{"id":29832,"date":"2021-09-25T00:01:46","date_gmt":"2021-09-24T23:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29832"},"modified":"2025-12-01T18:26:30","modified_gmt":"2025-12-01T17:26:30","slug":"demographie-klimawandel-und-generationenkonflikte-hat-die-demokratie-eine-inter-generative-schlagseite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29832","title":{"rendered":"Demographie, Klimawandel und Generationenkonflikte <br><font size=3; color=grey>Hat die Demokratie eine inter-generative Schlagseite? <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eEs ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu m\u00fcssen, die sie nicht geschaffen hat.\u201c<\/em> (John F. Kennedy)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Welt ver\u00e4ndert sich gerade nachhaltig, wieder einmal. Mega-Trends fressen sich durch \u00d6konomie, \u00d6kologie und Gesellschaft. Demographie und Dekarbonisierung z\u00e4hlen dazu. Der Wandel in der Altersstruktur ist schon seit l\u00e4ngerem in vollem Gang. R\u00fcckl\u00e4ufige Geburtenraten, erwerbsm\u00fcde Boomer und steigende Lebenserwartung sind wichtige Treiber. Auch der Klimawandel ist l\u00e4ngst sp\u00fcrbar. Hitzewellen und Unwetter sind Vorboten. Der massive Aussto\u00df von CO2 heizt die Erde auf. Beide, Demographie und Klima, verursachen Lasten. Der demographische Wandel zeigt sich in den umlagefinanzierten Systemen der sozialen Sicherung in finanziellen Ungleichgewichten, vor allem der Alterssicherung. Alte Versprechungen der Gesellschaft gegen\u00fcber Beitragszahlern (Beitragssatz) und Transferempf\u00e4ngern (Rentenniveau) k\u00f6nnen nicht mehr eingehalten werden. Auch der Klimawandel ist kostentr\u00e4chtig. Er verursacht nicht nur \u00f6kologische und \u00f6konomische Sch\u00e4den. Die Kosten der Dekarbonisierung kommen dazu. Damit ist (Verteilungs-)Streit vorprogrammiert: Wer tr\u00e4gt die Kosten des demographischen und klimatischen Wandels? Alte, junge und k\u00fcnftige Generationen stehen bei der Demographie zur Auswahl. Es droht ein Generationenkonflikt. Das ist beim Klimawandel nicht anders. Auch hier droht der Streit um das noch verf\u00fcgbare CO2-Restbudget, in einem Konflikt zwischen den Generationen zu enden. Demokratien in alternden Gesellschaften haben eine Schlagseite zugunsten der Alten. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass j\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen in Generationenkonflikten den K\u00fcrzeren ziehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Demographische und klimatische Lasten<\/strong><\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von Demographie und Alterssicherung ist nicht konfliktfrei. In umlagefinanzierten Systemen beeinflussen demographische Entwicklungen die finanzielle Lage staatlich organisierter Alterssicherungen. Ver\u00e4ndert sich der Rentnerquotient nicht, bleiben Beitragss\u00e4tze und Rentenniveau stabil. Finanzielle Ungleichgewichte bleiben aus. Der Generationenvertrag ist stabil. Immer vorausgesetzt, die Politik verteilt in der Rentenversicherung nicht inter-personell um. Das alles \u00e4ndert sich, wenn der Rentnerquotient steigt. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen r\u00fcckl\u00e4ufige Geburtenraten, steigende Lebenserwartungen aber auch Netto-Abwanderungen sein. Die letzten Jahrzehnte waren nicht nur von einer stark r\u00fcckl\u00e4ufigen Fertilit\u00e4t gepr\u00e4gt und die Menschen leben auch immer l\u00e4nger (ges\u00fcnder). Beides setzt der umlagefinanzierten Rentenversicherung finanziell zu. Der H\u00f6hepunkt der Lasten aus dem Geburtenr\u00fcckgang wird Mitte der 30er Jahre erreicht werden. Er wird ab Ende der 20er Jahre verst\u00e4rkt, weil die \u201eBoomer\u201c in den Ruhestand gehen. Danach ist die demographische Geburtenwelle durch. Ruhe kehrt in der Rentenversicherung dennoch nicht ein. Steigt die Lebenserwartung weiter, sind bis Mitte der 60er Jahre weitere Belastungen unvermeidlich.<\/p>\n<p>Der demographische Wandel tr\u00e4gt dazu bei, dass die Politik das Versprechen, Beitragss\u00e4tze und Rentenniveau stabil zu halten, nicht wird halten k\u00f6nnen. Mit h\u00f6heren Bundeszusch\u00fcssen versucht sie zwar, das Problem zu verschleiern. Das wird ihr aber allenfalls tempor\u00e4r gelingen. Was bei den Beitragss\u00e4tzen eingespart wird, geht bei den Steuers\u00e4tzen wieder drauf. Die demographischen Lasten lassen sich nur verringern, wenn die Altersgrenze mit der Lebenserwartung ansteigt. Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, die Lasten m\u00fcssen zwischen j\u00fcngeren und \u00e4lteren Generationen aufgeteilt werden. Eine andere L\u00f6sung existiert nicht. Die Gefahr eines Generationenkonfliktes nimmt unweigerlich zu. Ein solcher Konflikt hat auch damit zu tun, dass das Alterssicherungssystem umlagefinanziert ist. Solche Systeme sind anf\u00e4llig f\u00fcr demographische Schocks. Das ist bei kapitalfundierten Systemen der Alterssicherung anders. Hierbei spielen die nationalen demographischen Gegebenheiten nur eine untergeordnete Rolle. Es ist die Entwicklung der Weltbev\u00f6lkerung, die \u00fcber die Ertr\u00e4ge des Systems entscheidet. Kapitalfundierte Alterssicherungssysteme sind weniger anf\u00e4llig f\u00fcr demographische Schocks. Sie helfen, Generationenkonflikte zu verringern.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige \u00f6ffentliche Diskussion hat eine klimapolitische Schlagseite. Vor allem die j\u00fcngere Generation weist seit einiger Zeit vehement auf die Lasten des klimapolitischen Wandels hin. Fridays for Future ist nur die Spitze des Eisberges des Protestes gegen das klimapolitische \u201eNichtstun\u201c. Sie bef\u00fcrchtet vor allem darunter zu leiden. Im Fr\u00fchjahr hat auch das Bundesverfassungsgericht die Politik angemahnt, mehr gegen den Klimawandel zu tun, um die Freiheitsrechte k\u00fcnftiger Generationen nicht zu stark einzuschr\u00e4nken. Wer heute klimapolitisch zu wenig tue, verlagere die Lasten auf sp\u00e4tere Generationen. Die m\u00fcssten Lasten tragen, unter denen sie erdr\u00fcckt w\u00fcrden. Ihre Entscheidungsfreiheit w\u00fcrde unzumutbar eingeschr\u00e4nkt. Das sei nicht hinzunehmen. Der Klimawandel ist unbestritten. Als ein elementarer Treiber hat die Wissenschaft den CO2-Aussto\u00df ermittelt. Den gilt es zu bek\u00e4mpfen. Die Lasten des Klimawandels werden auf zwei unterschiedlichen Ebenen sichtbar. Zum einen hat die Erderw\u00e4rmung negative \u00f6kologische und \u00f6konomische Folgen. Der Meeresspiegel steigt, der Permafrost schwindet, mehr extremes Wetter tritt auf. Das sind nur einige wenige \u00f6kologische Aspekte. \u00d6konomisch beschleunigt die Erderw\u00e4rmung den strukturellen Wandel weltweit. Und er trifft vor allem die \u00c4rmsten der Welt. Deren Leben wird bedroht, Lebensmittelunsicherheiten nehmen zu, der Hunger breitet sich weiter aus.<\/p>\n<p>Die Lasten des Klimawandels zeigen sich zum anderen in den Kosten der Dekarbonisierung. In den Vertr\u00e4gen von Paris haben sich die Staaten auf ein 1,5-Grad-Ziel verst\u00e4ndigt. Ein erheblicher Teil der erlaubten CO2-Emmissionen ist aber schon verpulvert. Es bleibt nur noch ein geringes, fixes Treibhausgas-Restbudget, das auf die L\u00e4nder verteilt werden kann. Der CO2-Aussto\u00df muss sp\u00fcrbar und nachhaltig verringert werden. Die Meinungen, ob und wie das geschehen sollte, gehen auseinander. Die einen setzen auf Verzicht. Der private Konsum soll eingeschr\u00e4nkt, das wirtschaftliche Wachstum verringert werden. Wer heute weniger Treibhausgase emittiert, muss morgen weniger CO2 reduzieren. Das sch\u00fcrt den Konflikt zwischen heutigen und k\u00fcnftigen Generationen. Andere setzen auf technischen Fortschritt. Wer heute verst\u00e4rkt in Forschung und Entwicklung investiert, kann morgen die CO2-Emmissionen kosteng\u00fcnstiger verringern. Wirtschaftliches Wachstum und Treibhausgas-Emissionen lassen sich entkoppeln. Rigide CO2-Kontingente heute sind nicht sinnvoll. Das verringert das Potential von Konflikten zwischen Generationen. Wie auch immer: Den Kosten der Dekarbonisierung kann man nicht entkommen. Allerdings: Die Kosten m\u00fcssen minimiert werden. Die heutige Klimapolitik macht oft das glatte Gegenteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Demographie und Generationen<\/strong><\/p>\n<p>Demographischer und klimatischer Wandel kosten. Ein Verlust an Wohlstand ist zumindest kurzfristig nicht zu vermeiden. Der Spielraum, die Lasten zu verringern, ist begrenzt. Das gilt f\u00fcr die umlagefinanzierte Alterssicherung wie die staatliche Klimapolitik. Die Gefahr ist allerdings gro\u00df, dass ineffiziente renten- und klimapolitische Entscheidungen die Lasten erh\u00f6hen. F\u00fcr beide gibt es gen\u00fcgend schlechte Beispiele. Es f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, die Lasten aus demographischem und klimatischem Wandel m\u00fcssen getragen werden. Die Gesellschaft kommt nicht darum herum, zu entscheiden, wie sie auf Individuen, wie sie auf Generationen verteilt werden sollen. Jede Entscheidung ist eine normative, also eine von Werturteilen gepr\u00e4gte. Man kann sie teilen, muss sie aber nicht. Die Gesellschaft hat allerdings allgemein akzeptierte Werturteile entwickelt. Diese Prinzipien sind die normative Grundlage, wie Lasten verteilt werden sollen. Ein erstes ist das Verursacher-Prinzip. Wer f\u00fcr einen Schaden verantwortlich ist, soll auch daf\u00fcr aufkommen. Ein zweites ist das Leistungsf\u00e4higkeits-Prinzip. St\u00e4rkere Schultern sollen mehr tragen als schwache. Ein drittes ist schlie\u00dflich das Gleichheits-Prinzip. Alle sollen gleicherma\u00dfen an den Lasten beteiligt werden. Das gilt f\u00fcr einzelne Individuen, es trifft aber auch f\u00fcr Generationen zu.<\/p>\n<p>Die demographischen Lasten der umlagefinanzierten Alterssicherung haben zwei Treiber: Einen R\u00fcckgang der Fertilit\u00e4t und einen Anstieg der Lebenserwartung. Der Geburtenr\u00fcckgang beruht auf zurechenbaren individuellen Entscheidungen. Es spricht deshalb auf den ersten Blick einiges daf\u00fcr, die daraus resultierenden demographischen Lasten individuell anzulasten. Das Verursacher-Prinzip w\u00fcrde kinderabh\u00e4ngige Beitragss\u00e4tze oder eine nach Kinderzahl gestaffelte Rente nahelegen. Diese Schlussfolgerung wird aber nirgends in die Tat umgesetzt. Einige Gr\u00fcnde liegen auf der Hand. Die Wohlstandsentwicklung h\u00e4ngt nicht nur von der Zahl der Kinder, sondern auch von deren Produktivit\u00e4t ab. Schon der Nobelpreistr\u00e4ger Garry S. Becker hat auf die negative Beziehung von Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t von Kindern hingewiesen. Und noch etwas spricht gegen das einfache, an individuellem Verhalten festgemachte demographische Verursacher-Prinzip. Der Wohlstand wird nicht nur von der Menge und Produktivit\u00e4t der Arbeit, sondern auch von Realkapital und technischem Fortschritt bestimmt, der oft an Kapital gebunden ist. Eine wichtige Determinante, privates Kapital zu bilden, ist die H\u00f6he der privaten Ersparnisse. Die Sparquote der Individuen mit geringer Kinderzahl ist aber h\u00f6her als die der Individuen mit mehr Kindern. Es scheint so, als ob die einen verst\u00e4rkt in Kinder, andere vermehrt in Realkapital investierten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird aber das Loch, das der Geburtenr\u00fcckgang in die Rentenkasse rei\u00dft, nicht nach dem Verursacher-Prinzip gestopft, weder individuell noch kollektiv. Die Rentenreformen der 00er Jahre teilten die Lasten aus der geringeren Fertilit\u00e4t eher nach dem Gleichheits-Prinzip auf. Das Ziel war es, Beitragszahler und Rentenempf\u00e4nger m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfig zu belasten. Eine ausgekl\u00fcgelte Reform sollte das bewerkstelligen. Die Beitragss\u00e4tze sollten nicht h\u00f6her als auf 22 % steigen, das Rentenniveau h\u00f6chstens auf 43 % sinken, die Altersgrenze sukzessive auf 67 Jahre steigen. Die Riester-Rente sollte die L\u00fccke ausgleichen, die das r\u00fcckl\u00e4ufige Rentenniveau riss. Die verteilungspolitische Norm der gleichm\u00e4\u00dfigen Belastung der Generationen wurde mit der Rentenreform 2019 aufgeweicht. Die Gro\u00dfe Koalition f\u00fchrte eine doppelte Haltelinie ein. Das Rentenniveau sollte nicht unter 48 % sinken, die Beitragss\u00e4tze nicht \u00fcber 20 % steigen. Die Rente mit 63 f\u00fcr bestimmte Erwerbst\u00e4tige weichte den Anstieg der Regelaltersgrenze auf. Der Nachholfaktor wurde ausgesetzt. Das beg\u00fcnstigt die Rentner auf Kosten der Erwerbst\u00e4tigen. Die finanziellen L\u00f6cher, die durch die Rentenreform 2019 gerissen wurden, sollen durch noch h\u00f6here Bundeszusch\u00fcsse gestopft werden. Die verteilungspolitische Norm einer m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfigen Verteilung der Lasten wurde im demokratischen Prozess zugunsten der zahlenm\u00e4\u00dfig wichtigen Generation der Alten korrigiert.<\/p>\n<p>L\u00e4nger zu leben, ist keine Last, sondern ein Gl\u00fcck, zumindest prinzipiell. F\u00fcr die umlagefinanzierte Alterssicherung ist sie aber eine finanzielle Belastung, wenn die Regelaltersgrenze trotz steigender Lebenserwartung starr bleibt. Gilt das Verursacher-Prinzip als Verteilungsnorm, muss die allgemeine Altersgrenze mit der Lebenserwartung steigen. Eine individuelle Anwendung des Prinzips erscheint allerdings kaum gerechtfertigt und auch nicht praktikabel. Zwar h\u00e4ngt die individuelle Lebenserwartung auch von individuellen Faktoren, wie dem Einkommen, dem Gesundheitsverhalten und der Bildung ab. Getrieben wird der Prozess aber vor allem von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Eine der wichtigsten ist der rasante medizinisch-technische Fortschritt. Trotzdem muss entschieden werden, wie in der umlagefinanzierten Alterssicherung die \u201eLast\u201c eines l\u00e4ngeren Lebens kollektiv auf Beitragszahler und Rentenempf\u00e4nger aufgeteilt wird. In der Vergangenheit wurde sie im Verh\u00e4ltnis 2:1 auf beide Gruppen verteilt. Stieg die Lebenserwartung um ein Jahr, mussten die Beitragszahler 8 Monate l\u00e4nger arbeiten, als Rentner konnten sie 4 Monate l\u00e4nger den Ruhestand genie\u00dfen. Das war die allgemein akzeptierte Verteilungsnorm. Der normative Verteilungsschl\u00fcssel ist allerdings nicht in Stein gemei\u00dfelt. Ob auch k\u00fcnftig eine steigende Lebenserwartung im Verh\u00e4ltnis 2:1 verteilt werden soll, muss die Gesellschaft entscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Klimawandel und Generationen<\/strong><\/p>\n<p>Die Kosten einer Politik der Dekarbonisierung haben zwei Bestandteile. Zum einen werden die externen Effekte der C02-Emissionen internalisiert, zum anderen braucht es massive Investitionen zur \u00f6kologischen Transformation. In beiden F\u00e4llen kann man nicht allein auf den Markt setzen. Staatliche Hilfe ist notwendig. Es ist unbestritten, C02-Emissionen m\u00fcssen einen Preis erhalten. Nur so kann es gelingen, die Kosten aus den Treibhausgasen verursacherad\u00e4quat den Emittenten anzulasten. Ein C02-Preis schafft auch Anreize, f\u00fcr klimatechnologischen Fortschritt. Die Chancen steigen, Emissionen kosteng\u00fcnstiger zu bek\u00e4mpfen. \u00dcber den Weg, wie Emissionen bepreist werden sollen, besteht allerdings Uneinigkeit. Der interventionistische Weg \u00fcber Regulierungen und Subventionen hat offenkundige Nachteile. Er erreicht die klimapolitischen Ziele oft nicht, ist sehr teuer und endet viel zu oft in einer Klientelpolitik. Besser schneidet der marktliche Weg \u00fcber einen Handel mit Emissionszertifikaten oder einer C02-Steuer ab. Welcher der beiden Pfade der bessere ist, bleibt aber umstritten. Beim Emissionshandel (\u201ecap and trade\u201c) wird die Emissionsmenge fixiert. Der C02-Preis passt sich an. Er schwankt mit Angebot und Nachfrage auf den Zertifikationsm\u00e4rkten. Eine C02-Steuer fixiert den C02-Preis. Die Emissionsmenge ist unbestimmt.<\/p>\n<p>Eine verursacherorientierte Klimapolitik, die den C02-Aussto\u00df jetzt bepreist, h\u00e4lt die Welt von den bef\u00fcrchteten, nicht eindeutigen definierbaren Kipppunkten der Erderw\u00e4rmung fern, ab denen es keine R\u00fcckkehr mehr gibt. Eine solche Politik kann helfen, das komplexe System des Weltklimas zu stabilisieren. Voraussetzung ist allerdings, dass m\u00f6glichst viele Staaten weltweit mitmachen. Die relativen Gewinner sind j\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen. Der L\u00f6wenanteil der C02-Reduzierungskosten muss von den heutigen Generationen getragen werden. Wohlfahrtsverluste sind unvermeidlich. Es ist vor allem die erwerbst\u00e4tige Generation, die zur Klimakasse gebeten wird. Die Umstellung auf eine klimaneutralere Produktion beschleunigt den sektoralen Strukturwandel. Das tut kurz- und mittelfristig der (industriellen) Besch\u00e4ftigung nicht gut. Vor allem C02-intensive Branchen und ihre Besch\u00e4ftigten werden darunter leiden. Viele Industriebesch\u00e4ftige in Deutschland trifft es besonders hart. Sie m\u00fcssen sich gleichzeitig mit dem seit langem verschleppten Wandel des Industriesektors und dem Wandel durch die \u00f6kologische Transformation herumschlagen. J\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen leiden weniger. Sie sind nicht in der kostentr\u00e4chtigsten und besch\u00e4ftigungsinstabilsten Phase des \u00f6kologischen Transformationsprozesses erwerbst\u00e4tig.<\/p>\n<p>Der Handel mit Emissionszertifikaten ist ein kraftvolles Instrument auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralit\u00e4t. Er internalisiert nicht nur negative externe Effekte, er schafft auch Anreize f\u00fcr klimatechnologischen Fortschritt. Notwendig sind aber auch klimapolitische Investitionen. Der Bedarf ist gro\u00df. Allein f\u00fcr Deutschland wird in den n\u00e4chsten Jahren ein Investitionsbedarf von \u00fcber 2 Billionen Mrd. Euro veranschlagt. Der Gro\u00dfteil muss von privaten Investoren gestemmt werden. Ein Abbau von Investitionshemmnissen ist angezeigt. Aber auch der staatliche Investitionsbedarf ist erheblich. Dabei mangelt es vor allem an der notwendigen Infrastruktur. Das gilt f\u00fcr Leitungsnetze, es trifft f\u00fcr Energiespeicher zu, es gilt f\u00fcr die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur. Gesch\u00e4tzt wird das Verh\u00e4ltnis von privaten zu staatlichen Investitionen auf 8:1. Das alles muss finanziert werden. Wer soll die Lasten staatlicher Investitionen tragen? Ob man die Investitionen \u00fcber (progressive) Steuern oder staatliche Verschuldung finanziert, letztlich wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Die gesellschaftlich allgemein akzeptierte Verteilungsnorm ist das Prinzip der individuellen Leistungsf\u00e4higkeit. Da investive Ertr\u00e4ge nicht nur der heutigen, sondern auch k\u00fcnftigen Generationen zuflie\u00dfen, ist eine staatliche Verschuldung angezeigt. Auf diesem Weg werden die Lasten nicht nur einer Generation aufgeladen, sondern \u00fcber Generationen hinweg verteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Demographie, Klimawandel und Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Eine Reform des gegenw\u00e4rtigen Systems der Alterssicherung ist unvermeidlich. Die Leitlinien liegen auf der Hand. Eine umlagefinanzierte Alterssicherung sollte sich idealerweise allein aus den Beitr\u00e4gen der Versicherten finanzieren. Die Reformf\u00e4higkeit umlagefinanzierter Alterssicherungssysteme leidet massiv, wenn sie am finanziellen Tropf der Politik h\u00e4ngen. Steuerfinanzierte Bundeszusch\u00fcsse sind abzuschaffen, die Umverteilung ist aus dem System auszulagern. Der richtige Platz ist das Steuer-Transfer-System. Die Folgen demographischen Wandels sollten verursacherad\u00e4quat angelastet werden. Das w\u00e4re generationenneutral. Die herrschende inter-generative Verteilungsnorm ist aber eine andere. Demographische Lasten aus einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Fertilit\u00e4t werden m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfig auf Beitragszahler und Rentenempf\u00e4nger aufgeteilt. Das ist nicht verursacherad\u00e4quat. Die Rentnergeneration wird beg\u00fcnstigt, die Generation der Beitragszahler relativ benachteiligt. Bei den zu erwartenden individuellen Ertr\u00e4gen &#8211; aber finanziellen Lasten f\u00fcr eine umlagefinanzierte Alterssicherung &#8211; einer weiter steigenden Lebenserwartung k\u00f6nnte es noch schlimmer kommen. Die traditionelle Verteilungsnorm 2:1 wird immer weniger akzeptiert. Eine Erh\u00f6hung des Renteneintrittsalters wird von einer breiten Mehrheit der W\u00e4hler kategorisch abgelehnt.<\/p>\n<p>Der demokratische Prozess hat in einer alternden Gesellschaft eine Schlagseite zugunsten der \u00e4lteren Generationen. Das gilt auch f\u00fcr die Rentenpolitik. Die Politik hat wenige Anreize, gegen die \u00c4lteren zu reagieren. Solange rentenpolitische Entscheidungen nicht mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden, wird das auch so bleiben. Der Medianw\u00e4hler ist gegenw\u00e4rtig schon \u00fcber 54 Jahre alt. Die Tendenz ist weiter steigend. Der Einfluss ist faktisch noch gr\u00f6\u00dfer, weil \u00c4ltere eher zur Wahl gehen als J\u00fcngere. Ein Generationenkonflikt scheint vorprogrammiert. Demographische Lasten werden nicht generationenneutral angelastet. J\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen k\u00f6nnten die Dummen sein. Dennoch halte ich eine solche Entwicklung eher f\u00fcr unwahrscheinlich. Die \u00e4ltere Generation hat Kinder und Enkel, wenn auch wegen des demographischen Wandels immer weniger. Damit ber\u00fccksichtigt sie auch deren Interessen mit. Und die H\u00f6he der Transfers an die \u00e4ltere Generation h\u00e4ngt von der wirtschaftlichen Leistungsf\u00e4higkeit der J\u00fcngeren ab. Die demographischen Lasten immer st\u00e4rker auf sie abzuw\u00e4lzen, unterh\u00f6hlt deren wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit und gef\u00e4hrdet somit die eigene Rente. Es hilft den \u00c4lteren nichts, wenn die J\u00fcngeren den Generationenvertrag aufk\u00fcndigen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Generationen auf einen Kompromiss einigen und einen Generationenkonflikt vermeiden.<\/p>\n<p>Das ist m\u00f6glicherweise beim Klimawandel anders. Ob sich die Generationen verst\u00e4ndigen, wer die Lasten des klimapolitischen Wandels tragen soll, steht noch in den Sternen. Ohne Einigung sind m\u00f6glicherweise junge und k\u00fcnftige Generationen die Dummen. Es ist unbestritten, externe Effekte, die den Klimawandel ausl\u00f6sen, m\u00fcssen internalisiert werden. Das gelingt am besten, wenn Treibhausgase einen Preis bekommen. Ohne nationale und internationale Mehrheiten geht das aber nicht. Es ist eines, klimapolitische Ziele zu proklamieren. Etwas anderes ist es allerdings, die klimapolitischen Kosten zu tragen. Einen nationalen Vorgeschmack zeigt die Kontroverse um h\u00f6here Preise f\u00fcr Strom und Benzin, hierzulande und anderswo, wie den Gelbwesten in Frankreich. Der Streik f\u00fcr den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen in der Automobilindustrie wirft ein weiteres Licht auf den klimapolitischen Widerstand der erwerbst\u00e4tigen Generation, wenn es ans Eingemachte geht. Es zeigt sich, dass \u201ealle\u201c f\u00fcr Klimaschutz sind. Allerdings vertreten die j\u00fcngere und \u00e4ltere Generation die Forderung nach einer klimaneutralen Welt kompromissloser als die erwerbst\u00e4tige Generation, die an ihre gef\u00e4hrdeten Arbeitspl\u00e4tze denkt. Und die skeptischere Generation hat einen Punkt. Nationale Aktivit\u00e4ten haben selbst in einem mittelgro\u00dfen Land wie Deutschland kaum einen Einfluss auf das Weltklima. Die C02-Reduktions- und klimapolitischen Investitionskosten zu schultern, macht nur Sinn, wenn weltweit m\u00f6glichst viele mitmachen. Und daran hapert es m\u00f6glicherweise.<\/p>\n<p>Weitere Stolpersteine, C02 wirksam zu bepreisen, liegen auf internationaler Ebene. Ein nationaler klimapolitischer Alleingang macht keinen Sinn. Dem Weltklima ist damit nicht geholfen. Ein Wasserbett-Effekt verhindert, dass weltweit der C02-Ausstoss sinkt. Was die einen weniger an Treibhausgasen in die Luft pusten, k\u00f6nnen die anderen mehr aussto\u00dfen. Der Verlust an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Landes, das klimapolitisch voranschreitet, ist erheblich. Auch eine koordinierte EU-Klimapolitik hilft dem Weltklima wenig. Der Wasserbett-Effekt gilt weiter. Wirkt die Politik aber, ist der Anreiz zu internationalem Trittbrettfahrer-Verhalten gro\u00df. Und noch ein weiteres Problem droht. Solange gro\u00dfe L\u00e4nder, wie die USA, China, Indien und Brasilien, nicht mitmachen, C02 einheitlich zu bepreisen, sind handelspolitische Konflikte vorprogrammiert. Die EU verliert mit der alleinigen C02-Bepreisung an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Sie wird versuchen, \u00fcber Ma\u00dfnahmen, wie einen C02-Grenzausgleich, der nur schwer WTO-konform ausgestaltet werden kann, f\u00fcr handelspolitische Waffengleichheit zu sorgen. Damit steigt aber die Gefahr von Vergeltungsma\u00dfnahmen anderer gro\u00dfer L\u00e4nder. Protektionistische Entwicklungen sind kaum zu vermeiden. Dem Weltklima ist nicht geholfen, dem internationalen Handel wird geschadet.<\/p>\n<p>Die Aussichten sind nicht rosig, sich weltweit darauf zu verst\u00e4ndigen, die negativen externen Effekte zu internalisieren. Sie werden auch nicht besser, wenn die Interessen der noch weniger entwickelten L\u00e4nder ber\u00fccksichtigt werden, ganz im Gegenteil. Diese werden sich ihre Chancen, endlich den Wohlstand zu steigern, nicht durch klimapolitische Restriktionen nehmen lassen. Das alles spricht daf\u00fcr, dass die Lasten aus dem Klimawandel nicht generationenneutral verteilt werden. J\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen scheinen die Verlierer. So muss es aber nicht kommen. Die inter-generativen Konflikte l\u00f6sen sich in Luft auf, wenn es gelingt, erneuerbare Energien zu geringeren Kosten als fossile Energien zu erzeugen. Hoffnungstr\u00e4ger ist der technische Fortschritt. Es wird f\u00fcr alle L\u00e4nder vorteilhaft, auf weniger C02-intensive Energien umzusteigen. Allerdings werden die einen schneller als andere davon profitieren. Das Damoklesschwert einer aufgeheizten Erde, das \u00fcber k\u00fcnftigen Generationen schwebt, verliert seinen Schrecken. Wann allerdings diese Umwelttechnologien zur Verf\u00fcgung stehen werden, ist ungewiss. Bis dahin hat die j\u00fcngere Generation, die unter den Lasten des Klimawandels am st\u00e4rksten leiden w\u00fcrde, aber noch eine Notbremse in der Hinterhand: Die Atomenergie. Es gibt immer mehr L\u00e4nder, die sie f\u00fcr eine \u00dcbergangszeit nutzen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Generationenkonflikte sind Verteilungskonflikte. Demographischer und klimatischer Wandel verursachen Lasten. J\u00fcngere und \u00e4ltere Generationen sind uneins, wie die Lasten aufzuteilen sind. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass sich die Generationen noch immer geeinigt haben, wie demographische Lasten verteilt werden sollen. Das muss nicht so bleiben. Demokratie hat in einer alternden Gesellschaft eine Schlagseite zu Lasten der Jungen. Die starke gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit von Jung und Alt in der national organisierten, umlagefinanzierten Alterssicherung spricht allerdings daf\u00fcr, dass sie sich auch k\u00fcnftig \u00fcber die Verteilung demographischer Lasten einig werden. Das k\u00f6nnte bei den klimatischen Lasten anders sein. F\u00fcr eine Einigung braucht es nicht nur eine Verst\u00e4ndigung auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Vieles spricht daf\u00fcr, dass international die Interessengegens\u00e4tze gegenw\u00e4rtig zu gro\u00df sind. Einigt man sich nicht, w\u00e4ren j\u00fcngere und k\u00fcnftige Generationen die Dummen. Das muss aber nicht so kommen. Der technische Fortschritt wird ihnen zu Hilfe eilen. Er verringert die klimatischen Lasten. Bis er zum Tragen kommt, k\u00f6nnte die Atomenergie als \u00dcberbr\u00fcckungstechnologie die Treibhausgas-Emissionen verringern und m\u00f6gliche Generationenkonflikte entsch\u00e4rfen. Daf\u00fcr sollten sich auch j\u00fcngere Generationen einsetzen, wenn sie im Kampf gegen die Erderw\u00e4rmung nicht den K\u00fcrzeren ziehen wollen.<\/p>\n<p><strong>Podcasts zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29840\">Demographie und Klima (1): <\/a><span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Lassen sich Generationenkonflikte vermeiden? Prof. Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Bernd Raffelh\u00fcschen (ALU) und Prof. Dr. Joachim Weimann (OVG)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>J\u00f6rn Quitzau: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29321\">Nachhaltigkeit und das Klimaschutzgesetz: <\/a><span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Mit zweierlei Ma\u00df <\/span><\/p>\n<p>Norbert Berthold: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=26470\">Kampf der Generationen? <span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Demographie und Klima sind nicht generationenneutral<\/span><\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu m\u00fcssen, die sie nicht geschaffen hat.\u201c (John F. 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