{"id":30146,"date":"2021-11-26T11:46:21","date_gmt":"2021-11-26T10:46:21","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30146"},"modified":"2021-11-26T11:46:21","modified_gmt":"2021-11-26T10:46:21","slug":"am-aktuellen-rand-droht-uns-ein-german-subprime-die-bundesbank-warnt-vor-folgen-der-immobilienpreissteigerungen-auf-die-vergabe-von-wohnimmobilienkrediten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30146","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Am aktuellen Rand <\/font><br\/>Droht uns ein German Subprime? <br\/><font size=3; color=grey>Die Bundesbank warnt vor Folgen der Immobilienpreissteigerungen auf die Vergabe von Wohnimmobilienkrediten <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>\u201eFinanzstabilit\u00e4tsbericht\u201c \u2013 ein Wort, das bei aller Freude an stabilen Finanzen schon aus sich heraus den Charme eines verstaubten Archivs mit papierenen Kontoausz\u00fcgen aus dem letzten Jahrtausend vermittelt. Gleichwohl wird damit die j\u00e4hrlich aktualisierte Darstellung der Bundesbank zu diesem Thema betitelt und in diesem Jahr hatte ihre Vizepr\u00e4sidentin Claudia Buch die Aufgabe, die j\u00fcngsten Ergebnisse der interessierten \u00d6ffentlichkeit n\u00e4herzubringen. Dass dies alles nichts mit einem verstaubten Archiv zu tun haben soll, versteht sich von selbst, kann man doch sowohl den Bericht als auch Frau Buchs Eingangsstatement von der Homepage der Bundesbank herunterladen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nun muss man fairer Weise sagen, dass Berichte der Bundesbank bei aller amtlichen N\u00fcchternheit oft durchaus gut zu lesen und zu verstehen sind. Ob man ihnen inhaltlich folgt, ist dann allerdings eine andere Sache. Das mag auch daran liegen, dass diese Institution uns rechtzeitig vor unerfreulichen Entwicklungen warnen soll und dabei ist naturgem\u00e4\u00df Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Dies gilt umso mehr, als man im Vorfeld der Lehman-Krise die drohende Gefahr zumindest nicht in dem Ma\u00dfe auf dem Schirm hatte, wie sie sich dann in unvergessener Weise auf die Weltwirtschaft entlud \u2013 ja, auf die Weltwirtschaft und nicht nur auf einen eher abgegrenzten Teil des US-Immobilienmarkts samt seiner Finanzierung durch Instrumente, die seither auch au\u00dferhalb von Fachkreisen zumindest namentlich bekannt, aber mit Blick auf ihre damaligen Wirkungen nicht sonderlich beliebt sind.<\/p>\n<p>Auch diesmal findet sich im Finanzstabilit\u00e4tsbericht samt Frau Buchs Eingangsstatement ein Bezug auf potenzielle Risiken f\u00fcr die bzw. aus der Immobilienfinanzierung. Diesmal geht es freilich nicht um Subprime jenseits des Atlantiks, sondern um die traditionell brave Immobilienfinanzierung in good old Germany. Ausgangspunkt sind die weiteren kr\u00e4ftigen Preissteigerungen f\u00fcr Wohnimmobilien, denen die Einkommen privater Haushalte immer weniger folgen k\u00f6nnen. Der entscheidende Satz zu diesen \u201ePreis\u00fcbertreibungen\u201c auf S. 10 des Berichts lautet:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNach Sch\u00e4tzungen der Bundesbank lagen diese (Preis\u00fcbertreibungen, LK) im Jahr 2020 in Deutschland zwischen 10% und 30%.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die daran ankn\u00fcpfende Gefahr wird einstweilen im Konjunktiv formuliert:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEntsprechend k\u00f6nnten Kreditgeber die Werthaltigkeit von Kreditsicherheiten \u00fcbersch\u00e4tzen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Weiter geht es in die n\u00e4chste Seite hinein mit der absolut und im Verh\u00e4ltnis zu Einkommen steigenden Kreditierung von Wohnimmobilien und den daraus mittelfristig folgenden \u201eVerwundbarkeiten\u201c, bis die Konsequenz f\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t dann klar, doch einstweilen ebenfalls noch im Konjunktiv ausgesprochen wird:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs w\u00fcrde die Finanzstabilit\u00e4t gef\u00e4hrden, wenn am Immobilienmarkt eine destabilisierende Dynamik einsetzt, bei der steigende Kreditvolumina und Preise mit einer geringeren Schuldentragf\u00e4higkeit der Kreditnehmer einhergingen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer h\u00e4tte das gedacht, egal ob im Indikativ oder im Konjunktiv?<\/p>\n<p>Nun, bleiben wir sachlich: Ist das alles h\u00f6chst vorsorglicher F\u00fcllstoff f\u00fcr das j\u00e4hrliche Caveat oder steht uns ein German Subprime bevor? Andere Ausf\u00fchrungen zu dieser Problematik legen nahe, dass wohl eher die erste Alternative gilt. Auf S. 35 wird sehr sch\u00f6n gezeigt, dass die Kreditvergabestandards f\u00fcr neue Wohnungsbaukredite in Deutschland nicht aus dem Ruder laufen. Um dies zu \u00fcberpr\u00fcfen wurde zudem eine neue Datenerhebung angesto\u00dfen, die ab dem Ende des ersten Quartals 2023 interessante Information bieten soll. Indessen erstaunen die Bedenken der Bundesbank, wenn man die Verh\u00e4ltnisse der rechtlichen Vorgaben f\u00fcr die Immobilienkreditvergabe bedenkt. Grunds\u00e4tzlich gilt dabei wie auch ansonsten, dass der unbesicherte Teil eines Kredits eine hohe Eigenkapitalunterlegung durch die kreditierende Bank erfordert, was f\u00fcr diese nur interessant ist, wenn der Kunde den damit verbundenen h\u00f6heren Zinssatz akzeptiert.<\/p>\n<p>Damit r\u00fcckt die Beleihung des kreditierten Objekts als Sicherheit in den Vordergrund und dabei gelten strenge Regeln, die allesamt eine \u201evorsichtige Wertermittlung\u201c gew\u00e4hrleisten sollen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Im Zusammenspiel aus einschl\u00e4gigen Regelungen des Pfandbriefgesetzes und diverser Wertermittlungsverordnungen ist normalerweise eher eine zu konservative als eine zu liberale Beleihung zu erwarten. Beispielsweise sind die besonders wichtigen erstrangigen Grundpfandrechte auf 60% eines schon an sich vorsichtig ermittelten Beleihungswerts begrenzt. Wenn die Bundesbank selbst und die vielen anderen Kontrollinstanzen im Bankensektor funktionieren, sollte eine in gef\u00e4hrlicher Weise liberalisierte Kreditvergabe f\u00fcr Wohnimmobilien also kein dr\u00e4ngendes Thema f\u00fcr die Zukunft sein. Jedenfalls werden die unterstellten 10% bis 30% Preisblase allenfalls dann zum potenziellen Problem, wenn man die Kreditierung \u00fcber die Beleihungsgrenze ausdehnt und keine anderweitigen Sicherheiten vorliegen. Immerhin w\u00e4re man damit zumindest sprachlich im Subprime-Bereich und, zugegeben, dies ist keine extrem seltene Situation, aber die Entscheidungstr\u00e4ger in Kreditabteilungen sind regelm\u00e4\u00dfig weder unterbelichtete Freizeichner noch hemmungslose Zocker, die Verh\u00e4ltnisse wie damals in den Vereinigten Staaten zum Drehen eines ganz gro\u00dfen Rads ausnutzen wollen.<\/p>\n<p>Was Banken gegebenenfalls dennoch in diese wie auch andere Risiken treiben k\u00f6nnte, fehlt indessen im Finanzstabilit\u00e4tsbericht: Die Gesch\u00e4ftsgrundlagen der kleineren, regional aufgestellten Kreditinstitute erodieren seit Jahren (vgl. bereits <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15562\">http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15562<\/a>) und ein wesentlicher Teil dieser Erosion ist durch Ma\u00dfnahmen von Politik und EZB bedingt. Mangels Alternativen geht die eine oder andere Bank dann bei dramatisch geschrumpfter Zinsmarge auch das eine oder andere Risiko ein, das sich im Nachhinein oft als problematisch herausstellen wird. Das hei\u00dft indessen nicht, dass die Bundesbank dies guthei\u00dfen oder bagatellisieren sollte. Es w\u00e4re nur sch\u00f6n, wenn bei der Ursachenforschung f\u00fcr bedrohte Finanzstabilit\u00e4t nicht dem Notenbanksektor unangenehme Gefahrenquellen ausgeblendet blieben. Bei der beklagten Preisentwicklung f\u00fcr Immobilien ist indessen eine der Ursachen auch ohne explizite Darstellung offensichtlich: Wer Negativzinsen s\u00e4ht, sollte sich nicht wundern, wenn er\/sie eine Flucht in Betongold erntet!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. hierzu und zum Folgenden Knoll, Immobilien &amp; Finanzierung 6\/2020, S. 28 f.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFinanzstabilit\u00e4tsbericht\u201c \u2013 ein Wort, das bei aller Freude an stabilen Finanzen schon aus sich heraus den Charme eines verstaubten Archivs mit papierenen Kontoausz\u00fcgen aus dem &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30146\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<font size=3; color=grey>Am aktuellen Rand <\/font><br \/>Droht uns ein German Subprime? <br \/><font size=3; color=grey>Die Bundesbank warnt vor Folgen der Immobilienpreissteigerungen auf die Vergabe von Wohnimmobilienkrediten <\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":125,"featured_media":30149,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2900,3342],"tags":[549,4030,4031,511,1750],"class_list":["post-30146","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-finanzwirtschaftliches","category-immobiles","tag-bundesbank","tag-finanzmarktstabilitaetsbericht","tag-german-subprime","tag-immobilien","tag-knoll"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Am aktuellen Rand Droht uns ein German Subprime? 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