{"id":39270,"date":"2025-02-11T00:29:00","date_gmt":"2025-02-10T23:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39270"},"modified":"2025-02-11T13:06:56","modified_gmt":"2025-02-11T12:06:56","slug":"wirtschaftspolitik-neu-ausrichten-10-belastungen-fuer-den-wohnungsbau-reduzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39270","title":{"rendered":"<b>Wirtschaftspolitik neu ausrichten (10) <\/b><br>Belastungen f\u00fcr den Wohnungsbau reduzieren"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Nach dem jahrelangen Aufschwung der Bau- und Immobilienwirtschaft rissen der j\u00e4he Zins- und Baukostenanstieg beide Branchen in eine schwere Anpassungsrezession, die bis zum aktuellen Rand nicht \u00fcberwunden ist. Die n\u00e4chste Bundesregierung sollte dieses Problem sehr ernst nehmen, da Wohnen in Deutschland bereits relativ teuer ist. Der Schwerpunkt der Ma\u00dfnahmen sollte auf der Angebotsseite liegen: wenn Mieten steigen, hilft es nicht, dieses Steigen mit Ordnungsrecht aufzuhalten, sondern es muss durch mehr Bauten aufgehalten werden. Alles, was im Bestand (aber nicht nur dort) Wohnraum schafft, muss gepr\u00fcft werden. Bestandsma\u00dfnahmen h\u00e4tten gerade deswegen einen Vorzug, weil hier schnell Angebot geschaffen werden k\u00f6nnte, und Geschwindigkeit der Umsetzung muss Priorit\u00e4t haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem jahrelangen Aufschwung der Bau- und Immobilienwirtschaft rissen der j\u00e4he Zins- und Baukostenanstieg beide Branchen in eine schwere Anpassungsrezession, die bis zum aktuellen Rand nicht \u00fcberwunden ist: Die Baugenehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienh\u00e4usern lagen im November 2024 um rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau und etwa auf der H\u00e4lfte der Genehmigungszahlen vor dem Zinsanstieg. Die Zahlen f\u00fcr Ein- und Zweifamilienh\u00e4user haben sich zwar seit einigen Monaten stabilisiert, dies jedoch auf noch niedrigerem Niveau: Bei Ein- und Zweifamilienh\u00e4usern bel\u00e4uft sich der R\u00fcckgang gegen\u00fcber den Vorkrisen-Genehmigungszahlen auf nahezu zwei Drittel. Dass die Fertigstellungszahlen noch nicht in \u00e4hnlichem Ma\u00dfe eingebrochen sind, liegt an den \u00fcblichen Wirkungsverz\u00f6gerungen im Bau und dem guten Auftragsbestand zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 400.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr wurde in keinem Jahr erreicht, und es wird auch in den n\u00e4chsten Jahren verfehlt werden. Dabei gab es weitgehend Konsens, dass diese Fertigstellungszahlen durchaus den Bedarf in Deutschland spiegeln. Die logische Konsequenz ist, dass die Wohnungsmieten gerade in den Ballungsr\u00e4umen und deren Umlandgemeinden weiter steigen und dass dies mittlerweile sogar den zinsinduzierten Preisr\u00fcckgang gestoppt und in vielen Regionen umgekehrt hat. Knappheit diktiert Preisanpassungen nach oben, und dies zwingt mehr Haushalte die wenig erschwinglichen Ballungsr\u00e4ume in Richtung weiteres Umland zu verlassen. Es ist eine der wenig \u00fcberraschenden und doch ungewollten Nebenerscheinungen der unzureichenden Baut\u00e4tigkeit, dass die St\u00e4dte zwar nicht formal, aber de facto weiter nach au\u00dfen wachsen. Die anhaltende wirtschaftliche Schw\u00e4che mit (moderat) wachsenden Arbeitsmarktrisiken wird f\u00fcr betroffene Haushalte die Herausforderungen vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-39274\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/justwipol1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es ist daher notwendig, die Probleme auf den Wohnungsm\u00e4rkten mit einem B\u00fcndel an Ma\u00dfnahmen schnell und energisch anzugehen. Grunds\u00e4tzlich gibt es in Deutschland zwar gen\u00fcgend Wohnfl\u00e4che, auch liegen die mittleren Mietbelastungsquoten heute gar nicht deutlich \u00fcber den langj\u00e4hrigen Mittelwerten. Doch weder helfen abgelegene Wohnungen bei den Herausforderungen in den Ballungsgebieten, noch sind Mittelwerte geeignete Orientierungsgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr Erschwinglichkeitsfragen. Und weil ein deutliches Anheben der Bestandsmieten, z.B. durch eine Deregulierung des Mietrechts keine Mehrheiten in der Bev\u00f6lkerung oder im Bundestag finden d\u00fcrften, ist der Weg \u00fcber das Mietrecht kein schneller und daher wahrscheinlich nur auf dem Papier ein angemessener Weg durch vermehrtes Umziehen aus \u201ezu gro\u00dfen Wohnungen\u201c Platz zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher sollte das Hauptaugenmerk der Wohnungspolitik in den n\u00e4chsten Jahren auf zus\u00e4tzlichem Angebot liegen, und dies umfasst drei Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel: Erstens ist es sinnvoll, mehr Nachverdichtung durch Bauen in die H\u00f6he zuzulassen. Historische Stadtbilder zeigen uns, dass es durchaus attraktiv sein kann, unterschiedliche Traufh\u00f6hen in direkter Umgebung zuzulassen. Schnelleres Umwidmen von gewerblichen Fl\u00e4chen zu Wohnfl\u00e4chen kann ebenfalls eine Rolle spielen. Weil dies kaufm\u00e4nnisch nicht immer einfach ist, w\u00e4re auch hier das Zulassen zus\u00e4tzlicher aufgestockter Etagen ein Weg, erschwinglichere Fl\u00e4chen durch mehr H\u00f6he zu finanzieren. Doch alle Nachverdichtungen sto\u00dfen schnell auf innerst\u00e4dtische Widerst\u00e4nde, daher ist es auch richtig, nicht nur die vertikale, sondern auch die horizontale Stadtvergr\u00f6\u00dferung zu pr\u00fcfen. Nat\u00fcrlich ist auch dies nur ein Kompromiss, doch angesichts des starken Bev\u00f6lkerungsanstiegs in den deutschen St\u00e4dten (inkl. Umlandgemeinden), w\u00e4re es falsch, dies nicht zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens sind die Baukosten in Deutschland in den letzten Jahren nicht nur schneller als in der Vergangenheit gestiegen, sie stiegen auch schneller als in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Es ist daher notwendig, mehr daf\u00fcr zu tun, dass der Kostendruck abnimmt, denn ansonsten wird das Angebot zwangsweise im h\u00f6heren Qualit\u00e4tssegment angeboten. Die Entlastung k\u00e4me dann erst sp\u00e4t \u00fcber Sickereffekte bei jenen an, die am dringlichsten Wohnraum ben\u00f6tigen. Verfahren m\u00fcssen vereinfacht und beschleunigt werden. Bauordnungen k\u00f6nnen vereinheitlicht werden, modulares und vorgefertigtes Bauen liegt als Aufgabe eher bei den privaten Unternehmen, aber auch Unternehmen der \u00f6ffentlichen Hand k\u00f6nnen hier aktiv werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens ist bessere Transparenz hilfreich, um Prozesse zu beschleunigen, Preis- und Mietstatistiken in Deutschland sind im internationalen Vergleich noch immer unzureichend. Entscheidungen ohne belastbare Informationen sind risikobehaftet, also teuer.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich bedarf es einer stabilen, verl\u00e4sslichen F\u00f6rderpolitik mit einem Schwerpunkt auf Wohngeld. In den Programmen aller Parteien finden sich Aussagen zum Wohneigentum. Das ist durchaus dann f\u00f6rderlich, wenn hier die Baunebenkosten adressiert werden. Das f\u00fchrt nicht zwingend zu niedrigeren Immobilienpreisen, aber senkt die Eigenkapitalanforderungen an jungen Familien, und das kann Prozesse erleichtern und Haushalte fr\u00fcher in Wohneigentum f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend: ist die Mietpreisbremse sinnvoll? Sie ist wahrscheinlich weniger sch\u00e4dlich als bef\u00fcrchtet, da sie als Mietregulierung der zweiten Generation Anreize f\u00fcr Investoren l\u00e4sst, die eine harte Deckelung n\u00e4hme. Eine Verl\u00e4ngerung der Bremse kann dann ein f\u00fcr B\u00fcrger richtiges Signal sein, und es kann f\u00fcr Investoren tragf\u00e4hig sein, wenn es nicht in einer Versch\u00e4rfung m\u00fcndet. Doch es muss sichergestellt werden, dass die Mietpreisbremse tats\u00e4chlich irgendwann ausl\u00e4uft, ansonsten erodiert notwendiges Vertrauen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allen diesen Ma\u00dfnahmen muss es um Geschwindigkeit gehen, denn Erschwinglichkeit ist ein akutes Problem f\u00fcr Haushalte mit geringem Einkommen. Neben diesem dringlichsten Thema w\u00e4re es gut, wenn die Bundesregierung (sowie kommunal Verantwortliche) eine langfristige Diskussion ansto\u00dfen w\u00fcrden, wie unsere Lebensr\u00e4ume in der mittleren Frist aussehen k\u00f6nnten. Es fehlt aktuell an urbaner Vision, und dies in einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist. Hier geht es weder um eine schnelle und schon gar nicht einheitliche Antwort, sondern es geht darum, dass man neben den dringlichen Kurzfristantworten nicht das strategisch Gro\u00dfe aus dem Blick verliert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Serie \u201eWirtschaftspolitik neu ausrichten\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jan Schnellenbach (BTU): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39230\">Finanzpolitik stabilit\u00e4tsorientiert gestalten<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Klaus F. Zimmermann (RFW, FU, GLO): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39168\">Migrationspolitik aus der Sackgasse f\u00fchren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Markus Brocksiek (BdSt): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39157\">B\u00fcrokratieabbau forcieren \u2013 Staatseffizienz erh\u00f6hen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Manuel Frondel (RWI): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39114\">Kehrtwende in der Energiepolitik schaffen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bernd Raffelh\u00fcschen (ALU): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39058\">Rentenversicherung generationengerecht reformieren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Christoph A. Schaltegger (IWP): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39078\">Mehr Schweiz wagen<\/a> (Podcast)<\/p>\n\n\n\n<p>Astrid Rosenschon (IfW): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38998\">Subventionen radikal k\u00fcrzen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Heise (HQ Trust): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38976\">Wachstumskr\u00e4fte und Arbeitsvolumen steigern<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU) und J\u00f6rn Quitzau (Bergos): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38971\">Wirtschaftspolitik neu ausrichten<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem jahrelangen Aufschwung der Bau- und Immobilienwirtschaft rissen der j\u00e4he Zins- und Baukostenanstieg beide Branchen in eine schwere Anpassungsrezession, die bis zum aktuellen Rand nicht \u00fcberwunden ist. 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