{"id":32917,"date":"2023-02-26T00:44:00","date_gmt":"2023-02-25T23:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32917"},"modified":"2023-02-26T16:15:13","modified_gmt":"2023-02-26T15:15:13","slug":"gastbeitragusa-entdecken-wieder-die-industriepolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32917","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag<\/b>USA entdecken wieder die Industriepolitik"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die US-Regierung greift wieder st\u00e4rker in die Wirtschaft ein. Sie will die privaten Aktivit\u00e4ten mehr steuern, um Ziele wie mehr Klimaschutz, nationale Sicherheit und gutbezahlte Arbeitspl\u00e4tze zu erreichen. Wir analysieren die entscheidenden Entwicklungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Was treibt die Renaissance der Industriepolitik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Zug in Richtung Industriepolitik hat in den USA in den letzten Monaten noch einmal deutlich Fahrt aufgenommen. Die Biden-Administration folgt in dieser Hinsicht vielfach den Weichenstellungen der Trump-Regierung. Sie setzt dabei aber nicht mehr auf die bei Trump im Zentrum stehenden Zollerh\u00f6hungen, sondern auf eine direkte F\u00f6rderung der Industrie, um &#8222;Made in America&#8220; wieder voranzubringen. Hinter diesem offenbar partei\u00fcbergreifenden Kurswechsel der Wirtschaftspolitik stehen mehrere Motive:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Motiv 1: Niedergang der US-Industrie stoppen und umkehren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Politik und \u00d6ffentlichkeit sind sich in der Diagnose einig, dass sich die US-Industrie im Niedergang befindet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das verarbeitende Gewerbe hatte 1950 noch einen Wertsch\u00f6pfunganteil von 27%. Dieser ist inzwischen auf 10,7% gefallen.<\/li>\n\n\n\n<li>Dieser Bedeutungsverlust ist nach allgemeiner Auffassung nicht nur auf den f\u00fcr fortgeschrittene Volkswirtschaften normalen relativen Abstieg der Industrie und dem Aufstieg von Dienstleistungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Denn damit l\u00e4sst sich kaum erkl\u00e4ren, warum die Produktionskapazit\u00e4t des verarbeitenden Gewerbes seit der Jahrtausendwende stagniert (Abbildung 1). Daf\u00fcr wird &#8222;unfaire&#8220; internationale Konkurrenz verantwortlich gemacht, speziell die aus China nach dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001.<\/li>\n\n\n\n<li>Seit 2000 verlor die Industrie ein Viertel ihrer Jobs, ein Minus von 4,3 Millionen meistens relativ gut bezahlter Stellen. Der Stellenabbau war regional auf einige Staaten \u2013 den sogenannten &#8222;Rust Belt&#8220; \u2013 konzentriert und hat dort zu einer betr\u00e4chtlichen Entfremdung der W\u00e4hler gef\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-32919\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz1.png 1196w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Druck auf die Politik, hier gegenzusteuern, hat stark zugenommen. Sp\u00e4testens nach dem Wahlsieg Trumps 2016, der zu guten Teilen auf das Aufgreifen des so wahrgenommenen industriellen Abstiegs der USA zur\u00fcckzuf\u00fchren war, wurde von Washington eine Kurs\u00e4nderung eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Motiv 2: Sicherheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt bekamen die Bef\u00fcrworter industriepolitischer Eingriffe starken R\u00fcckenwind durch die Probleme mit den globalen Lieferketten und durch sicherheitspolitische Entwicklungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Corona-Krise hat die Anf\u00e4lligkeit von global aufgespannten Lieferketten vor Augen gef\u00fchrt. Das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung einer leistungsf\u00e4higen einheimischen Produktionsbasis wurde dadurch noch deutlich verst\u00e4rkt.<\/li>\n\n\n\n<li>Aufgrund der versch\u00e4rften geopolitischen Konkurrenz mit China wollen sich die USA von chinesischen Zulieferungen unabh\u00e4ngig machen. Strategisch wichtige Bereiche sollen sich auf eine starke heimische Produktionsbasis st\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Krieg Russlands in der Ukraine, bei dem die USA der mit Abstand wichtigste Waffenlieferant der Ukraine sind, haben zudem ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckgerufen, dass sich die USA als &#8222;Arsenal der Demokratie&#8220; sehen. Auch hierf\u00fcr wird eine leistungsf\u00e4hige Industrie als unabdingbare Grundlage angesehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Motiv 3: Umweltschutz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ist man sich beim grunds\u00e4tzlichen Ziel einer F\u00f6rderung der Industrie einig, so wollen vor allem die Demokraten Industriepolitik und staatliche F\u00f6rderung auch f\u00fcr das Erreichen von Umweltzielen einspannen. Die USA haben sich das Ziel gesetzt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 gegen\u00fcber 2005 zu halbieren. Dies setzt eine Verdr\u00e4ngung fossiler Energietr\u00e4ger voraus. Die \u00f6konomisch beste Variante hierzu w\u00e4re nach \u00fcberwiegender Ansicht der Wissenschaft eine Bepreisung, sprich Verteuerung, von CO2-Emissionen. Dies w\u00fcrde entsprechende Verhaltens\u00e4nderungen und Innovationen ausl\u00f6sen, ohne dass weitergehende und ineffiziente Ma\u00dfnahmen erforderlich sind. Politisch ist dies in den USA aber nicht umsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Als &#8222;Second Best&#8220;-L\u00f6sung bleibt damit die direkte F\u00f6rderung gew\u00fcnschter Aktivit\u00e4ten, also Belohnung im Gegensatz zur umstrittenen Bepreisung. Diese Ans\u00e4tze vermischen sich dann vielfach mit der Industriepolitik im engeren Sinne, also der F\u00f6rderung der US-Industrie. Dies erkl\u00e4rt die beschlossene Bevorzugung heimischer Hersteller.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Politische Resultate<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederentdeckung der Industriepolitik hat somit nicht ein einzelnes Motiv, sondern ein ganzes Motivb\u00fcndel. Nicht alle diese Motive werden von Demokraten und Republikanern im gleichen Ausma\u00df geteilt. Weitgehende Einigkeit besteht allerdings bei den unter dem Gesichtspunkt &#8222;Konkurrenz mit China&#8220; zusammenzufassenden strategischen Motiven. Daher konnten entsprechende Gesetze auch recht rasch verabschiedet werden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der bisher sichtbarste Ausdruck vor allem sicherheitspolitisch motivierter Industriepolitik ist der CHIPS Act vom August 2022, ein Gesetzespaket zum Auf- und Ausbau der Halbleiterfertigung in den USA. Mikrochips werden als eines der entscheidend wichtigen &#8222;strategischen&#8220; Produkte angesehen; die Sicherung der amerikanischen F\u00fchrungsrolle in dieser Branche gilt als entscheidender Baustein im Konkurrenzkampf mit China. Der Kongress hat daf\u00fcr insgesamt 100 Mrd. Dollar bereitgestellt.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein weiterer zentraler Baustein f\u00fcr die Ert\u00fcchtigung der US-Wirtschaft ist die Reparatur und der Ausbau der Infrastruktur, der vor allem durch den Infrastructure Investment and Jobs Act vom November 2021 vorangetrieben werden soll. &#8222;Infrastruktur&#8220; wird hier recht weit gefasst und reicht von der klassischen Verkehrsinfrastruktur \u00fcber Strom- und Datennetze bis hin zur Forschungsinfrastruktur. Dies erinnert an die Eisenhower-Administration (1953-61). Aus Sorge, im Kalten Krieg mit der Sowjetunion zur\u00fcckzufallen, wurde ein massives Stra\u00dfenbauprogramm beschlossen (das System der &#8222;Interstate Highways&#8220;, also das \u00fcberregionale Autobahnnetz, ist das direkte Ergebnis dieses Programms), sowie erhebliche Mittel f\u00fcr den Ausbau von Bildung und Forschung zur Verf\u00fcgung gestellt; u.a. wurde die NASA damals aus der Taufe gehoben. Auch hier spielen strategische Motive daher eine bedeutende Rolle.<\/li>\n\n\n\n<li>Problematischer ist der Bereich des Umweltschutzes, der vor allem den Demokraten am Herzen liegt. Hier konnten nicht alle Vorstellungen der Demokraten durchgesetzt werden. Kernpunkt ist hier der etwas irref\u00fchrend betitelte Inflation Reduction Act (IRA) vom August 2022.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Wirklich ein &#8222;Game Changer&#8220;?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Infrastrukturpaket, den IRA und den CHIPS Act sind f\u00fcr die n\u00e4chsten 10 Jahre Ausgaben von mehr als 1000 Mrd. Dollar vorgesehen (Abbildung 2). F\u00fcr einzelne Industrien, vor allem die besonders stark gef\u00f6rderte Halbleiterbranche, m\u00f6gen diese Mittel tats\u00e4chlich einen Unterschied machen und verst\u00e4rkt US-Produktion anregen. Insgesamt ist der Mittelaufwand aber im Vergleich zur Wirtschaftsleistung \u00fcberschaubar (etwa 0,3% des BIP).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-32921\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz2.png 1196w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrungen mit staatlichen F\u00f6rderma\u00dfnahmen in der Vergangenheit sind zudem nicht immer ermutigend.[1] Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die umfangreiche Senkung der Unternehmenssteuern im Jahre 2017, die bislang noch keinen massiven Anstieg ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen ausgel\u00f6st haben. Die entsprechenden Bef\u00fcrchtungen gerade europ\u00e4ischer Politiker haben sich bisher also nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Standortentscheidungen h\u00e4ngen nicht allein von Subventionen oder niedrigen Steuern ab. Dies zeigt ein Blick auf die Direktinvestitionen, die Ausl\u00e4nder in den USA in den letzten Jahren get\u00e4tigt haben. Diese beliefen sich 2021 zwar auf betr\u00e4chtliche 333 Mrd Dollar (15% des BIP); der weit \u00fcberwiegende Teil davon entfiel allerdings auf die \u00dcbernahme bestehender US-Unternehmen. F\u00fcr den Aufbau neuer Betriebe auf der &#8222;gr\u00fcnen Wiese&#8220; bzw. zur Erweiterung bestehender Werke wurden deutlich geringere Betr\u00e4ge ausgegeben. So wurden 2021 gerade einmal entsprechende Projekte im Gesamtvolumen von 15,6 Mrd. Dollar in Angriff genommen (zum Vergleich: die gesamten Netto-Investitionen in den USA beliefen sich 2021 auf fast 1000 Mrd Dollar). Hier ist in den letzten Jahren ein eher fallender Trend zu beobachten (Abbildung 3). Bei energieintensiven Produktionen oder bei Autobatterien ist zwar durchaus eine gewisse Investitionsumlenkung in die USA zu erwarten. Ob dies gesamtwirtschaftlich ins Gewicht f\u00e4llt, ist allerdings noch nicht klar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die regenerative Energieerzeugung erh\u00e4lt durch die verst\u00e4rkte F\u00f6rderung sicherlich noch mehr R\u00fcckenwind. Der Vormarsch der Erneuerbaren ist allerdings keineswegs eine neue Entwicklung, sondern seit mehreren Jahren ohnehin in Gang. Die USA d\u00fcrften im Vergleich mit Europa wohl dauerhaft in den Vorzug &#8222;billiger&#8220; Energie kommen. Bei Erdgas und \u00d6l ist dieser Vorteil bereits etabliert, und bei erneuerbaren Energien haben die USA erhebliche Standortvorteile: Viel Platz, viel Wind, viel Sonne. Der Inflation Reduction Act verst\u00e4rkt allenfalls die ohnehin vorhandenen Vorteile der USA in diesem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz3-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-32922\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz3-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz3-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz3-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/weibalz3.png 1196w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu Risiken und Nebenwirkungen&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die industriepolitische Kehrtwende der USA hat auf der einen Seite zu recht atemlosen Analysen der enormen \u2013 und angeblich enorm positiven \u2013 Wirkungen auf einzelne Branchen gef\u00fchrt, auf der anderen Seite zu gro\u00dfen Bef\u00fcrchtungen gerade der Europ\u00e4er, hier abgeh\u00e4ngt zu werden. Das Gesamtbild kam bei dieser Art der Betrachtung aber oft zu kurz. Wir sehen eine Reihe von Problemen und offenen Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gefahr einer Subventionsspirale. Die EU hat insbesondere den Inflation Reduction Act dankbar aufgegriffen, um eigene umfangreiche F\u00f6rderprogramme vorzuschlagen. So diskutiert die EU bereits \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen. Im Gespr\u00e4ch ist ein Green Deal Industrial Plan im Volumen von 600 Mrd Euro, davon 250 Mrd Euro aus nicht abgerufenen Mitteln des Corona-Fonds.<\/li>\n\n\n\n<li>Die auf einige Branchen konzentrierten Ausgaben werden dort Wirkung erzielen und Produktion und Investitionen anregen. Ob diese einzelwirtschaftlichen &#8222;Erfolge&#8220; auch gesamtwirtschaftlich effizienzsteigernd sind, ist allerdings fraglich. Schlie\u00dflich k\u00f6nnten sie am tats\u00e4chlichen Bedarf vorbeigehen zum Entstehen erheblicher \u00dcberkapazit\u00e4ten beitragen. Die Mittel w\u00e4ren in so einem Fall an anderer Stelle besser eingesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Vorliegen eines ganzen Motivb\u00fcndels f\u00fchrt auch zu Zielkonflikten. Insbesondere beim Ziel Umweltschutz und beim Ziel Wiederaufbau heimischer Produktion ist dies zu bef\u00fcrchten. Denn beim Umweltschutz geht es beispielsweise darum, den Anteil erneuerbarer Energien zu erh\u00f6hen. Dies gelingt umso rascher, je g\u00fcnstiger regenerative Energien sind. Und hier sind importierte Solarmodule oder Speicherbatterien in vielen F\u00e4llen deutlich billiger als &#8222;Made in America&#8220;. Dieser Nachteil l\u00e4sst sich nur durch zus\u00e4tzliche F\u00f6rderung ausgleichen \u2013 und die Mittel fehlen dann an anderer Stelle.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Schutz strategisch relevanter Branchen mag in der Verteidigungsindustrie und deren wichtigsten Zulieferern tats\u00e4chlich im nationalen Interesse der USA liegen. Die Frage ist, wo die strategische Relevanz von Branchen endet. Die Gefahr ist jedenfalls, dass der Kongress immer mehr Bereiche als relevant ansieht, um \u00f6ffentliche Mittel in die Wahlkreise der jeweils entscheidenden Angeordneten zu lenken. Wie die R\u00fcstungsindustrie schon seit langem zeigt, f\u00fchrt das zum Aufbau ineffizienter Strukturen, die sich mehr an politischer als an \u00f6konomischer Zweckm\u00e4\u00dfigkeit orientieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Des weiteren erhebt sich die Frage, ob ein zentrales Motiv, die Eind\u00e4mmung Chinas, \u00fcberhaupt realistisch ist. Denn China ist sicherlich schon zu gro\u00df geworden, um aus der Weltwirtschaft ausgesperrt zu werden. Dies ist ein entscheidender Unterschied zur Sowjetunion, bei der dies noch m\u00f6glich war. So entfielen 1990 auf die UdSSR und die mit ihr verb\u00fcndeten \u00fcbrigen Comecon-Staaten nur 6% des globalen BIP mit fallender Tendenz. Hingegen liegt der Anteil Chinas inzwischen bei etwa 18%, mit steigender Tendenz. Dar\u00fcberhinaus ist die Handelsverflechtung mit China viel enger. So entfielen vom US-Au\u00dfenhandel weniger als 1% auf die Sowjetunion, auf China heute aber 8,6% der US-Exporte und 17,9% der Importe. Diese Zahlen wecken Zweifel an \u00dcberlegungen, die wirtschaftlichen Verbindungen zu China im &#8222;Kalten Krieg 2.0&#8220; weitgehend zu kappen. Gerade deshalb w\u00e4re f\u00fcr eine Einhegung Chinas ein abgestimmtes Vorgehen mit den Verb\u00fcndeten hilfreich, aber diese Partner st\u00f6\u00dft man mit einigen der rein auf US-Arbeitspl\u00e4tze abzielenden Elementen der Politik vor den Kopf.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung der Ma\u00dfnahmen wird es daher darauf ankommen, die Risiken und Nebenwirkungen gering zu halten. Ob dies gelingt, ist allerdings nicht sicher, zumal die Risiken in der politischen Debatte in der Regel kleingeschrieben werden. Bef\u00fcrworter einer Investitionslenkung \u2013 und Industriepolitik ist nichts anderes \u2013 f\u00fchren stets ins Feld, dass der Staat &#8222;Marktversagen&#8220; korrigieren m\u00fcsse. Die Privatwirtschaft habe entweder zuwenig oder nicht in den richtigen Bereichen investiert, um politisch gew\u00fcnschte Ergebnisse zu erm\u00f6glichen. Dies mag in einigen F\u00e4llen zutreffen, vor allem da, wo das Preissystem externe Effekte nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt, im Allgemeinen ist dies These aber kaum zutreffend. So nehmen die privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung stetig zu, auch im Vergleich zur Wirtschaftsleistung. Dies und die ausgebauten Risikokapitalm\u00e4rkte sorgen daf\u00fcr, dass die USA wohl auch ohne gro\u00dfe F\u00f6rderpakete in zukunftstr\u00e4chtigen Gesch\u00e4ftsfeldern weiterhin das Ma\u00df der Dinge sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Zu einem differenzierten Urteil zur US-Industriepolitik von 1970 bis 2020 siehe beispielsweise die umfangreiche Studie des Peterson Instituts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (2023): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32870\">Binnenmarkt, Industriepoliltik und &#8222;Souver\u00e4nit\u00e4tsfonds&#8220;. Wie die Europ\u00e4ische Union ihre wettbewerblichen Fundamente untergr\u00e4bt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (2023): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=32330\">Wohlstand, Innovationen und Industriepolitik. Sind Politiker die besseren Unternehmer?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (2012): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10084\">Neue Industriepolitik mit Clustern. Hokuspokus oder wohldurchdachtes Konzept?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Regierung greift wieder st\u00e4rker in die Wirtschaft ein. 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