{"id":37887,"date":"2024-09-04T08:54:22","date_gmt":"2024-09-04T07:54:22","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37887"},"modified":"2024-09-04T08:54:24","modified_gmt":"2024-09-04T07:54:24","slug":"der-unendliche-raumbedarf-in-universitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37887","title":{"rendered":"Der unendliche Raumbedarf in Universit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"\n<p>In Universit\u00e4ten stellt sich h\u00e4ufig das Problem, da\u00df bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen erhebliche Bedarfe an B\u00fcro- und Laborr\u00e4umen angemeldet und meist auch durchgesetzt werden. Wir wollen diese Thematik mit Hilfe der B\u00fcrokratietheorie von William A. Niskanen (1968; 1971) analysieren und darauf basierend L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge ableiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Niskanens \u00dcberlegungen zum Verhalten von B\u00fcrokratien, insbesondere im \u00f6ffentlichen Sektor, erlauben ein tiefgehendes Verst\u00e4ndnis dahingehend, wie B\u00fcrokraten und staatliche Institutionen agieren, um ihre eigenen Interessen zu maximieren. Dabei kommt er zu der Einsicht, da\u00df B\u00fcrokratien nicht nur passive Werkzeuge zur Durchf\u00fchrung von staatlichen Aufgaben sind, sondern dass sie vielmehr eigene Anreize haben, die oft zu ineffizientem Verhalten f\u00fchren k\u00f6nnen. Zentral in Niskanens Ansatz ist die Annahme, da\u00df B\u00fcrokraten sich nutzenmaxierend verhalten. Vor dem Hintergrund der institutionellen Rahmenbedingungen streben B\u00fcrokraten danach, das Budget ihrer Beh\u00f6rde zu maximieren, da zum einen ein gr\u00f6\u00dferes Budget die Wichtigkeit der Aufgaben dieser Beh\u00f6rde herausstellt und da zum anderen aus einem gr\u00f6\u00dferen Budget eine Reihe von Vorteilen wie etwa h\u00f6here Geh\u00e4lter, gr\u00f6\u00dfere Einflussm\u00f6glichkeiten, gr\u00f6\u00dfere Machtpositionen und bessere Aufstiegschancen innerhalb der Organisation resultieren. In Niskanens Modell treten den B\u00fcrokraten Politiker gegen\u00fcber, die \u00fcber die Zuteilung des Budgets bestimmen. Gegen\u00fcber diesen Politikern verf\u00fcgen die B\u00fcrokraten \u00fcber einen Informationsvorsprung. Sie besitzen in der Regel mehr spezifisches Wissen \u00fcber die Funktionsweise und die Notwendigkeiten ihrer eigenen Beh\u00f6rde als die politischen Entscheidungstr\u00e4ger. Der sich daraus ergebende diskretion\u00e4re Handlungsspielraum kann nun von den B\u00fcrokraten f\u00fcr die Realisierung eigener Ziele genutzt werden. Zwischen den B\u00fcrokraten und den Politikern liegt somit eine klassische Principal-Agent-Beziehung vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Um ein h\u00f6heres Budget zu erhalten, stellen die B\u00fcrokraten ihre Aufgaben und Projekte gegen\u00fcber den Politikern als besonders wichtig oder dringlich dar. Sie neigen dazu, den Bedarf an zus\u00e4tzlichen Ressourcen zu \u00fcbertreiben oder die Folgen einer unzureichenden Finanzierung zu dramatisieren. Dies f\u00fchrt dazu, dass Politiker oft gr\u00f6\u00dferen Budgets zustimmen, als es tats\u00e4chlich notwendig w\u00e4re, um die Dienstleistungen der Beh\u00f6rde effektiv zu erbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im wesentlichen resultieren aus dieser Verhaltensweise Ineffizienzen in der Form, da\u00df entweder mehr Ressourcen verbraucht werden als zur Erf\u00fcllung der eigentlichen Aufgabe erforderlich sind oder da\u00df die Produktion \u00f6ffentlicher G\u00fcter und Dienstleistungen \u00fcber das gesellschaftlich gew\u00fcnschte Ma\u00df hinaus produziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Universit\u00e4ten sind komplexe Organisationen, die durch \u00f6ffentliche Mittel finanziert werden und deren Verwaltung typischerweise durch b\u00fcrokratische Strukturen gepr\u00e4gt ist. Diese Strukturen umfassen Verwaltungseinheiten, Fakult\u00e4ten, Institute, Abteilungen und Forschungszentren, die allesamt um Ressourcen konkurrieren. \u00dcbertragen wir Niskanens Modell auf Universit\u00e4ten, so nehmen die Professoren die Rolle der B\u00fcrokraten und die Universit\u00e4tsleitung die Rolle der Politiker, die \u00fcber die H\u00f6he des Budgets entscheiden, ein.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Professoren sind Arbeitsr\u00e4ume, also B\u00fcros und Labore, zum einen ein Produktionsfaktor, mit dem Forschungsergebnisse produziert werden k\u00f6nnen. Zudem gelingt es mit gro\u00dfen und gut ausgestatteten B\u00fcros und Laboren leichter, gute Mitarbeiter zu verpflichten und diese besser zu motivieren. Weiterhin sind sie als symbolische Ressourcen zu begreifen, da ihr Ausma\u00df und ihre Gr\u00f6\u00dfe den Status des Professors bzw. des Lehrstuhls oder der Abteilung reflektiert. Vor diesem Hintergrund darf gemutma\u00dft werden, da\u00df Professoren bei Berufungs- bzw. Bleibeverhandlungen versuchen werden, m\u00f6glichst viele und gro\u00dfe R\u00e4ume und \u2013 sofern es in der Fachdisziplin notwendig ist \u2013 Labore zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den verhandelnden Professoren steht auf der anderen Seite eine Universit\u00e4tsleitung gegen\u00fcber, die nur eingeschr\u00e4nkt den tats\u00e4chlichen Bedarf eines Lehrstuhls oder einer Abteilung einsch\u00e4tzen kann. Diese Asymmetrie erm\u00f6glicht es den verhandelnden Professoren, ihren Raumbedarf zu \u00fcbertreiben oder die Notwendigkeit von zus\u00e4tzlichen B\u00fcros und Labore zu betonen. Die Folge daraus ist, da\u00df unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele R\u00e4ume vorgehalten werden bzw. angemietet werden m\u00fcssen. Es liegt also eine ineffiziente Nutzung der Ressource Raum in den Universit\u00e4ten vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Raumbedarf an B\u00fcros und Laboren in den Universit\u00e4ten st\u00e4rker am tats\u00e4chlichen Bedarf anzupassen, gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten. So k\u00f6nnte mit einer Ausdehnung der Kontrollmechanismen den \u00fcberbordenden Anspr\u00fcchen begegnet werden. Dies setzt eine systematische Analyse des Raumbedarfs und der Raumnutzung voraus. Dabei k\u00f6nnen neben den traditionellen kennzifferbasierten Modellen auch Raummanagement-Systeme eingesetzt werden, die mit Belegungssensoren und anderen technischen Finessen eine Echtzeit\u00fcberwachung der Raumnutzung erm\u00f6glichen. Nachteilig dieser Verfahren ist zum einen das damit zum Ausdruck gebrachte Mi\u00dftrauen der Universit\u00e4tsleitung gegen\u00fcber den Professoren, das sich sehr nachteilig auf die Motivation letzterer auswirken kann, zum anderen sind die Verfahren zur \u00dcberpr\u00fcfung der Echtzeit\u00fcberwachung Verfahren, die erst nach den Verhandlungen eingesetzt werden k\u00f6nnen und implizieren, da\u00df vorher unter Vorbehalt der Nutzung zugesagte R\u00e4ume wieder entzogen werden mit den entsprechenden motivationalen Folgen. Schlie\u00dflich haben derartige Verfahren Verhaltens\u00e4nderungen zur Folge. So wird evtl. von Mitarbeitern Pr\u00e4senz erwartet, damit bestimmte R\u00e4ume nicht verloren gehen, obwohl die Mitarbeiter im Homeoffice wesentlich produktiver arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinnvoll schein es daher eher zu sein, Anreize zu setzen, die einen wirtschaftlichen Umgang mit der Ressource Raum initiieren und dabei gleichzeitig keine negativen Auswirkungen auf die Motivation zeitigen. Derartige Anreize k\u00f6nnten beispielsweise durch kalkulatorische Mieten implementiert werden. So k\u00f6nnte etwa die H\u00e4lfte der vermutlich einzusparenden Mietzahlungen den Budgets der Lehrst\u00fchle oder Abteilungen zugeschlagen werden, diese m\u00fcssen aber aus ihren Budgets die kalkulatorische Miete f\u00fcr die von ihnen benutzen R\u00e4ume bezahlen. Die Nutzung der R\u00e4ume konkurriert damit bspw. mit den M\u00f6glichkeiten, Kongresse zu besuchen oder sich andere Ausstattungsgegenst\u00e4nde zu beschaffen. Mit anderen Worten: Es w\u00fcrden die Entscheidungsm\u00f6glichkeiten der Lehrst\u00fchle und Abteilungen erweitert und gleichzeitig Anreize zu einer effizienten Nutzung der Ressource Raum gesetzt. Freilich ist es nicht sinnvoll, nur die Professoren in Berufungs- bzw. Bleibeverhandlungen mit einem derartigen Anreizregime zu konfrontieren. Vielmehr m\u00fc\u00dfte es universit\u00e4tsweit eingesetzt werden. In den Berufungs- und Bleibeverhandlungen w\u00fcrde es daher f\u00fcr die Professoren vor allem darum gehen, m\u00f6glichst hohe j\u00e4hrliche Strukturzuweisungen zu bekommen. Freilich hat ein derartiger Ansatz auch Nachteile, da die R\u00e4ume unterschiedliche Qualit\u00e4ten haben. Diese k\u00f6nnten aber \u00fcber die Mieth\u00f6he abgebildet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Universit\u00e4ten wirken \u2013 wie das Beispiel der Berufungs- und Bleibeverhandlungen \u00fcber R\u00e4ume zeigt \u2013 f\u00fcr eine B\u00fcrokratie typische Anreizmechanismen. Mit einer entsprechenden Anreizsetzung wie beispielsweise der Einf\u00fchrung einer kalkulatorischen Miete l\u00e4\u00dft sich eine st\u00e4rker am Bedarf orientierte Beanspruchung und Nutzung der R\u00e4ume erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Niskanen, W. A. (1968). The peculiar economics of bureaucracy. The American Economic Review, 58(2), 293-305.<\/p>\n\n\n\n<p>Niskanen, J. (1971). Bureaucracy and representative government. Routledge.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professoren melden in Universit\u00e4ten einen erheblichen Bedarf an B\u00fcro- und Laborr\u00e4umen an und k\u00f6nnen diesen oft durchsetzen. 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