{"id":3452,"date":"2010-05-27T09:25:52","date_gmt":"2010-05-27T08:25:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3452"},"modified":"2012-03-14T17:41:12","modified_gmt":"2012-03-14T16:41:12","slug":"gastbeitraganleihekaeufe-und-solvenz-von-notenbankenwie-viel-quasi-fiskalische-aktivitaeten-vertraegt-die-ezb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3452","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag:<\/small><br\/>Anleihek\u00e4ufe und Solvenz von Notenbanken<br\/><small>Wie viel quasi-fiskalische Aktivit\u00e4ten vertr\u00e4gt die EZB?<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>Direkt nach dem dramatischen Rettungsgipfel f\u00fcr die Eurozone k\u00fcndigte die EZB \u00fcberraschend an, k\u00fcnftig erstmals \u00f6ffentliche und auch private Anleihen zu kaufen, um eine &#8222;geordnete geldpolitische Transmission&#8220; sicherzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Politische Unabh\u00e4ngigkeit?<\/strong><\/p>\n<p>Zwar ist ein direkter Kauf bei den ausgebenden Staaten (noch) nicht m\u00f6glich. Jedoch erscheint angesichts der vielen bisher in der Finanzkrise schon gefallenen ordnungspolitischen Tabus nicht mehr ausgeschlossen, dass Regierungen heimische Banken zwingen, ihnen die eigenen Staatsanleihen direkt abzunehmen. Da die Banken diese direkt zur Refinanzierung an die Notenbank weiterreichen, k\u00e4me dies einem direkten Kauf der Anleihen durch die <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.355797.de\/dp996.pdf\" target=\"blank\">Zentralbank<\/a> und einer Umgehung des Verbots der direkten Staatsfinanzierung durch die Notenbank gleich. In den Tagen vor dieser Entscheidung mit enormer Tragweite entstand der Eindruck, die EZB werde nicht nur von den M\u00e4rkten getrieben, sondern auch von der Politik. Durch den Anleihekauf k\u00f6nnte \u2013 so der Tenor &#8211; die nationale Fiskalpolitik zuk\u00fcnftig die gemeinsame Geldpolitik dominieren. Die EZB sei politisch abh\u00e4ngig geworden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gezielte Bondk\u00e4ufe stark verschuldeter Euro-L\u00e4nder beinhalten zudem ein die Fiskaldisziplin schw\u00e4chendes Subventionselement. Die Zinsen auf Bonds schwacher L\u00e4nder fallen, diejenigen starker L\u00e4nder steigen. Fiskalpolitisch solide L\u00e4nder werden bestraft, unsolide belohnt. Das Kreditrisiko wird somit von den Anleihen der schw\u00e4cheren Euro-L\u00e4nder auf die Anleihen der st\u00e4rkeren L\u00e4nder \u00fcberw\u00e4lzt und die EZB hierf\u00fcr in Haftung genommen. Die Angelegenheit wird nicht besser dadurch, dass jetzt noch herauskam, dass das Anleihekaufprogramm im Wesentlichen eine Umverteilungsaktion zugunsten eines milliardenschweren griechischen Oligarchen war.<\/p>\n<p>Die geschilderten Zusammenh\u00e4nge sind relativ unstrittig und sollen deshalb hier nicht weiter thematisiert werden. Viel weniger diskutiert wird der mindestens ebenso bedeutsame Aspekt der schwindenden finanziellen Unabh\u00e4ngigkeit der EZB.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit der EZB und des ESZB?<\/strong><\/p>\n<p>Die finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit einer Notenbank ist zwingend erforderlich, damit sie ihrer eigentlichen Aufgabe, der Sicherung der Preisniveaustabilit\u00e4t, nachkommen kann, ohne auf finanzielle Unterst\u00fctzung des Staates angewiesen und so m\u00f6glicherweise zu politischen Kompromissen (\u201eniedrigerer Zins gegen Absicherung ihrer Solvenz\u201c) gezwungen zu sein. Was geschieht aber, falls die EZB und mit ihr die Notenbanken des Euro-Systems die Anleihek\u00e4ufe im gro\u00dfen Stil fortsetzen und am Ende eines oder mehrere der Schuldenl\u00e4nder wie Griechenland und gegebenenfalls Portugal und neuerdings auch immer mehr andere Volkswirtschaften wie Spanien (sic!) Zins und Tilgung nicht mehr aufbringen k\u00f6nnen? Wer tr\u00e4gt eigentlich die Kursverluste angekaufter privater und staatlicher Anleihen? Letztlich w\u00fcrden dann die Eigner der EZB zur Kasse gebeten, wobei der gr\u00f6\u00dfte Teil auf fiskalpolitisch weniger undisziplinierte L\u00e4nder wie Deutschland entfallen w\u00fcrde. Diese Einbu\u00dfen w\u00fcrden die Notenbanken des Euro-Systems treffen, weil sie gemeinsam mit der EZB die Staatsanleihen kaufen. 8 Prozent der K\u00e4ufe t\u00e4tigt die EZB selbst, die restlichen 92 Prozent verteilen sich auf die nationalen Notenbanken des Euro-Systems entsprechend ihrer Kapitalanteile an der EZB. Auf die Deutsche Bundesbank w\u00fcrde etwa ein Viertel entfallen. Wenig \u00fcberraschend tr\u00e4gt dann der Steuerzahler in diesen L\u00e4ndern die Zeche \u2013 sei es direkt durch eine h\u00f6here Besteuerung oder indirekt durch eine Erosion seiner Kaufkraft durch Inflationierung.<\/p>\n<p>Die Lasten k\u00f6nnten rasch erhebliche Gr\u00f6\u00dfen erreichen. Allein in der ersten Woche des Kaufprogramms hat die EZB Titel im Wert von 16,5 Milliarden Euro gekauft. Innerhalb eines Jahres k\u00f6nnten &#8211; bei unver\u00e4ndertem Tempo &#8211; Anleihen im Wert von etwa 850 Milliarden Euro zusammenkommen. Es gibt gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Hoffnung, dass die Eingriffe weniger gro\u00df ausfallen werden. Gleichwohl besteht die M\u00f6glichkeit, dass solche Summen zusammenkommen. Durch die Markteingriffe sollen Staatspleiten im Euro-Raum gerade vermieden werden. Gleichwohl w\u00e4chst die Schuldenlast der finanzschwachen L\u00e4nder weiter. Sollten sie also &#8211; zum Beispiel wegen des Widerstands ihrer Bev\u00f6lkerung &#8211; den Schuldendienst verweigern und in eine Umschuldung gehen, drohten den Notenbanken des Euro-Systems Abschreibungen. Im Falle Griechenlands wird f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle auf den Anleihem\u00e4rkten mit einem Schuldenschnitt von etwa 50 Cent je Euro Nennwert gerechnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wenn Zentralbanken in Kapitalnot geraten<\/strong><\/p>\n<p>Die toxischen Anleihen in den Bilanzen der EZB zehren im Falle ihres zu vermutenden Wertverfalls durch Abschreibungen in bis zu hoher dreistelliger Milliardenh\u00f6he deren R\u00fccklagen (die Bundesbank hat zum Beispiel eine gro\u00dfe Neubewertungsreserve f\u00fcr ihren Goldschatz angesammelt) und das Eigenkapital auf. Es werden dann niedrigere Notenbankgewinne an die Euro-Regierungen \u00fcberwiesen &#8211; bei vorgegebenem Budgetsaldo und gleichen Staatsausgaben sind dann allerdings mehr Steuern und Abgaben zu erheben. Der Gewinn der Bundesbank betrug zum Beispiel im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Im Extremfall \u00fcbersteigen die Verluste sogar das gesamte Eigenkapital des ESZB. Sollten die Reserven bei einer Notenbank nicht ausreichen, w\u00fcrde der Verlust das Eigenkapital aufzehren. Im Fall der Bundesbank sind das rund 5 Milliarden Euro. Erst wenn auch dieser Puffer weg w\u00e4re, k\u00e4me der Staat ins Spiel. Er k\u00f6nnte die Zentralbank rekapitalisieren. Euro-Regierungen w\u00fcrden Kapital nachschie\u00dfen m\u00fcssen, um entweder die R\u00fccklagen der EZB zu st\u00e4rken oder sogar ein negatives Eigenkapital der EZB zu verhindern. Dann w\u00fcrde der Zahlungsausfall eines anderen Euro-Staates \u00fcber den Umweg der Zentralbank am Ende durch Steuergeld eines anderen Staates finanziert. Eine direkte Nachschusspflicht gibt es nach meiner Einsch\u00e4tzung jedoch nicht. Falls doch, ist eine derartige Bestimmung recht gut versteckt und wenig transparent (!). Was geschieht also, wenn das &#8211; in diesem extremen Szenario &#8211; entstandene Kapitalloch der Zentralbank nicht gestopft w\u00fcrde? Dann drohen ein Geld\u00fcberhang und Inflationierung. Auch in diesem Fall w\u00fcrden die Kosten des Zahlungsausfalls \u00fcberw\u00e4lzt. Bei diesem Ausgang w\u00fcrde der Entzug von Kaufkraft allerdings nicht in Form von Steuern, sondern durch den Kaufkraftschwund der W\u00e4hrung vollzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eFiscal Backing\u201c einer Zentralbank \u2013 Pro und contra<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die urspr\u00fcngliche Bilanzstruktur der Notenbank wieder hergestellt werden soll, k\u00f6nnen die Regierungen im Prinzip zudem per Federstrich neu gezeichnete Anleihen (wenn n\u00f6tig mit einem Nullzins ausgestattet) an die Zentralbank geben. Denn nach Ansicht der Vertreter des \u201eintegrated central bank and government view\u201c wie Willem Buiter und Charles Goodhart sind Staaten trotz chronischer Liquidit\u00e4tsprobleme immer solvent und Notenbanken trotz angegriffener Insolvenz immer liquide. Das Problem dabei ist, dass die \u201edeep long pockets\u201c der Staaten angesichts der gemeldeten Schuldenst\u00e4nde in der Eurozone ziemlich tief oder schlie\u00dflich sogar ziemlich leer sein d\u00fcrften. Mit den Bond-K\u00e4ufen gehen das Eigentum und das Risiko der Papiere auf die nationalen Notenbanken der Eurozone \u00fcber. Sollte es zu Umschuldungen oder Forderungsverzichten kommen, w\u00e4ren die Notenbanken des Euro-Systems nun unmittelbar betroffen. Richtig, das Finanzsystem w\u00fcrde nur wenig ersch\u00fcttert, da die Gesch\u00e4ftsbanken kaum noch Griechen-Anleihen hielten. Aber gerade dies als Vorteil des Anleiheankaufs darstellen zu wollen, w\u00e4re absurd. Denn die riesigen Verluste w\u00fcrden nunmehr auf die europ\u00e4ischen Steuerzahler abgew\u00e4lzt, auch auf diejenigen in den Euro-Staaten, die ohne Rettungspakete eigenst\u00e4ndig Reformen zur Herstellung ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf sich genommen haben.<\/p>\n<p>Dass die Nachahmung der Bondk\u00e4ufe anderer Zentralbanken nicht zielf\u00fchrend ist, verdeutlicht auch und gerade das Beispiel der US-Fed. Die Fed hat \u00e4hnlich wie die Bank of England im Rahmen ihrer unkonventionellen Geldpolitik in weitaus gr\u00f6\u00dferem Umfang als die EZB auch toxische Wertpapiere auf ihre Bilanzen genommen. Deren Wert schmilzt gegenw\u00e4rtig nur so dahin. Dies gef\u00e4hrdet die R\u00fccklagen und das Eigenkapital der Fed. Gel\u00f6st werden kann dieses Problem nur noch durch Inflation &#8211; eine Art indirekter Besteuerung der US-B\u00fcrger und der ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger der USA &#8211; und\/oder durch die \u00dcbertragung von per Federstrich in beliebiger Menge geschaffener und gegebenenfalls mit einem Nullzins ausgestatteten US-Bonds auf die Fed.<\/p>\n<p>Dieses Szenario schafft nur wenig Vertrauen in den gerade in der anglo-amerikanischen Welt so beliebten Tango zwischen einer vermeintlich immer liquiden Zentralbank und dem angeblich immer solventen Staat und f\u00f6rdert Inflationserwartungen. Zumal der Interessenkonflikt, der \u00fcblicherweise zwischen Zentralbank und Regierung abl\u00e4uft \u2013 eine Erh\u00f6hung des Zinssatzes zur Inflationsbek\u00e4mpfung f\u00fchrt zu h\u00f6herem Schuldendienst f\u00fcr den Staat \u2013 nunmehr auf einen Interessenkonflikt innerhalb des Zentralbanksystems verlagert wird. Der Konflikt wird nicht gel\u00f6st, sondern nur auf eine einheitliche Ebene verschoben. Der US-\u00d6konom Roubini weist zu Recht darauf hin, dass die Gefahr eines W\u00e4hrungsabsturzes gr\u00f6\u00dfer wird, wenn die Finanzmarktakteure dieses \u201eschwarze Loch\u201c entdecken und diese Vorgehensweise endg\u00fcltig als Taschenspielertrick entlarven. Denn der Wert des Dollars ist nicht an Gold oder Rohstoffe oder \u00e4hnliches gekoppelt. Es handelt sich lediglich um ein Wertversprechen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Bank of Japan, die seit 1997 in zahlreiche quasi-fiskalische Aktivit\u00e4ten verwickelt wurde. Anleihek\u00e4ufe durch sie erwiesen sich als \u00e4u\u00dferst ineffektiv. Im Gegenteil, sie erh\u00f6hten nur die Gefahr von Verm\u00f6genspreis-Blasen, indem sie die Anleihekurse nach oben trieben. Will die EZB wirklich in diese Fu\u00dfstapfen der Fed und der Bank of Japan treten?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mangelndes \u201eFiscal backing\u201c der EZB \u2013 ein Vorteil<\/strong><\/p>\n<p>Bisher gab es, abweichend von internationalen Gepflogenheiten, in der Eurozone keinen Mechanismus zur Rekapitalisierung des Eurosystems als Ganzes. Jede Regierung der Eurozone stand einzeln hinter \u201eihrer\u201c nationalen Zentralbank. Dies k\u00f6nnte im Hinblick auf die gegenw\u00e4rtig laufende unorthodoxe Geldpolitik als ein Vakuum im Sinne eines mangelnden \u201eFiscal backing\u201c hinter der EZB und dem Eurosystem interpretiert werden. Gepaart mit einer dem buchhalterischen Vorsichtsprinzip verpflichteten Festlegung der \u201eHaircuts\u201c und einer bisher ausreichend erscheinenden R\u00fccklagenbildung durch die nationalen Notenbanken im Euroraum &#8211; verhinderte aber gerade dieses Vakuum bisher in der Eurozone den unheilvollen \u201eTango\u201c zwischen Euro-Regierungen und der EZB: die EZB engagierte sich bisher nur in geringem Umfang in K\u00e4ufen von Anleihen auf Sekund\u00e4rm\u00e4rkten (\u201eCovered Bonds\u201c). Geht der Marsch in eine gemeinsame Europasteuer, die von van Rompuy vorbereiteten gemeinsamen Eurobonds und in eine Europ\u00e4ische Wirtschaftsregierung s\u00fcdeurop\u00e4ischer Pr\u00e4gung weiter, erscheint aber fraglich, dass dies auch k\u00fcnftig noch der Fall sein wird. Beruhigend wirkt lediglich die bisher in Europa fast beispiellos enge Zusammenarbeit des deutschen Finanzministeriums und des franz\u00f6sischen Tr\u00c3\u00a9sor, die letztlich auch zu den aktuellen Vorschl\u00e4gen Sarkozys f\u00fcr eine franz\u00f6sische Schuldenbremse f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nun aber geht die EZB bei ihren zus\u00e4tzlichen Anleihek\u00e4ufen mittel- und langfristig geh\u00f6rige Inflationsrisiken ein und riskiert, den Euro zur Weichw\u00e4hrung zu machen. Der Kauf der Staatsanleihen wird mit frisch gedrucktem Geld finanziert, das zun\u00e4chst Verm\u00f6genspreise treibt, aber sp\u00e4ter auch zu st\u00e4rker als erw\u00fcnscht steigenden Verbraucherpreisen f\u00fchren k\u00f6nnte. Sollten das EZB-Programm erfolglos und die Sparanstrengungen der europ\u00e4ischen Schuldenstaaten nicht glaubhaft sein, steigen auch die Inflationserwartungen \u2013 zumal das Produktionspotenzial in der Eurozone durch die Finanzkrise stark besch\u00e4digt wurde und Rekordsummen an globaler, nicht nur von der EZB ausgegebener \u00dcberschussliquidit\u00e4t im Umlauf sind. Einer unter mehreren Indikatoren hierf\u00fcr sind derzeit die gegenw\u00e4rtigen Rekordpreise f\u00fcr Gold.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass die Bundesbankgerade wegen der (vorwiegend deutschen?) Inflationsfurcht eine gro\u00dfe Neubewertungsreserve f\u00fcr ihren Goldschatz und damit eine Absicherung gegen ihre Insolvenz geschaffen hat. Ihr Gold steht im Prinzip immer noch zum Anschaffungswert in der Bilanz. Angesichts des Rekordmarktpreises f\u00fcr Gold hat sich also eine riesige R\u00fccklage angesammelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Sterilisierung der Anleihenk\u00e4ufe<\/strong><\/p>\n<p>Die EZB will mit Gegengesch\u00e4ften verhindern, dass die Geldmenge im Euro-Raum zunimmt. Sie m\u00f6chte die Staatsanleihen deshalb k\u00fcnftig &#8222;sterilisiert&#8220; aufkaufen und hat dies auch schon getan, um dem Vorwurf der Monetisierung von Staatsdefiziten wirkungsvoll zu begegnen. Dabei verf\u00fcgt die EZB \u00fcber mehrere Instrumente, um einen unerw\u00fcnschten \u00dcberschuss an Liquidit\u00e4t abzusch\u00f6pfen. Bei der Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen hinterlegen Banken bei der EZB f\u00fcr eine fixe Zeit Geld, das so wieder dem System entzogen wird. Dieses Instrument hat die EZB bereits vor einigen Tagen eingesetzt, \u201eum den M\u00e4rkten ihre antiinflation\u00e4re Ausrichtung zu signalisieren\u201c. Obwohl die gekauften Anleihen wesentlich l\u00e4ngere Laufzeiten aufweisen, w\u00e4hlte die EZB nur ein Ein-Wochen-Gesch\u00e4ft \u2013 also eher Psychologie als eine laufzeitkonforme Sterilisierung. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re, dass die EZB selbst Anleihen ausgibt. Dieses Instrument wurde letztes Jahr schon einmal vom EZB-Direktoriumsmitglied Bini Smaghi vorgeschlagen, aber seit Bestehen der W\u00e4hrungsunion noch nie angewendet. Aber wie wasserdicht ist die geplante Sterilisierung der Bondk\u00e4ufe als Absicherung gegen inflation\u00e4re Folgen?<\/p>\n<p>Die EZB betritt bei Durchf\u00fchrung ihrer neuen \u201eMindestpreispolitik\u201c f\u00fcr Anleihen Neuland. Sie kann nicht genau absch\u00e4tzen, wie viel Bonds sie genau kaufen muss, um den Wert der gef\u00e4hrdeten Anleihen nachhaltig zu stabilisieren. Um sicher zu gehen, wird sie wohl mehr als n\u00f6tig kaufen m\u00fcssen, was die Geldmenge unn\u00f6tig aufbl\u00e4ht. Zudem wurden die sterilisierenden Ma\u00dfnahmen bisher mit Ausnahme der Ausschreibung einer Termineinlage \u201ezum Vorf\u00fchlen\u201c nur versprochen; verpflichtend sind sie aber keineswegs. Interessenkonflikte zwischen den nationalen Notenbanken im ESZB sind vorprogrammiert, zumal der Konsolidierungsprozess in L\u00e4ndern wie Griechenland und Portugal &#8211; falls er \u00fcberhaupt erfolgreich sein wird &#8211; mehr als ein halbes Jahrzehnt in Anspruch nehmen d\u00fcrfte. Eine Zentralbank in einem Land mit fiskalischen Problemen wird zudem \u2013 in der Regel unterst\u00fctzt durch die europ\u00e4ischen Gesch\u00e4ftsbanken und die H\u00e4ndler &#8211; immer behaupten, dass der Markt f\u00fcr einheimische Staatspapiere der Unterst\u00fctzung bed\u00fcrfe und Marktbewegungen \u201edysfunktional\u201c seien.<\/p>\n<p>Zwar l\u00e4uft Anfang Juli erst einmal der Ein-Jahres-Tender aus, bei dem die EZB den Banken im Juni vergangenen Jahres sehr viel Geld geliehen hatte. Zugleich aber hat die EZB am 10. Mai neue Liquidit\u00e4tshilfen mit Vollzuteilung angek\u00fcndigt, deren Wirkung klar im Widerspruch zur angek\u00fcndigten Sterilisierung steht und expansiv ist. Die angek\u00fcndigten Ma\u00dfnahmen zur Sterilisierung dieser inflation\u00e4r wirkenden Politik sind zudem teilweise wenig glaubw\u00fcrdig. Durch die Ausgabe eigener EZB-Anleihen zum Beispiel w\u00fcrden Griechen-, Portugiesen- und Spanienbonds noch unattraktiver. Diese L\u00e4nder m\u00fcssten dann noch h\u00f6here Zinsen bieten, um ihre Anleihen platzieren zu k\u00f6nnen. Dies liefe dem Geist des Rettungsschirms klar zuwider und w\u00e4re nicht anreizkonform.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen bringt selbst eine erfolgreiche Sterilisierung nicht alles ins Lot. Die EZB agiert nach wie vor wie ein Fiskalagent, da sie andere eurol\u00e4ndische Kreditgeber in Form h\u00f6herer Anleihezinsen besteuert, um einer Regierung in finanzieller Notsituation beizuspringen. Die Behauptung aber, die Intervention gezielter Anleihek\u00e4ufe diene der Schaffung geordneter Marktbedingungen, wirkt wenig \u00fcberzeugend, gerade wenn die Regierungen oder die EZB entscheiden, welche Marktbewegungen gerechtfertigt sind und welche nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zielrichtung der Geldpolitik sollte die Aktivseite der Notenbankbilanz sein<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Ausgabe eigener Anleihen und auch der Hereinnahme von Termineinlagen geht es lediglich um eine Umstrukturierung der Passivseite der Notenbankbilanz. Diese Ma\u00dfnahmen sind beide nicht geeignet, die aufgebl\u00e4hte Bilanz der Notenbank zu reduzieren und die Wertpapiere mit drohendem Wertverlust &#8211; Bankschuldverschreibungen und Staatsbonds &#8211; aus der EZB-Bilanz zu entfernen. Die Kernfrage lautet ja: wie kommt man von den zuk\u00fcnftig noch h\u00f6heren \u00dcberschussreserven wieder herunter? Dieser Anstieg ergibt sich dadurch, dass es f\u00fcr die Banken immer attraktiver wird, die toxischen Anleihen in ihren Bilanzen bei der EZB abzuladen. Die im Gegenzug erhaltene Liquidit\u00e4t wird zwar nicht f\u00fcr die Kreditvergabe an den Privatsektor gebraucht, dient aber dazu, den notwendigen risikogewichteten Eigenkapitalanteil zu senken. Die Banken m\u00fcssen hierdurch also weniger Eigenkapital halten als ohne die gro\u00dfz\u00fcgige Liquidit\u00e4tsbereitstellung. Daneben f\u00fchrt die Aufnahme von toxischen Papieren in die EZB-Bilanz auch dazu, dass deren Preise k\u00fcnstlich hoch gehalten werden. Eine glaubw\u00fcrdige Strategie der Sterilisierung m\u00fcsste also auch auf der Aktivseite der EZB-Bilanz ansetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Effektivit\u00e4t der Anleihenk\u00e4ufe<\/strong><\/p>\n<p>Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB war nur zu Beginn effektiv; bis zum vergangenen Freitag rutschte der Euro dann auf sein Vier-Jahres-Tief ab. Auch andere Indikatoren wie die an M\u00e4rkten gehandelte Unsicherheit erwecken den Eindruck, dass Investoren dem strategisch \u201eneu konzipierten und aufgestellten\u201c Euroraum offensichtlich nicht richtig trauen. Es war von Anfang an fraglich, ob die niedrigeren Renditeaufschl\u00e4ge wirklich ein sprunghaft gestiegenes Vertrauen der Marktteilnehmer in die Anleihem\u00e4rkte wiederspiegeln. Eher verzerren die Aktivit\u00e4ten der EZB die Preise an den Anleihem\u00e4rkten der Peripheriel\u00e4nder und f\u00fchren zu Skepsis, ob und wie lange die jetzt pl\u00f6tzlich niedrigen Risikopr\u00e4mien halten werden.<\/p>\n<p>Wenn die Notenbanken gegen den Markt, d.h. gegen die fundamental nicht unwahrscheinliche Insolvenz Griechenlands und vielleicht Portugals intervenieren, geht das letztlich nicht gut. Man stelle sich nur das polit-\u00f6konomische Szenario vor, wenn die Anleihen, wie versprochen, in einigen Jahren wieder verkauft werden sollen und die Risikopr\u00e4mien quasi automatisch wieder in die H\u00f6he schnellen. Die EZB sollte sich durch ihr heutiges Handeln bestm\u00f6glich auf genau diese Situation einstellen. Eine Geldpolitik des \u201eAnything goes\u201c\u009d ist deshalb unter allen Umst\u00e4nden zu vermeiden. Denn die Glaubw\u00fcrdigkeit einer Zentralbank ist ein Pfund, mit dem sich gerade in Krisenzeiten wuchern l\u00e4sst. Es ist unersetzlich!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Direkt nach dem dramatischen Rettungsgipfel f\u00fcr die Eurozone k\u00fcndigte die EZB \u00fcberraschend an, k\u00fcnftig erstmals \u00f6ffentliche und auch private Anleihen zu kaufen, um eine &#8222;geordnete &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3452\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Gastbeitrag:<\/small><br \/>Anleihek\u00e4ufe und Solvenz von Notenbanken<br \/><small>Wie viel quasi-fiskalische Aktivit\u00e4ten vertr\u00e4gt die EZB?<\/small>\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,8,33,12],"tags":[194,199,196,141,197,195,198],"class_list":["post-3452","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alles","category-europaisches","category-makrooekonomisches","category-monetares","tag-europaeische-zentralbank","tag-eurozone","tag-geldpolitik","tag-inflation","tag-preisniveaustabilitaet","tag-staatsanleihen","tag-umschuldung"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gastbeitrag:Anleihek\u00e4ufe und Solvenz von NotenbankenWie viel quasi-fiskalische Aktivit\u00e4ten vertr\u00e4gt die EZB? 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