{"id":30905,"date":"2022-05-08T00:27:45","date_gmt":"2022-05-07T23:27:45","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30905"},"modified":"2022-05-08T06:04:49","modified_gmt":"2022-05-08T05:04:49","slug":"gastbeitrag-wahrnehmungsmuster-des-ukraine-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30905","title":{"rendered":"<font size=3; color=grey>Gastbeitrag <\/font><br\/>Wahrnehmungsmuster des Ukraine-Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. Februar 2022 begann Russland einen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seitdem wird dar\u00fcber medial berichtet und moralisch geurteilt. Im Folgenden wird untersucht, welche Wahrnehmungsmuster die politische Diskussion im deutschen Sprachraum dominieren \u2013 und welche Probleme damit verbunden sein k\u00f6nnten. Die Analyse erfolgt aus der Perspektive des ordonomischen Forschungsprogramms.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ordonomische Diagnose: Tradeoff-Denken<\/strong><\/p>\n<p>Die Ordonomik geht davon aus, dass Konflikte typischerweise den Wahrnehmungsrahmen eines Tradeoff-Denkens aktivieren und dominant werden lassen. Abbildung 1 hilft, sich das vor Augen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/piuk1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/piuk1.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>An den Achsen sind die Interessen der Ukraine (U) und Russlands (R) abgetragen. Das Tradeoff-Denken entspricht der negativ geneigten Linie. Innerhalb dieses Wahrnehmungsrahmens erscheint die russische Invasion als ein (illegitimer) Versuch, Punkt R anzustreben. Die russische Seite wird als T\u00e4ter, die ukrainische Seite als Opfer aufgefasst. Dies motiviert dazu, die als Opfer und T\u00e4ter interpretierten Konfliktparteien im Schema von Gut und B\u00f6se einzuordnen und sich mit der Ukraine moralisch zu identifizieren. Damit bekommt die politische Diskussion in Deutschland eine ganz bestimmte Sto\u00dfrichtung. Sie wird durch die eingezeichneten Pfeile angedeutet und weist von R nach U: Man m\u00f6chte den Opfern des Angriffs instinktiv zu Hilfe eilen \u2013 sei es, indem man die Ukraine unterst\u00fctzt, um Russland zu schw\u00e4chen; sei es, indem man Russland schw\u00e4cht, um die Ukraine zu unterst\u00fctzen. Denkt man entlang der Tradeoff-Linie, dann sind beide Optionen bedeutungsidentisch. Die Logik lautet: Win-Lose. Was der Ukraine n\u00fctzt, schadet Russland; und was Russland schadet, n\u00fctzt der Ukraine. Und im Umkehrschluss gilt: Was Russland n\u00fctzt, schadet der Ukraine. Innerhalb dieses Wahrnehmungsrahmens sind all diese Schlussfolgerungen denknotwendig.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Ausgangslage sind aus ordonomischer Sicht folgende Tendenzen zu erwarten (und auch tats\u00e4chlich zu beobachten):<\/p>\n<ul>\n<li>die Tendenz, die Frage der <em>kausalen<\/em> Verursachung des Konflikts mit einer <em>einseitigen<\/em> Schuldzuweisung an die T\u00e4ter <em>moralisch<\/em> zu entscheiden \u2013 obwohl an einem Interessenkonflikt, wie man von Ronald Coase<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> gelernt haben k\u00f6nnte, immer beide Interessenten(gruppen) konstitutiv beteiligt sind<\/li>\n<li>die Tendenz, jede Er\u00f6rterung einer kausalen <em>Mit<\/em>-Verursachung des Konflikts durch die Opfer moralisch zu <em>tabuisieren<\/em>, nach dem Motto: <em>Don\u2019t blame the victims!<\/em><\/li>\n<li>die Tendenz, deutsch-russische Kooperationsbeziehungen als deutsche Mit-T\u00e4terschaft moralisch zu <em>verurteilen<\/em> \u2013 und deshalb zu fordern, diese Art von <em>Komplizenschaft<\/em> mit dem russischen Angriffskrieg m\u00f6glichst schnell und m\u00f6glichst radikal zu beenden<\/li>\n<li>und ferner die Tendenz, als moralisch <em>unstatthaft<\/em> (als unsolidarisch mit der Ukraine oder als Nestbeschmutzung des Westens) jede Er\u00f6rterung abzulehnen, ob eigene Aktivit\u00e4ten \u2013 etwa in Form westlich-ukrainischer Kooperationsbekundungen \u2013 einen kausalen Beitrag geleistet haben k\u00f6nnten, den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu versch\u00e4rfen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ordonomische Therapie: Orthogonale Positionierung<\/strong><\/p>\n<p>Inspiriert durch die Arbeiten von Thomas C. Schelling<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> geht die Ordonomik davon aus, dass nicht einmal ein Krieg \u2013 als besonders scharfe Form eines Interessenkonflikts \u2013 als <em>Null<\/em>summenspiel aufzufassen ist, in dem die eine Seite gewinnt, was die andere Seite verliert. Vielmehr ist es so, dass durch Kriegshandlungen <em>beide<\/em> Seiten verlieren \u2013 und durch Beendigung der Kriegshandlungen beide Seiten <em>gewinnen<\/em> k\u00f6nnen: Der Krieg ist ein <em>Negativ<\/em>summenspiel, die Beendigung des Krieges ein <em>Positiv<\/em>summenspiel. Abbildung 2 hilft, sich dies vor Augen zu f\u00fchren.<\/p>\n<ul>\n<li>Solange Krieg herrscht, versuchen die Kriegsparteien, sich wechselseitig zu sch\u00e4digen. Folglich bewegt man sich in Wirklichkeit nicht entlang der Tradeoff-Linie, sondern stattdessen entlang der Linie, deren Pfeil auf die Lose-Lose-Konstellation (LL) zeigt. <em>Beiden<\/em> Kriegsparteien geht es schlechter.<\/li>\n<li>Wenn Krieg durch Frieden abgel\u00f6st wird, bewegt man sich in Wirklichkeit wiederum nicht entlang der Tradeoff-Linie, sondern stattdessen in Richtung des Pfeils, der auf die Win-Win-Konstellation (WW) zeigt. <em>Beiden<\/em> Kriegsparteien geht es besser.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor diesem Hintergrund kritisiert der ordonomische Ansatz das Tradeoff-Denken als irref\u00fchrend. Es verfehlt die relevanten Alternativen und tr\u00fcbt so den Blick daf\u00fcr, dass jede <em>Kriegs<\/em>situation \u2013 im Besonderen und jede <em>Konflikt<\/em>situation im Allgemeinen \u2013 niemals nur durch einen <em>reinen<\/em> Interessenkonflikt gekennzeichnet ist, sondern immer auch durch <em>gemeinsame<\/em> Interessen, die freilich oft nur latent im Hintergrund stehen und erst durch institutionelle Arrangements und deren kooperationsf\u00f6rdernde Anreizwirkung in den Vordergrund treten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/piuk2.png\"><img decoding=\"async\" class=\"centered\" title=\"claschabb1\" src=\"\/wordpress\/bilder\/piuk2.png\" alt=\"claschabb1\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Zur Kritik des Tradeoff-Denkens verwendet der ordonomische Ansatz den Begriff einer \u201eorthogonalen Positionierung\u201c. Mit diesem <em>terminus technicus<\/em> wird ein grundlegender Perspektivwechsel bezeichnet, ein Wechsel der Blickrichtung um 90\u00b0 \u2013 weg von der Win-Lose-Dimension zwischen R und U, hin zur Win-Win-Dimension von LL zu WW; weg vom Wahrnehmungsmuster des <em>Null<\/em>summenspiels, hin zum Wahrnehmungsmuster des <em>Negativ<\/em>summenspiels und von dort ausgehend zum Wahrnehmungsmuster eines m\u00f6glichen <em>Positiv<\/em>summenspiels.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>M\u00f6gliche Missverst\u00e4ndnisse<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Hinweis auf eine orthogonale Positionierung will die Ordonomik dazu beitragen, ein Verh\u00e4ltnis antagonistischer Kooperation (hier: zwischen Kriegsparteien) nicht prim\u00e4r vom Antagonismus her, sondern prim\u00e4r von den Kooperationsm\u00f6glichkeiten her zu denken \u2013 und entsprechend zu gestalten.<\/p>\n<p>Aus der Literatur ist bekannt, dass wissenschaftliche Beitr\u00e4ge zu grundlegenden Perspektivwechseln leicht missverstanden werden k\u00f6nnen und dann stark normative Abwehrreaktionen hervorrufen. So schreibt beispielsweise der an einer wertfreien \u201ePure Sociology\u201c arbeitende Donald Black \u00fcber seinen Ansatz und die Rezeption seines Ansatzes:<\/p>\n<p>\u201eMy work is shocking not because it is politically incorrect, but because it is epistemologically incorrect. It violates conventional conceptions of social reality \u2026 It therefore shocks \u2013 epistemologically shocks \u2013 many on whom it is inflicted. If I disturb your universe, I may be worthy of contempt. I may appear to be your favorite political enemy, a conservative if you are radical, a radical if you are conservative.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Orthogonale Positionierungen k\u00f6nnen auf \u00e4hnliche Widerst\u00e4nde sto\u00dfen. Das liegt daran, dass das Tradeoff-Denken in seinen radikalen Varianten im Freund-Feind-Schema operiert und deshalb jede Kritik als Abweichung von der eigenen Position verortet und normativ abwehrt, nach dem Schema: Nicht-Freund = Feind.<\/p>\n<p>Damit wird folgende Selbstimmunisierung gegen epistemische Schockwirkungen m\u00f6glich: Das Tradeoff-Denken kann so verfestigt sein, dass jede Position, die den wahrgenommenen Feind nicht schlechter stellen, sondern besser stellen will, f\u00e4lschlicherweise (durch konsistente Anwendung des Win-Lose-Wahrnehmungsrahmens) mit einer Feind-Position identifiziert wird, die das eigene Lager zu schw\u00e4chen beabsichtigt. Wer im Tradeoff-Denken gefangen ist, bewegt sich geistig nur im Entweder-Oder, nicht im Sowohl-Als-Auch. Damit verk\u00fcrzt sich der Wahrnehmungs- und Denkhorizont auf die Formel: Wer nicht der Feind meines Feindes ist, kann nicht mein Freund sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ordonomische Politik-Beratung<\/strong><\/p>\n<p>Was folgt aus all dem f\u00fcr eine ordonomische Politik-Beratung? Zwei Punkte seien kurz angef\u00fchrt. Der erste betrifft die Form, der zweite den Inhalt politischer Entscheidungen, wie Deutschland im \u2013 oder zum \u2013 Ukraine-Krieg Stellung beziehen sollte.<\/p>\n<p>Erster Punkt: Deutschland ist eine repr\u00e4sentative Demokratie, in der gew\u00e4hlte Politiker Verantwortung tragen. Da ist es nicht gut, wenn faktisch in Talkshows dar\u00fcber entschieden wird, wer das Amt des Gesundheitsministers aus\u00fcben soll. Noch schlimmer w\u00e4re es, w\u00fcrde in Talkshows dar\u00fcber entschieden, ob \u2013 und falls ja: wann und wie viel \u2013 schweres Ger\u00e4t von Deutschland an die Ukraine geliefert wird. Ebenso schlimm w\u00e4re es, w\u00fcrde in Talkshows dar\u00fcber entschieden, ob wir die Gasimporte aus Russland kappen. Solche Entscheidungen sind weitestgehend irreversibel und haben entsprechende Langzeitfolgen. Insofern verlangen sie gr\u00fcndliches Nachdenken unter sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung von F\u00fcr und Wider. Hier sind tragf\u00e4hige Kosten-Nutzen-Kalkulationen gefragt. Deshalb m\u00fcssen solche Entscheidungen von den gew\u00e4hlten Politikern getroffen und verantwortet werden. Nur sie k\u00f6nnen die unterschiedlichen, z.T. widerspr\u00fcchlichen Expertisen einholen, bewerten und integrativ zusammenf\u00fchren. Ein Laienpublikum kann das nicht, auch wenn die Gastgeber und G\u00e4ste von Talkshows einen anderen Eindruck zu erwecken bem\u00fcht sind.<\/p>\n<p>Zweiter Punkt: Worin besteht unser aller B\u00fcrgerpflicht, wenn nicht darin, die politisch schwierigen Entscheidungen selbst zu treffen, sondern sie stattdessen von gew\u00e4hlten Mandatstr\u00e4gern treffen zu lassen? In einer repr\u00e4sentativen Demokratie lautet die Antwort: Die B\u00fcrgerpflicht besteht darin, die politischen Entscheidungstr\u00e4ger durch \u00f6ffentliche Diskussion unter Argumentationsdruck zu setzen. Hierf\u00fcr muss man die diskursiven Standards hoch halten. Und dazu kann jeder konstruktiv beitragen: indem man auf respektvolle Umgangsformen achtet, Intoleranz gegen\u00fcber Andersdenkenden vermeidet und nicht nur selbst kritische Fragen stellt, sondern auch den kritischen Fragen anderer verst\u00e4ndnisbereit \u2013 und verst\u00e4ndigungsbereit \u2013 zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde es aus ordonomischer Sicht helfen, politische Vorschl\u00e4ge zur Einf\u00fchrung von Wirtschaftssanktionen darauf hin zu \u00fcberpr\u00fcfen,<\/p>\n<ul>\n<li>ob sie darauf abzielen, dass Russland wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden soll,<\/li>\n<li>oder ob sie stattdessen darauf abzielen, dass Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine m\u00f6glichst schnell durch Friedensverhandlungen im beiderseitigen Interesse beendet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus ordonomischer Sicht kommt es hier nicht prim\u00e4r auf die St\u00e4rke der Dosierung, sondern vor allem auf die strategische <em>Sto\u00dfrichtung<\/em> an, mit der Wirtschaftssanktionen ins Werk gesetzt werden: ob man sie als Kriegsinstrument oder als Friedensinstrument einsetzt. Graphisch interpretiert geht es darum, ob man in Abbildung 2 den Punkt U oder den Punkt WW anstrebt. Vorschl\u00e4ge der ersten Kategorie sind im Win-Lose-Paradigma angesetzt. Hier wird im Tradeoff gedacht. Vorschl\u00e4ge der zweiten Kategorie sind im Win-Win-Paradigma angesetzt. Dies setzt eine orthogonale Positionierung voraus.<\/p>\n<p>Um es konkret zu machen: Das Tradeoff-Denken tendiert dazu, den milit\u00e4rischen Konflikt anzuheizen und Russland durch einen unkonditionierten Wirtschaftskrieg dauerhaft schw\u00e4chen zu wollen. Die Alternative dazu besteht darin, Wirtschaftssanktionen konditioniert einzusetzen, um eine Verhandlungsmasse zu schaffen, die die Friedensbedingungen zugunsten der Ukraine verbessert. Hier kommt es darauf an, durch den vor\u00fcbergehenden Entzug wirtschaftlicher Vorteilsgew\u00e4hrung \u2013 also durch die Inaussichtstellung einer an klare Bedingungen gekn\u00fcpften <em>Wiederaufnahme<\/em> wirtschaftlicher Vorteilsgew\u00e4hrung \u2013 die russische Regierung zu milit\u00e4rischen und politischen Zugest\u00e4ndnissen zu bewegen, die der Ukraine zugutekommen, so dass wir alle gemeinsam auf einen Zustand hinarbeiten, in dem sich nicht das Recht des St\u00e4rkeren durchsetzt, sondern die St\u00e4rke des Rechts.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Black, Donald (1995): The Epistemology of Pure Sociology, in: Law &amp; Social Inquiry 20(3), S. 829-870.<\/p>\n<p>Coase, Ronald H. (1960): The Problem of Social Cost, in: Journal of Law and Economics, Vol. 3, S. 1-44.<\/p>\n<p>Haidt, Jonathan (2012): The Righteous Mind. Why Good People Are Divided by Politics and Religion, London u. a. O.: Penguin Books.<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022a): Kapitalismus und das Moralparadoxon der Moderne, Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin (wvb).<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022b): 30 Jahre Wirtschafts- und Unternehmensethik. Ordonomik im Dialog, Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin (wvb).<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022c): Disruptive Belohnung \u2013 Ein (wirtschafts-)ethischer Denkansto\u00df zur Befriedung des Ukraine-Kriegs, Diskussionspapier Nr. 2022-08 des Lehrstuhls f\u00fcr Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, im Internet unter: <a href=\"https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61613&amp;elem=3418520\">https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61613&amp;elem=3418520<\/a> (letzter Zugriff 14.4.2022).<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022d): Moral versus Ethik: Nachdenkliches zum Ukraine-Krieg, Diskussionspapier Nr. 2022-10 des Lehrstuhls f\u00fcr Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, im Internet unter: <a href=\"https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61615&amp;elem=3416453\">https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61615&amp;elem=3416453<\/a> (letzter Zugriff 14.4.2022).<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022e): Angst ist kein guter Ratgeber \u2013 Wut auch nicht: Ordonomische Reflexionen zum Ukraine-Krieg, Diskussionspapier Nr. 2022-12 des Lehrstuhls f\u00fcr Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, im Internet unter: <a href=\"https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61507&amp;elem=3417182\">https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61507&amp;elem=3417182<\/a> (letzter Zugriff 14.4.2022).<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022f): Moralische Verpflichtung zum Wirtschaftskrieg?, in: ifo Schnelldienst, Sonderausgabe April 2022, 75. Jahrgang, S. 19-22.<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022g): Wut ist kein guter Ratgeber, in: FAZ Nr. 85 vom 11. April 2022, S. 16.<\/p>\n<p>Pies, Ingo (2022h): Wirtschaftsethik in Zeiten des Krieges \u2013 Ordonomische Reflexionen zur Theorie und Praxis der Konfliktl\u00f6sung, Diskussionspapier Nr. 2022-13 des Lehrstuhls f\u00fcr Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, im Internet unter: <a href=\"https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61810&amp;elem=3422245\">https:\/\/wcms.itz.uni-halle.de\/download.php?down=61810&amp;elem=3422245<\/a> (letzter Zugriff 24.4.2022).<\/p>\n<p>Schelling, Thomas C. (1960, 1980): The Strategy of Conflict, Cambridge, Mass. and London: Harvard University Press.<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. hierzu die Buchpublikationen Pies (2022a) und (2022b). Dieser Artikel setzt die Reihe ordonomischer Stellungnahmen zum Ukraine-Krieg fort. Zur chronologischen Reihenfolge vgl. Pies (2022c), (2022d), (2022e), (2022f), (2022g) und (2022h).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Coase (1960). Zugrunde liegt die \u00dcberlegung, dass Konflikte letztlich auf konkurrierende Anspr\u00fcche zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, also unter Knappheitsbedingungen kausal dadurch verursacht werden, dass es unm\u00f6glich ist, die Wunschvorstellungen zur Realisierung je eigener Interessen allesamt gleichzeitig und gleichrangig zu befriedigen. Im konkreten Fall kollidiert das Sicherheitsbed\u00fcrfnis Russlands mit dem Sicherheitsbed\u00fcrfnis der Ukraine. Freilich l\u00e4sst diese Beschreibung <em>symmetrischer Kausalit\u00e4t<\/em> durchaus <em>asymmetrische Bewertungen<\/em> zu. So werden Anh\u00e4nger der russischen Position dem Sicherheitsbed\u00fcrfnis Russlands einen normativen Vorrang einr\u00e4umen \u2013 und analog Anh\u00e4nger der ukrainischen Position f\u00fcr das Sicherheitsbed\u00fcrfnis der Ukraine eine moralische Vorzugsw\u00fcrdigkeit reklamieren. Vor diesem Hintergrund k\u00f6nnen Beobachter, die sich mit den Opfern identifizieren und deshalb gegen die T\u00e4ter vorgehen wollen, bewusst oder unbewusst der intellektuellen Versuchung erliegen, zur Aufrechterhaltung ihrer asymmetrischen Bewertung, f\u00fcr die es in der Tat gute Gr\u00fcnde geben mag, vor dem Faktum symmetrischer Kausalit\u00e4t die Augen zu verschlie\u00dfen. Oder um es mit Jonathan Haidt (2012; S. 217) zu sagen: \u201eMorality Binds and Blinds\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Schelling (1960, 1980).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Black (1995; S. 867).<\/p>\n<p>&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p class=\"entry-title\">Ingo Pies (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30727\">Angst ist kein guter Ratgeber \u2013 Wut auch nicht. <\/a><span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Ordonomische Reflexionen zum Ukraine-Krieg <\/span><\/p>\n<p>Ingo Pies (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30709\">Wirtschaftskrieg als moralische Pflicht? <span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Drei ordonomische Einw\u00e4nde<\/span><\/a><\/p>\n<p>Ingo Pies (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30646\">Disruptive Belohnung. <\/a><span style=\"color: grey; font-size: medium;\">Ein (wirtschafts-)ethischer Denkansto\u00df zur Befriedung des Ukraine-Kriegs <\/span><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Februar 2022 begann Russland einen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seitdem wird dar\u00fcber medial berichtet und moralisch geurteilt. 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