{"id":2867,"date":"2010-04-16T00:01:54","date_gmt":"2010-04-15T23:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=2867"},"modified":"2010-04-15T07:13:18","modified_gmt":"2010-04-15T06:13:18","slug":"gastbeitragregulierung-ist-ein-krisentreiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=2867","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag:<\/small><br\/>Regulierung ist ein Krisentreiber"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Vorstellung, staatliche Einmischungen seien eine &#8218;L\u00f6sung&#8216; f\u00fcr wirtschaftliche Probleme, bewirkt in jedem Land Zust\u00e4nde, die zumindest \u00e4u\u00dferst unbefriedigend und oft geradezu chaotisch sind. Wenn der Staat nicht rechtzeitig damit aufh\u00f6rt, f\u00fchren solche Eingriffe unvermeidlich zum Sozialismus.\u201c konstatierte Ludwig von Mises 1959 in Buenos Aires w\u00e4hrend seiner Vorlesung \u201eInterventionismus\u201c. Dokumentiert in dem Band \u201eVom Wert der besseren Ideen\u201c zeigt sie mit gro\u00dfer Klarheit den destruktiven Charakter staatlicher Eingriffe in die spontane Ordnung des Marktes auf.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der heute praktizierte Interventionismus hat die \u00e4u\u00dferst unbefriedigenden und teilweise geradezu chaotischen Zust\u00e4nde der aktuellen Weltwirtschaftskrise hervorgerufen. Ziel der jahrzehntelangen staatlichen Eingriffe war es, durch Gebote und vor allem Verbote \u201evon oben\u201c, Eigent\u00fcmer von Produktionsmitteln und Unternehmer zu zwingen, ihr Kapital, aber auch Arbeit und Boden anders zu verwenden, als sie es sonst tun w\u00fcrden. Grunds\u00e4tzlich stehen der Regierung daf\u00fcr zwei M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung: a) Eingriffe in die Preise, wie das der Beitrag <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1774#more-1774\">\u201eDie St\u00f6rung des Preissystems hat die Krise verursacht\u201c<\/a> thematisiert, w\u00e4hrend Thorsten Polleit in <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=1055\">\u201eInterventionismus ist Destruktivismus\u201c<\/a> st\u00e4rker auf das Geldsystem abzielt, und b) Eingriffe in die Produktion, worauf nachfolgend st\u00e4rker eingegangen wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Regierungshandeln in Form von Regulierung. Warum Regulierung? 1. Regulierung ist sehr verbreitet \u2013 die Finanzbranche z\u00e4hlt weltweit zu den am st\u00e4rksten regulierten Bereichen. 2. Die Konsequenzen sind extreme mikro\u00f6konomische Verzerrungen, ohne die es keine Weltwirtschaftskrise gegeben h\u00e4tte. 3. Regulierung f\u00fchrte regelm\u00e4\u00dfig zu Finanzkrisen, wie Charles Calomiris in <a href=\"http:\/\/www.pewfr.org\/project_reports_detail?id=0022\">Banking Crises Yesterday and Today<\/a> zeigt, weil sie Risiko f\u00f6rdernde mikro\u00f6konomische Regeln und Anreize schufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Kontraproduktive Eingriffe<\/strong><\/p>\n<p>Regulierung ist eine politische Ma\u00dfnahme gegen unerw\u00fcnschte Ergebnisse, die Menschen auf M\u00e4rkten erzielen. Doch in der Regel gilt f\u00fcr derartige Eingriffe, was Arnold Kling unter dem Titel <a href=\"http:\/\/mercatus.org\/publication\/not-what-they-had-mind-history-policies-produced-financial-crisis-2008\">\u201eNot What They Had in Mind: A History of Policies that Produced the Financial Crisis of 2008\u201c<\/a> zu Papier brachte. Seine Studie zeichnet den Pfad der jahrzehntelangen interventionistischen US-Wirtschaftspolitik nach und zeigt deren kontraproduktive Folgen auf. Dazu geh\u00f6ren schon in den 1980er Jahren Regulierungsma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der infolge der Savings- and Loans-Krise in eine prek\u00e4re Lage geratenen US-amerikanischen Finanzm\u00e4rkte. Diese Krise ging wiederum auf Ma\u00dfnahmen zur\u00fcck, die der Finanzierung des Vietnam-Kriegs dienten sowie dem New Deal  der Roosevelt-\u00c4ra. F\u00fcr Kling sind die Kapitalregulierungen ausschlaggebender Verursacher der seit Sommer 2007 sichtbaren Turbulenzen, gerade in dem zuvor angedeuteten Sinne, dass (vermeintliche) L\u00f6sungen fr\u00fcherer Finanz- und Wirtschaftskrisen die Saat f\u00fcr die aktuelle Krise bilden. Sowohl bei den Marktteilnehmern als auch bei den Regulatoren sei ein nicht tragf\u00e4higer Glaube an \u201eFinancial engineering\u201c feststellbar, also die ingenieursm\u00e4\u00dfige Kunst, durch Entwicklung der richtigen Finanzarchitektur und Drehen der richtigen Stellschrauben ein stabiles, funktionsf\u00e4higes Finanzsystem errichten zu k\u00f6nnen. Die Marktwirtschaft ist jedoch eine spontane Ordnung und folgt den Gesetzen einer \u201eHandelnsordnung\u201c, gerade aber nicht mechanistischen Vorstellungen.<\/p>\n<p>Kling untersucht f\u00fcnf Politikfelder: Immobilienpolitik, Kapitalregulierungen f\u00fcr Banken, Branchenstruktur und Wettbewerb, ferner autonome Finanzinnovationen und schlie\u00dflich die Geldpolitik. Dabei zeichnet er jeweils die historische Entwicklung nach, illustriert mit \u00dcbersichtsdarstellungen entlang eines Zeitstrahls, und fragt nach Alternativen. Und das Ergebnis? Den Regulatoren fehlte sowohl der Wille als auch die F\u00e4higkeit, Wettbewerb und Wettbewerbsgrenzen im Finanzsektor aufzubauen. Infolgedessen seien Finanzinstitute entstanden, die zu gro\u00df wurden, um sie Pleite gehen zu lassen. Zudem h\u00e4tten die Regulatoren die Risikoneigung von Marktteilnehmern nicht nur gesch\u00fcrt, sondern mit staatlichem Druck \u00fcberhaupt erst erzeugt. Kling ist ein Insider, hat er doch fr\u00fcher als \u00d6konom beim Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und der US-Zentralbank Fed gearbeitet; heute ist er Mitglied der Mercatus Financial Markets Working Group an der George Mason University.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>K\u00fcnstliche Knappheit und k\u00fcnstlicher \u00dcberfluss<\/strong><\/p>\n<p>Ursachen und Folgen des Interventionismus im Immobiliensektor hat Thomas Sowell leicht verst\u00e4ndlich in \u201eThe Housing Boom and Bust\u201c (auch als <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5GoAGuTIbVY\">Video-Interview<\/a> verf\u00fcgbar) aufgearbeitet, mit der Quintessenz:. \u201eM\u00e4rkte k\u00f6nnen funktionieren, aber nur wenn Politiker das zulassen.\u201c Politiker in Washington h\u00e4tten ein nationales Problem l\u00f6sen wollen, dass es gar nicht gab \u2013 eine landesweite Knappheit bezahlbarer H\u00e4user. Erst habe die Regulierung von Boden durch \u201ezoning laws, height restricitions, minimum lot size laws, historical preservation laws, building permit limits and farmland preservation laws\u201c k\u00fcnstlich Knappheit entstehen lassen und Preise f\u00fcr Land und H\u00e4user in die H\u00f6he getrieben. Dann sollte die Regulierung von Kapital, darunter laxe Standards f\u00fcr die Immobilienkreditvergabe, Subventionen, Staatsgarantien f\u00fcr Kredite, Quoten f\u00fcr die Kreditvergabe an Minderheiten und Zwangsma\u00dfnahmen gegen Unternehmen zur Vergabe g\u00fcnstiger Kredite, Eigentum f\u00fcr jedermann (wieder) bezahlbar machen. Die Politik des billigen Geldes des Federal Reserve Systems habe die Krise beschleunigt. Ubiquit\u00e4re Warnungen wurden von Politikern und Regierungsvertretern einfach in den Wind geschlagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Krisenursachen haben eins gemeinsam: Regulierung<\/strong><\/p>\n<p>In der interdisziplin\u00e4ren Zeitschrift f\u00fcr Politik und Gesellschaft <a href=\"http:\/\/www.criticalreview.com\/crf\/\">Critical Review<\/a> argumentiert Herausgeber Jeffrey Friedman, die Krise sei die Folge komplexer und st\u00e4ndig wachsender Regulierung, einschlie\u00dflich der Ratingagenturen. Mit dieser Tatsache sei die Realisierbarkeit des Jahrhunderte alten Versuchs einen Hybrid-Kapitalismus zu kreieren, in dem Regulierung \u00f6konomische Probleme heilen solle, fragw\u00fcrdig geworden. Viral V. Acharya und Matthew Richardson fragen, warum das Platzen der Immobilienblase das Finanzsystem und nicht nur den H\u00e4usermarkt in die Knie gezwungen habe. Als Ursache f\u00fchren sie zwei Methoden der Banken an: Die Umgehung von Kapitalbedarf-Regulierungen durch au\u00dferbilanzielle Veranlagungen und die Reduzierung von erforderlichem Eigenkapital infolge von Regulierungen. Gleichwohl habe die Risikodiversifikation \u00fcber moderne Finanzprodukte zu einer Konzentration des Risikos in den Banken gef\u00fchrt. Peter J. Wallison sieht in einer obskuren Wohnungspolitik, Steuern und Regulierungen der US-Regierungen die Hauptursache, darunter den Community Reinvestment Act, Fannie Mae und Freddie Mac sowie das komplexe Regulierungsfeld reduzierter Kapitalanforderungen und \u00fcblicher Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr Hausk\u00e4ufer.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Vater Staat als Bauherr<\/strong><\/p>\n<p>Gegen vorherrschende Mythen ziehen die beiden \u00d6konomen Steven Horwitz und Peter Boettke mit einem auch didaktisch ansehnlichen Essay zu Felde. <a href=\"http:\/\/fee.org\/doc\/the-house-that-uncle-sam-built\/\">\u201eThe House That Unce Sam Built: The Untold Story of the Great Recession of 2008\u201c<\/a>. Gest\u00fctzt auf die \u00d6sterreichische Kapital- und Konjunkturtheorie wird deutlich, dass die Regierungsinterventionen im H\u00e4usermarkt bis zur Gro\u00dfen Depression zur\u00fcckreichen und insbesondere Regulierungen der Clinton-Regierungszeit Krisen treibend wirkten. Einen Produktionseingriff im Sinne von Ludwig von Mises stellen die beiden faktischen \u201eStaatstrusts\u201c (Governement Sponsored Enterprises &#8211; GSE) Fannie Mae und Freddie Mac dar. Die Konzerne haben auf dem zweiten Hypothekenmarkt Kredite gekauft, umgepackt und an Investoren weiterverkauft. Auf diese Weise konnte nahezu jede eigentlich nicht kreditw\u00fcrdige Person einen Kredit erhalten. 2008 hatten Fannie und Freddie die H\u00e4lfte des gesamten Immobilienkreditmarktes an sich gezogen und zugleich eine Reihe risikoreicher Kredite erfunden, f\u00fcr die immer mehr Kreditnehmer gesucht wurden und f\u00fcr die damals absehbar der Steuerzahler haften musste. Gest\u00fctzt wird diese Sichtweise durch Lawrence H. White, Professor f\u00fcr Wirtschaftsgeschichte an der Universit\u00e4t Missouri, der in einer <a href=\"http:\/\/www.cato.org\/pubs\/bp\/bp110.pdf\">Krisenanalyse<\/a> des Cato Instituts vom November 2008 aufzeigt, wie die US-Regierung die Vergabe risikoreicher Hypothekendarlehen auf vielerlei Weise bef\u00f6rdert hat.<\/p>\n<p>Horwitz und Boettke weisen zudem darauf hin, dass die AAA-Ratings von einem Regierungskartelle dreier Agenturen stammte (1975 \u201eNational Recognized Statistical Rating Organizations\u201c), die keinem Wettbewerb ausgesetzt waren. Die internationale Regulierung bef\u00f6rderte eine Absenkung des Eigenkapitalanteils der Banken (Baseler Abkommen), unter anderem dadurch dass Banken mit Wertpapieren von GSE weniger Eigenkapital vorhalten mussten. Bemerkenswerterweise war die bilanzielle Eigenkapitalquote solange das Niederstwertprinzip des deutschen Handelsgesetzbuches noch galt, deutlich h\u00f6her als 2008, wie Hans-Werner Sinn in \u201eKasino-Kapitalismus\u201c darlegt. Schlie\u00dflich beg\u00fcnstigte die US-Steuerpolitik Immobilieninvestitionen, zumal Wertsteigerungen bei H\u00e4usern nach 1997 nicht besteuert wurden. Horwitz und Boettke folgern in ihrem von Lawrence Reed, Pr\u00e4sident der Foundation for Economic Education, herausgegebenen Essay, dass freie M\u00e4rkte niemals derart falsche Signale mit solchen desastr\u00f6sen Folgen hervorgebracht h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Staat sch\u00fcrt Risiko<\/strong><\/p>\n<p>Charles Calomiris, Professor f\u00fcr Finanzinstitutionen an der Columbia University, und Mitglied des Schattenkommittees f\u00fcr Finanzregulierungen, listet im <a href=\"http:\/\/www.econtalk.org\/archives\/2009\/10\/calomiris_on_th.html\">\u201cEcon talk Podcast\u201c<\/a> mit Russ Roberts die F\u00fclle staatlicher Wohnungsbauf\u00f6rderma\u00dfnahmen auf, die Finanzinstitutionen zur \u00dcbernahme risikoreicher Praktiken im Subprime-Segment verleitet haben, darunter:<\/p>\n<p>&#8211; Druck vom Kongress auf die \u201eStaatstrusts\u201c Fannie Mae und Freddie Mac, Immobilien durch Investitionen in hoch risikoreiche Subprime Hypotheken bezahlbar zu machen,<\/p>\n<p>&#8211; Subventionen f\u00fcr die Immobilienkreditvergabe \u00fcber das Federal Home Loan Bank System an die Mitgliedsinstitutionen,<\/p>\n<p>&#8211; Subventionen der Bundesbeh\u00f6rde Federal Housing Administration (FHA) f\u00fcr risikoreiche Leverage-Gesch\u00e4fte mit Immobilienkrediten.<\/p>\n<p>&#8211; Vermittlungsverfahren bei Hypotheken-Zwangsvollstreckungen (\u201emortgage foreclosure mitigation protocols\u201c) der Regierung und der \u201eStaatstrusts\u201c, die seit der Clinton-Administration entwickelt wurden, um die Kosten f\u00fcr Darlehensnehmer zu reduzieren, die ihren Ratenverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten, was die Vergabe weiterer risikoreicher Immobilienkredite bef\u00f6rdert hat.<\/p>\n<p>&#8211; Die 2006 in Kraft getretenen Gesetze, die Ratingagenturen dazu ermunterten, die Standards f\u00fcr die Verbriefungen von Subprime-Hypotheken abzusenken.<\/p>\n<p>Calomiris urteilt, dass alle zuvor genannten Regulierungen zur Untersch\u00e4tzung der Subprime-Risiken und zu Moral Hazard verleitet hat. Zugleich beurteilt er das Verhalten der Kongress-Angeh\u00f6rigen in Bezug auf Fannie Mae und Freddie Mac im Rahmen einer \u201eH\u00e4user-f\u00fcr-jedermann-Politik\u201c als den destruktivsten Einzeleinfluss f\u00fcr die Entstehung der Krise.<\/p>\n<p>Im Podcast thematisieren Roberts und Calomiris zudem die viel zu gro\u00dfz\u00fcgige Einlagensicherung, die per se Krisen treibend wirkt und in diesem Wissen vor den 1930er Jahren bemerkenswerterweise auch staatlicherseits nicht verfolgt wurde. Calomiris urteilt: \u201eThere is no reason in the world to have deposit insurance for small savers\u201c. Stattdessen solle man zu echtem Sparen zur\u00fcckkehren. F\u00fcr institutionelle Anleger sei die Einlagensicherung sogar einer der gr\u00f6\u00dften Risikotreiber, weil sie den Wettbewerb um die beste Risikodisziplin abw\u00fcrge, zus\u00e4tzlich getrieben im Wissen um grenzenlose Bailouts. Statt der Kontrolle durch Kontoinhaber sei man nun allein auf die Regulatoren angewiesen.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen wird die Politik der staatlich gef\u00f6rderten Hypothekendarlehen trotz der Erfahrungen mit den Krisen treibenden Immobiliengesch\u00e4ften der 1930er, 1980er und 2000er Jahre fortgesetzt. Es bleibt festzuhalten, dass die staatlichen Ma\u00dfnahmen dazu gef\u00fchrt haben, dass der Wettbewerb genauso wie eine Marktbereinigung aus politischen Gr\u00fcnden, darunter Lobbying und Widerstand der Finanzinstitute, vermieden wurde. Innerhalb von nur 18 Monaten (2007 \u2013 2009) hat die US-Regierung 37 mal in gr\u00f6\u00dferem Ausma\u00df als Reaktion auf die Krise eingegriffen. Korrekturen durch den Marktprozess wurden verhindert und k\u00f6nnen doch nur aufgeschoben werden. Zugleich tritt immer klarer hervor, dass die Milliarden schweren Konjunkturpakete der prognostizierte Fehlschlag sind (siehe dazu statt anderer John B. Taylor in <a href=\"http:\/\/johnbtaylorsblog.blogspot.com\/2010\/02\/stimulus-anniversary-blogs.html\">Economics One<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ursachen des Regulierungsversagens<\/strong><\/p>\n<p>Regulierung besteht aus Ma\u00dfnahmen, die die Eigentums- und Verf\u00fcgungsrechte einschr\u00e4nken. Punktuelle Interventionen f\u00fchren regelm\u00e4\u00dfig zu unbeabsichtigten Resultaten und bewirken vielfach das Gegenteil von dem, was sie bewirken sollten. Darauf haben bereits die Klassiker hingewiesen, darunter Ludwig von Mises, der das Kalkulationsproblem in Abwesenheit von Marktpreisen entdeckte, und Friedrich August von Hayek, der die Rolle des Wissens auf M\u00e4rkten und die Anma\u00dfung von Wissen zentralplanerischer Sozialingenieure herausgearbeitet hat. Von Henry Hazlitt stammt die pr\u00e4gnante Formel, dass schlechte Wirtschaftspolitik auf Kurzfristigkeit und Sonderinteressen beruht und gute Wirtschaftspolitik auf Langfristigkeit und Allgemeing\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>Die Erkenntnisse der <a href=\"http:\/\/www.econlib.org\/library\/Enc\/PublicChoice.html\">Public Choice Theorie<\/a> sowie Bryan Caplans \u201eMythos des rationalen W\u00e4hlers\u201c bekr\u00e4ftigen und erweitern die Erkenntnisse der Klassiker. Die Politische \u00d6konomie betont, dass Regulierung nicht der erforderlichen Optimierung folgt, sondern einem politischen Prozess, der von Sonderinteressen geleitet wird. Es ist beinahe eine Binsenweisheit, dass die heillose Vermischung von Wirtschaft und Politik den Regulierungsalltag kennzeichnet. Hinzu kommt eine konsequente Untersch\u00e4tzung des Risikoproblems durch Politiker respektive Regulatoren, die die Risikofeststellung an die falsche Adresse verwiesen haben \u2013 ausgerechnet an Finanzinstitute und Ratingagenturen, die v\u00f6llig andere Interessen verfolgten. Und Basel II war schon deshalb eine Fehlkonstruktion, weil Risiko nicht ad\u00e4quat gemessen werden konnte und man sich auf b\u00fcrokratische Ratings und Risikomodelle verlie\u00df. Nicholas Taleb hat mit \u201eThe Black Swan\u201c die Problematik popul\u00e4r gemacht.<\/p>\n<p>Auf der individuellen Ebene bildet ein \u201eNeuer Paternalismus\u201c den Hintergrund f\u00fcr die ausgreifende Bevormundung der Marktteilnehmer. Auf das damit verbundene Wissensproblem aufkeimender behavioristischer Argumentationen weisen j\u00fcngst Mario Rizzo und Douglas Whitman hin (<a href=\"http:\/\/lawreview.byu.edu\/archives\/2009\/4\/4Rizzo.FIN.pdf\">\u201eThe Knowledge Problem of New Paternalism\u201c<\/a>). Der neue Paternalismus m\u00fcndet in die Pfade des alten Paternalismus, mit all dessen Unzul\u00e4nglichkeiten: Die mangelnde F\u00e4higkeit, individuelle Pr\u00e4ferenzen identifizieren zu k\u00f6nnen sowie die ihnen zugrunde liegenden Neigungen \u2013 noch dazu in Zeit und Raum sowie notwendigerweise auf der individuellen und der kollektiven Ebene. Au\u00dferdem beeinflusst jede politische Regulierung die Handlungen der Menschen in unterschiedlicher Weise. Regulierung scheitert unver\u00e4ndert am Informationsproblem, am \u201etaciten\u201c Charakter der Informationen und damit der Schwierigkeit, das Wissen \u00fcberhaupt zu kommunizieren, aufgrund dessen interveniert werden soll. Ohnehin verlassen sich Politiker und B\u00fcrokraten erfahrungsgem\u00e4\u00df lediglich auf Daumenregeln.<\/p>\n<p>Interventionismus tendiert zur Ausdehnung \u2013 Rizzo und Whitman betonen das in ihrem Anschlussartikel <a href=\"http:\/\/www.law.arizona.edu\/Journals\/ALR\/ALR2009\/VOL513\/Rizzo_Whitman.pdf\">\u201eLittle Brother is watching you: New Paternalism on the Slippery Slopes\u201c<\/a> \u2013 und ist stets mit einer Einschr\u00e4nkung der individuellen Autonomie verbunden. Besonders anschaulich hat Ludwig von Mises das am Beispiel der staatlichen Regulierung von Milchpreisen in \u201eVom Wert der besseren Ideen\u201c aufgezeigt.<\/p>\n<p>Unver\u00e4ndert kennzeichnen staatliche Eingriffe in den marktwirtschaftlichen Koordinationsprozess die heutige Wirtschaftspolitik \u2013 Wirtschaftspolitik stellt geradezu ein Synonym f\u00fcr Interventionismus dar, nicht zuletzt mangels produktiver Ordnungspolitik. Der in die USA emigrierte \u00f6sterreichische \u00d6konom Fritz Machlup (1902-1983) war \u00fcberzeugt, dass Wirtschaftspolitik \u00fcberwiegend Krisen verursachende Politik ist. Wer m\u00f6chte ihm angesichts dieser Bilanz widersprechen?<\/p>\n<p>Die wesentliche Aufgabe von \u00d6konomen und Wirtschaftshistorikern ist das Scheitern der Regulierung einschlie\u00dflich der Gr\u00fcnde in all ihren Facetten f\u00fcr die aktuelle Weltwirtschaftskrise und dar\u00fcber hinaus der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen. Regulierung destabilisiert, Regulierung verursacht Krisen. Intentionen und Ergebnisse sind einfach nicht identisch. Positive Ergebnisse intendierten Handelns charakterisieren wir in einer moralischen Bewertung mit dem Begriff der Tugend. Leider fehlt uns ein Pendant f\u00fcr die positiven Ergebnisse unbeabsichtigten Handelns. Gesucht wird eine Alternative zur \u201eunsichtbaren Hand\u201c und zur \u201espontanen Ordnung\u201c, denn erfolgreiche Institutionen und positive Ergebnisse sozialer Prozesse sind historisch gerade nicht das Ergebnis menschlicher Absicht, aber menschlichen Handelns.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Vorstellung, staatliche Einmischungen seien eine &#8218;L\u00f6sung&#8216; f\u00fcr wirtschaftliche Probleme, bewirkt in jedem Land Zust\u00e4nde, die zumindest \u00e4u\u00dferst unbefriedigend und oft geradezu chaotisch sind. 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