{"id":30659,"date":"2022-03-17T00:55:12","date_gmt":"2022-03-16T23:55:12","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30659"},"modified":"2022-03-17T06:41:26","modified_gmt":"2022-03-17T05:41:26","slug":"wie-sanktionen-ein-regime-staerken-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30659","title":{"rendered":"Wie Sanktionen ein Regime st\u00e4rken k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Sanktionen schw\u00e4chen die Wirtschaft des betroffenen Ziellandes. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch immer und notwendigerweise das Regime schw\u00e4chen. Viele autokratische Regierungen leben mit Sanktionen recht gut, relativ stabil und vor allem erstaunlich lange, wie zum Beispiel die Regime von Fidel Castro in Kuba, Saddam Hussein im Irak, Bashar al-Assad in Syrien, dem Kim-Clan in Nordkorea oder den Mullas im Iran zeigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sanktionen ver\u00e4ndern sowohl den wirtschaftlichen Spielraum des sanktionierten Regimes, wie auch jenen der B\u00fcrger sowie \u2013 falls in nennenswertem Ausma\u00df vorhanden \u2013 der Opposition. Eine Reihe von \u00f6konomischen Mechanismen spielen dabei eine fundamentale Rolle.<\/p>\n<h2>Stabil trotz Sanktionen<\/h2>\n<p>Sanktionen in Form einer Einschr\u00e4nkung der Importm\u00f6glichkeiten des sanktionierten Landes erh\u00f6hen dort die Knappheit. Das macht die entsprechenden Produkte und ihre Alternativen oft deutlich teurer. Die Einschr\u00e4nkung von Importm\u00f6glichkeiten wirkt dementsprechend \u00e4hnlich wie Protektionismus. Bekanntlich hat Protektionismus im Regelfall negative Folgen f\u00fcr die freie Wirtschaft und f\u00fchrt zu vielen Verlierern. Doch es gibt auch Profiteure. Die Profiteure sind jene, die aus den h\u00f6heren Preisen der knapp gewordenen G\u00fcter sowie ihrer Alternativen Gewinn schlagen k\u00f6nnen. Oft werden die Alternativen von dem Regime nahestehenden Kreisen produziert und die Inlandsproduktion wird vom Regime mitkontrolliert, womit beide durchaus zu den Profiteuren geh\u00f6ren k\u00f6nnen. In Kuba war das Castro-Regime nach Jahrzehnten mit Sanktionen fest im Sattel und kontrollierte gro\u00dfe Teile der Produktion \u2013 gleiches gilt im Iran f\u00fcr die Revolutionsgarden.<\/p>\n<p>Die Verknappung aufgrund von Sanktionen kann eine Rationierung der betreffenden Produkte und ihrer Nachprodukte notwendig machen. Die Verwaltung der Knappheit und die Verteilung der noch vorhandenen G\u00fcter \u00fcbernimmt das Regime nur allzu gerne. Dadurch kann es \u201eKollaboration\u201c erzwingen. Regimetreue Kreise werden bei der Verteilung bevorzugt behandelt, regimekritische Gesch\u00e4ftsleute gehen dagegen leer ausgehen l\u00e4sst. Die M\u00f6glichkeit der Verteilung der wenigen verbleibenden G\u00fcter kann dementsprechend als Machtinstrument missbraucht werden.<\/p>\n<p>Sanktionen bewirken Ausweichbewegungen in Form von Aktivit\u00e4ten, die dem Schmuggelwesen \u00e4hneln. Das Schmuggelwesen f\u00e4llt regimenahen Gruppen oft leichter als gew\u00f6hnlichen Gesch\u00e4ftsleuten. W\u00e4hrend das Ausland das Schmuggelwesen zu unterbinden sucht, damit die Sanktionen m\u00f6glichst eingehalten werden, versucht das Regime das Schmuggelwesen zu kontrollieren und die Gewinne daraus abzusch\u00f6pfen. So h\u00e4ufte das Baath-Regime unter Saddam Hussein Milliarden an Petrodollars w\u00e4hrend der Zeit der Irak-Sanktionen an.<\/p>\n<p>Der Abzug ausl\u00e4ndischer Unternehmen und Investoren aufgrund von Sanktionen f\u00fchrt zum Verkauf von deren Beteiligungen. Im Regelfall ist der Abzug f\u00fcr die betreffenden Unternehmen mit einem Verlust verbunden, weil sich schnelle Verk\u00e4ufe nur zu tiefen Preisen realisieren lassen. \u00dcber die notwendigen Geldmittel zum Kauf der zu Schleuderpreisen offerierten Beteiligungen verf\u00fcgen eher regimenahe Gruppierungen. Teilweise enteignen die sanktionierten Regime die noch vorhandenen ausl\u00e4ndischen Unternehmen, was wegen der Krise auf wenig Widerstand st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es nicht sein, dass sich die B\u00fcrger im sanktionierten Land aufgrund der hohen Kosten gegen das Regime erheben? Das ist m\u00f6glich, aber nicht besonders wahrscheinlich. Politischer Widerstand gegen ein autokratisches Regime ist ein \u00f6ffentliches Gut: Die Kosten des Widerstands tragen jene, die sich engagieren, der Nutzen des Widerstands kommt allen zugute. Die Anreize, zu opponieren sind daher klein und eine gut organisierte politische Opposition w\u00e4re notwendig. In einer Krise kommt hinzu, dass das Regime jede oppositionelle Regung noch st\u00e4rker unterdr\u00fcckt als sonst. Dar\u00fcber hinaus folgt auf ein autokratisches Regime leider nur selten eine demokratische, b\u00fcrgerorientierte Regierung. Und ein m\u00f6gliches Machtvakuum mit dem verbundenen Chaos nach einem Umsturz ist f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung oft noch schlimmer als die wirtschaftliche Verarmung aufgrund von Sanktionen.<\/p>\n<p>Neben diesen \u00f6konomischen Mechanismen k\u00f6nnten bei Sanktionen auch gewisse \u201epsychologische\u201c Effekte eine Rolle spielen. Zwar beobachten die B\u00fcrger im sanktionierten Staat, dass die wirtschaftliche Lage schlechter wird. Aber das bedeutet nicht notwendigerweise, dass sie dies als Beweis f\u00fcr das Versagen ihrer Regierung sehen. Manche k\u00f6nnten Sanktionen auch als \u201eBeweis\u201c daf\u00fcr verstehen, dass das Regime tats\u00e4chlich recht hat und es um einen kollektiven Kampf gegen das Ausland geht. Die Regimepropaganda liefert f\u00fcr eine solche Interpretation allzu gerne Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<h2>Warum trotzdem sanktionieren?<\/h2>\n<p>Trotzdem k\u00f6nnen Wirtschaftssanktionen sinnvoll sein. Je st\u00e4rker sie ausfallen, desto mehr schw\u00e4chen sie die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit des Ziellandes. Diese Schw\u00e4chung kann das milit\u00e4rische Potential reduzieren. Auf das Aggressionspotential wirken Sanktionen allerdings im Regelfall nicht kurzfristig, denn die Waffen f\u00fcr bestehende Aggressionen sind ja bereits vorhanden. Mittel- und l\u00e4ngerfristig kann sich die vom Regime ausgehende Gefahr reduzieren oder auf angrenzende, schw\u00e4chere L\u00e4nder begrenzen lassen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen Sanktionen als ein Signal verstanden werden, dass freie, demokratische L\u00e4nder bereit sind, Kosten einzugehen, um sich und ihre Werte zu verteidigen.<\/p>\n<p><strong>Hinweis: <\/strong>Eine modifizierte und gek\u00fcrzte Version dieses Beitrags erschien am 12. M\u00e4rz 2022 in der Wiener Zeitung.<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Andreas Freytag (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30634\">Hilft es der Ukraine, wenn es mit Russlands Wirtschaft bergab geht?<\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30523\">Russland fordert die NATO heraus. <\/a>Wie glaubw\u00fcrdig sind Sanktionsdrohungen?<\/p>\n<p>Norbert Berthold (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30430\">Die Politik wirtschaftlicher Sanktionen. \u00d6konomisch kostspielig, politisch ineffizient?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sanktionen schw\u00e4chen die Wirtschaft des betroffenen Ziellandes. 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