{"id":28921,"date":"2021-04-02T00:53:59","date_gmt":"2021-04-01T23:53:59","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28921"},"modified":"2021-04-02T06:46:45","modified_gmt":"2021-04-02T05:46:45","slug":"gastbeitrag-verbot-von-eigenheimen-ein-weiteres-klimapolitisches-placebo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28921","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Verbot von Eigenheimen? <br\/><font size=3; color=grey>Ein weiteres klimapolitisches Placebo! <\/font>"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Eigenheim ist zum Gegenstand klimapolitischer Diskussionen geworden. Die Diskussion, ob und in welchem Ausma\u00df Eigenheime st\u00e4rker zum Klimawandel beitragen oder mit einem h\u00f6heren Ressourcenverbrauch einhergehen als Wohnungen in Mehrfamilienh\u00e4usern, lenkt zum einen von der eigentlichen energie- und klimapolitischen Herausforderung im Geb\u00e4udesektor ab. Zum anderen zeigt sie, dass klimapolitische Forderungen h\u00e4ufig nicht zur Lebenswirklichkeit bzw. zu den Konsumw\u00fcnschen von Millionen von Menschen passen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Eigenheim ist zum Gegenstand klimapolitischer Diskussionen geworden. Der Co-Fraktionsvorsitzende der Gr\u00fcnen im deutschen Bundestag, Anton Hofreiter, wurde k\u00fcrzlich in der Presse mit den Worten zitiert: \u201eEinparteienh\u00e4user verbrauchen viel Fl\u00e4che, viele Baustoffe, viel Energie, sie sorgen f\u00fcr Zersiedelung und damit auch f\u00fcr noch mehr Verkehr\u201c. Inhaltlich ist diese Aussage grunds\u00e4tzlich zutreffend: Pro Quadratmeter Wohnfl\u00e4che oder pro Kubikmeter umbautem Raum verbrauchen Einfamilienh\u00e4user mehr Ressourcen als Mehrfamilienh\u00e4user. Da die Wohnfl\u00e4che pro Kopf in Einfamilienh\u00e4usern im Durchschnitt des Geb\u00e4udebestands gr\u00f6\u00dfer ist als bei Wohnungen in Mehrfamilienh\u00e4usern, verschlechtert sich auch hierdurch die Umweltbilanz. Zudem ist der Fl\u00e4chenverbrauch bei Einfamilienh\u00e4usern deutlich gr\u00f6\u00dfer als bei Mehrfamilienh\u00e4usern, die in Geschossbauweise errichtet werden. Beim Bau von Einfamilienh\u00e4usern in Stadtrandlagen und l\u00e4ndlichen Regionen nehmen damit Zersiedlung und Verkehrsleistung gegen\u00fcber Mehrfamilienh\u00e4usern in hochverdichteten urbanen Zentren ebenfalls zu. Die Aussage von Hofreiter wurde in der politischen Debatte als ein Verbot von (neuen) Eigenheimen interpretiert.<\/p>\n<p>Die Diskussion, ob und in welchem Ausma\u00df Eigenheime st\u00e4rker zum Klimawandel beitragen oder mit einem h\u00f6heren Ressourcenverbrauch einhergehen als Wohnungen in Mehrfamilienh\u00e4usern, lenkt zum einen von der eigentlichen energie- und klimapolitischen Herausforderung im Geb\u00e4udesektor ab. Zum anderen zeigt sie, dass klimapolitische Forderungen h\u00e4ufig nicht zur Lebenswirklichkeit bzw. zu den Konsumw\u00fcnschen von Millionen von Menschen passen.<\/p>\n<p><strong>Klimaneutraler Geb\u00e4udebestand bis 2050: Ein \u00e4u\u00dferst ambitioniertes Ziel<\/strong><\/p>\n<p>Schauen wir zun\u00e4chst auf die klimapolitischen Herausforderungen. Die Politik verfolgt das Ziel eines nahezu klimaneutralen Geb\u00e4udebestands bis 2050. Unabh\u00e4ngig von der Bauform m\u00fcssen enorme H\u00fcrden \u00fcberwunden werden, um dieses Ziel auch nur ansatzweise zu erreichen. So m\u00fcsste die energetische Sanierungsrate von Geb\u00e4uden, die seit Jahren bei etwa 1% liegt, mehr als verdoppelt werden. Schon das ist kein leichtes Unterfangen, weil es die Handwerker, die die notwendigen Arbeiten ausf\u00fchren sollen, schlicht nicht gibt. Da gro\u00dfe Teile des Bau- und Ausbauhandwerks seit Jahren \u00fcber Mangel an qualifiziertem Nachwuchs klagen, k\u00f6nnte sich die Situation angesichts sinkender Ausbildungszahlen in vielen Berufsgruppen sowie vermehrter Renteneintritte in den kommenden Jahren sogar zuspitzen. Hinzu kommt, dass alte Geb\u00e4ude durch umfassende energetische Sanierungen zwar im Extremfall bis zu 80% weniger Energie verbrauchen und damit auch weniger CO2-Emissionen verursachen als zuvor. Dabei lassen sich derart gro\u00dfe Einsparungen nur dann erzielen, wenn das Geb\u00e4ude urspr\u00fcnglich in einem energetisch sehr schlechten Zustand war. Entscheidend ist jedoch, dass sanierte Geb\u00e4ude in aller Regel nicht klimaneutral sind. Das Umweltbundesamt weist zudem auf die fehlende Ber\u00fccksichtigung von CO2-Emissionen beim Erstellen, Modernisieren und dem R\u00fcckbau von Geb\u00e4uden hin. Bis zu einem \u201enahezu klimaneutralen Geb\u00e4udebestand\u201c ist es also noch ein weiter Weg.<\/p>\n<p>Politisch brisant ist auch die Frage, wie man mit jenen Eigent\u00fcmern von Eigenheimen oder Wohnungen umgehen will, die ihre Geb\u00e4ude aus finanziellen oder sonstigen Gr\u00fcnden nicht sanieren wollen oder k\u00f6nnen. Wird man sie mit strengem Ordnungsrecht dazu zwingen? Werden die CO2-Preise sehr stark angehoben, um Sanierungsma\u00dfnahmen anzusto\u00dfen? Oder werden die Subventionen f\u00fcr energetische Geb\u00e4udesanierungen so lange erh\u00f6ht, bis fast alle Eigent\u00fcmer freiwillig in den Klimaschutz investieren?<\/p>\n<p>Strengeres Ordnungsrecht und deutlich h\u00f6here CO2-Preise d\u00fcrften an den fehlenden politischen Mehrheiten scheitern. Man stelle sich den Fall eines Rentnerpaares oder einer alleinstehenden Rentnerin mit \u00fcberschaubarem Finanzverm\u00f6gen vor, die in ihren eigenen vier W\u00e4nden wohnen (in Deutschland gibt es \u00fcber 6 Mio. Menschen \u00fcber 70 Jahre, die in ihrem eigenen Haus leben). Welche Partei wird hier ansetzen und durch Ordnungsrecht eine umfassende energetische Sanierung erzwingen, die schnell einen h\u00f6heren f\u00fcnfstelligen Euro-Betrag verschlingt? Auch bei CO2-Preisen oder Steuern auf den Energieverbrauch wird die Politik soziale Aspekte ber\u00fccksichtigen. Im Jahr 2019 konnten laut Statistischem Bundesamt 2 Mio. Menschen in Deutschland aus Geldmangel ihre Wohnung nicht angemessen heizen. Das sind zwar weniger Menschen als zehn Jahre zuvor. Aber es verdeutlicht dennoch, dass hohe Energiepreise besonders die sozial Schwachen treffen, wenn man sie f\u00fcr h\u00f6here administrative Energiepreise nicht kompensiert.<\/p>\n<p>Die oben erw\u00e4hnte dritte Option stark steigender Subventionen f\u00fcr Geb\u00e4udesanierungen wird an den finanziellen Restriktionen der \u00f6ffentlichen Hand scheitern. Man kann es nur wiederholen: Der Staat wird nicht alles subventionieren k\u00f6nnen, was zum Klimaschutz beitr\u00e4gt. Subventionen w\u00fcrden zudem die Angebotsknappheit im Bauhandwerk noch erh\u00f6hen und\/oder zu h\u00f6heren Baupreisen f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Geb\u00e4udebestand ist ein tr\u00e4ges System<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg zu einem nahezu klimaneutralen Geb\u00e4udebestand ist auch deshalb schwierig, weil dieser Geb\u00e4udebestand gro\u00df und damit tr\u00e4ge ist. Er besteht aus ca. 19 Mio. Wohngeb\u00e4uden (darunter etwa 15,7 Mio. Ein- und Zweifamilienh\u00e4user), in denen es knapp 43 Mio. Wohnungen gibt, sowie aus rd. 2,7 Mio. Nichtwohngeb\u00e4uden. Etwa zwei Drittel aller Wohnungen in Deutschland wurden vor 1979 errichtet. Von den rd. 43 Mio. Wohnungen wurden im Jahr 2020 laut BDEW ann\u00e4hernd 50% mit Gas beheizt, 25% mit Heiz\u00f6l und 14% mit Fernw\u00e4rme, die ja aus thermischen Kraftwerken stammt. Auf Holz, Elektro-W\u00e4rmepumpen und Strom entfallen die restlichen Beheizungssysteme. Selbst in neuen Wohngeb\u00e4uden wird noch zu mehr als einem Drittel eine Gasheizung eingebaut. Elektro-W\u00e4rmepumpen kommen ebenfalls auf gut 33% vor Fernw\u00e4rme (25%) und Holz (4,2%).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mobi1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mobi1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Es ist offenkundig, dass erneuerbare Energien im W\u00e4rmemarkt noch keine gro\u00dfe Rolle spielen. Laut aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes entfielen 2020 gut 15% des Endenergieverbrauchs f\u00fcr W\u00e4rme (und K\u00e4lte) auf erneuerbare Energien. Dabei dominieren die verschiedenen Formen von Bioenergien (vor allem Holz) mit einem Anteil von \u00fcber 85%. Es erfordert immense Investitionen, alle Wohnungen bis 2050 auf CO2-arme oder CO2-freie Energietr\u00e4ger umzur\u00fcsten (auch Bioenergien sind im eigentlichen Sinne \u00fcbrigens nicht klimaneutral). Neben den Investitionskosten k\u00f6nnten h\u00e4ufig auch die technologischen H\u00fcrden f\u00fcr eine Umr\u00fcstung prohibitiv hoch sein. So leicht l\u00e4sst sich ein Geb\u00e4ude, das bislang mit einer Gastherme oder per Fernw\u00e4rme beheizt wird (also letztlich mit warmem Wasser, das durch Rohre flie\u00dft), n\u00e4mlich nicht auf eine Stromheizung umr\u00fcsten. Bestimmte Beheizungstechnologien aus Klimaschutzgr\u00fcnden zu verbieten, sollte aber nur dann eine politische Option sein, wenn es \u00e4hnlich kosteng\u00fcnstige, leistungsf\u00e4hige und komfortable Alternativen gibt. Die bislang dominierende Energiequelle im W\u00e4rmemarkt, Holz bzw. Bioenergie, bietet jedenfalls rein mengenm\u00e4\u00dfig nur begrenztes Potenzial und l\u00e4sst sich in vielen Geb\u00e4uden nicht nachr\u00fcsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mobi2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mobi2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><strong>Endenergieverbrauch f\u00fcr W\u00e4rme \u00fcbersteigt Stromerzeugung durch erneuerbare Energien aktuell um mehr als 200%<\/strong><\/p>\n<p>Zum Abschluss dieser Ausf\u00fchrungen noch zwei weitere Zahlen zu den klimapolitischen Herausforderungen im W\u00e4rmemarkt: Die energiebedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland, die auf Geb\u00e4ude entfallen, sind zwischen 2000 und 2021 um 28% auf 120 Mio. Tonnen CO2-\u00c4quivalente gesunken. Ein Teil hiervon ist auf mildere Winter und damit weniger Heizw\u00e4rmebedarf zur\u00fcckzuf\u00fchren. Pro Jahr entspricht dies lediglich einem R\u00fcckgang von gut 1,6% oder 2,35 Mio. Tonnen. Dieses Tempo m\u00fcsste bei weiter zunehmender Wohnfl\u00e4che deutlich erh\u00f6ht werden, wollte man sich einem klimaneutralen Geb\u00e4udebestand n\u00e4hern. So lautet das offizielle Zwischenziel, die Emissionen im Geb\u00e4udebereich bis 2030 auf 70 Mio. Tonnen zu senken; das w\u00e4ren also 5 Mio. Tonnen pro Jahr \u2013 mehr als doppelt so viel wie bislang.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mobi4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mobi4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211;<br \/>\n<\/small><\/p>\n<p>Die zweite Zahl ist noch viel ern\u00fcchternder: Im Jahr 2019 lag laut BMWi der Endenergieverbrauch f\u00fcr Raumw\u00e4rme und Warmwasserbereitung in Deutschland bei knapp 793 Terawattstunden (TWh). Dies ist lediglich ein R\u00fcckgang um gut 7% gg. dem Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012, wobei auch hier die milderen Winter eine Rolle spielen. Viel wichtiger ist aber die Einordnung des absoluten Endenergieverbrauchs f\u00fcr Raumw\u00e4rme und Warmwasser:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/mobhey4.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/mobhey4.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Dieser \u00fcbersteigt die gesamte Bruttostromerzeugung in Deutschland n\u00e4mlich um mehr als 30% und die Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien in deren Rekordjahr 2020 um mehr als 200%. Will man k\u00fcnftig diese W\u00e4rmeenergie prim\u00e4r auf Basis von erneuerbarem Strom bereitstellen, w\u00e4re also alleine hierf\u00fcr selbst bei h\u00f6herer Energieeffizienz der Geb\u00e4ude etwa eine Verdreifachung der heutigen erneuerbaren Bruttostromerzeugung notwendig (Wandlungsverluste ausgeblendet). Dann w\u00e4re aber kein erneuerbarer Strom mehr f\u00fcr Industrieprozesse, digitale Anwendungen, Haushaltsstrom, Beleuchtung, Elektroautos oder die Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff \u00fcbrig. Nicht nur die zunehmenden Widerst\u00e4nde der Bev\u00f6lkerung gegen den Ausbau von Windkraftanlagen an Land oder neue Stromtrassen lassen hier Zweifel aufkommen.<\/p>\n<p>Die zuvor genannten Argumente sind nicht neu. Die Zahlen stammen aus verl\u00e4sslichen Quellen. Sie zeigen, wie \u201eambitioniert\u201c das offizielle Ziel eines nahezu klimaneutralen Geb\u00e4udebestands ist. Vielleicht wird dieses Ziel vor allem deshalb nicht st\u00e4rker politisch hinterfragt, weil es erst f\u00fcr das Jahr 2050 gilt? Deutlich wird jedoch, dass das Anprangern des Eigenheims zumindest aus klimapolitischer Sicht eine Schim\u00e4re ist. Es ist also wenig \u00fcberraschend, dass hier auch andere Motive vermutet werden.<\/p>\n<p><strong>Das Eigenheim ist die pr\u00e4ferierte Wohnform, obwohl derzeit auf dem R\u00fcckzug<\/strong><\/p>\n<p>Kommen wir zum Schluss noch kurz auf den Aspekt zu sprechen, dass klimapolitische Forderungen h\u00e4ufig nicht zu den Konsumw\u00fcnschen der Bev\u00f6lkerung passen. Umfragen zeigen, dass sich die meisten Menschen in Deutschland w\u00fcnschen, in den eigenen vier W\u00e4nden zu wohnen. Der Zuspruch zu einem Haus mit eigenem Garten ist in der Corona-Krise eher noch gewachsen. Ein Verbot von Eigenheimen entspr\u00e4che also nicht den mehrheitlichen Pr\u00e4ferenzen der Menschen. Die Debatte erinnert ein wenig an die Stigmatisierung der SUVs, die sich noch immer steigender Beliebtheit erfreuen. Auch SUVs gelten als besonders klimasch\u00e4dlich, w\u00e4hrend das Elektroauto als eine L\u00f6sung f\u00fcr das Klimaproblem gilt. Beides trifft in dieser Pauschalit\u00e4t nicht zu. Ein weiteres Beispiel: Der Luftverkehr steht ebenfalls gerne am Pranger, wenn es um Klimaschutz geht. Gleichwohl sind die Passagierzahlen in Deutschland vor Corona fast in jedem Jahr gestiegen, weil die Menschen gerne reisen. Man k\u00f6nnte diese Liste entgegengesetzter politischer und individueller Priorit\u00e4ten fortsetzen. Eine Klimaschutzdebatte, die sich emotional vor allem auf Symbole konzentriert (Eigenheim, SUV, Luftverkehr, Fleischkonsum), verzerrt den Blick auf die wesentliche technologische Herausforderung in Sachen Klimaschutz: Wir brauchen bessere CO2-arme Energietr\u00e4ger als jene, mit denen wir bislang die Energiewende vorantreiben.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Eigenheim: Obwohl die Mehrheit der Deutschen gerne in einem Eigenheim leben w\u00fcrde, hat der Zuzug in die Gro\u00dfst\u00e4dte in den letzten Jahren zugenommen. Dass dort der Platz immer enger wird, ist eine logische Folge. Insofern ist die Zahl der neu gebauten Wohnungen in Mehrfamilienh\u00e4usern in den letzten Jahren stetig gewachsen, w\u00e4hrend sie in Ein- und Zweifamilienh\u00e4usern heute deutlich unter dem Niveau der 1990er und 2000er Jahre liegt. Die Menschen sind nicht naiv. Sie wissen, dass sich ihr Wunsch nach einem Eigenheim in zentraler Lage einer Gro\u00dfstadt nicht nur finanziell schwer realisieren l\u00e4sst. Wenn der Wunsch, in der Stadt zu wohnen, aber gr\u00f6\u00dfer ist als der Wunsch nach einem eigenen Haus, f\u00e4llt die Wahl auf eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus; hier ist der Markt in vielen St\u00e4dten ja ebenfalls eng genug.<\/p>\n<p>Die Diskussion Eigenheim versus Mehrfamilienhaus muss man daher auch regional differenzieren. In den bereits hochverdichteten zentralen Lagen der Gro\u00dfst\u00e4dte sind Baugenehmigungen f\u00fcr Einfamilienh\u00e4user die Ausnahme. Hier sind auch politische Mehrheiten nicht unrealistisch, die angesichts des begrenzten Platzes keine Baugebiete f\u00fcr Eigenheime mehr ausweisen; eine solche Entscheidung in einem Hamburger Stadtbezirk war ja der eigentliche Ausl\u00f6ser der Debatte. In der Folge werden Eigenheime im Bestand noch knapper und d\u00fcrften tendenziell teurer werden.<\/p>\n<p>In l\u00e4ndlichen Regionen sieht dies jedoch g\u00e4nzlich anders aus: Wer sich hier (aus Gr\u00fcnden des Klimaschutzes) pauschal gegen Neubaugebiete f\u00fcr Eigenheime ausspricht, d\u00fcrfte daf\u00fcr auf lange Zeit keine politische Mehrheiten bekommen. Menschen, die auf dem Land leben m\u00f6chten, sch\u00e4tzen gerade mehr Platz im eigenen Haus plus Garten und nehmen daf\u00fcr l\u00e4ngere Wege oder andere Nachteile in Kauf. Die politische Diskussion um das \u201eEigenheimverbot\u201c zeigt daher auch, warum die Gr\u00fcnen in st\u00e4dtischen Gebieten mehr politischen Zuspruch erfahren als auf dem Land.<\/p>\n<p>Siehe auch: M\u00f6bert, Jochen (2021). <a href=\"https:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/RPS_DE-PROD\/PROD0000000000517006.pdf?undefined&amp;realload=k19QNQdxhzXCeponovXtDqT4M97TnzohI3nK2ICu3JI6tziLa8PnKR2OWL6aS0tkbVv8OpOxTFU=\">Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2021 ff.: Hauspreiszyklus k\u00f6nnte im Jahr 2024 enden.<\/a> Deutschland-Monitor. Deutsche Bank Research. M\u00e4rz.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Eigenheim ist zum Gegenstand klimapolitischer Diskussionen geworden. Die Diskussion, ob und in welchem Ausma\u00df Eigenheime st\u00e4rker zum Klimawandel beitragen oder mit einem h\u00f6heren Ressourcenverbrauch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=28921\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br \/>Verbot von Eigenheimen? <br \/><font size=3; color=grey>Ein weiteres klimapolitisches Placebo! <\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":378,"featured_media":28931,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841,2674],"tags":[3816,3352,626,3817],"class_list":["post-28921","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klimatisches","category-wohnungspolitisches","tag-eigenheim","tag-heymann","tag-klimapolitik","tag-moebert"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gastbeitrag Verbot von Eigenheimen? 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