{"id":30953,"date":"2022-05-16T00:30:40","date_gmt":"2022-05-15T23:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30953"},"modified":"2023-01-06T09:33:40","modified_gmt":"2023-01-06T08:33:40","slug":"geschaeftsmodell-deutschland-in-zeiten-der-krise-de-globalisierung-ukraine-krieg-und-energie-embargo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30953","title":{"rendered":"Das &#8222;Gesch\u00e4ftsmodell Deutschland&#8220; in Zeiten der Krise <br\/><font size=3; color=grey>De-Globalisierung, Ukraine-Krieg und Energie-Embargo <\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eMan sieht erst, wenn die Ebbe kommt, wer die ganze Zeit \u00fcber ohne Badehose geschwommen ist.\u201c <\/em>(Warren Buffett)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c ist wieder in aller Munde. Schon Mitte der 00er Jahre wurde es heftig diskutiert. Damals kurierte die \u201eAgenda 2010\u201c den \u201ekranken Mann Europas\u201c. Die rot-gr\u00fcne Bundesregierung setzte auf das Deutschland zugeschriebene Wirtschaftsmodell. Der wirtschaftliche (Wieder)Aufstieg begann. Allerdings fand sich Deutschland international schnell auf der Anklagebank wieder. Die persistent hohen \u00dcbersch\u00fcsse in der Leistungsbilanz waren vielen L\u00e4ndern ein Dorn im Auge, vor allem denen in Europa und \u00dcbersee mit Defiziten in der Leistungsbilanz. Der Vorwurf lautete: Deutschland spiele wirtschaftlich mit gezinkten Karten. Deutschland werde reicher, seine Handelspartner verarmten. Das alles hat sich ge\u00e4ndert. Die weltweite Covid-Krise und der Ukraine-Krieg setzen Deutschland wirtschaftlich zu. Es droht wieder ein \u00f6konomischer Niedergang. Die Seuche beeintr\u00e4chtigt internationale Lieferketten. Der Ukraine-Krieg behindert den Import billiger Energie. Das alles tut der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit deutscher Unternehmen nicht gut. Vor allem das Herz der deutschen Wirtschaft, der industrielle Sektor, leidet unter Rhythmus-St\u00f6rungen. Ein Energie-Embargo beg\u00fcnstigt einen Infarkt. Es droht der Verlust an Arbeitspl\u00e4tzen, schrumpfender Wohlstand und steigende Inflation.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Was das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c ausmacht, ist umstritten. Dennoch gibt es einige wichtige Elemente, \u00fcber die Einigkeit besteht (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18174\">hier<\/a>). 1) Das deutsche Wirtschaftsmodell basiert auf einer starken wirtschaftlichen Basis. Der Industrieanteil an Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung ist hoch und stabil. 2) Es existiert ein enges Zusammenspiel von leistungsf\u00e4higen Klein-, Mittel- und Gro\u00dfbetrieben. H\u00e4ufig sind sie familiengef\u00fchrt und agieren aus der Provinz. In nicht wenigen Marktsegmenten sind sie Weltmarktf\u00fchrer (Hidden Champions). 3) Die Wertsch\u00f6pfungsketten sind tief gestaffelt und die Unternehmen durch enge Kooperationen miteinander verbunden. Sie umfassen alle wichtigen Branchen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen. 4) Die Unternehmen im industriellen Sektor sind konsequent auf die Weltm\u00e4rkte (Globalisierung) ausgerichtet. Sie sind intensiv in die Weltwirtschaft eingebunden. 5) Die international t\u00e4tigen Unternehmen fokussieren sich auf Forschung und Innovation. Das Ergebnis sind viele neue Produkte, neue Produktionsverfahren und neue Formen der Organisation. 6) Hoch qualifizierte Belegschaften (Facharbeiter) tragen zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Die berufliche Ausbildung ist schulisch und beruflich eng miteinander verzahnt.<\/p>\n<p>Das \u201edeutsche Gesch\u00e4ftsmodell\u201c hat einen Globalisierungs-Bias. Es nutzt intensiv die Vorteile der weltweiten Arbeitsteilung. Inl\u00e4ndische Unternehmen importieren erstens Rohstoffe und Vorprodukte preisg\u00fcnstig aus aller Welt. Energieimporte aus Russland sind wegen des Krieges in der Ukraine kritisch. Die Lieferung (chinesischer) Vorprodukte stockt, weil Covid-19 die Lieferketten noch immer behindert. Der l\u00e4nderspezifische tempor\u00e4re chinesische Stopp von \u201eseltenen Erden\u201c zeigt weitere Gefahren. Den Unternehmen hierzulande gelingt es zweitens in effizienten Produktionsprozessen international wettbewerbsf\u00e4hige, hochwertige Endprodukte herzustellen. Das ist m\u00f6glich, obwohl Deutschland ein Hochlohnland ist. Die Tarifpartnerschaft von Arbeitgebern und Gewerkschaften hilft. Die inl\u00e4ndischen Unternehmen exportieren drittens diese Produkte gewinntr\u00e4chtig ins Ausland, vorwiegend ins europ\u00e4ische, chinesische und amerikanische. Ein Ergebnis dieses Prozesses sind persistent hohe \u00dcbersch\u00fcsse in der Leistungsbilanz und hohe Defizite in der Kapitalbilanz. Alles in allem: Weltweit offene M\u00e4rkte beg\u00fcnstigen den Erfolg des \u201eGesch\u00e4ftsmodells Deutschland\u201c, protektionistische Entwicklungen verringern ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Aufstieg<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg des \u201eGesch\u00e4ftsmodells Deutschland\u201c ist eng mit der weltweiten \u00d6ffnung der G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte verkn\u00fcpft. Der europ\u00e4ische Binnenmarkt, der weltweite Abbau des Protektionismus, der Fall des \u201eEisernen Vorhangs\u201c waren wichtige Elemente. Deutsche Unternehmen des industriellen Sektors nutzten zielstrebig die \u00f6konomischen Chancen, die ihnen die Globalisierung bot. Es entwickelte sich ein industriedominiertes Muster wirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten. Die Unternehmen importierten billige Vorprodukte, installierten effiziente Produktionsprozesse und exportierten hochwertige Endprodukte. Das pr\u00e4gte die inl\u00e4ndische Wirtschaftsstruktur. Der exportorientierte industrielle Sektor blieb &#8211; entgegen aller \u00f6konomischen Theorie &#8211; relativ kr\u00e4ftig. Er schrumpfte weniger als anderswo in reichen L\u00e4ndern. Das blieb nicht ohne Folgen f\u00fcr die Leistungsbilanz. Sie tendierte zu persistent hohen \u00dcbersch\u00fcssen. Es verwundert deshalb nicht, dass die internationale Konkurrenz wettbewerblich Unanst\u00e4ndiges vermutete. Ganz oben auf der Anklageschrift stand Lohndumping. Gleich dahinter rangierte eine strategische Exportstrategie. Martin Wolf, einer der Herausgeber der Financial Times, sprach von \u201estructural mercantilism\u201c in Deutschland.<\/p>\n<p>\u00dcberzeugen k\u00f6nnen beide Argumente nicht. Von lohnpolitischem Dumping kann keine Rede sein. Richtig ist allerdings, dass die Lohnpolitik die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit ber\u00fccksichtigte. Das gilt zumindest seit der \u201eAgenda 2010\u201c. Die Arbeitsmarktpolitik wurde sp\u00fcrbar effizienter. Auch einfache Arbeit hatte in Deutschland wieder eine Chance, zumindest in Grenzen. Viel entscheidender war allerdings die Entwicklung, die Lohn- und Tarifpolitik st\u00e4rker zu dezentralisieren. Betriebliche B\u00fcndnisse f\u00fcr Arbeit, mit und ohne Zustimmung der Gewerkschaften, bereiteten den Weg zu einer \u201ewettbewerbsf\u00e4higeren\u201c Lohn- und Tarifpolitik. Die Idee einer Lohnpeitsche (Victor Aggartz), die den Strukturwandel beschleunigen sollte, spielte bei den Industrie-Gewerkschaften kaum noch eine Rolle. Der Strukturwandel wurde allerdings von einer anderen Seite verzerrt. Die Einf\u00fchrung der EWU und die Rettungspakete in der Euro-Krise spielten den deutschen Exporteuren in die Karten (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8912\">hier<\/a>). Die Schw\u00e4che der S\u00fcdl\u00e4nder und deren starker Widerstand gegen interne Abwertungen \u00fcber die L\u00f6hne werteten den Euro seit Ende der 00er Jahre ab. Die Hauptnutznie\u00dfer war die exportorientierte deutsche Industrie. Der Strukturwandel in Deutschland stockte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Stockungen<\/strong><\/p>\n<p>Der weitere Erfolg des \u201eGesch\u00e4ftsmodells Deutschland\u201c h\u00e4ngt von vielem ab. Wichtig sind das eigene Verhalten und exogene Schocks. Sollte sich der (Sozial-)Staat immer gr\u00f6\u00dfere Teile des Sozialproduktes unter den Nagel rei\u00dfen, regulierende staatliche Interventionen in M\u00e4rkte \u00fcberhandnehmen, der Staat immer \u00f6fter als (erfolgloser) Unternehmer agieren und die Tarifpartner lohn- und tarifpolitisch \u00fcber die Str\u00e4nge schlagen, erodiert die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit heimischer privater Unternehmen. Es d\u00fcrfte ihnen immer schwerer fallen, steigende Arbeitskosten und galoppierende Lohnnebenkosten durch h\u00f6here (Arbeits-)Produktivit\u00e4ten zu kompensieren. Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c funktioniert nicht mehr. Es wird zum Ladenh\u00fcter. Die sp\u00e4ten 90er und fr\u00fchen 00er Jahre haben gezeigt, wie schnell man zum kranken Mann werden kann, nicht nur in Europa. Vor der \u201eholl\u00e4ndischen Krankheit\u201c ist man in Demokratien grunds\u00e4tzlich nie sicher. Das gilt auch, wenn ein Land nicht auf einem Sack voller Bodensch\u00e4tze sitzt. Diese Gefahr, \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse zu leben, ist in einer schnell und stark alternden demokratischen Gesellschaft, in der die \u201eAlten\u201c die Mehrheit haben, nicht von der Hand zu weisen.<\/p>\n<p>Wie erfolgreich das deutsche Wirtschaftsmodell k\u00fcnftig sein wird, h\u00e4ngt auch davon ab, wie sich die Globalisierung entwickelt. Vieles deutet darauf hin, dass sie ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten hat. Weltweit nehmen die protektionistischen Tendenzen zu. Das \u201eAmerica first\u201c-Syndrom greift um sich. Damit wird aber ein Grundpfeiler des industriegetriebenen, exportorientierten \u201eGesch\u00e4ftsmodells Deutschland\u201c br\u00fcchig. Die gegenw\u00e4rtigen Lieferketten-Probleme sind nur ein Vorgeschmack. Verursacht werden sie zwar durch die Corona-Seuche. M\u00e4rkte st\u00e4rker protektionistisch abzuschotten, wirkt allerdings ganz \u00e4hnlich. Darauf gibt es nur eine Antwort: Unternehmen m\u00fcssen ihre Lieferketten weltweit st\u00e4rker diversifizieren. Das verursacht allerdings h\u00f6here Kosten. Damit steigt das Risiko, dass der Business-Plan des exportorientierten industriellen Sektors hierzulande nicht mehr aufgeht. Und das ist noch nicht alles. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass sich die wirtschaftliche Blockbildung \u2013 Europa, USA und China \u2013 und mit ihr die protektionistischen Tendenzen weltweit fortsetzen wird. Die wohlfahrtssteigernden Effekte der internationalen Arbeitsteilung k\u00f6nnen nicht mehr eingefahren werden. Der deutsche industrielle Sektor wird leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Energie<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Kampf gegen den Klimawandel kann dem \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c zusetzen. Das ist der Fall, wenn die heimische Politik den Klimawandel ernster nimmt als die Politik anderswo auf der Welt. Es ist unbestritten, Unternehmen und Haushalte produzieren negative externe (Umwelt-)Effekte. Ein wichtiger Treiber ist der Einsatz zu \u201ebilliger\u201c fossiler Energien. Der industrielle Sektor hat davon lange profitiert. Das gilt vor allem f\u00fcr energieintensive Branchen, wie Chemie, Glas, Papier. Die zu billigen fossilen Energien haben den strukturellen Wandel verzerrt. Das \u00e4ndert sich gerade. Mit dem Abkommen von Paris und dem Green Deal der EU wurden umweltpolitische Pfl\u00f6cke eingeschlagen. Das kostet. Vor allem Deutschland wird leiden. Der Verzicht auf Atomstrom, die ineffiziente, unversch\u00e4mt teure nationale Energie- und Umweltpolitik aber auch die starke Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie treffen die Unternehmen besonders hart. Ihre internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit wird besch\u00e4digt. Das gilt umso mehr, wenn Konkurrenten in L\u00e4ndern beheimatet sind, die umweltpolitisch weniger streng agieren oder auf einen anderen Energie-Mix setzen, wie etwa Frankreich. Industrie-Unternehmen werden abwandern.<\/p>\n<p>L\u00e4uft der Ukraine-Krieg aus dem Ruder, ger\u00e4t das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c schon kurzfristig in heftige Turbulenzen. Dabei spielt vor allem der Import von russischem Gas eine wichtige Rolle. Es ist denkbar, dass Putin den Gashahn zudreht. Nicht auszuschlie\u00dfen, wenn auch eher unwahrscheinlich, ist auch, dass die EU ein Embargo russischen Gases auf den Weg bringt. Beides h\u00e4tte gravierende Konsequenzen f\u00fcr das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c. Die Chemieindustrie ist eine Branche, die sichtbare Spuren \u201esystemrelevanter\u201c Elemente aufweist (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30932\">hier<\/a>). Der Produktionsprozess ist eigen. Gas spielt als Brenn- und Rohstoff eine wichtige Rolle. Die Wertsch\u00f6pfungsketten sind tief gestaffelt. Verbundproduktion ist gang und g\u00e4be. Gas ist kurzfristig kaum substituierbar. Die sektoralen Verflechtungen sind st\u00e4rker als in anderen Branchen. Ein Embargo russischen Gases frisst sich \u00fcber die Chemieindustrie durch die Volkswirtschaft. Die wirtschaftlichen Folgen sind drastisch. Hinzu kommt: Es ist kostspielig, die Produktionsprozesse nach einer Stilllegung wieder z\u00fcgig hochzufahren. Standortverlagerungen in energiereiche L\u00e4nder sind eine Option. L\u00e4ngerfristig wird sich die Chemie dort niederlassen, wo die Energiekosten niedrig sind. Das wird eher nicht in Deutschland sein, sondern in s\u00fcdlicheren L\u00e4ndern, in denen \u201egr\u00fcner\u201c Wasserstoff kosteng\u00fcnstiger produziert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Lehren<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c reagierten die Unternehmen auf die aufkommende Globalisierung. Sie nutzten geschickt die Vorteile der Arbeitsteilung auf G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkten, die weltweit offener wurden. Nicht alles lief allerdings nach Plan. Eher neu sind die Lieferketten-Probleme. Unternehmen untersch\u00e4tzten die Risiken zu wenig diversifizierter Lieferketten. Das wird sich \u00e4ndern. Die Transaktionskosten werden steigen. Es w\u00e4re allerdings dumm, auf die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung zu verzichten. Lieferketten sollten nicht re-nationalisiert und re-europ\u00e4isiert werden. Sie m\u00fcssen global bleiben, aber st\u00e4rker diversifiziert werden. Gefahr droht dem \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c auch von einer De-Globalisierung. Die weltweite Tendenz des \u201eAmerica first\u201c muss gestoppt werden. Allerdings: Die Gefahr protektionistisch agierender geopolitischer Bl\u00f6cke ist real. Das ist ein \u201ehandelsablenkender\u201c R\u00fcckschritt. Umso wichtiger ist es, interne Wirtschaftsr\u00e4ume st\u00e4rker zu integrieren. Das wirkt \u201ehandelsschaffend\u201c. Notwendig sind mehr block\u00fcbergreifende Handelsabkommen. Der internationale Handel wird weniger \u201eabgelenkt\u201c. Die Politik muss verhindern, dass die regelorientierte durch eine machtorientierte Weltordnung abgel\u00f6st wird, in der Handelsstr\u00f6me der Geopolitik und nicht komparativen Vorteilen folgen. Die anhaltende Agonie der WTO und der (deutsche) Widerstand gegen Handelsabkommen l\u00e4sst allerdings nichts Gutes ahnen.<\/p>\n<p>Die Abh\u00e4ngigkeit von russischen Energie-Lieferungen legt offen, wie instabil das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c, das von offenen M\u00e4rkten lebt, in Zeiten des Ukraine-Krieges ist. Schon der \u201cFl\u00fcgelschlag eines Schmetterlings\u201d k\u00f6nnte chaotische Zust\u00e4nde ausl\u00f6sen. Der sofortige Stopp von Gaslieferungen aus Russland an systemrelevante Branchen k\u00f6nnte ein solches Moment sein. Wir k\u00f6nnten russisches Gas boykottieren, Putin k\u00f6nnte den Gashahn zudrehen. Gegen das zweite k\u00f6nnen wir wenig tun, gegen das erste allerdings schon. Wer den russischen \u00dcberfall auf die Ukraine stoppen will, sollte ein ad\u00e4quates Assignment m\u00f6glicher Instrumente w\u00e4hlen. Josep Borrell, der Au\u00dfenbeauftragte der EU, hat schon Recht: Kriege gewinnt man mit Waffen. Ich habe deshalb von Anfang des russischen \u00dcberfalls auf die Ukraine f\u00fcr massive Milit\u00e4rhilfe an die Ukraine pl\u00e4diert (<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30783\">hier<\/a>). Dagegen sind Sanktionen eher \u201eHandelsklasse C\u201c, wenn es darum geht Kriege zu verk\u00fcrzen. Das gilt auch f\u00fcr Energie-Embargos. Der Boykott von russischer Kohle und russischem \u00d6l kostet uns zwar wenig, hat aber auch geringe Wirkungen. Ein Embargo von Gas hat unklare milit\u00e4rische Wirkungen, verursacht aber bei uns hohe Kosten. Solange wir die Abh\u00e4ngigkeiten von russischem Gas nicht einigerma\u00dfen systemvertr\u00e4glich verringert haben, sollten wir die Finger von einem Gas-Embargo lassen. Da liegt die vorsichtig agierende Bundesregierung schon richtig. Sie verh\u00e4lt sich allerdings falsch, wenn sie die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung mit immer neuen Tricks auf die lange Bank schiebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c steht auf dem Pr\u00fcfstand. Der Dreiklang aus Import billiger Energie und Vorprodukte, effizienter inl\u00e4ndischer Produktionsprozesse bei Endprodukten und gewinntr\u00e4chtigem Export hochwertiger G\u00fcter ist gest\u00f6rt. Der industrielle Sektor, das Herz der deutschen \u00d6konomie, ger\u00e4t aus dem Takt. Erfolgreich ist das deutsche Modell nur, wenn G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte weltweit offen sind. Die Zeiten st\u00fcrmischer Globalisierung scheinen aber f\u00fcrs Erste vorbei. Der Prozess der De-Globalisierung nimmt Fahrt auf. Die trump\u2019sche Irrlehre des \u201eAmerica first\u201c verbreitet sich weltweit wie ein Lauffeuer. Der Kampf um weltwirtschaftliche Dominanz wird aggressiver. Die Welt droht wieder in Bl\u00f6cke zu zerfallen, politisch und wirtschaftlich. China und die USA sind die Kontrahenten, die EU ist in der Zwickm\u00fchle. Der Ukraine-Krieg akzentuiert die Probleme, in die sich die EU mit der Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie man\u00f6vriert hat, allen voran Deutschland. Die Dekarbonisierung verst\u00e4rkt die Probleme. Sie macht uns noch abh\u00e4ngiger von Rohstoffen, wie \u201eseltenen Erden\u201c, die wir importieren m\u00fcssen. Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c kommt sowohl von der Beschaffungs- als auch der Absatzseite in Bedr\u00e4ngnis. Aber auch von der Produktionsseite drohen wachsende Probleme. Eine auf Umverteilung und Regulierung angelegte Politik, die durch die Demographie verst\u00e4rkt wird, tr\u00e4gt mit dazu bei, dass die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit leidet. Es sieht nicht gut aus f\u00fcr das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c.<\/p>\n<p><strong>Podcasts zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?page_id=28461\"><span style=\"color: #3366ff;\">Energie-Embargo gegen Russland. Was sagt die chemische Industrie?<\/span><\/a><\/p>\n<p>Prof. Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespr\u00e4ch mit Dr. Peter Westerheide (BASF)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?page_id=28461\"><span style=\"color: #3366ff;\">Sanktionen und ein Energieembargo. <\/span><\/a><span style=\"color: #3366ff;\">Wie gef\u00e4hrdet ist das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c? <\/span><\/p>\n<p>Prof. Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Achim Wambach, PhD (ZEW)<\/p>\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"byline\"><span class=\"author vcard\">Elisabeth Christen und Gabriel Felbermayr&nbsp;(2022): <\/span><\/span><a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30640\"><span style=\"color: #3366ff;\">Erfolgreiche Wirtschaftssanktionen zu einem hohen Preis?<\/span><\/a><\/p>\n<p>Norbert Berthold (2022): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30783\"><span style=\"color: #3366ff;\">Milit\u00e4rhilfe, Wirtschaftssanktionen und Energieboykott. <\/span><\/a><span style=\"color: #3366ff;\">\u00dcberlebt das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c?<\/span><\/p>\n<p>Hans-Joachim Hass (2015): <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=18174\"><span style=\"color: #3366ff;\">Digitalisierung \u2013 Folgen f\u00fcr das \u201eGesch\u00e4ftsmodell D\u201c<\/span><\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMan sieht erst, wenn die Ebbe kommt, wer die ganze Zeit \u00fcber ohne Badehose geschwommen ist.\u201c (Warren Buffett) Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c ist wieder in aller &hellip; 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