{"id":29561,"date":"2021-08-03T00:26:56","date_gmt":"2021-08-02T23:26:56","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29561"},"modified":"2021-08-03T06:27:55","modified_gmt":"2021-08-03T05:27:55","slug":"beherrschbare-pensionslasten-1-zukuenftige-pensionslasten-bei-stabiler-beamtenquote-schulterbar-bei-den-rentenausgaben-sieht-es-anders-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29561","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Beherrschbare Pensionslasten? (1) <\/font><br\/>Zuk\u00fcnftige Pensionslasten bei stabiler Beamtenquote schulterbar <br\/><font size=3; color=grey>Bei den Rentenausgaben sieht es anders aus <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Pension\u00e4re (ehemalige Beamte, Richter und Soldaten) in Deutschland deutlich zugenommen. Damit gehen immer h\u00f6here Versorgungsausgaben einher, die Bund, L\u00e4nder und Gemeinden aufbringen m\u00fcssen. Der demographische Wandel k\u00f6nnte in Zukunft nicht nur ausgabeseitig eine Herausforderung aufgrund steigender Versorgungsausgaben darstellen, sondern auch auf der Einnahmeseite, weil die Versorgungslasten von immer weniger Steuerzahlern getragen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir haben die Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger in Deutschland unter Ber\u00fccksichtigung von j\u00e4hrlichen Neueinstellungen, Sterbef\u00e4llen, Invalidit\u00e4tsf\u00e4llen und Pensionierungen bis zum Jahr 2080 projiziert.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Mit Blick auf die Neueinstellungen wurde dabei unterstellt, dass sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Zahl der aktiv bediensteten Beamten, Richter und Soldaten an der Bev\u00f6lkerung orientiert und das Verh\u00e4ltnis von aktiv Bediensteten zur Gesamtbev\u00f6lkerung konstant bleibt. Die Grundlage f\u00fcr die Fortschreibung der Einwohnerzahl bilden die Bev\u00f6lkerungsvorausberechnungen der Vereinten Nationen, die f\u00fcr drei verschiedene Fertilit\u00e4tsvarianten vorliegen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In der mittleren Fertilit\u00e4tsvariante, bei der die Geburtenrate je Frau etwa auf heutigem Niveau verharrt, geht die Einwohnerzahl Deutschlands ab dem Jahr 2022 zun\u00e4chst sp\u00fcrbar zur\u00fcck und pendelt sich langfristig auf einem Niveau von ungef\u00e4hr 75 Millionen Einwohnern ein. Die Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger w\u00fcrde bis Mitte der 2030er Jahre insgesamt noch zunehmen. Dieser Anstieg geht auf die Entwicklung bei den L\u00e4ndern und Gemeinden zur\u00fcck. Beim Bund entwickelt sich die Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger hingegen bereits in den kommenden Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig, was nicht zuletzt auf die Privatisierung der ehemaligen Bundesbahn und Bundespost zur\u00fcckgeht. Ab Mitte der 2030er Jahre bis zum Ende der 2050er Jahre wird f\u00fcr s\u00e4mtliche Gebietsk\u00f6rperschaften ein R\u00fcckgang der Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger prognostiziert. In den Folgejahren nimmt die Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger dann wieder etwas zu.<\/p>\n<p>Die Versorgungsausgaben h\u00e4ngen \u2013 neben der Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger \u2013 von der H\u00f6he der Versorgungsbez\u00fcge ab, die annahmegem\u00e4\u00df j\u00e4hrlich angepasst werden. Im Wesentlichen setzten sich die Versorgungsbez\u00fcge aus dem Ruhegehalt f\u00fcr Pension\u00e4re und Witwen- bzw. Witwergeld f\u00fcr Hinterbliebene zusammen. Ausgehend von der tats\u00e4chlichen H\u00f6he der im Jahr 2018 durchschnittlich bezogenen Ruhe- und Witwengeh\u00e4lter wurde in einem Szenario unterstellt, dass die Versorgungsbez\u00fcge jedes Jahr entsprechend der Zuwachsrate des nominalen Bruttoinlandsprodukts angepasst werden (S1), in einem zweiten Szenario nehmen sie mit der Rate des nominalen Bruttoinlandsprodukts je Erwerbst\u00e4tigen zu (S2). Die langfristigen j\u00e4hrlichen Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts entsprechen denen des Produktionspotenzials. Letzteres wurde auf Basis des von der Europ\u00e4ischen Kommission angewendeten Verfahrens und unter Ber\u00fccksichtigung der Erwerbsbev\u00f6lkerung, des Kapitalstocks und der totalen Faktorproduktivit\u00e4t bis zum Jahr 2080 gesch\u00e4tzt. Vor diesem Hintergrund w\u00fcrden die Versorgungsausgaben von L\u00e4ndern und Gemeinden im Zeitverlauf kontinuierlich zunehmen, nur f\u00fcr den Bund wird aufgrund des stetigen R\u00fcckgangs der Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger bis Ende der 2050er Jahre auch ein R\u00fcckgang der Versorgungsausgaben projiziert. In den Folgejahren steigen jedoch auch die Versorgungsausgaben des Bundes wieder an.<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung der Zahl der Versorgungsempf\u00e4nger und der j\u00e4hrlichen Anpassung der Versorgungsbez\u00fcge l\u00e4gen die Versorgungsausgaben des Bundes \u2013 je nachdem, welche Szenarien f\u00fcr die Geburtenrate und die Bez\u00fcgeanpassung gew\u00e4hlt werden \u2013 im Jahr 2080 maximal um 100, bei den L\u00e4ndern um 500 und bei den Gemeinden um bis zu 800% h\u00f6her als im Jahr 2019.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Diesen auf den ersten Blick enormen Zuwachsraten sind jedoch die Steuereinnahmen gegen\u00fcberzustellen, aus denen die Versorgungsausgaben gr\u00f6\u00dftenteils finanziert werden und die \u2013 mit steigendem Bruttoinlandsprodukt \u2013 ebenfalls zunehmen werden. Dabei ist unterstellt, dass die Steuereinnahmen jedes Jahr mit derselben Rate zunehmen wie das nominale Bruttoinlandsprodukt. Die daraus gewonnene Versorgungs-Steuerquote, die angibt, welchen Anteil der Steuereinnahmen Bund, L\u00e4nder und Gemeinden f\u00fcr die Beamtenversorgung aufbringen m\u00fcssen, geht beim Bund bis zum Jahr 2080 sogar zur\u00fcck und liegt bei den L\u00e4ndern dann ungef\u00e4hr auf dem Niveau des Jahres 2019. Lediglich f\u00fcr die Gemeinden wird ein Anstieg der Versorgungs-Steuerquote projiziert (vgl. Abbildung).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/holtzed.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/holtzed.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Somit lie\u00dfen sich die finanziellen Herausforderungen des demografischen Wandels bei der Beamtenversorgung durch eine Stabilisierung der Beamtenquote gut abfedern. So ist die Zahl der aktiv Bediensteten bei den Gebietsk\u00f6rperschaften bereits in den zur\u00fcckliegenden zwanzig Jahren nahezu konstant geblieben. Mit dem im Projektionszeitraum unterstellten konstanten Verh\u00e4ltnis aktiv Bediensteter zur Gesamtbev\u00f6lkerung geht die Zahl der Neueinstellungen dann annahmegem\u00e4\u00df zur\u00fcck. Bliebe das Verh\u00e4ltnis aktiv Bediensteter zur Gesamtbev\u00f6lkerung konstant, w\u00fcrden die \u00f6ffentlichen Haushalte somit durch die Beamtenversorgung nicht erheblich unter Druck geraten. Damit w\u00fcrde sich bei der Beamtenversorgung die Situation anders darstellen als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Weil der Anteil der \u00fcber 66-J\u00e4hrigen an der Gesamtbev\u00f6lkerung in Zukunft deutlich zunehmen wird, werden die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung in Relation zu den Einnahmen des Staates \u2013 sofern die Abgabenbelastung nicht steigt \u2013 einen deutlich steigenden Trend aufweisen. Folglich steht die gesetzliche Rentenversicherung aufgrund des demografischen Wandels, ebenso wie die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, vor deutlich gr\u00f6\u00dferen Herausforderungen als die Gebietsk\u00f6rperschaften infolge der Pensionslasten.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0 Zur Methodik der Projektion siehe Holtem\u00f6ller, O.; Zeddies, G. (2021): Projektion der Ausgaben f\u00fcr die Beamtenversorgung in Deutschland bis zum Jahr 2080. Methodik und Modell, IWH Technical Reports 2\/2021, <a href=\"https:\/\/www.iwh-halle.de\/publikationen\/detail\/projektion-der-ausgaben-fuer-die-beamtenversorgung-in-deutschland-bis-zum-jahr-2080\/\">https:\/\/www.iwh-halle.de\/publikationen\/detail\/projektion-der-ausgaben-fuer-die-beamtenversorgung-in-deutschland-bis-zum-jahr-2080\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0 Dabei wird im pessimistischen Szenario eine Geburtenrate von 1,2 Lebendgeburten je Frau, im mittleren Szenario von 1,6 und im optimistischen Szenario von 2,0 unterstellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0 Bei diesen Werten ist eine hohe Geburtenrate und eine j\u00e4hrliche Anpassung der Versorgungsbez\u00fcge um den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts je Erwerbst\u00e4tigen unterstellt.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Pension\u00e4re (ehemalige Beamte, Richter und Soldaten) in Deutschland deutlich zugenommen. 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