{"id":30167,"date":"2021-12-12T00:35:14","date_gmt":"2021-12-11T23:35:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30167"},"modified":"2025-10-20T08:17:52","modified_gmt":"2025-10-20T07:17:52","slug":"produktivitaetsraetsel-klimawandel-und-postwachstum-mehr-fortschritt-wagen-weniger-verzicht-ueben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30167","title":{"rendered":"Produktivit\u00e4tsr\u00e4tsel, Klimawandel und Postwachstum <br\/><font size=3; color=grey>Mehr Fortschritt wagen, weniger Verzicht \u00fcben <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eZwei Dinge sind unendlich, das Universum und die ben\u00f6tigten Versuche bis Sozialismus funktioniert, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher&#8220;<\/em> (Albert Einstein)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wirtschaftliches Wachstum ist eine relativ neue Entwicklung. \u00dcber Jahrhunderte stagnierte der Wohlstand. Erst gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm das wirtschaftliche Wachstum nach und nach Fahrt auf. \u00dcber die Gr\u00fcnde ist man sich heute weitgehend einig: Die Bev\u00f6lkerung wuchs langsamer, es gab viele institutionelle Innovationen, vor allem aber explodierte der technische Fortschritt. Das alles gab der wirtschaftlichen Entwicklung einen Schub. Der Wohlstand stieg, nicht nur f\u00fcr wenige. Die Armut wurde sp\u00fcrbar einged\u00e4mmt, es gab nun mehr als nur Almosen.\u00a0 Die individuelle Freiheit nahm zu, pers\u00f6nlich, wirtschaftlich und politisch. Das alles scheint wieder zur Disposition zu stehen. Postwachstums-\u00d6konomen fordern einen Verzicht auf wirtschaftliches Wachstum. Die Gr\u00fcnde sind schnell aufgez\u00e4hlt: Endliche Ressourcen w\u00fcrden einen weiteren ungehemmten Verbrauch verbieten. Die negativen Wirkungen des Wachstums auf das Klima seien f\u00fcr unseren Planeten lebensgef\u00e4hrlich. Wirtschaftliches Wachstum verteile Einkommen und Verm\u00f6gen h\u00f6chst ungleich, das sei ungerecht. Um diesen Entwicklungen endlich Einhalt zu gebieten, helfe nur Verzicht, um wirtschaftliches Wachstum zu verringern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie entsteht Wachstum?<\/strong><\/p>\n<p>Wachstum hat in der Bev\u00f6lkerung einen guten Ruf. Der kommt nicht von ungef\u00e4hr. Wachstum steht f\u00fcr mehr (materiellen) Wohlstand, wenn es gut l\u00e4uft f\u00fcr alle. Wachstum verringert aber auch die Lasten des strukturellen Wandels, intra- und inter-sektoral. Wachstum hilft im Kampf gegen die Armut (absolut und relativ) mit finanziellen Mitteln und einer h\u00f6heren sozialen Mobilit\u00e4t. Schlie\u00dflich sind mit Wachstum auch Verteilungskonflikte in einer Gesellschaft leichter l\u00f6sbar, intra- und inter-generativ. Wirtschaftliches Wachstum ist k\u00fcnftig n\u00f6tiger denn je. Nur so lassen sich die erheblichen finanziellen Mittel aufbringen, die im Kampf gegen den Klimawandel gebraucht werden. Wirtschaftliches Wachstum hat aber auch Risiken und Nebenwirkungen. Distributive Unebenheiten sind ein Problem. Mehr Wachstum bedeutet zwar (meist) einen effizienteren Einsatz knapper Ressourcen. Es geht aber auch mit einer interpersonell ungleicheren Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen einher. Ein weiteres Problem entsteht, weil wirtschaftliches Wachstum oft zu stark umwelt- und ressourcenfressend ist. Das ist der Fall, wenn externe Effekte nicht internalisiert und falsche Anreize zum Einsatz knapper (umweltlicher) Ressourcen gesetzt werden.<\/p>\n<p>Wirtschaftliches Wachstum entsteht nicht aus dem Nichts. Es ist das Ergebnis millionenfacher Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen und W\u00e4hlern. Private Haushalte entscheiden etwa \u00fcber das Angebot an Arbeit, die Investitionen in Humankapital, die Nachfrage nach G\u00fctern, das Angebot an Ersparnissen und die Nachfrage nach Krediten. Unternehmen treffen Entscheidungen u.a. \u00fcber die Nachfrage nach Arbeit, die Investitionen in Humankapital und Forschung und Entwicklung, das Angebot an G\u00fctern und (normalerweise) \u00fcber die Nachfrage nach Krediten. Die W\u00e4hler entscheiden \u00fcber den ordnungspolitischen Rahmen, den der Staat setzen soll, das staatliche Angebot an \u00f6ffentlichen G\u00fctern und \u00fcber staatliche Eingriffe in die M\u00e4rkte. Das Ergebnis dieser individuellen Entscheidungsprozesse ist das wirtschaftliche Wachstum. Wie es ausf\u00e4llt, ist unklar. Es kann (unterschiedlich) positiv oder negativ sein. Damit ist aber auch klar, dass es gegen die individuelle Entscheidungsfreiheit verst\u00f6\u00dft, wenn der Staat konkrete Ziele f\u00fcr das wirtschaftliche Wachstum vorgibt. Die beste Wachstumspolitik des Staates besteht darin, daf\u00fcr zu sorgen, dass individuelle Entscheidungen m\u00f6glichst unverzerrt gef\u00e4llt werden k\u00f6nnen. Auch eine Politik des generellen Verzichts auf Wachstum verst\u00f6\u00dft gegen den Primat der individuellen Entscheidungsfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ist das Wachstum verzerrt?<\/strong><\/p>\n<p>Es spricht einiges daf\u00fcr, dass die individuellen Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen und W\u00e4hlern verzerrt sind. Das Pro-Kopf-Einkommen in reichen Volkswirtschaften w\u00e4chst immer weniger schnell. Die Wachstumsschw\u00e4che ist eine Schw\u00e4che der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Das Besch\u00e4ftigungswachstum ist keine Hilfe. Es hat in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie keinen positiven Wachstumsbeitrag geleistet. Die Produktivit\u00e4tsschw\u00e4che ist vielen ein R\u00e4tsel. Empirisch unbestritten ist seit Anfang der 70er Jahre dreierlei: Der Beitrag der Qualit\u00e4t der Arbeit zum Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t hat sich nicht gravierend ver\u00e4ndert. Der Beitrag des Einsatzes von Realkapital ist leicht zur\u00fcckgegangen. Vor allem aber hat sich der Beitrag des technischen Fortschritts stark verringert. Die Produktivit\u00e4tsschw\u00e4che ist also eine Fortschrittsschw\u00e4che. Es spricht vieles daf\u00fcr, dass die treibende Kraft des technischen Fortschritts, die privaten Unternehmer, eingebremst wurde. Staat und Gesellschaft legen Unternehmen immer mehr Steine in den Weg. Sie lassen Unternehmer weniger unternehmen, sie sorgen daf\u00fcr, dass Unternehmer weniger unternehmen k\u00f6nnen und tun alles, dass Unternehmer nicht mehr unternehmen wollen (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5774\">hier<\/a>). Und Regulierungen und Subventionen schaffen Anreize f\u00fcr Unternehmen, eher Renten als Gewinne zu jagen.<\/p>\n<p>Das schwache wirtschaftliche Wachstum wird auch durch ein schwaches Wachstum der Besch\u00e4ftigung befeuert. Wie hoch es ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt vom Wachstum der Arbeitsstunden pro Erwerbst\u00e4tigem, dem Wachstum der Erwerbst\u00e4tigenquote und dem Wachstum der Erwerbsquote ab. Hohe Steuern und Abgaben, eine starre Altersgrenze und eine besch\u00e4ftigungssch\u00e4dliche Familienpolitik schw\u00e4chen das Wachstum der Arbeitsstunden pro Erwerbst\u00e4tigem. Verantwortung daf\u00fcr tr\u00e4gt vor allem die Politik. Das Wachstum der Erwerbst\u00e4tigenquote wird ganz wesentlich von einer persistent hohen (Langzeit)Arbeitslosigkeit behindert. Lohn-, Tarif- und Sozialpolitik sind die Ursachen. Verantwortlich sind Staat und Tarifvertragsparteien. Eine schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie aber auch Lohnl\u00fccken zwischen M\u00e4nnern und Frauen k\u00f6nnen eine h\u00f6here Erwerbsquote der Frauen verhindern. Viele behaupten das auch von einem Ehegattensplitting. Das Wachstum der Erwerbsquote f\u00e4llt deshalb geringer aus. Staat und Tarifpartner teilen sich die Verantwortung. Das alles und noch viel mehr verzerrt die individuellen Entscheidungen von Haushalten und Unternehmen. Das wirtschaftliche Wachstum ist zu wenig besch\u00e4ftigungsintensiv.<\/p>\n<p>Das wirtschaftliche Wachstum ist nicht nur zu gering und zu wenig besch\u00e4ftigungsintensiv, es ist auch zu umweltfressend. Die Erfahrung zeigt, bei den Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen und W\u00e4hlern werden nicht alle Kosten in das Kalk\u00fcl miteinbezogen. Positive und negative externe Effekte verzerren die Entscheidungen. Marktl\u00f6sungen sind nicht optimal. Staatliche Korrekturen, die externe Effekte internalisieren, sind erforderlich. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Preis f\u00fcr die Nutzung der Umwelt und des Klimas seit langem zu gering ausf\u00e4llt. Kein Wunder, dass die Umwelt und das Klima weltweit zu stark genutzt werden. Sch\u00e4den in der Umwelt und beim Klima sind bei \u00dcbernutzung aber unvermeidlich. Die Produktion von G\u00fctern und Diensten ist zu umweltfressend, bei G\u00fctern noch mehr als bei Dienstleistungen. Notwendig ist weltweit mehr Kostenwahrheit, um die Umwelt- und Klimasch\u00e4den zu verringern. Das ist nicht nur effizienter, sondern auch (inter-generativ) gerechter. Von einem solchen Zustand sind wir trotz erster Anstrengungen noch weit entfernt. Kyoto, Paris und Glasgow markieren den Weg. Solange Kostenwahrheit nicht realisiert ist, f\u00e4llt das wirtschaftliche Wachstum zu umweltfressend aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Warum weniger Wachstum?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kritik am Wachstum kommt vor allem von sogenannten Postwachstums-\u00d6konomen. Sie bem\u00e4ngeln vor allem dreierlei: 1) Nach dem Easterlin-Paradoxon ist ein h\u00f6heres Einkommen zwar positiv mit der Lebenszufriedenheit, der Gl\u00fccksgef\u00fchle korreliert. Ab einer gewissen Schwelle wachsen allerdings die individuellen Gl\u00fccksgef\u00fchle nicht mehr mit dem Einkommen. Postwachstums-\u00d6konomen argumentieren vor diesem Hintergrund, dass das Nutzen-Kosten-Kalk\u00fcl eines staatlich erzwungenen Wachstumsverzichtes positiv sei. Das gelte vor allem in reichen L\u00e4ndern mit relativ hohen Einkommen. Dort nehme die Lebenszufriedenheit mit wachsenden Einkommen nicht mehr zu. \u00d6kologische und distributive Ziele und mit ihnen der Nutzen f\u00fcr eine Gesellschaft lie\u00dfen sich mit einem staatlich verordneten Wachstumsverzicht ohne gro\u00dfe Verluste bei der Lebenszufriedenheit erreichen. Die Kritik am Easterlin-Paradoxon ist vielf\u00e4ltig. Es wurde empirisch mehrfach in Frage gestellt. Wichtiger erscheint allerdings der anma\u00dfende paternalistische Zug der Verzichts-Politik. Eine zentrale staatliche Instanz setzt die individuelle Entscheidungsfreiheit au\u00dfer Kraft. Und sie tritt autorit\u00e4r auf. Das ist in einer freiheitlichen Gesellschaft inakzeptabel.<\/p>\n<p>2) Postwachstums-\u00d6konomen argumentieren in der Tradition des Club of Rome. Endliche Ressourcen w\u00fcrden \u00fcber kurz oder lang\u00a0 einen Wachstumsverzicht notwendig machen. Das ist falsch. Es ist zwar richtig, die Vorr\u00e4te an einzelnen physischen Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt. Sie k\u00f6nnten zur Neige gehen. Der Mechanismus der relativen Preise setzt allerdings schon lange vorher vielf\u00e4ltige Substitutionsprozesse in Gang. Die Suche nach neuen physischen Ressourcen beginnt. Knappere Ressourcen werden durch reichlichere ersetzt. Neue Faktorkombinationen machen es m\u00f6glich, auch bei knapper werdenden physischen Ressourcen wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Das w\u00e4re selbst dann der Fall, wenn einzelne Ressourcen ersch\u00f6pft w\u00e4ren. Die wichtigste Ressource ist Wissen, technologisches und inkorporiertes (tacit knowledge). Es ist Aufgabe privater Unternehmer solche neuen Kombinationen zu entdecken. Sie sind die Tr\u00fcffelschweine der Marktwirtschaft. Man muss sie aber auch lassen. Technischer Fortschritt ist das Ergebnis. Er erweitert die Produktionsm\u00f6glichkeiten. \u201eEndliche\u201c Ressourcen sind kein schlagkr\u00e4ftiges Argument f\u00fcr einen staatlich verordneten Verzicht auf wirtschaftliches Wachstum.<\/p>\n<p>3) Das popul\u00e4rste Argument der Postwachstums-\u00d6konomen f\u00fcr einen Wachstumsverzicht sind negative externe Effekte. Mit einem staatlich verordneten Verzicht auf Wachstum werde weniger produziert. Negative externe Effekten tr\u00e4ten weniger auf. Die Sch\u00e4den f\u00fcr Umwelt und Klima w\u00fcrden verringert. Es ist unbestritten, negative externe Effekte existieren und sie schaden. Sie m\u00fcssen internalisiert werden. Die Postwachstums-\u00d6konomen wollen es allerdings mit dem Holzhammer erreichen. Mit einem erzwungenen Verzicht auf Wachstum pl\u00e4dieren sie f\u00fcr einen sehr kostspieligen Weg. Es gel\u00e4nge ihnen mit diesem Instrument nicht, Wachstum und Umweltverbrauch zu entkoppeln. Der Preis, den eine Gesellschaft \u00fcber starke Einkommens- und Wohlstandsverluste zahlen muss, w\u00e4re exorbitant hoch. Es ist unvorstellbar, dass sich eine in die internationale Arbeitsteilung eingebundene Gesellschaft auf diesen Weg verst\u00e4ndigt. Wesentlich kosteng\u00fcnstiger ist es, wenn die Strategie der Entkoppelung gel\u00e4nge. Die Erfahrung zeigt, das geht. Wirtschaftliches Wachstum und C0<sub>2<\/sub>-Emmission lassen sich entkoppeln. So stieg etwa das BIP in der EU zwischen 1990 und 2019 inflationsbereinigt um 60 %, der C0<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df ging in dieser Zeit um 24 % zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/Entkoppelung.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/Entkoppelung.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Entkoppeln statt verzichten<\/strong><\/p>\n<p>Ohne individuelle Entscheidungsfreiheit gibt es keine freie Gesellschaft. Meist ist sie mit Demokratie, Marktwirtschaft und Wohlstand verbunden. In Zeiten des aufziehenden massiven Klimawandels scheinen allerdings die konstituierenden Prinzipien freier Gesellschaften nicht mehr viel zu gelten. Im Interesse der \u00dcberlebensf\u00e4higkeit unseres Planeten stellen Postwachstums-\u00d6konomen die individuelle Entscheidungsfreiheit grunds\u00e4tzlich in Frage. Autorit\u00e4re Vorstellungen gewinnen an Boden. Der Staat (und seine Eliten) verordnen einen Verzicht auf Wohlstand. Er ma\u00dft sich ein Wissen \u00fcber die klimapolitische Weichenstellung an, das er den B\u00fcrgern abspricht. Der Wohlstand soll sozialvertr\u00e4glich auf ein \u00fcberlebensf\u00e4higes Niveau zur\u00fcckgebaut werden. Null-Wachstum reiche nicht, den Klimawandel auf den 1,5-Grad-Pfad zu bringen. Ziel ist eine Suffizienz-Wirtschaft. Es m\u00fcsse massiv von reich zu arm umverteilt werden, national und international. Die induzierten Verteilungsk\u00e4mpfe auf nationaler aber auch auf internationaler Ebene m\u00fcsse man in Kauf nehmen. Die marktwirtschaftliche Ordnung soll durch eine planwirtschaftliche ersetzt werden. Es ist offensichtlich, die Kosten einer solchen Verzichts-\u00d6konomie sind immens.<\/p>\n<p>Der Weg, den die Postwachstums-\u00d6konomen gehen wollen, ist ein gef\u00e4hrlicher Irrweg. Diesen Unfug sollten wir auch in Zeiten klimapolitischer Panik nicht machen. Wir verf\u00fcgen schon jetzt mit dem Emissionshandel \u00fcber ein einfacheres, wirksameres und kosteng\u00fcnstigeres Instrument, Wachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29825\">hier<\/a>; <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30049\">hier<\/a>). Negative externe Effekte lassen sich internalisieren, wenn es durch einen sektor\u00fcbergreifenden Emissionshandel gelingt, einen weltweit einheitlichen Preis f\u00fcr Treibhausgase zu installieren. Ein solcher Preis schafft nicht nur Anreize, Emissionen und Wertsch\u00f6pfung zu entkoppeln. Er motiviert auch zu verst\u00e4rkten Innovationen im Umweltsektor. Das verbilligt den Prozess der Entkoppelung. Der C0<sub>2<\/sub>-Preis muss weniger stark steigen, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen. Der umweltpolitische technische Fortschritt hat noch einen anderen positiven Effekt. Er verringert die Widerst\u00e4nde gegen die Einf\u00fchrung eines C0<sub>2<\/sub>-Preises, auf nationaler und internationaler Ebene. Soweit sind wir allerdings noch lange nicht. Ohne einen weltweiten Emissionshandel bleibt allerdings der Prozess der Entkoppelung nur St\u00fcckwerk. Ob der Weg \u00fcber einen \u201eKlimaclub der Willigen\u201c erfolgreich sein wird, ist ungewiss.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Welt hat gegenw\u00e4rtig viele Probleme. Der Klimawandel ist wohl eines der wichtigsten. Darunter leidet die ganze Welt. Der Kampf gegen die Erderw\u00e4rmung ist die Aufgabe der n\u00e4chsten Jahrzehnte. Er ist nicht kostenlos, er wird viele Ressourcen verschlingen. Wirtschaftliches Wachstum macht es leichter, die Lasten zu tragen. Darauf sollte man aber nicht allein setzen. Das Wachstum schw\u00e4chelt in den (reichen) L\u00e4ndern, in denen die meisten Treibhausgase emittiert werden. Das ist aber nicht alles. Gegenw\u00e4rtig sind die Anreize leider oft noch so gesetzt, dass Wachstum und Umweltverbrauch zu wenig voneinander abgekoppelt sind. Wer st\u00e4rker w\u00e4chst schadet dem Klima mehr. Es gibt zwei Wege, mit diesem Problem fertig zu werden, einen teuren und einen billigeren. Postwachstums-\u00d6konomen setzen mit Verzicht auf den ersten. Sie wollen das Wachstum verringern, um die Emission von Treibhausgasen zu begrenzen. Dieser Weg ist anma\u00dfend, planwirtschaftlich, kostspielig und wohlstandsvernichtend. Heftige Verteilungsk\u00e4mpfe pflastern seinen Weg. Mainstream-\u00d6konomen setzen darauf, Wachstum und Emissionen zu entkoppeln. Ein weltweites Emissionshandelssystem k\u00f6nnte diese Aufgabe erledigen. Der Zielkonflikt zwischen Wohlstand und Klima w\u00fcrde entsch\u00e4rft. Eine Wachstumspolitik des Staates, die hilft, individuelle Entscheidungen von Haushalten, Unternehmen und W\u00e4hlern m\u00f6glichst wieder unverzerrt zu treffen, k\u00f6nnte die Wachstumsschw\u00e4che beheben. Das Versprechen des Wachstums, Wohlstand f\u00fcr alle, k\u00f6nnte eingehalten, klimapolitische Lasten k\u00f6nnten leichter getragen werden. Nur: Wie l\u00f6sen wir das &#8222;gr\u00f6\u00dfte Kooperationsproblem der Menschheitsgeschichte&#8220; (Axel Ockenfels)?<\/p>\n<p><strong>Podcasts zum Thema<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30155\">Postwachstums\u00f6konomik. Entkoppeln statt verzichten\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Dr. J\u00f6rn Quitzau (Berenberg) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Jan Schnellenbach (BTU) und Prof. Dr. Norbert Berthold (JMU)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eZwei Dinge sind unendlich, das Universum und die ben\u00f6tigten Versuche bis Sozialismus funktioniert, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher&#8220; (Albert &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30167\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eProduktivit\u00e4tsr\u00e4tsel, Klimawandel und Postwachstum <br \/><font size=3; color=grey>Mehr Fortschritt wagen, weniger Verzicht \u00fcben <\/font>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":30170,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841,2576,876],"tags":[556,4039,1435,4033,4040,4038],"class_list":["post-30167","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klimatisches","category-produktives","category-wachstumspolitisches","tag-berthold","tag-entkoppelung","tag-klimawandel","tag-postwachstum","tag-produktivitaetsraetsel","tag-verzicht"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - 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