{"id":36308,"date":"2024-03-24T00:36:00","date_gmt":"2024-03-23T23:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=36308"},"modified":"2024-06-05T11:08:08","modified_gmt":"2024-06-05T10:08:08","slug":"wem-gehoert-der-fussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=36308","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6rt der Fu\u00dfball?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Behauptung der Fans, der Fu\u00dfball geh\u00f6re ihnen, ist aus Sicht der Theorie der Verf\u00fcgungsrechte unzutreffend; vielmehr geh\u00f6rt der Fu\u00dfball den Veranstaltern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In der WDR-Sendung \u201eHart aber fair\u201c vom 19.02.2024 wurde dar\u00fcber diskutiert, wem der Fu\u00dfball geh\u00f6re. Zu Gast waren neben dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Hannover 96 Management GmbH Martin Kind u.a. Vertreter von Fan-Organisationen. Dabei wurde insbesondere von Seiten der Fans behauptet, der Fu\u00dfball geh\u00f6re ihnen. Auch Ralf Rangnick, gegenw\u00e4rtig Teamchef der \u00f6sterreichischen Nationalmannschaft, antwortete am 16.03.2024 in einem Interview mit der Zeitung \u201eStandard\u201c (Hackl 2024) auf die Frage \u201eWem geh\u00f6rt der Fu\u00dfball?\u201c mit \u201eEr geh\u00f6rt allen\u201c, wobei er den Leser ohne eine Begr\u00fcndung, die nicht auf seinen subjektiven Wertvorstellungen als \u201eTraditionalist\u201c und \u201eRomantiker\u201c basiert, zur\u00fcckl\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen uns in diesem Post mit der Fragestellung etwas dezidierter auseinandersetzen und greifen hierzu auf die Theorie der Eigentums- bzw. Verf\u00fcgungsrechte (Property Rights Theory) als Referenzrahmen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Theorie der Eigentumsrechte als Referenzrahmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Theorie der Eigentumsrechte setzt sich mit der Definition, dem Schutz und den Auswirkungen von Eigentumsrechten auf die Wirtschaftsaktivit\u00e4ten auseinander (Alchian &amp; Demsetz 1973; Demsetz 1974; bezogen auf den Teamsport insb. Franck 1995, S.&nbsp;204-213). In diesem Zusammenhang wird analysiert, wie die Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten das Handeln der Wirtschaftsakteure beeinflu\u00dft und damit die Ressourcenallokation und die wirtschaftliche Entwicklung determiniert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Property-Rights-Theorie wird Eigentum als ein B\u00fcndel von Rechten verstanden, die einer Person oder einer Gruppe erlauben, eine bestimmte Ressource oder ein Gut zu nutzen, zu kontrollieren und davon zu profitieren. Dieses Rechteb\u00fcndel umfa\u00dft somit<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>das Recht, das Gut zu nutzen (usus),<\/li>\n\n\n\n<li>das Recht, die Ertr\u00e4ge, die aus der Nutzung des Gutes resultieren, zu vereinnahmen, sowie die Verpflichtung, Verluste zu tragen (usus fructus),<\/li>\n\n\n\n<li>das Recht, das Gut in seiner Form und in seinem Aussehen zu ver\u00e4ndern (abusus) und<\/li>\n\n\n\n<li>das Recht, die oben genannten Rechte einzeln oder im B\u00fcndel zu ver\u00e4u\u00dfern (ius abutendi).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Theorie der Eigentumsrechte impliziert, da\u00df eine klare Definition der Property Rights, ihre Konzentration und ihre Durchsetzung die Transaktionskosten der Wirtschaftssubjekte reduziert und auf diese Weise eine effiziente Ressourcennutzung erm\u00f6glicht. Ein anschauliches Beispiel, welche Gefahren von einer Ausd\u00fcnnung der Property Rights einhergehen, stellt das sog. Ambush Marketing dar. Darunter wird eine Marketingstrategie verstanden, die darin besteht, da\u00df ein Unternehmen versucht, von einem Ereignis, normalerweise einem gro\u00dfen Sportereignis oder einer Veranstaltung, zu profitieren, ohne offiziell als Sponsor oder Partner aufzutreten (Nufer &amp; B\u00fchler 2015). Dabei werden oft geschickte Werbema\u00dfnahmen genutzt, um die Aufmerksamkeit der relevanten Zielgruppe auf sich zu lenken, ohne die mit dem offiziellen Sponsoring verbundenen Kosten zu tragen. So nahmen bei der Fu\u00dfball-WM 2010 in S\u00fcdafrika die sog. \u201eBavaria Beer Babes\u201c \u2013 eine Gruppe von 36 als attraktiv wahrgenommenen Frauen in Kleidern in der Farbe der niederl\u00e4ndischen Nationalmannschaft und mit Emblemen der niederl\u00e4ndischen Bavaria Brewery \u2013 als Zuschauer an verschiedenen Spielen der niederl\u00e4ndischen Nationalmannschaft teil und zogen die Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums auf sich und die Bavaria Brewery (Nufer 2014). Der auf dem selben Markt t\u00e4tige offizielle WM-Sponsor, die Budweiser Brauerei, erlitt durch diese Aktion, die freilich von der FIFA schnell unterbunden wurde, eine Ausd\u00fcnnung ihrer Verf\u00fcgungsrechte. W\u00e4re die FIFA hier nicht vergleichsweise rigoros eingeschritten, h\u00e4tte die mangelnde Durchsetzung der Verf\u00fcgungsrechte der Sponsoren dazu gef\u00fchrt, da\u00df bei zuk\u00fcnftigen Weltmeisterschaften die Sponsoren sich beim Eingehen von Sponsoringvertr\u00e4gen aus Angst vor Trittbrettfahrerverhalten zunehmend zur\u00fcckgehalten h\u00e4tten und damit die Preise der Sponsoringrechte verfallen w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wesensschau des Fu\u00dfballs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen den Begriff Wesensschau bzw. Ph\u00e4nomenologie hier nicht im Sinne Husserls (1928) verwenden, sondern \u2013 vor dem Hintergrund von Poppers Essentialismuskritik (Popper 1974, S. 21ff.) \u2013 lediglich einen knappen, aber notgedrungen unvollst\u00e4ndigen \u00dcberblick \u00fcber die \u2013 nach unserer Auffassung \u2013 wesentlichen Charaktermerkmale des Fu\u00dfballs geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus \u00f6konomischer Sicht resultiert das soziale Ph\u00e4nomen Fu\u00dfball aus der Konstitution mehrerer M\u00e4rkte: Die Nachfrage nach Fu\u00dfball iwS. kann sich zum einen im aktiven Fu\u00dfballspielen akzentuieren und kann zum anderen im passiven Konsumieren (also im Zuschauen) von Fu\u00dfballspielen bestehen. Anhand der Nachfrage l\u00e4\u00dft sich damit der Markt f\u00fcr den aktiven Konsum von Fu\u00dfball (Sportlermarkt) vom Markt f\u00fcr den passiven Konsum von Fu\u00dfballmatches (Zuschauermarkt) abgrenzen. Beide M\u00e4rkte h\u00e4ngen eng zusammen; so setzt der Zuschauermarkt den Sportlermarkt voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Sportlermarkt k\u00f6nnen nun unterschiedliche Anbieter auftreten, die entweder Sportst\u00e4tten zur Aus\u00fcbung bereitstellen und\/oder organisatorische Dienstleistungen anbieten. Die Anbieter reichen dabei von staatlichen (z. B. Schulen, Universit\u00e4ten, Kommunen, Bundeswehr) \u00fcber private nicht-gewinnorientierte (z. B. Sportvereine, Verb\u00e4nde) zu gewinnorientierten Organisationen (z. B. Profifu\u00dfballklubs mit b\u00f6rsennotierten Rechtsformen). Auf dem Zuschauermarkt fragen nun fu\u00dfballinteressierte Bev\u00f6lkerungsgruppen (z. B. Fans) eine Unterhaltungsdienstleistung nach, die von unterschiedlichen Veranstaltern angeboten werden. Derartige Veranstalter k\u00f6nnen insbesondere im Amateurbereich wiederum unterschiedlichster Natur sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich des hier verst\u00e4rkt im Fokus stehenden deutschen Profifu\u00dfballs (Fu\u00dfball-Bundesliga, 2. Fu\u00dfball-Bundesliga) ist der Veranstalter die DFL Deutsche Fu\u00dfball Liga GmbH, eine hundertprozentige Tochter der DFL Deutschen Fu\u00dfball Liga e.V. Sie organisiert und vermarktet in erster Linie die Bundesliga und die 2. Bundesliga. Bei der Produktion der Unterhaltungsdienstleistung Fu\u00dfballspiel gelangen nun wiederum mehrere Produktionsfaktoren zum Einsatz. Dies sind u.a. die beteiligten Teams, deren Angeh\u00f6rige Vertr\u00e4ge mit den zugeh\u00f6rigen Klubs als Arbeitgeber haben. Zudem nehmen die Zuschauer eine Doppelrolle bei der Unterhaltungsdienstleistung ein: Sie sind zum einen an der Produktion derselben durch die Stimmung, die sie durch ihre Pr\u00e4senz, ihre Ges\u00e4nge und auch durch ihre Gewalt erzeugen, beteiligt und haben dadurch einen erheblichen Einflu\u00df auf den Ausgang eines Spiels (Follert, Daumann &amp; Passon 2020; Leitner et al. 2023). Zum anderen sind sie in der Rolle des Konsumenten zu finden, der das Spielgeschehen beobachtet und daraus Nutzen in Form von Unterhaltung oder Abwechslung zieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstalter offerieren in Form eines Fu\u00dfballspiels eine Plattform, auf die unterschiedliche Nutzer zugreifen k\u00f6nnen (multi sided markets): Neben den Zuschauern sind dies vor allem die Medien, die an \u00dcbertragungsrechten interessiert sind, die Sponsoren und andere Unternehmen, die Merchandisingrechte erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eigentumsrechte im Fu\u00dfball<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen die Frage \u201eWem geh\u00f6rt der Fu\u00dfball?\u201c lediglich f\u00fcr den professionellen Fu\u00dfball in Deutschland aus Sicht der Property-Rights-Theorie und der gegenw\u00e4rtigen Ausgestaltung der Verf\u00fcgungsrechte beantworten. Die Veranstalter eines Bundesligaspiels haben das Recht inne, die Veranstaltung durchzuf\u00fchren (usus) und den Nutzen aus der Veranstaltung zu ziehen (usus fructus). Letzteres erfolgt, indem sie z.B. Personen, die nicht bereit sind, die Eintrittsgeb\u00fchr zu bezahlen, das Beiwohnen an der Veranstaltung untersagen k\u00f6nnen, indem sie Unternehmen, die die Veranstaltung als Sponsor nutzen wollen, zur Zahlung eines Entgelts verpflichten k\u00f6nnen und diese anderenfalls zur Unterlassung zwingen k\u00f6nnen und indem sie f\u00fcr die \u00dcbertragung der Veranstaltung in den Medien ebenfalls eine monet\u00e4re Kompensation verlangen k\u00f6nnen. Zudem verf\u00fcgen die Veranstalter \u00fcber das Recht, die Veranstaltung in ihrer Form und in ihrem Aussehen zu ver\u00e4ndern (abusus). Freilich k\u00f6nnen sie sich hierbei in den Widerspruch zu den internationalen Verb\u00e4nden setzen, aber prinzipiell steht ihnen dieses Recht zu. Schlie\u00dflich haben die Veranstalter das Recht, die anderen Rechte einzelnen oder im B\u00fcndel zu ver\u00e4u\u00dfern (ius abutendi), was teilweise tats\u00e4chlich geschieht und worunter auch die Ver\u00e4u\u00dferung eines Anteils des Vermarktungsrechts an einen Finanzinvestor z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten: Dem Veranstalter \u2013 hier der DFL GmbH \u2013 geh\u00f6ren die ma\u00dfgeblichen Eigentumsrechte im deutschen Profifu\u00dfball. Dem Veranstalter geh\u00f6rt also aus Perspektive der Property-Rights-Theorie der Fu\u00dfball \u2013 zumindest der professionelle Teil. Es ist zu betonen, dass unsere Beantwortung sich rein auf die eigentumsrechtliche sowie \u00f6konomische Bewertung der Frage \u201eWem geh\u00f6rt der Fu\u00dfball\u201c? bezieht. Davon unbenommen ist das Gef\u00fcge Profifu\u00dfball auch auf andere Stakeholder angewiesen, die durchaus erhebliche Verhandlungsmacht haben. Hierzu z\u00e4hlen neben den Klubs und den Spielern sicherlich die Fans und die sonstigen Zuschauer, deren Zahlungsbereitschaft als Zuschauer im Stadion oder als Zuschauer oder Zuh\u00f6rer der Medien die Kommerzialisierung und damit die Professionalisierung des Fu\u00dfballs erst erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alchian, A. A., &amp; Demsetz, H. (1973). The property right paradigm. The journal of economic history, 33(1), 16-27.<\/p>\n\n\n\n<p>Demsetz, H. (1974). Toward a theory of property rights. In Classic papers in natural resource economics (pp. 163-177). London: Palgrave Macmillan UK.<\/p>\n\n\n\n<p>Follert, F., Daumann, F. &amp; Passon, L. (2020). Zur Bedeutung der Fans im professionellen Fu\u00dfball im Lichte der COVID-19-Pandemie. Sciamus \u2013 Sport und Management 11(2), 28-49.<\/p>\n\n\n\n<p>Franck, E. (1995). Die \u00f6konomischen Institutionen der Teamsportindustrie. Wiesbaden: DUV.<\/p>\n\n\n\n<p>Hackl, C. (2024), \u00d6FB-Teamchef Ralf Rangnick: &#8222;Ich sehe die Gefahr, dass die Rechtsextremen an die Macht kommen&#8220;, Zugriff am 17.03.2024 unter: https:\/\/www.derstandard.de\/story\/3000000211935\/oefb-teamchef-ralf-rangnick-ich-sehe-die-gefahr-dass-die-rechtsextremen-an-die-macht-kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Husserl, E. (1928). Ideen zu einer reinen Ph\u00e4nomenologie und ph\u00e4nomenologischen Philosophie, 3. Aufl., Halle\/S.: Niemeyer<\/p>\n\n\n\n<p>Leitner, M. C., Daumann, F., Follert, F., &amp; Richlan, F. (2023). The cauldron has cooled down: a systematic literature review on home advantage in football during the COVID-19 pandemic from a socio-economic and psychological perspective. Management Review Quarterly, 73(2), 605-633.<\/p>\n\n\n\n<p>Nufer, G. (2014), Heimliches Marketing bei der Fu\u00dfball-WM. Beer-Babes und Lederhosen! Werbe-Attacke aus dem Hinterhalt, Zugriff am 16.03.2024 unter: https:\/\/www.focus.de\/sport\/experten\/nufer\/heimliches-marketing-bei-der-fussball-wm-beer-babes-und-lederhosen-die-wm-werbe-attacke-aus-dem-hinterhalt_id_3875968.html.<\/p>\n\n\n\n<p>Nufer, G., &amp; B\u00fchler, A. (2015). A theoretical and empirical overview of ambush marketing in sports. Routledge Handbook of Sports Marketing, 161-179.<\/p>\n\n\n\n<p>Popper, K. R. (1974), Das Elend des Historizismus, 4. Aufl., T\u00fcbingen: Mohr Siebeck.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Behauptung der Fans, der Fu\u00dfball geh\u00f6re ihnen, ist aus Sicht der Theorie der Verf\u00fcgungsrechte unzutreffend; vielmehr geh\u00f6rt der Fu\u00dfball den Veranstaltern.<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":350,"featured_media":36311,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2237,9],"tags":[1747,3310,99],"class_list":["post-36308","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fussballerisches","category-sportliches","tag-daumann","tag-follert","tag-fussball"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wem geh\u00f6rt der Fu\u00dfball? 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