{"id":3627,"date":"2010-06-30T07:13:42","date_gmt":"2010-06-30T06:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3627"},"modified":"2010-06-30T09:56:23","modified_gmt":"2010-06-30T08:56:23","slug":"buechermarktvom-schlechten-staatsgeld-zum-guten-marktgeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=3627","title":{"rendered":"<small>B\u00fccherMarkt<\/small><br\/>Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld"},"content":{"rendered":"<p>Geld erweitert die Tauschm\u00f6glichkeiten und f\u00f6rdert die produktive und friedvolle Kooperation zwischen den Menschen. Das gilt allerdings nur f\u00fcr gutes Geld, also Geld, das im Einklang mit dem freien Markt produziert wird. Schlechtes Geld, also Geld, dessen Produktion gegen die freien Marktprinzipien verst\u00f6sst, zerst\u00f6rt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter das arbeitsteilige Gemeinwesen und damit Wohlstand und Frieden. Um das zu verstehen, ist die Kenntnis \u00fcber die Funktion(en) des Geldes unverzichtbar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Funktion(en) des Geldes<\/strong><\/p>\n<p>Die Geldwirtschaft ist zum Normalzustand geworden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass G\u00fcter und Dienstleistungen gegen Geld getauscht werden: Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Die Tauschmittelfunktion ist die einzige Funktion, die Geld aus\u00fcbt. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis, weil meist zus\u00e4tzlich auch Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion genannt werden, die das Geld erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Doch bei n\u00e4herer Betrachtung zeigt sich, dass die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion nicht eigenst\u00e4ndig, sondern lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion des Geldes sind. Darauf wies der \u00d6konom und Gesellschaftsphilosoph Ludwig von Mises (1881 \u2013 1973), der bedeutendste Vertreter der \u00d6sterreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre, bereits ausdr\u00fccklich im Jahre 1912 hin.<\/p>\n<p>Die Tauschmittelfunktion ist die unmittelbar ersichtliche Funktion des Geldes: Ware wird gegen Geld und Geld wird gegen Ware getauscht. Mit der Verwendung von Geld zum Tauschen erweitern sich die Tauschm\u00f6glichkeiten ganz erheblich gegen\u00fcber den M\u00f6glichkeiten, die eine Naturaltauschwirtschaft bietet, in der G\u00fcter gegen G\u00fcter getauscht werden. Geld ist so gesehen ein produktiver Segen.<\/p>\n<p>Die Recheneinheitsfunktion bedeutet, dass die G\u00fcterpreise in Form eines Gutes, n\u00e4mlich des Geldes, ausgedr\u00fcckt werden. Kostet beispielsweise ein Apfel \u20ac1 und eine Birne \u20ac2, so bedeutet das, dass zwei \u00c4pfel im Tausch gegen eine Birne aufzuwenden sind; dass sich also eine halbe Birne gegen einen Apfel eintauschen l\u00e4sst. Mit Geld l\u00e4sst sich die Vielzahl der Tauschrelationen, die zwischen einzelnen G\u00fctern existieren, und die man ja kennen muss, um richtige Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen, stark vermindern.<\/p>\n<p>Mit der Wertaufbewahrungsfunktion ist gemeint, dass Geld \u00fcber einen gewissen Zeitraum hinweg \u201eKaufkraft speichern\u201c kann. Die Wertaufbewahrung erlaubt dem Geldhalter, seinen W\u00fcnschen entsprechend das Einkommen \u00fcber die Zeit zu verteilen. Die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes beschreibt damit gewisserma\u00dfen eine \u201eTauschfreiheit im Zeitablauf\u201c. Das gilt nat\u00fcrlich nur dann, wenn Geld seine Zahlungsmittelfunktion im Zeitablauf nicht (vollst\u00e4ndig) einb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind jedoch, wie gesagt, keine eigenst\u00e4ndigen Funktionen des Geldes. Sie sind Ausdruck der Tauschmittelfunktion des Geldes. In der Recheneinheitsfunktion kommt die Tauschmittelfunktion des Geldes zum Ausdruck, und die Wertaufbewahrungsfunktion steht f\u00fcr die zeitliche Verlagerung des Tauschens von der Gegenwart in die Zukunft. Diese Erkenntnis ist von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Beantwortung der Frage, die h\u00e4ufig gestellt wird: Wie viel Geld braucht eine Volkswirtschaft?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wie viel Geld braucht die Volkswirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Mainstream-\u00d6konomen \u2013 also die Vertreter der herrschenden Mehrheitslehrmeinung \u2013 sind sich darin einig, dass eine wachsende Wirtschaft eine wachsende Geldmenge ben\u00f6tigt. So fordern beispielsweise Anh\u00e4nger der Quantit\u00e4tstheorie wie die Monetaristen, deren bekanntester Vertreter Milton Friedman (1912 \u2013 2006) ist, die Geldmenge solle \u2013 vereinfachend gesprochen \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit der gesamtwirtschaftlichen G\u00fcterproduktion wachsen. W\u00e4chst die Volkswirtschaft zum Beispiel um 3 Prozent pro Jahr, so w\u00e4re aus monetaristischer Sicht ein \u201eangemessenes\u201c Geldmengenwachstum 3 Prozent pro Jahr.<\/p>\n<p>Der amerikanische \u00d6konom und Gesellschaftsphilosoph Murray N. Rothbard (1926 \u2013 1995) betonte hingegen, aufbauend auf den Arbeiten von Ludwig von Mises, dass jede gerade momentan vorhandene Geldmenge ausreichend ist, weil Geld nur eine Funktion aus\u00fcbt: die Tauschmittelfunktion. Eine Volkswirtschaft braucht also nicht notwendigerweise eine wachsende Geldmenge, wie dies von Mainstream-\u00d6konomen gefordert wird. Ob eine wachsende Geldmenge w\u00fcnschenswert und akzeptabel ist oder nicht, h\u00e4ngt vielmehr davon ab, wie das Geld produziert und in Umlauf gebracht wird \u2013 \u00fcber diesen wichtigen Aspekt wird sp\u00e4ter noch genauer zu sprechen sein. Dass aber ein Ansteigen der Geldmengen in der Volkswirtschaft zwangsl\u00e4ufig bedeutet, dass der Tauschwert des Geldes abnimmt, ist keine leichtfertige und vage Aussage, sondern sie l\u00e4sst sich formal-logisch herleiten: und zwar durch das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens<\/strong><\/p>\n<p>Wie bestimmt sich der (Tausch-) Wert des Geldes, das ja auch ein Gut ist? Um die Frage zu beantworten, ist es wichtig, sich zwei Erkenntnisse vor Augen zu f\u00fchren. Erstens: Der Wert eines Gutes ist stets subjektiv, das hei\u00dft er h\u00e4ngt stets von der Einsch\u00e4tzung des individuellen Betrachters ab. Zweitens: Geld ist ein Gut wie jedes andere Gut auch; es hebt sich nur dadurch von anderen G\u00fctern ab, dass es dasjenige Gut ist, das sich am leichtesten gegen andere G\u00fcter eintauschen l\u00e4sst. Folglich unterliegt Geld, wie jedes andere Gut auch, dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens.<\/p>\n<p>Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahezu zeitgleich von den \u00d6konomen Carl Menger (1840 \u2013 1921), William Stanley Jevon (1835 \u2013 1882) und Leon Walras (1834 \u2013 1910) entdeckt, die jedoch unabh\u00e4ngig voneinander arbeiteten. Es ist in der Volkswirtschaftslehre das mittlerweile allgemein anerkannte Gesetz zur Wertbestimmung eines jeden Gutes geworden. Damit gilt es gleicherma\u00dfen auch f\u00fcr die Wertbestimmung des Gutes Geld. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens besagt, dass die erste G\u00fctereinheit, die konsumiert wird, einen h\u00f6heren zus\u00e4tzlichen Nutzen (deswegen: Grenznutzen) hat als die zweite, dritte und jede weitere konsumierte G\u00fctereinheit. Mit anderen Worten: Der Konsum eines Gutes stiftet mit zunehmender Verbrauchsmenge einen immer geringeren Zusatz- beziehungsweise Grenznutzen. Zum Beispiel stiftet das erste Glas Wasser dem Durstigen den gr\u00f6\u00dften Nutzen, das zweite Glas hingegen einen etwas geringeren und das dritte Glas einen noch geringf\u00fcgigeren Zusatznutzen.<\/p>\n<p>Das Gesetz hat in gleicher Weise G\u00fcltigkeit f\u00fcr das Gut Geld. Die erste Geldeinheit, die verdient wird, stiftet dem Empf\u00e4nger einen gr\u00f6\u00dferen Zusatznutzen als die zweite, dritte und jede weitere verdiente Geldeinheit. Denn die erste Geldeinheit kann eingesetzt werden, um das dringendste Bed\u00fcrfnis zu stillen. Jede weitere Geldeinheit kann ausgegeben werden, um jedes weitere, nunmehr aber weniger dringende Bed\u00fcrfnis zu stillen. Je mehr Geld also ein Marktakteur erh\u00e4lt, desto geringer wird der Wert, also der Grenznutzen, der zus\u00e4tzlich erhaltenen Geldeinheit sein.<\/p>\n<p>Der Wert des Geldes kann sich aus Sicht des Geldhalters nat\u00fcrlich auch ohne eine Geldmengenausweitung ver\u00e4ndern. Denn in einer Marktwirtschaft entstehen laufend neue Produkte, und auch die Bed\u00fcrfnisse und Vorlieben der Konsumenten wandeln sich fortw\u00e4hrend. Produkte, denen gestern noch ein hoher Wert beigemessen wurde, sind heute bereits deutlich im Wert gesunken, weil neue Produkte entstanden sind, die sich besser eignen, die Anforderungen der Konsumenten zu erf\u00fcllen. Dieser fortw\u00e4hrenden Wertsch\u00e4tzung unterliegt auch das Gut Geld. Es gibt folglich kein wertstabiles Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Geld misst keine Werte<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ufig ist zu h\u00f6ren, dass die Preise, also die in Geld ausgedr\u00fcckten Tauschverh\u00e4ltnisse von G\u00fctern, die Werte der G\u00fcter anzeigen. Dass diese Auffassung jedoch falsch ist, soll folgendes Beispiel zeigen. Herr Meier kauft beim Obsth\u00e4ndler einen Apfel, f\u00fcr den er \u20ac1 bezahlen muss. Ist der Apfel Herrn Meier \u20ac1 wert? Nein, der Apfel ist Herrn Meier mehr wert als \u20ac1. Denn Herr Meier tauscht \u20ac1 nur dann gegen einen Apfel ein, wenn aus seiner Sicht der Apfel mehr wert ist als \u20ac1. F\u00fcr den Obsth\u00e4ndler gilt genau das Umgekehrte. Aus seiner Sicht ist \u20ac1 mehr wert als ein Apfel.<\/p>\n<p>Der Preis eines Gutes, also die Anzahl der Geldeinheiten, die f\u00fcr ein Gut hingegeben werden m\u00fcssen, bildet also nicht etwa den Wert eines Gutes ab, sondern er zeigt lediglich an, dass zu diesem Preis eine Tauschtransaktion stattgefunden hat, und dass derjenige, der das Geld bezahlt hat, dem daf\u00fcr erhaltenen Gut einen h\u00f6heren Wert beigemessen hat als den daf\u00fcr hingegebenen Geldbetrag. Bei seinem Handelspartner verh\u00e4lt es sich genau umgekehrt: Er sch\u00e4tzt den erhaltenen Geldbetrag h\u00f6her ein als das Gut, das er daf\u00fcr hingegeben hat.<\/p>\n<p>Tauschtransaktionen kommen deshalb zustande, weil die Beteiligten unterschiedliche Wertvorstellungen hinsichtlich der zu tauschenden G\u00fcter haben und sich beide durch den Tausch besser stellen. Im obigen Beispiel war f\u00fcr Herrn Meier der Apfel wertvoller als \u20ac1, w\u00e4hrend der Obsth\u00e4ndler \u20ac1 einen h\u00f6heren Wert beigemessen hat als dem Apfel. Es sind also gerade die gegenteiligen Wertvorstellungen, die Menschen zum Tauschen veranlassen. Diese Erkenntnis zeigt damit die friedenstiftende Funktion des Geldes auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Stabile Preise bedeuten nicht, dass der Geldwert stabil ist<\/strong><\/p>\n<p>Es w\u00e4re also tr\u00fcgerisch zu glauben, der Wert des Geldes bliebe unver\u00e4ndert, wenn die Preise in der Volkswirtschaft im Zeitablauf konstant bleiben. Denn der Preis zeigt nicht etwa den Wert an, den ein Marktakteur dem Gut zuweist und der ihn zum Handeln (oder Nichthandeln) verleitet. Der Preis zeigt lediglich die Tauschrelation zwischen Gut und Geld ( einheiten) an, zu der ein Tausch stattgefunden hat. Wie ist das Versprechen zu beurteilen, wenn die Zentralbanken erkl\u00e4ren, den Geldwert stabil halten zu wollen? Ein solches Versprechen ist nat\u00fcrlich irref\u00fchrend. Seine Umsetzung ist v\u00f6llig unm\u00f6glich, und der Versuch es umzusetzen, l\u00f6st unweigerlich schwere St\u00f6rungen im Wirtschaftsleben aus.<\/p>\n<p>In einem freien Marktsystem kann es kein stabiles Geld geben; und diese unumst\u00f6\u00dfliche Erkenntnis wird auch nicht durch ein staatliches \u201eEs-soll-sein\u201c-Versprechen au\u00dfer Kraft gesetzt. Der Wert des Geldes (also sein Grenznutzen) \u00e4ndert sich aus der Sicht jedes Einzelnen fortlaufend; und zwar genau in der selben Art und Weise, wie sich auch der Wert aller anderen G\u00fcter ver\u00e4ndert, weil sich die W\u00fcnsche und die M\u00f6glichkeiten der Marktakteure, bestehende Bed\u00fcrfnisse zu decken, fortw\u00e4hrend ver\u00e4ndern. Ein einfaches Beispiel soll das illustrieren.<\/p>\n<p>Es sei angenommen, dass die Marktakteure auf einmal Geld h\u00f6her wertsch\u00e4tzen gegen\u00fcber anderen G\u00fctern als bisher; der Ausl\u00f6ser f\u00fcr diesen Bed\u00fcrfniswandel kann zum Beispiel der Ausbruch einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise sein. Angesichts einer solchen Situation werden die Marktakteure nun verst\u00e4rkt G\u00fcter gegen Geld eintauschen wollen, und das l\u00e4sst die (Geld-) Preise der G\u00fcter absinken. Wenn die Zentralbank daraufhin die Geldmenge ausweitet, um das Absinken der G\u00fcterpreise zu verhindern, st\u00f6rt sie die Tauschrelation zwischen G\u00fctern und Geld, die die Marktakteure aus freien St\u00fccken anstreben, und sorgt so unweigerlich f\u00fcr falsche Entscheidungen der Marktakteure.<\/p>\n<p>Das neu in Umlauf gebrachte Geld sorgt n\u00e4mlich f\u00fcr eine Verzerrung der Preise. Der Preismechanismus, der volkswirtschaftlich so \u00fcberlebenswichtige Koordinationsmechanismus, kann seine Aufgabe dann nicht mehr zufriedenstellend erf\u00fcllen. Die Marktakteure k\u00f6nnen zum Beispiel nicht mehr feststellen, welche G\u00fcter wirklich knapp sind, also bei welchen G\u00fctern es sich lohnt, die Produktion auszudehnen, und welche G\u00fcter sich verbilligen und so signalisieren, dass ihre Produktion eingeschr\u00e4nkt werden soll. Das Wirtschaften wird erschwert, Fehlentscheidungen aufgrund falscher Preissignale mehren sich.<\/p>\n<p>Steigen die Preise f\u00fcr die G\u00fcter nur deshalb, weil sie durch die neue Geldmenge in die H\u00f6he getrieben werden, nicht aber, weil sie wirklich knapp sind, so erweisen sich die Investitionen, mit denen das G\u00fcterangebot ausgeweitet werden soll, bald als unrentabel. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter stellt sich n\u00e4mlich heraus, dass die erhofften G\u00fcterpreise sich nicht erzielen lassen. Die gescheiterten Investitionen sorgen f\u00fcr Arbeitsplatzverluste, Rezession und Bankenpleiten. Entwicklungen, auf die in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 aufgrund von Unkenntnis oder Ignoranz der eigentlichen Krisenursache \u2013 Rufe nach billigem Geld und Staatseingriffen laut werden.<\/p>\n<p>Das Versprechen der Zentralbanken, das Geld stabil zu halten, ist also nicht erf\u00fcllbar, es erweist sich zugleich als Einfallstor f\u00fcr immer weiter um sich greifende Interventionen des Staates in das Wirtschaftsleben, die f\u00fcr immer mehr St\u00f6rungen sorgen. Die Vorstellung, dass es stabiles Geld gibt, und die daraus abgeleiteten Politiken bringen die Volkswirtschaft auf einen unheilvollen Pfad.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die friedenstiftende Funktion des Geldes<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Eine freie Marktordnung zeichnet sich durch ein zentrales Element aus: Eigentumsrechte der Individuen. Eine funktionierende Eigentumsordnung gibt Anreize f\u00fcr eine arbeitsteilige Kooperation zwischen Menschen, die wiederum eine h\u00f6here Produktivit\u00e4t und damit h\u00f6heren Wohlstand gegen\u00fcber der Eigenversorgungswirtschaft m\u00f6glich macht. Um jedoch die Fr\u00fcchte der Arbeitsteilung nutzbar zu machen, sind Tausch und Handel notwendig.<\/p>\n<p>G\u00fcter k\u00f6nnen zwar gegen G\u00fcter getauscht werden, wie es im Naturaltausch der Fall ist. Damit hier aber ein Tausch zustandekommt, muss derjenige, der zum Beispiel ein Ei haben will und daf\u00fcr bereit ist, eine Birne zu geben, jemanden finden, der genau das Gegenteil will: der also ein Ei besitzt und es gegen eine Birne eintauschen will. Das ist nicht immer und \u00fcberall gew\u00e4hrleistet, so dass in einer Naturaltauschwirtschaft die Menschen ihre Bed\u00fcrfnisse h\u00e4ufig durch freiwilligen Tausch nicht befriedigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Tausch wird erheblich vereinfacht, wenn die Marktparteien G\u00fcter gegen Geld tauschen. Dann kann n\u00e4mlich derjenige, der ein Ei hat, das Ei zun\u00e4chst gegen Geld eintauschen, und das Geld kann er dann gegen eine Birne tauschen. Damit in der Geldwirtschaft ein Tausch zustandekommt, ist es also nicht erforderlich, dass eine \u2013 wie es in der Fachsprache hei\u00dft \u2013 doppelte Koinzidenz der W\u00fcnsche vorliegt. Diese herbeizuf\u00fchren ist entweder unm\u00f6glich oder aber ben\u00f6tigt viel Zeit und verursacht Kosten. Mit der Verwendung von Geld werden folglich die M\u00f6glichkeiten des Tauschens und damit auch der Arbeitsteilung ganz erheblich erweitert. Geld bef\u00f6rdert so ein arbeitsteilig organisiertes Gemeinwesen und damit die friedvolle Kooperation zwischen Menschen.<\/p>\n<p>Markttransaktionen, an denen die Beteiligten aus freien St\u00fccken teilnehmen, sind f\u00fcr alle vorteilhaft. W\u00e4ren sie es nicht, so w\u00fcrden sie nicht stattfinden. Der Tausch kommt ja gerade dadurch zustande dass, \u2013 und auch nur dann, wenn  \u2013 die beteiligten Akteure entgegengerichtete Wertvorstellungen und W\u00fcnsche mit Blick auf die G\u00fcter haben, die getauscht werden. Herr M\u00fcller wird bereit sein, f\u00fcr eine Flasche Champagner \u20ac100 zu bezahlen, weil er den damit verbundenen pers\u00f6nlichen Nutzen h\u00f6her einsch\u00e4tzt als den Besitz von \u20ac100. Die Tatsache, dass der Champagner-Verk\u00e4ufer seine Flasche gegen \u20ac100 verkauft, zeigt, dass er den \u20ac100 mehr Wert beimisst als dem Besitz des Schaumweins.<\/p>\n<p>Bei freien Markttransaktionen handelt es sich also nicht um Nullsummenspiele, bei denen einer auf Kosten anderer gewinnt. Vielmehr stellen sich alle Beteiligten besser. Und so ist die Verwendung von Geld ein friedenstiftendes Element. Das gilt allerdings dann und nur dann, wenn das Geld, das zu Tauschzwecken verwendet wird, gutes Geld ist. Die Politisierung des Geldes \u2013 also insbesondere die Herrschaft des Staates \u00fcber das Geld und das Geldwesen \u2013 bringt jedoch unweigerlich schlechtes Geld hervor, und folglich ist bei Staatsgeld nicht mehr gew\u00e4hrleistet, dass alle Beteiligten im Tauschprozess gleicherma\u00dfen profitieren und dass das Geld seine friedenstiftende Wirkung beh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Macht mehr Geld eine Volkswirtschaft reich?<\/strong><\/p>\n<p>Die Meinung, dass es einer Volkswirtschaft mit mehr Geld besser geht, ist zwar weit verbreitet, sie ist allerdings falsch. Bei Konsum- und Investitionsg\u00fctern gilt, dass ihre Vermehrung den materiellen Wohlstand erh\u00f6ht. Anders verh\u00e4lt es sich beim Gut Geld. Seine Vermehrung bewirkt genau das Gegenteil. Eine der vielen historischen Begebenheiten, die diese Wahrheit illustrieren, ist Hitlers Geldf\u00e4lscherplan.<\/p>\n<p>Im Zweiten Weltkrieg sannen die Nationalsozialisten dar\u00fcber nach, wie die Kriegskr\u00e4fte der Alliierten zu schw\u00e4chen seien. Ein Plan, der bereits am 18. September 1939 im deutschen Finanzministerium vorlag, bestand darin, britische Pfundnoten zu f\u00e4lschen und in Umlauf zu bringen. Millionen gef\u00e4lschter britischer Banknoten sollten durch die Luftwaffe \u00fcber Gro\u00dfbritannien abgeworfen, \u00fcber Stra\u00dfen und D\u00e4chern verstreut werden. Auf diese Weise sollte das Vertrauen in die Weltleitw\u00e4hrung Britisches Pfund zersetzt werden. Das In-Umlauf-bringen von gef\u00e4lschtem britischem Geld w\u00fcrde, so kalkulierten die Nationalsozialisten, Inflation sch\u00fcren und die Wirtschaft schwer sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Der Plan sah zudem vor, dass die Geldf\u00e4lscherei zu einem bestimmten Zeitpunkt entdeckt und offengelegt werden sollte. Die Nachricht vom gef\u00e4lschten Pfund Sterling sollte dann, unterst\u00fctzt durch die erhofften Ersch\u00fctterungen an den Weltb\u00f6rsen, zum Zusammenbruch, zumindest aber zum schweren Vertrauensbruch in die britische W\u00e4hrung f\u00fchren. Und sei, so das Kalk\u00fcl der Geldf\u00e4lscher, das Vertrauen in das Pfund Sterling erst einmal schwer gesch\u00e4digt, w\u00e4re die Kriegsfinanzierung gest\u00f6rt, und letztlich k\u00f6nnte so die Deutsche Mark die Welt(finanz)m\u00e4rkte erobern.<\/p>\n<p>Die deutsche Reichsbank sollte mit der Herstellung von gef\u00e4lschten britischen Pfundnoten beauftragt werden. Doch das erwies sich als schwieriger als zun\u00e4chst angenommen. Vor allem gelang es nicht, die britischen Pfundnoten in geeigneter Qualit\u00e4t zu f\u00e4lschen. Das ganze Geldf\u00e4lschungs- und Zerst\u00f6rungsprojekt wurde schlie\u00dflich aufgegeben. Eine Lehre aus dieser Episode ist in jedem Falle erw\u00e4hnenswert: Die Nationalsozialisten trachteten danach, die britische Geldmenge auszuweiten, nicht zum Nutzen der Briten, sondern zu ihrem Schaden. Sie wussten sehr wohl, dass eine steigende Geldmenge eine Volkswirtschaft nicht reicher macht, sondern dass sie ihr schadet, und zwar auf eine h\u00f6chst subtile und perfide Art.<\/p>\n<p>Ironie der Geschichte: Es war die extrem inflationierte Deutsche Reichsmark, die im Zuge einer W\u00e4hrungsreform 1948 unterging, w\u00e4hrend das Britische Pfund noch heute existiert.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Dieser Blog-Beitrag ist ein Auszug (1. Kapitel: Was Geld ist) des Buches <a href=\"http:\/\/lichtschlag-buchverlag.de\/programm\/polleit-prollius\/geldreform\" target=\"blank\">Geldreform<\/a> (<a href=\"http:\/\/lichtschlag-buchverlag.de\/\" target=\"blank\">Lichtschlag-Buchverlag<\/a>) unserer Autoren Thorsten Polleit und Michael von Prollius.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geld erweitert die Tauschm\u00f6glichkeiten und f\u00f6rdert die produktive und friedvolle Kooperation zwischen den Menschen. 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