{"id":29914,"date":"2021-10-11T00:10:19","date_gmt":"2021-10-10T23:10:19","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29914"},"modified":"2021-10-12T12:16:21","modified_gmt":"2021-10-12T11:16:21","slug":"the-simple-question-wie-bekaempft-man-den-klimawandel-erfolgreich-in-a-nutshell-die-oekonomie-des-klimawandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29914","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>The Simple Question <\/font><br\/>Wie bek\u00e4mpft man den Klimawandel erfolgreich? <br\/><font size=3; color=grey>In a nutshell: Die \u00d6konomie des Klimawandels <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Was ist die dr\u00e4ngendste Herausforderung der Menschheit? Es ist wenig \u00fcberraschend der Klimawandel. 67 Prozent der globalen Bev\u00f6lkerung <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2021\/03\/1088812\">denkt so<\/a>. Und wie schlagen wir uns bei der Bew\u00e4ltigung dieser Herausforderung? Auch hier ist die Antwort wenig \u00fcberraschend: ziemlich schlecht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Aussto\u00df der weltweiten Treibhausgasemissionen liegt heute rund 40 Prozent \u00fcber dem Wert von 1990 (Abb. 1).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/simple1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/simple1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Konsequenzen sind weitreichend: Der steigende Meeresspiegel zerst\u00f6rt Infrastruktur, Permafrostb\u00f6den tauen auf und extreme Wetterlagen treten h\u00e4ufiger auf. Am meisten leiden darunter \u00e4rmere Bev\u00f6lkerungsschichten: Ihr Risiko zu hungern steigt.<\/p>\n<p>Warum lassen wir diese Entwicklung zu? Der Klimawandel wird von den Menschen als gr\u00f6\u00dfte Herausforderung gesehen, bei Wahlen stimmen die meisten f\u00fcr die Reduktion der Emissionen &#8211; aber der globale Emissionsaussto\u00df steigt weiter. Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Widerspruch?<\/p>\n<p>Im Kern gibt es daf\u00fcr zwei Erkl\u00e4rungen: negative Externalit\u00e4ten und Trittbrettfahrer-Verhalten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: Was sind Externalit\u00e4ten, in diesem Fall negative Externalit\u00e4ten, auch negative externe Effekte genannt?\u00a0 Sie entstehen, wenn bei der Produktion oder beim Konsum eines Produkts einer dritten Partei Kosten entstehen, die mit dem eigentlichen Marktprozess zwischen Produzenten und Konsumenten nichts zu tun haben. Das war &#8211; und ist teilweise noch heute &#8211; bei der Emission von Treibhausgasen so. Diese sch\u00e4digen andere (Folgen des Klimawandels), ohne dass die Verursacher daf\u00fcr zur Verantwortung gezogen werden. Warum sollte ein Fabrik-Besitzer seine Emissionen reduzieren, wenn ihn die Emission nichts kostet? Warum sollten Autofahrer weniger fahren, wenn sie nicht f\u00fcr die negativen externen Effekte haften m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Es gibt Versuche, diese Externalit\u00e4ten zu quantifizieren. <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0305750X16304867?via%3Dihub\">Laut Internationalem W\u00e4hrungsfonds<\/a> belaufen sich die versteckten globalen Kosten fossiler Brennstoffe auf\u00a0 f\u00fcnf Billionen US-Dollar j\u00e4hrlich. Das entspricht 6,5 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.<\/p>\n<p><strong>Zwischenfazit Nummer eins<\/strong>: Externalit\u00e4ten f\u00fchren zu zu hohen Treibhausgasemissionen, weil die Verursacher nicht die Kosten der Verschmutzung tragen.<\/p>\n<p>Neben negativen externen Effekten gibt es einen zweiten Grund, warum die Treibhausgasemssionen zunehmen. Wegen Trittbrettfahrer-Verhaltens.<\/p>\n<p>Das Trittbrett-Fahrer-Problem ist eine Form von Marktversagen. Es tritt auf, wenn jene, die von Ressourcen (etwa saubere Luft), \u00f6ffentlichen G\u00fctern (etwa Stra\u00dfen oder Krankenh\u00e4user) oder Dienstleistungen mit Gemeinschaftscharakter (etwa Rechtssicherheit) nicht bezahlen oder zu wenig bezahlen.<\/p>\n<p>Beim Kampf gegen den Klimawandel tritt dieses Trittfahrer-Problem auf. Weil das Klima ein globales Gemeingut ist, kommen die Vorteile von Ma\u00dfnahmen zur Emissionsreduktion in einem Land allen L\u00e4ndern zugute. Die Folge: L\u00e4ndern, die einem rationalen Kalk\u00fcl unterliegen, werden ihre Minderungsbem\u00fchungen minimieren und versuchen als Trittbrettfahrer von den Anstrengungen anderer Staaten zu profitieren. Denken und handeln alle Staaten so, unterbleibt notweniger Klimaschutz.<\/p>\n<p><strong>Zwischenfazit Nummer zwei<\/strong>: Trittbrettfahrer-Verhalten tritt auf, wenn eine Partei von einem \u00f6ffentlichen Gut profitiert, ohne an den Kosten beteiligt zu werden. Im Falle internationaler Klimapolitik, hat jeder Staat den Anreiz sich auf die Emissions-Reduktion der anderen Staaten zu verlassen, ohne seine heimischen Emissionen anteilsm\u00e4\u00dfig zu reduzieren.<\/p>\n<p>Wie entkommen wir aus diesem doppelten Dilemma? Wir brauchen Preise f\u00fcr CO2-Emissionen und eine Club-Gr\u00fcndung.<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Literatur, die sich mit Marktversagen in Folge von Externalit\u00e4ten besch\u00e4ftigt, kennt im Kern drei Wege ein solches Marktversagen zu beheben:<\/p>\n<ul>\n<li>Die <strong>Besteuerung<\/strong> der Emittenten entsprechend der marginalen sozialen Grenzkosten, die so genannte Pigou-Steuer;<\/li>\n<li>die <strong>Vergabe von Eigentumsrechten<\/strong> an Emissionen mit darauffolgendem Handel mit diesen Eigentumsrechten;<\/li>\n<li>die<strong> Regulierung<\/strong> durch den Staat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die meisten \u00d6konomen sind der Meinung, dass der beste Weg, Treibhausgase zu reduzieren, der ist, den Emissionen einen Preis zu geben.<\/p>\n<p>Es gibt daf\u00fcr zwei Wege: ein <strong>\u2018Cap-and-Trade&#8216;-System<\/strong> oder eine <strong>Emissions-Steuer<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>In einem \u2018Cap-and-Trade&#8216;-System wird ein maximales Level an Verschmutzung (\u2018cap\u2019) definiert. Produzenten und andere (CO2)-Emittenten brauchen dann eine Lizenz um Kohlendioxid emittieren zu k\u00f6nnen. In der Folge schwankt der Preis pro Emissions-Einheit. Die Kosten der Lizenzen werden dabei durch ein Handelssystem bestimmt.<\/li>\n<li>Eine Emissions-Steuer ist eine Abgabe, die auf alle Waren und Dienstleistungen erhoben wird, bei deren Produktion etwa CO2 emittiert wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der \u00d6konom und Philosoph <u><a href=\"https:\/\/twitter.com\/MaxCRoser\">Max Roser<\/a><\/u> sagt in &#8222;<u><a href=\"https:\/\/ourworldindata.org\/carbon-price\">The argument for a carbon price<\/a><\/u>&#8222;:<\/p>\n<p>\u201cIn beiden Systemen steigt der Preis eines Produkts mit der Menge an Kohlenstoff, die bei seiner Herstellung emittiert wird. Das Ergebnis ist, Produkte mit geringem CO2-Fu\u00dfabdruck (wie Bahnfahren oder Solarenergie) werden kaum teurer, w\u00e4hrend G\u00fcter, die viel Emissionen verursachen (wie Flugverkehr oder Kohleverstromung), deutlich im Preis steigen. Dies hilft uns, Emissionen und Umweltverschmutzung auf zwei Arten zu reduzieren: Es verteuert kohlenstoffintensive Waren erheblich, was bedeutet, dass sich die Verbraucher f\u00fcr billigere kohlenstoffarme Alternativen entscheiden, wenn diese verf\u00fcgbar sind; und in M\u00e4rkten, auf denen sie noch nicht verf\u00fcgbar sind, werden die Hersteller Anreize erhalten, kohlenstoffarme Alternativen zu entwickeln.\u201d<\/p>\n<p>Beide Systeme, \u2018Cap-and-Trade&#8216; und CO2-Steuer, haben einen wichtigen Vorteil:<\/p>\n<ul>\n<li>Durch das Setzen eines Emissionsdeckels (der in der Regel so konstruiert ist, dass er im Zeitverlauf absinkt), gibt es eine gro\u00dfe Sicherheit dar\u00fcber, dass die gesteckten Ziele erreicht werden.<\/li>\n<li>Eine CO2-Steuer f\u00fchrt zu einem verl\u00e4sslichen Emissions-Preis, so dass Energie-Erzeuger und Unternehmer Investitionsentscheidungen ohne gro\u00dfe Sorge vor stark schwankenden Regulierungskosten treffen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt also praktikable L\u00f6sungen, um negative Externalit\u00e4ten zu internalisieren. Und in einigen Weltregionen wurden entsprechende L\u00f6sungen bereits implementiert. Die Richtung stimmt, der Umfang ist nicht ungen\u00fcgend.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte auch an der zweiten gro\u00dfen Herausforderung liegen: dem Trittbrettfahrer-Problem.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist hier, wie man der Tendenz von Staaten zum Trittbrettfahren erfolgversprechend entgegnen kann. Die einfache Antwort ist: Es braucht Anreize, um auf das Trittbrettfahren zu verzichten.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung: die <strong>Gr\u00fcndung eines<\/strong> <strong>Klubs<\/strong>.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Idee ist <u><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/William_Nordhaus\">William Nordhaus<\/a><\/u> (*1941) bekannt, der 2018 den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften erhielt.<\/p>\n<p>So <a href=\"https:\/\/issues.org\/climate-clubs-overcome-free-riding-climate-agreement-policy\/\">erkl\u00e4rt Nordhaus selbst die Idee<\/a>: \u201cAlso was ist ein Klub? Obwohl die meisten von uns Clubs angeh\u00f6ren, denken wir selten \u00fcber deren Struktur nach. Ein Club ist eine freiwillige Gruppe, die gegenseitigen Nutzen daraus zieht, die Kosten f\u00fcr die Herstellung eines gemeinsamen Gutes oder einer gemeinsamen Dienstleistung zu teilen. Die Gewinne eines erfolgreichen Clubs sind so gro\u00df, dass die Mitglieder Beitr\u00e4ge zahlen und sich an die Clubregeln halten, um die Vorteile der Mitgliedschaft zu nutzen.\u201d<\/p>\n<p>Der wesentliche Unterschied zu bestehenden Kooperationen wie dem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kyoto_Protocol\">Kyoto-Protokoll<\/a> und dem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Paris_Agreement\">Pariser Klima-Abkommen<\/a> besteht darin, dass bei einer Club-L\u00f6sung <strong>Nichtmitglieder bestraft werden k\u00f6nnen<\/strong>.<\/p>\n<p>Noch einmal Nordhaus: \u201cAls Strafe wird hier ein einheitlicher prozentualer Z\u00f6lle auf die Einfuhr von Nichtteilnehmern in die Clubregion vorgeschlagen. Berechnungen deuten darauf hin, dass ein relativ niedriger Strafzollsatz eine breite Beteiligung unter den L\u00e4ndern bewirken w\u00fcrde.\u201d<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Die L\u00e4nder A, B und C gr\u00fcnden den <strong>FCC<\/strong>-Club (<strong>F<\/strong>ight <strong>C<\/strong>limate <strong>C<\/strong>hange). Sie verpflichten sich, die CO2-Emissionen zu reduzieren, indem sie die Emissionen bepreisen. Land D macht nicht mit. In der Folge profitiert Land D von zwei Dingen: einer saubereren Umwelt und einer heimischen Industrie mit relativ niedrigeren Produktionskosten. Aber es gibt auch einen Nachteil f\u00fcr Land D: Es muss Strafz\u00f6lle zahlen, da es nach A, B oder C exportiert. Wenn die Z\u00f6lle die Vorteile der saubereren Umwelt und der niedrigeren Produktionskosten \u00fcbersteigen, profitiert Land D von einem Beitritt zum FCC-Club.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/simple2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/simple2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung:<\/strong><\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich, den <strong>Klimawandel<\/strong> <strong>erfolgreich zu bek\u00e4mpfen<\/strong>. Daf\u00fcr m\u00fcssen <strong>CO2-Emissionen weltweit bepreist werden<\/strong>. Wo dies bereits geschehen ist, k\u00f6nnen Wachstum und R\u00fcckgang von Treibhausgasemissionen zwei Seiten derselben Medaille sein (Abb. 2). Au\u00dferdem m\u00fcssen wir ein weltweites <strong>Klubmodell<\/strong> <strong>etablieren<\/strong>. Dies ist notwendig, um eine strategische Situation zu schaffen, in der L\u00e4nder, die in ihrem eigenen Interesse handeln, sich daf\u00fcr entscheiden, dem Club beizutreten und Emissionen zu reduzieren. In einer solchen Win-Win-Situation m\u00fcssen sich Menschen und L\u00e4nder nicht entscheiden, ob sie den Klimawandel bek\u00e4mpfen oder sich in ihrem eigenen Interesse verhalten. Was im eigenen Interesse liegt, ist dann gleichzeitig gut f\u00fcr die Umwelt. So geht gute Ordnungspolitik.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><em>Eine Frage \u2013 eine Antwort: \u201c<strong>The Simple Question<\/strong>\u201d beantwortet Fragen aus unser aller Leben mit Hilfe \u00f6konomischer Erkenntnis und in K\u00fcrze. Alle Folgen gibt es <u><a href=\"https:\/\/pixeleconomist.substack.com\/\">hier<\/a><\/u> (auf Englisch).<\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist die dr\u00e4ngendste Herausforderung der Menschheit? Es ist wenig \u00fcberraschend der Klimawandel. 67 Prozent der globalen Bev\u00f6lkerung denkt so. 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