{"id":29771,"date":"2021-09-15T00:47:29","date_gmt":"2021-09-14T23:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29771"},"modified":"2021-09-15T06:59:39","modified_gmt":"2021-09-15T05:59:39","slug":"kostenwahrheit-statt-kostenscheinwahrheit-in-der-klimapolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29771","title":{"rendered":"Kostenwahrheit statt Kostenscheinwahrheit in der Klimapolitik"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Corona-Notstand d\u00fcrften bald Forderungen zur Ausrufung eines erneuten \u201eKlimanotstands\u201c drohen. An ehrgeizigen Klimazielen mangelt es der Politik nicht. So soll die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad begrenzt werden, was weltweit \u2013 nicht nur in Deutschland oder Europa \u2013 eine massive Reduktion der Klimagase n\u00f6tig machen w\u00fcrde. Nur: Die tats\u00e4chlichen Emissionen steigen. Was sind die Kosten h\u00f6herer Temperaturen und warum herrscht nicht schon lange Kostenwahrheit?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Kosten hoher Temperaturen<\/strong><\/p>\n<p>Die Armut der Welt konzentriert sich tendenziell in hei\u00dfen, tropischen L\u00e4ndern. Reichtum ist eher in Industriestaaten zu finden, deren Durchschnittstemperatur oft etwas k\u00fchler ausf\u00e4llt. Und nun?<\/p>\n<p>Die anhaltende Armut, die mangelnde Gesundheitsversorgung, das schwache staatliche Sozialsystem und der resultierende Migrationsdruck in vielen afrikanischen und auch s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern hat vorwiegend politische und historische Wurzeln. Dort, wo wirtschaftliche Reformen durchgef\u00fchrt wurden, wie beispielsweise in S\u00fcdostasien, nahm Wachstum schnell an Fahrt auf und die Lebensbedingungen der B\u00fcrger verbesserten sich. Dank wirtschaftlicher Reformen n\u00e4hern sich viele dieser Staaten den westlichen Industriel\u00e4ndern an. Sie haben das geschafft, obwohl sie oft ein tropisches, hei\u00dfes Klima haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt aus historischer Perspektive f\u00fcr die heutigen Industriestaaten. Zwar hat sich seit der vorindustriellen Zeit die globale Mitteltemperatur um etwa 1,0 Grad erh\u00f6ht und in Deutschland um fast doppelt so viel. Trotz dieses Temperaturanstiegs w\u00fcrde nahezu niemand ernsthaft behaupten, dass Deutschland bedeutend reicher und die Lebensqualit\u00e4t dementsprechend h\u00f6her w\u00e4re, wenn die Temperatur seit der industriellen Revolution konstant geblieben w\u00e4re. Potenziell negative Effekte der vergangenen Temperaturerh\u00f6hung erscheinen im Vergleich zu anderen Ver\u00e4nderungen der letzten 150 Jahre nicht sehr relevant. Im direkten Vergleich zwischen Deutschland und beispielsweise Norwegen k\u00e4me vermutlich auch niemand auf die Idee zu behaupten, Deutschland w\u00e4re bedeutend erfolgreicher als Norwegen, wenn es denn nur hierzulande so k\u00fchl w\u00e4re wie dort. Klima ist nicht Schicksal!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Klimawandel hat Kosten<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem k\u00f6nnen weitere Klimaver\u00e4nderungen zu relevanten Nettokosten f\u00fchren. So d\u00fcrfte der menschliche gemachte Klimawandel nach den zusammengetragenen Erkenntnissen und Modellen des Weltklimarates der Vereinten Nationen den ansonsten erreichbaren Wohlstand zum Ende des 21. Jahrhunderts etwas schm\u00e4lern. Die zu erwarteten Kosten des Klimawandels \u00fcbersteigen also die zu erwartenden Nutzen h\u00f6herer Temperaturen. Bekanntlich unterliegen Modellrechnungen bereits f\u00fcr die nahe aber insbesondere die ferne Zukunft zahlreichen Unsicherheiten, die sich positiv oder negativ auswirken k\u00f6nnen. Bei anhaltendem technischen Fortschritt geht kein ernsthaftes Szenario davon aus, dass zuk\u00fcnftige Generationen aufgrund des Klimawandels \u00e4rmer w\u00e4ren als die heutige. Andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen d\u00fcrften den erreichbaren Wohlstand der n\u00e4chsten Jahrzehnte deutlich mehr pr\u00e4gen als die Nettoeffekte des Klimawandels.<\/p>\n<p>Klar ist, dass ein gewisses Ma\u00df an Klimaschutz wichtig ist. Dabei gilt es, den Menschen mit all seinen Facetten in den Mittelpunkt zu stellen. Neben Klimaschutz gibt es weitere Ziele. Dazu geh\u00f6ren etwa das Ende von Armut und Hunger in der Welt, die Reduktion der Gefahr zuk\u00fcnftiger Pandemien, gute Arbeitsbedingungen oder die Verhinderung von kriegerischen Konflikten. Viele dieser Ziele ben\u00f6tigen f\u00fcr ihre Erreichung substanzielle Mittel. Wer den Klimaschutz \u00fcber alles stellt, tut dies auf Kosten anderer, wichtiger Ziele und so zum Schaden vieler Menschen insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. Daher braucht es gesundes Ma\u00df an Klimaschutz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mit Kostenwahrheit zu gesunder Klimapolitik<\/strong><\/p>\n<p>Um die Klimaprobleme in den Griff zu bekommen, vertreten \u00d6konomen zumeist den Ansatz der Kostenwahrheit. CO2-Emissionen sollen bepreist werden, sodass den Emittenten die von ihnen an Dritten verursachten Klimakosten angelastet werden. Kostenwahrheit setzt also auf eine freiheitliche und quasi marktwirtschaftliche Strategie zur L\u00f6sung m\u00f6glicher Probleme des Klimawandels.<\/p>\n<p>Kostenwahrheit in der Klimapolitik fordern viele, so William Nordhaus, der f\u00fcr seine Arbeiten den Nobelpreis erhielt, eine Gruppe von \u00fcber 3500 amerikanischen \u00d6konomen mit 27 Nobelpreistr\u00e4gern im \u201eEconomists\u2018 Statement on Carbon Dividends\u201c und der Internationale W\u00e4hrungsfonds.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Sichtweise scheint sich langsam durchzusetzen. Mittlerweile gilt Kostenwahrheit vornehmlich auch in der Politik als gute L\u00f6sung. In den Strategien zur Erreichung der Emissionsziele gem\u00e4\u00df Pariser Vertrag spielen handelbare Emissionszertifikate eine zentrale Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Kostenscheinwahrheit wird politisch geliefert<\/strong><\/p>\n<p>Bei genauerer Betrachtung stellt sich aber heraus, dass sich Kostenwahrheit nur scheinbar als Denkansatz im politischen Prozess durchgesetzt hat. \u00a0Regierungen und Parlamente geben sich zwar teilweise begeistert. Aber die B\u00fcrger sind zur\u00fcckhaltend, wenn sie denn \u00fcberhaupt gefragt werden.<\/p>\n<p>So fand in der Schweiz im Juni 2021 eine Volksabstimmung \u00fcber ein neues CO2-Gesetz statt, das eine Erh\u00f6hung des H\u00f6chstsatzes f\u00fcr die CO2-Abgabe von 120 bis 200 Franken pro Tonne CO2 vorsah. Regierung, Parlament und fast alle Parteien traten mit gro\u00dfer Mehrheit f\u00fcr das Gesetz ein. Doch die B\u00fcrger lehnten es ab. Zeigt das, dass die B\u00fcrger Kostenwahrheit nicht wollen? Keineswegs! Vielmehr zeigt ein genauerer Blick, wie wenig die heutigen politischen Ma\u00dfnahmen, die vorgeben Kostenwahrheit anzuvisieren, dem echten \u00f6konomischen Konzept der Kostenwahrheit entsprechen. Die Politik liefert \u201eKostenscheinwahrheit\u201c und nutzt die moralische Emp\u00f6rung \u00fcber den Klimawandel zur Erreichung anderer Ziele.<\/p>\n<p>Richtig angewendet folgt aus der Anwendung des Konzepts der Kostenwahrheit zweierlei: (1) Die bisherigen Verbote, Gebote, Regulierungen und Subventionen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels verlieren weitgehend ihren Sinn und Zweck und geh\u00f6ren deshalb reduziert oder ganz abgeschafft. (2) Die Internalisierung der Kosten von CO2-Emissionen mit Preisen setzt die relevanten Anreize zum Klimaschutz und zur technologischen Entwicklung, weshalb die erzielten Einnahmen keinen spezifischen Zweck haben und den B\u00fcrgern vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgegeben werden m\u00fcssen. Die heutigen Ma\u00dfnahmenpakete verlangen aber das Gegenteil: Trotz Bepreisung sollen Regulierungen ausgebaut werden und (scheinbar) klimafreundliche Handlungsalternativen sollen weiter subventioniert werden. Damit wird weder dem Klima gedient und schon gar nicht den B\u00fcrgern. Kostenwahrheit wird so zu Kostenscheinwahrheit, die Klientelpolitik und massive Umverteilung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Echte Kostenwahrheit bringt mehr<\/strong><\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re echte Kostenwahrheit noch vorteilhafter ist, als gemeinhin vermutet. Denn Kostenwahrheit veranlasst nicht nur Firmen und Individuen, die Konsequenzen ihrer Emissionen auf die Umwelt zu ber\u00fccksichtigen. Sie zwingt auch die politischen Entscheidungstr\u00e4ger, die externen Kosten des Klimawandels genauer zu erheben als bei Gebots- und Verbotsl\u00f6sungen. Und echte Kostenwahrheit weist auf die enormen Kosten von Subventionen hin.<\/p>\n<p>Wird Kostenwahrheit \u00fcberall angewendet, veranlasst sie dar\u00fcber hinaus die B\u00fcrger und Interessengruppen, die Kosten ihrer politischen Forderungen besser zu ber\u00fccksichtigen. Damit bringt sie nicht nur optimales wirtschaftliches Handeln, sondern einen wahrhaftigeren politischen Diskurs. Das w\u00fcrde Nachhaltigkeit in ihren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und \u00f6kologischen Dimensionen f\u00f6rdern und w\u00e4re damit weit umfassender als die derzeitige Klimapolitik.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Corona-Notstand d\u00fcrften bald Forderungen zur Ausrufung eines erneuten \u201eKlimanotstands\u201c drohen. 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