{"id":32061,"date":"2022-11-24T00:29:11","date_gmt":"2022-11-23T23:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32061"},"modified":"2022-12-20T15:52:35","modified_gmt":"2022-12-20T14:52:35","slug":"schlimm-sind-nicht-die-verhandlungsergebnisse-schlimm-ist-worueber-nicht-verhandelt-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32061","title":{"rendered":"Schlimm sind nicht die Verhandlungsergebnisse <br\/><font size=3; color=grey>Schlimm ist, wor\u00fcber nicht verhandelt wurde <\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die 27. Weltklimakonferenz in \u00c4gypten ist zu Ende und die deutsche Delegation mit Au\u00dfenministerin Baerbock an der Spitze zeigt sich sehr entt\u00e4uscht von den Ergebnissen. Tats\u00e4chlich konnten sich die Europ\u00e4er mit ihren Forderungen nicht durchsetzen. Am Ende steht lediglich ein Klimafonds zur Kompensation \u00e4rmerer L\u00e4nder auf der Haben Seite. Dass man sich enger abstimmen will, d\u00fcrfte eher eine Verabredung sein, die wenig in der Substanz bedeutet. \u00dcberraschen kann dieses Ergebnis nicht. F\u00fcr viele L\u00e4nder, die eher als Bremser auftreten, steht Klimaschutz nicht weit oben auf der Agenda. Echte Schwellenl\u00e4nder, Entwicklungsl\u00e4nder und vor allem China verfolgen andere Ziele als eine m\u00f6glichst schnelle Dekarbonisierung ihrer Wirtschaft. Aber das war vielleicht gar nicht so entscheidend. Es g\u00e4be eine Menge M\u00f6glichkeiten, Klimapolitik so zu betreiben, dass sie f\u00fcr sehr viele L\u00e4nder einen Vorteil schafft und deshalb f\u00fcr sie zustimmungsf\u00e4hig wird. Allerdings wurde \u00fcber die Dinge, die daf\u00fcr zu tun sind, nicht verhandelt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er verlangten nicht weniger, als dass die Weltgemeinschaft sich f\u00fcr eine Klimapolitik a la Deutschland begeistert. Das bedeutet den planwirtschaftlichen Ausbau der Erneuerbaren, scharfe, Sektor bezogenen nationale Minderungsziele und eine Festschreibung auf das 1,5 Grad Ziel. Ob diese Form der Klimapolitik tats\u00e4chlich eine rationale Antwort auf die Herausforderung des Klimawandels ist, stand nicht zur Debatte. Tats\u00e4chlich hat sich dabei in Deutschland l\u00e4ngst gezeigt, dass die planwirtschaftliche F\u00f6rderung der Erneuerbaren und die ideologisch bestimmte Technologieauswahl, die die Energiewende bestimmen, nicht zu erfolgreichem Klimaschutz f\u00fchren, sondern vor allem zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen (hohe Kosten, kaum CO<sub>2<\/sub> Einsparungen), zu den weltweit h\u00f6chsten Strompreisen, sinkender Energiesicherheit, steigender Energiearmut und massiven Wettbewerbsnachteilen f\u00fcr die deutsche Industrie. Von den externen Effekten insbesondere der Windkraft einmal ganz abgesehen, die ja letztlich der Grund daf\u00fcr sind, dass die Widerst\u00e4nde gegen den Ausbau so hartn\u00e4ckig und stark sind. Wenn man die deutsche Energiewende n\u00fcchtern und allein auf der Grundlage der Daten und Fakten betrachtet, ist sie wahrlich kein Beispiel, dem nachzueifern sich lohnt. Wieso wundern wir uns dann dar\u00fcber, dass so viele L\u00e4nder uns nicht folgen wollen?<\/p>\n<p>Es w\u00e4re vermutlich sehr viel lohnender, \u00fcber andere Dinge zu sprechen und zu verhandeln. Die Dinge, die notwendig sind, wenn man erfolgreich Klimapolitik betreiben will. Aber da das in Deutschland niemand tut und in Europa immer weniger Menschen, ist es nat\u00fcrlich auch auf der Weltklimakonferenz kein Thema. Was braucht man also f\u00fcr gute Klimapolitik?<\/p>\n<p>Unter den \u00d6konomen auf diesem Planeten, die unabh\u00e4ngig sind, weil sie an Universit\u00e4ten oder staatlich finanzierten Forschungseinrichtungen arbeiten, gibt es einen sehr breiten, fast einstimmigen Konsens. Eine rationale Klimapolitik ist kosteneffizient. Das bedeutet, dass die n\u00e4chsten Tonne CO<sub>2<\/sub> stets dort zu vermeiden ist, wo die Vermeidungskosten am geringsten sind. Nur so l\u00e4sst sich der Klimaschutz, den man mit den eingesetzten Ressourcen erreicht, maximieren. Daf\u00fcr ben\u00f6tigt man einen einheitlichen Preis, mit dem jede Emission von CO<sub>2<\/sub>, gleichg\u00fcltig aus welcher Quelle sie kommt, belegt wird. Existiert ein solcher Preis, werden sich die Vermeidungsentscheidungen der Emittenten daran orientieren und es kommt zu einem Ausgleich der Grenzvermeidungskosten \u2013 was gleichbedeutend mit Kosteneffizienz ist. Um einen solchen Preis zu erzeugen, stehen zwei bew\u00e4hrte Instrumente zur Verf\u00fcgung: Eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer und der Emissionshandel. Eine Klimakonferenz, bei der es wirklich um die Rettung des Klimas geht, m\u00fcsste dar\u00fcber diskutieren, wie diese Instrumente an den Start gebracht werde k\u00f6nnen. Aus der Sicht Europas bedeutet das, dass man sich bem\u00fchen m\u00fcsste die B\u00fchne des COP daf\u00fcr zu nutzen, das bereits erfolgreich erprobten EU-ETS (EU-Emission-Trading-System) auszuweiten und mehr L\u00e4nder daf\u00fcr zu gewinnen. Das l\u00e4sst sich \u00fcbrigens hervorragend mit einer Umverteilungspolitik kombinieren, bei der die reichen Industriel\u00e4nder die Ausstattung der armen L\u00e4nder mit Emissionsrechten finanzieren. Auf diese Weise w\u00fcrden arme L\u00e4nder von der Mitgliedschaft profitieren, k\u00f6nnten den Import moderner energieeffizienter Technologie finanzieren und Klimaschutz mit der eigenen Entwicklung kombinieren. Auf diese Weise lie\u00dfe sich &#8222;Klimagerechtigkeit&#8220; mit kosteneffizienter CO<sub>2<\/sub>-Vermeidung verbinden. Leider wurde \u00fcber solche Dinge in \u00c4gypten nicht gesprochen. Im Gegenteil, die Fixierung auf <em>nationale<\/em> und <em>Sektor bezogene<\/em> Klimaschutzma\u00dfnahmen verhindern den notwendigen Ausgleich der Grenzvermeidungskosten und machen damit kosteneffiziente Klimapolitik per se unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Es gibt einen weiteren Punkt, \u00fcber den dringend h\u00e4tte gesprochen werden m\u00fcssen. Die Welt ist technologisch nicht dazu in der Lage, gleichzeitig eine stetig wachsende Weltwirtschaft sicher mit Energie zu versorgen und eben diese Wirtschaft zu dekarbonisieren. Den Energiebedarf von Schwellen- und Industriel\u00e4ndern mit erneuerbaren Energien zu decken ist nicht m\u00f6glich. Zu gering ist deren Energiedichte, zu gewaltig der Fl\u00e4chenverbrauch, zu horrend die Kosten. Im Sonneng\u00fcrtel der Erde lassen sich langfristig CO<sub>2<\/sub>-neutrale Treibstoffe produzieren, aber allein darauf zu setzen d\u00fcrfte kaum ausreichen. Die Kernenergie leidet darunter, dass sie mit dem Endlagerproblem und dem Restrisiko einer Kernschmelze zwei Probleme mit sich herumschleppt, die sich nicht so leicht aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein schaffen lassen \u2013 auch wenn sie nicht so gro\u00df sind, wie es diesem Bewusstsein vorkommt. Deshalb brauchen wir neue und vor allem bessere Technologien zur Energieerzeugung, als wir gegenw\u00e4rtig haben. Voraussetzung daf\u00fcr ist eine massive Investition in entsprechende Forschungsanstrengungen und eine intensive technologische Zusammenarbeit aller der L\u00e4nder, die in der Lage sind, Hochtechnologie zu entwickeln. Themen und Ansatzpunkte gibt es genug. Beispielsweise hat die Fusionstechnologie das Potential, gewaltige Energiemengen zu erzeugen, ohne dabei Atomm\u00fcll zu produzieren oder ein Restrisiko heraufzubeschw\u00f6ren. Weltweit (au\u00dfer in Deutschland) wird an der Entwicklung der vierten Generation von Atomreaktoren gearbeitet. Diese sollen inh\u00e4rent sicher sein, mit den vorhandenen Abf\u00e4llen der alten AKW betrieben werden und wirtschaftlich Strom produzieren. Mit dem Dual Fluid Reaktor ist ein erster, vielversprechenderer Ansatz gefunden. Die gr\u00fcne Gentechnologie kann dazu beitragen, Algen zu z\u00fcchten, die ebenfalls dazu beitragen, Energie- und Ern\u00e4hrungsprobleme zu l\u00f6sen. Die Liste lie\u00dfe sich beliebig verl\u00e4ngern. Aber was n\u00fctzen die besten Ideen und neuen Ans\u00e4tze, wenn der politische Wille fehlt, die daf\u00fcr notwendige Grundlagenforschung mit der n\u00f6tigen Intensit\u00e4t international zu betreiben. Was l\u00e4ge n\u00e4her, als eine Veranstaltung wie COP 27 zu nutzen, eine solche Technik Offensive an den Start zu bringen? Wenn man die Aufgabe, das Klimaproblem technologisch zu l\u00f6sen zu einer gemeinsamen Aufgabe aller Staaten erkl\u00e4rt, dann w\u00fcrden weitere Vorbehalte gegen Klimapolitik fallen und wir einem internationalen Konsens n\u00e4herkommen. Leider war auch davon in \u00c4gypten nicht die Rede.<\/p>\n<p>Wie auf den vorherigen Klimakonferenzen auch haben sich die Delegationen in den altbekannten politischen Spielchen verfangen. Die Positionen der Europ\u00e4er sind fest in der Hand der Klimaaktivisten, f\u00fcr die Kosteneffizienz und technischer Fortschritt keine Themen sind, mit denen sie sich besch\u00e4ftigen m\u00f6chten. Die Frage, welche Strategie eigentlich am ehesten geeignet ist, das Klimaproblem in einer extrem heterogenen Welt zu l\u00f6sen, stand wieder nicht auf der Agenda. Kein Wunder, dass die Welt beim Kampf um das Klima nicht von der Stelle kommt.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 27. 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