{"id":38556,"date":"2024-11-02T08:48:05","date_gmt":"2024-11-02T07:48:05","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38556"},"modified":"2024-11-02T08:48:05","modified_gmt":"2024-11-02T07:48:05","slug":"gastbeitrag-proletarier-aller-laender-beteiligt-euch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38556","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Proletarier aller L\u00e4nder, beteiligt Euch!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Disruption ist in vollem Gange. \u201eDemographie\u201c und \u201eDigitalisierung\u201c gehen Hand in Hand und ver\u00e4ndern unser gesamtes Leben. Aber w\u00e4hrend \u201edas Methusalem-Komplott\u201c (Frank Schirrmacher) nicht nur in der Rentenkasse, sondern auch in Form des Fachkr\u00e4ftemangels am Arbeitsmarkt immer st\u00e4rker zuschl\u00e4gt, kommen Roboter und k\u00fcnstliche Intelligenz gerade rechtzeitig, um uns aus der demographischen Misere zu befreien. Nur: F\u00fcr wen arbeiten die Roboter eigentlich? Und: Was gibt es an Arbeit?<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss nicht so weit gehen wie der US-amerikanische \u00d6konom und Publizist Jeremy Rifkin, um massive Umbr\u00fcche am Arbeitsmarkt zu erwarten. Rifkin proklamierte bereits 1995 in seinem gleichnamigen Buch \u201eDas Ende der Arbeit\u201c. Seine Kollegen Brynjolfsson und McAfee f\u00fchren die Vorhersage fort, dass es, wenn schon nicht zum Ende der menschlichen Arbeit, so doch zu radikalen Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt kommt. Das \u201ezweite Maschinenzeitalter\u201c, das sie heraufkommen sehen, w\u00fcrde \u2013 anders als das erste \u2013 nicht mehr die Produktivit\u00e4t des Faktors Arbeit durch die Kombination Arbeit und Kapital (also Maschine) heben. Vielmehr w\u00fcrde es Arbeit durch Kapital ersetzen, so ihre Prognose. Neben der Frage, welche Arten von Arbeiten f\u00fcr den Menschen noch bleiben werden und wie viele Stellen es geben wird, tritt zwangsl\u00e4ufig auch die Frage nach deren Bezahlung. Arbeits\u00f6konom <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-662-57600-7_10\">Richard Freeman<\/a> sieht hier einen Paradigmenwechsel im Zusammenspiel von menschlicher und Maschinenarbeit. Er spricht von einer \u201evierten Industriellen Revolution\u201c, in der sich die komparativen Vorteile der Arbeit zugunsten der Maschinen verschieben.&nbsp; Maschinen stie\u00dfen immer st\u00e4rker in hochbezahlte, mit kognitiver Arbeit verbundene T\u00e4tigkeiten vor. Menschliche Arbeitskraft werde zwar auch weiterhin eingesetzt werden, sie m\u00fcsse aber immer st\u00e4rker mit preiswerter Maschinenarbeit konkurrieren. Bisher sei es umgekehrt gewesen: Die Maschinen \u00fcbernehmen Routinearbeiten. Schwere, k\u00f6rperliche Arbeit wurde auf sie verlagert. Die Menschen konnten in h\u00f6her bezahlte, kognitive T\u00e4tigkeiten vorsto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen wir uns in diesen Zeiten noch das marxistisch gepr\u00e4gte Weltbild von \u201eKapitalisten\u201c und \u201eProletariern\u201c leisten? W\u00e4re es nicht Zeit f\u00fcr ein \u201eProletarier aller L\u00e4nder, beteiligt Euch\u201c? Betrachtet man die Geldverm\u00f6gensaufteilung und die Einkommensquellen der Deutschen, so hat sich hier seit dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels (1848) wenig getan. Die wichtigste Einkommensquelle gem\u00e4\u00df DIW sind L\u00f6hne und Einkommen aus selbst\u00e4ndiger T\u00e4tigkeit. Dann folgen Renten. Kapitaleinkommen kommt so gut wie nicht vor. Warum eigentlich? Bei einem Geldverm\u00f6gen in Deutschland, das sich 8.000 Milliarden Euro n\u00e4hert \u2013 da geht doch was! Nach den Zahlen des Deutschen Aktieninstituts besitzen aber nur 12,3 Mio. Deutsche Unternehmensanteile in Form von Aktien oder Aktienfonds, w\u00e4hrend die Masse des Geldverm\u00f6gens in Bankeinlagen und anleihe\u00e4hnlichen Sparformen schlummert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist eine Chance f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-658-44748-9_25\">Mitarbeiterkapitalbeteiligung<\/a>, die bei den gro\u00dfen Kapitalgesellschaften durchaus verbreitet ist. Im Gesamtfeld der deutschen Unternehmen bieten jedoch nur 2 bis 3% ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm an. Dieses geringe Angebot ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass vor allem der Mittelstand noch mit der Mitarbeiterbeteiligung fremdelt beziehungsweise sich der positiven Effekte anscheinend nicht vollends bewusst ist. Denn diese Form des Miteigentums w\u00e4re gerade f\u00fcr ihn im Kampf um Fachkr\u00e4fte interessant. Zudem gelten seit Anfang des Jahres neue Regelungen, die eine Beteiligung der Mitarbeitenden steuerlich st\u00e4rker f\u00f6rdert. Mit 2.000 EUR Freibetrag, die die Mitarbeitenden steuer- und abgabenfrei als Verm\u00f6gensbeteiligungen am Unternehmen pro Jahr erhalten k\u00f6nnen, handelt es sich um den gr\u00f6\u00dften Steuervorteil, den man den Besch\u00e4ftigten sachungebunden zukommen lassen kann. Sollte der Arbeitgeber den Freibetrag nicht vollst\u00e4ndig aussch\u00f6pfen, kann der Mitarbeiter zudem selbst entscheiden, ob er mit Teilen seines Gehalts eine Mitarbeiterbeteiligung bis zu 2.000 Euro im Rahmen einer Entgeltumwandlung erwerben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zahlen, wie auch die Beratungspraxis des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung, lassen jedoch vermuten, dass sich die Verbesserung der Rahmenbedingungen noch nicht \u00fcberall herumgesprochen hat. Denn die neuen Regelungen zur Mitarbeiterbeteiligung kamen ein wenig verdeckt daher. Verpackt im sogenannten Zukunftsfinanzierungsgesetz ging es dem Bundeskabinett vor allem darum, den Start-up-Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb um hochqualifizierte Besch\u00e4ftigte besser zu positionieren. Immerhin ist die Mitarbeiterbeteiligung bei jungen Unternehmen im Kommen, wie eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt. Demnach beteiligen 44 Prozent der Startups ihre Besch\u00e4ftigten am Unternehmen, 42 Prozent k\u00f6nnen sich das f\u00fcr die Zukunft vorstellen. Mehr als die H\u00e4lfte sieht es dabei als moralische und gesellschaftliche Pflicht, die Besch\u00e4ftigten am eigenen Gesch\u00e4ftserfolg zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser begr\u00fc\u00dfenswerten Entwicklung w\u00e4re es vor allem mit Blick auf den Mittelstand als bundesweit gr\u00f6\u00dfter Arbeitgeber w\u00fcnschenswert, dass die Politik die Mitarbeiterbeteiligung als gesamtgesellschaftliche Thematik positioniert, um ihr eine breitere Aufmerksamkeit und Relevanz zu verleihen. \u00c4hnlich wie sie es bei anderen Themen in der Vergangenheit, wie beispielsweise Corporate Social Responsibility (CSR) oder Nachhaltigkeit unternommen hat, k\u00f6nnte sie das Thema durch ein eigenst\u00e4ndiges Programm oder Kampagnen in die Unternehmen tragen. Zum anderen w\u00e4re es auch eine Chance f\u00fcr die Gewerkschaften, die Br\u00fccke zwischen Kapital und Arbeit in Zeiten der Disruption auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der demographischen Entwicklung, aber auch der Robotisierung, ist die Mitarbeiterbeteiligung damit eine echte Chance. Eine St\u00e4rkung des Miteigentums w\u00e4re auch ein Beitrag gegen die Verm\u00f6gensungleichheit und w\u00fcrde den Arbeitnehmer-Miteigent\u00fcmern Kapitaleinkommen erm\u00f6glichen, welches gerade im Alter wichtig ist. Ganz zu schweigen davon, dass Mitarbeiterkapitalbeteiligung die Aktienkultur in Deutschland insgesamt f\u00f6rdern w\u00fcrde. Als Baustein einer breiteren Kapitalbeteiligung w\u00e4re sie somit auch f\u00fcr die Altersvorsorge relevant. Last not least, hilft sie auch den Weg in Management-Buy-Outs zu ebnen, was gerade f\u00fcr den Mittelstand mit Blick auf die Unternehmensnachfolge relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gute dabei: Die Mitarbeiterkapitalbeteiligung hat eine Mehrheit in Deutschland, und die Zustimmung dazu verstetigt sich, wie die Volkswirte der Allianz in ihrer j\u00e4hrlichen Umfrage feststellen. Auf die Frage \u201eW\u00fcrden Sie an einem Programm f\u00fcr Mitarbeiteraktien Ihres Arbeitgebers teilnehmen, wenn Sie dazu Zugang h\u00e4tten?\u201c antworteten 19,4% mit \u201eJa, in jedem Fall\u201c, weitere 36,4% mit \u201eJa, wenn es steuerliche Vorteile mit sich bringt.\u201c 16,5% sind unentschieden. Weniger als ein Drittel lehnen die Mitarbeiterkapitalbeteiligung ab. Dabei zeigt sich: Je j\u00fcnger die Befragten sind, desto h\u00f6her ist die Zustimmung. So hat die Mitarbeiterkapitalbeteiligung bei der GenZ und den Millennials \u2013 also den insgesamt zwischen 1981 und 2010 Geborenen \u2013 eine gute Zwei-Drittel-Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher gilt: Proletarier aller L\u00e4nder, beteiligt Euch \u2013 und liebe Politik, helft ihnen dabei.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Disruption ist in vollem Gange. \u201eDemographie\u201c und \u201eDigitalisierung\u201c gehen Hand in Hand und ver\u00e4ndern unser gesamtes Leben. Doch damit die Roboter und die k\u00fcnstliche Intelligenz auch am Ende f\u00fcr uns arbeiten, und wir nicht f\u00fcr sie, braucht es einen Paradigmenwechsel. Es ist an der Zeit f\u00fcr ein \u201eProletarier aller L\u00e4nder, beteiligt Euch!\u201c. 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