{"id":30964,"date":"2022-07-06T00:17:52","date_gmt":"2022-07-05T23:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30964"},"modified":"2023-01-24T09:39:32","modified_gmt":"2023-01-24T08:39:32","slug":"buchmarkt-einfach-zu-einfach-interview-mit-joachim-weimann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30964","title":{"rendered":"<b>B\u00fccherMarkt<\/b>\u201eEinfach zu einfach\u201c<b>Interview mit Prof. Dr. Joachim Weimann<\/b>"},"content":{"rendered":"<p><em>Was genau ist das Problem, um das es in Ihrem Buch geht?<\/em><\/p>\n<p>Ausgangspunkt aller \u00dcberlegungen sind zwei Ph\u00e4nomene, die die Art und Weise betreffen, wie sich Menschen \u00fcber ihre Umwelt informieren. Erstens, Menschen besitzen den sogenannten \u201eSense making Trieb\u201c, d.h. sie wollen verstehen, was um sie herum geschieht. Zweitens, die individuelle F\u00e4higkeit, Dinge verstehen zu k\u00f6nnen ist sehr begrenzt. Die Welt ist viel zu kompliziert, als dass wir sie verstehen k\u00f6nnten und die Komplexit\u00e4t der Probleme, mit denen wir konfrontiert werden w\u00e4chst mit hoher Geschwindigkeit. Das f\u00fchrt zu einem massiven Konflikt: Wir wollen verstehen, k\u00f6nnen es aber nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die L\u00f6sung daf\u00fcr ist, dass wir nicht danach streben, die Welt tats\u00e4chlich zu verstehen, sondern nur danach, eine f\u00fcr uns befriedigende Erkl\u00e4rung zu bekommen, die wir leicht verstehen k\u00f6nnen und an der wir uns festhalten, ohne sie in Zweifel zu ziehen. Wir glauben an simple und oft falsche Erkl\u00e4rungen, weil wir nicht \u00fcber die Ressourcen verf\u00fcgen, um uns die richtige Erkl\u00e4rung zu beschaffen. Dabei helfen uns ein paar \u201eF\u00e4higkeiten\u201c die wissenschaftlich gut untersucht sind. Unsere stets vorhandene Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung sorgt daf\u00fcr, dass wir tats\u00e4chlich glauben, mit den wenigen Informationen, die wir verarbeiten, die Welt erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen und urteilsf\u00e4hig zu sein. Der sogenannte \u201eConfirmation Bias\u201c l\u00e4sst nur solche Information an uns heran, die unser Weltbild best\u00e4tigt und die \u201eInformationsvermeidung\u201c h\u00e4lt uns davon ab, st\u00f6renden Informationen zu begegnen. Das alles versetzt uns in die Lage, einfache Geschichten zu glauben und wenn es sein muss, den Glauben daran mit gro\u00dfem Einsatz zu verteidigen.<\/p>\n<p>Das Ganze wird zu einem Problem, weil in Demokratien Mehrheiten entscheiden, d.h. alle politischen Entscheidungen bed\u00fcrften letztlich der Zustimmung einer Mehrheit. Zur Abstimmung k\u00f6nnen dabei nur sehr einfache L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge kommen, denn nur die sind den W\u00e4hlern und W\u00e4hlerinnen zug\u00e4nglich. Die Qualit\u00e4t der Probleml\u00f6sungsvorschl\u00e4ge, die sich bei Wahlen durchsetzen, ist damit entscheidend davon abh\u00e4ngig, wie gut die Menschen, die abstimmen, die guten von den schlechten Probleml\u00f6sungen unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>In ihrem Buch geht es \u00fcber weite Strecken um die Rolle, die Narrative in einer Demokratie spielen. Warum sind Narrative so wichtig?<\/em><\/p>\n<p>Sie sind nicht nur in Demokratien wichtig. Putin f\u00fchrt uns gerade vor, welche Macht Narrative in Diktaturen entfalten k\u00f6nnen. Das Narrativ der faschistischen Bedrohung in der Ukraine hat hohe Zustimmungsraten f\u00fcr den Krieg erzeugt.<\/p>\n<p>Ganz allgemein geht es darum, dass wir die enorme Komplexit\u00e4t unserer Umwelt reduzieren m\u00fcssen, wenn wir sie verstehen und gestalten wollen. Fr\u00fcher hat der sogenannte Ideologieraum diese Reduktion erm\u00f6glicht. Man hatte eine Weltanschauung, die entweder links, rechts oder in der Mitte lag und hat die Partei gew\u00e4hlt, die eine \u00e4hnliche Anschauung vertrat. Man wusste einigerma\u00dfen, was linke und rechte Parteien wollten und konnte deshalb relativ sicher sein, dass eine linke Regierung das Eine und eine rechte das Andere tun wird. Um die Details musste man sich nicht k\u00fcmmern. Die Zeiten, in denen eine Weltanschauung reichte, sind aber vorbei. F\u00fcr die Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind, gibt es n\u00e4mlich keine \u201elinken\u201c oder \u201erechten\u201c L\u00f6sungen mehr. Wir m\u00fcssen uns mit jedem einzelnen Problem befassen und uns dazu eine Meinung bilden. Wie funktioniert gute Klimapolitik? Wie gehen wir mit dem demographischen Wandel um? Wie behandeln wir autokratische Staaten wie Russland und China? Wie gehen wir mit k\u00fcnstlicher Intelligenz um? Alle diese Fragen m\u00fcssen beantwortet werden und dazu braucht man einfache Geschichten \u2013 Narrative \u2013 die den Menschen leicht verst\u00e4ndlich erkl\u00e4ren, worum es geht. Bei einer Wahl treten letztlich nicht mehr \u201eRechts\u201c gegen \u201eLinks\u201c an, sondern unterschiedliche Narrative.<\/p>\n<p><em>Aber warum ist das ein Problem? Es bleibt doch gar keine andere Alternative, denn diejenigen, die w\u00e4hlen, k\u00f6nnen doch nun einmal nicht umfassend \u00fcber alles informiert sein.<\/em><\/p>\n<p>Vollkommen richtig. Das Problem ist, dass die Narrative, die da antreten, sehr unterschiedliche Qualit\u00e4t haben k\u00f6nnen. Es gibt gute Narrative, die uns den besten verf\u00fcgbaren Stand des Wissens anschaulich und verstehbar vermitteln und uns so in die Lage versetzen, eine fundierte Entscheidung zu f\u00e4llen, obwohl wir nicht alles verstehen. Aber es gibt auch schlechte Narrative, die nur so tun als seien sie auf fundiertem Wissen aufgebaut, die aber tats\u00e4chlich auf ideologischen \u00dcberzeugungen basieren und vor allem manipulieren sollen. Und schlie\u00dflich gibt es die sehr schlechten Narrative, die jenseits jeder Vernunft angesiedelt sind und vor allem der Gewinnung von Macht und dem Machterhalt dienen. Das Narrativ von der \u201eJ\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung\u201c ist daf\u00fcr ein besonders schreckliches Beispiel, aber auch \u201eMake America great again\u201c geh\u00f6rt in diese Kategorie.<\/p>\n<p>Es ist, wie die Beispiele zeigen, keineswegs ausgemacht, dass die guten Narrative sich durchsetzen. Tats\u00e4chlich haben die es besonders schwer. Sie sind im Wettbewerb mit schlechten und sehr schlechten Narrativen an die Wahrheit gebunden und k\u00f6nnen deshalb nicht so flexibel reagieren wie Narrative, die es per se mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Damit Demokratien \u00fcberlebensf\u00e4hig bleiben, m\u00fcssen sie in der Lage sein, sicherzustellen, dass sich zumindest meistens die guten Narrative durchsetzen. Darum geht es in \u201eEinfach zu einfach\u201c.<\/p>\n<p><em>Woher kommen die Narrative? Wie entstehen sie und wie kann es sein, dass auch sehr schlechte Narrative sich durchsetzen?<\/em><\/p>\n<p>Narrative entstehen vor allem im politischen Raum, aber auch gesellschaftliche Gruppen, Bewegungen und NGOs sind in der Lage, Narrative in die Welt zu setzen. In meinem Buch entwickle ich dazu folgende Idee: Die Menschen in einer Demokratie sind zu einem bestimmten Problem unterschiedlich gut informiert. Stellen wir uns vor, wir sortieren sie entsprechend ihrer Informiertheit. Ganz links stehen die, die keinerlei Information besitzen, ganz rechts die, die \u00fcber das beste verf\u00fcgbare Wissen verf\u00fcgen und alle anderen liegen dazwischen. Von besonderer Bedeutung ist der Mensch, f\u00fcr den gilt, dass die H\u00e4lfte aller seinen Mitb\u00fcrger rechts von ihm liegt und die andere H\u00e4lfte links. Das ist der \u201eMedianw\u00e4hler\u201c im \u201eVerst\u00e4ndnisraum\u201c. F\u00fcr die Politik ist es sehr wichtig, diesen W\u00e4hler zu erreichen, d.h. ein Narrativ anzubieten, das diesen W\u00e4hler \u00fcberzeugt. Dabei muss man verstehen, dass die angebotenen Narrative aus zwei Richtungen kommen k\u00f6nnen. Von der uninformierten Seite kommen vor allem die sehr schlechten Narrative, die extrem vereinfachen und sich dabei nur selten der Wahrheit bedienen. Beispiel daf\u00fcr gibt es genug: \u201eAusl\u00e4nder nehmen uns die Jobs weg.\u201c \u201eAmerica first.\u201c \u201eCorona ist auch nur ein Schnupfen.\u201c&nbsp; Oder ganz aktuell \u201eDer Westen plant eine Invasion Russlands\u201c.<\/p>\n<p>Aus der Ecke der gut informierten Menschen kommen die schlechten und die guten Narrative. Schlechte sind deshalb schlecht, weil sie die Welt so sehr vereinfachen, dass sie mit den tats\u00e4chlichen Gegebenheiten nichts mehr zu tun haben. Das f\u00fchrt dann h\u00e4ufig zu L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen, die auf den ersten Blick \u00fcberzeugen, tats\u00e4chlich aber das Problem nicht l\u00f6sen. Ein gutes Beispiel ist das Narrativ, dass das Plastikproblem in den Weltmeeren gel\u00f6st werden kann, wenn wir auf Plastikt\u00fcten und Strohalme aus Plastik verzichten und von Holzbesteck essen. Das ist barer Unsinn, denn der Anteil europ\u00e4ischen Plastiks in den Weltmeeren ist verschwindend gering und in Deutschland haben wir eine Wiederverwendungsquote (Recycling oder thermische Verwertung) von Plastik in H\u00f6he vom 99.5 Prozent. Wollte man wirklich etwas gegen das Plastik im Meer unternehmen, m\u00fcsste man dort ansetzen, wo das Problem tats\u00e4chlich entsteht, also vor allem in den asiatischen Anrainerstaaten. Es existieren sehr viele solche Narrative, insbesondere im Bereich der Umweltpolitik und der Gesundheitspolitik sind sie anzutreffen, aber auch das Narrativ, das Putin als \u201elupenreinen Demokraten\u201c schildert und von Russlands \u201eberechtigten Sicherheitsinteressen\u201c spricht, geh\u00f6rt dazu. Vor allem das letztgenannte Beispiel zeigt, wie erfolgreich schlechte Narrative sein k\u00f6nnen, denn dieses Narrativ haben fast alle Menschen in Deutschland geglaubt.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch die guten Narrative. Sie warnen uns auf wissenschaftlicher Grundlage vor den Gefahren einer Epidemie und raten uns Masken zu tragen, weil die uns sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Sie geben uns den Rat, die Demokratie zu sch\u00fctzen und zu bewahren, indem wir zur Wahl gehen. Sie erkl\u00e4ren uns den Ukrainekrieg und die Gefahren, die davon f\u00fcr uns ausgehen. Sie helfen das Pro und Kontra einer Aufr\u00fcstung der Ukraine mit deutschen Waffen abzuw\u00e4gen und vieles mehr.<\/p>\n<p>Offensichtlich m\u00fcssen wir erreichen, dass sich \u00fcberwiegend die guten Narrative durchsetzen, weil Demokratien sonst nicht mehr in der Lage sind, komplexe Probleme zu l\u00f6sen. Die Briten haben uns vorgemacht, was passieren kann, wenn die guten Narrative verlieren. Sie sind aus der EU ausgetreten, weil zu viele den schlechten Narrativen der \u201eLeave\u201c Kampagne geglaubt haben.<\/p>\n<p>Das schlechte und sehr schlechte Narrative Erfolg haben k\u00f6nnen, liegt vor allem daran, dass der \u201esense making Trieb\u201c so stark ist. Sind Menschen zu einer \u00dcberzeugung gekommen, haben sie erst einmal ein Bild von ihrer Umwelt erworben, dass sie glauben l\u00e4sst, zu verstehen, warum die Dinge so sind wie sie sind, dann geben sie diesen Glauben nicht so leicht her. Sie verf\u00fcgen dabei \u00fcber ein ganzes Arsenal von psychologischen Instrumenten, die ihnen helfen, diesen Glauben aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p><em>Was kann man denn tun, um den guten Narrativen zum Durchbruch zu verhelfen?<\/em><\/p>\n<p>Wenn wir noch einmal das Bild von den nach ihrem Verst\u00e4ndnis sortierten W\u00e4hlern und W\u00e4hlerinnen aufgreifen, dann ist klar, dass die Frage, welche Narrative gewinnen, vor allem davon abh\u00e4ngt, wie gut der W\u00e4hler oder die W\u00e4hlerin informiert ist, die den Median bildet. Ist der Medianw\u00e4hler schlecht informiert, haben schlechte und sehr schlechte Narrative gute Chancen. Also muss es darum gehen, vor allem die Information und Bildung der Menschen zu f\u00f6rdern. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn Informationsbeschaffung ist teuer und aufw\u00e4ndig und der Ertrag einer besseren Information ist gering, wenn es um politische Prozesse geht. Wenn man einen neuen K\u00fchlschrank kaufen will, ist es sehr sinnvoll, sich gut zu informieren, denn das Ergebnis der Kaufentscheidung steht die n\u00e4chsten zehn Jahre in meiner K\u00fcche. Wenn es aber um politische Entscheidungen geht, dann ist mein Gewicht vernachl\u00e4ssigbar. Wie gut informiert ich auch bin, auf den Lauf der Politik habe ich keinen Einfluss. Deshalb wird nur die Information zu den W\u00e4hlern dringen, die leicht konsumierbar ist. Diese leicht verdauliche Information gilt es besser zu machen.<\/p>\n<p><em>Wie kann das geschehen?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt zwei Schl\u00fcsselspieler in diesem Spiel und das sind die Medien und die Wissenschaft. Letztere ist f\u00fcr die Produktion guter Narrative zust\u00e4ndig und erstere f\u00fcr deren Verbreitung. Gegenw\u00e4rtig funktioniert das Zusammenspiel der beiden nicht besonders gut und insbesondere die wissenschaftliche Beratung der Politik und damit der Gesellschaft ist in keinem guten Zustand.<\/p>\n<p><em>Was kritisieren Sie an der Wissenschaft und an den Medien?<\/em><\/p>\n<p>Um die Medien zu verstehen muss man sich klarmachen, dass Zeitungen nur das drucken, was auch gelesen wird und Fernsehsender nur das senden, was die Menschen sehen wollen. Auf die Medien zu schimpfen macht deshalb wenig Sinn. Auch die Politiker sagen nur das, was von den Medien auch berichtet wird, also das, was die Menschen lesen, sehen und h\u00f6ren wollen. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, welche Information letztlich in das System eingespielt wird und vor allem auf die Qualit\u00e4t dieser Information. Es ist wichtig, dass die guten Narrative mit einer hohen Reputation daherkommen, denn dann k\u00f6nnen sie weder Politiker noch Medien ignorieren. Diese Reputation kann letztlich nur die Wissenschaft aufbringen. Aber daf\u00fcr muss die wissenschaftliche Beratung in einem besseren Zustand sein, als sie das gegenw\u00e4rtig ist.<\/p>\n<p><em>Ist es nicht so, dass die \u00d6ffentlichkeit den Eindruck hat, dass sie sich auf die Wissenschaft auch nicht verlassen kann, weil es f\u00fcr jede Position auch Wissenschaftler gibt, die ein entsprechendes Gutachten schreiben?<\/em><\/p>\n<p>Das genau ist das Problem. Wir haben es mit einer Wissenschaftslandschaft zu tun, bei der es den Menschen nicht mehr m\u00f6glich ist zu unterscheiden, ob es sich um Forschung handelt, die allein darauf aus ist die Wahrheit zu finden und die sich dabei wissenschaftlicher Methoden bedient, die allgemein anerkannt sind, oder ob es sich um eine von Interessen geleitete Forschung handelt, die wissenschaftlich daherkommt, in Wahrheit aber nur politischen, ideologischen oder kommerziellen Interessen dient. Das f\u00fchrt zu einer \u201ePluralit\u00e4t\u201c der Wissenschaft, die leider damit gleichzusetzen ist, dass wissenschaftliche Erkenntnis beinahe beliebig ist: F\u00fcr jede These l\u00e4sst sich eine \u201ewissenschaftliche\u201c Begr\u00fcndung nebst passender Studie finden.<\/p>\n<p><em>Und wie wollen Sie das \u00e4ndern?<\/em><\/p>\n<p>Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung w\u00e4re, dass man die Wissenschaft selbst dar\u00fcber entscheiden l\u00e4sst, wer die Gesellschaft beraten soll. Heute ist es so, dass die Besetzung von Sachverst\u00e4ndigenr\u00e4ten, Beir\u00e4ten usw. der Politik vorbehalten ist. Das ist der Grund, warum es immer mehr davon gibt, denn selbstverst\u00e4ndlich wird ein Minister diejenigen in seinen Rat berufen, die das sagen werden, was er oder sie h\u00f6ren will. Und einen solchen Rat zu haben ist ja nicht schlecht!<\/p>\n<p>Wenn es aber nicht mehr die Politik ist, die bestimmt, wer beraten darf, sondern die Wissenschaft selbst, dann haben wir eine ganz andere Situation. Die einzelnen Disziplinen verf\u00fcgen in aller Regel \u00fcber gut organisierte wissenschaftliche Gesellschaften, die durchaus in der Lage sind, zu bestimmen, wer am besten f\u00fcr eine Beratung geeignet ist. Man m\u00fcsste ihnen allerdings auferlegen, dass sie eine strikte Bestenauswahl treffen und sich nicht von sachfremden Kriterien davon abbringen lassen. Beispielsweise sollte das Geschlecht nicht dar\u00fcber entscheiden, ob jemand in ein wissenschaftliches Beratergremium berufen wird, sondern ausschlie\u00dflich die fachliche Exzellenz. Ein solcherma\u00dfen zusammengestelltes Gremium w\u00fcrde \u00fcber eine erhebliche Reputation verf\u00fcgen, der sich weder die Politik noch die Medien entziehen k\u00f6nnten. Und auch die, die \u00fcber die Politik abstimmen, bek\u00e4men einen Orientierungspunkt, der nicht mehr beliebige Inhalte von sich gibt, sondern nur Erkenntnisse, f\u00fcr die es harte wissenschaftliche Evidenzen gibt.<\/p>\n<p><em>Aber kann man erwarten, dass das funktioniert? Wissenschaftler sind sich doch oft auch nicht einig und sind auch nur Menschen. Eitelkeiten und Rivalit\u00e4ten gibt es doch auch in der Wissenschaft.<\/em><\/p>\n<p>V\u00f6llig richtig. Deshalb w\u00fcrde ich mich auch nicht allein auf solche Gremien verlassen. Man muss die rein wissenschaftliche Beratung in den Wettbewerb mit anderen Beratern schicken, und man braucht geeignete Modalit\u00e4ten f\u00fcr die Besetzung. Gut w\u00e4re eine strikte Begrenzung der Amtszeit, um zu verhindern, dass sich Meinungen und Positionen verfestigen. Erfolgt die Auswahl wirklich strikt nach wissenschaftlicher Exzellenz, w\u00e4re es eine hohe Ehre berufen zu werden und es w\u00fcrde einen Wettbewerb um diese Berufungen geben. Dieser Wettbewerb w\u00e4re f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Beratungsleistung gut, denn es geht dann nicht darum, wer der Politik am besten nach dem Mund reden kann, sondern darum, wer am besten die wissenschaftlichen Grundlagen f\u00fcr gute Entscheidungen und damit f\u00fcr gute Narrative legen kann. Und das ist genau das, was wir brauchen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was genau ist das Problem, um das es in Ihrem Buch geht? 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