{"id":3231,"date":"2010-05-12T00:01:24","date_gmt":"2010-05-11T23:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3231"},"modified":"2010-05-11T15:22:47","modified_gmt":"2010-05-11T14:22:47","slug":"die-botschaft-der-kreditkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3231","title":{"rendered":"Die Botschaft der \u201eKreditkrise\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte \u201einternationale Kreditkrise\u201c ist im Kern Folge eines Wirtschaftssystems, das sich in den letzten Jahrzehnten in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften immer st\u00e4rker herausgebildet hat und dass sich vermutlich am besten als \u201esozial-demokratischer Sozialismus\u201c charakterisieren l\u00e4sst: Ein Wirtschaftssystem, in dem das Privateigentum nicht sakrosankt ist und staatliche (Markt)Eingriffe, legitimiert durch die Mehrheitsmeinung, f\u00fcr eine \u201egerechte\u201c (Um)Verteilung von Verm\u00f6gen und Einkommen sorgen wollen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der sozial-demokratische Sozialismus strebt zwar nicht \u2013 wie ehemals der Sowjet-Sozialismus \u2013 nach Enteignung des Privateigentums und voller Kontrolle der Produktion und Verteilung durch eine zentrale Planungsstelle; vielmehr erlaubt er das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Jedoch auch er zielt auf staatliches Umwidmen der im freien Markt erworbenen Einkommen ab: Ein (immer gr\u00f6\u00dferer) Teil der erarbeiten Ertr\u00e4ge der Eigent\u00fcmer der Produktionsmittel und der Arbeitnehmer werden durch unterschiedlichste Ma\u00dfnahmen \u201eNichtproduzenten\u201c zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Dabei spielt das Geldsystem eine bedeutsame Rolle. Der sozial-demokratische Sozialismus weist dem Staat die Hoheit \u00fcber die Geldmenge zu. Staatliche Zentralbanken k\u00f6nnen dank ihrer Monopolstellung die Geldmenge jederzeit ausweiten. Dies geschieht in der Regel durch Kreditvergabe: Geld wird per Kreditvergabe in Umlauf gebracht, ohne dass daf\u00fcr echte, das hei\u00dft reale Ersparnisse zur Verf\u00fcgung stehen; es ist gewisserma\u00dfen Geldproduktion aus dem Nichts. Und es ist die M\u00f6glichkeit, die Geldmenge per Kreditvergabe zu vermehren, die die Umverteilung im sozial-demokratischen Sozialismus ganz erheblich erweitert.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind die Anreize, die die M\u00f6glichkeit der Staatsverschuldung auf Regierende und Regierte aus\u00fcbt, in einer Demokratie unwiderstehlich. Regierende k\u00f6nnen durch kreditfinanzierte Ausgaben finanzielle Wohltaten austeilen und so ihre Stimmenmehrheiten sicherstellen, ohne dass sie das Wahlvolk \u00fcber Steuererh\u00f6hungen unmittelbar zur Kasse bitten m\u00fcssen. Die B\u00fcrger lassen sich das nur zu gern gefallen, weil sie die Wohltaten genie\u00dfen wollen und dabei hoffen, dass nicht sie, sondern andere \u2013 die k\u00fcnftigen Steuerzahler \u2013 die offenen Rechnungen begleichen werden. Die staatliche Hoheit \u00fcber das Geld macht die Kreditfinanzierung von Staatsausgaben noch attraktiver. Denn wenn die Geldmenge durch Kreditvergabe ausgeweitet wird, bleibt der Marktzins niedriger, als wenn die Verschuldung ohne ein Ansteigen der Geldmenge erfolgt: Das Staatsgeld verbilligt die Staatsverschuldung.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass \u00f6konomische Lehren kreditfinanzierte Staatsausgaben zu legitimieren scheinen. Gerade in Krisenzeiten k\u00f6nnen kreditfinanzierte Staatsausgaben, so ist zu h\u00f6ren, Produktion und Besch\u00e4ftigung unterst\u00fctzen. Doch das Staatverschulden schafft grunds\u00e4tzlich keine neuen G\u00fcter, es gibt der Regierung nur Zugriff auf Ressourcen, die andernfalls anderen Projekten zug\u00e4nglich gemacht werden. Da jedoch der entgangene Ertrag dieser nicht realisierten Ausgaben nicht f\u00fcr jedermann ersichtlich ist, bleibt die unproduktive Umverteilungswirkung kreditfinanzierter Staatsausgaben in der \u00d6ffentlichkeit meist unbemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Das staatliche Verschulden dient in erster Linie der Umverteilungspolitik, nicht dem Aufbau des produktiven Kapitalstocks. Das ist auch der Grund, warum der Staatskredit besonders anf\u00e4llig ist f\u00fcr Vertrauensverluste: Wenn Staatskredite chronisch dazu verwendet werden, um unrentierliche Ausgaben (\u201eTransferzahlungen\u201c) oder gering rentierliche Investitionen zu finanzieren, nimmt die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit der Volkswirtschaft ab und die Aussichten auf eine geordnete R\u00fcckzahlung schwinden. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden die Kreditgeber das erkennen und nicht mehr Willens sein, die staatliche Dauerschuldnerei zu herrschenden (niedrigen) Zinsen fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Steigen die Zinsen auf Staatskredite an, kann die Verschuldungspolitik des Staates aus Sicht der Steuerzahler \u2013 die ja die Zinsen aus ihren Steuern zahlen m\u00fcssen \u2013 pl\u00f6tzlich unattraktiv machen, insbesondere dann, wenn der Schuldenstand bereits ein hohes Niveau erreicht hat. Die notwendigen Anpassungen \u2013 wie ein K\u00fcrzen von staatlichen Transferzahlungen und Arbeitslosigkeit \u2013 werden gescheut, vielmehr wird das Einstellen der Kreditr\u00fcckzahlung zur vergleichsweise attraktiveren Handlungsoption f\u00fcr Regierende und Regierte \u2013 vor allem dann, wenn die Staatsschuld von Investoren gehalten wird, die nicht zum Wahlvolk z\u00e4hlen (wenn also Ausl\u00e4nder die Staatskredite gegeben haben).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>IV.<\/strong><\/p>\n<p>Ist eine solche Situation erst einmal erreicht \u2013 hat der Kapitalmarkt also erkannt, dass die Zahlungsf\u00e4higkeit und \u2013bereitschaft der Steuerb\u00fcrger f\u00fcr die aufgelaufenen Staatsschulden abnimmt oder gar nicht mehr besteht \u2013, gibt es auf den Kapitalm\u00e4rkten kein Halten mehr. Setzt sich bei den Investoren in Staatsanleihen die Einsicht durch, dass es keine \u00f6konomischen Anreize mehr gibt f\u00fcr die Steuerb\u00fcrger, f\u00fcr die aufgelaufenen Staatsschulden aufzukommen, werden auch keine noch so beherzten Reformversprechen der Regierenden ausreichen, den Weg in den Staatsbankrott aufzuhalten. Die Kurse f\u00fcr die Staatsanleihen verfallen und die Zinsen steigen in stratosph\u00e4rische H\u00f6hen.<\/p>\n<p><a href=\"\/wordpress\/bilder\/polleit\/kredit.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Renditeabstand\" src=\"\/wordpress\/bilder\/polleit\/kredit\" alt=\"Renditeabstand\" width=\"600\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Steigende Zinsen bringt die Kreditpyramide, die sich unter dem staatlichen Geldangebotsmonopol aufgebaut hat, ins Wanken. Schuldner, deren Kredite f\u00e4llig werden, m\u00fcssen pl\u00f6tzlich deutlich h\u00f6here Zinsen bezahlen, sofern sie \u00fcberhaupt noch Kredit zur Umschuldung erhalten. Steigende Zinsen lassen Investitionen unrentabel werden, und Arbeitspl\u00e4tze, die in der Periode der fortgesetzten k\u00fcnstlichen Kreditausweitung entstanden sind, gehen verloren. Die staatlichen Steuereinnahmen sinken, und die anschwellende Arbeitslosigkeit erfordert steigende Transferzahlungen. Das Vertrauen in das Bankensystem, das hohe Verluste zu verbuchen hat, sinkt rapide.<\/p>\n<p>Dies ist die Situation, in der Inflation als das kleinste \u00dcbel angesehen wird. Der \u00d6konom Ludwig von Mises (1881 \u2013 1973) wusste sehr wohl um diese Anreizstruktur, als er im Januar 1923 \u2013 also einige Monate, bevor die deutsche Hyperinflation einsetzte \u2013 schrieb, \u201e(&#8230;) dass eine Regierung sich immer dann gen\u00f6tigt sieht, zu inflationistischen Ma\u00dfnahmen zu greifen, wenn sie den Weg der Anleihebegebung nicht zu betreten vermag und den der Besteuerung nicht zu betreten wagt, weil sie f\u00fcrchten muss, die Zustimmung zu dem von ihr befolgten System zu verlieren, wenn sich seine finanziellen und allgemein wirtschaftlichen Folgen allzu schnell enth\u00fcllen. So wird die Inflation zu dem wichtigsten psychologischen Hilfsmittel einer Wirtschaftspolitik, die ihre Folgen zu verschleiern sucht. Man kann sie in diesem Sinne als ein Werkzeug antidemokratischer Politik bezeichnen, da sie durch Irref\u00fchrung der \u00f6ffentlichen Meinung einem Regierungssystem, das bei offener Darlegung der Dinge keine Aussicht auf die Billigung durch das Volk h\u00e4tte, den Fortbestand erm\u00f6glicht.\u201c (<em>Mises, L. v.<\/em> (1923), Die geldtheoretische Seite des Stabilisierungsproblems, abgeschlossen im Januar 1923, Dunker &amp; Humblot, Leipzig, S. 32.)<\/p>\n<p>Inflation ist nie eine Naturkatastrophe. Im staatlichen Geldangebotsmonopol ist sie stets das Ergebnis der Entscheidungen, die die Regierungsverantwortlichen treffen. Im sozial-demokratischen Sozialismus ist Inflation allerdings unausweichlich. Denn der sozial-demokratische Sozialismus l\u00e4hmt die produktiven volkswirtschaftlichen Kr\u00e4fte und provoziert ein Ausweiten der Verschuldung. Und sind Staat und politisch einflussreiche Gruppen erst einmal \u00fcberschuldet, folgt unweigerlich die Geldwertzerst\u00f6rung. Diese Einsicht ist die Botschaft der sogenannten \u201eKreditkrise\u201c.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. 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