{"id":39484,"date":"2025-02-27T00:20:00","date_gmt":"2025-02-26T23:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39484"},"modified":"2025-03-01T10:24:00","modified_gmt":"2025-03-01T09:24:00","slug":"gastbeitrag-wiederaufbau-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39484","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Wiederaufbau der Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Sollten es die USA schaffen, mit Russland einen Frieden in der Ukraine auszuhandeln, werden die Kosten f\u00fcr den Wiederaufbau des kriegszerst\u00f6rten Landes und f\u00fcr die Absicherung des Friedens in das Zentrum r\u00fccken. Wir versuchen eine grobe Absch\u00e4tzung des Mittelbedarfs.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die US-Regierung macht Druck, um m\u00f6glichst bald einen Frieden oder doch zumindest einen Waffenstillstand in der Ukraine zu erreichen. Dazu sind offenbar direkte Verhandlungen mit Russland ohne die EU und mit unklarer Beteiligung der Ukraine selbst geplant. Ob es unter diesen Voraussetzungen zu einem raschen Ende der Kampfhandlungen kommen kann, l\u00e4sst sich nur schwer beurteilen. Dennoch r\u00fccken bereits jetzt die Kosten eines Wiederaufbaus in der Ukraine in das Zentrum des Interesses. Wir versuchen, einige grobe Anhaltspunkte f\u00fcr den Umfang des Wiederaufbaus zu geben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-d225ce6b-31fc-4d92-b59a-f61bdbbf2860\">Kriegssch\u00e4den in der Ukraine&#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Eine Absch\u00e4tzung des Mittelbedarfs f\u00fcr den Wiederaufbau beginnt mit einer Begutachtung der entstandenen Sch\u00e4den. Die schlimmsten Sch\u00e4den eines Krieges sind nat\u00fcrlich die menschlichen Verluste: Tote, Verwundete und anderweitig Versehrte. Wir konzentrieren uns hier auf die enormen materiellen Verluste und st\u00fctzen uns dabei auf die von der Ukraine gemeinsam mit EU, Weltbank und UN vorgelegten Sch\u00e4tzungen der Kriegssch\u00e4den (Rapid Damage and Need Assessment, RDNA) <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#FN1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[1]<\/a>. Bislang liegen drei solche Sch\u00e4tzungen vor, die letzte wurde vor einem Jahr mit dem Stand von Ende 2023 ver\u00f6ffentlicht<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Direkte Sch\u00e4den.<\/strong> Damit sind die Zerst\u00f6rungen von Wohnraum, Infrastruktur oder Produktionsanlagen gemeint. Ende 2023 waren rund 10% des Wohnraums der Ukraine besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt. Dazu kommen Zerst\u00f6rungen der Infrastruktur oder an Produktionsanslagen. Alles in allem veranschlagt man diese Sch\u00e4den auf \u00fcber 150 Mrd Dollar (Abb. 1). Nach einem weiteren Jahr Krieg d\u00fcrften sie nun \u00fcber 200 Mrd Dollar liegen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Indirekte Sch\u00e4den (&#8222;Losses&#8220;)<\/strong>. Kampfhandlungen und Vertreibungen f\u00fchren zu Produktionsausf\u00e4lle oder Ernteverlusten. So waren per Ende 2023 5,9 Millionen Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern registriert, dazu kamen 3,7 Millionen Binnenfl\u00fcchtlinge. Zudem sind bis zu einer Million Personen in der ukrainischen Armee. Millionen Menschen wurden dem Arbeitsmarkt in der Ukraine somit entzogen. Diese Menschen konnten in den letzten drei Jahren somit nicht mehr oder zumindest nicht in gewohntem Umfang zur Wertsch\u00f6pfung beitragen. Ausgefallene Unterrichts- und Ausbildungszeiten haben ebenfalls \u00f6konomische Folgekosten. Die indirekten Sch\u00e4den sind deutlich h\u00f6her als die direkten und werden per Ende 2023 mit rund 500 Mrd Dollar veranschlagt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu den direkten Sch\u00e4den lassen sich die indirekten sp\u00e4ter nur teilweise wieder ausgleichen \u2013 so ist eine ausgefallene Ernte unwiederbringlich verloren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-ae2363b5-43af-427c-a709-740312d408f6\">&#8230; und der Bedarf des Landes f\u00fcr Wiederaufbau und Erholung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Berichte der Ukraine und ihrer Partner ermitteln neben der Erfassung der Sch\u00e4den auch den Bedarf f\u00fcr den Wiederaufbau des Landes (&#8222;Need&#8220;). Der so ermittelte Betrag ist laut RDNA eine Sch\u00e4tzung der Mittel, die zur &#8222;Wiederherstellung der Vorkriegsnormalit\u00e4t&#8220; notwendig sind. Erfasst werden die zu erwartenden Kosten von Reparatur und Wiederherstellung, einschlie\u00dflich einer Pr\u00e4mie f\u00fcr einen h\u00f6heren Baustandard als beim zerst\u00f6rten und besch\u00e4digten Bestand. Hinzu kommt ein Ausgleich f\u00fcr die globale Inflation, Preissteigerungen aufgrund des Bauvolumens oder h\u00f6here Versicherungskosten. Ebenso ber\u00fccksichtigt werden die Kosten der Kampfmittelbeseitigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mittelbedarf f\u00fcr den Wiederaufbau wurde vom RDNA-3 (dem dritten entsprechenden Bericht) per Ende 2023 auf 486 Mrd. Dollar gesch\u00e4tzt. Nimmt man zum Ausgleich der zwischenzeitlich verursachten zus\u00e4tzlichen Sch\u00e4den einen \u00e4hnlichen Anstieg wie 2023 an, d\u00fcrfte sich der Bedarf auf 550 Mrd Dollar erh\u00f6ht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind einige Einordnungen vorzunehmen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erstens erstreckt sich dieser angenommene Bedarf \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren. Im Durchschnitt also auf 55 Mrd Dollar im Jahr, wobei der Bedarf am Anfang vermutlich h\u00f6her liegen wird, um die dr\u00e4ngendsten Sch\u00e4den zu beheben.<\/li>\n\n\n\n<li>Zweitens ist mit der Bedarfssch\u00e4tzung noch keine Aussage dar\u00fcber getroffen, wer die n\u00f6tigen Ressourcen bereitstellt. Es wird wohl nicht der gesamte Mittelbedarf aus dem Ausland gedeckt werden, sondern ein erheblicher Teil auch von der Ukraine selbst.<\/li>\n\n\n\n<li>Drittens werden weder das (westliche) Ausland noch die Ukraine Wiederaufbauhilfen f\u00fcr die vermutlich weiterhin von Russland besetzten Gebiete leisten. Diese, etwa im Donbas, sind besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden, da sie der Schauplatz schwerer Kampfhandlungen waren.<\/li>\n\n\n\n<li>Viertens schlie\u00dflich sind \u00f6konomische Grenzen nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Kernfrage hier ist, wie viel Mittel eine Wirtschaft der Gr\u00f6\u00dfe der Ukraine im Jahr \u00fcberhaupt sinnvoll verwenden kann.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-39488\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-8e09d205-4869-4693-854f-986b771a1486\">&#8230; vor dem Hintergrund der ukrainischen Wirtschaft<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus realwirtschaftlicher Sicht w\u00e4ren Wiederaufbauhilfen aus dem Ausland gleichbedeutend mit der Finanzierung und Bereitstellung der f\u00fcr den Aufbau notwendigen Importe. Dies w\u00e4ren beispielsweise Maschinen (darunter Baumaschinen), Generatoren, Materialien, Fahrzeuge etc. Diese w\u00fcrden dann in den ukrainischen Produktionsapparat integriert oder beim Wiederaufbau verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell leidet die Ukraine unter einem Engpass an Arbeitskr\u00e4ften. Bei einem etwaigen Friedensschluss k\u00f6nnten zahlreiche der im Ausland untergebrachten ukrainischen Fl\u00fcchtlinge ins Land zur\u00fcckkehren, und auch bei der Armee w\u00e4re eine gewisse Demobilisierung wahrscheinlich. Die Arbeitsbev\u00f6lkerung w\u00fcrde dadurch wieder steigen und die aktuell bestehenden Engp\u00e4sse bei Arbeitskr\u00e4ften k\u00f6nnten gelindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Welches Ausma\u00df an ausl\u00e4ndischen Hilfeleistungen (Importen) k\u00f6nnte die Ukraine nach einer weitgehenden Reintegration der ukrainischen Arbeitskr\u00e4fte in den Arbeitsmarkt ohne gro\u00dfe Verspannungen &#8222;verarbeiten&#8220;? Ein Anhaltspunkt ist die Wirtschaftsleistung vor der Invasion: 2021 hatte die Ukraine ein BIP von 200 Mrd. Dollar. Sollte das Ausland die gesamten f\u00fcr den Wiederaufbau n\u00f6tigen Ressourcen von 55 Mrd. Dollar im Jahr tragen, entspr\u00e4che dies mehr als einem Viertel des Vorkriegs-BIP der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Teil der Mittel w\u00fcrde die vom Ausland gelieferten Waren bezahlen und damit nicht in die ukrainische Wirtschaft flie\u00dfen. Zudem d\u00fcrfte ein Teil der Mittel an ausl\u00e4ndische Baufirmen flie\u00dfen, die mit ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften in der Ukraine t\u00e4tig werden k\u00f6nnten. Dies k\u00f6nnte den \u00dcberhitzungseffekt weiter abmildern. Allerdings w\u00fcrden auch solche Firmen Zuarbeiter und Lieferanten in der Ukraine besch\u00e4ftigen, sie br\u00e4uchten Unterk\u00fcnfte, und die &#8222;Gastarbeiter&#8220; w\u00fcrden Geld in der Ukraine ausgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit bleibt die Gefahr bestehen, dass der zu erwartende erhebliche Mittelzufluss das Risiko einer wirtschaftlichen \u00dcberhitzung mit sich bringt und m\u00f6glicherweise eine halbwegs gleichgewichtige Wirtschaftsentwicklung erschwert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Vergleich: Der immer wieder als Beispiel f\u00fcr eine erfolgreiche Hilfe beim Wiederaufbau kriegszerst\u00f6rter Wirtschaften angef\u00fchrte Marshallplan \u00fcberstieg nur in seltenen F\u00e4llen 2%-3% des BIP der Empfangsl\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-efeedfc6-b513-4dbe-b702-212551d3204e\">Unter dem Strich<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie viele Mittel m\u00fcssten die ausl\u00e4ndischen Partner f\u00fcr die Ukraine l\u00e4ngerfristig bereitstellen? Wir treffen dazu einige Annahmen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Die Milit\u00e4rhilfe wird vorerst unver\u00e4ndert weitergef\u00fchrt. Bis Ende 2024 addieren sich die milit\u00e4rischen Leistungen der Partner der Ukraine auf 130 Mrd. Dollar, also rund <strong>40 Mrd. Dollar<\/strong> pro Jahr <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#FN2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[2]<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Wiederaufbauhilfe setzen wir mit <strong>20-25 Mrd. Dollar<\/strong> pro Jahr an (damit w\u00fcrde knapp die H\u00e4lfte des Wiederaufbausbedarfs vom Ausland gedeckt). Dies tr\u00e4gt der oben angesprochenen &#8222;Aufnahmef\u00e4higkeit&#8220; der ukrainischen Wirtschaft Rechnung.<\/li>\n\n\n\n<li><a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Die Kosten f\u00fcr die Unterbringung der Fl\u00fcchtlinge (bisher etwa 40 Mrd. Dollar pro Jahr) w\u00fcrden bei einem Waffenstillstand\/Friedensschluss wohl merklich fallen (hier sind aktuell besonders Polen und Deutschland belastet). Entweder ziehen die Ukrainer wieder zur\u00fcck in ihre Heimat. Oder sie bleiben in ihren Aufnahmel\u00e4ndern und w\u00fcrden sich dann nach und nach in den Arbeitsmarkt integrieren und nicht dauerhaft als Fl\u00fcchtling alimentiert werden <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#FN3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[3]<\/a>.Wir setzten vorerst <strong>25 Mrd. Dollar<\/strong> an Fl\u00fcchtlingskosten an.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Alles in allem w\u00e4ren damit 90 Mrd. Dollar pro Jahr aufzubringen. Selbst wenn diese Kosten vollst\u00e4ndig von der EU zu tragen w\u00e4ren, m\u00fcsste die EU damit nicht viel mehr als bisher bereitstellen. Bislang kamen insgesamt 240 Mrd. Dollar von der EU (80 Mrd. Dollar pro Jahr), 115 Mrd. Dollar von den USA und knapp 170 Mrd. Dollar von anderen L\u00e4ndern (Abb. 2).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-39489\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid2-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-e0b9fd0a-9c76-4f5e-9562-a2751e3fa4c6\">Die EU kann sich die Ukraine-Hilfen leisten<\/h2>\n\n\n\n<p>Leistungen f\u00fcr den ukrainischen Wideraufbau w\u00fcrden zu erh\u00f6hter Produktion in der EU f\u00fchren, beispielsweise an Baumaschinen und Baumaterialien. Allerdings sollte die Konjunkturwirkung hier nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden. Schlie\u00dflich bel\u00e4uft sich das BIP der EU aktuell auf etwa 15.000 Mrd. Dollar (Abb. 3). Selbst wenn die kompletten 90 Mrd. Dollar zu h\u00f6herer Produktion in der EU f\u00fchren w\u00fcrden \u2013 eine unrealistische Annahme \u2013 entspr\u00e4che dies einem Konjunktureffekt von allenfalls 0,6% der Wirtschaftsleistung. Umgekehrt hei\u00dft dies auch, dass die EU sich diese Zusch\u00fcsse sicherlich ohne gro\u00dfe Probleme leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-39490\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/ukraineweid3-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h2-2bd784af-69e3-4da5-8f1d-fb8fe9f01299\">Gr\u00f6\u00dferer Kostenblock: Abschreckung<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine weit gr\u00f6\u00dfere Belastung als Hilfen f\u00fcr die Ukraine w\u00e4re die unumg\u00e4nglichen Investitionen in die eigene Verteidigungsf\u00e4higkeit der EU. Im letzten Jahr gaben die europ\u00e4ischen Nato-Staaten rund 2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) f\u00fcr Verteidigung aus. Aktuell werden Zahlen von etwa 3,5% des BIP diskutiert. Die Erh\u00f6hung um 1,5 Prozentpunkte des BIP entspr\u00e4chen Zusatzausgaben von rund 230 Mrd. Dollar pro Jahr. Dabei ist wohl keine gleichm\u00e4\u00dfige Erh\u00f6hung zu erwarten. Staaten, die in der N\u00e4he der Ukraine \u2013 und damit in der N\u00e4he der russischen Bedrohung \u2013 liegen, w\u00fcrden wohl mehr ausgeben. So belaufen sich die polnischen Verteidigungsausgaben bereits 2024 auf 4,1% des BIP.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass eine etwaige &#8222;Schutztruppe&#8220; zur \u00dcberwachung eines Waffenstillstandes oder Friedensschlusses in der Ukraine wohl ebenfalls aus der EU und aus Gro\u00dfbritannien kommen m\u00fcsste; die Amerikaner haben einer Beteiligung mit eigenen Truppen bereits eine Absage erteilt. Hier ist wohl mit erheblichen Truppenst\u00e4rken f\u00fcr eine glaubw\u00fcrdige Absicherung zu rechnen. Die Verteidigungsausgaben gerade f\u00fcr die wahrscheinlichen Truppensteller (Deutschland, Frankreich, Polen und Gro\u00dfbritannien) werden daher wohl noch h\u00f6her liegen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"h6-03e24f69-bfa6-4214-9888-9c8ee0922f49\"><a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><strong>[1] vgl. <a href=\"https:\/\/ukraine.un.org\/en\/260785-updated-ukraine-recovery-and-reconstruction-needs-assessment-released\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Third Rapid Damage and Needs Assessment<\/a> (RDNA3), February 2022 \u2013 December 2023, ver\u00f6ffentlicht im Februar 2024 <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#AN1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(zur\u00fcck zum Text)<\/a><br>[<a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>2] Diese Zahlen st\u00fctzen sich auf den <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/topics\/war-against-ukraine\/ukraine-support-tracker\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ukraine Support Tracker des IfW<\/a> in Kiel. <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#AN2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(zur\u00fcck zum Text)<\/a><br>[3<a target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>] Laut Zuwanderungsmonitor des IAB waren im November 2024 rund 296 Tsd. Ukrainer in Deutschland besch\u00e4ftigt, ein Anstieg von 83 Tsd. im Vergleich zum Vorjahr. Die Besch\u00e4ftigungsquote ist auf knapp 32% gestiegen. <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/e1a8c5a6-97f3-4709-92a2-a1a01b64a293?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#AN3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(zur\u00fcck zum Text)<\/a><\/strong><\/h6>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollten es die USA schaffen, mit Russland einen Frieden in der Ukraine auszuhandeln, werden die Kosten f\u00fcr den Wiederaufbau des kriegszerst\u00f6rten Landes und f\u00fcr die Absicherung des Friedens in das Zentrum r\u00fccken. 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