{"id":29651,"date":"2021-08-22T00:42:00","date_gmt":"2021-08-21T23:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29651"},"modified":"2021-08-22T06:54:58","modified_gmt":"2021-08-22T05:54:58","slug":"gastbeitrag-zeitgeist-der-unterschaetzte-machtfaktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29651","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Zeitgeist: Der untersch\u00e4tzte Machtfaktor"},"content":{"rendered":"<p>In den hitzigen gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit f\u00e4llt regelm\u00e4\u00dfig der Begriff Zeitgeist. Was genau ist damit gemeint? Laut Duden steht der Zeitgeist f\u00fcr eine charakteristische allgemeine Gesinnung oder geistige Haltung einer bestimmten Epoche. Laut Wikipedia ist der Zeitgeist die Denk- und F\u00fchlweise (Mentalit\u00e4t) eines Zeitalters. Doch so einfach ist es nicht. Gesellschaften sind zu heterogen, als dass man von einer \u201eallgemeinen Gesinnung\u201c sprechen k\u00f6nnte. Allenfalls k\u00f6nnte diese \u201eallgemeine Gesinnung\u201c so verstanden werden, dass der Zeitgeist von einer Bev\u00f6lkerungsmehrheit getragen wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aber auch das ist nicht zwingend der Fall. Der herrschende Zeitgeist kann auch von Bev\u00f6lkerungsminderheiten gepr\u00e4gt und getragen sein, wie die aktuellen Debatten etwa um die sogenannte Gendersprache zeigen. Sicher spielen j\u00fcngere Generationen f\u00fcr das Entstehen des jeweils aktuellen Zeitgeists eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als \u00e4ltere Generationen. Nicht selten d\u00fcrfte eine intellektuelle Avantgarde besonderen Einfluss auf den Zeitgeist haben. Doch die Dominanz der \u201eSpa\u00dfgesellschaft\u201c in den Dekaden um die Jahrtausendwende zeigt, dass der Zeitgeist nicht notwendigerweise durch intellektuelle Meinungshoheit gepr\u00e4gt sein muss. Eine pr\u00e4zise Definition oder allgemeing\u00fcltige Beschreibung des Zeitgeists ist in jedem Fall nicht trivial.<\/p>\n<p>Mir erscheint ein Charakteristikum zu sein, dass f\u00fcr Meinungen und Haltungen, die dem aktuellen Zeitgeist entsprechen, beim unverf\u00e4nglichen Smalltalk im privaten oder beruflichen Umfeld kaum Widerspruch zu erwarten ist. In gewisser Weise ist der Zeitgeist so etwas wie ein verbreitetes \u201eNarrativ\u201c, das keiner weiteren Begr\u00fcndung mehr bedarf.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Wer hingegen vom Zeitgeist abweichende Meinungen und Haltungen vertritt, muss damit rechnen, hinterfragt zu werden und sorgf\u00e4ltig begr\u00fcnden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Deshalb ist es bequemer, sich dem Zeitgeist unterzuordnen und sich g\u00e4ngigen Erz\u00e4hlungen anzuschlie\u00dfen oder ihnen zumindest nicht zu widersprechen. Der Zeitgeist ist f\u00fcr manche Menschen auch deshalb attraktiv, weil er die Aura des Modernen verspr\u00fcht. Wer modern und zeitgem\u00e4\u00df wirken m\u00f6chte, schlie\u00dft sich gesellschaftlichen Trends an oder reitet auf den Wellen des Zeitgeistes mit. Leichter geht es kaum, nicht als unmodern oder \u201evon gestern\u201c zu gelten. Problematisch wird dies, wenn gesellschaftliche Debatten dadurch einen undifferenzierten Charakter erhalten. Im schlimmsten Fall ersticken sie schon im Ansatz, wenn niemand Lust hat, sich gegen die herrschenden Erz\u00e4hlungen zu positionieren.<\/p>\n<p><strong>Leithammel und Herdentrieb<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Entstehung des Zeitgeistes d\u00fcrften \u00e4hnliche Mechanismen wirken wie beim \u201eHerdentrieb\u201c an den Finanzm\u00e4rkten, bei dem sich eine gr\u00f6\u00dfere Masse gemeinsam in eine Richtung bewegt. Die meisten Finanzmarktakteure treffen ihre Entscheidungen nicht allein auf Basis einer tiefgreifenden eigenen Analyse. Sie orientieren sich auch an den Analysen und Einsch\u00e4tzungen anderer (renommierter) Marktteilnehmer, an g\u00e4ngigen Erz\u00e4hlungen und an bestehenden Trends. \u00c4hnlich scheint es mit dem Zeitgeist zu sein. Menschen orientieren sich offenbar an gesellschaftlichen Str\u00f6mungen \u2013 weil es bequem ist und weil es f\u00fcr viele Menschen angenehmer ist dazuzugeh\u00f6ren, denn als Au\u00dfenseiter oder Sonderling zu gelten.<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit \u00e4ndert die Herde aber die Richtung und nimmt eine neue Haltung ein. Wie sehr der Zeitgeist vom Richtungswechsel betroffen sein kann, zeigt sich besonders deutlich an den aktuellen Aufreger-Themen rund um eine geschlechterneutrale Sprache und die \u201eRegenbogen-Gesellschaft\u201c. Beide Themen sind ganz und gar nicht neu. In den vergangenen Jahrzehnten fristeten sie allerdings weitgehend ein Schattendasein und galten eher als exotische Ideen randst\u00e4ndiger Gruppen. In letzter Zeit sind die Themen st\u00e4rker in die Mitte der Gesellschaft ger\u00fcckt und dominieren nun in gewisser Weise den aktuellen Zeitgeist. Jetzt wirken zuweilen diejenigen wie randst\u00e4ndige Exoten, die die geschlechterneutrale Sprache weiterhin f\u00fcr unn\u00f6tig halten und deren gesellschaftliches Idealbild nicht aus Regenbogenfarben besteht. Zeiten \u00e4ndern sich.<\/p>\n<p>Generell kann ein neuer Zeitgeist das Ergebnis neuer Erkenntnisse oder Ereignisse sein und sollte deshalb nicht vorschnell pauschal als Modeerscheinung abgetan werden. So d\u00fcrfte der \u00dcbergang von der \u201eSpa\u00dfgesellschaft\u201c zur \u201eEmpathiegesellschaft\u201c mit markanten gesellschaftlichen Ereignissen wie der Corona-Pandemie zu tun haben. Ein neuer Zeitgeist kann aber auch entstehen, weil einflussreiche Personen oder Kleingruppen die Richtung vorgeben. Was in der Herde der Leithammel, ist im richtigen Leben immer \u00f6fter der Aktivist (oder die Aktivistengruppe).<\/p>\n<p>Das Beispiel der genderneutralen Sprache zeigt auch, dass der Zeitgeist nicht unbedingt die Haltung bzw. Meinung der Mehrheit darstellen muss. Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Deutschen die geschlechterneutrale Sprache ab.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Da in vielen Medien, Forschungsinstituten und staatlichen Institutionen inzwischen aber zunehmend \u201egegendert\u201c wird, kann der Eindruck entstehen, der Zeitgeist habe gedreht und die Gesellschaft begr\u00fc\u00dfe (und verwende) heute mehrheitlich eine geschlechterneutrale Sprache. Tats\u00e4chlich laufen aber fast nur die Leithammel in diese Richtung, w\u00e4hrend ihnen ein gro\u00dfer Teil der Herde nicht folgt. Der Zeitgeist spiegelt also nicht unbedingt die vorherrschende Denkweise wider, sondern m\u00f6glicherweise nur das, was \u00f6ffentlichkeitswirksam inszeniert wird.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Beim Zeitgeist geht es zuweilen um Deutungshoheit und mit dieser Deutungshoheit geht auch Macht einher.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftspolitische Relevanz<\/strong><\/p>\n<p>Niemand kann sich von zeitgeistigen Einfl\u00fcssen vollkommen frei machen. Konsumentscheidungen, Weltanschauungen und politische Pr\u00e4ferenzen sind nie allein das Ergebnis einer intensiven eigenen Analyse. Die Orientierung an Vorbildern, Experten oder dem pers\u00f6nlichen Umfeld spielen eine mehr oder minder gro\u00dfe Rolle. F\u00fcr die Bereitstellung privater G\u00fcter ist das Ph\u00e4nomen des Zeitgeists kein Problem. Der Markt liefert, was den Verbraucherw\u00fcnschen entspricht, denn die Unternehmen stellen sich auf deren Nachfrage und damit auch opportunistisch auf zeitgeistige Einfl\u00fcsse ein. Dies zeigt ein Blick auf die Werbung: Noch vor wenigen Jahren war es bei Unternehmen en vogue, die Individualit\u00e4t und Einzigartigkeit der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Das Ma\u00dfgeschneiderte, die Personalisierung von Produkten und Dienstleistungen standen in der Werbung hoch im Kurs. In seinem Bestseller \u201eDie Gesellschaft der Singularit\u00e4ten\u201c beschrieb der Soziologe Andreas Reckwitz im Jahr 2017 die postmoderne Gesellschaft, die sich eben durch ein H\u00f6chstma\u00df an Individualit\u00e4t und Besonderheit des Individuums auszeichnet. Aktuell setzen Unternehmen in der Werbung nun wieder massiv auf das \u201eWir\u201c und auf die Bedeutung der Gemeinschaft. Die Unternehmen greifen den Zeitgeist auf und verst\u00e4rken ihn damit.<\/p>\n<p>Problematisch wird es allerdings bei der Bereitstellung von Kollektivg\u00fctern. Politische Entscheidungen werden bekanntlich nicht nur auf Basis von Sachargumenten getroffen. Um (wieder) gew\u00e4hlt zu werden, orientieren sich Politiker auch an gesellschaftlichen Stimmungen. Interessengruppen k\u00f6nnen durch geschicktes Vorgehen die Politik in ihrem Sinne beeinflussen. Im wirtschaftlichen Kontext spricht man von Lobbyismus. Dass Unternehmen und Wirtschaftsverb\u00e4nde versuchen, in der Politik Geh\u00f6r zu finden und politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen, ist allseits bekannt. Doch auch andere Gruppen sind in der Lage, Gesellschaft und Politik im Sinne ihrer eigenen Anliegen zu steuern oder gar zu manipulieren. Dies gelingt im Zeitalter von Social Media besonders gut, weil sich Kampagnen mit geringen finanziellen Mitteln orchestrieren lassen. Wer es schafft, den Zeitgeist in seinem Sinne zu f\u00e4rben, gewinnt gro\u00dfen Einfluss auf die Politik. Auch Kleingruppen k\u00f6nnen dadurch f\u00fcr ihre Themen gro\u00dfe Aufmerksamkeit bekommen.<\/p>\n<p>Wenn Lobby- oder Aktivistengruppen so viel Einfluss erhalten, dass die \u00f6ffentliche Debatte einseitig wird, wird es problematisch. Aktuell treten gut organisierte Kleingruppen insbesondere im Internet aggressiv auf und versuchen, ihre Anliegen rigoros durchzusetzen. Es findet kein ausgewogener, differenzierter Diskurs mehr statt, weil sich ein gro\u00dfer Teil der Gesellschaft aus den Verbalgefechten heraush\u00e4lt. Dadurch entsteht ein Zerrbild der \u00f6ffentlichen Meinung und die Politik orientiert sich gegebenenfalls an einer vermeintlichen Mehrheitsmeinung, die es in der Realit\u00e4t gar nicht gibt.<\/p>\n<p>\u00d6konomisch ist von herausragender Bedeutung, ob der Zeitgeist eher liberal oder kollektiv tickt. Seit einiger Zeit findet offenkundig eine gr\u00fcndliche Neuausrichtung statt. Die liberale Wirtschaftsordnung ist bereits seit der globalen Finanzkrise unter Druck. Die \u00dcbertreibungen im Finanzsektor haben ein schlechtes Bild auf unregulierte (bzw. schlecht regulierte) M\u00e4rkte geworfen. Seitdem werden liberale wirtschaftspolitische Ans\u00e4tze misstrauisch be\u00e4ugt. Das Thema Staatsversagen findet hingegen keine entsprechende Aufmerksamkeit. In den letzten Jahren hat sich die Front gegen die Marktwirtschaft weiter verst\u00e4rkt \u2013 auch durch Vertreter der j\u00fcngeren Generationen, die vom Wirtschaftsmagazin \u201eThe Economist\u201c als \u201eMillenium-Sozialisten\u201c bezeichnet wurden und die meinungsstark und aktivistisch in sozialen Netzwerken unterwegs sind.<\/p>\n<p>Die Akzeptanz der marktwirtschaftlichen Ordnung h\u00e4ngt u.a. auch vom Gerechtigkeitsempfinden der Menschen ab. Wenn sie die Ungleichheit der Einkommensverteilung haupts\u00e4chlich auf unterschiedliche Anstrengungen und Leistungen zur\u00fcckf\u00fchren (\u201eJeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied\u201c), sind sie offener f\u00fcr Marktwirtschaft und marktwirtschaftliche Reformen. Wird die ungleiche Einkommensverteilung hingegen vor allem auf Diskriminierung und Ausbeutung zur\u00fcckgef\u00fchrt (\u201eDas System ist schuld\u201c), ist der Weg geebnet f\u00fcr eine interventionistische Umverteilungspolitik inklusive Quotenregelungen aller Art. Welche der beiden Sichtweisen gesellschaftlich dominiert, h\u00e4ngt sicherlich teilweise auch von empirischen Befunden ab, aber zu einem guten Teil auch von zeitgeistigen Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p><strong>Implikationen<\/strong><\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, den Einfluss des Zeitgeistes zu begrenzen? Relativ einfach w\u00e4re es, \u00fcber eher weltanschauliche Fragen wie die genderneutrale Sprache per Referendum abstimmen zu lassen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Damit w\u00fcrden Mehrheitsentscheidungen zu konkreten Themen herbeigef\u00fchrt und der schweigende, nicht-zeitgeistorientierte Teil der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnte seine Meinung geheim und unbeeinflusst zum Ausdruck bringen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Der B\u00fcrgerwille bek\u00e4me mehr Gewicht.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Eine zweite M\u00f6glichkeit w\u00e4re, die Ausschl\u00e4ge des Zeitgeists dadurch einzuebnen, dass inhaltliche Gegenpositionen \u00f6ffentlich offensiver vertreten werden. Die zeitgem\u00e4\u00dfe Form w\u00e4re sicher die Social Media-Kampagne. Allerdings eignet sich nicht jedes Thema f\u00fcr die oft emotional und unsachlich gef\u00fchrten Social Media-Gefechte \u2013 und nicht jeder Zeitgenosse mit ernsthaften Anliegen m\u00f6chte sich an solchen Auseinandersetzungen beteiligen.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u00d6konomen bleibt somit die Frage, wie sie dem Zeitgeist begegnen sollen, der sich derzeit un\u00fcbersehbar gegen die marktwirtschaftliche Ordnung dreht. Wenn \u00f6ffentlich \u00fcberwiegend \u00fcber Marktversagen gesprochen wird, ohne gleichzeitig das Staats- und Politikversagen sowie die vielen Errungenschaften marktwirtschaftlicher Prozesse zu erw\u00e4hnen, wird die Wirtschaftspolitik Wege einschlagen, die zu Ineffizienzen und Wohlfahrtsverlusten f\u00fchren. Sie m\u00fcssen sp\u00e4ter korrigiert werden. Wie kann also das \u201eMarketing\u201c f\u00fcr die soziale Marktwirtschaft verbessert werden, sodass das Pendel gar nicht erst in die falsche Richtung ausschl\u00e4gt?<\/p>\n<p>Der Versuch der \u201eInitiative Neue Soziale Marktwirtschaft\u201c (INSM) im Juni dieses Jahres, mit plakativen Zuspitzungen gegen die Gegner der Sozialen Marktwirtschaft mobil zu machen, d\u00fcrfte als gescheitert gelten. Nicht nur, dass die INSM nach \u00f6ffentlichem Druck selbst zur\u00fcckgerudert ist. Auch unter \u00d6konomen kam der Versuch der INSM nicht allseits gut an.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Dennoch bleibt die Frage, wie gr\u00f6\u00dfere Teile der Bev\u00f6lkerung mit Argumenten f\u00fcr die Soziale Marktwirtschaft erreicht werden k\u00f6nnen. Mit dicken Studien und langen wissenschaftlichen Aufs\u00e4tzen wird es kaum gelingen. \u00d6konomische Erkenntnisse und Zusammenh\u00e4nge m\u00fcssen auf einfachere, griffigere Formeln gebracht werden. Und als Multiplikatoren braucht man dann wohl auch prominente F\u00fcrsprecher oder Testimonials, die gelegentlich Partei ergreifen f\u00fcr marktwirtschaftliche Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Wie es gehen k\u00f6nnte, hat der Kabarettist Dieter Nuhr in einem Interview mit der WELT gezeigt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Auf die Frage \u201eWoher kommt diese Wirklichkeitsverdrehung. Dass der Staat alles machen muss, dass der Kapitalismus und die Wirtschaft die Ursache allen \u00dcbels ist?\u201c antwortete er pr\u00e4gnant: \u201eEs ist nicht alles gut in der Marktwirtschaft, aber da, wo es gut ist, ist Marktwirtschaft.\u201c Und weiter: \u201eUm die Frage zu beantworten, wie Marktwirtschaft zum Hassobjekt werden konnte, muss man wahrscheinlich Psychologen fragen, das hat viel mit Neid und Status zu tun. Bei uns im marktwirtschaftlichen System sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Regionen in der Welt, Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung, Bildung und \u00e4rztliche Versorgung garantiert. Da finde ich es erst mal bemerkenswert, dass so viele Leute glauben, wir lebten im falschen System. Ich h\u00e4tte gerade in Corona-Zeiten nicht in einem anderen leben wollen. Viele glauben, in der Funktion\u00e4rsherrschaft w\u00e4re alles besser.\u201c<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. auch Shiller, Robert (2020), Narrative Wirtschaft: Wie Geschichten die Wirtschaft beeinflussen \u2013 ein revolution\u00e4rer Erkl\u00e4rungsansatz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. infratest dimap (2021), <a href=\"https:\/\/www.infratest-dimap.de\/umfragen-analysen\/bundesweit\/umfragen\/aktuell\/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache\/\">Weiter Vorbehalte gegen genderneutrale Sprache<\/a> und rtl.de (2021), <a href=\"https:\/\/www.rtl.de\/cms\/umfrage-zum-gendern-das-denke-die-deutschen-ueber-die-sprache-4770234.html\">RTL-Forsa-Umfrage: Mehrheit der Deutschen empfindet Gendern als st\u00f6rend<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Stadelmann, David (2020), <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27467\">Die \u00f6ffentliche Meinung der schweigenden Mitte fehlt<\/a> oder Podcast Wirtschaftliche Freiheit (2021), <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29101\">Die \u00d6konomie der \u00f6ffentlichen Meinung<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Abgestimmt werden k\u00f6nnte nat\u00fcrlich nur \u00fcber die Verwendung der \u201eGender-Sprache\u201c in \u00f6ffentlichen Institutionen. Ob jemand privat die genderneutrale Sprache bevorzugt oder nicht, bleibt jedem selbst \u00fcberlassen und bedarf selbstverst\u00e4ndlich keiner Regulierung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Stadelmann, David (2020), <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=27467\">Die \u00f6ffentliche Meinung der schweigenden Mitte fehlt<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> In der repr\u00e4sentativen Demokratie gehen viele Themen allein dadurch unter, dass Parteien einen bunten Themenstrau\u00df en bloc zur Wahl stellen. F\u00fcr den W\u00e4hler hei\u00dft dies, die Partei zu finden, deren Programmangebot f\u00fcr den W\u00e4hler den geringsten Kompromiss bedeutet. Elemente der direkten Demokratie k\u00f6nnten dazu beitragen, dass die Pr\u00e4ferenzen der W\u00e4hler besser ber\u00fccksichtigt und bedient werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Krieger, Tim (2021), <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29363\">Werbung f\u00fcr die Soziale Marktwirtschaft geht anders<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. WELT Online (2021), <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus230645679\/Dieter-Nuhr-Gute-Gruende-als-Kulturschaffender-die-Corona-Politik-zu-kritisieren.html\">Es gibt gute Gr\u00fcnde, als Kulturschaffender die Corona-Politik zu kritisieren.<\/a> Interview vom 28.04.2021.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den hitzigen gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit f\u00e4llt regelm\u00e4\u00dfig der Begriff Zeitgeist. Was genau ist damit gemeint? 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