur dann m\u00f6glich, wenn der Entscheider die Konsequenzen beider Alternativen zumindest grob quantifiziert hat, sowie klare Zielgr\u00f6\u00dfen definiert hat, anhand derer es m\u00f6glich ist, Alternativen miteinander zu vergleichen. Das scheint in der Corona-Krise nicht der Fall zu sein. Zumindest wurden in der \u00d6ffentlichkeit keine Sets von alternativen M\u00f6glichkeiten diskutiert. Es fehlt zudem die klare Zielgr\u00f6\u00dfe bzw. das Zielsystem, an dem sich unterschiedliche alternative Ma\u00dfnahmenkataloge messen lassen (m\u00fcssen). Daher sind schon an dieser Stelle rationale Entscheidungen kaum m\u00f6glich, da verschiedene Handlungsalternativen nicht in eine Reihenfolge zu bringen sind. Ohne die Auswirkungen unterschiedlicher Alternativen zu kennen, oder zumindest belastbare Sch\u00e4tzungen vorliegen zu haben, wird das Ordnungsaxiom hinf\u00e4llig. Die Transitivit\u00e4t er\u00fcbrigt sich mit dem Nicht-Vorliegen klar definierter Handlungsalternativen und Zielgr\u00f6\u00dfen.<\/p>\n<p>Um den Erfordernissen rationaler Entscheidungsfindung zu gen\u00fcgen, m\u00fcssten Entscheidungen in Sachen Corona allerdings auch die Transitivit\u00e4t mit Blick auf andere Krankheiten und Lebensrisiken ausreichend ber\u00fccksichtigen: Mit Blick auf das Abw\u00e4gen der beiden Werte Leben und Freiheit mag es \u2013 und das ist vollkommen legitim \u2013 unterschiedliche Pr\u00e4ferenzen geben. Extrem risikoaverse Menschen m\u00f6gen bereit sein, sich gar auf Jahre hin mit Notverordnungen regieren zu lassen, wenn dies ihr Risiko an Corona zu erkranken, und potenziell zu sterben, hinreichend verringert. Diese Position wird jedoch in dem Augenblick irrational, in dem diese Menschen nicht bereit sind, die gleichen Ma\u00dfst\u00e4be an andere Krankheiten bzw. Lebensrisiken anzulegen: Die Grippewelle von 2017\/18 (25.100 Tote), Krebs (daran erkranken j\u00e4hrlich 500.000 Menschen in Deutschland; Todesursache f\u00fcr \u00fcber 50% der \u00dcber-80-J\u00e4hrigen), multiresistente Keime (33.000 Tote pro Jahr), sie alle haben weit mehr Todesf\u00e4lle unter alten, vorerkrankten Menschen gefordert und fordern diese weiterhin \u2013 als das neue Corona-Virus. Die extremen Entscheidungen, die in Sachen Corona getroffen wurden, sind also \u2013 so unangenehm diese Erkenntnis sein mag \u2013 aufgrund des Ma\u00dfstabs der Transitivit\u00e4t nur dann als rational zu bezeichnen, wenn die Entscheider bereit sind, gegen alle Lebensrisiken, die gr\u00f6\u00dfer sind als Corona, in gleichem oder noch viel h\u00e4rterem Umfang vorzugehen.<\/p>\n<p>Stetigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit: Nach dem Stetigkeitsaxiom muss der Entscheider in der Lage sein, beim Vergleich einer einfachen Lotterie (Wahrscheinlichkeitsverteilung f\u00fcr eine Reihe von Outcomes) und einem sicheren Ergebnis anzugeben, f\u00fcr welche Wahrscheinlichkeit er indifferent zwischen der Lotterie und dem Ergebnis ist. Nach dem Unabh\u00e4ngigkeitsaxiom schlie\u00dflich ist die Pr\u00e4ferenzordnung des Entscheiders \u00fcber zwei Alternativen unabh\u00e4ngig davon, ob er diese isoliert oder im Zusammenhang mit anderen Alternativen beurteilt. Dies klingt sehr technisch, doch wieviel w\u00e4ren Sie bereit, zu geben, um eine Todeswahrscheinlichkeit heute von 0,0006 abzuwenden?<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Im Fall Corona f\u00fchrt leider nichts umhin, als mit Risiken und Wahrscheinlichkeiten, und damit Erwartungswerten, zu operieren. Sicherheit wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Daher trifft der Begriff der Lotterie zu. Die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung auf einem Kinderspielplatz, die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung im Flugzeug, die Wahrscheinlichkeit eines neuen lokal begrenzten Ausbruchs, etc. m\u00fcssen, um rational zu entscheiden, mit ihren potentiellen Folgen gewichtet und zu den Kosten (Kollateralsch\u00e4den) durch Gegenma\u00dfnahmen in Relation gesetzt werden. Die Verantwortungstr\u00e4ger tun sich hier sichtlich schwer, h\u00e4tten nach wie vor lieber (erst) Sicherheit, bevor sie (z.B. Lockerungs-) Entscheidungen treffen. Es ist wichtig, sich klar zu sein, dass diese Sicherheit nicht zu bekommen ist.<\/p>\n<p><strong><em>Abweichungen von rationalen Entscheidungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur normativen Entscheidungstheorie (die beschreibt, wie Entscheidungen gef\u00e4llt werden sollten) beschreibt die deskriptive Entscheidungstheorie wie Menschen Entscheidungen tats\u00e4chlich f\u00e4llen, und wo und warum sie von rationalen Entscheidungen abweichen. Faktoren, die den Unterschied machen, sind zum einen allgemein menschliches Verhalten (insbesondere Moral Hazard), Wahrnehmungsverzerrungen und Heuristiken. Letztere sind gedankliche Abk\u00fcrzungen, die sich \u00fcber den Lauf der Evolution gefestigt haben und zu irrationalem Verhalten f\u00fchren \u2013 daher die Gef\u00e4hrlichkeit von Bauchentscheidungen! Vermutete der Urmensch einen S\u00e4belzahntiger hinter sich, sprang er auf den n\u00e4chsten Baum. Er analysierte nicht. War es dann doch ein Kaninchen, kletterte er wieder herunter. Die Kosten des Irrtums waren nicht hoch. In der Corona-Krise hingegen sind die Kosten eines Irrtums gewaltig. Grund genug, hier genau hinzuschauen, ob politische Entscheidungen in der Corona-Krise m\u00f6glicherweise durch derartige Reflexe verzerrt wurden:<\/p>\n<p><strong><em>Moral Hazard<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Moral Hazard stellt zun\u00e4chst keine eigentliche Abweichung von der Rationalit\u00e4t dar, sondern die Ursache der Abweichung zwischen kollektiv rationalen Entscheidungen und individuell rationalen Entscheidungen. In anderen Worten: Entscheidungen, die auf den ersten Blick irrational scheinen, k\u00f6nnen sich als durchaus rational herausstellen, wenn man auf die individuellen Anreize einzelner Akteure blickt.<\/p>\n<p>An dieser Stelle soll nicht davon ausgegangen werden, dass in dieser ernsten Situation politische Entscheidungstr\u00e4ger Entscheidungen nach anderen Kriterien treffen als nach dem, was sie f\u00fcr das Allgemeinwohl am zutreffendsten halten. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Corona-Pandemie bestimmten Personen pl\u00f6tzlich eine \u00d6ffentlichkeit bot, von der sie vorher nie getr\u00e4umt hatten \u2013 und die sie ganz offensichtlich genossen bzw. nach wie vor genie\u00dfen. Auch das Sponsoring bestimmter Institutionen \u2013 selbst wenn aus altruistischen Motiven erfolgt \u2013 gemeint sind WHO aber nat\u00fcrlich auch bestimmte Institute, die au\u00dferdem an Gegenma\u00dfnahmen zur Krise auch finanziell profitieren \u2013 wie zum Beispiel an der Corona-App \u2013 kann nat\u00fcrlich zu Anreizverzerrungen f\u00fchren. Ein Indiz f\u00fcr Vested Interest ist sicherlich auch das sehr fr\u00fchzeitige Einschwingen der Diskussion auf einen Impfstoff als L\u00f6sung im Gegensatz z.B. zu einer medikament\u00f6sen Therapie oder anderen Formen der Pr\u00e4vention. Insofern mag es durchaus an der einen oder anderen Stelle berechtigt sein, genauer hinzuschauen, und nicht davon auszugehen, dass die die Politik beratenden Institutionen und Institute ganz frei von Eigeninteressen sind. Moral Hazard wird es in Entscheidungen immer geben. Aufgabe der Entscheider ist jedoch, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Aufgabe von Medien und \u00d6ffentlichkeit als Kontrollorgane ist, m\u00f6gliche Interessenskonflikte transparent zu machen.<\/p>\n<p><strong><em>Framing und Verf\u00fcgbarkeitsheuristik<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das mittlerweile auch der breiten \u00d6ffentlichkeit bekannte Wort Framing bezeichnet die Tatsache, dass in eine andere Kontextsituation gestellte Entscheidungssituationen Menschen dazu verleiten, unterschiedliche Entscheidungen zu treffen. Stellt man die gleiche Entscheidungssituation in ein anderes Licht, so ver\u00e4ndert sich die Einsch\u00e4tzung des Entscheiders. Dies wurde durch eine Vielzahl von Experimenten nachgewiesen. Der Mensch h\u00e4lt zudem Szenarien f\u00fcr wahrscheinlicher, die er sich gut vorstellen kann (Verf\u00fcgbarkeitsheuristik). Die Bilder \u00fcberquellender Notaufnahmen und von Leichenbergen aus Italien hatten ganz ohne Zweifel diese Wirkung und sind geradezu ein Paradebeispiel f\u00fcr diese beiden Effekte: Um \u201eeine Situation zu verhindern wie in Italien\u201c, sind Menschen bereit, nahezu alles zu tun, selbst wenn die Voraussetzungen (insbes. die Qualit\u00e4t medizinischer Versorgung ebenso wie Infektionsgeschehen) in Deutschland ganz andere sind als in Italien im Fr\u00fchjahr 2020. Das Schreckgespinst vom Tod in der Notaufnahme ohne Beatmungsger\u00e4t ist zudem bereits ohne die Macht der Bilder aus Italien f\u00fcr die meisten Menschen weit pr\u00e4senter und eher vorstellbar, als die Effekte einer Weltwirtschaftskrise oder der dadurch verursachte Tod unterern\u00e4hrter Kinder in den Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 beide erscheinen uns abstrakt und hinreichend weit entfernt. Es ist daher davon auszugehen, dass aufgrund verzerrter Wahrnehmung die Effekte der Erkrankung als deutlich dramatischer wahrgenommen und daher st\u00e4rker gewichtet wurden als die der Gegenma\u00dfnahmen. Mit zunehmender N\u00fcchternheit wird dies offensichtlich.<\/p>\n<p><strong><em>Selbstbest\u00e4tigungsbias und Ankereffekt, Ex-Post-Fallacy<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigt man die Tatsache, dass die ersten Ma\u00dfnahmen in der Corona-Krise wohl von einem sehr kleinen Kreis von Personen auf Grundlage eines m\u00f6glicherweise gar einseitig beratenden kleinen Kreises von Experten getroffen wurden, die selbst einem gewissen Bias unterlagen, darf zudem davon ausgegangen werden, dass die Gruppe, die die gro\u00dfen Corona-Entscheidungen trifft, einem starken Selbstbest\u00e4tigungs-Bias unterliegt. Das hei\u00dft: nun unbewusst diejenigen Informationen herausfiltert, die nicht ins eigene Weltbild passen. Darauf deutet zumindest das Verhalten mancher Entscheider in der Lockerungsphase hin. Sollte dies der Fall sein, hie\u00dfe das: Man will nicht wahrhaben, dass man die Situation \u00fcbersch\u00e4tzt haben k\u00f6nnte, selbst wenn dieser Eindruck nur auf eine ver\u00e4nderte Datenlage zur\u00fcckgehen sollte.<\/p>\n<p>Hinterher ist man immer schlauer (Ex-Post-Fallacy). Selbst Ma\u00dfnahmen, die nach objektiven Ma\u00dfst\u00e4ben sich im Nachhinein als \u00fcberzogen herausstellen, m\u00fcssen deswegen im Augenblick der Entscheidung nach vormaligen Ma\u00dfst\u00e4ben ja nicht falsch gewesen sein. Nicht zu rechtfertigen ist jedoch, auch noch Wochen oder Monate sp\u00e4ter ein solches Szenario aufrechtzuerhalten. Aufgrund der Dramatik der ersten Tage, mit Infektionsszenarien, die ungef\u00e4hr die 10-fache Gef\u00e4hrlichkeit des Virus bezogen auf Ansteckungsverhalten und T\u00f6dlichkeit annahmen, die neuere empirische Studien finden, muss davon ausgegangen werden, dass die Entscheider ihr Verhalten der neuen Situation nicht in gleichem Ma\u00dfe angepasst haben, sondern noch immer zu stark an ihren (vor dem Hintergrund der damaligen Erkenntnislage) m\u00f6glicherweise richtigen Entscheidungen festhalten. Als geistiger Anker dient das Ursprungsszenario. Auch Lockerungen in den Beschr\u00e4nkungen werden nun nicht mehr in Relation zur aktuellen Gef\u00e4hrdungslage, sondern zum extremen Ursprungsszenario gesehen. Nicht mehr in Relation zur Freiheit und Unbeschr\u00e4nktheit einer Vor-Corona-Welt, sondern zu einem drastischen Lockdown-Szenario. Den B\u00fcrgern geht es nicht anders: Wir sind schon dankbar, wenn uns kleine St\u00fcckchen unserer verfassungsrechtlich garantierten Grundrechte zur\u00fcckgegeben werden und merken gar nicht, wieviel uns zur Freiheit noch fehlt. Wir sind froh, \u00fcber einen \u201eLockdown light\u201c, weil er nicht ganz so drastisch ausf\u00e4llt wie der erste.<\/p>\n<p><strong><em>Rubinstein-Effekt, Prospect-Theory, Schuld und S\u00fchne<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein zu langes Verharren aufgrund Ankereffekt und Selbstbest\u00e4tigungs-Bias ist vor allem deshalb gef\u00e4hrlich, weil wir uns hinsichtlich der Auswirkungen der Gegenma\u00dfnahmen in einem sogenannten Rubinstein-Szenario befinden. Dies ist vergleichbar mit einem Lokf\u00fchrerstreik, nur um Dimensionen gr\u00f6\u00dfer: Die Kosten eines jeden Tages zuviel an fl\u00e4chendeckenden Einschr\u00e4nkungen oder gar Lockdown sind so prohibitiv hoch, dass nahezu jeder Preis gerechtfertigt w\u00e4re, um das Land vor den dadurch entstehenden Sch\u00e4den zu bewahren. Wir werden als Gesellschaft die momentane Situation vielleicht noch ein, zwei, drei Monate aushalten, nicht jedoch nochmal ein Jahr und schon gar nicht mehrere Jahre. Gefragt sind folglich jetzt L\u00f6sungen, die langfristig haltbar und tragbar sind, und zwar bevor sich die Kosten des Weiterfortschreibens der aktuellen L\u00f6sungsans\u00e4tze ins Unbeherrschbare auft\u00fcrmen.<\/p>\n<p>Kahneman und Tversky haben im Zuge Ihrer Arbeit zur <em>Prospect Theory<\/em> herausgefunden, dass Menschen ihre Entscheidungen in der Realit\u00e4t nicht objektiv nach erwartetem Outcome, sondern nach dem von ihnen subjektiv jedem Outcome zugewiesenen erwarteten (individuellen) Nutzen treffen. Daraus lie\u00dfe sich zumindest die Vermutung ableiten, dass bei einem politischen Entscheidungstr\u00e4ger \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 auch die Frage des \u201aSich-nichts-zuschulden-kommen-Lassens\u2018 eine gewisse Rolle spielt, die den Blick auf das eigentliche Problem tr\u00fcbt. Damit w\u00e4re die Schockstarre zu erkl\u00e4ren, die im politischen Diskurs offensichtlich ist. Wer m\u00f6chte denn gerne unverantwortlich erscheinen, oder gar an hunderten oder tausenden Corona-Toten die Schuld tragen?<\/p>\n<p>Es erscheint sehr plausibel, dass \u201ein Zeiten von Corona\u201c in gro\u00dfem Ma\u00dfe Heuristiken und Wahrnehmungsverzerrungen im Spiel waren und noch immer sind. Nur so erkl\u00e4rt sich die ungen\u00fcgende Reflexion neuer Erkenntnisse im Entscheidungs-Outcome. Eine Vielzahl der Entscheider steckt offensichtlich noch im Ursprungsszenario (Corona als \u201eneues Ebola\u201c, Verhinderung von Szenen wie in Italien) fest. Entscheider sollten sich hier regelm\u00e4\u00dfig kritisch hinterfragen, ob sie noch objektiv sind, oder gerade einem dieser Effekte aufsitzen.<\/p>\n<p><strong><em>Vereinfachungseffekte und differenzierte Sichtweise<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In Situationen gro\u00dfer Gefahr blendet das menschliche Gehirn komplizierte Zusammenh\u00e4nge einfach aus. Dies ist evolution\u00e4r begr\u00fcndet: Es geht darum, die Energieressourcen des K\u00f6rpers zu optimierten f\u00fcr Kampf oder Flucht. Dies geschieht in subjektiv wahrgenommenen Gefahrensituationen unbewusst und verhindert eine differenzierte Sichtweise. Auch wird in Gefahrensituationen (wie Katastrophen oder Krieg) Vereinfachung und ein undifferenziertes Herangehen an Probleme von Menschen eher akzeptiert als zu normalen Zeiten. Das Virus wurde nicht aus \u201edem Ausland\u201c eingeschleppt, daher war es auch nie eine sinnvolle Ma\u00dfnahme, \u201edas Ausland\u201c abzuschotten. Sondern das Virus wurde \u2013 nach allem, was wir wissen \u2013 aus bestimmten Regionen Chinas im Vorfeld der Fashion Shows in Mailand und Paris von einer gro\u00dfen Menge an \u00dcbertr\u00e4gern, die auf engstem Raum immer wieder zusammenkamen, eingeschleppt, und dann weiter auf Skiorte und von dort im Rahmen von Starkbierfesten und Karneval \u00fcbertragen. Das Virus ist auch nicht \u2013 soviel scheint mittlerweile gesichert \u2013 \u201eein neues, gef\u00e4hrliches Virus\u201c, sondern eine neue Variante aus der bekannten Gruppe der Corona-Viren, das bei den allermeisten Betroffenen gar keine Symptomatik, bei manchen einen grippalen Infekt mittlerer Schwere und vor allem bei bestimmten, relativ klar zu definierenden Bev\u00f6lkerungsgruppen auch sehr schwere Verl\u00e4ufe nach sich ziehen kann.<\/p>\n<p>Eine differenzierte Betrachtung nach diesem Schema w\u00fcrde sicherlich auch zu deutlich differenzierteren Ma\u00dfnahmen f\u00fchren. N\u00fcchternheit ist in Gefahrensituationen ein rares Gut. Dies f\u00fchrt zum letzten Thema: Der F\u00f6deralismus hat sich in dieser Krise bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p><strong><em>Zentrale versus dezentrale Entscheidungen, Wettbewerblicher F\u00f6deralismus &amp; individuelle Verantwortung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein letzter Aspekt, der hier beleuchtet werden soll, ist der Aspekt des F\u00f6deralismus sowie die Thematik individueller Entscheidungen gegen\u00fcber zentraler Planung. Aufgabe des Staates ist es, einen Ordnungsrahmen zu setzen und Individuen individuelle Entscheidungen treffen zu lassen, Unternehmer und Unternehmen unternehmen zu lassen. Dezentrale Entscheidungen sind n\u00e4her am Menschen, werden mit mehr Kenntnis der Situation vor Ort getroffen. Der Einzelfall muss den Beh\u00f6rden vor Ort, beziehungsweise der Intelligenz Einzelner \u00fcberlassen werden. In Deutschland wird gerne von \u00fcberlegenem Wissen des Staates ausgegangen. Ein zentraler Planer in Berlin oder Stuttgart wird jedoch kaum beurteilen k\u00f6nnen, ob ein bestimmtes Ausflugslokal im Schwarzwald ohne Ansteckungsgefahr f\u00fcr die G\u00e4ste betrieben werden kann. Der Staat ist nicht der bessere Entscheider oder Krisenmanager. Die staatliche Verwaltung kann nicht an alle Eventualit\u00e4ten denken.<\/p>\n<p>Demnach braucht der Einzelh\u00e4ndler oder Gastronom die Freiheit, im Rahmen von Vorgaben selbst L\u00f6sungen zu finden, wie er sein Gesch\u00e4ft ohne Ansteckungsgefahr weiterf\u00fchren kann. Die Gesundheits\u00e4mter in Th\u00fcringen werden ihre Situation vor Ort zu Recht anders einsch\u00e4tzen als die Gesundheits\u00e4mter in Oberbayern die von Skiurlaubr\u00fcckkehrern gepr\u00e4gte Situation in ihrer Region. Und schlie\u00dflich mag es gute Gr\u00fcnde haben, weshalb der Seuchenschutz L\u00e4nder- und nicht zentrale Bundesangelegenheit ist. Aus welchem Grunde soll man die L\u00e4den in Rostock geschlossen halten, nur weil in Passau erh\u00f6hte Infektionsgefahr besteht? Entscheidungen regional oder gar lokal, durch die \u00f6rtlichen Gesundheits\u00e4mter, zu treffen, ist folglich angemessen. Auch der wettbewerbliche F\u00f6deralismus hat in der Krise seine Existenzberechtigung bewiesen, denn erst der Wettbewerb der Ministerpr\u00e4sidenten um angemessenere L\u00f6sungen hat zusammen mit dem guten Beispiel \u00d6sterreichs im Sommer dazu gef\u00fchrt, dass m\u00e4\u00dfigendere Schritte unternommen wurden, und dies n\u00e4hrte zumindest die Hoffnung, dass Deutschland besser durch die Krise kommen k\u00f6nnte als andere europ\u00e4ische L\u00e4nder.<\/p>\n<p><strong><em>Fazit<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die in Sachen Corona getroffenen Entscheidungen erf\u00fcllen in wesentlichen Aspekten <strong>nicht<\/strong> die Kriterien rationaler Entscheidungsfindung. Insbesondere das Prinzip der G\u00fcterabw\u00e4gung wird noch immer nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt, die Transitivit\u00e4t in Relation zur Bek\u00e4mpfung anderer Krankheiten nicht gewahrt. Einsch\u00e4tzungen wurden sehr z\u00f6gerlich durch Fakten ersetzt. Entscheidungen wurden nicht ausreichend an neue Erkenntnisst\u00e4nde bez\u00fcglich der Schwere der Krankheit angepasst. Sie wurden und werden immer noch auf Grundlage einer schlechten und statistisch h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen Datenbasis getroffen. Intransparente Zielkriterien sowie ein Mangel an diskutierten Handlungsalternativen verhindern das Finden effektiver und effizienter L\u00f6sungen. An anderer Stelle \u2013 bezogen auf Heuristiken und Biases \u2013 erscheinen Abweichungen von der Rationalit\u00e4t zumindest plausibel, wenn nicht wahrscheinlich. Eine \u201eWhatever it takes\u201c-Mentalit\u00e4t ist nicht vern\u00fcnftig.<\/p>\n<p><em>Es ist h\u00f6chste Zeit, zu gezielten statt fl\u00e4chendeckenden Ma\u00dfnahmen unter Ber\u00fccksichtigung von Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und G\u00fcterabw\u00e4gung zur\u00fcckzukehren, um gro\u00dfen Schaden von unserem Land und unserer Gesellschaft abzuwenden! <\/em>Dies hei\u00dft insbesondere: Entscheidungen auf Basis von G\u00fcterabw\u00e4gung und Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Entwickeln intelligenter Handlungsalternativen. Jede Ma\u00dfnahme muss nachweisbar ihre Effektivit\u00e4t begr\u00fcnden. Gezielte statt fl\u00e4chendeckende (und damit effiziente) Ma\u00dfnahmen.\u00a0 Entscheidungen nur noch nach Faktenlage und unter angemessener Ber\u00fccksichtigung neuer Erkenntnisse (insbesondere \u00fcber die Schwere der gesundheitlichen Bedrohung). N\u00fcchterne Analyse statt Wahrnehmungsverzerrungen beg\u00fcnstigende Emotion.<\/p>\n<p>Ein Wort zum Schluss: Immer wieder h\u00f6rt man Stimmen, die am Zusammenbruch unserer Gesellschaft klammheimlichen Gefallen zu finden scheinen. Es ist von einer Welt vor und nach Corona die Rede, die gerechter, nachhaltiger, menschlicher, etc. sein soll. Vor solchen Illusionen kann man nur warnen!<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Zahl ist nat\u00fcrlich die anhand letzter verf\u00fcgbarer Daten grob \u00fcberschlagene Todeswahrscheinlichkeit durch Corona (Risiko, nach Infektion an Corona zu sterben, von 1\/250 mal die Wahrscheinlichkeit, einer infekti\u00f6sen Person zu begegnen, mal die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Letztere lag nach der Heinsberg-Studie selbst an einem Corona-Hotspot bei 15%). Sie liegt bei einigen Personen dar\u00fcber, bei der gro\u00dfen Anzahl jedoch deutlich darunter. Und ja, diese Zahlen sind grobe Sch\u00e4tzungen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[2]<\/a> Die Zahl ist nat\u00fcrlich die anhand letzter verf\u00fcgbarer Daten grob \u00fcberschlagene Todeswahrscheinlichkeit durch Corona (Risiko, nach Infektion an Corona zu sterben, von 1\/250 mal die Wahrscheinlichkeit, einer infekti\u00f6sen Person zu begegnen, mal die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Letztere lag nach der Heinsberg-Studie selbst an einem Corona-Hotspot bei 15%). Sie liegt bei einigen Personen dar\u00fcber, bei der gro\u00dfen Anzahl jedoch deutlich darunter. Und ja, diese Zahlen sind grobe Sch\u00e4tzungen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNichts ist schwerer als der R\u00fcckzug aus einer unhaltbaren Position.\u201c (Carl von Clausewitz, 1780 \u2013 1831) Wird Corona als die schlimmste Gesundheitsgefahr seit der Spanischen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28297\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br \/>Rationale Entscheidungen in Zeiten von Corona\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":177,"featured_media":28301,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3706,3411],"tags":[3418,3708,3709,3506],"class_list":["post-28297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-entscheidungstheoretisches","category-infektioeses","tag-corona","tag-entscheidungen","tag-koegel","tag-verhaeltnismaessigkeit"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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